Mykorrhiza Pilz: Funktion, Vorteile und Beispiele

Naturnahe, artenreiche Stadtnatur zum Thema Mykorrhiza Pilz
Braune Baumwurzeln prägen das Bodengefüge und erzählen von natürlichen Wachstumsprozessen. Foto: mang5ta / Unsplash

Unter der Erde, unsichtbar und dennoch allgegenwärtig, arbeitet eines der ältesten Netzwerke der Pflanzenwelt: der Mykorrhiza Pilz. Diese Symbiose zwischen Pilzgeflecht und Pflanzenwurzel ist keine botanische Kuriosität, sondern eine der grundlegenden Funktionsweisen terrestrischer Ökosysteme. Wer Bäume pflanzt, Grünflächen anlegt oder Vegetationsbestände langfristig etablieren will, kommt an den Mykorrhizapilzen nicht vorbei, denn sie entscheiden maßgeblich mit, ob eine Pflanzung gedeiht oder stagniert.

  • Was Mykorrhiza Pilze sind, wie sie klassifiziert werden und worin sich die wichtigsten Typen unterscheiden
  • Wie die Symbiose zwischen Pilz und Pflanzenwurzel funktioniert und was beide Partner dabei gewinnen
  • Welche Vorteile Mykorrhizapilze für Nährstoffversorgung, Wasserhaushalt und Stresstoleranz bieten
  • Welche Pflanzenarten mit welchen Mykorrhizatypen assoziiert sind und warum das für die Planung relevant ist
  • Wie Mykorrhizapilze in der Landschaftsarchitektur, bei Baumpflanzungen und in der Renaturierung eingesetzt werden
  • Welche Faktoren die Mykorrhizierung hemmen und welche Fehler in der Praxis häufig vorkommen
  • Wie Mykorrhizainokulate bewertet, ausgewählt und fachgerecht angewendet werden
  • Welche Rolle Mykorrhizapilze im Kontext von Stadtvegetation, Klimaanpassung und Bodenökologie spielen

Was ist ein Mykorrhiza Pilz? Definition, Systematik und Typen

Der Begriff Mykorrhiza leitet sich aus dem Griechischen ab: „mykes“ für Pilz und „rhiza“ für Wurzel. Als Mykorrhiza bezeichnet man die mutualistisch-symbiotische Verbindung zwischen dem Myzel eines Pilzes und den Feinwurzeln einer Pflanze. Der Mykorrhiza Pilz ist dabei kein eigenständiger taxonomischer Begriff, sondern eine funktionale Bezeichnung für Pilze aus sehr unterschiedlichen Verwandtschaftsgruppen, die diese spezifische Lebensweise entwickelt haben. Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als achtzig Prozent aller Landpflanzen in irgendeiner Form mykorrhiziert sind, was diese Symbiose zu einem der häufigsten Phänomene in der Pflanzenökologie macht.

Fachleute unterscheiden mehrere Mykorrhizatypen, von denen zwei für die Praxis der Landschaftsarchitektur und Vegetationstechnik besonders relevant sind: die Ektomykorrhiza und die Arbuskuläre Mykorrhiza, kurz AM. Bei der Ektomykorrhiza umhüllt das Pilzmyzel die Wurzelspitzen von außen mit einem dichten Mantel, dem sogenannten Hartigschen Netz, das zwischen die äußeren Wurzelzellen eindringt, ohne in die Zellen selbst einzudringen. Dieser Typ ist charakteristisch für viele Waldbäume der gemäßigten Breiten, insbesondere für Kiefern, Fichten, Buchen, Eichen und Birken. Die Pilzpartner gehören hier häufig zu den Basidiomyceten, also zu jenen Pilzen, die auch die bekannten Fruchtkörper wie Steinpilz, Fliegenpilz oder Pfifferling ausbilden.

Die Arbuskuläre Mykorrhiza dagegen dringt tatsächlich in die Pflanzenzellen ein und bildet dort charakteristische, baumförmig verzweigte Strukturen, die sogenannten Arbuskeln, sowie blasenförmige Speicherorgane, die Vesikel. Daher wird dieser Typ auch als Vesikulär-Arbuskuläre Mykorrhiza (VAM) bezeichnet. Die pilzlichen Partner gehören ausschließlich zur Abteilung der Glomeromycota, einer phylogenetisch alten Gruppe, die sich nicht sexuell fortpflanzt und keine auffälligen Fruchtkörper bildet. Die AM ist der global verbreitetste Mykorrhizatyp und kommt bei Gräsern, Kräutern, den meisten Stauden sowie bei zahlreichen Gehölzen vor, darunter Linden, Ahorne, Robinien und Obstgehölze.

