Die niederländische Raumordnung als Exportschlager – was ist übertragbar?

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Ein Radfahrer überquert eine Brücke über einen Fluss, aufgenommen von Marek Lumi – Symbol für nachhaltige Mobilität in der Stadt.

Die niederländische Raumordnung gilt international als Paradebeispiel für kluge, integrierte und visionäre Planung – und wird längst als Exportschlager gehandelt. Aber was steckt wirklich dahinter? Welche Prinzipien und Instrumente sind auf den deutschsprachigen Raum übertragbar, und wo droht ein böses Erwachen? Wer sich an der niederländischen Raumordnung orientieren will, sollte genauer hinschauen – und nicht nur Tulpen, Wasser und Fahrräder sehen, sondern den tiefen Systemgeist begreifen.

  • Historische Entwicklung und Grundpfeiler der niederländischen Raumordnung
  • Instrumente, Verfahren und Governance-Strukturen im niederländischen Planungssystem
  • Übertragbarkeit auf Deutschland, Österreich und die Schweiz: Chancen und Stolpersteine
  • Vergleich der rechtlichen und kulturellen Rahmenbedingungen zwischen den Ländern
  • Innovative Beispiele: Wasserwirtschaft, Mobilität und Flächenmanagement
  • Partizipation, Konsenskultur und der berühmte „Poldergeist“
  • Grenzen der Übertragbarkeit: politische, gesellschaftliche und landschaftliche Unterschiede
  • Impulse für eine zukunftsfähige, resiliente Stadt- und Regionalplanung
  • Kritische Reflexion: Was lässt sich lernen – und was besser bleiben lassen?

Die DNA der niederländischen Raumordnung: Eine Geschichte von Wasser, Konsens und Mut zum Experiment

Die Niederlande sind ein Land, das sich seine eigene Existenz regelrecht gegen die Natur erkämpft hat. Das Klischee von Windmühlen und Poldern ist dabei mehr als nur Tourismus-Folklore. Es verweist auf eine tief verwurzelte Planungskultur, die seit Jahrhunderten vom Umgang mit Wasser, der Bewältigung von Flächenknappheit und der Notwendigkeit gemeinsamer Lösungen geprägt ist. Die Raumordnung ist in den Niederlanden keine akademische Disziplin, sondern ein gesellschaftliches Überlebensprinzip. Seit dem Mittelalter existieren dort Wassergenossenschaften, die sogenannten „Waterschappen“, die schon früh demokratische Entscheidungsstrukturen etablierten und als Vorläufer moderner Planungsbehörden gelten.

Diese besondere Prägung führte dazu, dass räumliche Planung in den Niederlanden stets als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden wurde. Der berühmte „Poldergeist“ steht für den Willen, gemeinsam tragfähige Kompromisse zu finden – auch wenn es weh tut. Die Raumordnung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg systematisch ausgebaut, insbesondere durch die Einführung von Nationalen Raumordnungsplänen (Nota Ruimtelijke Ordening). Diese Pläne setzten über Jahrzehnte hinweg Leitplanken für die Entwicklung des ganzen Landes und schufen prägnante Instrumente wie das „Groene Hart“ – ein Schutzgebiet im Herzen der Randstad – oder die gezielte Siedlungssteuerung entlang von Bahnlinien, bekannt als „Vinex-Lokationen“.

Die niederländische Planungskultur ist dabei alles andere als dogmatisch. Sie lebt von Pragmatismus und Innovationsbereitschaft. Das zeigt sich etwa im Umgang mit Wasser: Während viele Länder noch über Klimaanpassung diskutieren, hat man in den Niederlanden längst begonnen, mit dem Wasser zu leben, statt es nur zu bekämpfen. Projekte wie „Room for the River“ machen Flüsse wieder zu dynamischen Landschaftselementen, schaffen Retentionsräume und verbinden Hochwasserschutz mit urbaner Lebensqualität.

