Paul-Arnsberg-Platz in Frankfurt umgestaltet

Mit Blick auf die Europäische Zentralbank: Der neu umgestaltete Paul-Arnsberg-Platz lädt die Menschen nun viel mehr zum Verweilen ein. Foto: Marco Zeidler/Grünflächenamt
Mit Blick auf die Europäische Zentralbank: Der neu umgestaltete Paul-Arnsberg-Platz lädt die Menschen nun viel mehr zum Verweilen ein. Foto: Marco Zeidler/Grünflächenamt

In Frankfurt am Main ist eine graue Fläche zur grünen Oase geworden: Die Stadt Frankfurt gestaltete den Paul-Arnsberg-Platz im Ostend klimaangepasst um. Welche Maßnahmen dafür ergriffen wurden, schildert Christian Chur vom Grünflächenamt in einer Projektvorstellung.

Erster Plan ging nicht auf

Ein Platz ist im besten Fall ein lebendiger Ort der Begegnung, an dem sich die Menschen gerne aufhalten. In der Vergangenheit gestalteten städtische Planer*innen öffentliche Plätze deshalb so, dass sie flexibel nutzbar sind – sei es für Veranstaltungen, Feste oder Märkte. Der Paul-Arnsberg-Platz, gelegen im Frankfurter Ostend in unmittelbarer Nähe zur Europäischen Zentralbank (EZB), wurde im Jahr 2005 in diesem Sinne angelegt. Aus einer einstmals öden Abstellfläche für Autos sollte ein Quartiersplatz mit offenem Charakter werden. Vorgesehen waren auf der rund 3 000 Quadratmeter großen Fläche somit nicht nur Platz für Veranstaltungen, sondern insbesondere für einen regelmäßigen Wochenmarkt, der sich im Viertel etablieren sollte. So entschieden sich die Verantwortlichen für einen durchgängigen Bodenbelag in Betonbauweise, der mit einem Baumraster überstellt war. Lediglich an der südlichen Platzspitze sollte ein Wasserelement Akzente setzen.

Der Plan – einen lebendigen Ort zu schaffen – ging nicht auf. Der Wochenmarkt konnte sich nicht halten, der Platz verödete. Vor allem bei sommerlich hohen Temperaturen heizte sich die Oberfläche so auf, dass sich Menschen dort kaum aufhalten wollten. Die 16 gepflanzten Trompetenbäume waren nicht robust genug, um in Zeiten hoher Temperaturen und Trockenperioden zu bestehen. Sie entwickelten sich nur dürftig.

Grünflächenamt erarbeitete Umgestaltung

Die von der Anwohnerschaft gegründete Paul-Arnsberg-Platz-Initiative (PAPI) des Vereins Lebenswertes Ostend suchte seit 2017 nach Möglichkeiten, wie der Platz besser gestaltet werden kann und somit lebenswerter wird. Unter fachlicher Begleitung nahmen die Ideen der Bürger*innen in einer Planungswerkstatt der Volkshochschule zur Neugestaltung des Paul-Arnsberg-Platzes konkretere Formen an.

Die Stadt Frankfurt am Main begleitete das Verfahren und nahm die Impulse aus der Planungswerkstatt auf. Sie waren eine wichtige Grundlage für das Grünflächenamt, um eine Umgestaltung des Platzes zu erarbeiten, die aktuellen klimatischen Gegebenheiten gerecht wird. Das Grundkonzept eines höher gelegenen Platzes wurde dabei nicht verworfen, sondern vielmehr seine Oberfläche grundlegend neu geplant. Die politischen Verantwortlichen stimmten den Plänen zu und stellten das erforderliche Geld dafür zur Verfügung. In der Zeit von September 2022 bis Juli 2023 wurden die baulichen Änderungen vorgenommen.