Daneben existieren weitere Mykorrhizatypen wie die Erikoide Mykorrhiza, die für Heidekrautgewächse charakteristisch ist, sowie die Orchideenmykorrhiza, die für Orchideen obligat ist und deren Keimung ohne Pilzpartner gar nicht möglich wäre. Für die Praxis der Freiraumplanung sind diese Typen seltener relevant, spielen aber in der naturnahen Begrünung und bei Renaturierungsvorhaben eine Rolle.

Wie die Symbiose funktioniert: Nährstoffaustausch und gegenseitiger Nutzen

Das Funktionsprinzip des Mykorrhiza Pilzes beruht auf einem präzisen Austausch zwischen zwei Organismen mit komplementären Stärken. Die Pflanze betreibt Photosynthese und produziert Kohlenhydrate, vor allem Glucose und Saccharose, die sie über das Phloem in die Wurzeln transportiert. Der Pilz erhält einen erheblichen Anteil dieser Assimilate, in manchen Studien werden Werte zwischen zehn und dreißig Prozent der gesamten pflanzlichen Photosyntheseproduktion genannt. Im Gegenzug erschließt das weit verzweigte Pilzmyzel dem Pilz und damit der Pflanze Nährstoffe und Wasser aus einem Bodenvolumen, das die Pflanzenwurzel allein nie erreichen könnte.

Der entscheidende Vorteil des Myzels liegt in seiner Geometrie. Pilzhyphen haben einen Durchmesser von wenigen Mikrometern und können in Bodenporen eindringen, die für Wurzelhaare zu eng sind. Das effektive Absorptionsvolumen einer mykorrhizierten Pflanze kann das einer nicht mykorrhizierten Pflanze um ein Vielfaches übersteigen. Besonders relevant ist dies für die Aufnahme von Phosphor, einem Nährelement, das im Boden kaum mobil ist und dessen Ionen sich nur langsam durch Diffusion bewegen. Der Mykorrhiza Pilz transportiert Phosphat aktiv über seine Hyphen zur Pflanzenwurzel und überwindet so die Diffusionsbarriere im Boden. Phosphormangel ist in vielen natürlichen und städtischen Böden ein limitierender Faktor für das Pflanzenwachstum; die Mykorrhiza kompensiert diesen Mangel strukturell.

Neben Phosphor werden auch Stickstoff, Kalium, Zink, Kupfer und Wasser über das Myzelnetz transportiert. Beim Wasser ist der Effekt besonders in Trockenphasen bedeutsam: Das Myzel erschließt tiefere und entferntere Bodenbereiche mit noch verfügbarer Bodenfeuchte und verbessert so die Wasserversorgung der Pflanze in Stressphasen. Gleichzeitig verbessert das Myzel die Bodenstruktur, indem es Bodenteilchen mit Glomalin, einem pilzlichen Glykoprotein, verklebt und stabile Bodenaggregate bildet. Diese Aggregatstruktur erhöht die Wasserspeicherkapazität und die Belüftung des Bodens, was sich wiederum positiv auf das gesamte Bodenleben auswirkt.

Die Pflanze ist in dieser Partnerschaft kein passiver Empfänger. Sie reguliert aktiv, wie viel Kohlenstoff sie an den Pilz abgibt, und kann die Mykorrhizierung bei ausreichender Nährstoffversorgung reduzieren. Bei hohem Phosphatangebot im Boden, etwa durch intensive Düngung, investiert die Pflanze weniger in die Symbiose, weil der Nutzen des Pilzpartners sinkt. Diese Regulation zeigt, dass Mykorrhiza kein starres System ist, sondern eine dynamische, ressourcenabhängige Partnerschaft.

Vorteile des Mykorrhiza Pilzes für Stadtvegetation und Klimaanpassung

Im städtischen Kontext stehen Pflanzen unter einem Bündel von Stressfaktoren, das in natürlichen Ökosystemen selten in dieser Kombination auftritt: verdichtete, oft nährstoffarme oder kontaminierte Böden, eingeschränktes Wurzelvolumen, Hitzestress durch Versiegelung und Albedoeffekte, Trockenheit durch schnellen Wasserabfluss sowie mechanische Störungen durch Baumaßnahmen. Genau hier entfaltet der Mykorrhiza Pilz seinen größten Nutzen. Mykorrhizierte Stadtbäume zeigen in zahlreichen Untersuchungen eine höhere Überlebensrate nach der Pflanzung, eine schnellere Etablierung und eine bessere Toleranz gegenüber Trockenstress.