Diese DNA der niederländischen Raumordnung – geprägt von langfristigen Leitbildern, starker Governance und einem hohen Maß an Konsensfähigkeit – ist der Grund, warum das niederländische Modell heute in vielen Ländern als Vorbild gilt. Doch sie ist auch der Grund, warum eine simple Übertragung kaum möglich ist. Wer das System verstehen will, muss tiefer graben als bis zur Oberfläche der berühmten Fahrradwege.

Die niederländische Raumordnung ist untrennbar mit gesellschaftlichen Prozessen, einer ausgeprägten Planungskultur und einer Bereitschaft zum Experiment verbunden. Sie ist nicht das Ergebnis genialer Einfälle, sondern jahrhundertelanger Aushandlung, permanenter Anpassung und – ja, manchmal auch spektakulären Fehlschlägen. Daraus resultiert ein System, das in seiner Komplexität ebenso faszinierend wie herausfordernd ist.

Instrumente und Verfahren: Wie die Niederlande Raum gestalten – und was daran so anders ist

Das niederländische Raumordnungssystem zeichnet sich durch eine beispiellose Instrumentenvielfalt und eine hohe Verbindlichkeit aus. Im Zentrum stehen mehrstufige Planwerke: Nationale, regionale und kommunale Pläne sind eng miteinander verzahnt. Anders als beispielsweise in Deutschland, wo die Raumordnung häufig in Länderhoheit liegt und die kommunale Planungshoheit hochgehalten wird, sorgt in den Niederlanden ein starker Nationalstaat für Kohärenz und Durchgriffsrechte. Nationale Raumordnungsstrategien werden regelmäßig fortgeschrieben und durch regionale Strukturen wie die „Provincies“ und „Waterschappen“ bis auf die lokale Ebene heruntergebrochen.

Besonders markant ist dabei der Umgang mit Zielkonflikten. Aufgrund der Flächenknappheit und der existenziellen Bedeutung von Wasser sind die Niederlande gezwungen, unterschiedliche Nutzungsansprüche im Dialog zu moderieren. Instrumente wie die „Structuurvisie“ oder der „Bestemmingsplan“ – das niederländische Pendant zum Bebauungsplan – sind nicht nur rechtlich bindend, sondern werden in aufwändigen Beteiligungsprozessen entwickelt. Hier zeigt sich der berühmte Pragmatismus: Wo in anderen Ländern endlose Gutachten und Stellungnahmen produziert werden, setzt man in den Niederlanden auf klare Entscheidungen, aber auch auf die Möglichkeit, Pläne rasch zu ändern, wenn neue Erkenntnisse vorliegen.

Ein weiteres Charakteristikum ist die Integration von Sektoren. Während in Deutschland, Österreich oder der Schweiz häufig noch Silo-Denken in den Verwaltungen herrscht, sind in den Niederlanden Wasserwirtschaft, Verkehrsplanung, Wohnungsbau und Landschaftsschutz institutionell und prozedural eng verflochten. Dieses sektorübergreifende Arbeiten zeigt sich etwa in der Entwicklung der „Delta-Kommissionen“, die nach der Flutkatastrophe von 1953 gegründet wurden und seither als Blaupause für integrierte Klimaanpassung gelten.

Auch in der Bürgerbeteiligung setzen die Niederlande Maßstäbe. Partizipation ist dort weniger ein gesetzliches Muss als vielmehr ein kultureller Standard. Planungsprozesse werden nicht nur von oben nach unten gesteuert, sondern begreifen Bürger, Unternehmen und Organisationen als aktive Mitgestalter des Raums. Dieses „co-creation“-Prinzip ist fest im Planungskanon verankert und führt zu einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz von Planungsentscheidungen.

Die Vielzahl an Instrumenten und Verfahren sorgt für eine beeindruckende Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Gleichzeitig stellt sie hohe Anforderungen an die Fachkompetenz und den Dialog zwischen den Akteuren. Was auf den ersten Blick als Planungsparadies erscheint, ist in Wahrheit ein fein austariertes System – das nur funktioniert, weil es von allen ständig weiterentwickelt wird.