Vielfalt: Zahlreiche Pflanzen- und Baumarten beleben den Platz. Sitzmöglichkeiten sind integraler Bestandteil des Raumkonzepts. Foto: Marco Zeidler/Grünflächenamt
Vielfalt: Zahlreiche Pflanzen- und Baumarten beleben den Platz. Sitzmöglichkeiten sind integraler Bestandteil des Raumkonzepts. Foto: Marco Zeidler/Grünflächenamt

Schattige Plätzchen unter berankter Pergola

Die Veränderungen sind deutlich sichtbar. Rund 50 Prozent der Platzfläche wurden entsiegelt. Die überforderten Trompetenbäume wurden entfernt und die Zahl der Bäume mit 30 fast verdoppelt. Gepflanzt wurden Arten wie südliche Zürgelbäume, Eschen, Säulen-Gleditschien, Amber-Bäume, Magnolien, Japanische Schnurbäume und Japanische Zelkoven. Die Bäume gelten als stadtklimaverträglich und sind robuster und kommen mit Hitze und längerer Trockenheit besser zurecht. Bei der Auswahl der Bäume wurde berücksichtigt, dass diese sowohl Nährgehölze für Bienen als auch Vögel sind.

Auf einer Fläche von rund 550 Quadratmetern entstanden bienenfreundliche Staudenbeete. Neben Reitgras und Fetthenne kommen diverse Salbei-Sorten, Sonnenhüter oder Herbstastern zum Tragen. Ergänzend sorgen mehrere Bodendecker für sattes Grün in der Fläche. Weiter wurde auf einer Fläche von mehr als 400 Quadratmetern eine Blumenwiese für Insekten angelegt. Ein Hingucker ist die berankte Pergola, die schattige Plätzchen bietet. Regenwasser, das auf die neue Belagsfläche niederschlägt, wird direkt den Pflanzen zugeführt. Die Beete sind kleinere Retentionsflächen. Aus Nachhaltigkeitsgründen wurde zudem vorhandenes Baumaterial wiederverwendet. Ein Trinkwasserbrunnen versorgt die Menschen mit Wasser. Sitzbänke und baulich eingefasste Sitzmöglichkeiten erhöhen die Aufenthaltsqualität. Der Bücherschrank gibt weitere Anreize, um nach einem Buch zu stöbern und direkt im Anschluss auf dem Platz die ergatterte Literatur zu lesen.

Umgestaltung des Paul-Arnsberg-Platzes als Musterbeispiel

Dass Handeln erforderlich ist, ist den städtischen Verantwortlichen bewusst. Unter der Leitung des Grünflächenamts haben insgesamt fünf Ämter einen Leitfaden zur klimaangepassten Stadtplatzgestaltung erarbeitet, der eine wichtige Arbeitsgrundlage darstellt. „Der Leitfaden bündelt die Ziele, die künftig bei der Planung und Umgestaltung städtischer Plätze grundsätzlich erreicht werden sollen. Und er zeigt neue zusätzliche Bausteine zur bisherigen Gestaltung von Plätzen auf. Für uns gilt es, die Lebens- und Wohnqualität und damit letztendlich die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern“, erläutert die Leiterin des Grünflächenamts, Heike Appel. Sie ergänzt: „Für mehr Diversität und ökologische Vielfalt zu sorgen, liegt in der Verantwortung der Städte.“

Die Umgestaltung des Paul-Arnsberg-Platzes ist für die Amtsleiterin ein Musterbeispiel, wie die weitere Entwicklung in Frankfurt aussehen kann: „So kann klimaangepasste Stadtraumgestaltung funktionieren. Wir haben einen Platz geschaffen, der nun wirklich Raum für Begegnungen ermöglicht und von den Menschen angenommen wird. Es gibt viel mehr Grün und Schattenplätze im Sommer. Ökologische Aspekte kommen besser zum Tragen. Für künftige, ähnlich gelagerte Projekte haben wir viele Anregungen bekommen und Erfahrungen sammeln können.“

Die gewonnenen Erkenntnisse werden die Mitarbeitenden der städtischen Ämter gut zu nutzen wissen, denn zahlreiche weitere Projekte stehen an, um Flächen zu entsiegeln und der zeitweise lebensfeindlichen Hitze auf asphaltierten Flächen im Sommer etwas entgegenzusetzen. Der Riedbergplatz im Norden der Stadt gilt als eines der Projekte, das mit hoher Priorität verfolgt wird. Aber auch die Innenstadt steht im Fokus: Rossmarkt und Goetheplatz sind stark frequentiert, die Hitze ist auch hier im Sommer drückend. Konzepte, wie mit zusätzlichem Grün und Beschattungselementen die Voraussetzungen für die Menschen grundlegend verbessert werden können, sind in Arbeit.