Die Bedeutung für die Klimaanpassung urbaner Grünstrukturen ist erheblich. Bäume, die als Kühlungsinfrastruktur in Hitzeinseln gepflanzt werden, müssen schnell anwachsen und dauerhaft vitale Kronen ausbilden. Ein Stadtbaum, der in den ersten Jahren nach der Pflanzung mit Nährstoff- und Wassermangel kämpft, kann diese Funktion nicht erfüllen. Die Unterstützung durch Mykorrhizapilze verbessert die Anwuchsrate und reduziert den Bewässerungsaufwand in der Anwuchsphase, was sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich relevant ist. In der Diskussion um resiliente Stadtbäume wird die Mykorrhizierung zunehmend als Bestandteil eines ganzheitlichen Pflanzkonzepts betrachtet, nicht als optionale Zugabe.

Für Renaturierungsvorhaben, Rekultivierungen auf Bergbaufolgeflächen oder die Begrünung von Deponien ist die Mykorrhizierung oft eine Grundvoraussetzung für den Erfolg. Auf stark gestörten Böden fehlen die natürlichen Pilzpopulationen weitgehend, weil das Bodenleben durch Abtrag, Verdichtung oder Kontamination zerstört wurde. Ohne gezieltes Einbringen von Mykorrhizainokula würden Pionierpflanzen auf solchen Flächen jahrelang ohne Pilzpartner wachsen, was ihre Etablierung erheblich verlangsamt. Die Impfung mit geeigneten Mykorrhizapilzen ist in solchen Situationen eine technische Maßnahme mit ökosystemarer Wirkung.

Mykorrhizatypen und Pflanzenauswahl: Was passt zu wem?

Ein zentraler Planungsfehler in der Praxis besteht darin, Mykorrhizainokulate ohne Rücksicht auf die Pflanzenart einzusetzen. Die Symbiose ist nicht universell: Jede Pflanzengattung hat spezifische Pilzpartner, und ein Inokulum, das für Eichen geeignet ist, nützt einer Linde wenig, weil Linden Arbuskuläre Mykorrhiza ausbilden, Eichen dagegen Ektomykorrhiza. Wer diese Grundregel missachtet, verschwendet Ressourcen und erzielt keinen Effekt.

Für die Planung lässt sich eine grobe Orientierung geben. Ektomykorrhizabildende Gehölze, die in der Landschaftsarchitektur häufig verwendet werden, umfassen unter anderem Eichen (Quercus), Buchen (Fagus), Birken (Betula), Kiefern (Pinus), Fichten (Picea), Lärchen (Larix), Tannen (Abies), Hainbuchen (Carpinus) und Erlen (Alnus, wobei Erlen auch Stickstoff fixierende Bakteriensymbiosen eingehen). Arbuskuläre Mykorrhiza bilden dagegen Linden (Tilia), Ahorne (Acer), Eschen (Fraxinus), Robinien (Robinia), Obstgehölze, die meisten Sträucher, Gräser, Stauden und Kräuter aus. Einige Pflanzenfamilien, darunter die Kreuzblütler (Brassicaceae) und die Gänsefußgewächse (Chenopodiaceae), bilden grundsätzlich keine Mykorrhiza und sind auf andere Strategien der Nährstoffaufnahme angewiesen.

Bei der Zusammenstellung von Pflanzgemeinschaften in der Landschaftsarchitektur ist es sinnvoll, die Mykorrhizatypen der verwendeten Arten zu kennen, weil unterschiedliche Arten über das gemeinsame Myzelnetz miteinander verbunden sein können. Dieses sogenannte Common Mycorrhizal Network, kurz CMN, ermöglicht den Transfer von Kohlenstoff, Nährstoffen und Signalmolekülen zwischen benachbarten Pflanzen. In Waldbeständen ist dieses Netzwerk gut dokumentiert; für gestaltete Pflanzungen ist seine Bedeutung Gegenstand aktueller Forschung.

