Pflegeleichter Bauerngarten: Grundlagen, Geschichte und Bedeutung

Eine gestaltete Garten- und Parkanlage zum Thema Pflegeleichter Bauerngarten
Blühende Stauden säumen einen gepflegten Gartenweg – ein harmonisches Zusammenspiel von Wegführung und Bepflanzung. (Foto: 2sometravel/Unsplash)

Ein Bauerngarten, der wenig Pflege fordert und dennoch Fülle, Struktur und ökologische Tiefe bietet, ist kein Widerspruch in sich, sondern das Ergebnis durchdachter Planung. Der pflegeleichte Bauerngarten verbindet eine jahrhundertealte Gartenform mit modernen Erkenntnissen aus Pflanzensoziologie, Standortanalyse und Freiraumgestaltung: Er nutzt die Selbstregulationskräfte stabiler Pflanzengemeinschaften, setzt auf robuste, standortangepasste Arten und schöpft aus dem reichen Formenvokabular einer Tradition, die Nützlichkeit und Schönheit nie als Gegensätze begriffen hat. Wer diesen Gartentyp plant, braucht kein maximales Pflegebudget, sondern ein präzises Verständnis von Standort, Struktur und Dynamik.

  • Was einen pflegeleichten Bauerngarten definiert und wie er sich von anderen Gartentypen abgrenzt
  • Die historische Entwicklung des Bauerngartens vom mittelalterlichen Nutzgarten zur gestalterischen Referenz
  • Welche Standortfaktoren und Strukturprinzipien die Grundlage pflegearmer Gestaltung bilden
  • Welche Pflanzengruppen und Artenprofile sich für dauerhafte, selbsttragende Pflanzungen eignen
  • Wie Wegeführung, Einfassung und Beetstruktur den Pflegeaufwand systematisch senken
  • Welche Rolle Selbstaussaat, Konkurrenzregulierung und Bodenbedeckung spielen
  • Wie der pflegeleichte Bauerngarten in städtische Freiraumplanung und Gemeinschaftsgärten integriert werden kann
  • Welche typischen Planungsfehler den Pflegeaufwand unnötig erhöhen und wie man sie vermeidet

Definition und Abgrenzung: Was ist ein pflegeleichter Bauerngarten?

Der Begriff Bauerngarten bezeichnet eine historisch gewachsene Gartenform, die Nutzpflanzen und Zierpflanzen in geometrisch geordneten, meist rechteckigen Beeten vereint, von Wegen erschlossen wird und traditionell von einer Hecke, einem Zaun oder einer Mauer eingefasst ist. Das Charakteristische ist die Gleichzeitigkeit von Ordnung und Fülle: Kräuter, Gemüse, Stauden und Rosen wachsen dicht nebeneinander, ohne dass ein Element das andere dominiert. Der pflegeleichte Bauerngarten ist keine vereinfachte oder abgespeckte Version dieses Gartentyps, sondern seine planungstechnisch konsequente Weiterentwicklung. Er übernimmt die räumliche Grammatik und das Artenspektrum des klassischen Vorbilds, wählt aber Arten, Strukturen und Bodenmanagementstrategien so, dass der laufende Pflegeaufwand dauerhaft niedrig bleibt.

Pflegeleicht bedeutet in diesem Zusammenhang nicht pflegefrei. Der Begriff beschreibt eine Qualität, die durch Planung erreicht wird: Pflanzen, die am Standort konkurrenzfähig sind und keine jährliche Neuanlage erfordern; Beetstrukturen, die Verunkrautung durch dichte Bodenbedeckung minimieren; Wege und Einfassungen, die Pflege mechanisierbar oder zumindest körperlich schonend machen. Fachleute aus der Freiraumplanung sprechen in diesem Kontext von extensiver Pflege, also einer Pflegeintensität, die mit wenigen Arbeitsgängen pro Jahr auskommt, ohne dass der Garten verwildert oder seine Gestaltungsqualität verliert. Der Unterschied zur intensiven Pflege, wie sie für Gemüsebeete mit jährlichem Fruchtwechsel, Einjährigenpflanzungen oder formale Buchsrabatten typisch ist, ist grundlegend.

Abzugrenzen ist der pflegeleichte Bauerngarten vom naturalistischen Staudengarten angelsächsischer Prägung, wie er durch Gärtner wie William Robinson und Gertrude Jekyll geprägt wurde, sowie vom modernen New-Wave-Planting, das auf gesellige Pflanzengemeinschaften nach Piet Oudolf setzt. Diese Stile teilen zwar das Interesse an robusten, selbsttragenden Pflanzungen, verzichten aber auf die geometrische Grundstruktur und das gemischte Nutzpflanzenrepertoire, die den Bauerngarten definieren. Der pflegeleichte Bauerngarten ist kulturell und formal spezifischer, ökologisch aber ebenso leistungsfähig.