Übrigens: Wenngleich nun weniger nutzbare Fläche auf dem Paul-Arnsberg-Platz zur Verfügung steht, ist den Menschen umso mehr nach Feierlaune. Denn nun ist der Platz viel attraktiver, um dort Zeit zu verbringen.

Weiterlesen: In der G+L 09/24 stellen wir 54 Stadtoasen aus fünf Ländern vor. Das Heft ist im Shop erhältlich. Weiter grüne Oasen sind hier zu entdecken.

 

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Thermische Resilienzmessung durch Infrarot-Scans

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Stimmungsvolles Stadtpanorama mit Gebäudereihe und bewölktem Himmel, fotografiert von Wolfgang Weiser

Hitzewellen, tropische Nächte, überhitzte Plätze: Die Klimakrise macht unsere Städte zum Härtetest für Mensch, Material und Stadtgrün. Wer heute resilient planen will, braucht valide Daten zu thermischen Belastungen – und zwar nicht irgendwann, sondern am besten sofort. Thermische Resilienzmessung durch Infrarot-Scans bietet genau das: präzise, dynamisch und überraschend alltagstauglich. Aber wie funktioniert das Verfahren? Wo wird es eingesetzt? Und wie verändert es die Praxis von Stadtplanung und Landschaftsarchitektur? Zeit, dem Thema auf den Grund zu gehen – und dabei die Stadt wortwörtlich in einem neuen Licht zu sehen.

  • Thermische Resilienzmessung als Schlüssel für klimaangepasste Stadtplanung
  • Funktionsweise und Vorteile von Infrarot-Scans im urbanen Raum
  • Praxisbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Integration von Thermodaten in digitale Stadtmodelle und Planungsprozesse
  • Herausforderungen, Datenschutz und Interpretation von Infrarot-Messwerten
  • Bedeutung für nachhaltige Quartiersentwicklung und urbane Freiräume
  • Innovative Ansätze für Monitoring, Beteiligung und adaptive Planung
  • Ausblick: Wie Infrarot-Scans die Zukunft der Stadtgestaltung prägen werden

Thermische Belastung sichtbar machen: Was leisten Infrarot-Scans wirklich?

Die Suche nach effizienten Methoden zur Messung urbaner Hitzeinseln beschäftigt Stadtplaner, Landschaftsarchitekten und Umweltämter seit Jahren. Doch während klassische Wetterstationen punktuelle Daten liefern und aufwändige Simulationen oft an der Komplexität scheitern, eröffnen Infrarot-Scans einen ganz neuen Zugang: Sie machen die thermische Realität des Stadtraums unmittelbar sichtbar. Mit modernster Sensorik – meist auf Drohnen, Fahrzeugen oder sogar zu Fuß getragen – werden Oberflächentemperaturen im Stadtraum großflächig und hochauflösend aufgenommen. Die dabei entstehenden Thermogramme zeigen in Echtzeit, wo sich Asphaltflächen aufheizen, wo Fassaden Hitze speichern oder welche Grünflächen tatsächlich kühlen. So lässt sich das Mikroklima in einer bislang unerreichten Detailtiefe erfassen und analysieren.

Das Prinzip ist denkbar einfach: Jede Oberfläche sendet in Abhängigkeit ihrer Temperatur Infrarotstrahlung aus. Infrarot-Kameras detektieren diese Strahlung und übersetzen sie in Farbbilder, die Temperaturunterschiede auf wenigen Grad genau abbilden. Entscheidend ist dabei nicht nur die Messung zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern der Vergleich über verschiedene Tageszeiten, Wetterlagen und sogar Jahre hinweg. Dadurch entsteht ein dynamisches Bild der städtischen Wärmeverteilung, das weit über die Möglichkeiten klassischer Messverfahren hinausgeht.