  • Ektomykorrhiza: Eiche, Buche, Birke, Kiefer, Fichte, Lärche, Tanne, Hainbuche
  • Arbuskuläre Mykorrhiza: Linde, Ahorn, Esche, Robinie, Obstgehölze, Sträucher, Gräser, Stauden
  • Erikoide Mykorrhiza: Heidekraut (Calluna), Heidelbeere (Vaccinium), Rhododendron
  • Keine Mykorrhiza: Kreuzblütler (Brassicaceae), Gänsefußgewächse (Chenopodiaceae), Seggen (Carex, teilweise)

Mykorrhizainokulate in der Praxis: Anwendung, Qualität und häufige Fehler

Der Markt für Mykorrhizainokulate hat sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich entwickelt. Angeboten werden Produkte in Form von Pulvern, Granulaten, Gelen oder flüssigen Suspensionen, die entweder Sporen, Myzelfragmente oder kolonisierte Trägersubstrate enthalten. Die Qualität dieser Produkte variiert stark, und die Auswahl erfordert Fachkenntnis. Ein seriöses Inokulum gibt die enthaltenen Pilzarten, die Sporendichte und die Lebensfähigkeit der Propagula an. Produkte ohne diese Angaben sind in der Regel nicht verlässlich beurteilbar.

Für Ektomykorrhizapflanzen werden häufig Inokulate mit Pilzarten wie Pisolithus tinctorius, Rhizopogon-Arten oder Scleroderma-Arten angeboten, die eine breite Wirtspflanzentoleranz aufweisen. Für AM-Pflanzen dominieren Produkte auf Basis von Rhizophagus irregularis (früher Glomus intraradices), einer der am besten erforschten AM-Pilzarten mit nachgewiesener Wirksamkeit bei vielen Wirtspflanzen. Mischprodukte, die sowohl AM-Pilze als auch Ektomykorrhizapilze enthalten, sind für gemischte Pflanzungen gedacht, erfordern aber eine sorgfältige Prüfung, ob die enthaltenen Arten tatsächlich zu den geplanten Pflanzenarten passen.

Die Applikation erfolgt idealerweise direkt an der Pflanzwurzel, weil das Inokulum in engen Kontakt mit den Feinwurzeln gebracht werden muss. Bei Baumschulware wird das Pulver oder Granulat in die Pflanzgrube gegeben oder direkt auf den Wurzelballen aufgetragen. Bei Topfpflanzen kann das Inokulum ins Substrat eingemischt werden. Eine nachträgliche Behandlung bereits gepflanzter Bäume durch Bodeninjektionen ist möglich, aber weniger effizient als die Behandlung zum Zeitpunkt der Pflanzung. Die Lagerung der Produkte ist kritisch: Hitze, UV-Strahlung und Austrocknung schädigen die Pilzpropagula irreversibel.

Zu den häufigsten Fehlern in der Praxis gehören folgende:

  • Einsatz von AM-Inokulum bei Ektomykorrhizapflanzen oder umgekehrt
  • Gleichzeitige Anwendung von Fungiziden oder stark phosphathaltigen Düngern, die die Mykorrhizierung hemmen
  • Lagerung der Inokulate bei zu hohen Temperaturen oder direkter Sonneneinstrahlung
  • Einarbeitung in sterilisierte oder pasteurisierte Substrate, in denen keine natürliche Bodenflora als Aktivierungsgrundlage vorhanden ist
  • Überdosierung in der Erwartung, dass mehr Inokulum mehr Wirkung erzeugt
  • Einsatz auf Standorten mit bereits gut entwickelter natürlicher Mykorrhizapopulation, wo der Zusatznutzen gering ist

Besonders der Punkt der Fungizidanwendung verdient Aufmerksamkeit. Systemische Fungizide, die zur Bekämpfung von Pilzkrankheiten eingesetzt werden, unterscheiden nicht zwischen pathogenen Pilzen und symbiotischen Mykorrhizapilzen. Eine Behandlung kurz vor oder nach der Mykorrhizainokulierung kann den Aufbau der Symbiose vollständig verhindern. Fachplaner müssen diesen Konflikt in der Pflegeplanung berücksichtigen und Fungizideinsatz und Mykorrhizierung zeitlich und räumlich koordinieren.

