Versiegelte Vergangenheit – wie man historische Altlasten ökologisch saniert

Alter Bahnhof vor urbanem Hintergrund, Symbol für historische Altlasten.
Balance zwischen Technik, Recht und Stadtökologie. Foto von Jamie Perez auf Unsplash.

Versiegelte Böden sind nicht nur ein Relikt der industriellen Vergangenheit, sondern auch tickende ökologische Zeitbomben mitten in unseren Städten. Doch wie gelingt es, diese belasteten Flächen intelligent zu sanieren, ohne dabei architektonische Geschichte oder ökologisches Potenzial zu verlieren? Wer glaubt, Altlastensanierung sei pure Chemie und Baggerarbeit, irrt gewaltig: Es ist ein spannender Balanceakt zwischen Technik, Recht und neuer Stadtökologie – und der Schlüssel zu nachhaltiger Stadtentwicklung.

  • Definition und Entstehung versiegelter Altlasten im urbanen Raum
  • Rechtliche und planerische Rahmenbedingungen für Altlastensanierung in Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Innovative ökologische Sanierungsverfahren und deren Wirksamkeit
  • Integration von Bodensanierung in nachhaltige Stadtentwicklung
  • Beispiele gelungener ökologischer Altlastensanierung aus der DACH-Region
  • Herausforderungen bei der Revitalisierung historisch belasteter Flächen
  • Zusammenspiel von Denkmalschutz, Stadtklima und Biodiversität
  • Potenziale entsiegelter und renaturierter Standorte für die urbane Freiraumplanung
  • Die Rolle interdisziplinärer Teams, Governance und Partizipation
  • Schlussbetrachtung: Warum Altlastensanierung mehr ist als Umweltschutz

Was sind versiegelte Altlasten? Historische Ursachen und aktuelle Relevanz

Der Begriff „versiegelte Altlasten“ hat im urbanen Kontext eine fast schon mythische Klangfarbe: Von den Ruinen alter Fabrikanlagen über stillgelegte Bahnhöfe bis hin zu ehemaligen Tankstellen und Militärstandorten – sie alle erzählen von der Vergangenheit, lagern aber auch Risiken für die Zukunft. Versiegelung bedeutet dabei, dass Bodenflächen durch Asphalt, Beton oder Gebäude von natürlichen Kreisläufen abgeschnitten wurden. Die Altlast wiederum steht für die chemische, physikalische oder biologische Belastung, die häufig unsichtbar unter der Oberfläche schlummert. Diese Flächen sind überall präsent, besonders in den dicht besiedelten Räumen Mitteleuropas, wo industrielle und gewerbliche Nutzung seit dem 19. Jahrhundert ganze Stadtteile geprägt hat.

Die Relevanz dieser Altlasten ist enorm: Sie blockieren wertvolle Flächen, bremsen Stadtentwicklung, beeinträchtigen das Grundwasser und verhindern die dringend benötigte Durchgrünung. Gleichzeitig sind sie Erinnerungsorte und ein Teil des urbanen Gedächtnisses. Ihre Sanierung ist daher nicht nur eine technische Aufgabe, sondern auch ein kulturelles und stadtökologisches Projekt. Wer die Vergangenheit ignoriert, verbaut die Zukunft – und das gilt nirgends mehr als bei der Planung mit Altlasten.

Die Ursachen für die Entstehung solcher Flächen sind ebenso vielfältig wie ihre Erscheinungsformen. Historische Gewerbebetriebe, die jahrzehntelang mit Lösungsmitteln, Schwermetallen oder Teer gearbeitet haben, gehörten ebenso dazu wie ehemalige Deponien, Güterbahnhöfe oder verlassene Kasernen. Nach der Nutzung blieben nicht nur bauliche Relikte, sondern auch Schadstoffe zurück, die durch Versiegelung oft lange Zeit unbemerkt blieben. Erst mit dem wachsenden Bewusstsein für Umwelt- und Gesundheitsrisiken rückten diese Flächen ins Visier der Stadtplaner und Gesetzgeber.