Historische Entwicklung: Vom Nutzgarten zur gestalterischen Referenz

Die Geschichte des Bauerngartens reicht in die frühmittelalterliche Kloster- und Hofgartentradition zurück. Der Hortus conclusus, der ummauerte Garten der Klöster, war in erster Linie ein Ort der Kräuterkultur und der Selbstversorgung, strukturiert durch rechtwinklige Beete, die eine effiziente Bewirtschaftung ermöglichten. Der Capitulare de villis, ein karolingisches Verwaltungsdokument aus dem späten achten oder frühen neunten Jahrhundert, listet Pflanzen auf, die in königlichen Gutshöfen angebaut werden sollten, darunter Heilkräuter, Gemüse und Zierpflanzen, und belegt damit, dass die Vermischung von Nützlichem und Schönem keine romantische Erfindung späterer Epochen ist, sondern eine pragmatische Tradition.

Im Verlauf des Mittelalters und der frühen Neuzeit entwickelte sich der Bauerngarten als eigenständige Gartenform in ländlichen Haushalten. Er war kein Luxusgarten, sondern ein Produktionsgarten, der Nahrung, Heilmittel, Färbepflanzen und Schnittblumen für den Hausgebrauch lieferte. Die Geometrie der Beete war keine ästhetische Entscheidung, sondern eine funktionale: Rechteckige Beete lassen sich von allen Seiten ohne Betreten bewirtschaften, Wege ermöglichen den Zugang auch bei Nässe, und Einfassungen aus Buchsbaum, Lavendel oder Thymian halten Unkraut zurück und markieren Grenzen. Diese funktionale Logik ist bis heute gültig und bildet die Grundlage des pflegeleichten Bauerngartens.

Im neunzehnten Jahrhundert erlebte der Bauerngarten eine romantisierende Wiederentdeckung durch die Lebensreformbewegung und die Heimatschutzbewegung, die ihn als Gegenbild zur industriellen Stadt und zur formalen Gartenkunst des Barock idealisierten. Autoren wie William Morris in England und später Karl Foerster in Deutschland, der bedeutende Staudenzüchter und Gartenphilosoph, trugen dazu bei, den Bauerngarten als gestalterische Referenz zu etablieren. Foerster erkannte früh, dass viele der im Bauerngarten überlieferten Stauden außerordentlich robust, langlebig und standortangepasst sind, also genau jene Eigenschaften besitzen, die heute unter dem Begriff Pflegeleichtigkeit zusammengefasst werden. Seine Arbeit mit winterharten Stauden, die ohne intensive Düngung und ohne jährlichen Rückschnitt auskommen, ist eine der intellektuellen Grundlagen des modernen pflegeleichten Bauerngartens.

Im zwanzigsten Jahrhundert wurde der Bauerngarten durch die Kleingartenbewegung und später durch die ökologische Gartenbewegung neu interpretiert. Heute ist er sowohl in privaten Hausgärten als auch in öffentlichen Freiräumen, Schulgärten und Gemeinschaftsgartenprojekten präsent. Die Frage der Pflegeleichtigkeit ist dabei keine rein ästhetische, sondern eine soziale und ökonomische: Öffentliche Grünflächen und Gemeinschaftsgärten müssen mit begrenzten Personalressourcen bewirtschaftet werden, und der pflegeleichte Bauerngarten bietet hierfür ein erprobtes Modell.

Standort, Boden und Struktur: Die Grundlagen pflegearmer Gestaltung

Kein Pflanzenkonzept ersetzt die Standortanalyse. Der pflegeleichte Bauerngarten beginnt mit der präzisen Erfassung von Sonneneinstrahlung, Bodenbeschaffenheit, Wasserhaushalt und Windexposition. Arten, die am Standort heimisch oder standortangepasst sind, benötigen weder Zusatzbewässerung noch Sonderdüngung und sind gegenüber Schädlingen und Krankheiten deutlich widerstandsfähiger als Arten, die gegen ihre ökologischen Grundbedürfnisse kultiviert werden. Die Auswahl standortgerechter Pflanzen ist deshalb die wirksamste Einzelmaßnahme zur Reduktion des Pflegeaufwands.

