Niedrige Trockenmauer Bauen: Aufbau, Vorteile und Anwendung

Ein Detail von Belag und Freiraummaterial zum Thema Niedrige Trockenmauer Bauen
Trockenmauer aus Natursteinen in einer Wiesenlandschaft – ein klassisches Element der Landschaftsgestaltung. Foto: allvar/Unsplash

Eine niedrige Trockenmauer ist weit mehr als ein dekoratives Element im Außenraum. Als fugenloses, mörtelfreies Gefüge aus natürlichem Stein verbindet sie tektonische Präzision mit ökologischer Funktion: Sie stützt Geländesprünge, schafft Raumkanten, bietet Lebensraum für Fauna und Flora und besteht ohne Bindemittel allein durch die Physik der Schwerkraft und die Kunst des Schichtens. Wer niedrige Trockenmauern bauen will, braucht kein Zement, aber ein fundiertes Verständnis von Steinauswahl, Schichtprinzip, Entwässerung und Standortbedingungen.

  • Was eine Trockenmauer definiert und wie sie sich von gemörtelten Mauern unterscheidet
  • Welche Steinarten, Formate und Materialqualitäten sich für niedrige Trockenmauern eignen
  • Wie der schichtweise Aufbau einer standsicheren Trockenmauer funktioniert
  • Welche Rolle Fundament, Hinterfüllung und Entwässerung für die Dauerhaftigkeit spielen
  • Welche Normen, Regelwerke und Planungsgrundlagen für Trockenmauern relevant sind
  • Welche ökologischen Leistungen Trockenmauern im Freiraum erbringen
  • Wie Trockenmauern in der Freiraumplanung und im urbanen Kontext eingesetzt werden
  • Welche Fehler beim Bau und bei der Pflege häufig auftreten und wie man sie vermeidet

Definition und Einordnung: Was eine Trockenmauer ist und was sie leistet

Eine Trockenmauer ist eine Stützkonstruktion oder freistehende Mauer aus Naturstein, die ohne Mörtel, Beton oder andere Bindemittel errichtet wird. Die Stabilität entsteht ausschließlich durch das Eigengewicht der Steine, ihre sorgfältige Verzahnung und die Reibung zwischen den Lagerflächen. Der Begriff „trocken“ verweist nicht auf den Feuchtegehalt des Baumaterials, sondern auf das Fehlen jedes hydraulischen Bindemittels. Fachleute sprechen auch von Trockensteinmauern oder, im englischsprachigen Raum, von „dry stone walls“, einem Bauprinzip, das in nahezu allen Kulturen mit Steinvorkommen unabhängig voneinander entwickelt wurde.

Die Abgrenzung zur gemörtelten Natursteinmauer ist nicht nur technisch, sondern auch ökologisch und planerisch bedeutsam. Eine gemörtelte Mauer ist monolithisch und starr; sie überträgt Lasten anders, reagiert auf Setzungen mit Rissen und bietet Fauna und Flora kaum Lebensraum. Die Trockenmauer dagegen ist ein flexibles System: Einzelne Steine können sich minimal verschieben, ohne die Gesamtstruktur zu gefährden. Die offenen Fugen ermöglichen Drainage, Luftzirkulation und Besiedelung durch Pflanzen, Insekten, Reptilien und andere Kleintiere. Diese Eigenschaften machen die Trockenmauer zu einem Bauwerk, das im Freiraum gleichermaßen konstruktive, gestalterische und ökologische Aufgaben erfüllt.

Im Kontext der Freiraumplanung werden Trockenmauern vor allem als Böschungssicherung, Terrassierungselement, Raumkante und Sitzelement eingesetzt. Niedrige Trockenmauern, also Mauern bis etwa einem Meter Höhe, sind die häufigste Anwendungsform in privaten Gärten, öffentlichen Grünanlagen, Weinbergen, Obstgärten und Straßenbegleitgrün. Sie sind in der Regel freistehend oder als einseitig gestützte Böschungsmauer ausgeführt. Höhere Trockenmauern, die größere Geländesprünge sichern, erfordern eine statische Bemessung und sind Gegenstand der Ingenieurplanung; für niedrige Ausführungen gelten vereinfachte Regeln, die dennoch handwerkliche Sorgfalt verlangen.

Steinauswahl und Materialqualität: Die Grundlage jeder Trockenmauer

Die Wahl des Steinmaterials ist die wichtigste Einzelentscheidung beim niedrige Trockenmauer bauen. Nicht jeder Naturstein eignet sich gleichermaßen. Entscheidend sind Druckfestigkeit, Frostbeständigkeit, Spaltbarkeit und die Beschaffenheit der Lagerflächen. Steine mit ebenen, parallelen Lagerflächen lassen sich sicher schichten und verzahnen; runde oder unregelmäßig geformte Steine wie Bachkiesel oder Feldsteine erfordern erheblich mehr Erfahrung und sind für Anfänger weniger geeignet.

Zu den bewährtesten Materialien für Trockenmauern zählen Sandstein, Kalkstein, Gneis, Granit, Basalt und Schiefer. Sandstein ist leicht zu bearbeiten und zu spalten, hat aber je nach Herkunft und Gefüge eine begrenzte Frostbeständigkeit; wasseraufnahmefähige Sandsteine aus porösen Formationen neigen bei Frost-Tau-Wechseln zur Abschuppung. Kalkstein ist in vielen Regionen Mitteleuropas das traditionelle Trockenmauermaterial und verbindet gute Bearbeitbarkeit mit ausreichender Festigkeit. Gneis und Granit sind sehr dauerhaft, aber schwerer zu spalten und zu bearbeiten. Basalt ist extrem hart und frostbeständig, hat aber oft unregelmäßige Oberflächen, die das Schichten erschweren.

