Planung Bauerngarten: Definition, Geschichte und Beispiele

Eine gestaltete Garten- und Parkanlage zum Thema Planung Bauerngarten
Naturnahes Steinhaus mit begrüntem Dach, eingebettet in üppiges Grün. Foto: hugo1951 / Unsplash

Der Bauerngarten gehört zu den ältesten und zugleich am häufigsten missverstandenen Freiraumtypen Mitteleuropas. Wer die Planung Bauerngarten ernsthaft betreibt, bewegt sich an der Schnittstelle von Nutzgartenkultur, historischer Gartenkunst, Biodiversitätsförderung und zeitgenössischer Freiraumgestaltung. Dieser Gartentyp ist kein nostalgisches Zitat, sondern ein funktional und ästhetisch kohärentes System, das sich über Jahrhunderte bewährt hat und heute in öffentlichen wie halböffentlichen Räumen, in der Wohnumfeldgestaltung und in der Denkmalpflege eine neue Relevanz erlangt.

  • Was ein Bauerngarten definiert und wie er sich von anderen Gartentypen abgrenzt
  • Wie die historische Entwicklung vom mittelalterlichen Nutzgarten bis zur heutigen Planungspraxis verläuft
  • Welche räumlichen, strukturellen und pflanzlichen Grundprinzipien die Planung Bauerngarten leiten
  • Welche Pflanzengruppen und Artenspektren typisch sind und wie sie planerisch eingesetzt werden
  • Wie Bauerngärten in öffentlichen Räumen, Wohnanlagen und Denkmalpflegekontexten funktionieren
  • Welche Pflegestrategien und Unterhaltskonzepte für unterschiedliche Träger geeignet sind
  • Welche häufigen Planungsfehler und Missverständnisse auftreten
  • Wie der Bauerngarten im Kontext von Biodiversität, Klimaanpassung und Kulturlandschaftspflege einzuordnen ist

Definition und Abgrenzung: Was ist ein Bauerngarten?

Der Begriff Bauerngarten bezeichnet einen strukturierten, in der Regel geometrisch gegliederten Nutz- und Ziergarten, der Gemüse, Kräuter, Heilpflanzen, Schnittblumen und Obstgehölze in enger räumlicher Gemeinschaft vereint. Er ist kein Wildgarten, kein reiner Gemüsegarten und kein Blumenbeet im modernen Sinne, sondern ein eigenständiger Gartentyp mit klar erkennbaren Kompositionsprinzipien. Charakteristisch ist die Kombination von Nützlichkeit und Schönheit, die in der Fachsprache als Einheit von Utile und Dulce bezeichnet wird: Jede Pflanze hat einen Zweck, sei er kulinarisch, medizinisch oder ästhetisch, und die Gesamtkomposition besitzt einen gestalterischen Anspruch.

Räumlich ist der Bauerngarten in der Regel durch eine klare Umfriedung definiert, traditionell durch Holzzäune, Flechtwerk, Hecken aus Buchsbaum (Buxus sempervirens) oder Hainbuche (Carpinus betulus), seltener durch Mauern. Im Inneren gliedert ein Wegenetz aus Hauptachsen und Nebenachsen die Fläche in Beete, die häufig quadratisch oder rechteckig angelegt und von Einfassungen aus niedrigen Hecken, Brettchen oder Stauden begrenzt werden. Diese Struktur ist nicht dekorativ gemeint, sondern dient der Orientierung, der Bearbeitbarkeit und der klaren Zuordnung von Pflanzengruppen. Die Planung Bauerngarten muss diese Grundstruktur als tragendes Gerüst verstehen, auf dem alle weiteren Entscheidungen aufbauen.

