Ein Hochhaus mit grün bewachsenen Balkonen; im Vordergrund ein Park mit Rasenfläche und Bäumen. Im Mai 2024 unternahmen Studierende der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe eine Exkursion nach Mailand. Mit auf dem Programm: der Bosco Verticale. Foto: Arne Klosse
Im Mai 2024 unternahmen Studierende der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe eine Exkursion nach Mailand. Mit auf dem Programm: der Bosco Verticale. Foto: Arne Klosse

Historische Zusammenhänge beleuchten, neue Stadtquartiere entdecken, Kontakte mit lokalen Landschaftsarchitekturbüros knüpfen: Im Mai 2024 unternahmen Landschaftsarchitektur-Studierende der TH Ostwestfalen-Lippe eine Exkursion nach Mailand. Melanie Müller-Boscaro, als Reiseleiterin vor Ort in Italien dabei, rekapituliert für G+L das Exkursionsprogramm und stellt die Arbeit des von den Studierenden besuchten Mailänder Landschaftsarchitekturbüros Parcnouveau vor.

Mailand-Exkursion mit Abstecher nach Bergamo

Mailand im Mai – das dachte sich Professor Hendrik Laue und initiierte eine Fachexkursion mit 35 Student*innen des Studiengangs Landschaftsarchitektur, Landschaftsbau und Freiraumplanung der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Mit Melanie Müller-Boscaro, deutsche Landschaftsarchitektin und Reiseleiterin vor Ort in Italien, planten sie vom 8. bis 14. Mai eine abwechslungsreiche Exkursion nach Norditalien: Bei einer Stadtführung durch die Hauptstadt der Lombardei wurden historische Zusammenhänge der Mailänder Stadtentwicklung beleuchtet. Die Student*innen entdeckten historische Parkanlagen wie den Parco Sempione, Projekte der 90er-Jahre, darunter der Parco Portello, und neue Stadtquartiere wie Porta Garibaldi und City Life. Pflegekosten, Ausführungsdetails, Pflanzenverwendung und Entwurfsstrategien wurden auch im Stadtpark BAM (Biblioteca degli Alberi – Baumbibliothek) mit Blick auf den Hochhauswald Bosco Verticale und in der Parkanlage City Life unter den Hochhäusern von Zaha Hadid, Arata Isozaki und Daniel Libeskind thematisiert.

Bei einem Besuch des Landschaftsarchitekturbüros LANDsrl erfuhr die Gruppe unter anderem Interessantes zur Mailänder Stadtentwicklungsstrategie Raggi Verdi (Grüne Strahlen). Betriebsbesichtigungen der Baumschule Riva Piante und des GaLaBau-Unternehmens Riva Giardini im Norden Mailands bereicherten die Exkursion mit praktischen Beispielen. Die Botanischen Nutzgärten als Sekundäres Projekt der Expo 2015 in Mailand sowie die mittelalterliche Innenstadt „Città Alta“ erkundeten die Student*innen im 50 Kilometer entfernten Bergamo.

Parcnouveau: Landschaft neu denken

Der Auftakt der Fachexkursion fand in den Räumlichkeiten des in Mailand ansässigen Landschaftsarchitekturbüros Parcnouveau statt, das für seinen innovativen Designansatz bekannt ist. Hier erhielten die Student*innen einen Einblick in das Berufsleben von Landschaftsarchitekt*innen. Das Büro Parcnouveau verbindet ein tiefes Verständnis für die Natur mit einem hohen Interesse an Gemeinschaftserlebnissen. Margherita Brianza gründete das Büro 2008; seit 2012 erhält sie Unterstützung von Luca Manzocchi sowie seit 2022 auch von Carolina Pelosato. Heute verfügt das Büro über ein Team von 20 Fachleuten und ein internationales Portfolio. Die vorgestellten Projekte ließen erkennen, dass die Bearbeitung der verschiedenen Projektphasen mit hohem fachlichem Anspruch und mit großer Sorgfalt und Hingabe erfolgt. Das Leistungsspektrum deckt alle Aspekte der Landschaftsarchitektur ab, von der strategischen Planung in großem Maßstab über urbane Räume wie Parks und Plätze bis hin zu Freiräumen an Geschäftshäusern, Logistikzentren, Unterkünften und Krankenhäusern.