Für die Planung ist die Herkunft des Materials relevant. Regional gewonnener Stein reduziert Transportaufwand, fügt sich gestalterisch in die Landschaft ein und entspricht dem Prinzip der Materialehrlichkeit, das in der Landschaftsarchitektur einen hohen Stellenwert hat. Recycelter Stein aus Abbruchmaterial ist ökologisch attraktiv, erfordert aber eine sorgfältige Prüfung auf Frostbeständigkeit und Festigkeit. Mindestens ein Drittel der eingesetzten Steine sollte als sogenannte Binder oder Durchbinder ausgeführt sein: Steine, die quer zur Mauerrichtung verlegt werden und die Mauerbreite vollständig oder weitgehend durchqueren. Sie sind das statische Rückgrat jeder Trockenmauer.

Steinformate und Sortierung auf der Baustelle

Vor Baubeginn empfiehlt sich eine Vorsortierung des angelieferten Materials nach Größe und Form. Große, flache Steine mit ebenen Lagerflächen eignen sich für die unteren Lagen, die die größten Lasten aufnehmen. Mittelgroße Steine bilden das Hauptgefüge der Mauer. Kleine Steine und Splitt dienen als Keilmaterial zur Stabilisierung einzelner Lagen und zur Hinterfüllung. Decksteine, die die oberste Lage bilden, sollten besonders groß und schwer sein, um die Mauer zu beschweren und vor Verwitterung zu schützen. Diese Vorsortierung spart Zeit während des Bauens und verbessert die Qualität des Ergebnisses erheblich.

Aufbau und Schichtprinzip: So wird eine niedrige Trockenmauer gebaut

Das Fundament ist der erste und oft unterschätzte Schritt beim niedrige Trockenmauer bauen. Auch eine niedrige Trockenmauer benötigt eine stabile, frostfreie Gründung, da Frostbewegungen im Boden die gesamte Konstruktion versetzen und zum Einsturz bringen können. In der Praxis wird eine Fundamentgrube von mindestens dreißig bis vierzig Zentimetern Tiefe ausgehoben und mit einer Schicht aus grobem Kies oder Schotter von etwa zwanzig Zentimetern Stärke verfüllt und verdichtet. Diese Drainageschicht verhindert Staunässe unter der Mauer und puffert Frostbewegungen ab. Die erste Steinlage wird direkt auf diesem Kiesbett gesetzt, leicht in den Boden eingesenkt, sodass sie als Sockel wirkt.

Das Grundprinzip des Schichtens lautet: Jeder Stein liegt auf zwei Steinen der darunter liegenden Lage, und jede Fuge der oberen Lage liegt versetzt zur Fuge der unteren Lage. Dieses Kreuzverband-Prinzip, das aus dem Mauerwerksbau bekannt ist, verhindert das Durchlaufen vertikaler Fugen über mehrere Lagen, was die Mauer erheblich schwächen würde. Die Lagerflächen der Steine sollten möglichst waagerecht ausgerichtet sein; leicht nach innen geneigte Steine, die einen Winkel von wenigen Grad zur Horizontalen aufweisen, verbessern die Standsicherheit bei Böschungsmauern, weil das Eigengewicht der Steine die Mauer in die Böschung drückt statt von ihr weg.

Die Mauerneigung ist ein weiterer konstruktiver Parameter. Eine freistehende Trockenmauer wird in der Regel senkrecht gebaut. Eine Böschungsstützmauer dagegen erhält eine leichte Anlehnung an die Böschung, das sogenannte Anzugsmaß: Für je einen Meter Mauerhöhe wird die Mauervorderkante etwa fünf bis zehn Zentimeter in Richtung Böschung zurückgesetzt. Diese Neigung verbessert die Standsicherheit, weil der Erddruck hinter der Mauer durch die Geometrie teilweise aufgenommen wird. Die Mauerbreite an der Basis sollte mindestens einem Drittel bis zur Hälfte der Mauerhöhe entsprechen; für eine Mauer von achtzig Zentimetern Höhe also mindestens dreißig bis vierzig Zentimeter.

Hinterfüllung, Drainage und Entwässerung

Hinter einer Böschungsstützmauer aus Trockenmauerwerk entsteht ein Hohlraum zwischen Mauer und Böschung, der sorgfältig verfüllt werden muss. Als Hinterfüllung eignet sich kein bindiger Boden, da dieser Wasser staut und bei Frost erheblichen Druck auf die Mauer ausübt. Stattdessen wird grobkörniges, drainagefähiges Material verwendet: Kies, Schotter oder gebrochenes Steinmaterial mit einer Körnung von etwa zwanzig bis sechzig Millimetern. Diese Drainageschicht hinter der Mauer leitet Niederschlagswasser und Hangwasser schnell ab und verhindert hydrostatischen Druck, der die Mauer nach vorne drücken würde. Bei längeren Mauern empfiehlt sich alle drei bis fünf Meter ein Drainagestein oder eine offene Fuge in der untersten Lage, die als Wasseraustritt dient.

Die Entwässerung ist einer der häufigsten Schwachpunkte schlecht ausgeführter Trockenmauern. Wenn Wasser hinter der Mauer nicht abfließen kann, gefriert es im Winter und übt Sprengdruck auf das Gefüge aus. Selbst eine handwerklich gut gesetzte Mauer kann durch mangelnde Drainage innerhalb weniger Winter zerstört werden. Planer und Ausführende sollten deshalb die Entwässerungssituation am Standort vor Baubeginn analysieren: Woher kommt Wasser, wie viel fällt an, wohin kann es abfließen?

