Der neu gewählte Vorstand bdla Bayern bei der Mitgliederversammlung 2025 in München – engagiert für die Zukunft der Landschaftsarchitektur. Von links nach rechts: Prof. Dr. Olaf Schroth, Andrea Albrechtsberger, Dr. Johannes Gnädinger, Nicole M. Meier, Oliver Engelmayer, Marian Elbert und Julian Ulrich. Foto: Peter Timar
Der neu gewählte Vorstand bdla Bayern bei der Mitgliederversammlung 2025 in München – engagiert für die Zukunft der Landschaftsarchitektur. Von links nach rechts: Prof. Dr. Olaf Schroth, Andrea Albrechtsberger, Dr. Johannes Gnädinger, Nicole M. Meier, Oliver Engelmayer, Marian Elbert und Julian Ulrich. Foto: Peter Timar

Im Rahmen der turnusmäßigen Mitgliederversammlung des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekt:innen (bdla) im Landesverband Bayern wurde ein neuer Vorstand gewählt. Alle drei Jahre stellen sich engagierte Fachvertreter:innen zur Wahl, um die Zukunft der Landschaftsarchitektur im Freistaat mitzugestalten. Die jüngste Wahl fand am 21. Februar 2025 in München statt und unterstreicht die kontinuierliche Weiterentwicklung und Professionalisierung des Verbandes.

Kontinuität und frischer Wind im Vorstand bdla Bayern

Für die Amtszeit 2025–2028 wurde Dr. Johannes Gnädinger erneut zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Als geschäftsführender Gesellschafter eines renommierten Planungsbüros bringt er umfassende Erfahrung mit. Bereits in der vergangenen Amtszeit prägte er als Vorsitzender und Leiter der AG Landschaft + Stadt maßgeblich die Ausrichtung des Verbandes.

Unterstützt wird er von Nicole M. Meier als Zweiter Vorsitzenden. Sie ist bereits seit mehreren Jahren im Vorstand aktiv und verantwortet unter anderem die AG Impulse, die innovative Themen innerhalb der Landschaftsarchitektur fördert. Oliver Engelmayer bleibt dem Gremium als Schatzmeister erhalten und bringt zusätzlich seine Expertise in der AG Ökonomie ein.

Neue Gesichter im Führungsteam

Mit großer Zustimmung wurden zudem neue Beisitzer:innen gewählt. Diese repräsentieren ein breites Spektrum der Branche – von der kommunalen Verwaltung bis zur wissenschaftlichen Forschung:

  • Andrea Albrechtsberger, Landschaftsarchitektin in einem etablierten Münchner Büro

  • Prof. Dr. Olaf Schroth, Hochschullehrer im Bereich Geodesign und Landschaftsinformatik

  • Julian Ulrich, Experte aus dem Baureferat der Landeshauptstadt München

  • Marian Elbert, Landschaftsarchitekt bei den Stadtwerken München

Die Neubesetzung bringt frische Perspektiven und stärkt die fachliche Bandbreite im Vorstand bdla Bayern.

Verabschiedung verdienter Mitglieder

Mit großer Wertschätzung wurden langjährige Mitglieder aus dem Vorstand verabschiedet, darunter Prof. Dr.-Ing. Swantje Duthweiler, frühere Vorsitzende, sowie Doris Grabner und Peter Timar. Sie haben den Verband durch ihr Engagement, insbesondere in der Hochschullehre, Ökonomie und Digitalisierung, maßgeblich geprägt und bleiben dem bdla Bayern weiterhin in verschiedenen Funktionen verbunden.

Zukunftsorientierte Ausrichtung

Die Zusammensetzung des neuen Vorstandes zeigt deutlich: Der bdla Bayern setzt auf eine ausgewogene Mischung aus Erfahrung, Innovation und fachlicher Vielfalt. Gemeinsam mit seinen Arbeitsgruppen und Mitgliedern wird der Verband zentrale Themen wie Klimaanpassung, nachhaltige Stadtentwicklung und Digitalisierung aktiv vorantreiben.

