Was ist ein Positional Encoding – Zeit und Ort im Sprachmodell

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Atemberaubende Luftaufnahme einer nachhaltigen Stadtlandschaft in der Schweiz mit Fluss, fotografiert von Carrie Borden

Positional Encoding: Klingt zunächst nach mathematischer Tüftelei, ist aber der stille Held moderner Sprachmodelle. Wenn künstliche Intelligenz heute Texte versteht – und damit auch Stadtplanung, Landschaftskonzepte oder Bürgerbeteiligung revolutioniert –, dann ist das nur dank eines kleinen, aber genialen Tricks möglich. Zeit und Ort werden im Sprachmodell sichtbar gemacht. Wer wissen will, wie die KI Kontext, Reihenfolge und Bedeutung verknüpft, muss Positional Encoding verstehen. Ohne diese Technik bleibt maschinelles Verstehen Stückwerk – mit ihr aber wird aus Daten Sprache, aus Sprache Wissen und aus Wissen smarte Stadtentwicklung.

  • Definition und Grundlagen von Positional Encoding in Sprachmodellen
  • Warum Zeit und Ort für künstliche Intelligenz essenziell sind
  • Mathematische Prinzipien hinter der Technik – verständlich erklärt
  • Praxisbeispiele für die Anwendung in Stadtplanung und Urbanismus
  • Vergleich zu klassischen Methoden der Textverarbeitung und deren Grenzen
  • Wie Positional Encoding die Tür zu Kontextverständnis und semantischer Tiefe öffnet
  • Chancen und Risiken für Stadtentwickler, Planer und Landschaftsarchitekten
  • Ausblick auf die nächste Generation KI-gestützter Planungswerkzeuge
  • Warum dieses Wissen für zukunftsorientierte Planungsbüros unverzichtbar ist

Was ist Positional Encoding? Kontext als Schlüssel zur Sprachintelligenz

Wer die aktuelle Debatte rund um künstliche Intelligenz und Sprachmodelle verfolgt, stolpert unweigerlich über den Begriff „Positional Encoding“. Doch was verbirgt sich hinter diesem sperrigen Ausdruck? In der Welt der neuronalen Netze, insbesondere bei sogenannten Transformer-Modellen, ist Positional Encoding das entscheidende Werkzeug, um Sprache nicht nur als chaotische Abfolge von Wörtern, sondern als strukturierte, kontextabhängige Information zu erfassen. Während traditionelle KI-Modelle einzelne Wörter oft isoliert betrachten – wie Perlen auf einer Kette, deren Reihenfolge nur bedingt eine Rolle spielt –, erkennt das Positional Encoding die wahre Bedeutung von Zeit und Ort im Text.

Im Kern geht es darum, den Modellen beizubringen, dass „Der Planer entwirft das Konzept“ nicht dasselbe ist wie „Das Konzept entwirft den Planer“. Die Reihenfolge entscheidet über die Semantik, und genau hier greift das Positional Encoding ein. Es verleiht jedem Wort im Satz eine eigene „Positionsnummer“, die mathematisch so codiert wird, dass das Modell versteht, wie Wörter zueinander stehen. Diese Information wird in Form von Vektoren, also Zahlenreihen, in das neuronale Netz eingespeist. Das Ergebnis: Aus der Abfolge von Zeichen wird ein lesbarer, interpretierbarer Kontext.

Für die Anwendung in urbaner Planung, Landschaftsarchitektur oder Stadtentwicklung ist dieses Prinzip von enormer Bedeutung. Denn Planungsprozesse, Bürgerdialoge oder politische Debatten leben davon, dass Informationen in einer bestimmten Reihenfolge und mit bestimmten Beziehungen präsentiert werden. Ein Sprachmodell, das diese Ordnung nicht erkennt, würde zwangsläufig an der Realität vorbeireden. Positional Encoding sorgt dafür, dass digitale Sprachassistenten, KI-gestützte Beteiligungstools und smarte Planungssysteme die Komplexität menschlicher Sprache überhaupt erst erfassen können.