Normen, Regelwerke und Planungsgrundlagen

Für das niedrige Trockenmauer bauen im professionellen Kontext sind verschiedene Regelwerke relevant. Die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) hat Empfehlungen für die Planung, Ausführung und Pflege von Natursteinarbeiten im Garten- und Landschaftsbau erarbeitet, die als anerkannte Regeln der Technik gelten und Planern sowie Ausführenden Orientierung bieten. Die DIN 18318 regelt als VOB-Norm die Ausführung von Pflasterdecken und Plattenbelägen sowie von Einfassungen im Straßenbau, berührt aber auch Natursteinarbeiten im weiteren Sinne. Für statisch relevante Stützmauern, also Mauern, die erhebliche Erddrücke aufnehmen, sind die Eurocodes, insbesondere EC 7 für Geotechnik, heranzuziehen.

Niedrige Trockenmauern bis etwa einem Meter Höhe fallen in vielen Bundesländern baurechtlich unter verfahrensfreie Baumaßnahmen, sofern sie keine öffentlichen Verkehrsflächen oder Nachbargrundstücke beeinflussen. Dennoch sind die Landesbauordnungen zu beachten, da die Regelungen je nach Bundesland variieren. Bei Mauern im öffentlichen Raum, an Straßen oder in Schutzgebieten gelten zusätzliche Anforderungen, die mit den zuständigen Behörden abzustimmen sind. Planer sollten außerdem prüfen, ob der Standort in einem Biotopschutzgebiet liegt, da Trockenmauern in manchen Regionen als gesetzlich geschützter Biotopbestandteil eingestuft sind und ihr Abriss oder ihre Veränderung genehmigungspflichtig sein kann.

Das Handwerk des Trockenmauerbaus ist seit 2018 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen worden. Diese Anerkennung unterstreicht den kulturellen und historischen Wert der Technik, hat aber keine unmittelbaren planungsrechtlichen Konsequenzen. Sie stärkt jedoch das Bewusstsein für die Bedeutung traditioneller Bauweisen in der Landschaftsarchitektur und im Denkmalschutz.

Ökologische Leistungen: Trockenmauern als Lebensraum und Klimaelement

Trockenmauern gehören zu den artenreichsten Strukturen im Freiraum. Die offenen Fugen, die wechselnden Feuchte- und Temperaturbedingungen und die vielfältigen Mikrohabitate zwischen den Steinen bieten Lebensraum für eine außergewöhnliche Vielfalt an Organismen. Mauereidechsen (Podarcis muralis) und Zauneidechsen (Lacerta agilis) nutzen Trockenmauern als Sonnenplätze und Verstecke. Wildbienen, darunter viele solitär lebende Arten, legen in den Fugen ihre Nester an. Spinnen, Käfer, Asseln und zahlreiche weitere Invertebraten besiedeln das Gefüge. Moose, Farne, Hauswurz (Sempervivum) und Mauerpfeffer (Sedum) wachsen in den Fugen und bilden eine charakteristische Mauervegation, die ihrerseits Nahrungsgrundlage und Deckung für Tiere bietet.

Im Kontext der Biodiversitätsstrategie und der Grünen Infrastruktur haben Trockenmauern als Trittsteinbiotope und Vernetzungselemente eine wachsende planerische Bedeutung. In urban geprägten Räumen, wo naturnahe Strukturen rar sind, können auch einzelne niedrige Trockenmauern in Grünanlagen, Schulhöfen oder Wohnquartieren einen messbaren Beitrag zur Artenvielfalt leisten. Planer, die Trockenmauern bewusst als Biodiversitätselement einsetzen, sollten auf eine geeignete Bepflanzung der Fugen mit standortgerechten Mauerpflanzen achten und die Mauer nicht unmittelbar an stark frequentierten Wegen platzieren, um Störungen der Tierwelt zu minimieren.

Klimatisch wirken Trockenmauern als Wärmespeicher: Dunkle Steine absorbieren tagsüber Sonnenwärme und geben sie nachts ab, was das Mikroklima in unmittelbarer Umgebung der Mauer beeinflusst. In Weinbaugebieten wird dieser Effekt seit Jahrhunderten genutzt, um wärmeliebende Kulturen an Hanglagen zu fördern. In der urbanen Klimaanpassung kann dieser Wärmespeichereffekt gezielt eingesetzt werden, um Frostschäden an empfindlichen Pflanzen zu reduzieren oder Aufenthaltsbereiche thermisch aufzuwerten.

Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

Der häufigste Fehler beim niedrige Trockenmauer bauen ist das Fehlen oder die unzureichende Ausführung der Drainage. Wer die Hinterfüllung mit bindigem Boden ausführt oder auf eine Drainageschicht verzichtet, schafft eine Konstruktion, die nach wenigen Wintern durch Frostdruck zerstört wird. Ebenso kritisch ist das Fehlen von Bindersteinen: Eine Mauer, die ausschließlich aus Läufern besteht, also Steinen, die parallel zur Mauerrichtung verlegt sind, hat keine innere Verzahnung und kann bei seitlichem Druck auseinanderbrechen.

Ein weiterer verbreiteter Fehler ist das Verwenden von zu kleinen oder zu runden Steinen in den unteren Lagen. Die Basis der Mauer trägt das größte Gewicht und muss aus den größten, flachsten und stabilsten Steinen bestehen. Wer die besten Steine für die oberen, sichtbaren Lagen aufhebt und die Basis mit Restmaterial aufbaut, kehrt die Statik um. Auch das Fehlen einer ausreichenden Fundamenttiefe ist ein typisches Problem: Eine Mauer, die auf dem gewachsenen Boden ohne Kiesbett steht, setzt sich ungleichmäßig und kippt oder bricht auseinander.

Beim Verfugen mit Mörtel im Nachhinein, um eine wackelnde Mauer zu stabilisieren, verliert die Trockenmauer ihre definierenden Eigenschaften: Flexibilität, Drainage und ökologische Funktion. Eine instabile Trockenmauer muss zurückgebaut und neu gesetzt werden, nicht vermörtelt. Dieser Grundsatz gilt auch für Reparaturen: Beschädigte Abschnitte werden Stein für Stein abgetragen und mit verbesserter Technik neu aufgebaut.