Doch wie werden diese Daten genutzt? In Pilotprojekten etwa in München, Basel oder Wien dienen Infrarot-Scans längst nicht mehr nur der wissenschaftlichen Analyse. Sie helfen, gezielt Maßnahmen zu planen: Wo lohnt sich die Nachrüstung von Verschattungen? Welche Straßen sollten entsiegelt oder begrünt werden? Wo sind Fassadenbegrünungen besonders wirkungsvoll? Die Thermogramme liefern dafür eine objektive Grundlage, die Planungsentscheidungen belegbar und nachvollziehbar macht. Für Förderanträge, Bürgerbeteiligung und politische Kommunikation sind diese bildhaften Daten oft Gold wert.

Ein weiterer Vorteil: Infrarot-Scans sind flexibel einsetzbar. Sie lassen sich sowohl im Bestand als auch in Neubauquartieren durchführen. Sogar temporäre Effekte – etwa nach Starkregen oder während Hitzewellen – können gezielt erfasst werden. Damit werden Planer in die Lage versetzt, die Wirksamkeit von Maßnahmen zur Steigerung der thermischen Resilienz direkt zu überprüfen und bei Bedarf nachzusteuern. Die Technologie ist dabei keineswegs Zukunftsmusik, sondern in der Praxis angekommen – sofern man sie richtig einzusetzen weiß.

Nicht zuletzt sind Infrarot-Scans ein mächtiges Instrument, um die Diskussion um Stadtklima aus der Grauzone abstrakter Zahlen in die sinnlich erfahrbare Realität zu holen. Sie machen sichtbar, was sonst verborgen bleibt – und liefern damit nicht nur Planern, sondern auch Bürgern und politischen Entscheidern ein überzeugendes Argumentarium für eine klimaresiliente Stadtentwicklung.

Von der Messung zur Planung: Integration von Thermodaten in urbane Prozesse

Die eigentliche Kunst beginnt nach der Messung: Wie werden die gewonnenen Thermodaten in den Planungsalltag integriert? Hier zeigt sich, dass Infrarot-Scans ihren vollen Wert erst im Zusammenspiel mit digitalen Stadtmodellen, GIS-Systemen und partizipativen Prozessen entfalten. Moderne Infrarot-Sensorik ist heute in der Lage, Daten punktgenau zu verorten und mit bestehenden Geodaten zu verschneiden. So entstehen Layer, die sich mit Informationen zu Vegetation, Versiegelung, Gebäudenutzung oder Verkehrsaufkommen kombinieren lassen. Für Planer eröffnen sich dadurch ganz neue Analyseoptionen: Wo entstehen Hotspots in dicht bebauten Quartieren? Wie verändert sich die Temperatur nach Umgestaltungsmaßnahmen? Welche Wechselwirkungen bestehen zwischen Grünflächen und angrenzender Bebauung? Die Antworten liefern nicht länger Mutmaßungen, sondern messbare Fakten.

Besonders spannend ist die Verknüpfung der Thermodaten mit Urban Digital Twins – also digitalen Zwillingen der Stadt. Hier werden Infrarot-Scans zum Herzstück eines datengetriebenen Planungsprozesses. Sie ermöglichen Simulationen, in denen verschiedene Varianten der Flächengestaltung, Begrünung oder Materialwahl auf ihre Wirkung hin getestet werden können. Was passiert, wenn ein Parkplatz entsiegelt wird? Wie stark kühlt ein neuer Stadtpark tatsächlich? Welche Dachbegrünung bringt messbare Effekte? Solche Fragen lassen sich im Digital Twin nicht nur hypothetisch, sondern unter Einbeziehung realer Messdaten beantworten.