In deutschen Städten sind laut Umweltbundesamt Zehntausende solcher Altlastenflächen bekannt, die meisten davon im städtischen Raum. Die Zahl der Verdachtsfälle ist noch weit höher. Damit ist klar: Wer über nachhaltige Stadtentwicklung spricht, kommt an der Altlastenproblematik nicht vorbei. Es ist eine Aufgabe, die Stadtplaner, Landschaftsarchitekten, Ingenieure und Juristen gleichermaßen fordert – und die in Zeiten der Flächenknappheit, des Klimawandels und der Nachverdichtung dringlicher wird denn je.

Doch warum sind es gerade die versiegelten Flächen, die so schwer zu sanieren sind? Ein Grund ist, dass Schadstoffe unter Asphalt und Beton besonders schwer zugänglich sind. Außerdem werden sie oft erst entdeckt, wenn neue Nutzungen geplant sind, etwa wenn eine Brachfläche zum Wohnquartier oder Park werden soll. Dann beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit – und gegen die Unsichtbarkeit der Altlasten.

Die Sanierung dieser Flächen ist nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch eine stadtpolitische und gesellschaftliche. Sie berührt Fragen der Gerechtigkeit, etwa wenn belastete Flächen in benachteiligten Stadtteilen liegen, und sie stellt hohe Ansprüche an die Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Denn niemand möchte auf einer ehemaligen Giftmülldeponie wohnen – es sei denn, die Sanierung ist nachweislich sicher und ökologisch sinnvoll erfolgt.

Rechtliche und planerische Rahmenbedingungen für die Altlastensanierung

Die Sanierung von Altlasten ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz streng reguliert und unterliegt einer Vielzahl von Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien. Im Mittelpunkt steht das Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG), das in Deutschland seit 1999 die rechtliche Grundlage für den Umgang mit kontaminierten Böden bildet. Dieses Gesetz definiert nicht nur, was als Altlast gilt, sondern regelt auch die Pflichten von Grundstückseigentümern, Kommunen und anderen Beteiligten. Ziel ist stets der Schutz von Mensch und Umwelt vor schädlichen Bodenveränderungen – ein Ziel, das mit Blick auf die komplexen Schadstoffgemische in historischen Böden alles andere als trivial ist.

Ein zentrales Instrument ist die Gefährdungsabschätzung: Bevor überhaupt an Sanierung zu denken ist, müssen die Art, Menge und Ausbreitung der Schadstoffe erfasst und bewertet werden. Dazu kommen Bodenuntersuchungen, Grundwasserproben, manchmal sogar Luftmessungen in Gebäuden. Die Ergebnisse werden mit Prüf- und Maßnahmenwerten verglichen, die in der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) festgelegt sind. Liegen Überschreitungen vor, müssen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr ergriffen werden, wozu auch die ökologische Sanierung zählt.

Die Verantwortung für die Sanierung liegt in der Regel beim Verursacherprinzip: Wer den Schaden verursacht hat, ist auch für die Beseitigung zuständig. Doch in der Praxis ist das oft kompliziert, weil Verursacher nicht mehr existieren oder Eigentumsverhältnisse unklar sind. In solchen Fällen springen öffentliche Stellen ein – meist mit Unterstützung von Förderprogrammen. Gerade in Großstädten ist die Altlastensanierung daher ein Zusammenspiel von privater Initiative, kommunaler Planung und staatlicher Regulierung.

Planerisch ist die Sanierung von Altlasten eng mit der Flächennutzungsplanung, dem Bauplanungsrecht und dem Naturschutz verknüpft. Oft müssen Kompromisse gefunden werden zwischen den Anforderungen des Umweltschutzes, den Wünschen nach Nachverdichtung und den Zielen des Denkmalschutzes. Die Integration der Altlastensanierung in die Stadtentwicklung ist daher ein Balanceakt, der Fingerspitzengefühl und fundiertes Fachwissen erfordert. Ein einfaches „Boden raus, sauber rein“ reicht in der Regel nicht aus – gefordert sind intelligente, nachhaltige Lösungen.