Abzugrenzen ist der Bauerngarten vom Cottage Garden englischer Prägung, der zwar ähnliche Pflanzenspektren verwendet, aber eine malerisch-informelle Raumstruktur bevorzugt. Ebenso unterscheidet er sich vom Klostergarten, der eine direkte Vorläuferform darstellt, aber stärker auf Heilpflanzen und eine streng symmetrische Kreuzform ausgerichtet ist. Der Küchengarten (Potager) der französischen Tradition ist dem Bauerngarten nahe verwandt, betont jedoch stärker die visuelle Inszenierung von Gemüsekulturen und ist häufig großmaßstäblicher angelegt. Der Bauerngarten im mitteleuropäischen Sinne ist demgegenüber ein bäuerlich-bürgerlicher Typus, der aus der ländlichen Alltagskultur erwachsen ist und seine Stärke in der Verbindung von Pragmatismus und gestalterischer Selbstverständlichkeit bezieht.

Historische Entwicklung: Vom Klostergarten zum kulturellen Erbe

Die Wurzeln des Bauerngartens reichen in die frühmittelalterliche Klosterkultur zurück. Die Benediktinerregel und das Kapitulare de Villis Karls des Großen, ein karolingisches Landgüteredikt, das eine Liste anzubauender Nutz- und Heilpflanzen enthält, gelten als frühe schriftliche Belege für die planmäßige Anlage von Nutzgärten in Mitteleuropa. Der Klostergarten war dabei kein Vorläufer im Sinne direkter Abstammung, sondern ein Parallelsystem, das Wissen über Pflanzenverwendung und Gartenstruktur über Jahrhunderte konservierte und weitergab. Mönche und Nonnen waren die Botaniker und Gärtner ihrer Zeit; ihre Gärten verbanden medizinisches Wissen mit spiritueller Symbolik und praktischer Nahrungsversorgung.

Im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit verbreitete sich das Konzept des strukturierten Nutzgartens von den Klöstern und Adelshöfen in die bäuerliche und kleinbürgerliche Bevölkerung. Die Einfriedung des Gartens als Schutz vor Weidevieh und Wildverbiss war eine praktische Notwendigkeit; die geometrische Gliederung ergab sich aus der Bearbeitbarkeit mit einfachen Werkzeugen und der Notwendigkeit, Fruchtfolgen einzuhalten. Kräuter wie Liebstöckel (Levisticum officinale), Beifuß (Artemisia vulgaris), Baldrian (Valeriana officinalis) und Salbei (Salvia officinalis) waren nicht Ziergewächse, sondern Grundausstattung jedes Haushalts. Rosen, Lilien und Ringelblumen (Calendula officinalis) hatten neben ihrer Schönheit medizinische und symbolische Bedeutung.

Das 19. Jahrhundert brachte eine erste Idealisierung des Bauerngartens. Im Zuge der Romantik und der Heimatschutzbewegung wurde der Bauerngarten zum Sinnbild einer vermeintlich unverstellten, naturnahen Lebensweise. Gartenreformer wie Karl Foerster, der zwar primär für Staudenverwendung bekannt ist, aber das Prinzip des strukturierten Pflanzgartens wesentlich mitgeprägt hat, und die Vertreter der Deutschen Gartenstadtbewegung griffen Elemente des Bauerngartens auf und übertrugen sie in den Kontext der Kleingarten- und Siedlungskultur. Diese Idealisierung war nicht frei von Verzerrung: Der reale historische Bauerngarten war kein romantischer Ort, sondern ein Arbeitsort, dessen Ästhetik ein Nebenprodukt funktionaler Entscheidungen war.

Im 20. Jahrhundert erlebte der Bauerngarten eine Periode der Vernachlässigung, als Spezialisierung, Supermarktversorgung und neue Gartenideale ihn aus der Alltagspraxis verdrängten. Seit den 1980er Jahren ist jedoch ein deutliches Wiederaufleben zu beobachten, das sich mit dem wachsenden Interesse an Biodiversität, Selbstversorgung, Kulturlandschaftspflege und regionaler Identität verbindet. Die Planung Bauerngarten ist heute ein eigenständiges Aufgabenfeld in der Landschaftsarchitektur, das von Denkmalpflegeprojekten über Wohnumfeldgestaltung bis hin zu öffentlichen Schaugärten reicht.