Trockenmauern in der Freiraumplanung: Anwendung und gestalterische Einordnung

Niedrige Trockenmauern sind in der Freiraumplanung ein vielseitiges Instrument. Als Terrassierungselement strukturieren sie Hanglagen und schaffen nutzbare Flächen in der Topographie. Als Raumkante definieren sie Übergänge zwischen Bereichen unterschiedlicher Nutzung oder Gestaltungscharakters. Als Sitzelement, wenn die Decksteinlage auf einer angenehmen Sitzhöhe von etwa vierzig bis fünfzig Zentimetern liegt, verbinden sie Funktion und Aufenthaltsqualität. In historischen Kulturlandschaften sind Trockenmauern unverzichtbarer Bestandteil des Erscheinungsbildes und des Denkmalwerts.

Gestalterisch fügen sich Trockenmauern durch ihre Materialität und Textur in nahezu jeden Freiraumkontext ein, von der historischen Parkanlage bis zur zeitgenössischen urbanen Grünanlage. Die Wahl des Steinmaterials, die Fugenbreite, die Mauerhöhe und die Bepflanzung der Fugen bestimmen den Charakter der Mauer. Eine streng geschichtete Mauer aus gespaltenem Schiefer wirkt präzise und urban; eine Mauer aus unregelmäßigem Bruchkalkstein mit üppiger Fugenvegetation wirkt naturnah und historisch. Beide Ausprägungen sind legitim, wenn sie zum Kontext passen und handwerklich sorgfältig ausgeführt sind.

In der Bauleitplanung und in Bebauungsplänen können Trockenmauern als Festsetzung für Einfriedungen oder Geländemodellierungen vorgeschrieben werden, insbesondere in Landschaftsschutzgebieten oder Bereichen mit charakteristischer Kulturlandschaft. Planer sollten in solchen Fällen die Ausführungsanforderungen präzise formulieren, um sicherzustellen, dass die ökologischen und gestalterischen Qualitäten der Trockenmauer tatsächlich realisiert werden.

Pflege und Dauerhaftigkeit: Was eine Trockenmauer langfristig braucht

Eine gut gebaute Trockenmauer ist außerordentlich dauerhaft und bedarf im Vergleich zu anderen Baukonstruktionen nur geringer Pflege. Die wichtigste Pflegemaßnahme ist die regelmäßige Kontrolle auf Setzungen, herausgefallene Steine und Schäden durch Wurzeldruck. Gehölze mit aggressivem Wurzelwerk, insbesondere Bäume und großwüchsige Sträucher, sollten nicht unmittelbar an Trockenmauern gepflanzt werden, da ihre Wurzeln das Gefüge über Jahre hinweg auseinandertreiben können. Kletterpflanzen wie Efeu (Hedera helix) sind ebenfalls problematisch: Sie können mit ihren Haftwurzeln in die Fugen eindringen und Steine verschieben.

Erwünschte Fugenvegetation aus Mauerpflanzen wie Sedum-Arten, Sempervivum, Asplenium ruta-muraria (Mauerraute) oder Cymbalaria muralis (Zimbelkraut) ist dagegen unproblematisch und ökologisch wertvoll. Diese Pflanzen haben sich evolutionär an den Extremstandort Trockenmauer angepasst und schädigen das Gefüge nicht. Moose auf der Mauerkrone können Wasser speichern und bei Frost Schäden verursachen; sie sollten an der Decksteinlage entfernt werden, auf den Seitenflächen sind sie dagegen tolerierbar.

Trockenmauern als Bauaufgabe mit Zukunft

Das niedrige Trockenmauer bauen ist eine Bauaufgabe, die technisches Wissen, handwerkliches Können und ein Verständnis für Materialität, Ökologie und Kontext vereint. Sie ist keine nostalgische Rückbesinnung auf vorindustrielle Bautechnik, sondern eine zeitgemäße Antwort auf mehrere Planungsaufgaben gleichzeitig: Geländesicherung ohne Beton, Biodiversitätsförderung ohne Aufwand, Gestaltung mit regionalem Material, Klimaanpassung durch Wärmespeicherung. Kein anderes Bauteil im Freiraum leistet so viel mit so wenig.

Für Landschaftsarchitekten und Freiraumplaner bedeutet das: Trockenmauern verdienen eine sorgfältige Planung, die über das bloße Einzeichnen einer Linie im Plan hinausgeht. Steinauswahl, Fundamentausbildung, Drainagekonzept, Fugenvegetation und Einbindung in das Entwässerungsregime des Gesamtprojekts müssen durchdacht sein. Wer diese Parameter beherrscht, hat ein Werkzeug in der Hand, das konstruktive Notwendigkeit und gestalterische Qualität auf eine Weise verbindet, die kein anderes Material im Außenraum so selbstverständlich ermöglicht.

Die wachsende Aufmerksamkeit für Biodiversität, Klimaanpassung und ressourcenschonendes Bauen gibt der Trockenmauer neuen Rückenwind. Kommunen, die Trockenmauern in Grünanlagen integrieren, Planer, die sie als Biotopstruktur in Ausgleichsmaßnahmen einsetzen, und Bauherren, die auf Beton verzichten wollen, finden in der Trockenmauer eine Lösung, die technisch erprobt, ökologisch wertvoll und gestalterisch überzeugend ist. Das Handwerk dazu ist lernbar, die Regeln sind klar, und das Ergebnis überdauert Generationen.