Die Bodenqualität ist ein zweiter zentraler Faktor. Viele klassische Bauerngartenpflanzen, darunter Lavendel, Salbei, Oregano, Katzenminze und zahlreiche Stauden der Gattungen Sedum, Achillea und Echinacea, bevorzugen durchlässige, nährstoffarme bis mäßig nährstoffreiche Böden. Auf schweren, staunassen oder überdüngten Böden wachsen sie schlecht, werden anfällig für Pilzkrankheiten und müssen häufiger ersetzt werden. Umgekehrt gedeihen Gemüse und nährstoffhungrige Stauden wie Delphinien oder Rittersporn auf humusreichen, gut versorgten Böden deutlich besser. Ein pflegeleichter Bauerngarten teilt deshalb idealerweise den Bereich intensiver Nutzpflanzenkulturen von den extensiven Staudenbeeten, um beiden Ansprüchen gerecht zu werden.

Die räumliche Struktur des Gartens bestimmt den Pflegeaufwand mindestens ebenso stark wie die Artenwahl. Wege aus befestigten Materialien, also Naturstein, Klinker, Splitt oder Rindenmulch, die breit genug für eine Schubkarre sind, ermöglichen effizientes Arbeiten und müssen nicht jährlich neu angelegt werden. Beetkanten aus Metall, Cortenstahl, Naturstein oder dauerhaften Holzelementen halten Rasengräser aus den Beeten und reduzieren den Aufwand für Kantenschnitt erheblich. Einfassungshecken aus Hainbuche, Feldahorn oder Weißdorn sind langlebiger und ökologisch wertvoller als Buchsbaum, der seit dem Auftreten des Buchsbaumzünslers und des Buchsbaumtriebsterbens in weiten Teilen Mitteleuropas als problematisch gilt. Diese strukturellen Entscheidungen sind einmalige Investitionen mit langfristiger Wirkung auf den Pflegeaufwand.

Beetgröße und Erreichbarkeit

Ein oft unterschätzter Faktor ist die Beetbreite. Beete, die von beiden Seiten bequem erreicht werden können, also in der Regel nicht breiter als eineinhalb Meter, lassen sich ohne Betreten bewirtschaften. Das schont die Bodenstruktur, verhindert Verdichtung und macht aufwendiges Auflockern überflüssig. Breitere Beete erfordern entweder Trittplatten oder das Betreten des Bodens, was bei häufiger Wiederholung die Kapillarität des Bodens stört und den Wasserhaushalt verändert. In der Freiraumplanung gilt die Einhaltung ergonomisch sinnvoller Beetmaße als Grundstandard, der in privaten Gärten häufig vernachlässigt wird.

Pflanzenauswahl: Robustheit, Selbstaussaat und Konkurrenzstärke

Das Artenspektrum des pflegeleichten Bauerngartens ist breiter als oft angenommen. Es umfasst ausdauernde Stauden, die ohne Neuanlage viele Jahre am selben Standort verbleiben; Kräuter, die sich durch Selbstaussaat erhalten oder als immergrüne Halbsträucher dauerhaft präsent sind; Sommerblumen, die sich selbst aussäen und so jährliche Neupflanzungen erübrigen; sowie Gehölze, die Struktur und Höhe geben, ohne intensive Formschnittarbeiten zu erfordern.

Zu den verlässlichsten Stauden für pflegeleichte Bauerngärten zählen Arten wie Taglilien (Hemerocallis), Storchschnabel (Geranium), Schafgarbe (Achillea), Sonnenhut (Echinacea), Fetthenne (Sedum beziehungsweise Hylotelephium), Phlox, Rittersporn (Delphinium) und Frauenmantel (Alchemilla mollis). Letzterer ist ein gutes Beispiel für eine Art, die durch dichten Blattschluss Unkraut unterdrückt, sich selbst aussät und gleichzeitig als Beetkantenpflanze eine klare räumliche Wirkung erzeugt. Katzenminze (Nepeta) erfüllt eine ähnliche Funktion und ist gleichzeitig ein wertvoller Trachtlieferant für Bienen und Hummeln.

Selbstaussaat ist im pflegeleichten Bauerngarten ein erwünschtes Phänomen, das aber gesteuert werden muss. Arten wie Borretsch, Ringelblume, Nigella, Mohn und Verbena bonariensis säen sich zuverlässig aus und füllen Lücken, ohne dass jährlich neu gesät werden muss. Gleichzeitig können sie bei unkontrollierter Ausbreitung andere Pflanzen verdrängen. Die Pflege beschränkt sich hier auf das selektive Entfernen unerwünschter Jungpflanzen, was deutlich weniger Aufwand bedeutet als das jährliche Neuaussäen. Fachleute sprechen von einer dynamischen Pflanzengemeinschaft, die sich innerhalb gesetzter Grenzen selbst organisiert.