Planungsgrundlagen: Struktur, Raumgliederung und Wegenetz

Die Planung Bauerngarten beginnt mit der Analyse des Standorts und der Festlegung der räumlichen Grundstruktur. Entscheidend ist zunächst die Ausrichtung: Die Hauptachse des Gartens sollte möglichst in Nord-Süd-Richtung verlaufen, damit die Beete gleichmäßig besonnt werden und keine dauerhaften Schattenzonen entstehen. Hochwachsende Elemente wie Bohnenstangen, Sonnenblumen oder Obstbäume werden an der Nordseite positioniert, damit sie die niedrigeren Kulturen nicht beschatten. Diese Grundregel ist keine Konvention, sondern eine ertragsorientierte Notwendigkeit.

Das Wegenetz bildet das Skelett des Bauerngartens. Ein Hauptweg von ausreichender Breite, mindestens achtzig Zentimeter, besser einem Meter, ermöglicht das Befahren mit einer Schubkarre und das bequeme Arbeiten an beiden Seiten. Sekundärwege zwischen den Beeten können schmaler sein, sollten aber trittsicher und pflegeleicht gestaltet werden. Bewährte Materialien sind Klinker, Natursteinplatten, verdichteter Schotter oder Rasenwege, die regelmäßig gemäht werden müssen. Wege aus Rindenmulch sind pflegeleicht, aber weniger dauerhaft und können bei Nässe rutschig werden. Die Wahl des Wegmaterials beeinflusst den Charakter des Gartens erheblich: Klinker und Naturstein verleihen Permanenz und Würde, Rasenwege Weichheit und Naturnähe.

Die Beetgröße richtet sich nach der Erreichbarkeit: Ein Beet sollte von beiden Seiten bequem bearbeitet werden können, ohne dass man es betreten muss. Die daraus resultierende maximale Beetbreite liegt bei etwa einhundertzwanzig Zentimetern. Größere Beete erfordern Trittplatten oder feste Trittbereiche. Die Länge der Beete ist weniger kritisch und kann sich nach dem verfügbaren Raum richten. Für die Planung Bauerngarten in öffentlichen oder halböffentlichen Kontexten empfiehlt sich eine Beetgröße, die auch für Gruppen und Schulklassen handhabbar ist und Demonstrationszwecken dient.

Die Umfriedung ist mehr als ein gestalterisches Element: Sie definiert den Innenraum des Gartens, schützt vor Wind und Wildverbiss und schafft ein eigenes Mikroklima. Traditionelle Holzzäune aus senkrechten Latten oder Flechtwerk aus Haselnuss oder Weide sind authentisch und langlebig, wenn sie aus dauerhaftem Holz gefertigt sind. Heckeneinfassungen aus Buchsbaum sind historisch belegt, aber seit dem Auftreten des Buchsbaumzünslers (Cydalima perspectalis) und des Buchsbaumsterbens durch den Pilz Calonectria pseudonaviculata in vielen Regionen problematisch. Alternativen sind niedrige Hecken aus Berberitze (Berberis thunbergii), Ilex (Ilex crenata) oder Lavendel (Lavandula angustifolia), die ähnliche strukturelle Funktionen übernehmen.

Pflanzenspektrum: Auswahl, Kombination und Artenvielfalt

Das Pflanzenspektrum des Bauerngartens ist sein eigentlicher Reichtum. Es umfasst traditionell vier große Gruppen: Gemüse und Hülsenfrüchte, Kräuter und Heilpflanzen, Schnittblumen und Zierstauden sowie Obstgehölze. Diese Gruppen werden nicht streng getrennt, sondern bewusst gemischt, was dem Garten seinen charakteristischen Reichtum und seine ökologische Wirkung verleiht. Die Mischkultur, also das gemeinsame Anpflanzen von Arten, die sich gegenseitig fördern oder Schädlinge abhalten, ist ein Grundprinzip des Bauerngartens, das heute durch wissenschaftliche Erkenntnisse zur Allelopathie und zu Bestäubergemeinschaften untermauert wird.