In Österreich und der Schweiz sind die rechtlichen Rahmenbedingungen ähnlich, unterscheiden sich aber in Details. In beiden Ländern gibt es eigene Altlastengesetze und ein differenziertes System von Förderungen und Zuständigkeiten. Besonders fortschrittlich ist das Schweizer „Altlastenkataster“, das eine systematische Erfassung und transparente Information ermöglicht. In allen Ländern ist jedoch klar: Ohne rechtliche Klarheit und professionelle Planung bleibt die Altlastensanierung Stückwerk – und das kann sich keine Stadt leisten, die zukunftsfähig sein will.

Schließlich ist die Kommunikation mit der Öffentlichkeit ein wichtiger Teil der rechtlichen und planerischen Rahmenbedingungen. Sanierungsmaßnahmen müssen nachvollziehbar, transparent und partizipativ gestaltet werden. Nur so lässt sich Akzeptanz schaffen und das Vertrauen der Bürger gewinnen – eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Projekte in sensiblen, historisch belasteten Stadträumen.

Ökologische Sanierungsverfahren: Innovationen und Erfolgsfaktoren

Wer glaubt, Altlastensanierung sei nur eine Frage von Aushub und Abtransport, unterschätzt die Innovationsdichte und die ökologische Raffinesse moderner Verfahren. Die ökologische Sanierung setzt auf Techniken, die nicht nur Schadstoffe reduzieren, sondern auch Bodenfunktionen wiederherstellen und neue Lebensräume schaffen. Das klingt nach Zauberei, ist aber handfeste Ingenieurkunst – und ein Paradebeispiel für die Verbindung von Stadtökologie und Technik.

Ein zentrales Prinzip ist die sogenannte In-situ-Sanierung: Dabei werden Schadstoffe direkt im Boden behandelt, ohne dass große Mengen an Erde bewegt werden müssen. Methoden wie die Phytosanierung nutzen Pflanzen, die Schadstoffe aufnehmen und abbauen können. Besonders Pappeln, Weiden oder bestimmte Gräser sind in der Lage, Schwermetalle und organische Verbindungen aus dem Boden zu ziehen. Diese Verfahren sind nicht nur kostengünstig, sondern fördern auch die Biodiversität und verbessern das Mikroklima.

Eine weitere innovative Technik ist die „Biosanierung“, bei der Mikroorganismen gezielt eingesetzt werden, um Schadstoffe zu zersetzen. Durch die Zugabe von Nährstoffen oder Sauerstoff werden natürliche Abbauprozesse beschleunigt. Gerade bei Ölverschmutzungen oder leicht abbaubaren Schadstoffen ist diese Methode sehr effektiv. Sie hinterlässt keine Rückstände und trägt zur Regeneration des Bodens bei – ein echter Gewinn für die Stadtökologie.

Für schwer zugängliche oder hochbelastete Flächen kommen physikalisch-chemische Verfahren zum Einsatz. Dazu gehört die Bodenluftabsaugung, bei der flüchtige Schadstoffe aus dem Boden entfernt werden, oder die thermische Behandlung, bei der durch Erhitzung Schadstoffe zerstört werden. Auch die Immobilisierung, bei der Schadstoffe im Boden gebunden und so an der Ausbreitung gehindert werden, ist eine bewährte Methode. Entscheidend ist immer die sorgfältige Auswahl und Kombination der Verfahren – je nach Schadstofftyp, Standortbedingungen und geplanter Nachnutzung.

Doch ökologische Sanierung endet nicht mit dem Entfernen von Schadstoffen. Ziel ist die Wiederherstellung funktionsfähiger Böden, die als Grundlage für neue Stadtlandschaften dienen können. Dazu gehört die Verbesserung der Bodenstruktur, die Förderung des Wasserhaushalts und die Schaffung neuer Habitate für Pflanzen und Tiere. In vielen Städten werden ehemalige Altlastenflächen nach der Sanierung als Parks, Grünzüge oder urbane Gärten genutzt – ein sichtbarer Beweis für die Potenziale ökologischer Sanierung.

Der Erfolg solcher Projekte hängt nicht zuletzt von interdisziplinärer Zusammenarbeit ab. Stadtplaner, Landschaftsarchitekten, Ingenieure, Biologen und Juristen müssen an einem Strang ziehen. Nur so entstehen Lösungen, die technische, ökologische und gesellschaftliche Anforderungen gleichermaßen erfüllen. Die besten Projekte zeigen: Altlastensanierung kann weit mehr sein als Schadensbegrenzung – sie ist die Chance zur Erfindung neuer, resilienter und attraktiver Stadträume.