Mit dem neuen Vorstand ist der bdla Bayern bestens aufgestellt, um aktuelle Herausforderungen in der Landschaftsarchitektur aktiv anzugehen und neue Impulse für Planung und Gestaltung im öffentlichen Raum zu setzen. Die Wahl markiert einen wichtigen Schritt für die strategische Entwicklung des Berufsstandes in Bayern.

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Planungsbeschleunigung ohne Qualitätsverlust – geht das?

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Eine verkehrsreiche Stadtstraße neben imposanten Hochhäusern, fotografiert von Bin White.

Planungsprozesse in Lichtgeschwindigkeit – und das ganz ohne Einbußen bei der Qualität? Wer davon träumt, landet schnell bei der Gretchenfrage: Kann man tatsächlich schneller planen, ohne dass am Ende die Sorgfalt, die Nachhaltigkeit oder gar die Akzeptanz auf der Strecke bleiben? Zwischen politischem Druck, digitaler Euphorie und klassischen Bedenken der Baukultur lotet dieser Beitrag aus, wie zeitgemäße Stadtentwicklung Prozesse beschleunigen kann – und was es braucht, damit das berühmte „Schneller, aber nicht schlechter“ mehr ist als nur ein politisches Lippenbekenntnis.

  • Was hinter dem Begriff Planungsbeschleunigung steckt und warum er aktueller denn je ist
  • Die größten Hemmnisse im deutschen Planungsalltag – zwischen Bürokratie, Beteiligung und Ressourcenmangel
  • Innovative Werkzeuge: Von agilen Methoden über digitale Zwillinge bis zu Open Urban Platforms
  • Risiken der Beschleunigung: Qualitätseinbußen, Projektakzeptanz, Nachhaltigkeit und Rechtssicherheit
  • Best-Practice-Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Die Rolle von Governance, Kollaboration und Partizipation für gelingende Beschleunigung
  • Wie Planer, Verwaltungen und Politik gemeinsam an einem Strang ziehen können
  • Praktische Tipps für den eigenen Berufsalltag
  • Ein Blick nach vorn: Beschleunigung als Chance für einen neuen Planungsbegriff

Planungsbeschleunigung: Wunschtraum, Zwang oder Meilenstein?

Planungsbeschleunigung ist längst mehr als ein politisches Schlagwort – sie ist zu einer Grundforderung unserer Zeit geworden. Angesichts des wachsenden Wohnraumbedarfs, der Klimakrise, der Transformation von Mobilität und Energie und nicht zuletzt des gesellschaftlichen Wandels steht die Stadtplanung unter enormem Druck. Städte sollen heute nicht nur schneller und effizienter, sondern auch nachhaltiger, resilienter und lebenswerter werden. Doch wie lässt sich dieser Spagat meistern, ohne dass die Qualität der gebauten Umwelt auf der Strecke bleibt?

Der Ruf nach schnelleren Prozessen hallt durch alle Planungsebenen: Von der Quartiersentwicklung bis zur Infrastruktur, von der Baugenehmigung bis zum öffentlichen Raum. Politik fordert zügige Lösungen, Bürger sehnen sich nach sichtbaren Veränderungen, Investoren erwarten Planungssicherheit. Gleichzeitig wächst die Komplexität der Anforderungen: Klimaanpassung, soziale Integration, Digitalisierung, Mobilitätswende – alle wollen mitreden, jeder Aspekt will bedacht sein. In dieser Gemengelage droht die Planung gelegentlich zum Flaschenhals zu werden, der Fortschritt ausbremst und den Wandel lähmt.