Parcnouveau schafft eine authentische Verbindung zwischen Landschaft und Architektur. Dabei geht jedes Projekt von deren Bedürfnissen und Gewohnheiten aus und bezieht die Kultur und Besonderheiten eines Ortes ein. Für Parcnouveau bedeutet Landschaftsgestaltung, die Charakteristik des Ortes, die Dynamik des Lebens und die Beziehungen, die sich um die Planungsgebiete ranken, zu beherrschen. Der reale und soziale Kontext wird zu einer entscheidenden Inspirationsquelle für jedes Projekt und ermöglicht, immer wieder überraschende Lösungen zu erarbeiten. Vor dem Hintergrund des klimatischen und sozialen Wandels setzt sich das Büro dafür ein, die Landschaft neu zu denken, um den aktuellen Anforderungen an die Umweltplanung gerecht zu werden und künftige Herausforderungen zu bewältigen.

Parcnouveau realisierte diverse Stadterneuerungsprojekte

Parcnouveau beschäftigt sich mit komplexen Ökosystemfragen: Das Engagement erstreckt sich von der Erforschung fortschrittlicher Anbaumethoden und der Vermeidung des Einsatzes von Pestiziden über die Bewältigung von Wasserstress ohne herkömmliche Bewässerungssysteme bis hin zu Experimentieren mit Pflanzensorten, die an extreme Klimabedingungen angepasst sind.

In den letzten Jahren hat das Unternehmen zahlreiche Stadterneuerungsprojekte realisiert, vom großen City-Life-Park in Mailand bis zur Umgestaltung des Hafenviertels von Tel Aviv. Zu den jüngsten Projekten gehören die in Rom gewonnenen internationalen Wettbewerbe, etwa für das neue Wissenschaftsmuseum, das in den Räumen der ehemaligen Kaserne in der Via Guido Reni errichtet wurde, und der Masterplan für die Umgestaltung des ehemaligen Messegeländes.

Studierende knüpfen fachliche Kontakte

In Zusammenarbeit mit großen Architekturbüros hat das Büro die Landschaften für die Hauptsitze von Moncler und der italienischen Holding OTB Group in Mailand sowie von Enel in Rom entworfen. Die Liebe zum Detail und zur Funktionalität zeigt sich in den Projekten der Hotellerie, darunter das Bvlgari Hotel in Rom, das Mandarin Oriental in Rom, Tel Aviv und Moskau sowie in den zukünftigen Projekten für das Park Hyatt in Rom und den Palazzo Parma.

Mit dem Einblick in interessante Projekte erlangten die Student*innen vielfältige Inspirationen und die Möglichkeit fachliche und kulturelle Kontakte herzustellen. Am Ende der Woche in Norditalien gibt es viele Fotos, Inspirationen und Ideen für die Entwurfsarbeit zu Hause und einige Kontakte für eventuelle Praktika und Stellenangebote.

Die Höfe sind für den Blick von oben konzipiert: Gruppen von Schirmpflanzen mit unterschiedlichen Grüntönen und Blattgrößen erzeugen die Atmosphäre eines geheimen und unzugänglichen Gartens. Foto: Matteo Carassale
Die Höfe sind für den Blick von oben konzipiert: Gruppen von Schirmpflanzen mit unterschiedlichen Grüntönen und Blattgrößen erzeugen die Atmosphäre eines geheimen und unzugänglichen Gartens. Foto: Matteo Carassale

Was Parcnouveau für das Bvlgari Hotel umsetzte

Die entscheidende Herausforderung für das Landschaftsprojekt für das Bvlgari Hotel in Rom bestand darin, mit der bestehenden rationalistischen Architektur des Hotels zu harmonieren, ihre historische Bedeutung zu betonen und gleichzeitig neue Interaktionen mit ihren Elementen zu schaffen.