Auch für das Monitoring thermischer Resilienz sind Infrarot-Scans ein Quantensprung. Wiederholte Messungen im Jahresverlauf oder nach Umsetzung von Maßnahmen ermöglichen eine objektive Bewertung der Entwicklung. So kann überprüft werden, ob ein neues Baumdach tatsächlich für kühlere Oberflächentemperaturen sorgt – oder ob zusätzliche Eingriffe notwendig sind. Die Thermodaten werden so zu einem Steuerungsinstrument, das adaptive Planung und kontinuierliche Optimierung erlaubt.

Ein weiterer Aspekt ist die Kommunikation: Thermogramme sind anschaulich, leicht verständlich und eignen sich hervorragend für Bürgerbeteiligung sowie politische Entscheidungsprozesse. In Beteiligungsverfahren können sie genutzt werden, um Betroffenheit zu visualisieren, Handlungsoptionen zu diskutieren und die Wirkung von Maßnahmen zu vermitteln. Damit wird die oft abstrakte Debatte um Stadtklima und Resilienz konkret und nachvollziehbar.

Die Integration von Infrarot-Scans in urbane Planungsprozesse ist allerdings kein Selbstläufer. Sie erfordert Know-how, geeignete Schnittstellen und eine strategische Einbettung in bestehende IT- und Dateninfrastrukturen. Wer jedoch die Chancen erkennt und systematisch nutzt, verschafft sich einen entscheidenden Vorsprung in der klimaresilienten Stadtentwicklung.

Praxisbeispiele: Wie Städte im DACH-Raum auf Infrarot-Scans setzen

Werfen wir einen Blick auf die Praxis: In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es mittlerweile zahlreiche Kommunen, die Infrarot-Scans als festen Bestandteil ihrer Klimaanpassungsstrategien nutzen. Ein Vorreiter ist die Stadt Wien, die bereits 2020 das gesamte Stadtgebiet mit mobilen und stationären Infrarot-Sensoren kartiert hat. Die daraus entstandenen Hitzekarten werden für die Planung neuer Parks, die Begrünung von Straßen und die gezielte Förderung von Gründächern genutzt. Besonders in dicht bebauten Gründerzeitquartieren liefern die Daten wertvolle Hinweise, wo Schatten und Verdunstung dringend fehlen.

Auch die Stadt Basel hat in den vergangenen Jahren umfangreiche Thermoscans durchgeführt. Hier lag der Fokus auf Schulhöfen, Spielplätzen und öffentlichen Plätzen – mit teils überraschenden Ergebnissen. So zeigte sich, dass nicht nur Asphaltflächen, sondern auch bestimmte Arten von Kunststeinbelägen zu massiven Hitzeinseln werden können. Die Stadt reagierte prompt: Materialvorgaben wurden angepasst, Beschattungen nachgerüstet und Pilotflächen begrünt. Die Wirkung wird durch regelmäßige Nachmessungen überprüft – ein Paradebeispiel für evidenzbasierte, adaptive Planung.

In München setzt das Referat für Stadtplanung und Bauordnung auf eine Kombination von Drohnenbefliegungen und bodengestützten Infrarot-Scans. Hier werden neben Oberflächentemperaturen auch Daten zu Luftfeuchtigkeit und Strahlungsfluss erfasst. Die so entstandenen Modelle dienen nicht nur der Planung neuer Grünflächen, sondern auch der Priorisierung von Maßnahmen zur Entsiegelung und Verschattung. Besonders im dicht besiedelten Innenstadtbereich helfen diese Daten, gezielt die am stärksten belasteten Hotspots zu entschärfen.

Ein weiteres Beispiel liefert die Stadt Zürich: Dort werden Infrarot-Scans im Rahmen des Projekts „Stadtklima Zürich“ systematisch in die Stadtentwicklung integriert. Die Daten fließen direkt in den städtischen Digital Twin ein und werden mit Verkehrs-, Energie- und Biodiversitätsdaten kombiniert. Auf dieser Basis werden Szenarien für die klimatische Entwicklung ganzer Quartiere erstellt – und gezielt Maßnahmen zur Steigerung der thermischen Resilienz abgeleitet.