Doch ist die Sehnsucht nach Beschleunigung berechtigt oder gar gefährlich? Kritiker warnen, dass Zeitdruck zu Fehlern, mangelnder Beteiligung und oberflächlichen Lösungen führen könne. Planen, so das klassische Credo, brauche eben Gründlichkeit, Abwägung, Sorgfalt. Wer rast, der patzt – und schafft keine qualitätsvolle, nachhaltige Stadtentwicklung. Doch diese Sicht blendet aus, dass langwierige Verfahren nicht automatisch zu besseren Ergebnissen führen. Im Gegenteil: Oft stehen unnötige Bürokratien, veraltete Routinen oder mangelnde Kooperation auf der Bremse.

Planungsbeschleunigung ist also kein Ziel an sich, sondern eine Herausforderung, die klug gestaltet werden muss. Die Kunst besteht darin, Prozesse zu verschlanken, ohne an Tiefe zu verlieren. Es geht darum, Prioritäten zu setzen, Schnittstellen zu optimieren und neue Wege der Zusammenarbeit zu erschließen. Dabei steht nicht Geschwindigkeit gegen Qualität, sondern beides muss sich gegenseitig bedingen. Wer schneller plant, muss auch besser planen – und umgekehrt.

Die Debatte um Planungsbeschleunigung ist daher auch eine Debatte um ein neues Verständnis von Planungskultur. Sie fordert ein Umdenken im Umgang mit Komplexität, Partizipation und Verantwortung. Sie verlangt nach Experimentierfreude, Mut und einer klaren Haltung: Qualität darf kein Luxus sein, sondern muss integraler Bestandteil jeder Beschleunigung sein. Nur dann wird aus dem Wunschtraum ein echter Meilenstein der Stadtentwicklung.

Bürokratie, Beteiligung, Bedenken: Die wahren Bremsklötze im Planungsalltag

Wer den Alltag deutscher, österreichischer oder Schweizer Planungsämter kennt, weiß: Dass Verfahren heute oft zu lange dauern, liegt nicht am fehlenden Willen, sondern an einer Vielzahl von Hemmnissen. Ein wesentliches Problem ist die Bürokratie. Unzählige Vorschriften, Zuständigkeiten, Schnittstellen und Genehmigungswege machen aus dem Planungsprozess ein komplexes Labyrinth. Jede neue Regelung, jede zusätzliche Prüfung, jedes weitere Gutachten verlängert die Zeit vom Entwurf bis zur Umsetzung. Die berühmte „German Angst“ vor Fehlern, Klagen und Haftung tut ihr Übriges: Lieber ein Gutachten zu viel als ein Risiko zu wenig.

Doch Bürokratie ist nur die eine Seite der Medaille. Ein zweiter Bremsklotz ist die Beteiligung. In den letzten Jahren sind die Anforderungen an Transparenz, Mitwirkung und Akzeptanz erheblich gestiegen. Bürger wollen mitreden, Umweltverbände pochen auf Mitsprache, Nachbarn fürchten um ihre Lebensqualität. All das ist legitim und wichtig – doch wenn Beteiligung schlecht organisiert, intransparent oder zu spät erfolgt, wird sie zum Dauerbremser. Statt konstruktiver Mitgestaltung regiert dann der Widerspruch, statt Konsens herrscht Konflikt.

Hinzu kommt der Ressourcenmangel. Viele Planungsämter arbeiten am Limit, Fachkräfte sind rar, Digitalisierung ist noch nicht flächendeckend angekommen. Wer mit veralteten IT-Systemen, zu wenigen Mitarbeitenden und mangelnden Weiterbildungen jongliert, kann keine Wunder vollbringen. Die Folge: Abstimmungsfehler, Stockungen, Frust – und noch mehr Zeitverlust. Gerade in kleineren Kommunen verschärft sich dieses Problem, da die Anforderungen stetig steigen, die Mittel aber oft stagnieren.