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„Viele sagen, der Landschaftspark Wiese sei der schönste Ort in der Region.“

die Vermittlung und die Sensibilisierung im Landschaftspark Wiese. © Saskia Scherer

Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner kennen ihn unter dem Namen „Lange Erlen“, andere bezeichnen ihn als das ehemalige Landesgartenschaugelände. Dabei hat dieser Park, der im Basler Rheinknie Deutschland mit der Schweiz verbindet, einen so viel schöneren Namen: Landschaftspark Wiese, nach dem gleichnamigen Fluss, der ihn durchfließt. Das Besondere an dem Park: Er liegt sowohl auf deutschem als auch auf Schweizer Grund. Und er ist Schauplatz der IBA Basel, die sich seit mehr als zehn Jahren erfolgreich für grenzüberschreitende Projekte im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz engagiert. Wir wollten mehr über diesen Landschaftspark erfahren und haben uns deshalb mit dem Hauptranger Yannick Bucher unterhalten.

Yannick Bucher, gemeinsam mit zwei deutschen Kollegen, arbeiten Sie seit Februar 2019 als Ranger im Landschaftspark Wiese. Wie dürfen wir uns Ihren Job vorstellen?
Die Hauptaufgabe von unserem Rangerdienst ist die Information, die Vermittlung und die Sensibilisierung im Landschaftspark Wiese. Letzteres bedeutet insbesondere, dass wir dafür Sorge tragen, dass die Besucherinnen und Besucher sich im Großen und Ganzen an die Regeln halten. Wir sorgen für ein positives miteinander zwischen Besuchern und Akteurinnen, im Gebiet wird das Trinkwasser der Region gewonnen und Landwirtschaft betrieben. Rangerdienste sind typisch für Nationalparks und auch einigermaßen typisch für Naturschutzgebiete. Eher speziell ist es, dass wir mit dem Landschaftspark Wiese in einem Gebiet tätig sind, das nicht nur reines Naturschutzgebiet ist. Denn hier gibt es auch andere Nutzungen wie Sportanlagen, Tierheime und Schrebergärten.

„Der Rangerdienst ist eine der zentralen Maßnahmen vom IBA Projekt Landschaftspark Wiese.“

Besonders am Rangerdienst im Landschaftspark Wiese ist aber auch, dass er binational aufgestellt ist.
Absolut richtig. Der Landschaftspark an sich ist binational. Da liegt es natürlich nahe, dass auch der dortige Rangerdienst binational aufgestellt ist, dass dieser im ganzen Park unterwegs ist und sich nicht an die Grenzen halten muss. Die Agglomeration Basel ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und die Freizeitaktivitäten haben sich aufgrund flexiblerer Arbeitszeiten ziemlich verändert. Damit stieg auch der Druck auf die lokalen Naherholungsgebiete. Den Rangerdienst hat man dann vor gut einem Jahr eingeführt, um dem zunehmenden Nutzungsdruck etwas entgegenzusetzen. Deswegen sind wir nicht nur Aufsichtsorgan, sondern haben ebenso auch Vermittlungsaufgaben inne. Und diese sind auch nötig.
Die Corona Pandemie hat den Effekt noch verstärkt: Wir hatten bereits vorher viele Besucherinnen und Besucher im Park. Die Besucherzahlen während des Lockdowns lagen weit über den normalen. Das zeigt, wie wichtig der stadtnahe grüne Erholungsraum für die Region ist.

Das kann ich mir vorstellen. Wie sieht diese Vermittlung, von der Sie gesprochen haben, konkret aus?
Wir bieten Führungen und organisieren auch Infotische. Wir versuchen dafür zu sensibilisieren, was in dem Raum passiert, wie die Trinkwassergewinnung und wie die Landwirtschaft im Park funktionieren. Wir bringen die Themen auf den Tisch, die man als Stadtbewohner wenig erleben kann, und vermitteln diese.

Wie ist der Rangerdienst organisiert?
Insgesamt haben wir drei Auftraggeber: die Stadt Weil am Rhein, die Gemeinde Riehen und den Kanton Basel-Stadt. Ich bin bei der Umweltberatungsfirma „Hintermann & Weber AG“ angestellt, die den Auftrag von der Stadt Basel erhalten hat und meine beiden deutschen Partner sind beim Trinationalen Umweltzentrum (TRUZ) beschäftigt.

Welche Maßnahmen hat man in den vergangenen Jahren im Rahmen der IBA Basel umgesetzt und welche sind noch geplant?
Wir selber, also der Rangerdienst, sind eine der zentralen Maßnahmen vom IBA Projekt Landschaftspark Wiese. Uns gibt es wie gesagt seit einem Jahr. Zudem ist für den Park eine einheitliche Beschilderung geplant, die an den Eingängen über den Park informiert, welche Möglichkeiten zur Erholung bestehen, aber auch, welche Auflagen daran gekoppelt sind: dass man Feuer nur in den Grillstellen machen darf und dass man seinen Müll mitnimmt etc. Die Basic-Regeln eben. Außerdem wird es im Park künftig einen Themenpfad geben, der die Themen Trinkwassergewinnung, Tiere und Pflanzen, aber auch die historische Entwicklung aufzeigt.

Die größte Maßnahme ist aber „Wiese vital“, richtig?
Genau, im Zuge einer Volksinitiative in der Schweiz hat das baselstädtische Stimmvolk beschlossen, auf dem ganzen Abschnitt auf Schweizer Boden den Fluss Wiese zu revitalisieren und zu renaturieren. Der untere Teil ist bereits revitalisiert, für den anderen Teil arbeitet man aktuell ein Bauprojekt aus. Das Ziel: Der Fluss soll wieder natürlicher fließen und mehr Platz haben.

