Nachhaltige Landschaftsarchitektur im Sanctum Retreat in Litauen: Die moderne Holzarchitektur fügt sich harmonisch in den bestehenden Wald ein. Foto: Leonas Garbačauskas via v2com
Nachhaltige Landschaftsarchitektur im Sanctum Retreat in Litauen: Die moderne Holzarchitektur fügt sich harmonisch in den bestehenden Wald ein. Foto: Leonas Garbačauskas via v2com

Ein moderner Rückzugsort muss heute weit mehr leisten als ästhetisch zu überzeugen. Er soll entschleunigen, die Natur erlebbar machen und gleichzeitig verantwortungsvoll mit bestehenden Landschaften umgehen. Genau an diesem Punkt setzt das Sanctum Nature Therapy Retreat in der Region Vilnius an. Das vom litauischen Architekturbüro archesentworfene Projekt zeigt eindrucksvoll, wie nachhaltige Landschaftsarchitektur und zeitgemäße Holzarchitektur miteinander verschmelzen und neue Maßstäbe für naturnahe Baukonzepte setzen.

Architektur als Teil der Landschaft

Anstatt die Landschaft zu dominieren, fügt sich das Sanctum Retreat harmonisch in den bestehenden Wald ein. Die Gebäude wurden bewusst entlang der natürlichen Topografie platziert und respektieren den vorhandenen Baumbestand. Dieses Planungsprinzip ist ein Paradebeispiel dafür, wie moderne Landschaftsarchitektur ökologische Verantwortung und architektonische Qualität miteinander vereint.

Das Ensemble besteht aus einem zentralen Hauptgebäude sowie sieben freistehenden Gästehäusern, die zwischen den Bäumen verteilt wurden. Dadurch entstehen private Rückzugsorte, ohne die Kontinuität des Waldes zu unterbrechen. Wege, Aufenthaltsbereiche und Freiflächen wurden so gestaltet, dass Besucher die Natur zu jeder Jahreszeit intensiv erleben können.

Nachhaltige Landschaftsarchitektur als Leitgedanke

Im Mittelpunkt des Projekts steht der sensible Umgang mit der vorhandenen Natur. Bereits in der frühen Planungsphase wurde darauf geachtet, möglichst wenig in das bestehende Ökosystem einzugreifen. Statt großflächiger Erdarbeiten oder künstlicher Geländeveränderungen orientierte sich die Architektur konsequent an den natürlichen Gegebenheiten.

Dieser Ansatz gewinnt auch im Garten- und Landschaftsbau zunehmend an Bedeutung. Naturnahe Planung bedeutet heute nicht mehr nur das Pflanzen heimischer Gehölze, sondern das Erhalten bestehender Vegetation, die Förderung der Biodiversität und die Entwicklung langlebiger Freiräume mit minimalem Eingriff in natürliche Prozesse.

Das Sanctum Retreat verdeutlicht, dass nachhaltige Landschaftsarchitektur nicht auf Verzicht basiert, sondern auf intelligentem Planen und einem respektvollen Umgang mit dem Bestand.

Holzarchitektur trifft auf moderne Materialien

Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist die konsequente Verwendung nachhaltiger Baustoffe. Die Tragstruktur besteht vollständig aus Cross Laminated Timber (CLT), einem modernen Massivholzsystem, das aufgrund seiner hervorragenden CO₂-Bilanz zunehmend im nachhaltigen Bauen eingesetzt wird.

Die Fassaden kombinieren Kebony-behandeltes Kiefernholz mit Kupferverkleidungen. Beide Materialien altern auf natürliche Weise und entwickeln im Laufe der Zeit eine charakteristische Patina. Dadurch verändert sich das Erscheinungsbild der Gebäude harmonisch mit ihrer Umgebung – ein wichtiges Prinzip zeitgemäßer Landschaftsarchitektur.

Im Innenraum setzen Holzoberflächen, geschliffene Betonböden sowie großzügige Glasflächen den Dialog zwischen Architektur und Natur fort. Die großen Fenster öffnen den Blick in den Wald und lassen Tageslicht zu einem prägenden Gestaltungselement werden.