Zu den unverzichtbaren Kräutern gehören neben den bereits genannten Arten auch Petersilie (Petroselinum crispum), Schnittlauch (Allium schoenoprasum), Thymian (Thymus vulgaris), Rosmarin (Salvia rosmarinus, früher Rosmarinus officinalis), Melisse (Melissa officinalis) und Bohnenkraut (Satureja hortensis). Diese Arten sind nicht nur kulinarisch wertvoll, sondern bieten Bestäubern ein reiches Nektarangebot, besonders wenn sie zur Blüte kommen. Ein Bauerngarten, in dem Kräuter regelmäßig blühen dürfen, ist ein bedeutender Lebensraum für Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge.

Bei den Stauden und Schnittblumen sind Pfingstrosen (Paeonia lactiflora und Paeonia officinalis), Rittersporn (Delphinium elatum), Stockrosen (Alcea rosea), Sonnenhut (Echinacea purpurea), Schafgarbe (Achillea millefolium), Johanniskraut (Hypericum perforatum) und Ringelblume (Calendula officinalis) klassische Vertreter. Diese Arten sind robust, selbstaussaatfreudig und pflegeleicht, was sie für Bauerngärten mit begrenzten Pflegekapazitäten besonders geeignet macht. Einjährige Sommerblumen wie Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus), Kornblume (Centaurea cyanus) und Cosmea (Cosmos bipinnatus) ergänzen das Bild und können jährlich neu eingesät werden.

Obstgehölze strukturieren den Bauerngarten vertikal und geben ihm Dauerhaftigkeit. Traditionell sind Spalierobst an Mauern und Zäunen, Hochstamm-Obstbäume als Solitäre oder Halbstämme als Raumteiler typisch. Alte Sorten, sogenannte Lokalsorten oder Landsorten, verdienen bei der Planung Bauerngarten besondere Aufmerksamkeit: Sie sind häufig robuster gegenüber Krankheiten, besitzen eine höhere genetische Vielfalt und sind Teil des regionalen Kulturerbes. Die Auswahl geeigneter Sorten sollte in Abstimmung mit regionalen Pomologievereinen oder Obstbauberatungsstellen erfolgen, da die Eignung stark standortabhängig ist.

Bauerngärten in öffentlichen Räumen und Denkmalpflegekontexten

Die Übertragung des Bauerngartenprinzips in öffentliche und halböffentliche Räume ist eine der interessantesten Aufgaben der zeitgenössischen Landschaftsarchitektur. Schaugärten an Freilichtmuseen, Klosteranlagen, Gutshöfen und historischen Stadtkernen sind die bekanntesten Anwendungsfelder. Hier steht die Planung Bauerngarten vor der doppelten Anforderung, historische Authentizität zu wahren und gleichzeitig einen für Besucher erlebbaren, pflegbaren und sicheren Raum zu schaffen. Diese Spannung ist produktiv: Sie zwingt zur genauen Recherche historischer Quellen, zur Auswahl nachweislich historischer Pflanzenarten und zur Entwicklung von Pflegekonzepten, die ohne spezialisiertes Fachpersonal umsetzbar sind.

In der Wohnumfeldgestaltung, etwa in Neubausiedlungen mit Bezug zur ländlichen Tradition oder in der Sanierung historischer Dorfkerne, bietet der Bauerngarten einen Rahmen, der Gemeinschaft stiftet und Identität schafft. Gemeinschaftliche Bauerngärten, die von Bewohnern gemeinsam bewirtschaftet werden, verbinden Elemente des Urban Gardening mit der historischen Struktur des Bauerngartens. Die Planung muss dabei Nutzungskonflikte antizipieren, klare Zuständigkeiten definieren und eine Grundstruktur schaffen, die auch bei wechselnden Nutzergruppen erkennbar bleibt.