Konkurrenzstärke ist eine Eigenschaft, die bei der Artenwahl bewusst eingesetzt werden sollte. Bodendecker wie Waldsteinia, Geranium macrorrhizum oder Ajuga reptans schließen den Boden so dicht, dass Unkraut kaum Licht und Raum findet. Hochwüchsige Stauden wie Stauden-Sonnenblume (Helianthus) oder Herbst-Anemone (Anemone hupehensis) beschatten den Boden unter sich und reduzieren so den Jätaufwand. Diese Konkurrenzwirkung ist kein Nebeneffekt, sondern ein Planungsziel, das bei der Artenwahl explizit berücksichtigt werden sollte.

Bodenbedeckung, Mulch und Unkrautmanagement

Die konsequente Bodenbedeckung ist das wirksamste Instrument zur Reduktion des Jätaufwands. Offener Boden ist eine ökologische Einladung an Unkrautsamen, die im Boden über Jahre keimfähig bleiben und bei Lichtzufuhr sofort austreiben. Eine dichte Pflanzendecke oder eine Mulchschicht aus organischem Material, etwa Rindenmulch, Holzhäcksel oder Stroh, unterbricht diesen Kreislauf. Mulch hat dabei mehrere Funktionen gleichzeitig: Er hält Feuchtigkeit im Boden, reguliert die Bodentemperatur, fördert das Bodenleben und verhindert die Keimung von Unkrautsamen durch Lichtausschluss.

In der Freiraumplanung wird zwischen organischen und mineralischen Mulchmaterialien unterschieden. Organische Mulche zersetzen sich und verbessern langfristig die Bodenstruktur, müssen aber alle ein bis zwei Jahre erneuert werden. Mineralische Mulche aus Kies, Splitt oder Lava sind dauerhafter, eignen sich aber nur für Pflanzengesellschaften, die trockene, nährstoffarme Standorte bevorzugen, also für mediterrane Kräuter und Steppenpflanzen, nicht für Gemüse oder nährstoffhungrige Stauden. Im pflegeleichten Bauerngarten empfiehlt sich eine Kombination: Mineralischer Mulch in Kräuterbeeten mit mediterranen Arten, organischer Mulch in Staudenbeeten und Gemüsebereichen.

Geotextilien unter Mulchschichten werden in der Praxis häufig empfohlen, sind aber mit Vorsicht einzusetzen. Sie verhindern zwar das Durchwachsen von Unkrautwurzeln aus dem Boden, können aber das Einwurzeln gewünschter Pflanzen behindern, das Bodenleben beeinträchtigen und sich nach einigen Jahren durch Verwitterung und Durchwurzelung in schwer entfernbare Fragmente auflösen. Fachleute raten in der Regel dazu, auf Geotextilien zu verzichten und stattdessen auf dichte Bepflanzung und regelmäßige Mulcherneuerung zu setzen.

Integration in städtische Freiräume und Gemeinschaftsgärten

Der pflegeleichte Bauerngarten ist nicht nur ein Konzept für private Hausgärten. Als Freiraumtypus hat er in den vergangenen Jahrzehnten Eingang in öffentliche Grünanlagen, Schulgeländegestaltungen, Gemeinschaftsgärten und Quartiersparks gefunden. Sein Vorteil gegenüber anderen Gartenformen liegt in der Kombination aus gestalterischer Klarheit, ökologischer Leistungsfähigkeit und geringem Pflegebedarf, der mit ehrenamtlichem oder semiprofessionellem Personal bewältigbar ist.

In städtischen Gemeinschaftsgärten, die häufig von wechselnden Nutzergruppen mit unterschiedlichem Kenntnisstand bewirtschaftet werden, bietet die klare Struktur des Bauerngartens einen wichtigen Orientierungsrahmen. Wege, Beete und Einfassungen machen sichtbar, wo Pflege erwünscht ist und wo Pflanzen sich selbst überlassen werden können. Diese räumliche Lesbarkeit ist eine Qualität, die in der Freiraumplanung zunehmend als eigenständiges Gestaltungsziel anerkannt wird. Gärten, die für Laien intuitiv verständlich sind, werden besser gepflegt und stärker angeeignet als solche, deren Logik sich nur Fachleuten erschließt.

Aus ökologischer Sicht leistet der pflegeleichte Bauerngarten in städtischen Kontexten einen messbaren Beitrag zur Biodiversität. Das breite Artenspektrum aus Kräutern, Stauden, Sommerblumen und Gehölzen bietet Nahrung und Lebensraum für Bestäuber, Nützlinge und Kleinvögel. Besonders die Kombination aus nektarreichen Blüten, Samenstände, die über den Winter stehen bleiben, und strukturreichen Einfassungsgehölzen schafft ein Habitatmosaik, das in der Stadtökologie als wertvolles Element der grünen Infrastruktur gilt. Kommunen, die Gemeinschaftsgärten nach diesem Prinzip anlegen, verbinden soziale Teilhabe mit ökologischer Qualitätssicherung.