Exportiert und angepasst: Was ist wirklich übertragbar – und was nicht?

Die Faszination für die niederländische Raumordnung ist im deutschsprachigen Raum ungebrochen. Unzählige Delegationen haben sich in Rotterdam, Utrecht oder Amsterdam Inspiration geholt und dabei vor allem die sichtbaren Erfolge bewundert: lebendige Innenstädte, dichte Siedlungsstrukturen, ein ausgeklügeltes Radwegenetz und ein scheinbar müheloser Umgang mit Hochwasser. Doch die Übertragung auf Deutschland, Österreich oder die Schweiz ist alles andere als trivial. Wer die niederländischen Instrumente kopieren will, muss zunächst die unterschiedlichen Rahmenbedingungen anerkennen.

Ein zentrales Hindernis ist die unterschiedliche Governance-Struktur. Während der niederländische Staat in der Raumordnung eine starke, steuernde Rolle einnimmt, ist das deutsche System von einer ausgeprägten kommunalen Selbstverwaltung geprägt. In Österreich und der Schweiz sind die Kompetenzen noch stärker zersplittert. Nationale Leitbilder existieren zwar, haben aber oft wenig Durchsetzungskraft. Daraus resultiert eine geringere Kohärenz und ein höherer Abstimmungsaufwand. Die berühmte „Handlungseinheit“ der Niederlande lässt sich also nicht per Dekret importieren.

Auch in der Beteiligungskultur gibt es Unterschiede. Der niederländische Pragmatismus und die Bereitschaft, Kompromisse zu akzeptieren, sind das Ergebnis jahrhundertelanger Aushandlungsprozesse. In Deutschland und der Schweiz herrscht oft eine stärkere Konfliktorientierung, die sich in endlosen Einwendungen und Klageverfahren niederschlägt. Hier wäre ein Wandel möglich, aber nur über einen langen Zeitraum und mit einer grundlegenden Kulturveränderung.

Die Übertragbarkeit einzelner Instrumente ist dennoch gegeben – etwa im Bereich der integrierten Wasserwirtschaft oder der flexiblen Flächensteuerung. Projekte wie „Room for the River“ könnten als Vorbild für den Umgang mit Starkregen und Hochwasser in deutschen Städten dienen, sofern die rechtlichen Rahmenbedingungen angepasst werden. Auch die sektorübergreifende Planung und die institutionalisierte Zusammenarbeit verschiedener Verwaltungen bieten wertvolle Anregungen. Allerdings bedarf es dazu nicht nur technischer, sondern vor allem politischer Innovationsbereitschaft.

Nicht zuletzt sind die landschaftlichen Voraussetzungen grundverschieden. Die Niederlande sind ein Land der Flachländer, geprägt von jahrhundertelanger Landgewinnung und Wasserregulierung. In den Mittelgebirgs- und Alpenregionen Deutschlands, Österreichs oder der Schweiz sind andere Lösungen gefragt. Hier kann der niederländische Ansatz inspirieren, muss aber stets an die lokalen Gegebenheiten angepasst werden, um nicht zur reinen Folklore zu verkommen.

Innovationen, Impulse und kritische Reflexion: Lektionen für die deutschsprachige Planung

Wer die niederländische Raumordnung als Exportschlager betrachtet, sollte nicht nur auf die Instrumente, sondern vor allem auf die dahinterstehenden Prinzipien schauen. Der Mut zur Integration, die Bereitschaft zum Experiment und die Akzeptanz von Unsicherheiten sind Qualitäten, die auch der deutschsprachigen Stadt- und Regionalplanung guttun würden. Gerade im Umgang mit Klimaresilienz, Flächenknappheit und dem Bedürfnis nach lebenswerter Urbanität bieten die Niederlande wertvolle Impulse.