Im Kontext der Denkmalpflege gelten besondere Anforderungen. Historische Gartenanlagen, die als Kulturdenkmäler eingetragen sind, unterliegen den Regelungen der jeweiligen Landesdenkmalschutzgesetze. Die Wiederherstellung oder Ergänzung eines historischen Bauerngartens erfordert eine sorgfältige Quellenarbeit: Gartenkataster, historische Karten, Inventarlisten, Gemälde und Fotografien sind die primären Quellen. Pflanzenlisten aus historischen Quellen müssen mit modernen taxonomischen Kenntnissen abgeglichen werden, da sich Artnamen und Sortenzuordnungen verändert haben. Die Zusammenarbeit mit Gartenhistorikern, Botanikern und der zuständigen Denkmalbehörde ist in solchen Projekten unerlässlich.

Pflege, Unterhalt und häufige Planungsfehler

Ein Bauerngarten ist kein pflegefreier Garten. Er erfordert regelmäßige Aufmerksamkeit, saisonale Eingriffe und ein Verständnis der Pflanzenentwicklung über das Jahr. Wer die Planung Bauerngarten ohne ein realistisches Pflegekonzept abschließt, liefert ein Projekt, das nach wenigen Jahren in sich zusammenfällt. Zu den regelmäßigen Pflegearbeiten gehören das Schneiden der Einfassungshecken, das Jäten der Beete, die Ernte und Nachsaat, der Rückschnitt von Stauden im Herbst oder Frühjahr sowie die Pflege der Obstgehölze durch Erziehungs- und Erhaltungsschnitt.

Ein häufiger Planungsfehler ist die Unterschätzung des Pflegeaufwands für Buchsbaum-Einfassungen. Buchsbaum muss mindestens zweimal jährlich geschnitten werden, um seine Form zu halten, und ist wie erwähnt durch Schädlinge und Pilzkrankheiten gefährdet. Wer dennoch auf Buchsbaum besteht, sollte resistentere Sorten wie Buxus sempervirens ‚Suffruticosa‘ oder Alternativen aus der Gattung Ilex prüfen. Ein weiterer Fehler ist die Anlage zu breiter Beete, die nicht ohne Betreten bearbeitet werden können, was zu Bodenverdichtung und Pflanzenschäden führt.

Die Wahl standortungeeigneter Pflanzen ist ein klassisches Problem. Rosmarin und Lavendel gedeihen in kontinentalen Lagen mit strengen Wintern schlecht und müssen entweder durch frostresistentere Sorten ersetzt oder jährlich neu gepflanzt werden. Umgekehrt werden in maritimen Lagen Arten wie Baldrian oder Melisse so üppig, dass sie den Garten dominieren und regelmäßig eingedämmt werden müssen. Die Planung Bauerngarten muss immer standortspezifisch erfolgen und darf nicht unreflektiert Pflanzenlisten aus Büchern übernehmen, die für andere Klimazonen entwickelt wurden.

Ein konzeptioneller Fehler ist die Reduktion des Bauerngartens auf ein rein ästhetisches Zitat ohne funktionale Substanz. Ein Bauerngarten, der nur wie ein Bauerngarten aussieht, aber keine Nutzpflanzen enthält, keine Ernte ermöglicht und keine ökologischen Funktionen erfüllt, verfehlt das Wesen dieses Gartentyps. Die Planung sollte immer beide Dimensionen, Nutzung und Gestaltung, gleichwertig behandeln. Das schließt auch die Frage ein, wer den Garten nutzt, wer erntet, wer pflegt und wie diese Nutzung langfristig organisiert wird.