Im Mittelpunkt des Projekts von Parcnouveau stand die Vision des Bauherrn, das Wesen der römischen Natur wieder in die Außenbereiche des Gebäudes einzubringen. Die Grünräume sind so gestaltet, dass sie ein intensives Erlebnis bieten, eine Reise der Sinne, reich an leuchtenden Farben und Düften, inspiriert von den Bvlgari-Juwelen. Dazu wurden Pflanzen mit Blüten in Formen und Farben ausgewählt, die an die Juwelen und Schattierungen von Gold, Bronze und Kupfer erinnern.

Das Landschaftsprojekt erstreckt sich über die verschiedenen Ebenen des Gebäudes, angefangen vom Portikus im Erdgeschoss über die Höfe und Terrassen bis hin zu den Innenräumen.

Schwebender Garten über den Dächern Roms

Die Dachterrasse unterstreicht einerseits den Eklektizismus und Reichtum des Grüns und ermöglicht gleichzeitig den atemberaubenden Blick auf Rom.

Bei der Auswahl der Arten werden hauptsächlich mediterrane Pflanzen bevorzugt, darunter auch Salbei, Thymian und Rosmarin. Die Planer*innen setzten einige Akzente mit tropischen Elementen wie die Palmen Dioon Spinulosum und Yucca elephantipes oder das Indische Blumenrohr sowie die Japanische Faserbanane.

Pergolen, die von Kletterpflanzen wie der immergrünen Kletterhortensie Hydrangea seemani besiedelt sind, spenden Schatten und Komfort. Die Vasen- und Kübelgruppen mit kleinen Bäumen und mediterraner Vegetation (Hibiscus coccineus, Kreta-Schwarznessel und vielen anderen) umschließen die Wohnräume und Tische und schaffen Aufenthaltsorte von bemerkenswerter visueller Identität.

Die Dachterrasse ist ein magischer Ort, ein Garten, der über der Stadt Rom schwebt. Die Vegetation erstreckt sich über den gesamten Rand in Töpfen und Kübeln unterschiedlicher Größe und bietet einen ikonischen und überraschenden Blick auf die Stadt.

Bvlgari Hotel in Rom

Kunde: Bvlgari Spa
Entwurf: Architekt ACPV ARCHITECTS Antonio Citterio und Patricia Viel
Landschaftsarchitektur: Parcnouveau
Status: begonnen 2019, Fertigstellung 2023
Größe: 3 100 Quadratmeter

Weiterlesen: Alle zwei Jahre lobt das Land Berlin den Lenné-Preis als Ideenwettbewerb für Nachwuchs in den Fachdisziplinen Garten- und Landschaftsarchitektur, Freiraumplanung und Stadtentwicklung aus. Wer 2024 ausgezeichnet wurde, lesen Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren
eine-stadtstrasse-voller-verkehr-neben-hohen-gebauden-L7RbsRIG7DQ
Recht auf Stadt trifft Raumordnung – wie kompatibel ist das?
„Am Zoll Lörrach Riehen wollen wir aus Verkehrsraum Lebensraum schaffen“
eine-stadtstrasse-voller-verkehr-neben-hohen-gebauden-L7RbsRIG7DQ
V2X-Kommunikation im Testquartier – vernetzte Mobilität vor Ort
Entschleunigung, Verdichtung, Umwandlung
Der Vertical Panorama Pavillon in Nordkalifornien Foto: Adam Potts
Vertical Panorama Pavillon: Rund und bunt
eine-stadtstrasse-voller-verkehr-neben-hohen-gebauden-L7RbsRIG7DQ
Was ist eine Epoch? – wie oft KI Städte lernen muss
Eine gestaltete Garten- und Parkanlage zum Thema Pflegeleichter Bauerngarten
Pflegeleichter Bauerngarten: Grundlagen, Geschichte und Bedeutung
Gedenkort für den Turnertempel
Infrastruktur.Innovation.Baukultur
Bei der Bauministerkonferenz 2022 ging es um die Zukunft des Bausektors. Foto: Scott Blake via Unsplash
Bauministerkonferenz: Offener Brief zur Bauwende
Quelle: Kooperationspartner Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen
Quelle: Kooperationspartner Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen

