Planung unter Wasserstress – Klimaanpassung in Dürreperioden

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Gebäudeensemble am Fluss Ill mit Konservatorium Feldkirch, fotografiert von Walter Sturn

Dürreperioden, Hitzerekorde, schrumpfende Stadtgrünflächen – Wasserstress ist längst keine ferne Zukunftsvision mehr, sondern die neue Realität urbaner Planung im deutschsprachigen Raum. Wer heute nicht radikal umdenkt, wird morgen sprichwörtlich auf dem Trockenen sitzen. Doch wie gelingt kluge Klimaanpassung in Zeiten zunehmender Trockenheit? Und was bedeutet das für Städte, Quartiere und Freiräume zwischen Rhein, Donau und Bodensee? Willkommen bei der Königsdisziplin der Gestaltung: Planung unter Wasserstress.

  • Definition von Wasserstress und seine wachsende Bedeutung für Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
  • Analyse der Ursachen von Dürreperioden und deren Auswirkungen auf urbane Infrastrukturen, Grünflächen und das Stadtklima.
  • Vorstellung innovativer Strategien und Maßnahmen zur Klimaanpassung auf Quartiers-, Stadt- und Landschaftsebene.
  • Technische und planerische Instrumente: Schwammstadt, Regenwassermanagement, Pflanzenwahl und digitale Tools.
  • Herausforderungen bei der Umsetzung: rechtliche, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Hürden.
  • Best-Practice-Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum – von Vorzeigequartieren bis zu ambitionierten Stadtentwicklungsprojekten.
  • Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit und Governance-Strukturen für die erfolgreiche Wasserstrategie.
  • Chancen und Risiken neuer Technologien und datenbasierter Planung unter Wasserstress.
  • Langfristige Perspektiven: Wie sieht die resiliente Stadt von morgen aus?

Wasserstress als urbane Herausforderung: Wenn der Regen ausbleibt

Wasserstress ist ein Begriff, der in der urbanen Debatte an Schärfe gewinnt. Gemeint ist dabei nicht nur der klassische Mangel an Wasser, sondern ein ganzes Bündel von Herausforderungen: lange Trockenperioden, unregelmäßige Niederschläge, sinkende Grundwasserstände, steigende Temperaturen und ein zunehmender Konkurrenzdruck zwischen verschiedenen Nutzungen. In den Städten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz wird diese Entwicklung immer sichtbarer. Parks verdorren, Stadtbäume werfen ihr Laub ab, Flüsse führen Niedrigwasser und die Hitze staut sich in den dicht bebauten Quartieren.

Die Ursachen dieses Wasserstresses sind vielfältig. Der Klimawandel bringt nicht nur mehr Hitzetage, sondern vor allem eine veränderte Verteilung der Niederschläge. Während Starkregenereignisse punktuell zu Überschwemmungen führen, bleiben längere Zeiträume komplett trocken. Hinzu kommen die Versiegelung von Flächen, der Verlust von Retentionsräumen und die Konkurrenz um Wasser zwischen Landwirtschaft, Industrie und urbanen Ökosystemen. All dies verschärft das Problem gerade in Ballungsräumen, die ohnehin schon unter hohen Temperaturen und dichter Bebauung leiden.

Für Planer bedeutet das: Die bisherige Komfortzone ist passé. Es reicht nicht mehr, mit dem nächsten Regenguss zu rechnen oder darauf zu hoffen, dass die Kanalisation alles schluckt. Vielmehr steht eine vorausschauende, resiliente Planung auf der Agenda, die das Wasser als kostbare Ressource begreift und strategisch in die Stadtentwicklung einbindet. Das bedeutet auch, dass klassische Routinen – von der Bepflanzung bis zur Flächenaufteilung – auf den Prüfstand kommen müssen.

Die Auswirkungen des Wasserstresses sind dabei keineswegs nur technischer Natur. Sie betreffen das soziale Gefüge der Stadt ebenso wie die Gesundheit der Bevölkerung. Hitzewellen treffen vor allem vulnerable Gruppen, mangelndes Stadtgrün verschlechtert die Aufenthaltsqualität, und ausgetrocknete Böden erhöhen das Risiko von Bodensetzungen und Gebäudeschäden. Auch die Biodiversität leidet massiv unter den veränderten Bedingungen, was wiederum Rückwirkungen auf das Stadtklima hat.