Ein weiterer Faktor ist die mangelnde Koordination zwischen den verschiedenen Ebenen und Akteuren. Planung ist immer ein Gemeinschaftswerk aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und externen Experten. Doch hier regieren oft Silos, Ressortdenken und Kompetenzstreitigkeiten. Wer nicht miteinander spricht, sondern gegeneinander arbeitet, verliert wertvolle Zeit. Entscheidungen werden vertagt, Zuständigkeiten unklar, Prozesse verworren. Die vielbeschworene „Planung aus einer Hand“ bleibt meist ein frommer Wunsch.

Zuletzt sind auch rechtliche Unsicherheiten ein Hemmschuh. Unklare Zuständigkeiten, widersprüchliche Gesetze, laufende Klageverfahren und laufend neue Vorgaben sorgen für Unsicherheit. Wer plant, will Rechtssicherheit – doch die ist in vielen Verfahren alles andere als gegeben. Das Risiko, dass ein Projekt am Ende vor Gericht scheitert, lähmt Innovation und bremst Mut. Kurzum: Die Bremsklötze sind vielschichtig – und verlangen nach ebenso vielschichtigen Lösungen.

Innovationsschub gefällig? Wie digitale Werkzeuge und neue Methoden Prozesse beschleunigen

Wer die Planungswelt beschleunigen will, muss auf Innovation setzen. Digitale Technologien, agile Methoden und neue Governance-Modelle bieten enorme Chancen, Prozesse zu verschlanken und zugleich die Qualität zu sichern. Besonders im Fokus stehen dabei Urban Digital Twins – digitale Abbilder der realen Stadt, die Planungsprozesse mit Echtzeitdaten, Simulationen und Prognosen unterstützen. Sie ermöglichen es, Szenarien blitzschnell durchzuspielen, Infrastrukturfolgen zu kalkulieren, Risiken zu erkennen und Varianten transparent zu vergleichen. Städte wie Wien, Zürich und Singapur zeigen, wie Urban Digital Twins die Planung revolutionieren: von der Verkehrssteuerung über das Wassermanagement bis zur Bürgerbeteiligung.

Doch nicht nur digitale Zwillinge treiben die Beschleunigung voran. Auch Building Information Modeling (BIM), intelligente GIS-Systeme und kollaborative Plattformen wie Open Urban Platforms verändern die Arbeit grundlegend. Sie ermöglichen, dass alle Beteiligten – von der Verwaltung über Planer bis zu Bürgern – auf einer gemeinsamen Datenbasis arbeiten, Informationen austauschen und Prozesse synchronisieren. Das reduziert Fehler, beschleunigt Abstimmungen und erhöht die Transparenz. Wer hier investiert, spart am Ende Zeit – und vermeidet teure Nachbesserungen.

Agile Methoden, etwa aus der Softwareentwicklung entlehnt, halten ebenfalls Einzug in die Stadtplanung. Sie setzen auf kurze Planungszyklen, iterative Entwicklung und schnelle Rückkopplung. Statt monatelanger Vorstudien und starrer Fahrpläne steht das Prinzip „Testen, Lernen, Anpassen“ im Mittelpunkt. Das bedeutet nicht, alles auf den Kopf zu stellen – sondern gezielt Experimentierräume zu schaffen, Prototypen zu testen und Feedback frühzeitig einzuholen. So lassen sich Fehler schneller erkennen und beheben, bevor sie zum Flaschenhals werden.

Innovationen erfordern aber auch einen Wandel in der Zusammenarbeit. Interdisziplinäre Teams, offene Schnittstellen und klare Verantwortlichkeiten sind gefragt. Wer Planung als Teamaufgabe begreift und alle Akteure von Anfang an einbindet, vermeidet endlose Abstimmungsschleifen. Hier können Governance-Modelle wie integrierte Projektsteuerung oder Public-Private-Partnerships helfen, die Komplexität zu meistern und Ressourcen zu bündeln. Entscheidungsprozesse werden klarer, Zuständigkeiten eindeutiger und die Motivation aller Beteiligten steigt.