Für Roth bei Nürnberg schreitet das größte Städtebauprojekt der letzten Jahrzehnte voran. Es handelt sich hierbei um die Konversion des stillgelegten Leoni-Fabrikgeländes in das sogenannte Rother Neuland. Dafür lobte die Stadt dieses Jahr einen städtebaulichen und freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb aus. Jetzt stehen der Siegerentwurf fest.

KlimaQuartier statt Fabrikgelände

Her mit der Transformation vom brachen Industriestandort zum lebendigen Zukunftsquartier Rother Neuland! Für dieses Vorhaben wird Roth seit 2022 durch das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr innerhalb „Landstadt Bayern“ gefördert. Des Weiteren gab es Anfang diesen Jahres eine enthusiastisch aufgenommene Büger*innenbeteiligung. Dabei kristallisierten sich die wichtigsten Themen heraus, zum Beispiel Mobilität und Ökologie. Darüber hinaus hat das Gelände eine besondere Lage. Es befindet sich im Stadtzentrum. Mit sieben Hektar liegt es außerdem zwischen Bahnhof und Marktplatz sowie an zwei Fließgewässern. Jetzt ging das Team um SCHIRMER Architekten + Stadtplaner, planetz Architektenpartnerschaft und deBuhr LA Landschaftsarchitektur als Sieger hervor. Wie überzeugte also der Entwurf „klimaPARKquartier“? 

Schwarz-Grün-Plan. Quelle: Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen
Schwarz-Grün-Plan. Quelle: Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen
Lageplan. Quelle: Kooperationspartner Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen
Lageplan. Quelle: Kooperationspartner Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen

Städtebauliche Struktur und Flexibilität 

Die Gebietsentwicklung des Rother Neulands wird über einen langen Zeitraum erfolgen. Deshalb ist die Grundstruktur robust. Aber es wird ausreichend flexiblen Entwicklungsspielraum geben. Die Jury lobte dabei die angemessen dichte, bauliche Struktur. Richtung Innenstadt präsentiert sich das Viertel mit urbaner Atmosphäre aus gefassten Räumen und Blockstrukturen. Die angrenzenden Wohnhöfe haben dagegen einen Gartenstadt-Charakter. Im Nordosten liegt ein großzügiges, freiräumliches Entree. 

Grünstruktur

Das Privatgelände wird zum öffentlichen Landschaftspark. Das Konzept des Rother Neulands sieht eine Bebauung in der Grundstücksmitte vor. Dafür wird es in ein breites, durchgehendes Landschaftsband eingebettet. Durch räumliche und visuelle Bezüge erhalten das Schloss, die Kulturfabrik und Fließgewässer so neue Wertigkeit im Stadtgefüge. Anstelle einer Zäsur gibt es nun eine Verbindung zwischen der Stadt, der Rednitzinsel und den umgebenden Landschaftsräumen. Der Entwurf führt dabei die bestehenden ökologisch und erholungstechnisch wertvollen Landschaftsstrukturen fort. „Mit den großzügigen Grünräumen und zusätzlichen Baumpflanzungen wird ein sehr guter Beitrag zur klimatischen Verbesserung der umliegenden Stadtquartiere geschaffen“ sagte das Preisgericht. Auch der Luftaustausch wird berücksichtigt. Die Wiesen sind gleichzeitig Überschwemmungszonen und die Belagsflächen dränfähig. Künftig interessant wird der detailliertere Umgang mit dem oberflächennahen Grundwasser. Auch das Thema Altlasten bereitet allen Beteiligten Sorgen.