Vom Problem zur Ressource: Integration der Altlastensanierung in die nachhaltige Stadtentwicklung

Altlastenflächen sind längst nicht mehr nur Problemzonen, sondern begehrte Entwicklungsareale in wachsenden Städten. Ihre Sanierung eröffnet die Möglichkeit, wertvolle Flächen für Wohnen, Arbeiten, Freizeit oder Naturschutz zu gewinnen. Die Integration ökologischer Sanierung in die Stadtentwicklung ist daher ein Schlüssel zur Flächenschonung, zur Reduktion der Siedlungsdichte auf der grünen Wiese und zur Förderung von Klimaanpassung und Biodiversität.

Ein Erfolgsfaktor ist die frühzeitige Berücksichtigung von Altlasten im Planungsprozess. Schon bei der Flächenanalyse und -auswahl sollten potenzielle Altlasten identifiziert und bewertet werden. Das vermeidet böse Überraschungen und ermöglicht die Entwicklung maßgeschneiderter Sanierungskonzepte. Immer mehr Städte setzen auf interdisziplinäre Planungsteams, die bodenkundliche, ökologische und stadtgestalterische Kompetenzen bündeln. So entstehen Lösungen, die nicht nur technisch machbar, sondern auch sozial und gestalterisch überzeugend sind.

Die Verbindung von Altlastensanierung und grüner Infrastruktur ist ein weiterer Trend, der sich in vielen europäischen Städten beobachten lässt. Nach der Sanierung werden Flächen nicht einfach versiegelt oder überbaut, sondern als Parks, Grünzüge, urbane Landwirtschaftsflächen oder Retentionsräume gestaltet. Dadurch entstehen multifunktionale Freiräume, die das Stadtklima verbessern, Lebensräume für Flora und Fauna schaffen und soziale Begegnung fördern. Besonders spannend wird es, wenn Altlastenstandorte in das ökologische Netz der Stadt eingebunden werden – etwa als Teil von Biotopverbundsystemen, Regengärten oder urbanen Wildnisgebieten.

Doch die Integration von Altlastensanierung in die nachhaltige Stadtentwicklung ist kein Selbstläufer. Sie erfordert Mut zur Innovation, Investitionen in Forschung und Monitoring sowie die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Partizipation spielt dabei eine zentrale Rolle: Nur wenn Anwohner, Nutzer und Öffentlichkeit in die Planung einbezogen werden, entstehen Orte mit Identität und Akzeptanz. Die Sanierung von Altlasten wird so zum Gemeinschaftsprojekt – und der ehemalige Problemstandort zur Ressource für die ganze Stadt.

Besonders eindrucksvolle Beispiele finden sich in der DACH-Region etwa im Münchner Kreativquartier, dem Wiener Nordbahnhofviertel oder dem Basler Dreispitz-Areal. Hier wurden historische Altlastenflächen mit ökologischen und gestalterischen Innovationen zu attraktiven neuen Stadtteilen transformiert. Entscheidend war immer das Zusammenspiel von technischer Kompetenz, rechtlicher Klarheit, politischem Willen und gesellschaftlicher Offenheit. Die Lehre daraus: Wer Altlasten nur als Problem sieht, verschenkt Chancen. Wer sie als Ressource begreift, gestaltet die Stadt von morgen.

Damit wird klar: Altlastensanierung ist weit mehr als Umweltschutz. Sie ist Stadtentwicklung, Klimaanpassung, soziale Innovation und kulturelle Aneignung in einem. Sie lehrt uns, Geschichte nicht zu vergessen, sondern aktiv zu gestalten – und aus der versiegelten Vergangenheit eine lebenswerte Zukunft zu bauen.