Vor diesem Hintergrund rückt die Frage nach einer neuen, wasserbewussten Planung ins Zentrum aller Debatten. Städte, die heute zögern, werden morgen mit irreversiblen Schäden und hohen Folgekosten konfrontiert sein. Wer hingegen mutig vorangeht, kann nicht nur das Mikroklima verbessern, sondern auch Lebensqualität, Biodiversität und soziale Resilienz stärken. Der Handlungsdruck ist hoch – und das Zeitfenster für kluge Anpassungslösungen schließt sich rapide.

Instrumente und Strategien für die Stadt im Wasserstress

Die gute Nachricht: Die Werkzeugkiste für eine kluge Klimaanpassung ist inzwischen gut gefüllt – zumindest auf dem Papier. Zentrale Stichworte sind die Schwammstadt, das Regenwassermanagement, die gezielte Auswahl klimaresilienter Pflanzen und der Einsatz digitaler Planungsinstrumente. Doch was steckt tatsächlich hinter diesen Konzepten, und wie lassen sie sich wirksam umsetzen?

Das Schwammstadt-Prinzip hat sich in den letzten Jahren zum Leitbild urbaner Wasserstrategie entwickelt. Gemeint ist damit eine Stadt, die Regenwasser nicht einfach ableitet, sondern speichert, versickern lässt und gezielt zur Verdunstung nutzt. Mulden, Rigolen, begrünte Dächer, Retentionsflächen und offene Wasserläufe sind die Bausteine dieses Konzepts. Durch die Integration von Speicher- und Rückhalteflächen lassen sich nicht nur Überflutungen vermeiden, sondern auch der Grundwasserspiegel stabilisieren und das Mikroklima verbessern. Das erfordert allerdings eine radikale Abkehr von der klassischen Kanalisationslogik hin zu dezentralen, multifunktionalen Lösungen.

Ein weiteres zentrales Instrument ist das Regenwassermanagement. Hier geht es darum, Niederschläge möglichst umfassend zu erfassen und in der Stadt zu halten. Zisternen, Versickerungsmulden, Rinnensysteme und intelligente Steuerungseinheiten ermöglichen es, Wasser gezielt zu speichern und bei Trockenheit für die Bewässerung von Grünflächen oder zur Kühlung von Plätzen zu nutzen. Das setzt jedoch eine enge Abstimmung zwischen Stadtplanung, Tiefbau, Landschaftsarchitektur und Gebäudetechnik voraus. Digitale Tools, etwa zur Überwachung von Bodenfeuchten oder zur Vorhersage von Trockenphasen, werden dabei zunehmend unverzichtbar.

Mindestens ebenso wichtig ist die richtige Auswahl und Kombination von Pflanzen. Stadtbäume und Grünflächen müssen künftig nicht nur hitzeresistent, sondern auch trockenheitsverträglich sein. Exotische Arten sind dabei kein Allheilmittel – vielmehr geht es um die intelligente Mischung heimischer und angepasster Sorten, die mit den veränderten Klimabedingungen zurechtkommen. Gleichzeitig braucht es neue Pflegekonzepte, die auf Wassersparsamkeit und Bodengesundheit setzen, etwa durch Mulchschichten, reduzierte Mähzyklen und gezielte Bewässerung.

Schließlich rückt die Digitalisierung auch im Umgang mit Wasserstress immer stärker in den Fokus. Sensorik, Fernerkundung, digitale Zwillinge und datengetriebene Entscheidungsunterstützung ermöglichen es, Wasserbedarf, Verdunstungsraten und Klimabelastungen präzise zu erfassen und frühzeitig gegenzusteuern. Diese Systeme sind allerdings nur dann wirksam, wenn sie mit einer klaren Governance-Strategie verknüpft werden und von allen beteiligten Akteuren aktiv genutzt werden.

In Summe zeigt sich: Klimaanpassung unter Wasserstress ist keine Einzeldisziplin, sondern eine Querschnittsaufgabe. Sie verlangt Mut zum Experiment, ein tiefes Verständnis lokaler Gegebenheiten und die Bereitschaft, klassische Routinen radikal zu hinterfragen. Wer jetzt investiert, wird morgen mit resilienten, lebenswerten Stadträumen belohnt – und kann zugleich als Vorbild für die nächste Generation urbaner Planung dienen.

Best Practices und Hürden: Was wirklich funktioniert – und was nicht

Theorie und Praxis klaffen in der Klimaanpassung oft weit auseinander. Während Broschüren und Studien voll sind mit ambitionierten Strategien, sieht die Realität in vielen Kommunen anders aus. Dennoch gibt es zahlreiche Erfolgsgeschichten, die zeigen, wie Wasserstress produktiv in innovative Stadtentwicklung übersetzt werden kann. Ein Blick auf ausgewählte Beispiele lohnt sich – mitsamt der ehrlichen Analyse, wo die größten Stolpersteine liegen.