Bauerngarten, Biodiversität und Klimaanpassung: Eine planerische Einordnung

Der Bauerngarten ist aus ökologischer Sicht ein bemerkenswerter Lebensraumtyp. Die hohe Artenvielfalt an Pflanzen, die unterschiedlichen Blühzeiträume von frühem Frühjahr bis in den Herbst, die Strukturvielfalt aus Hecken, Stauden, Einjährigen, Gehölzen und offenen Bodenbereichen schaffen ein Mosaik an Habitaten, das zahlreichen Insektenarten, Vögeln und Kleinsäugern zugute kommt. Studien zur Biodiversität in Hausgärten belegen, dass strukturreiche Nutzgärten mit hoher Pflanzenvielfalt deutlich mehr Tierarten beherbergen als monotone Rasenflächen oder reine Ziergärten.

Im Kontext der Klimaanpassung bietet der Bauerngarten mehrere Vorteile. Die Kombination aus beschattenden Gehölzen, verdunstungsaktiven Stauden und offenen Bodenbereichen schafft ein ausgeglichenes Mikroklima, das in Hitzeperioden kühler ist als versiegelte Flächen. Die Bodenbearbeitung und der Einsatz von Kompost fördern die Bodenbiologie und die Wasseraufnahmekapazität, was bei Starkregenereignissen die Abflussmenge reduziert. Bauerngärten in Wohnquartieren tragen damit zur Schwammstadtfunktion bei, auch wenn dieser Beitrag im Einzelfall klein ist.

Die Planung Bauerngarten ist schließlich auch ein Beitrag zur Kulturlandschaftspflege. Bauerngärten sind Teil einer Siedlungskultur, die über Jahrhunderte die Gestalt ländlicher Räume geprägt hat. Ihre Wiederherstellung und Neuanlage in historischen Ortskernen, an Bauernhöfen und in Dorfzentren stärkt die räumliche Identität dieser Orte und schafft Anknüpfungspunkte für das kollektive Gedächtnis einer Gemeinschaft. Das ist kein sentimentales Argument, sondern ein planerisch relevantes: Identitätsstiftende Freiräume werden von Gemeinschaften gepflegt und verteidigt, was ihre Langlebigkeit sichert.

Fazit: Der Bauerngarten als planerische Haltung

Die Planung Bauerngarten ist mehr als die Anwendung eines historischen Musters. Sie ist eine planerische Haltung, die Nutzung und Schönheit, Geschichte und Gegenwart, Ökologie und Kultur als untrennbare Einheit begreift. Wer einen Bauerngarten plant, muss Botanik, Gartengeschichte, Standortkunde, Pflegeplanung und Nutzungsorganisation gleichermaßen beherrschen und in ein stimmiges Konzept integrieren. Das ist anspruchsvoll, aber es ist genau diese Komplexität, die den Bauerngarten zu einem der reichhaltigsten Aufgabenfelder der Landschaftsarchitektur macht.

Die historische Tiefe dieses Gartentyps ist kein Ballast, sondern eine Ressource. Sie liefert erprobte Lösungen für Probleme, die heute unter anderen Namen diskutiert werden: Mischkultur als Pflanzenschutzstrategie, Sortenvielfalt als Resilienzprinzip, strukturierte Raumgliederung als Orientierungshilfe, Einfriedung als Mikroklimaschutz. Wer diese Lösungen kennt und versteht, kann sie mit zeitgenössischen Anforderungen verbinden, ohne in Nostalgie zu verfallen.

Für die Praxis bedeutet das: Jede Planung Bauerngarten beginnt mit einer ehrlichen Analyse von Standort, Nutzung und Pflegekapazität. Sie setzt auf ein robustes strukturelles Gerüst, das auch bei wechselnden Nutzern erkennbar bleibt. Sie wählt Pflanzen nach Standorteignung, ökologischer Wirkung und kulturhistorischer Relevanz aus. Und sie entwickelt ein Pflegekonzept, das realistisch ist und langfristig getragen werden kann. Ein Bauerngarten, der all das erfüllt, ist kein Museumsstück, sondern ein lebendiger Freiraum, der seinen Ort prägt und seinen Nutzern gibt, was kein anderer Gartentyp in dieser Dichte bieten kann.