Naturtherapie als architektonisches Konzept

Immer mehr Studien belegen die positive Wirkung natürlicher Umgebungen auf Gesundheit und Wohlbefinden. Das Sanctum Retreat greift diese Erkenntnisse auf und übersetzt sie in ein räumliches Konzept.

Das Hauptgebäude beherbergt elf Gästezimmer, gemeinschaftliche Speisebereiche, einen Veranstaltungssaal sowie verschiedene Wellnessbereiche. Ergänzt werden diese durch sieben eigenständige Waldhütten, die bewusst Distanz zum Alltag schaffen und Raum für Ruhe, Meditation und Erholung bieten.

Die Architektur fungiert dabei nicht als Selbstzweck, sondern als Rahmen für Naturerfahrungen. Die Grenzen zwischen Innen- und Außenraum verschwimmen, wodurch Besucher den Wald als integralen Bestandteil ihres Aufenthalts erleben.

Impulse für den modernen Garten- und Landschaftsbau

Auch für Planer im Garten- und Landschaftsbau bietet das Projekt zahlreiche Anregungen. Besonders deutlich wird, wie sich Freiräume entwickeln lassen, ohne bestehende Landschaften grundlegend zu verändern.

Zu den wichtigsten Gestaltungsprinzipien gehören:

  • Erhalt vorhandener Vegetation statt umfangreicher Rodungen.
  • Orientierung der Gebäude an natürlichen Geländestrukturen.
  • Verwendung langlebiger und nachhaltiger Materialien.
  • Schaffung naturnaher Aufenthaltsbereiche mit hoher Aufenthaltsqualität.
  • Integration von Architektur und Landschaft zu einem ganzheitlichen Erlebnis.

Diese Herangehensweise entspricht den aktuellen Anforderungen an klimaresiliente Freiraumplanung und nachhaltige Landschaftsentwicklung.

Vier Jahre Planung für ein ganzheitliches Naturerlebnis

Von der ersten Idee bis zur Fertigstellung vergingen insgesamt vier Jahre. Diese lange Entwicklungszeit verdeutlicht den hohen planerischen Anspruch des Projekts. Architektur, Landschaft und Nutzung wurden nicht getrennt betrachtet, sondern als zusammenhängendes System entwickelt.

Das Ergebnis ist weit mehr als ein Hotel oder Wellnesszentrum. Sanctum versteht sich als Ort der Entschleunigung, an dem Architektur die Natur ergänzt und nicht ersetzt.

Das Sanctum Nature Therapy Retreat zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in einer konsequent nachhaltigen Landschaftsarchitektur steckt. Durch den sensiblen Umgang mit dem Wald, den Einsatz moderner Holzbautechnologien und eine Architektur, die sich bewusst in ihre Umgebung einfügt, entsteht ein Rückzugsort von außergewöhnlicher Qualität.

Für Garten- und Landschaftsarchitekten, Planer sowie alle, die sich mit nachhaltiger Freiraumgestaltung beschäftigen, liefert das Projekt wertvolle Impulse für die Zukunft des Bauens. Es beweist, dass anspruchsvolle Architektur und intakte Natur keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig stärken können, wenn Planung und Landschaft im Einklang gedacht werden.

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Visualisierung der Neuen Gertraudenbrücke – Blick von der Mitte des Spreekanals stromabwärts. Copyright: sbp – schlaich bergermann partner
Visualisierung der Neuen Gertraudenbrücke – Blick von der Mitte des Spreekanals stromabwärts. Copyright: sbp – schlaich bergermann partner

Der Wettbewerb für den Ersatzbau der Neuen Gertraudenbrücke in Berlin ist seit April entschieden: Das Berliner Ingenieurbüro sbp – schlaich bergermann partner konnte die Jury mit seinem Entwurf überzeugen. Den Siegerentwurf nannte die damalige Senatorin für Umwelt, Verkehr, Klimaschutz und Verbraucherschutz Bettina Jarasch „eine echte Verkehrswendebrücke“. Wie die Brücke den Verkehr neu ordnen soll, wie der angrenzende Spittelmarkt umgestaltet wird und welche Verbesserungen man sich dadurch erhofft, lesen Sie hier.