Sie sind jetzt knapp 1,5 Jahre dabei. Was denken Sie, reichen die Bemühungen vor Ort aus, um den Landschaftspark Wiese langfristig vor dem Nutzungsdruck zu schützen?
Den wichtigsten Schritt hat man meiner Meinung nach mit dem Landschaftsrichtplan gemacht. Die Fläche kann nun nicht mehr überbaut werden und darüber bin ich froh. Mit sanften Mitteln ist man nun dran, den Erholungsraum des Parks zu schützen. Mit Beschilderungen, gezielter Information oder auch durch uns, dem Rangerdienst. Ich denke, da sind wir auf einem guten Weg. Das gleiche Feedback erhalten wir auch aus der Bevölkerung. Das Interesse am Gebiet wächst und das, was wir machen, wird geschätzt. Viele Besucher sagen, der Landschaftspark sei der schönste Ort in der Region. Und es kommen auch immer wieder Besucher, die fragen, wie sie helfen können, die etwas für das Gebiet tun wollen. Das alles zusammen stimmt mich sehr optimistisch.

Warum wir eine IBA-Basel-Serie gestartet haben? Das lesen Sie hier.

Sämtliche Beiträge zur IBA Basel 2020 finden Sie hier.

Eine Seilbahn schwebt über die Gärten der Welt in Berlin. (Foto: Thomas Rosenthal)

Eine Seilbahn schwebt über die Gärten der Welt in Berlin. (Foto: Thomas Rosenthal)

Auf kleinstem Raum lassen sich in Berlin-Marzahn die unterschiedlichsten Ansätze der Landschafts- und Gartenarchitektur studieren. Denn die Anlage Gärten der Welt vereint neben klassischen Tourist*innenattraktionen wie eine Seilbahn, Aussichtspunkte und einer Arena für Veranstaltungen noch mehr – nämlich Gartenkunst. Und zwar aus allen Herren Ländern und Kulturen. In verschiedenen Themengärten und Gartenkabinetten können Besucher*innen entsprechend Ansätze und Gestaltungen aus aller Welt betrachten. Hier erfahren Sie, welche Gärten der Welt Ihnen geboten werden.

Gärten der Welt präsentieren internationale Gartenkunst

Früher noch als “Erholungspark Marzahn” bekannt, wurde das Areal an der Ecke Eisenacher Straße und Blumberger Damm anlässlich der IGA 2017 erweitert und umgebaut. Insgesamt 43 Hektar Fläche belegt das Gelände, das heute den Namen “Gärten der Welt” trägt, seitdem.

Die Gärten der Welt bestechen mit vielen Attraktionen für Groß und Klein. Dabei kommen Gartenkunstenthusiast*innen genauso auf ihre Kosten wie Familien mit Kindern und Tourist*innen. So bietet der Park seit dem Umbau zur IGA 2017 inzwischen neun internationale Gartenkabinette, die traditionelle Techniken der Gartengestaltung präsentieren, elf Themengärten, und eine Arena für Veranstaltungen. Dazu kommen Spielplätze, ein Irrgarten und eine Seilbahn, die die Bezirke Marzahn und Hellersdorf miteinander verbinden.

Der Fokus  des Parks liegt aber – wie der Name schon verrät – auf den “Gärten der Welt”. Die Gartenkabinette und Themengärten erlauben es den Besucher*innen dementsprechend, Einblicke in die Gartenkunst verschiedener Kontinente, Epochen und Kulturkreisen zu erhalten. Welche internationalen Gärten im Park zu besichtigen sind, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Die Gärten der Welt – Übersicht

Chinesischer Garten

Als erster Garten der Welt entstand in den 1990er-Jahren der Chinesische Garten. Mit dem “Garten des wiedergewonnenen Mondes” wurde 1994 der größte Chinesische Garten Europas in Berlin erschaffen. Seine Planung begann 1994 im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Peking und Berlin als klassischer chinesischer Gelehrtengarten. Die Idee dahinter war auch, die Jahrtausende alte chinesische Gartenkunst in die Gegenwart zu übersetzen. 

Im Zentrum des Gartens sitzt der “Spiegel des Himmels”, ein 4 500 Quadratmeter großer See, an dessen Ufer sich ein Teehaus chinesischer Architektur mit der typisch geschwungenen und spektakulär auskragenden Dachkonstruktion befindet. Als charakteristische Bepflanzung kommen im Garten des wiedergewonnenen Mondes beispielsweise Magnolien, Chrysanthemen oder Bambus zum Einsatz. Übrigens: Der Mond im Namen steht sinnbildlich für die Wiedervereinigung des einst geteilten Berlins.

Größe: 27 000 Quadratmeter, inklusive 5 000 Quadratmetern Teichfläche
Eröffnung: 15. Oktober 2000
Planung: Klassisches Institut für Gartenarchitektur, Peking

Japanischer Garten

Der “Garten des zusammenfließenden Wassers” entsprang der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Tokio. Basierend darauf soll der Garten die Idee eines harmonischen Miteinanders verkörpern. Darum bestimmt diesen Bereich der Gärten der Welt das Leitmotiv Wasser – es symbolisiert das Zusammenfließen von Kulturen und den Verlauf der Geschichte. 

Im Japanischen Garten findet sich demzufolge ein Wassergarten, aber auch ein Zengarten und ein Garten aus Rasenflächen, in denen insgesamt 300 Augengneissteine verteilt sind. Dazu kommt ein Pavillon – der Chaya – in seiner Mitte. 

Entsprechend der Japanischen Kultur, in der Stille eine besondere Bedeutung zukommt, ist auch der Japanische Garten im Park Die Gärten der Welt ein Ort, an dem Besucher*innen zur Ruhe kommen können. Fun Fact: Die Baustelle für den Japanischen Garten gilt als eine der leisesten in der Geschichte der Gärten der Welt.

Größe: 2 700 Quadratmeter
Eröffnung: 30. April 2003
Planung: Prof. Shunmyo Masuno

Balinesischer Garten

Der “Garten der drei Harmonien” entstand im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Jakarta und Berlin. Sein Name bezieht sich auf das balinesische Streben, im Einklang mit sich selbst, dem Umfeld und dem Universum zu leben. Auf diese dreifaltige Harmonie ist der Balinesische Garten ausgerichtet.