Herausforderungen und Perspektiven: Warum Altlastensanierung Chefsache bleibt

So vielversprechend ökologische Sanierungsverfahren und neue Stadtentwicklungsstrategien auch sind – die Praxis bleibt eine Herausforderung. Zum einen sind die Kosten für Altlastensanierung oft hoch, insbesondere wenn komplexe Schadstoffgemische oder großflächige Versiegelungen vorliegen. Förderprogramme und innovative Finanzierungsmodelle sind zwar hilfreich, doch ohne politisches Commitment und langfristige Planung bleibt die Umsetzung schwierig. Investoren schrecken häufig zurück, wenn Unsicherheiten bei Haftung, Kosten oder Genehmigungsverfahren bestehen.

Ein weiteres Problem ist die Unsichtbarkeit der Altlasten: Schadstoffe lassen sich nicht mit bloßem Auge erkennen, und auch moderne Messtechnik stößt an ihre Grenzen. Risikokommunikation und Transparenz sind daher unerlässlich – sowohl gegenüber Investoren als auch gegenüber der Bevölkerung. Nur wenn klar ist, welche Risiken bestehen und wie sie beherrscht werden, entsteht Vertrauen in die Sanierung und die spätere Nutzung der Flächen.

Auch der Umgang mit dem historischen Erbe ist anspruchsvoll. Viele Altlastenstandorte sind zugleich Denkmäler der Industriegeschichte, mit erhaltenswerten Gebäuden, Gleisanlagen oder Freiraumstrukturen. Hier müssen Sanierung und Denkmalschutz Hand in Hand gehen: Die Erhaltung von Zeitzeugen darf nicht zulasten der Sicherheit gehen, und zugleich sollte die Geschichte der Orte sichtbar und erfahrbar bleiben. Das erfordert kreative Lösungen – von der behutsamen Integration alter Bauteile über künstlerische Interventionen bis hin zur dokumentarischen Aufarbeitung der Standortgeschichte.

Ein oft unterschätztes Thema ist das Monitoring nach der Sanierung. Boden und Grundwasser müssen regelmäßig kontrolliert werden, um langfristige Sicherheit zu gewährleisten. Moderne Sensorik, digitale Modelle und partizipative Überwachungskonzepte bieten hier neue Möglichkeiten, doch sie erfordern auch Ressourcen und Know-how. Ohne kontinuierliches Monitoring drohen Rückschläge – und das Vertrauen in die Sanierung schwindet.

Schließlich bleibt die Frage der Governance: Wer trägt Verantwortung, wer entscheidet, wer profitiert? Altlastensanierung ist immer ein Gemeinschaftswerk – und Chefsache im besten Sinne. Kommunen, Eigentümer, Planer, Ingenieure, Bürger und Politik müssen an einem Strang ziehen. Nur so lassen sich die Chancen nutzen, die in den versiegelten Flächen schlummern. Die Zukunft der Altlastensanierung ist offen – aber sie ist gestaltbar. Wer den Mut und die Kompetenz hat, die Vergangenheit ernst zu nehmen, kann die Stadt von morgen lebenswerter machen.

In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit, Klimaanpassung und Flächensparen ganz oben auf der Agenda stehen, ist die ökologische Sanierung versiegelter Altlasten ein zentrales Handlungsfeld. Sie verlangt Fachwissen, Innovationsgeist und einen langen Atem – und sie bietet die Chance, Stadtentwicklung neu zu denken. Altlastensanierung ist kein Ausputzerjob, sondern der Königsweg zur urbanen Resilienz.

Zusammenfassung

Versiegelte Altlasten sind weit mehr als Relikte der Vergangenheit – sie sind zentrale Aufgaben der nachhaltigen Stadtentwicklung. Ihre Sanierung ist technisch anspruchsvoll, rechtlich komplex und gesellschaftlich sensibel. Moderne ökologische Verfahren ermöglichen es, nicht nur Schadstoffe zu beseitigen, sondern auch neue Lebensräume und Freiräume für die Stadt zu schaffen. Erfolgreiche Projekte zeigen: Wer Altlasten intelligent saniert, verbindet Umweltschutz, Stadtklima, soziale Innovation und kulturelle Identität. Die ökologische Sanierung versiegelter Altlasten bleibt eine anspruchsvolle Aufgabe, aber sie bietet die vielleicht spannendsten Chancen für die urbane Transformation im 21. Jahrhundert. Garten und Landschaft bleibt am Puls der Zeit – und liefert das Know-how, das Experten für eine lebenswerte Stadtzukunft brauchen.