Identität und Ressourcenschutz

Neben den Naturräumen bleibt auch die bauliche Geschichte des Ortes ablesbar. Zur Identitätsstiftung des Rother Neulands werden dafür Teile der Bausubstanz erhalten (zum Beispiel Drei-Bogenhalle, Pförtnerhaus). Deren Integration erhält aber nicht nur den Charakter des Ortes. So lässt sich auch die graue Energie nutzen.

Klima & Freiflächen. Quelle: Kooperationspartner Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen
Klima & Freiflächen. Quelle: Kooperationspartner Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen

Nutzungsmischung

Ein lebendiges Stadtquartier braucht Nutzungsmix. Um Arbeiten und Wohnen näher zu bringen plant das Siegerteam zum einen emissionsarme Produktionsprozesse und digitalisierte Arbeitsformen. Zum anderen schaffen sie soziale und kulturelle Angebote im Rother Neuland.

Mobilität

Einen weiteren vorbildlichen Umgang mit Ressourcen sieht man im nachhaltigen Erschließungskonzept. Die Infrastruktur baut nämlich auf dem Bestand auf. Dazu wird ein autofreies bzw. autoarmes Stadtquartier geschaffen. Hierfür plant man am Quartierseingang eine Großgarage als Mobilitätszentrale. Dagegen werden im Quartiersinneren der ÖPNV, Mobilitätsstationen und Sharing-Angebote ausgebaut. Außerdem schafft der Entwurf eine große innere Durchwegung und Verknüpfung mit der Umgebung.

Mobilität & Verkehr. Quelle: Kooperationspartner Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen
Mobilität & Verkehr. Quelle: Kooperationspartner Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen

Weiteres Vorgehen

Die sieben Wettbewerbsergebnisse sind bis zum 28. Juli 2023 in der Kulturfabrik Roths ausgestellt. Der Stadtrat beauftragte bereits das Planungsteam mit der Fortschreibung des Entwurfs. Die Ergebnisse aus einer Online-Umfrage im Rahmen von „Landstadt Bayern“ müssen dabei im weiteren Planungsprozess berücksichtigt werden.

Auch in einem ehemaligen Industriegebiet findet das „Quartier der tanzenden Paare“ in der Schweiz auf dem Erni-Areal Platz. Das Besondere: Studio Vulkan gestalten zusammen mit KCAP einen Raum in der Siedlung nach dem Schwammstadt-Prinzip.

Parc des Ateliers

Der spektakuläre Neubau der Stiftung Luma Arles ist ein Kunstwerk für die Kunst: Frank Gehrys Turm ist Museum und Atelierbau zugleich. Er bildet den Höhepunkt eines Kunst- und Kulturareals, das die Luma-Gründerin Maja Hoffmann im Verlauf von 15 Jahren verwirklicht hat.

Luma Arles eröffnet „Parc des Ateliers“

Arles und Kunst – da ist natürlich der erste Gedanke van Gogh, der hier seinen Traum vom Atelier des Südens im Künstlergemeinschaft mit Gauguin zu verwirklichen suchte. Doch der Aufenthalt in Arles wurde für van Gogh zum Debakel. Nicht nur, dass die Zusammenarbeit mit Gauguin im Zerwürfnis endete – in Arles begann er auch zunehmend an Wahnvorstellungen zu leiden, bis er sich schließlich in die Nervenheilanstalt im nahegelegenen Saint-Rémy begeben musste.