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Zwei unterschiedliche, durch eine Bundesstraße voneinander getrennte Areale verbinden, und einen großen See schaffen – die Herausforderungen der Landesgartenschau in Lahr meisterte das Büro club L94 ohne große Hindernisse. Burkhard Wegener führt uns vor Ort durchs Gelände.

Herr Wegener, was war Ihre Motivation, 2011 am Wettbewerb zur Landesgartenschau in Lahr teilzunehmen?
Es war die Auslobung mit der Aufgabe, einen existierenden Park zu überarbeiten und Ackerflächen eine neue Identität zu geben, sie zu einem Park zu entwickeln. Und darüber hinaus: beide Teilbereiche über zwei Bundesstraßen hinweg mit einer Brücke zu verbinden – alles in allem eine komplexe Aufgabe. Zudem hat es in unseren Kalender gepasst …

Haben Sie die Vorgaben im Planungsprogramm als einengend empfunden – etwa den Wunsch nach einem See, neuen Kleingärten und einem Landschaftspark, in den ein bestehendes Pappelwäldchen mit Krähenhabitat integriert werden sollte?
Eigentlich nicht, eher als Herausforderung. Zumal wir viel Freiraum bei der Ideenfindung hatten und angehalten wurden, Neues zu entwickeln, das sich mit Vorhandenem verbinden sollte.

Woran hatten Sie am meisten zu knabbern? Was hat Ihnen die größten Probleme beim Planen und Bauen gemacht?
Das war der See. Er sollte mehrere Hektar groß werden, aber wir konnten ihn nicht – wie anfangs gedacht – durch den Aushub von Boden realisieren. Es stellte sich schnell heraus, dass es Probleme mit dem Grund­wasser gegeben hätte. So kamen wir auf die Idee, den See auf das bestehende Gelände aufzusetzen. Als Landschaftssee konzipiert, ist er nun rund 2,7 Hektar groß, aber nur zwei bis drei Meter tief. Insgesamt haben wir rund 100 000 Kubikmeter Füllboden im Gelände verarbeitet.

Der See wird diagonal von einem Steg gequert, dadurch scheint er zweigeteilt. Hat das eine tiefere Bedeutung?
Ja. Offziell ist der See ein Badesee und braucht dazu eine entsprechend hohe Wasserqualität. Das erreichen wir, indem wir das Wasser umwälzen, über eine Pflanzenkläranlage filtern und fehlendes Wasser über Pumpen aus dem Grundwasser zuführen. Der Steg über den See sitzt wiederum auf einer Mauer auf, die den Badesee vom Landschaftssee trennt und ihn aus einer anderen Perspektive als von den Ufern aus erlebbar macht. Die Ufer sind bewusst unterschiedlich gestaltet: im Badebereich mit einer harten, urbanen Kante samt Badestrand, im Landschaftsteil mit weichen Übergängen, die sich aus der Bepflanzung der Uferbereiche mit Röhricht und Wasserpflanzen ergeben.

Gab es noch andere Themen, die Ihnen beim Entwurf der Landesgartenschau besonders wichtig waren?
Zum Beispiel, dass auf der langen Seite des Sees eine Promenade entstehen sollte. Diese haben wir mit einer einreihigen Allee aus Trauerweiden bepflanzt, deren hängende Zweige wir lieben.

Alle Fotos: Karl H.C. Ludwig.

Sie haben noch nicht das Krähennest angesprochen, das ja auch eine Besonderheit darstellt …
Genau, das war uns auch von Anfang an wichtig. Zwar in etwas anderer Form als es nach dem dafür ausgelobten Wett­bewerb geworden ist, aber wir finden es dennoch gut. Es steht vor dem Pappel­wäldchen, in dem zahlreiche Krähennester zu finden sind, die den Anstoß zur Idee gegeben haben. Konkret liegt es in dem neuen Auenwäldchen, in dem sich Lichtungen, Pfade aus Rindenmulch und Farninseln finden, die die Basis für ökologische Vielfalt und Lebensräume für Pflanzen und Tiere darstellen und zeigen.