Ein Beispiel ist die Rolle der Wasserwirtschaft. Während in vielen deutschen Kommunen noch immer Flächenversiegelung und Flussbegradigung vorherrschen, haben die Niederlande längst gelernt, mit dem Wasser zu leben. Projekte wie die „Schwimmenden Häuser“ in IJburg oder die multifunktionalen Deiche in Rotterdam zeigen, wie technologische Innovation und planerische Kreativität Hand in Hand gehen können. Hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen und den eigenen Werkzeugkasten zu erweitern.

Auch im Bereich der Mobilität setzen die Niederlande Maßstäbe. Die konsequente Förderung des Radverkehrs, die enge Verzahnung von öffentlichem Nahverkehr und Siedlungsentwicklung sowie die aktive Steuerung von Flächen für Wohnen und Gewerbe könnten als Vorbild dienen – vorausgesetzt, man ist bereit, den gesellschaftlichen Diskurs zu führen und Zielkonflikte offen auszutragen.

Kritisch zu hinterfragen ist jedoch die Tendenz, das niederländische Modell zu verklären. Nicht alles, was in den Niederlanden glänzt, ist Gold. Auch dort gibt es massive Zielkonflikte, etwa zwischen Wohnraumbedarf und Naturschutz, zwischen Landwirtschaft und Stadtentwicklung. Der hohe Grad an Steuerung bringt mitunter auch eine gewisse Technokratisierung mit sich, die den gesellschaftlichen Diskurs erschweren kann. Zudem sind die Kosten für Deichbau, Wasserwirtschaft und Infrastruktur immens – eine Blaupause für alle Länder sind sie nicht.

Die wichtigste Lektion ist daher vielleicht die Erkenntnis, dass gute Raumordnung immer ein Prozess ist, kein Produkt. Sie lebt von Reflexion, Anpassung und der Bereitschaft, Fehler zu machen – und daraus zu lernen. Wer das niederländische Modell nur als Werkzeugkiste betrachtet, verkennt seinen eigentlichen Wert als Labor für eine resiliente, innovative und gesellschaftlich verankerte Planungskultur.

Fazit: Inspiration, keine Blaupause – Die niederländische Raumordnung als Impulsgeber für den deutschsprachigen Raum

Die niederländische Raumordnung ist zweifellos ein Exportschlager – aber einer mit Gebrauchsanweisung. Sie zeigt, was möglich ist, wenn Gesellschaft, Politik und Planung gemeinsam an einer Vision arbeiten, Zielkonflikte akzeptieren und innovative Lösungen wagen. Ihre Stärken liegen in der Integration, im Mut zum Experiment und in der Bereitschaft, Planung als gesellschaftlichen Aushandlungsprozess zu begreifen.

Für Deutschland, Österreich und die Schweiz bietet das niederländische Modell wertvolle Impulse: für eine sektorübergreifende Zusammenarbeit, für eine stärkere Integration von Wasserwirtschaft und Klimaanpassung, für eine mutigere Flächensteuerung und eine neue Kultur der Partizipation. Wer die Prinzipien versteht und an die eigenen Rahmenbedingungen anpasst, kann daraus echten Mehrwert für die eigene Planungspraxis ziehen.

Doch eine simple Kopie funktioniert nicht. Unterschiedliche Governance-Strukturen, rechtliche Rahmenbedingungen und kulturelle Eigenheiten machen eine 1:1-Übernahme unmöglich. Stattdessen ist Neugier gefragt: auf das, was anders und vielleicht besser ist – aber auch auf das, was im eigenen System schon funktioniert. Die niederländische Raumordnung ist damit weniger ein Exportprodukt als vielmehr ein Katalysator für Innovation, Reflexion und den Mut, eigene Wege zu gehen.

Am Ende bleibt: Wer von den Niederlanden lernen will, muss bereit sein, sich auf einen offenen Prozess einzulassen – mit all seinen Unsicherheiten und Chancen. Die Raumordnung der Zukunft ist keine Blaupause, sondern ein Experimentierfeld. Und wer wagt, gewinnt: nicht nur Land, sondern vor allem Lebensqualität.