In Wien etwa wurden in mehreren Neubauquartieren konsequent Schwammstadt-Prinzipien umgesetzt. Begrünte Dächer, Mulden-Rigolen-Systeme, offene Wasserläufe und temporäre Retentionsflächen sorgen dafür, dass selbst nach mehreren Wochen Trockenheit die Parks grün bleiben und die Temperaturen messbar sinken. Entscheidend war dabei die enge Zusammenarbeit zwischen Stadtplanung, Ingenieurwesen und Bürgern, die von Anfang an in die Gestaltung eingebunden wurden.

Auch in Mannheim und Leipzig zeigen neue Stadtteile, wie kluge Regenwassernutzung und Grünflächengestaltung Hand in Hand gehen können. Hier wurden nicht nur technische Lösungen umgesetzt, sondern auch neue Governance-Modelle erprobt, etwa in Form von Wasserkooperationen oder quartiersbezogenen Pflegekonzepten. Die Ergebnisse sind beeindruckend: geringerer Bewässerungsaufwand, höhere Aufenthaltsqualität und eine spürbare Verbesserung des Mikroklimas.

Doch der Weg zum Erfolg ist steinig. Zu den häufigsten Hürden zählen rechtliche Unsicherheiten, etwa bei der Nutzung von Regenwasser auf öffentlichen Flächen oder beim Bau dezentraler Versickerungsanlagen. Hinzu kommen wirtschaftliche Zwänge, die gerade in finanzschwachen Kommunen Investitionen in innovative Technik erschweren. Nicht zuletzt ist der kulturelle Wandel ein zentrales Problem: Die Bereitschaft, klassische Planungsmuster zu hinterfragen, ist vielerorts noch gering.

Ein weiteres Problemfeld ist die Fragmentierung der Zuständigkeiten. Wasser, Grün, Bau, Verkehr – all diese Bereiche sind in der Verwaltung oft streng getrennt. Das führt dazu, dass innovative Gesamtkonzepte an Ressortgrenzen scheitern oder im Dickicht der Zuständigkeiten versanden. Interdisziplinäre Taskforces, wie sie etwa in Zürich oder Basel etabliert wurden, sind daher ein Schlüssel zum Erfolg. Sie bündeln Know-how, beschleunigen Entscheidungswege und sorgen dafür, dass die Planung unter Wasserstress nicht an den Realitäten des Behördenalltags scheitert.

Interdisziplinäre Kooperation und Digitalisierung: Der Weg zur resilienten Wasserstadt

Die Zukunft der Planung unter Wasserstress wird von zwei Faktoren maßgeblich bestimmt: interdisziplinärer Zusammenarbeit und der intelligenten Nutzung digitaler Technologien. Nur wenn Wasserwirtschaft, Stadtplanung, Landschaftsarchitektur, Technik und Verwaltung an einem Strang ziehen, können die komplexen Herausforderungen der Dürreperioden bewältigt werden. Die isolierte Lösung einzelner Teilprobleme ist zum Scheitern verurteilt – gefragt sind systemische Ansätze, die alle Maßstabsebenen und Akteursgruppen einbeziehen.

Eine zentrale Rolle spielen dabei digitale Werkzeuge, die es ermöglichen, Wasserflüsse, Verdunstungsraten und Bewässerungsbedarfe in Echtzeit zu erfassen und zu steuern. Digitale Zwillinge von Quartieren oder ganzen Städten können Szenarien durchspielen, Maßnahmen simulieren und die Auswirkungen von Dürreperioden sichtbar machen – eine Revolution für die klassische Planung. Voraussetzung ist allerdings eine offene Datenkultur und die Bereitschaft zur partizipativen Auswertung der Ergebnisse.

Auch im Bereich Governance sind neue Wege gefragt. Wasserstress ist nicht nur ein technisches, sondern vor allem ein politisches und soziales Thema. Erfolgreiche Projekte zeigen, dass Bürgerbeteiligung und transparente Entscheidungsprozesse Akzeptanz und Innovationskraft stärken. Nur wenn Wasserstrategien frühzeitig kommuniziert und gemeinsam entwickelt werden, lassen sich Konflikte entschärfen und Synergien heben.