Nicht nur eine neue Brücke

Das Berliner Ingenieurbüro sbp – schlaich bergermann partner hat im April 2023 den Wettbewerb zur Gestaltung der neuen Gertraudenbrücke gemeinsam mit SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, OBERMEYER Infrastruktur GmbH & Co. und ENGUITA & LASSO DE LA VEGA gewonnen. Die Jury wählte den Entwurf aus sieben Beiträgen aus. Es handelte sich um einen europaweiten, nicht-offenen Wettbewerb für eine Ersatzbrücke nahe dem Spittelmarkt, da die bestehende Gertraudenbrücke aus dem Jahr 1978 konstruktive Mängel und Defizite aufweist.

Das Gewinnerprojekt überzeugte die Jury durch den Vorschlag für einen Brückenneubau, der auch die Gestaltung des angrenzenden Spittelmarkts berücksichtigt. Die neue Brücke soll eine reduzierte Stützweite haben, wodurch eine elegante Konstruktion entsteht. Diese deutlich schmalere neue Gertraudenbrücke wirkt leicht und schlank.

Die Jury aus neun Architekt*innen, Ingenieur*innen und Vertreter*innen der Fachverwaltungen begründete ihre Entscheidung wie folgt: „Das ausgewählte Konzept schlägt vor, den Spittelmarkt von allen trennenden Böschungen zu befreien, die beim autogerechten Ausbau geschaffen wurden. So kann dieser zentrale Platz sehr viel schöner, grüner und alltagstauglicher werden. Es war richtig, nicht nur eine neue Brücke, sondern den Platz insgesamt zur Planungsaufgabe zu machen. Das Konzept besticht durch die Verbesserung der Verkehrsbeziehungen und berücksichtigt die denkmalgeschützte Gertraudenbrücke in besonderem Maße. Die zurückgenommene Brückenkonstruktion des Ersatzneubaus zeichnet sich durch ihre Schlankheit verbunden mit einer reduzierten Stützweite aus.“

Visualisierung der Neuen Gertraudenbrücke – Abendstimmung mit Straßenbahn. Copyright: sbp – schlaich bergermann partner
Visualisierung der Neuen Gertraudenbrücke – Abendstimmung mit Straßenbahn. Copyright: sbp – schlaich bergermann partner

Eine echte Verkehrswendebrücke

Laut Senatorin Bettina Jarasch kann der Siegerentwurf, der sich mit deutlichem Vorsprung durchsetzte, den ganzen Stadtraum aufwerten. Bisher habe die Gertraudenbrücke eher unwirtlich gewirkt, aber nun soll eine neue Zugänglichkeit und Barrierefreiheit entstehen. Vor allem handele es sich um eine „echte Verkehrswendebrücke“, die die Straßenbahn aufnimmt, attraktive Rad- und Fußwege bietet und den Autoverkehr reduzieren soll. Zudem drückte die Senatorin ihre Freude darüber aus, dass der Siegerentwurf aus Berlin kommt.

Die bisherige Gertraudenbrücke, erbaut im Jahr 1978, weist bauliche Mängel und Defizite in der Tragfähigkeit auf. Daher ist ein zügiger Ersatzneubau nötig. Die Wettbewerbsteilnehmer*innen sollten Lösungen für eine funktionale, wirtschaftliche, attraktiv gestaltete und nachhaltige Brücke vorschlagen, die sich städtebaulich-architektonisch in das Umfeld der historischen Mitte einfügt. Darüber hinaus war ein interdisziplinärer Ansatz gefragt, der eine schlüssige Neuordnung der Verkehrsanbindungen für Fuß- und Radverkehr schafft und qualitätsreiche, attraktive Freiräume anbietet.

Im Mai 2023 wurden der Siegerentwurf und die anderen Ergebnisse im Lichthof der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz in Berlin präsentiert. Voraussichtlich im Jahr 2025 soll die bisherige Gertraudenbrücke abgetragen und vom schmalen Neubau ersetzt werden. Schon 2019 wurden Sofortmaßnahmen wie die Einschränkung des Schwerlastverkehrs getroffen, um die sichere Nutzung der Brücke weiterhin zu gewährleisten. Die neue Brücke mit einer Spannweite von 35 Metern wird Kosten von etwa 40 Millionen Euro für das Land Berlin verursachen.