Diese Beispiele zeigen: Infrarot-Scans sind längst mehr als ein nettes Gimmick für Wissenschaftler. Sie sind ein praxistaugliches, vielseitiges Werkzeug, das die klimaresiliente Entwicklung urbaner Räume messbar, steuerbar und kommunizierbar macht. Wer sich heute damit beschäftigt, gestaltet die Stadt von morgen aktiv mit.

Herausforderungen und Grenzen: Was Planer beim Einsatz von Infrarot-Scans wissen müssen

So verlockend die Möglichkeiten auch sind: Der Einsatz von Infrarot-Scans in der Stadtplanung wirft eine Reihe von Herausforderungen auf, die es zu beachten gilt. Zunächst ist da die Frage der Datenqualität. Oberflächentemperaturen werden durch zahlreiche Faktoren beeinflusst – Sonneneinstrahlung, Wind, Materialeigenschaften, Verschattung oder Feuchtigkeit. Wer belastbare Aussagen treffen will, muss Messungen unter vergleichbaren Bedingungen durchführen und die Daten sorgfältig interpretieren. Ohne meteorologisches Know-how und Erfahrung mit Sensorik drohen Fehlinterpretationen, die schnell zu falschen Planungsentscheidungen führen können.

Ein weiteres Thema ist der Datenschutz. Gerade bei hochauflösenden Drohnenaufnahmen können sensible Bereiche wie private Gärten, Balkone oder Fenster versehentlich erfasst werden. Auch wenn Infrarot-Bilder keine Personen im klassischen Sinn abbilden, ist eine datenschutzkonforme Erhebung und Verarbeitung unerlässlich. Viele Kommunen setzen daher auf Transparenz, Information der Öffentlichkeit und technische Maßnahmen zur Anonymisierung betroffener Bereiche.

Die Integration in bestehende Planungsprozesse erfordert zudem eine offene IT-Infrastruktur. Datenformate müssen kompatibel sein, Schnittstellen zu GIS- und BIM-Systemen funktionieren und die Speicherung langfristig gesichert werden. In vielen Städten sind diese Voraussetzungen noch nicht flächendeckend gegeben – hier ist Pionierarbeit gefragt. Nicht zu unterschätzen ist auch der Schulungsbedarf: Planer, Behörden und Dienstleister müssen im Umgang mit Thermodaten geschult werden, um das Potenzial voll auszuschöpfen.

Schließlich stellt sich die Frage nach der Skalierbarkeit. Während punktuelle Scans schnell und kostengünstig durchgeführt werden können, ist eine flächendeckende, wiederholte Messung des gesamten Stadtgebiets aufwendig. Hier sind Kooperationen zwischen Kommunen, Forschungseinrichtungen und Technologieanbietern gefragt, um Synergien zu nutzen und Ressourcen effizient einzusetzen. Auch Open-Data-Ansätze können dazu beitragen, die Verfügbarkeit und Nachnutzung der Daten zu erhöhen.

Trotz aller Herausforderungen ist klar: Infrarot-Scans sind kein Allheilmittel, aber ein mächtiges Werkzeug im Arsenal der klimaresilienten Stadtplanung. Wer ihre Stärken kennt und ihre Schwächen berücksichtigt, kann damit einen echten Beitrag zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels leisten.

Ausblick: Die Zukunft der thermischen Resilienzmessung und ihre Rolle für die Stadt von morgen

Die Thermische Resilienzmessung durch Infrarot-Scans steht erst am Anfang ihrer Möglichkeiten. Technologische Entwicklungen schreiten rasant voran: Neue Sensoren bieten noch höhere Auflösungen und Genauigkeiten, KI-gestützte Auswertung automatisiert die Interpretation der Messdaten, und mobile Anwendungen machen Thermogramme für Planer, Behörden und sogar Bürger direkt vor Ort verfügbar. In Verbindung mit digitalen Stadtmodellen entsteht so eine neue Generation von Echtzeit-Monitoring-Systemen, die eine bislang unerreichte Steuerbarkeit urbaner Hitzeinseln ermöglichen.