Die Digitalisierung eröffnet zudem neue Möglichkeiten für die adaptive Steuerung von Bewässerung, die Priorisierung von Wasserressourcen und die frühzeitige Erkennung von Trockenstress. Sensoren in Grünflächen, automatisierte Wetterprognosen und KI-gestützte Wassermanagement-Systeme sind längst keine Zukunftsmusik mehr. Sie helfen, das knappe Gut Wasser punktgenau und effizient einzusetzen – und machen die Stadt fit für die nächste Dürreperiode.

Schließlich erfordert die Planung unter Wasserstress auch ein neues Selbstverständnis der Planer. Nicht mehr das starre Festhalten an alten Routinen, sondern die Lust am Experiment, der Mut zum Perspektivwechsel und die Freude an der interdisziplinären Kooperation werden zum Erfolgsfaktor. Wer bereit ist, die Grenzen klassischer Disziplinen zu überschreiten, kann die resiliente Wasserstadt von morgen gestalten – und zum Vorbild für andere werden.

Perspektiven und Ausblick: Die resiliente Stadt im Zeichen des Wasserwandels

Die Herausforderungen des Wasserstresses werden in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Längere Dürreperioden, unregelmäßige Niederschläge und steigende Temperaturen sind keine vorübergehenden Ausreißer, sondern die neue Normalität urbaner Entwicklung. Doch in jeder Krise steckt auch eine Chance: Städte, die jetzt in kluge, integrative und zukunftsweisende Wasserstrategien investieren, können nicht nur den Folgen des Klimawandels trotzen, sondern auch Lebensqualität und Innovationskraft massiv steigern.

Eine resiliente Stadt der Zukunft denkt Wasser nicht mehr als lästiges Nebenprodukt, sondern als zentrales Gestaltungselement. Wasserflächen, begrünte Dächer, offene Retentionsräume und smarte Bewässerungssysteme werden zum festen Bestandteil urbaner DNA. Die Planung erfolgt nicht mehr linear und sektoriert, sondern vernetzt und adaptiv – gestützt von digitalen Werkzeugen, partizipativen Prozessen und interdisziplinären Teams.

Für Planer, Architekten und Stadtverwaltungen bedeutet das: Der Blick in die Zukunft erfordert Mut zum Diskurs, Lust am Experiment und die Bereitschaft, bewährte Routinen zu hinterfragen. Wer heute den Grundstein für eine wasserbewusste Stadtentwicklung legt, wird morgen mit resilienten, lebenswerten und attraktiven Stadträumen belohnt – und kann zugleich einen Beitrag zum globalen Klimaschutz leisten.

Die nächsten Jahre werden zeigen, welche Städte zu Vorreitern werden und welche im Rückspiegel der Geschichte verschwinden. Klar ist: Planung unter Wasserstress ist keine Kür, sondern Pflicht – und die Königsdisziplin für alle, die Stadt und Landschaft mit Anspruch, Leidenschaft und Verantwortung gestalten wollen.

Der Wandel ist unausweichlich. Aber er bietet die Chance, das urbane Leben neu zu denken – und die Stadt als resilientes, wasserbewusstes und zukunftsfähiges System zu gestalten. Wer jetzt handelt, gestaltet nicht nur Räume, sondern Zukunft. Alles andere ist gestern.

Zusammenfassung:
Wasserstress ist zur zentralen Herausforderung für die Stadt- und Landschaftsplanung im deutschsprachigen Raum geworden. Dürreperioden, veränderte Niederschlagsmuster und steigende Temperaturen zwingen Planer, Verwaltung und Politik zu einem radikalen Umdenken. Die Palette an Lösungsansätzen reicht von Schwammstadt-Konzepten über innovatives Regenwassermanagement bis zu digitalen Zwillingen und smarter Sensorik. Erfolgreiche Beispiele aus Wien, Mannheim oder Zürich zeigen, dass interdisziplinäre Kooperation, Governance-Innovationen und Bürgerbeteiligung der Schlüssel zum Erfolg sind. Die größten Hürden bleiben rechtliche Unsicherheiten, wirtschaftliche Zwänge und das Festhalten an traditionellen Routinen. Doch die Transformation ist unausweichlich: Wer heute Wasser als zentrales Gestaltungselement begreift, schafft die resiliente Stadt von morgen – und setzt neue Maßstäbe für nachhaltige, lebenswerte und zukunftsfähige Urbanität.