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Visualisierung des geplanten Pocket-Parks am Wiener Donaukanal. Rendering: Merlin Bartholomäus
Visualisierung des geplanten Pocket-Parks am Wiener Donaukanal. Rendering: Merlin Bartholomäus

Der Donaukanal ist eine wichtige Lebensader im dicht bebauten innerstädtischen Bereich von Wien. Doch er könnte noch mehr dazu beitragen, die Stadt zukunfts- und klimafit zu machen. Daher hat die Stadt nun entschieden, Projekte zur verbesserten Aufenthaltsqualität am Donaukanal durchzuführen, beginnend mit einem Pocket-Park.

Der Wiener Donaukanal ist ein beliebter Freizeit-Hotspot in der österreichischen Hauptstadt. Viele Lokale sowie Sport- und Spaziermöglichkeiten sorgen vor allem im Sommer für viele Besuche. Das Areal ist stark genutzt, soll aber künftig noch mehr dazu beitragen, die Stadt zukunfts- und klimafit zu machen. Dafür hat die Stadt Wien gleich mehrere Projekte angekündigt, beginnend mit einem Pocket-Park. Diese grüne Mini-Oase ist für das linke Donaukanalufer geplant und soll das in die Jahre gekommene Glashaus ersetzen.

„Wir wollen den Donaukanal weiter attraktivieren und schaffen daher ganz nach unserem Motto ‚Raus aus dem Asphalt’ mit dem neuen Pocket-Park ein weiteres grünes Wohnzimmer mitten in der City! Und das ist erst der Anfang einer Reihe von weiteren Vorhaben am Donaukanal“, so die für die Wiener Gewässer zuständige Stadträtin Ulli Sima. Alexander Nikolai, Bezirksvorsteher der Leopoldstadt, betont, dass die grüne Mini-Oase die Initiative „Raus aus dem Asphalt“ erfolgreich fortsetzen wird.

Das Glashaus weicht dem Pocket-Park Wien

Der neue Pocket-Park in Wien ist als grünes Wohnzimmer am Donaukanal gedacht. Er wird sich direkt am linken Donaukanalufer an der Vilma-Steindling-Promenade zwischen Augartenbrücke und Salztorbrücke befinden. Mit einer Gesamtfläche von 140 m² soll er ab Sommer 2024 Raum am Wasser für ein Picknick oder eine Entspannungspause bieten. Dabei herrscht kein Konsumzwang, anders als in den vielen Restaurants entlang des Kanals.

Die Planung des Parks erfolgte durch Landschaftsarchitekten Gerhard Rennhofer aus Wien im Auftrag der Stadt. Seine Pläne zeigen, dass ein großzügiger Sitzstein die optische Abgrenzung zwischen der neuen Grünfläche und der Flaniermeile am Donaukanal darstellen wird. Ein großer Baum und zusätzliche Begrünung sorgen für Schatten und Kühlung. So wird ein besseres Mikroklima an diesem Abschnitt des Donaukanals erreicht. Zudem soll die Kaimauer mit Kletterpflanzen begrünt werden.

Um den Pocket-Park Wien zu bauen, muss das Glashaus weichen, das sich auf dem anvisierten Grundstück befindet. Es ist auch als „Aquarium“ bekannt und stammt aus dem Jahr 1998. Lange diente es als Ausstellungs- und Veranstaltungsraum der Wiener Umweltmeile. Zuletzt wurde es auch als Gastronomiefläche genutzt. Aber eine bautechnische Stellungnahme hat erhebliche Mängel und Alterserscheinungen an den Glaselementen und am Bodenaufbau gezeigt. Daher muss das Glashaus nun abgetragen werden.