Fast erscheint es ein wenig, als habe sich Maja Hoffmann vorgenommen, van Goghs erlittenes Schicksal in Arles im Nachhinein zu heilen. Hoffmann, die der gleichnamigen Basler Großindustriellendynastie entstammt, ist eine der bedeutendsten Kunstsammlerinnen und -förderinnen weltweit. Seit beinahe 20 Jahren wirkt sie als Kulturinitiatorin und Mäzenin in Arles. Im Jahr 2004 gründete sie dort die Luma-Stiftung, die zeitgenössische Kunst fördert und beauftragt.

 

Drei Jahre später begann Maja Hoffmann gemeinsam mit dem Architekten Frank Gehry, dem Kurator Hans-Ulrich Obrist und einer Reihe bedeutender zeitgenössischer Künstler einen Arbeitsprozess. Die Beteiligten entwickelten gemeinsam Ideen für ein neuartiges Kunst- und Kulturzentrum für das 21. Jahrhundert. Als Standort für dieses Projekt wählte Hoffmann den „Parc des Ateliers“. Ein Gelände des seit den Achtzigerjahren aufgelassenen Bahnbetriebswerk der SNCF an Rande der historischen Altstadt von Arles. Die historischen Werkstattgebäude wurden in Verlauf der letzten Jahre von der Architektin Annabelle Selldorf renoviert. Nun beherbergt das Gebäude Ausstellungsräume, Künstlerateliers und -wohnungen sowie ein Restaurant.

Galerie, Atelier und eine öffentliche Aussichtsterrasse

Den krönenden Abschluss fand die Neugestaltung des „Parc des Ateliers“ nun mit der Eröffnung des „Towers“, eines 56 Meter hohen Ausstellungs- und Ateliergebäudes nach dem Entwurf von Frank Gehry. Die ersten Vorarbeiten zu dem Projekt begannen bereits 2009. 2013 begannen die Bauarbeiten. Das Ergebnis ist unübersehbar ein Werk Gehrys – der hier jedoch die für sein Werk so charakteristischen freien Formen mit gewaltigen geometrischen Volumina verbindet. So gestaltete der Architekt eine drei Stockwerke hohe Sockelzone als gewaltigen gläsernen Zylinder. Ein Verweis auf das römische Amphitheater von Arles.

Nachhaltige Baumaterialien entwickelt von Atelier Luma

 

Aus dem Zylinder empor wächst der eigentliche Turm. Dessen auf die Innenstadt ausgerichtete Seite präsentiert sich als glänzende und wild bewegte Metallhaut mit rechteckigen Fenstererkern. Auf der stadtabgewandten Seite scheint der Turm dagegen aus zwei kubischen Körpern zusammengesetzt, die leicht angewinkelt nebeneinanderstehen. Im Innern des Glaszylinders sind scheinbar frei im Raum verteilt die Volumina der unterschiedlichen Galerien untergebracht. Eine Organisationsform, die sich ähnlich auch in Gehrys Fondation Louis Vuitton in Paris findet. Auch mehrere Atelierräume für Künstler finden sich hier. Im Turm dagegen sind hauptsächlich die Verwaltungsräume der Stiftung untergebracht. Eine öffentliche Aussichtsterrasse bildet den oberen Abschluss.

Zahlreiche Kunstwerke, unter anderem von Philippe Parreno und Olafur Eliasson, sind wichtiger Bestandteil des Towers. Sie wurden speziell für diesen Ort geschaffen. Ebenfalls Teil der Arbeit der Luma-Stiftung ist übrigens das Atelier Luma. Diese Werkstätte hat verschiedene nachhaltige Bau- sowie Einrichtungsteile aus heimischen Materialien für das Projekt entwickelt: So finden sich im Gebäude unter anderem textile Wandverkleidungen aus Bioplastik, mit Algen gefärbte Fliesen und Akustikelemente aus Sonnenblumen.

Ein weiteres Museum geschmückt mit gelungenen architektonischen Details sehen Sie hier.