Weiterlesen: Berlins historische Mitte sorgt immer wieder für Diskussionen, so etwa mit Blick auf die Zukunft des Rathausforums.

Presseschau in G+L 02/21

Interdisziplinäres Forschungsprojekt zur „urbanen Walkability“

Die Printversion der G+L hat eine neue Rubrik: Seit Januar 2021 fassen wir jeden Monat in einer Presseschau die Neuigkeiten aus der Planung kurz und knapp zusammen. Lesen Sie hier, was es in die G+L 02/21 geschafft hat – inklusive Quellen und weiterführenden Links.

„urbainable – stadthaltig“ demnächst online. Die Ausstellung zur nachhaltigen Metropole der Zukunft kann bald im Rahmen des neuen Online-Angebots der Akademie der Künste besucht werden – Kuratorenführung mit Tim Rieniets, Matthias Sauerbruch und Jörn Walter eingeschlossen. „urbainable – stadthaltig“ musste coronabedingt vorzeitig geschlossen werden. Mehr zum neuen Online-Programm beim Tagesspiegel.

Nein zu ruinösem Preiswettbewerb. In einem Appell wenden sich die Kammern und Verbände der planenden Berufe an ihre Mitglieder. Man solle sich nicht auf einen ruinösen Preiswettbewerb im Rahmen der neuen HOAI-Regelungen einlassen und weiterhin richtig kalkulieren.

Kahlschlag in Hamburg. Wie der DGGL-Landesverband Hamburg / Schleswig-Holstein berichtet, plant die Stadt Hamburg im Zuge der neuen Sternbrücke umfassende Eingriffe in gewachsenen Strukturen. Damit die Stresemannstraße durchgehend vierspurig für den KFZ-Verkehr ausgebaut werden kann, sollen insgesamt 13 Gebäude weichen – darunter viele Baudenkmäler und kulturelle Institutionen. Mehr Informationen auf garten-landschaft.de.

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BAK-Präsidium pro „Europäisches Bauhaus“. In einem Kommentar zum Jahreswechsel spricht sich das BAK-Präsidium deutlich für das Europäische Bauhaus aus. Dieses stehe demnach als „Synonym für die Notwendigkeit aller Fachdisziplinen, die notwendige Um- und Neugestaltung der gebauten Umwelt in Material, Form, Funktion, Struktur und Kultur zu beschleunigen“.

Interdisziplinäres Forschungsprojekt zur „urbanen Walkability“. Mit der HAW Hamburg untersucht das Institut für Stadtforschung, Planung und Kommunikation (ISP) an der FH Erfurt in den kommenden drei Jahren, wie bewegungsfreundlich Städte und Quartiere sind. Das Projekt mit dem Titel „Gesundheitsfolgenabschätzung in der Stadtentwicklung“ wird vom BMBF mit mehr als 400 000 Euro gefördert.

Vatikan aus 67 000 Legosteinen

Jacques Herzog zum Tod von Luigi Snozzi. Ende Dezember ist der Schweizer Architekt Luigi Snozzi im Alter von 88 Jahren an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben. Bei den Kolleg*innen von SRF erinnert sich Jacques Herzog an ihn als außergewöhnliche, auratische Persönlichkeit. Gerhard Matzig bezeichnet den Tessiner in seinem Nachruf auf SZ.de als „Meister einer geschichtsbewussten Baukultur“.

Bauwende JETZT! Architects for Future hat die Petition „Bauwende JETZT!“ ins Leben gerufen. Die Initiative fordert ein grundlegendes Umdenken in der Baubranche, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Mehr dazu bei den Kolleg*innen von NXT A.

Vatikan aus 67 000 Legosteinen. Der US-Architekt und Legobauer Rocco Buttliere hat mit Legosteinen auf 1,30 x 1,70 Meter im Maßstab 1:650 die Vatikanstadt im Kleinformat nachgebaut. Hier können Sie sich das Modell im Video ansehen.

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