Typische Planungsfehler und wie man sie vermeidet

Der häufigste Fehler bei der Anlage eines pflegeleichten Bauerngartens ist die Unterschätzung des Etablierungsaufwands. In den ersten zwei bis drei Jahren nach der Pflanzung ist der Pflegebedarf deutlich höher als im eingeschwungenen Zustand: Jungpflanzen müssen bewässert werden, Lücken laden Unkraut ein, und Pflanzengemeinschaften haben ihre Konkurrenzbalance noch nicht gefunden. Wer in dieser Phase den Garten sich selbst überlässt, riskiert, dass Unkraut die Oberhand gewinnt und die gewünschten Arten verdrängt. Pflegeleichtigkeit ist ein Zustand, der durch sorgfältige Etablierungspflege erarbeitet werden muss.

Ein zweiter verbreiteter Fehler ist die Artenwahl nach ästhetischen Kriterien ohne Standortprüfung. Rosen, Delphinien und Clematis sind klassische Bauerngartenpflanzen, erfordern aber je nach Sorte und Standort intensive Pflege: regelmäßigen Schnitt, Düngung, Schädlingskontrolle und Stützkonstruktionen. Wer diese Arten in einen pflegeleichten Garten integrieren möchte, sollte auf besonders robuste, krankheitsresistente Sorten setzen und ihren Anteil am Gesamtpflanzenbild begrenzen. Strauchrosensorten mit hoher Robustheit, etwa aus der ADR-Prüfung (Allgemeine Deutsche Rosenneuheitenprüfung), sind hier deutlich besser geeignet als empfindliche Teehybriden.

Schließlich wird die Bedeutung der Beetkantenpflege unterschätzt. Wo Rasen an Beete grenzt, wachsen Gräser und Kriechpflanzen unaufhaltsam in die Beetfläche ein, wenn keine physische Barriere vorhanden ist. Das regelmäßige Nachschneiden von Rasenkanten ist eine der zeitaufwendigsten Routinearbeiten im Garten. Dauerhafte Einfassungen aus Cortenstahl, Natursteinplatten oder Klinkern, die bündig mit dem Rasenniveau abschließen, machen diese Arbeit überflüssig und amortisieren ihren Anschaffungspreis innerhalb weniger Pflegesaisons.

Der pflegeleichte Bauerngarten als Planungsaufgabe

Der pflegeleichte Bauerngarten ist keine Vereinfachung einer historischen Gartenform, sondern ihre planungstechnisch reife Weiterentwicklung. Er verlangt in der Konzeptionsphase mehr Sorgfalt als ein konventioneller Garten mit intensiver Pflege, weil Fehler in der Standortanalyse, der Artenwahl oder der Strukturplanung sich nicht durch erhöhten Pflegeaufwand kompensieren lassen, sondern dauerhaft im Erscheinungsbild sichtbar bleiben. Wer diesen Garten richtig plant, schafft einen Freiraum, der mit wenigen gezielten Eingriffen pro Jahr seine Qualität hält und steigert.

Für die Freiraumplanung bietet der pflegeleichte Bauerngarten ein Modell, das soziale, ökologische und gestalterische Ziele verbindet. Er ist skalierbar vom privaten Hausgarten bis zur öffentlichen Grünanlage, kulturell verankert und ökologisch leistungsfähig. Die Tradition, aus der er kommt, ist keine Last, sondern eine Ressource: Jahrhunderte der Erfahrung mit robusten Arten, bewährten Strukturen und effizienten Bewirtschaftungsformen stecken in diesem Gartentyp, und es lohnt sich, dieses Wissen systematisch zu erschließen und in zeitgemäße Planungskonzepte zu übersetzen. Pflegeleichtigkeit ist dabei kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung dafür, dass Gärten dauerhaft gepflegt, genutzt und geliebt werden.