Vor dem Glashaus, das dem Pocket-Park weichen soll: Gerald Loew, Abteilungsleiter der Stadt Wien – Wiener Gewässer, Stadträtin Ulli Sima, Bezirksvorsteher der Leopoldstadt Alexander Nikolai, Dominik Webel, Teamleiter Donaukanal bei der MA 45 und WGM Geschäftsführer Martin Jank, Copyright: Stadt Wien/Christian Fürthner
Vor dem Glashaus, das dem Pocket-Park weichen soll: Gerald Loew, Abteilungsleiter der Stadt Wien – Wiener Gewässer, Stadträtin Ulli Sima, Bezirksvorsteher der Leopoldstadt Alexander Nikolai, Dominik Webel, Teamleiter Donaukanal bei der MA 45 und WGM Geschäftsführer Martin Jank, Copyright: Stadt Wien/Christian Fürthner

Kühlere Grünflächen am Donaukanal

Pocket-Parks sind eine beliebte stadtplanerische Maßnahme. Der Name lässt sich als „Westentaschen-Park“ übersetzen. Er beschreibt kompakte, ehemals brachliegende oder versiegelte Flächen in der Stadt, die durch Bepflanzung wiederbelebt werden. Insbesondere in kompakten, verdichteten innerstädtischen Bereichen sind diese Mini-Oasen gut einsetzbar. Sie haben einen individuellen Charakter, bieten Vorteile für den Klimaschutz und die Klimaanpassung, und nutzen bestehende Strukturen. Somit sind sie auch recht kostengünstig.

Weitere Projekte am Donaukanal in Wien sind geplant. Die Begrünungs- und Aufwertungsmaßnahmen sollen dem Ufer ein neues Gesicht verleihen und die Stadt klimafit machen. Insbesondere auf Cooling-Maßnahmen und mehr Grün ist die Stadt erpicht, um dem Urban Heat Island Effect Einhalt zu gebieten.

Rechts und links vom geplanten Pocket-Park in Wien befinden sich gastronomische Angebote. Auch für Sport und Freizeit gibt es Flächen, die sich durch parkähnlich gestaltete Uferbereiche auszeichnen. Ein interessantes Projekt in diesem Rahmen sind die Schwimmenden Gärten: Dafür wurde die frühere Kaiserbadschleuse am Donaukanal begrünt und zu einer „Chill-Area“ ausgestaltet. Diese verstärkt die Kühlluftschneise am Kanal nach dem Vorbild der Schwimmenden Gärten auf der Seine in Paris.

Die Schwimmenden Gärten in Wien sind eine der bereits vorhandenen Lösungen für eine klimafreundlichere Stadt am Donaukanal, Credit: Wikicommons
Die Schwimmenden Gärten in Wien sind eine der bereits vorhandenen Lösungen für eine klimafreundlichere Stadt am Donaukanal, Credit: Wikicommons

Begrünung des Kanals

Der Wiener Donaukanal ist 17 Kilometer lang und 50 Meter breit. Er durchfließt sieben Gemeindebezirke der Stadt. Früher handelte es sich bei dem Kanal um den einzigen schiffbaren Arm der Donau-Altarme. Sein heutiges Aussehen erhielt er durch die Donauregulierung zwischen 1870 und 1875. Er mündet in der Nähe des Alberner Hafens zurück in die Donau. Der Kanal hat eine prominente Lage in Wiens Innenstadt und ist gut erreichbar, weshalb er ein wichtiges Bindeglied zwischen den Wiener Bezirken darstellt.

Weitere naturbelassene Uferbereiche am Donaukanal sind schattenspendende Bauzeilen sowie Wiesen- und Röhrichtzonen. An den naturbelassenen Böschungsabschnitten gibt es Raum für seltene Pflanzen und für geschützte Tierarten. Zudem soll der Donaukanal, der vorrangig der Schifffahrt dient, auch als Wanderkorridor für Fische optimiert werden. Im Mündungsbereich des Wienflusses in den Donaukanal wurden dafür künstliche Laichstrukturen für die Fische angebracht.

Der Pocket-Park soll im Sommer 2024 aufmachen und weiter zur Begrünung des Donaukanals beitragen. Weitere Projekte wird die Stadt Wien demnächst ankündigen.

 

Mehr lesen: Wien wird immer wieder zu einer der lebenswertesten Städte der Welt gekürt. Hier geht es zum Stadtporträt.

Der Social Media Manager

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Für jeden Unternehmer, egal aus welcher Branche, spielt es irgendwann eine Rolle: Social Media. Landschaftsarchitekten scheuen oft noch den Schritt in die Kanäle, dabei bieten sie Möglichkeiten, das eigene Image zu prägen und neue Kunden zu erreichen. Wir stellen Standardwerke vor, die beim Einstieg helfen können.