Dabei handelt es sich auch um den einzigen Garten in den Gärten der Welt, der gänzlich in einer Tropenhalle untergebracht ist. Eine Wohn- und Tempelanlage, in der auch die Berliner Bali-Gemeinde ihre Religion aktiv ausübt, bildet das zentrale Element des Gartens. Dahinter erstreckt sich zudem ein an einen balinesischen Tropenwald angelehnter Garten mit Reisterrassen und Pflanzen wie Schraubenbäumen, Hibiskus, Gardenien, Farnen, Orchideen und den duftgewaltigen Frangipani.

Größe: 2000 Quadratmeter in Leichtbauhalle
Eröffnung: 18. Dezember 2003
Planung: Putu Edy Semara

Orientalischer Garten

Der “Garten der vier Ströme” wurde nach den Gestaltungsprinzipien der traditionellen orientalisch-islamischen Gartenkultur entworfen. Daher verbirgt er sich einer vier Meter hohen Mauer. Damit spielt er mit dem Mythos des Gartens als verborgene Oase. Außerdem hilft die Abgrenzung dabei, das spezielle Klima im Garten aufrecht erhalten zu können.

In der Gartenanlage finden sich typisch orientalische Arkadengänge mit Ornamenten und Mosaiken. Dazu kommt ein viergeteilter Gartenhof mit einem Brunnen in der Mitte. Im Garten befinden sich Zier- und Nutzpflanzen: Granatäpfel, Oliven und Palmen, aber auch Flieder, Oleander und Magnolien.

Größe: 6 100 Quadratmeter
Eröffnung: 7. Juli 2005
Planung: Kamel Louafi, Prof. Mohammed El Faiz

Hier finden Sie weitere Projekte des Garten- und Landschaftsarchitekten Kamel Louafi.

Koreanischer Garten

Der “Seouler Garten” war ein Geschenk der Südkoreanischen Hauptstadt an Berlin. Er entstand nach einem Berlin-Besuch des Oberbürgermeisters von Seoul und war dafür gedacht, die Beziehungen zwischen den Städten zu vertiefen. 

Die Gestaltung des Koreanischen Gartens ist geprägt von Buddhismus, den Lehren von Konfuzius und dem volkstümlichen schamanischen Glauben. Dazu gehört auch das Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Kräften in der Natur. Beide werden im Garten mehrfach repräsentiert.

Im Koreanischen Garten finden sich zahlreiche Totempfähle und abstrakte Holzfiguren, die der schamanischen Kulturgeschichte Koreas entspringen. Geplant wurde er von koreanischen Gartenarchitek*innen, die eine koreanische Felslandschaft mit den typischen Kiefern, Fächerahornen, Eichen und Bambussen erschufen. Zentrales Bauwerk ist der “Kye Zeong” (Pavillon am Wasser), in dem sich typisch koreanische Wohnräume besichtigen lassen.

Größe: 4 000 Quadratmeter
Eröffnung: 31. März 2006
Planung: Samsung Everland Inc., Seoul

Irrgarten und Pflasterlabyrinth

Zur Gartenkultur gehören selbstverständlich auch Irrgärten, die ihren Ursprung in der Renaissance haben. Die Irrgartenanlage des britischen Königsschlosses Hampton Court war Vorbild für die Anlage in den Gärten der Welt. Diese wurde mit einer zwei Meter hohen Eibenhecke, bestehend aus über 1 200 Pflanzen, angelegt. Der Weg in das Zentrum des Pflasterlabyrinths dauert etwa zehn Minuten. Dort findet sich auch ein Aussichtsturm, der einen Überblick über das Labyrinth erlaubt.

Zusätzlich zum 3D-Irrgarten gibt es in den Gärten der Welt auch ein zweidimensionales Labyrinth aus Pflastersteinen. Hellgraue Steine markieren den Weg zur Mitte. Insgesamt 11 Umgänge, 28 Kehre und ebenfalls zehn Minuten führen zu dessen Mitte.

Größe: Heckenirrgarten: 2 000 Quadratmeter, Pflasterlabyrinth: 340 Quadratmeter
Eröffnung: 22. Juni 2007
Planung: gruppe F Landschaftsarchitekten, Berlin

Karl-Foerster-Staudengarten

Das 1957 erschienene Buch “Einzug der Gräser und Farne in die Gärten” von Karl Foerster war Inspirationsquelle für diesen Teil der Gärten der Welt.  Der Gärtner, Züchter und Gartenphilosoph prägte die deutsche und die internationale Gartenkultur nachhaltig – einerseits mit seinen Schriften, aber andererseits auch mit der Einführung von Wild- und Kulturstauden.

Stauden sind es deshalb auch, die den Karl-Foerster-Staudengarten dominieren. Zwischen streng geschnittenen Buchsbaumhecken finden sich geometrisch formal angelegte Beete mit Prachtstauden, die von landschaftlich geprägten Teilen des Gartens kontrastiert werden. So spielen anspruchsvolle Pflanzungen und frei gestaltete Naturgärten zusammen.

Abgesehen von einer Pergola befindet sich im Karl-Foerster-Staudengarten im Gegensatz zu den anderen Bereichen in den Gärten der Welt keinen architektonischen Strukturen. Die Farbe der Pergola – blau – geht übrigens auf eine Erwähnung in einem von Foersters Büchern zurück. Dort beschreibt er einen Blauton, den die Gartengestalter*innen in mühseliger Arbeit zu reproduzieren versuchten.

Größe: 3 600 Quadratmeter
Eröffnung: 9. Mai 1987, Neueröffnung am 9. März 2008
Planung: Dr. Johannes Schwarzkopf, Christian Meyer

Italienischer Renaissancegarten

Der “Giardino della Bobolina” ist ein Renaissancegarten, der sich stilistisch an der toskanischen Villengärten des 16. Jahrhunderts orientiert. Er ist der einzige Garten im Ensemble, der eine Epoche widerspiegelt und keine Stilrichtung.