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Das Projekt „Public Space and Bathing Culture“, das sich derzeit ein Gebiet des stillgelegten Hafens von Frihamnen in Göteborg, Schweden, aneignet, ist mehr als ein Beteiligungsprojekt oder ein Stadterneuerungsprozess. Durch das Prototyping fördert die Stadt eine Transformationskultur mit ortsspezifischen Interventionen, die die Stadtverwaltung von innen heraus verändern kann.

Von der Sauna Göteborg zur Stadt-Vision

Die öffentliche Sauna am Hafen von Göteborg in Schweden ist vielleicht kein diskretes Projekt, aber es ist definitiv eine Ansammlung von kleinen Initiativen, die den dringend benötigten kreativen Widerstand gegen die langfristigen strategischen Visionen und Pläne für die Umgestaltung dieses heruntergekommenen Hafengebiets fördern.

Die vom Stadtplanungsamt und dem öffentlichen Bauträger Älvstaden Utvecklings AB in Auftrag gegebene öffentliche Sauna des Berliner Architekturbüros Raumlabor ist einer von mehreren Prototypen, die die Initiative “Öffentlicher Raum und Badekultur” bilden. Aus der Zusammenarbeit zwischen den Vertretern der Stadt und raumlabor sind bisher Prototypen wie der Strand, das Schwimmbad, die Sauna, eine Segelschule, die Roller-Derby-Bahn, die urbane Landwirtschaft, ein Park in einem der verlassenen Hangars auf dem Gelände und “The Mountain” – eine Wasserinstallation für Kinder der Künstler Akay und E.B Itso – entstanden.

Ziel der Prototypen ist es, die Erforschung dessen anzuregen, was einen Park des 21. Jahrhunderts ausmacht, und dies in die Gestaltung und Programmierung eines künftigen Parks einfließen zu lassen, mit dem das 400-jährige Bestehen der Stadt Göteborg im Jahr 2021 gefeiert werden soll. Der Park wird den Namen Jubileumsparken tragen, was so viel wie “Jubiläumspark” bedeutet. Die aktuellen Initiativen tragen die Bezeichnung Jubileumsparken 0.5, wobei der Zusatz 0.5 darauf hinweist, dass es sich bei den Prototypen um temporäre Konstruktionen handelt.

2010 startete die Stadt Göteborg eine stadtweite Vision für die Sanierung von neun Stadtteilen, die alle in der Nähe der Ufer des Flusses Göta liegen. Die als “River City Gothenburg Vision” bezeichnete und vom Stadtrat im Oktober 2012 angenommene Vision umfasst eines der ehrgeizigsten Stadterneuerungsprojekte, die je in Schweden durchgeführt wurden. Die derzeitige Umsetzungsphase, die in politischen Dokumenten und Planungsrichtlinien ihren Niederschlag findet, konzentriert sich auf die Umgestaltung des Frihamnen-Viertels, eines verfallenen Industriegebiets und ausgedehnten Hafengebiets am Nordufer, direkt auf der anderen Seite des Flusses, gegenüber dem Göteborger Hauptbahnhof.

Da die Stadt Göteborg eine Stadtgestaltung anstrebte, die nicht nur ortsspezifische Qualitäten hervorhebt, sondern diese auch für alle Bevölkerungsschichten zugänglich und bewohnbar macht, ergänzte die Stadt die Masterplanung und initiierte einen innovativen Ansatz für die städtische Umgestaltung. Zu den beiden Hauptanreizen für die Innovation gehören die Mobilisierung des städtischen Unternehmens Älvstranden Utvecklings AB und die Entscheidung, den Prototyp eines Parkdesigns für den Jubileumsparken 0.5 zu entwickeln. Durch den öffentlichen Bauträger ermöglicht die Stadt eine kreativere Überschneidung von Landverteilung, Design, strategischer Planung und Politik. Mit dem Prototyping des Jubileumsparken 0.5 bringt die Stadt die Gestaltung des Frihamnen in Gang, bevor die Immobilienspekulation einsetzt, die oft mit der Aufteilung und Verteilung von Land einhergeht.