Wichtig ist: Innovation darf kein Selbstzweck sein. Technologien und Methoden müssen auf die jeweiligen Rahmenbedingungen zugeschnitten und sinnvoll eingesetzt werden. Es geht nicht darum, das Rad neu zu erfinden, sondern darum, die vorhandenen Werkzeuge klug zu kombinieren und weiterzuentwickeln. Nur so gelingt es, Prozesse zu beschleunigen – und dabei die Qualität sogar zu steigern.

Schneller, aber nicht schlechter: Wie bleibt die Qualität auf der Strecke – oder gerade nicht?

Die größte Sorge bei aller Beschleunigung bleibt die Qualität. Kritiker befürchten, dass unter Zeitdruck Fehler gemacht, Umweltbelange übergangen, soziale Aspekte vernachlässigt werden. Tatsächlich gibt es zahlreiche Negativbeispiele, bei denen Schnellschüsse zu schlechten Ergebnissen, mangelnder Akzeptanz oder gar Rechtsstreitigkeiten geführt haben. Doch der Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit und Qualität ist nicht zwangsläufig negativ. Im Gegenteil: Mit den richtigen Methoden kann Beschleunigung sogar dazu beitragen, die Qualität zu sichern oder gar zu erhöhen.

Ein Schlüssel ist die frühzeitige und transparente Einbindung aller relevanten Akteure. Wer Beteiligung nicht als lästige Pflichtübung, sondern als Ressource begreift, schafft Akzeptanz und verringert das Risiko späterer Einsprüche. Digitale Beteiligungsplattformen, Visualisierungen und Simulationen machen komplexe Sachverhalte verständlich und ermöglichen konstruktiven Dialog. So lassen sich Konflikte frühzeitig erkennen und lösen, ehe sie das Verfahren verzögern oder blockieren.

Auch die systematische Anwendung von Qualitätsmanagement sichert die Standards. Checklisten, Peer Reviews, Benchmarking und externe Gutachten helfen, die Sorgfalt zu wahren und Fehler zu vermeiden. Moderne digitale Werkzeuge bieten zudem die Chance, Planungsfehler frühzeitig zu erkennen und Varianten zu optimieren. Simulationen, Szenarien und Prognosen machen die Folgen von Entscheidungen transparent und ermöglichen es, die beste Lösung zu finden – schnell und fundiert zugleich.

Ein weiterer Faktor ist die kontinuierliche Weiterbildung der beteiligten Fachkräfte. Wer mit aktuellen Methoden, Technologien und rechtlichen Rahmenbedingungen vertraut ist, kann schneller und sicherer entscheiden. Fortbildungen, Workshops und der Austausch mit anderen Kommunen und Projekten sind daher unerlässlich. Gerade im digitalen Zeitalter gilt: Wer stehen bleibt, verliert – auch in Sachen Qualität.

Letztlich ist Qualität kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis guter Planungskultur. Sie entsteht, wenn alle an einem Strang ziehen, Prozesse klar strukturiert sind und das Ziel klar definiert ist. Planungsbeschleunigung gelingt dann, wenn sie von einer Kultur des Vertrauens, der Zusammenarbeit und der Innovationsfreude getragen wird. Geschwindigkeit und Qualität müssen keine Gegensätze sein – sie können sich gegenseitig bedingen und verstärken.

Best-Practices, Perspektiven und ein Ausblick: Was lernen wir für die Zukunft?

Ein Blick in die Praxis zeigt: Es gibt zahlreiche Beispiele, wie Planungsbeschleunigung ohne Qualitätsverlust gelingen kann. In Wien etwa wurde die Entwicklung neuer Stadtteile durch den Einsatz digitaler Zwillinge und frühzeitiger Bürgerbeteiligung deutlich gestrafft – und zugleich qualitativ vorbildlich umgesetzt. In Zürich sorgt ein agiles Planungsmanagement für kurze Entscheidungswege und hohe Transparenz. In Hamburg werden durch die Kombination aus BIM, interdisziplinären Teams und klarer Governance große Infrastrukturprojekte schneller und sicherer realisiert.