Er basiert auf einer Vierteilung, die sich durch die gesamte Gestaltung zieht. Eine Loggia im ersten, in sich geschlossenen Gartenraum, ist Konzertveranstaltungsort. Von der Loggia aus, gelangen Besucher*innen in den viertgeteilten Hauptgarten mit einem Brunnen in der Mitte.

Eine originale Bobolina-Statue aus dem 16. Jahrhundert befindet sich ebenfalls, eingebettet in Hecken aus Buchs und Eibe, im Zentrum des Gartens. Gestalterische Elemente des Gartens, wie Säulen oder Treppen sind aus hellgrauem Sandstein. Eine Besonderheit ist zudem der “Giardino segreto”, der geheime Garten, den man über eine schmale Natursteintreppe betritt.

Größe: 3 000 Quadratmeter
Eröffnung: 31. Mai 2008
Planung: Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, Berlin

Christlicher Garten

Der Christliche Garten ergänzt die Gärten der Welt seit 2011. Er ist dem Kreuzgang eines typischen mittelalterlichen Klostergartens nachempfunden. Den Namen “Raum der Sprache und des Wortes” ist aber vor allem maßgeblich geprägt von einer speziellen Installation. Sie zeigt modern gestaltete Texte aus der Bibel sowie Zitate aus Philosophie und Kultur. Die Texte reflektieren die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Außerdem unterstreichen sie den Garten als Sinnbild des christlichen Lebens.

Die Installation besteht aus goldlackierte Metallbuchstaben, die Passagen aus dem Alten und Neuen Testament zitieren. Die daraus entstehenden transparenten Wände bilden den Wandelgang eines Klosters nach. In der Mitte des quadratischen Gartens befindet sich zudem ein Wasserspiel. Dieses steht einerseits für die Quelle des Lebens und andererseits für die verschiedenen Bedeutungen von Wasser im Christentum.

Größe: 1 000 Quadratmeter
Eröffnung: 29. April 2011
Planung: relais Landschaftsarchitekten, Berlin

Englischer Landschaftsgarten

Der Englische Landschaftsgarten darf in den Gärten der Welt natürlich nicht fehlen. Die ersten Parks, die diese Stilrichtung prägten, entstanden schließlich bereits im 18. Jahrhundert. Sie basierten auf der idyllischen Wildnis der Landschaftsmalerei und wichen von den bis anhin verbreiterten strengen Geometrischen Formen ab.

Gärten der Welt – weitere Attraktionen

Im Englischen Garten befindet sich ein typisches englisches Landhaus mit Reeteindeckung, dass von einem Gemüsegarten, Wiesen, Staudenbeeten, einem Rosengarten und Obstbäumen umgeben ist. Er entstand im Rahmen einer Stadtpartnerschaft mit dem englischen Halton und wurde im Rahmen der IGA Berlin 20217 eröffnet.

Das Englische Cottage in der Mitte der Anlage serviert übrigens selbstverständlich eine klassisch Englische Tea Time mit Earl Grey Tee, Gurkensandwiches und Scones.

Größe: 6 000 Quadratmeter
Eröffnung: 19. April 2017
Planung: Austin-Smith:Lord, Manchester

Jüdischer Garten

Der neuste Zugang zu den Gärten der Welt ist der Jüdische Garten, der erst 2021 Eröffnung feierte. In Blickweite zum christlichen Garten entstand seit Ende 2019 ein Themengarten rund um die jüdische Interpretation von Landschaftsarchitektur. Obwohl er als landschaftsarchitektonischer und künstlerischer Beitrag die Darstellung einer Weltreligion bezweckt, verzichtet er bewusst auf die Zurschaustellung von religiösen Schriften und Symbolen.

Stattdessen fokussiert der Jüdische Garten auf Pflanzen und Gewächse mit engem Bezug zur jüdischen Kultur, wie etwa Feigen, Mandeln, Kastanien oder Ulmen. Diese sind bekannt aus Schriften jüdischer und dem Judentum nahestehenden Autor*innen. Das Wegenetz, das durch die Anlage führt, gliedert den Garten, symbolisiert aber auch die Jüdische Diaspora, die über die Welt verstreut ist. Im Garten finden sich zudem gleich zwei skulpturale Pavillons, die einerseits Ruhe, andererseits aber auch Austausch fördern wollen. Darin sind etwa auch Veranstaltungen zur jüdischen Kultur geplant.

Die Allianz Umweltsstiftung, die bereits den Orientalischen Garten und den Christlichen Garten unterstützte, hatte den Jüdischen Garten initiiert. Mehr zu diesem Garten in den Gärten der Welt lesen Sie außerdem hier: Jüdischer Garten.

Fläche: etwa 2 000 Quadratmeter
Eröffnung: 2021
Planung: Manfred Pernice (Bildhauer), Wilfried Kuehn (Architekt) und atelier le balto Landschaftsarchitekten, Berlin

Zusätzlich zu den elf Themengärten gibt es in den Gärten der Welt zahlreiche weitere Attraktionen. Dazu gehört etwa ein Tagungszentrum mit biodiversem Gründach (mehr zum Thema Dachbegrünung finden Sie hier). Außerdem eine Arena, die insgesamt 5 000 Besucher*innen Platz bietet und einem Amphitheater nachempfunden ist. Mit der Seilbahn kann man zudem vom Kienberg über das Wuhletal direkt in die Gärten der Welt schweben und einen spektakulären Ausblick geniessen. Des Weiteren entstand im Rahmen der IGA 2017 im Übrigen auch der Wolkenhain, ein Aussichtsturm, der wie organisch gewachsen aussieht – selbstverständlich barrierefrei zugänglich.

Mehr Informationen zu den Gärten der Welt finden Sie hier.

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