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Eine crossmediale Ausstellung im Besucherzentrum der IGA Berlin ergänzt den Gartenschau-Tag mit kurzweiligen Informationen.

“Please think!” Diese sehr deutliche Botschaft des Landschaftsarchitekten Tom Stuart-Smith (Großbritannien) macht sich auch die Ausstellung im Besucherzentrum der IGA zu eigen, in der die Dokumentation über dessen „Landscape out of nothing“ zu sehen ist. Im Video spricht der Gestalter eines der Gartenkabinette der IGA über seine Ansprüche und die Rolle der Besucher.

Eine crossmediale Ausstellungsskulptur ermöglicht es jedem IGA-Besucher, einen individuellen Parcours zu den historischen und kreativen Entstehungsprozessen der Gärten – von der 1987 eröffneten Berliner Gartenschau bis zur IGA 2017 – zu gestalten. Organisiert auf drei Ebenen, ergänzt diese Skulptur für Groß und Klein das, was man beim IGA-Besuch gesehen hat.

Videos, Fotos, Memotafeln und Originalobjekte dokumentieren den gestalterischen Ansatz, die Entwicklung der gesamten Anlage und auch die Kunst auf der IGA. Gelungen ist die Mischung unterschiedlicher Ausstellungsformen wie zum Beispiel das Video zum chinesischen Mondfest (wieder am 23. September 2017 auf der IGA), die japanischen Bauarbeiterschuhe, das Modell zum „Los Angeles Garden“ des deutschen Künstlers Martin Kaltwasser oder die Künstler- und Planerprofile. Erläuterungen zu religiös und kulturell bedingten Symbolen, die in den Gärten zu finden sind, ergänzen alles gekonnt.

Aus dieser Interaktion ist eine Ausstellung entstanden, die es schafft, Landschaftsarchitektur auf einfache, verständliche Weise und zugleich feinsinnig zu vermitteln. Sie wurde sehr kurzweilig sowohl graphisch als auch inhaltlich von der Berliner Agentur Moniteurs in Zusammenarbeit mit der Berliner Landschaftsarchitektin und Filmemacherin Susanne Isabel Yacoub aufbereitet. Diese Form der Präsentation ist nachahmenswert, bedenkt man die langjährigen Anstrengungen, eine breite Öffentlichkeit für die Profession zu erreichen.

Bedauerlich ist, dass diese kleine, sehr gelungene Ausstellung im Besucherzentrum in unmittelbarer Nachbarschaft zu den kommerziellen Angeboten der IGA ihre Wirkung nicht angemessen entfalten kann, trotz Frontverglasung, die zeitgleich den Ausblick in den Park ermöglicht.

Dr. Isabel Zintl und Dr. Katharina Voigt sind die Gründerinnen und Leiterinnen der Akademie für Raum und Wandel. © Frédéric Henry, 2024

Dr. Isabel Zintl und Dr. Katharina Voigt streben einen Wandel in der Planungspraxis an. Um diesen voranzutreiben, haben die beiden Frauen Anfang des Jahres die Akademie für Raum und Wandel gegründet. Mehr zu den Hintergründen und ihren Visionen für die Zukunft, lesen Sie hier. 

„Aktuell stehen wir vor großen globalen Herausforderungen: Themen der Bauwende sowie gesellschaftliche Veränderungen stellen drängende Fragen für unsere Zukunft und fordern ein verändertes Welt- und Selbstverständnis“, sind sich Dr. Isabel Zintl und Dr. Katharina Voigt einig. Zintl ist studierte Landschaftsarchitektin und Architektin, promovierte zu ‚Vertikalen Freiräumen‘ und arbeitet heute als Nachhaltigkeitsexpertin für strategische Stadt- und Freiraumentwicklung und als Mentorin. Voigt ist Architektin, Choreografin für zeitgenössischen Tanz und beschäftigte sich in ihrer Promotion mit dem Thema ‚Impulse und Dialoge zwischen Architektur und Körper’. Aus dem Bedürfnis, Wandel in der Planungsbranche aktiv zu gestalten, gründeten sie Anfang 2024 die Akademie für Raum und Wandel, die mit dem Herbstprogramm ab September in ihre erste Saison startet. Dabei kollaborieren sie mit einer Vielzahl an Dozent*innen, die in diesem neuen Kontext des Lernens und der Veränderung ihre Expertise teilen.