Auch kleinere Städte und Gemeinden profitieren von innovativen Ansätzen. In der Schweiz setzen viele Kommunen auf Open Government Data, um Planungsprozesse transparent und nachvollziehbar zu machen. In Deutschland ermöglichen Förderprogramme wie „Smart City Modellprojekte“ oder „Digitale Städte und Regionen“ den Einstieg in digitale Planungswerkzeuge und neue Kooperationsformen. Entscheidend ist dabei weniger die Größe der Stadt als vielmehr die Bereitschaft, Neues zu wagen und alte Routinen zu hinterfragen.

Die Erfahrungen zeigen: Beschleunigung gelingt dort am besten, wo Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft an einem Strang ziehen. Klare Ziele, offene Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen sind die Grundlage. Externe Moderation, Mediation und Prozessberatung helfen, Konflikte zu vermeiden und Konsens zu schaffen. Wer die richtigen Partner an Bord holt und von anderen lernt, spart wertvolle Zeit – und steigert die Qualität.

Für die Zukunft braucht es einen Paradigmenwechsel im Planungsverständnis. Planung darf nicht länger als linearer, starrer Prozess verstanden werden, sondern als dynamisches, lernendes System. Flexibilität, Iteration und Anpassungsfähigkeit sind gefragt. Digitale Technologien und agile Methoden bieten dafür die Werkzeuge – doch sie müssen klug eingesetzt werden. Nicht Technik, sondern Haltung entscheidet, ob Beschleunigung gelingt.

Der Blick nach vorn ist ermutigend: Mit Mut, Innovationsfreude und einer klaren Qualitätsorientierung kann die Planungswelt nicht nur schneller, sondern auch besser werden. Die Stadt der Zukunft entsteht nicht im Zeitlupentempo – sondern im Takt einer neuen, kooperativen Planungskultur.

Fazit

Planungsbeschleunigung ohne Qualitätsverlust – das ist kein Ding der Unmöglichkeit, sondern eine Frage der richtigen Herangehensweise. Es braucht den Mut, alte Routinen zu hinterfragen, innovative Werkzeuge zu nutzen und neue Formen der Zusammenarbeit zu wagen. Geschwindigkeit und Qualität sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Wer die Chancen der Digitalisierung, der agilen Methoden und der kooperativen Governance klug nutzt, kann Prozesse straffen, Fehler vermeiden und bessere, nachhaltigere Ergebnisse erzielen. Entscheidend ist ein neues Planungsverständnis: Planung als lernender, dynamischer Prozess, der alle Akteure einbindet und auf Transparenz, Vertrauen und Qualität setzt. Dann wird aus dem Schlagwort Planungsbeschleunigung ein echter Fortschritt – für Städte, Gemeinden und die gebaute Umwelt.

en común: Wie wollen wir gemeinsam bauen, leben und arbeiten?

En Común (Foto: © Erik-Jan Ouwerkerk)
En Común (Foto: © Erik-Jan Ouwerkerk)

Vom 14. Mai bis zum 29. Juni zeigt das Architekturforum Aedes eine Ausstellung mit dem Titel „en común“. Zu sehen sind Werke der mexikanischen Architektin Tatiana Bilbao.