Was waren die Maximen und Ziele für die Überarbeitung des Bürgerparks? Der kam in unserer Unterhaltung bislang etwas zu kurz …
Der Bürgerpark liegt direkt am Schul­quartier und wurde von uns konzeptionell als Teil der Stadt interpretiert. Im Gegensatz zum landschaftlichen Seepark ist der Spiel-­ und Sportpark urban gestaltet. Die Konzeptionen für die neuen Gebäude dort – Kita, römisches Streifen­haus und Sporthalle – entwickelten wir in der städtebaulichen Findungsphase zusammen mit dem Architekturbüro Aldinger. Die neue Kita mit der tonnen­förmigen Dachstruktur, die ich mitsamt den Spielbereichen für sehr gelungen halte, markiert den Parkzugang im Osten. Zu einem besonderen gestalterischen Element wurde auch die „via ceramica“, die sich – obwohl sprachlich nicht ganz korrekt – auf die keramischen Funde der Römer in Lahr bezieht.


05 IMG_8290
Blick über den See.

12 Via Ceramika Image club
Via Ceramica.

08 Seeprromenade01
Seepromenade.

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Blick über den See.

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Via Ceramica.

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Seepromenade.

Das alles klingt nach dem Ergebnis einer guten Zusammenarbeit mit anderen Planern und der Stadt.
Die Zusammenarbeit war – von einzelnen Ausnahmen abgesehen – in der Tat ganz gut. Das gilt sowohl für die Verantwort­lichen der Stadt, als auch für die LGS GmbH und andere Architekten und Planer. Grundsätzlich hätten wir uns gewünscht, dass sich die Ausstellungsbei­träge – vor allem im Seepark – etwas mehr in die Grundkonzeption der Daueranlage eingefügt und einen etwas weniger lauten Auftritt gemacht hätten. Im Kleingartenpark am jetzigen Haupteingang der LGS wurden sie mit dem Landschaftsbau und dessen Gärten deutlich besser in die Grund­struktur der Anlage integriert.

Zum Interviewpartner: Burkhard Wegener ist einer der vier Gründer und Geschäftsführer des Kölner Büros club L94 Landschaftsarchitekten. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Objektplanung und Wettbewerbe. Am FB Architektur der Hochschule Bochum lehrt er als Honorarprofessor.

 

 

Alle Fotos: Karl H.C. Ludwig.

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Das alles klingt nach dem Ergebnis einer guten Zusammenarbeit mit anderen Planern und der Stadt.
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Zum Interviewpartner: Burkhard Wegener ist einer der vier Gründer und Geschäftsführer des Kölner Büros club L94 Landschaftsarchitekten. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Objektplanung und Wettbewerbe. Am FB Architektur der Hochschule Bochum lehrt er als Honorarprofessor.

Die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung und die Wüstenrot Stiftung schreiben seit fast 40 Jahren den Deutschen Städtebaupreis aus. Alle zwei Jahre zeichnet der Preis nachhaltige und innovative Gestaltungsvorschläge für den öffentlichen Raum aus. Dieses Jahr ist es wieder soweit.

Architekten, Landschaftsarchitekten und Städteplaner können bis zum 15. April Projekte einreichen, die seit dem 1. Januar 2013 in der Bundesrepublik Deutschland realisiert worden sind. Am 27. September 2018 werden die Wettbewerbsgewinner bekannt gegeben. Den Preisträger erwartet ein Preisgeld von 15 000 Euro und wird in einer Wanderausstellung präsentiert.

Der parallel dazu ausgelobte Sonderpreis widmet sich dem Thema ‚Orte der Bildung und Kultur im städtebaulichen Kontext‘. Im Rahmen des ‚European Year of Cultural Heritage 2018‘ werden Projekte ausgezeichnet die städtebauliche Ensembles zwischen 1949 und 1989 behandeln. Der Sonderpreis ist mit 5 000 Euro dotiert.

Weitere Informationen zu dem Deutschen Städtepreis findet ihre hier.