Besonders spannend ist die Kombination mit Citizen Science: In mehreren Städten werden bereits Pilotprojekte durchgeführt, bei denen engagierte Bürger mit einfachen Infrarot-Handscannern eigene Messungen beitragen. Die so entstehende Datenvielfalt erhöht die Genauigkeit der Modelle und stärkt die Akzeptanz von Klimaanpassungsmaßnahmen. Auch in der Bildungsarbeit eröffnen sich neue Möglichkeiten: Schulen, Universitäten und Umweltbildungszentren nutzen Thermogramme, um Stadtklima und die Bedeutung von Grünflächen anschaulich zu vermitteln.

Für Planer und Landschaftsarchitekten ergeben sich durch die zunehmende Verfügbarkeit von Thermodaten neue Rollen und Aufgabenfelder. Sie werden zu Datenmanagern, Moderatoren und Vermittlern zwischen Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit. Die Fähigkeit, Thermodaten zu interpretieren und in wirksame Maßnahmen zu übersetzen, wird zum zentralen Kompetenzfeld klimaanpassungsorientierter Stadtentwicklung.

Auch auf politischer Ebene zeichnet sich ein Umdenken ab: Förderprogramme und Richtlinien nehmen zunehmend Bezug auf objektive Messdaten. Die Integration von Thermoscans in Förderanträge und Planungsnachweise wird in vielen Ländern zum Standard. Damit steigt der Druck auf Städte und Gemeinden, die nötigen Kompetenzen und Infrastrukturen aufzubauen – eine Chance und Herausforderung zugleich.

Letztlich wird die thermische Resilienzmessung durch Infrarot-Scans zur zentralen Schnittstelle zwischen Technologie, Planung und gesellschaftlicher Teilhabe. Sie macht die oft unsichtbaren Folgen des Klimawandels sichtbar, steuerbar und verhandelbar. Wer diesen Weg frühzeitig einschlägt, gestaltet die Stadt von morgen nicht nur nachhaltiger, sondern auch lebenswerter – für alle, die in ihr wohnen, arbeiten und sich erholen wollen.

Fazit: Die thermische Resilienzmessung durch Infrarot-Scans ist weit mehr als ein technisches Gimmick für Spezialisten. Sie ist ein Gamechanger für die klimaresiliente Stadtentwicklung im deutschsprachigen Raum – wissenschaftlich fundiert, praxistauglich und kommunikativ überzeugend. Sie ermöglicht es, Hitzeinseln zu identifizieren, Maßnahmen gezielt zu planen und die Wirkung objektiv zu überprüfen. Gleichzeitig eröffnet sie neue Wege für Beteiligung und adaptive Planung, stellt aber auch hohe Anforderungen an Datenmanagement und Interpretation. Wer sich als Planer, Stadt oder Landschaftsarchitekt heute mit Infrarot-Scans beschäftigt, investiert in die Zukunft der Stadt – und sichert sich einen entscheidenden Vorsprung im Rennen um die lebenswerte, resiliente Stadt von morgen. Und seien wir ehrlich: Wer möchte die Stadt nicht endlich in ihrer ganzen thermischen Wirklichkeit sehen?

Tipp Nr.1 Casa da arquitectura

Manchmal ist der Kopf leer, die wirklich guten Ideen kommen nur noch sporadisch und überhaupt sehnt man sich nach neuen Eindrücken. Uns in der Redaktion geht es da nicht anders. Unsere Lösung: Reisen. Auf der Suche nach Inspiration fliehen wir in die Weite. Unsere Planer-Brille legen wir dabei natürlich nie ganz ab. Hier berichten wir von unseren Lieblings-Reisedestinationen, Tipps für Planer inklusive. Fünfter Stopp: Porto.

Während Lissabon schon seit einigen Jahren von Touristen überrannt wird, ist Porto lange die Destination abseits der Touristenströme gewesen. Mittlerweile zählt Porto aber auch nicht mehr zu den Geheimtipps. Ein Besuch der zweitgrößten Stadt Portugals lohnt sich dennoch. Nicht nur wegen den malerischen Portweinkellern am Ufer des Douro oder der Casa da Musica des niederländischen Architekturbüros OMA.