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Into the wild – Entwurfsstudio zum Volkspark Prenzlauer Berg

Blick auf einen Kurve eines betonierten Wegs, der in einem dicht bewachsenen Wald einen Hügel hinaufführt. Im Wintersemester 2022/23 setzten sich Masterstudierende der TU Berlin mit dem Volkspark Prenzlauer Berg in Berlin auseinander. Foto: Stefan Reimann
Im Wintersemester 2022/23 setzten sich Masterstudierende der TU Berlin mit dem Volkspark Prenzlauer Berg in Berlin auseinander. Foto: Stefan Reimann

Der Volkspark Prenzlauer Berg in Berlin entstand auf dem Trümmerschutt des Alexanderplatzes. Nur wenige Menschen verirren sich heute mehr in das Dickicht des wild erscheinenden Parks – für zahlreiche Wildtiere ist er ein wertvoller Lebensraum. Im Wintersemester 2022/23 setzten sich Masterstudierende der Landschaftsarchitektur und Umweltplanung der TU Berlin in einem Entwurfsstudio mit dem Park auseinander. Professor Stefan Reimann, der das Studio gemeinsam mit Professorin Barbara Hutter leitete, führt in den Hintergrund der Studienarbeiten ein.

Nicht nur in unserer Septemberausgabe 2023 machen wir Raum für Projekte aus dem Studium. Auch hier, auf unserer Webseite, stellen Studierende ihre eigenen Arbeiten selbst vor. Die Projekte finden Sie alle auf unserer Themenseite „Studium“ – und die Septemberausgabe gibt’s in unserem Shop.

Volkspark Prenzlauer Berg – Ein Park auf Trümmerschutt

Der Volkspark Prenzlauer Berg ist eine 29 Hektar große Parkanlage am östlichen Rand des Bezirks Pankow von Berlin – entstanden aus der früheren Oderbruchkippe. Mit diesem setzte sich eine Gruppe von 14 Masterstudierenden der TU Berlin am Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung (ILAUP), Fachgebiet Landschaftsbau/Objektbau (FG-LOB), auseinander. Das Entwurfsstudio „Into the wild“ fand unter der Leitung von Professorin Barbara Hutter und Professor Stefan Reimann im Wintersemester 2022/23 statt.

Den westlichen Teil des Parks bildet ein Trümmerberg-Doppelgipfel, der an der höchsten Stelle circa 90 Meter über dem Niveau der umgebenden Stadtquartiere aufragt. Ursprünglich entstanden hier, mit dem industriellen Aufschwung Berlins, ab 1871 Kleingärten und Einfamilienhäuser. Nach 1945, mit dem beginnenden Wiederaufbau, wurde der Trümmerschutt des Alexanderplatzes dort aufgebracht. So entstand die sogenannte „Oderbruchkippe“ aus rund 15 Millionen Kubikmeter Abraum. Auf dem so neumodellierten Gelände wurde Oberboden aufgetragen und Rasen angesät. Pioniergehölze (Pappeln, Eschen, Ahorn, Robinien, Weiden) wurden großflächig angepflanzt, später durch hochwertigere Bäume ergänzt.

Der Handlungsbedarf ist bekannt

1969 wurde der Park feierlich eingeweiht. In Folge entstand ein waldartiges Biotop mit 60 Prozent Gehölzanteil und 40 Prozent Wiesenflächen. Seit 1971 gibt es dort einen botanischen Lehrpfad, ab1979 gab es ein Feuchtbiotop (mittlerweile verlandet) und einen Abenteuerspielplatz (auch dieser nicht mehr existent). Ein Rodelhügel verblieb als schlichtes Nutzungsrelikt, Sandbienen siedelten sich dort in den Randbereichen an. Mit 57 Vogelarten und zahlreichen anderen Wildtieren ist er ein wertvoller Lebensraum.

Der Volkspark Prenzlauer Berg besticht – sommers wie winters – durch seine wilde, unprätentiöse, raue, aber atmosphärische Gestalt. Nur wenige Menschen verirren sich in das beindruckende Dickicht oder die hochgelegenen Wiesenplateaus. Die dichte Vegetation erlaubt keine Blickbezüge in die Umgebung. Der poröse Untergrund des Trümmerschutts lässt die Bäume im Sommer ausgedörrt, unter der zunehmenden Trockenheit leidend erscheinen. Totholz wird nicht entfernt, sondern dezidiert vor Ort belassen, zur Freude der Fauna, die Verkehrssicherheit gerade ausreichend sichergestellt. Die asphaltierten Wege sind teils aufgebrochen, sie heben und senken sich wellenförmig durch den Wurzeldruck der Bäume. Die karge, heruntergekommene Ausstattung verstärkt den vernachlässigten Eindruck. Ein Volkspark im Dornröschenschlaf, der darauf wartet entdeckt zu werden. Das Bezirksamt Pankow kennt den Handlungsbedarf, umfangreiche Kartierung von Flora und Fauna laufen bereits.

Der Ort hat die Teilnehmenden sofort und dauerhaft mit seiner speziellen Ausstrahlung sehr fasziniert.