Auch interessant: Im Sommer 2018 verwandelte sich das Regenauffangbecken des ehemaligen Flughafens Tempelhof in ein Labor neuer urbaner Praxis. Entworfen vom Architekturkollektiv „raumlaborberlin“. Mehr dazu hier: Floating University

Luftverschmutzung: Was ist das und was bedeutet sie für die Städte?

Luftverschmutzung ist eine der größten Gefahren für die Gesundheit und die Umwelt. Bildquelle: Windmemories, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons
Luftverschmutzung ist eine der größten Gefahren für Gesundheit und Umwelt. Bildquelle: Windmemories, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons

Luftverschmutzung ist eines der ersten Dinge, an die wir denken, wenn wir nach den Herausforderungen gefragt werden, denen sich die Städte von heute gegenübersehen. Aber was genau ist Luftverschmutzung und was bedeutet sie für die Städte? Lesen Sie mehr über die am stärksten gefährdeten Städte und Bevölkerungsgruppen und über mögliche Lösungen für sauberere Luft.

99 Prozent der Weltbevölkerung atmet schmutzige Luft

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Luftverschmutzung die Verunreinigung der Innen- oder Außenluft durch chemische, physikalische oder biologische Stoffe. Diese Schadstoffe verändern die natürlichen Eigenschaften der Atmosphäre. Die häufigsten Quellen der Luftverschmutzung sind Verbrennungsanlagen in Haushalten, Kraftfahrzeuge, Industrieanlagen und Waldbrände. Sie alle erzeugen Schadstoffe, von Feinstaub und Kohlenmonoxid bis hin zu Stickstoffdioxid und Schwefeldioxyd. Sie führen zu verschmutzter Luft, die beim Menschen Atemwegs- und andere Krankheiten hervorrufen kann.

Es gibt zwei Hauptschadstoffe, NO2 (Stickstoffdioxid) und Feinstaub 2,5 (PM 2,5). NO2 ist vor allem dort zu finden, wo es emittiert wird, nämlich in städtischen Gebieten und an stark befahrenen Straßen. PM 2,5 ist weiter verbreitet. Dieser Stoff besteht aus Ruß und Staub, die bei der Verbrennung von Kraftstoffen und beim Aufbringen von Bremsbelägen auf Reifen entstehen.

Das Thema ist äußerst wichtig, da 99 Prozent der Weltbevölkerung Luft einatmet, die stärker verschmutzt ist, als es die WHO-Grenzwerte erlauben. Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind in der Regel am stärksten belastet. Dies führt in diesen Ländern zu einer höheren Morbidität und Mortalität.

Darüber hinaus sind die Verursacher der Luftverschmutzung auch Quellen von Treibhausgasemissionen. Die Luftqualität steht in engem Zusammenhang mit dem Klima der Erde und der Qualität der Ökosysteme auf der ganzen Welt. Daher sind Maßnahmen und Projekte zur Verringerung der Luftverschmutzung eine Win-Win-Strategie für Klima und Gesundheit.

Luftverschmutzung in Städten kann aussehen wie Smog, ist oft aber auch unsichtbar. Bildquelle: Unsplash
Luftverschmutzung in Städten kann aussehen wie Smog, ist oft aber auch unsichtbar. Bildquelle: Unsplash

Indische und chinesische Städte sind weiterhin am stärksten verschmutzt

In den Städten ist die Luftqualität oft besonders schlecht. Die meisten Stadtbewohner*innen atmen ungesunde Schadstoffwerte ein, insbesondere PM 2,5 und NO2. Die winzigen PM 2,5-Partikel aus Autoabgasen, Kohlekraftwerken, Industrieemissionen und ähnlichen Quellen können leicht in die Lunge gelangen. Manchmal gelangen sie sogar in den Blutkreislauf und wirken sich negativ auf unsere Gesundheit aus. NO2 hat viele der gleichen Quellen und ist in städtischen Gebieten mit hohem Verkehrsaufkommen besonders hoch. Dieser Schadstoff wird nicht nur mit der Verschlimmerung von Asthmasymptomen, sondern auch mit der Entwicklung von Asthma bei Kindern in Verbindung gebracht.