Mykorrhiza Pilz und Bodenökologie: Das unterirdische Netzwerk als Planungsgrundlage

Das Myzel des Mykorrhiza Pilzes ist nicht nur ein Versorgungskanal für einzelne Pflanzen, sondern ein strukturierendes Element des gesamten Bodenökosystems. In natürlichen Waldböden durchziehen Pilzhyphen jeden Kubikzentimeter des Oberbodens in einer Dichte, die mit bloßem Auge kaum vorstellbar ist. Dieses Netzwerk verbindet Individuen verschiedener Arten und Altersstufen, transportiert Ressourcen zwischen ihnen und reagiert auf Störungen mit Umverteilungsprozessen. Junge Bäume unter dem Kronendach älterer Bäume können über das gemeinsame Myzelnetz Kohlenstoff erhalten, der ihnen das Überleben im Schatten ermöglicht. Dieser Befund hat Konsequenzen für die Beurteilung von Altbaumbeständen in der Planung: Ein alter Baum ist nicht nur ein ästhetisches oder klimatisches Asset, sondern auch ein Knotenpunkt in einem unterirdischen Netzwerk, dessen Verlust die Mykorrhizagemeinschaft des gesamten Standorts schwächen kann.

Bodenverdichtung, wie sie auf Baustellen, in Parkbereichen oder auf intensiv genutzten Grünflächen entsteht, schädigt das Myzelnetz erheblich. Hyphen sind mechanisch fragil und können durch Befahrung oder Verdichtung zerrissen werden. Gleichzeitig verschlechtert Verdichtung die Sauerstoffversorgung des Bodens, auf die aerobe Pilze angewiesen sind. Baumschutzmaßnahmen auf Baustellen, wie sie etwa die ZTV-Baumpflege und die RAS-LP 4 beschreiben, dienen deshalb nicht nur dem Schutz der sichtbaren Wurzeln, sondern auch dem Erhalt des unsichtbaren Mykorrhizanetzwerks. Wer diesen Zusammenhang versteht, argumentiert für Baumschutz auf einer tieferen ökologischen Grundlage.

Die Bodenbearbeitung ist ein weiterer kritischer Faktor. Tiefes Umgraben oder Fräsen zerstört die Myzelnetzwerke mechanisch und setzt gleichzeitig organische Substanz frei, die zu einer vorübergehenden Nährstoffspitze führt. Diese Nährstoffspitze hemmt die Mykorrhizierung, weil die Pflanze bei ausreichendem Nährstoffangebot weniger in die Pilzsymbiose investiert. Für die Anlage naturnaher Pflanzungen, Gehölzpflanzungen und Staudenbeete empfehlen Fachleute deshalb eine möglichst schonende Bodenbearbeitung, die das vorhandene Bodenleben erhält oder gezielt wiederherstellt.

Mykorrhizapilze als Bestandteil einer zukunftsfähigen Vegetationsplanung

Die Auseinandersetzung mit dem Mykorrhiza Pilz führt in der Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung zu einer grundlegenden Perspektivverschiebung: Pflanzen sind keine isolierten Individuen, die in ein Substrat gesetzt werden und von dort aus Nährstoffe aufnehmen. Sie sind Teile eines biologischen Netzwerks, das seinen Wert erst in der Gesamtheit entfaltet. Planung, die dieses Netzwerk ignoriert, arbeitet gegen die Logik des Systems. Planung, die es versteht und nutzt, kann mit weniger Aufwand dauerhaftere und resilientere Vegetationsbestände schaffen.

Das bedeutet konkret: Bodenqualität ist nicht nur eine Frage von pH-Wert, Nährstoffgehalt und Körnung, sondern auch eine Frage der biologischen Aktivität. Ein Boden mit intakter Mykorrhizagemeinschaft ist ein anderer Boden als ein chemisch identischer, aber biologisch verarmter Boden. Substratrezepturen für Stadtbaumstandorte, Pflanzgruben und Vegetationstragschichten sollten deshalb die Förderung des Bodenlebens einschließen, nicht nur die physikalischen und chemischen Parameter optimieren. Die FLL-Empfehlungen für Baumpflanzungen und die einschlägigen Regelwerke für Vegetationstragschichten bieten Anknüpfungspunkte, die in der Praxis noch konsequenter um die biologische Dimension ergänzt werden könnten.

Mykorrhizapilze sind keine Wundermittel, die schlechte Standortbedingungen vollständig kompensieren. Sie sind biologische Partner, die unter geeigneten Bedingungen ihre volle Wirkung entfalten und unter ungünstigen Bedingungen selbst leiden. Wer sie als Planungsinstrument ernst nimmt, muss die Rahmenbedingungen schaffen, unter denen sie funktionieren: ungestörte, lebendige Böden, eine pflanzenartgerechte Auswahl der Inokulate, Verzicht auf hemmende Betriebsmittel und ein Verständnis dafür, dass die Qualität einer Pflanzung sich nicht nur an der Oberfläche entscheidet. Das unterirdische Netzwerk des Mykorrhiza Pilzes ist eine Ressource, die in jeder gut geplanten Grünanlage steckt, wenn man sie lässt.