Ein Thema konsequent bis ins Detail durcharbeiten

Sie haben den Park im strahlenden Herbstlaub, an grauen Tagen mit Regen und Nebel erlebt. Sie kennen ihn mit matschigem Laub, im Winter mit Schnee ebenso wie seine Savannenstimmung bei sengender Hitze und Trockenheit im August. Die Vielfalt der struppigen, vegetativen Strukturen und deren haptisch-sinnliche Qualitäten im urbanen Kontext überrascht, ebenso die tausenden Bäume und viele Tierarten, die bekannt sind aber für die Besuchenden größtenteils unsichtbar bleiben, genau wie die üppige Topografie des Parks.

Im Studio sollte dieser besonderen Aura des Ortes Rechnung getragen werden, durch den Versuch ihn in drei charakteristisch zugespitzten Varianten entwurflich zu bearbeiten. Die Varianten suchen keine Kompromisse zwischen den Interessenlagen, sondern zeigen bewusst klare Kante. Ein Thema sollte konsequent bis ins Detail durchgearbeitet werden.

Volkspark Prenzlauer Berg in Berlin, Foto: Stefan Reimann
Volkspark Prenzlauer Berg in Berlin, Foto: Stefan Reimann

Mit diesen drei Szenarien konnten die Studierenden zum Volkspark Prenzlauer Berg arbeiten

Dazu wurden drei Szenarios für die entwurfliche Bearbeitung vorgegeben:

Animal Park: Ist das im urbanen Kontext erlaubt, macht das Sinn? Ein Park, bei dem die Tiere im Mittelpunkt stehen und nicht die Menschen, wo Lebensräume für Tiere nicht als Alibi, sondern bewusst gleichberechtigt, mindestens Koexistenz anstrebend entwickelt werden. Dabei spielen der behutsame Umgang mit dem wertvollen Bestand und die geschickte Besucherlenkung eine besondere Rolle.

Climatize: Klimatisieren, das große Thema unserer Zeit, stellt das zweite Szenario dar. Hier steht die Anpassung des Parks an den Klimawandel im Mittelpunkt. Wie kann der Baumbestand des Parks durch Transformation nachhaltig, also zukunftsfähig, entwickelt werden? Wie kann an dieser Stelle zeitgemäßes Regenwassermanagement aussehen?

Human Nature: Bei diesem Szenario stehen die Menschen und ihre (speziellen) Bedürfnisse an diesen Ort mit seinem besonderen Charakter im Mittelpunkt. Ein Park zugeschnitten auch auf außergewöhnliche Nutzungen, downhill-biking oder Kletterwald, nichts ist unmöglich, hier sind Pflanzen und Tiere eher nebensächlich.

Die Besonderheit: Videos repräsentieren die Entwürfe

Mit engagierter Unterstützung von Dipl.-Ing. Susanne Isabel Yacoub (laview) für den Bereich Landschaftsarchitektur und Video begann das Studio zunächst mit einer rationalen, klassischen Analyse zur Geschichte des Ortes, den Qualitäten des städtebaulich-freiraumplanerischen Umfeldes und des Volksparks selbst. Diese wurde komplementiert durch eine emotionale, sinnliche Analyse, dem Erspüren des Ortes mit Rundgängen und gemeinsamem Brainstorming, einer Foto- und Videodokumentation. Diese arbeiteten die Studierenden in Einzelarbeit dann in Form eines experimentellen Analysevideos, durch Collagen oder als Installation aus und überführten sie in einen ersten, schnellen Wochenstegreif.

Ganz klassisch entwickelten die Teilnehmer*innen daraus jeweils eine Konzeptidee und die darauf basierende entwurfliche Durcharbeitung in Einzelarbeit. Als Besonderheit entstanden auch Videos, die die Entwürfe der Studierenden repräsentieren, ein experimentelles Novum. So entstanden 14 sehr unterschiedliche Arbeiten, die im Entwurf bis ins Detail durchgearbeitet wurden und die Bandbreite der Möglichkeiten für diesen besonderen Ort ausloten. Die hier vorgestellten sechs Arbeiten repräsentieren ausschnitthaft die Vielfalt der Ideen und Entwürfe, die im Rahmen des Studios „Into the wild“ entstanden. Alle Videos sind auf Instagram unter @fg.lob zu finden.

Die Vertreter*innen des Bezirksamt Pankow zeigten sich zur Abschlusspräsentation begeistert. Sie möchten Ideen ankaufen und den Wunsch der Studioleitung aufgreifen, den Volkspark Prenzlauer Berg – im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens – zukunftsfähig aufzustellen.