Zeit für einen Paradigmenwechsel

Trotz ihres starken akademischen Hintergrunds siedeln Zintl und Voigt ihre Plattform jenseits des klassischen Hochschulkontextes an. Dies resultiert laut Voigt aus der Erkenntnis, dass lebenslanges Lernen auch in späteren Lebensphasen essenziell, die Angebote zur Weiterbildung jedoch oft begrenzt und stark getrennt zwischen persönlicher, gesellschaftlicher und beruflicher Entwicklung seien. Im Bewusstsein dieses Defizits machen sich Voigt und Zintl für neue Lehr- und Lernformen, Möglichkeiten der Vernetzung, Austausch auf Augenhöhe und das Eröffnen neuer Themenfelder für die Planungsdisziplinen stark. Die Vision der Akademie für Raum und Wandel ist dabei klar: „Es geht uns um nicht weniger, als um einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Planungspraxis, der Auffassung von Raum und Wandel und dem Gestalten einer wirklich nachhaltigen gebauten Lebenswelt.“

Bei den Summerschools in der Fonte della Luna in Ligurien wird im Garten mit angepackt. © Carolin Kemkes-Günner
Bei den Summerschools in der Fonte della Luna in Ligurien wird im Garten mit angepackt. © Carolin Kemkes-Günner

Nachhaltigkeit in allen Bereichen

Für Zintl resultiert dieser ganzheitliche Ansatz auch aus ihrer jahrelangen Erfahrung als Mutter und Frau in der Baubranche: „Aus meiner Sicht, kann die notwenige »Bauwende« nicht heißen weniger abzureißen und zu betonieren, es geht auch darum zu erkennen, wie wir als Planer:innen arbeiten und leben. Denn wirkliche Nachhaltigkeit betrachtet alle Bereiche, denn auch die eigene Arbeitskraft sollte nachhaltig eingesetzt werden.“ Es sei zu beobachten, dass viele Menschen – vor allem Frauen und Mütter – wegen der Unvereinbarkeit von Privatleben und Beruf die Planungspraxis verließen. Zu viel Stress, Burnout, schlechte Bezahlung oder veraltete Machtstrukturen in den Büros seien einerseits Gründe, aus dem Beruf auszuscheiden. Doch auch moralische Fragen nach der Nachhaltigkeit der eigenen Arbeit beschäftigten heute vermehrt Arbeitnehmer*innen.

Die Akademie fördert den Austausch im digitalen und physischen Raum und will Personen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenbringen.  © Dr. Isabel Zintl
Die Akademie fördert den Austausch im digitalen und physischen Raum und will Personen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenbringen. © Dr. Isabel Zintl

Akademie für Raum und Wandel im digitalen und physischen Raum

In der Aushandlung dieser Herausforderungen und Widersprüche setzt das Angebot der Akademie an. Dabei stehen drei Felder im Mittelpunkt, in denen Zintl und Voigt einen Paradigmenwechsel anstreben: Systeme ganzheitlich statt als Einzellösungen zu betrachten, das Verständnis von Raum und Wandel zu erneuern und das Selbstverständnis von Planer*innen zu hinterfragen. Denn Person und berufliches Wirken sind für Zintl und Voigt eng verzahnt: „Wie kann man menschliche, lebenswerte und nachhaltige Räume planen, wenn diese Absicht und Regel für einen selbst nicht gilt?“

Die Akademie für Raum und Wandel will deshalb vieles anders machen und neu denken. Derzeit passierten der Austausch und die Vermittlung vor allem in Form von Workshops, Seminaren und Ausbildungen als niederschwellige Online-Angebote. Eingeladen sind alle Altersgruppen und Berufssparten der Planungspraxis, entscheidend seien Interesse, nicht eine bestimmte Vorbildung. Auch die Hintergründe der Dozent:innen sind divers. Neben dem digitalen Programm, liegt ein weiterer Fokus auf Summerschools an der Fonte della Luna in der Nähe von Genua.

Die Resonanz auf das Projekt sei schon jetzt groß. Für die Zukunft wünschen sich die Gründerinnen „dass immer mehr Teilnehmer:innen die Einladung annehmen, die Akademie für Raum und Wandel als einen neuartigen Ort  des Lernens und der Veränderung für sich nutzen und nachhaltig Neues schaffen – in der Welt und im eigenen Leben.“

Alle Informationen zur Akademie für Raum und Wandel, zum aktuellen Programm und zur Mitwirkung finden Sie hier.

Weiterlesen: Latz + Partner gestaltete die Freianlagen des Dombergs in Freising neu. Was das Projekt auszeichnet, erklären Iris Dupper und Tilman Latz im Interview.