Der Social Media Manager – Handbuch für Ausbildung und Beruf. Vivian Pein

Der Aufbau

Drei Teile: Berufsbild Social Media Manager; Grundlagen Social Media Management; Social Media Management in Unternehmen

Der Inhalt

Einleitend wird erklärt, was Social Media überhaupt ist und welche Herausforderungen sie für Unternehmen bieten. Interessant ist besonders das Teilkapitel dazu, wie Social Media die Kommunikation zwischen Unternehmen und Menschen verändert und welche Auswirkungen das zum Beispiel auf Kundenservice und –stellenwert hat.

Der erste Teil ist für Landschaftsarchitekten eher uninteressant, hier richtet sich das Buch an Social Media Manager und solche, die es werden wollen und stellt Anforderungen und Aufgabengebiete vor. Auch wie man sich weiterbilden kann und was der persönliche Social Media Auftritt für einen Einfluss auf die Karriere haben kann wird erklärt. Teil eins bildet eine kurze Einführung in das Berufsfeld.

Spannend wird es ab dem zweiten Teil, hier werden die sozialen Medien und die Eckpfeiler des Managements vorgestellt, darunter etwa das Management der Zielgruppe und deren Reaktionen, die Steuerung der Inhalte und grundlegend das Erstellen einer Strategie. Einen Schwerpunkt legt das Kapitel auf die Zielgruppe und deren Analyse. Sie ist wichtig, um die Inhalte genau auf die Personen zuzuschneiden. Für die Strategie gibt das Buch einige Maßstäbe an die Hand: Was kann ich kurz-, was langfristig erreichen? Welche Ziele werde ich wie messen können? Was sind die richtigen Inhalte und welche Art von Inhalt eignet sich wo? Wie komme ich an gute Inhalte? Spannend ist auch, dass immer mehr Unternehmen über die verschiedenen Kanäle nach neuen Mitarbeitern suchen, „der Social Media Manager“ erklärt, wie es geht.

Nicht zu vernachlässigen sind rechtliche Fragen, denen das Buch ein eigenes Kapitel widmet. Welchen Namen wähle ich? Welche Fotos und Videos darf ich überhaupt nutzen? Wie schreibe ich ein Impressum und was hat es mit dem Datenschutz auf sich? Wo Ratgeber oft in juristischen Fachsprech abdriften bleibt „Der Social Media Manager“ verständlich und erklärt anhand vieler Beispiele.

Social Media Kanäle gibt es viele. Das Fachbuch beleuchtet vor allem Facebook, Google+, Twitter, Business-Netzwerke wie Xing und LinkedIn, Videoportale und Fotoplattformen ausführlich und stellt Vor- und Nachteile vor.

Im dritten Teil geht es speziell um die Unternehmensdarstellung über Facebook, Twitter und co. Wer gehört überhaupt in ein Social-Media-Team? Wie starte ich meinen Auftritt? Welche Richtlinien muss ich aufstellen? Einen spannenden Abschluss bildet das Kapitel „Praktisches Social Media Management“, das erklärt, woher Informationen bezogen werden können, wie der Arbeitsplatz ausgestattet werden sollte, wie verschiedene Werte in Beziehung gesetzt werden, und gibt sogar einen Exkurs darüber, wie die Daten anschaulich präsentiert werden können.

Fazit

„Der Social Media Manager“ kann zurecht als das Standardwerk unter den Social Media Fachbüchern gewertet werden. Auf über 570 Seiten werden verschiedenste Kanäle und die Strategien für diese erklärt, besonders auf die Bedeutung für Unternehmen wird intensiv eingegangen. Hervorzuheben ist die verständliche Sprache und die vielen anschaulichen Beispiele.

Vivian Pein. Der Social Media Manager: Das Handbuch für Ausbildung und Beruf. 2. Auflage. 2015. Rheinwerk Computing Verlag.

Mehr zum Thema Social Media lesen Sie in Garten+Landschaft 08/2016 – Oben grün: Über die Zukunft unserer Dächer.