Etwas nördlich von Porto liegt die Stadt Matonsinhos. Bekannt ist der Ort vor allem für seinen Strand, die Surfer und die vielen Fischrestaurants am Ufer. Dort liegt seit 2007 auch das portugiesische Architekturzentrum. Abgesehen von den Ausstellungen zur Architektur und Städtebau lohnt sich ein Besuch schon allein wegen des Ortes: einer alten Fabrik, die zwischen 1897 und 1901 von dem Sardinenhändler Menéres & Companhia gebaut wurde. Die ehemaligen Industriegebäude stehen in einem Innenhof, den man durch einen Torbogen betritt. 2017 begann der Architekt Guilherme Machado Vaz damit, das Gelände instand zu setzen und umzubauen. Die Bäume, die im Laufe der Jahre die Bauten erobert hatten, ließ der Architekt stehen.

An die Fassade der historischen Gebäude dockt neu eine skulpturale Betontreppe an: aus Feuerschutzgründen. mUm die bestehenden Strukturen nicht zu beschädigen, entschied der Architekt, sie nach außen zu verlagern. Aus dieser Not heraus, entstand ein massiver Blickfang, der die Besucher in den Innenhof zieht. Die Kunstinstallationen, die zwischen den Gebäuden stehen, spiegeln die Umgebung wider und eröffnen neue Blickwinkel, die alt und neu vereinen.

Ist man schon in Matonsinhos, empfiehlt sich ein Abstecher zum Roberto Ivens House, in dem das Architekturzentrum anfangs seinen Sitz hatte. Das Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert gehörte ursprünglich der Familie des Architekten Álvaro Siza. 1961 baute er das Einfamilienhaus um. Heute kann man das Gebäude in seinem Originalzustand besichtigen.

Fotos: Isa Fahrenholz

Tipp Nr.2 Architekturfakultät Porto

Auch die zweite Reiseempfehlung steht mit dem Architekten Alvaro Siza in Verbindung: Das Institut für Architektur am Stadtrand Portos. Das Institut besteht aus einem Hauptgebäude und vier Pavillons. Ein Innenhof – mittlerweile etwas verwildert – befindet sich zwischen den beiden Gebäudekomplexen. Die Pavillons beherbergen die Unterrichtsräume, das Hauptgebäude die kollektiven Einrichtungen. Die Öffnungen der Pavillons erinnern an Gesichter, die in den grünen Innenhof blicken. Durch die schießscharten-ähnlichen Öffnungen fällt das Licht in die Studios und Unterrichtsräume und manche der größeren Fenster lenken den Blick auf den verwilderten Hof. Das ganze Areal hat etwas Verwunschenes und man hofft, auch nur einen Tag hier Architektur studieren zu dürfen.

Tipp Nr. 3 Jardim das Oliveiras

Einkaufszentren stehen normalerweise nicht weit oben auf Reiselisten. Doch die Shopping-Passage Jardim das Oliveiras in Porto vereint auf beeindruckende Weise kommerziellen mit öffentlichem Raum. Denn auf dem organisch geformten Dach befindet sich ein öffentlich zugänglicher Olivenbaumgarten. Von der Fußgängereben kann man auf den Olivengarten laufen. Hier sitzen Einheimische unter den knorrigen Olivenästen und picknicken oder lesen. Wer nichts zum Verzehren dabei hat, kann sich in das Café setzten und von dort aus die Menschen beobachten. Unter den Füßen der Rastenden liegen die Läden. Die Passage teilt Dach in Zwei und wirft Tageslicht nach unten. Der Olivenhain eignet sich, um Energie zu tanken bevor man Porto weiter erkundet.

 

Porto ist zwar schön, aber steht dieses Jahr nicht auf Ihrer Reiseliste? Dann geht es hier nach München, hier nach Amsterdam, hier nach Stuttgart und hier nach New Orleans