Ein Blick auf den Grad der Luftverschmutzung in Städten auf der ganzen Welt zeigt ein interessantes geografisches Muster: In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen ist die PM 2,5-Belastung tendenziell höher, während die NO2-Werte überall hoch sind. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Länder mit höherem Einkommen weniger Feuer verbrennen und mehr in Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität investieren. Nicht in allen Städten ist die Luftverschmutzung gleich hoch, und selbst innerhalb einer Stadt gibt es oft große Unterschiede in der Luftqualität.

Die gemeinnützige Organisation IQAir betreibt die weltweit größte kostenlose Informationsplattform zur Luftqualität in Echtzeit. Sie misst, wie oft eine Stadt die WHO-Richtlinien für Luftverschmutzung überschreitet. Lahore in Pakistan führt den Luftverschmutzungsindex an. Hotan in China, Bhiwadi und Delhi in Indien sowie andere Städte in China, Indien, Pakistan, Tschad, Irak, Bahrain und Bangladesch sind in den Top 50 der am stärksten verschmutzten Städte der Welt vertreten.

Schon vor der Corona-Pandemie trugen viele Stadtbewohner*innen weltweit eine Maske, um sich vor Luftverschmutzung und daraus folgenden Gesundheitsrisiken zu schützen. Bildquelle: Unsplash
Schon vor der Corona-Pandemie trugen viele Stadtbewohner*innen weltweit eine Maske, um sich vor Luftverschmutzung und daraus folgenden Gesundheitsrisiken zu schützen. Bildquelle: Unsplash

Luftverschmutzung gefährdet die Gesundheit von Kindern

Die Daten darüber, wie sich schlechte Luftqualität auf die Gesundheit auswirkt, sind noch begrenzt, da Symptome wie Asthmaanfälle, die durch schlechte Luftqualität ausgelöst werden, nur schwer systematisch erfasst werden können. Expert*innen wie das britische Royal College of Physicians schätzen, dass die Luftverschmutzung allein im Vereinigten Königreich für mehr als 20 000 Krankenhauseinweisungen pro Jahr aufgrund von Atemwegs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich sein könnte.

Im Allgemeinen ist es wahrscheinlich, dass gefährdete Gruppen aufgrund schlechter Luftqualität eine Verschlechterung ihrer Gesundheit erfahren. Zu diesen Gruppen gehören Kinder, Menschen mit Atemwegs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ältere Menschen. In Europa könnte das Einatmen verschmutzter Luft die Ursache für den vorzeitigen Tod von mindestens 12 000 Kindern pro Jahr sein. Die Europäische Umweltagentur hat festgestellt, dass darüber hinaus viele Tausend weitere Menschen an körperlichen und geistigen Gesundheitsproblemen leiden, die durch die Luftverschmutzung verursacht werden und lebenslange Auswirkungen haben können.

Es scheint, dass insbesondere Kinder sehr anfällig für Luftverschmutzung sind, da die Schadstoffe ihre Entwicklung dauerhaft beeinträchtigen können. Hohe Schadstoffkonzentrationen können ihre Lungenkapazität beeinträchtigen, Asthma verursachen, zu einem erhöhten Auftreten von Atemwegserkrankungen und Ohrinfektionen führen und das Risiko von Allergien erhöhen. Sie können auch die Gehirnentwicklung von Kindern beeinträchtigen. Da Kinder schneller atmen als Erwachsene, näher am Boden sind und sich häufiger im Freien aufhalten, sind sie stärker gefährdet als Erwachsene.