Tatiana Bilbao im Architekturforum Aedes in Berlin

Noch bis zum 29. Juni zeigt das Aedes Architecture Forum in Berlin eine Ausstellung mit dem Titel „en común“. Diese Ausstellung von Tatiana Bilbao Estudio zeigt dabei Möglichkeiten des Zusammenkommens und des harmonischen Zusammenlebens sowie Verbindungen zwischen öffentlichem und privatem Raum. Die mexikanische Architektin Tatiana Bilbao erforscht mit ihrem interdisziplinären Büro Tatiana Bilbao Estudio seit über einem Jahrzehnt Fragen des gemeinsamen Bauens, Lebens, Wohnens und Arbeitens. In „en común“, was mit „gemeinsam“ übersetzt werden kann, zeigt sie großformatige Handzeichnungen, Collagen und Modelle von acht realisierten und laufenden internationalen Projekten.

„En común“: Visionen vom Leben und Zusammenkommen

„En común“ bezieht sich auf die verschiedenen Möglichkeiten, wie Projekte und Entwürfe gemeinsam mit Nutzern, Baukonzernen und anderen Architekturbüros entstehen können. Die Elemente der Ausstellung zeigen Visionen des zukünftigen, aber auch des gegenwärtigen Wohnens. Dabei steht das Zusammenkommen von Menschen im Mittelpunkt. Gleichzeitig gibt es viele Details und Wertschätzung für historische Strukturen und Materialien. Nachhaltige Bauweisen und Materialien spielen in der Ausstellung eine ebenso wichtige Rolle wie die sozialen Aspekte der Architektur.

„Eine Stadt vereint unendlich viele Städte, die jeweils von ihren Bewohnern und den in ihnen geschaffenen Räumen geprägt sind. Jeder Bürgersteig, jede Straßenlaterne, jedes Gebäude definiert die Stadt. In diesem Sinne definiert auch jeder Moment der Begegnung und des Miteinanders die Stadt. Das kann im Park, auf dem Markt, in einer Wäscherei oder in der Schule sein“, sagen Tatiana Bilbao und Ayesha S. Gosh, Architektinnen von Tatiana Bilbao Estudio. In ihren Projekten schaffen die Architekt*innen genau solche Räume, in denen sich die Nutzer*innen und Bewohner*innen organisieren können, um gemeinsam zu leben und zu arbeiten.

 

Über die Architektin

Tatiana Bilbao wurde 1972 in Mexiko-Stadt geboren. Im Jahr 2004 gründete sie dann ihr Architekturbüro in Mexikos Hauptstadt. Die Arbeiten von Tatiana Bilbao Estudio konzentrieren sich dabei stets auf den Kontext, in dem die Projekte angesiedelt sind. Die Architekt*innen aus dem Team wenden bei ihren Projekten, die von Masterplänen bis hin zu erschwinglichen Wohnbauprojekten reichen, multidisziplinäre Perspektiven an. Ein wichtiges Ziel der Arbeit von Tatiana Bilbao ist es, einen Beitrag zur jeweiligen Umgebung zu leisten. Gleichzeitig möchte sie flexibel auf die sich ständig ändernden Bedürfnisse des städtischen Kontextsreagieren, indem sie soziale Werte, kollaborative Ansätze und sensible Designideen integriert.

Tatiana Bilbao (Foto: © Volker Renner)
Tatiana Bilbao (Foto: © Volker Renner)

Bevor sie ihr Büro gründete, war Tatiana Bilbao Beraterin im Ministerium für Entwicklung und Wohnungsbau der Regierung von Mexiko-Stadt. Dort konzentrierte sie sich auf die Stadtentwicklung. Zu ihren zahlreichen Auszeichnungen gehören der Emerging Voice Award der Architecture League of New York im Jahr 2010, der Berliner Kunstpreis 2012, der Global Award for Sustainable Architecture der LOCUS Foundation 2014 sowie der Marcus Prize Award 2019. Nun gehört auch der AW Architect of the Year Award 2022 dazu.

 

Ebenfalls interessant ist die Ausstellung zu Isamu Noguchi. Oder: Die bis zum Februar 2022 zu sehende Ausstellung von Tatiana Bilbao im Architekturzentrum Wien, über die unsere Kolleg*innen von BAUMEISTER berichteten.