 

 

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Sechs Arbeiten aus dem Entwurfsstudio „Into the Wild“ zum Volkspark Prenzlauer Berg

Hier geht es zu den Projekten der Studierenden, die sie selbst vorstellen:

Der Blick auf die Landschaft

F Rep. 290 Nr. 0083467 (Fotograf: Karl-Heinz Schubert)

Mit dem Hansaviertel wollte West-Berlin eine Alternative zu den dichten Gründerzeitvierteln bieten: Der Anteil an Grünflächen war um einiges höher als in den dicht bebauten Stadtteilen Berlins.

 

Der Blick auf die Stadt von einer Terrasse aus: In der Mitte fließt ein Fluss, seine Ufer gehören ganz der Natur und der Freizeit. Erst in gebührendem Abstand beginnt das städtische Leben. Autos, Lastkraftwagen, am Horizont die Hochhäuser für die neuen Städter, auch sie im Grünen. Menschen sieht man auf diesem Plakat mit der Überschrift „Die Stadt von morgen“ nur im Vordergrund. Sie stehen, als Zaunkönige, auf der Terrasse, ein kleiner Junge zeigt freudig auf das, was sich vor ihm ausbreitet.

Die Stadtlandschaft als Glücksmaschine: Die Zeichnung ziert eine Broschüre der Interbau von 1957. Mit der Westberliner Bauausstellung wollte der Senat der geteilten Stadt gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Dem Zuckerbäckerprotz der Stalin­allee im Ostteil Berlins das kosmopolitische Bauen gegenüberstellen, sich vom unmensch­lichen Wohnungskapitalismus der Gründerzeit distanzieren – und die Landschaft ins neue Bauen integrieren. Das Hansaviertel im Stadtteil Tiergarten sollte das erste Areal sein, in dem „die Stadt von morgen“ realisiert sein würde.
Wer heute durch das Viertel spaziert, sieht vor allem eines: Anders als die gründerzeitlichen Quartiere, die den Sprung in die neue Zeit ­mühelos bewältigt haben (und entsprechend gentrifiziert sind), hat das Hansaviertel Mühe, den Anschluss zu finden. Zwar sind die Bewohner – meist Eigentümer – zufrieden mit den Wohnungen, doch das Umfeld lässt zu wünschen übrig. Die Infrastruktur, Kaufhalle, ­U-Bahnhof, sind verwahrlost. Nur die Vögel zwitschern wie eh und je.

Hansaviertel: Das noble Quartier, vor dem Krieg dicht bebaut mit herrschaftlichen Gründerzeithäusern, war bei einem Bombenangriff 1943 weitgehend zerstört worden. Anfang der fünfziger Jahre wurde daraus so etwas wie der Testfall moderner Stadtplanung. Der Westberliner Senat lud international renommierte Architekten, darunter Oscar Niemeyer, Alvar Aalto, Walter Gropius oder Max Taut ein, unter Beweis zu stellen, dass Baukunst und sozialer Wohnungsbau kein Gegensatz sein müssen. Bis 1960 entstanden im Tiergarten Punkthochhäuser und Wohnscheiben, eine Bibliothek, ein Ladenzentrum, eine Kita und die Akademie der Künste. Zum Interbaujahr 1957 strömte eine Million Menschen auf die Baustelle und den Pavillon, ein Provisorium, das heute noch steht. Viele von ihnen nutzten die neue Gondelbahn, die vom Bahnhof Zoo zum Gelände führte. Das neue Bauen und seine Landschaft, das zeigte schon das Plakat „Die Stadt von morgen“, ist aus der Vogelperspektive am besten zu bestaunen.

„Ein Stil wird im Bauen fraglos sichtbar“, urteilte bereits damals in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Willi Grohmann. „Er ist so international wie alle Kunst heutzutage, die Wurzeln stecken im Erdreich, aber die Krone geht frei über alle Grenzen hinweg.“ Das hübsche Bild, das zeigen soll, dass auch die in den Himmel stürmende Moderne durchaus bodenständig und ihren Traditionen verhaftet ist, war zugleich auch eine Metapher für die neue Landschaftsverbundenheit der Städte­bauer. Und die ließ sich auch in Zahlen messen. Betrug in der Gründerzeit das Verhältnis zwischen bebauter und unbebauter Fläche das Verhältnis 1:1,5, wurde es im Hansaviertel auf 1:5,5 ausgeweitet. Was aber wird vom Hansaviertel und seiner Idee einer aufgelockerten, grünen Stadtlandschaft bleiben? Eine Alternative auch für künftige Architektengenerationen? Oder ein Irrtum der Baugeschichte, ein Auslaufmodell?

 

Den ganzen Beitrag lesen Sie in Garten + Landschaft 9/2015. Heft hier bestellen.