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Den kompletten Artikel lesen Sie in der G+L 12/18.

Michael D via Unsplash
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Diesen Sommer treten unsere Stadtplanungsmagazine G+L und toposmagazine gemeinsam in den Ring gegen die zukünftigen Hitzewellen dieser Welt. Aber allein schaffen wir das nicht. Machen Sie mit und werden Sie Teil der internationalen Beat the Heat Initiative.

Überall auf der Welt suchen Großstädte nach nachhaltigen Lösungen, um die steigenden Hitzeinseln zu verringern. Mit mäßigem Erfolg. Und das, obwohl es bereits zahlreiche sehr gute Ideen, Innovationen und Strategien gibt. In Zusammenarbeit mit Experten aus aller Welt und einer exklusiven Auswahl von Unternehmen aus dem Bereich der Grünen Infrastruktur bündelt die Beat the Heat Initiative auf einer Online-Plattform das entscheidende Expertenwissen zur nachhaltigen Kühlung unserer Städte, stellt neueste Projekte und Innovationen vor und fasst zusammen, was städtische Entscheidungsträger heute wissen müssen, um eine lebenswerte Metropole von morgen zu gewährleisten. Gemeinsam können wir Maßnahmen ergreifen, um unsere Städte zu kühlen und ein lebenswerteres, nachhaltiges städtisches Umfeld für alle zu schaffen.

Der UHIE – alles andere als unaufhaltsam

Der urbane Wärmeinseleffekt bezeichnet das Phänomen, dass in städtischen Gebieten aufgrund menschlicher Aktivitäten wie Gebäuden, Straßen und Verkehrsmitteln, die Wärme absorbieren und einschließen, höhere Temperaturen herrschen als in den umliegenden ländlichen Gebieten. 60.000 – das ist laut WHO die Zahl der hitzebedingten Todesfälle in Europa allein im Jahr 2022. Der urbane Wärmeinseleffekt führt dazu, dass die Temperaturen in den Ballungsräumen auf extreme Werte ansteigen. Diese Hitze wirkt sich nicht nur negativ auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Stadtbewohner aus, sondern hat auch Auswirkungen auf den Energieverbrauch sowie die Luft- und Wasserqualität. Dies ist eine der größten Herausforderungen, vor denen Städte auf der ganzen Welt heute stehen. Wenn nicht sogar die größte. Doch der urbane Wärmeinseleffekt ist keineswegs unaufhaltsam. Aus diesem Grund haben sich die beiden Stadtplanungsmagazine G+L und toposmagazine zur Beat the Heat Initiative zusammengeschlossen.

Auftrag: Verbesserung der städtischen Lebensqualität

In Zusammenarbeit mit internationalen Experten aus Privatwirtschaft, Wissenschaft und Stadtverwaltung hat die Beat the Heat Initiative die Aufgabe, das Bewusstsein für den städtischen Wärmeinseleffekt zu schärfen und Einzelpersonen, Unternehmen und Gemeinden in die Lage zu versetzen, wirksame Maßnahmen zur Eindämmung seiner Auswirkungen zu ergreifen. Durch die Umsetzung einfacher, aber wirksamer Strategien können wir den Hitzestau verringern, Energie sparen, die Luftqualität verbessern und die Lebensqualität in unseren Städten insgesamt erhöhen.

Hauptziele von Beat the Heat

  1. Bildung und Öffentlichkeitsarbeit: Bereitstellung von internationalen Bildungsressourcen und Informationen, um das Verständnis für den städtischen Wärmeinseleffekt zu verbessern.
  2. Advocacy und politische Unterstützung: Einsatz für politische Maßnahmen und Initiativen zur Förderung von grüner Infrastruktur, nachhaltiger Stadtplanung und klimaresistenter Gestaltung zur Bekämpfung des städtischen Wärmeinseleffekts.
  3. Engagement für die Gemeinschaft: Zusammenarbeit mit internationalen Experten, Unternehmen und Gemeinden, um die Zusammenarbeit zu fördern und wärmereduzierende Lösungen an der Basis umzusetzen.
  4. Entwicklung grüner Infrastrukturen: Förderung der Einführung von Gründächern, Baumpflanzungsinitiativen, durchlässigen Bürgersteigen und anderen naturbasierten Lösungen zur Kühlung städtischer Umgebungen und zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit.
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