Erst lokale Emissionen verstehen, dann handeln

Insgesamt ist die Luftverschmutzung keine einfache Herausforderung, die es zu bewältigen gilt. Es beginnt mit der Messung der Luftqualität: Es gibt keine einheitliche Methode, um die Qualität unserer Luft zu beurteilen. Noch schwieriger ist es, zwischen Emissionen und Schadstoffkonzentration zu unterscheiden. Die vorhandenen Emissionsdaten dienen meist dazu, die Quelle und den Ursprung von Schadstoffen zu ermitteln. Die lokalen Emissionen sind jedoch nur ein Teil des Problems. Die Konzentrationswerte sind ebenfalls wichtig, und sie können Verschmutzungen durch Emissionen an anderen Orten beinhalten. So ist beispielsweise Neu-Delhi jedes Jahr im November mit einer hohen Luftverschmutzung konfrontiert, wenn die Bauern auf den umliegenden Feldern die Rückstände ihrer Ernte verbrennen.

Weltweit könnte die Luftverschmutzung bis zu sieben Millionen vorzeitige Todesfälle pro Jahr verursachen. In Anbetracht der Tatsache, dass die Schadstoffe auch für die Umwelt giftig sind, ist es von entscheidender Bedeutung, die wichtigsten Quellen der Luftverschmutzung zu reduzieren. Hier sind einige Möglichkeiten:

  • Förderung einer nachhaltigen Landnutzung
  • Verwendung sauberer Haushaltsenergie und Verkehrsmittel
  • Bereitstellung von energieeffizientem Wohnraum
  • Erzeugung von sauberer Energie
  • Strenge Verbote für die Industrie einführen
  • Verbesserung der kommunalen Abfallwirtschaft

Beispielhafte Städte für gutes Luftqualitätsmanagement

Es gibt jedoch viele Erfolgsgeschichten auf lokaler und sogar auf nationaler Ebene, die die Luftqualität in Städten erfolgreich verbessert haben. So hat der US-amerikanische Clean Air Act aus dem Jahr 1963 dazu geführt, dass Autos, Züge und Bootsmotoren seit den 1970er Jahren zu 99 Prozent sauberer sind. Die industriellen Schadstoffemissionen der verarbeitenden Industrie sind zwischen 1990 und 2008 um über 60 Prozent zurückgegangen. Das Gesetz begrenzt erfolgreich die Emissionen von Fahrzeugen und Industrie. Außerdem ermöglicht es Bürger*innen, die Industrie zu verklagen, die gegen die Vorschriften und Normen für die Luftqualität verstößt. Außerdem werden Gelder für die Forschung im Bereich der Luftreinhaltung bereitgestellt.

Peking in China hat seine PM 2,5-Werte in nur fünf Jahren um 36 Prozent gesenkt, indem es die Emissionen von Kraftwerken und Industrie kontrollierte. Darüber hinaus hat die Stadt großen Wert auf die Kraftstoffqualität und die Emissionsnormen für Fahrzeuge gelegt.

Die Londoner Ultra Low Emission Zone hat die NO2-Emissionen in den ersten sechs Monaten nach ihrer Einführung im Jahr 2019 um 36 Prozent reduziert. Sie soll ab August 2023 auf alle Londoner Stadtbezirke ausgeweitet werden. Viele andere Städte haben ebenfalls Luftqualitätsmanagementgebiete oder Luftreinhaltezonen eingerichtet. Und Bürgermeister*innen aus über 45 Städten auf der ganzen Welt haben den C40 Clean Air Accelerator unterzeichnet. Damit verpflichten sie sich, bis 2025 für saubere Luft zu sorgen.

Weiterlesen: Im Jahr 2018 gab es in London eine spannende Ausstellung namens „Pollution Pods“, in der man die Luft verschiedener Städte atmen konnte.