Die Brillanz dieser Methode liegt in ihrer Einfachheit und Eleganz. Statt komplizierte Hierarchien oder manuelle Regeln zu definieren, nutzt Positional Encoding mathematische Funktionen – etwa Sinus und Kosinus –, um jeder Position einen eindeutigen Fingerabdruck zu verleihen. So weiß das Modell jederzeit, ob ein Begriff am Anfang, in der Mitte oder am Ende eines Satzes steht. Das ist weit mehr als ein technischer Kniff: Es ist die Grundlage für echtes Sprachverständnis.

Am Ende des Tages ist Positional Encoding der unsichtbare Dirigent im Orchester der künstlichen Intelligenz. Ohne ihn wäre das Spiel der Sprachmodelle ein chaotisches Durcheinander, bei dem die feinen Nuancen urbaner Fragestellungen verloren gingen. Mit ihm aber können Planer, Architekten und Entwickler sicherstellen, dass digitale Systeme den roten Faden behalten – und damit die Qualität der Stadt von morgen sichern.

Die Mechanik hinter dem Zauber: Wie Positional Encoding die Reihenfolge sichtbar macht

Um das Wesen von Positional Encoding wirklich zu verstehen, lohnt sich ein Blick unter die Haube der Transformer-Architektur. Diese Modellklasse hat in den letzten Jahren die Verarbeitung natürlicher Sprache revolutioniert. Doch warum war das überhaupt nötig? Klassische neuronale Netze, insbesondere rekurrente Netze (RNNs), konnten zwar mit Sequenzen umgehen, litten jedoch unter dem Problem des „Vergessens“: Je länger der Text, desto weniger Einfluss hatten frühere Wörter auf das Verständnis späterer. Die Folge: Kontext ging verloren, komplexe Planungsprozesse oder mehrschichtige Argumentationen wurden unverständlich.

Transformer-Modelle gehen einen anderen Weg. Sie verarbeiten alle Wörter eines Textes gleichzeitig und nutzen dabei sogenannte „Attention“-Mechanismen, um Beziehungen zwischen allen Wortpaaren zu erkennen. Klingt clever – hat aber einen Haken: Ohne weitere Informationen wüsste das Modell nicht, in welcher Reihenfolge die Wörter stehen. Genau hier kommt Positional Encoding ins Spiel. Es ergänzt jede Wortrepräsentation mit einer zusätzlichen Zahlenreihe, die die Position des Wortes im Satz eindeutig markiert. Diese Zahlen werden nicht willkürlich vergeben, sondern folgen einer mathematischen Logik, meist auf Basis periodischer Funktionen wie Sinus und Kosinus unterschiedlicher Frequenz.

Das klingt erstmal nach mathematischem Hokuspokus, ist aber für Profis in Planung und Architektur durchaus nachvollziehbar. Ähnlich wie beim räumlichen Modellieren – etwa in einem GIS-System – braucht das Sprachmodell eine Art Koordinatensystem, um Zusammenhänge zu erkennen. Positional Encoding stellt dieses Koordinatensystem bereit. Die Position jedes Wortes wird als Vektor dargestellt, der mit der eigentlichen Wortbedeutung verrechnet wird. Das Netz kann so nicht nur Wörter erkennen, sondern auch deren Reihenfolge und relative Lage im Satz.

Für die Praxis bedeutet das: Ein KI-Modell, das beispielsweise einen städtebaulichen Entwurf analysiert, erkennt Unterschiede zwischen „Die Grünfläche wird erhalten“ und „Erhalten wird die Grünfläche“ – auch wenn die Wortwahl ähnlich ist. In Bürgerbeteiligungsprozessen, bei denen die Reihenfolge von Argumenten oder die logische Kette von Vorschlägen entscheidend ist, sorgt Positional Encoding für Klarheit und Nachvollziehbarkeit. Das Ergebnis: Bessere Analysen, präzisere Empfehlungen und eine neue Qualität der digitalen Stadtplanung.

Es ist kein Zufall, dass die führenden KI-Systeme von OpenAI, Google oder DeepMind allesamt auf Transformer-Architekturen setzen. Und es ist ebenso wenig Zufall, dass die nächste Generation smarter Planungstools auf genau diese Prinzipien zurückgreifen wird. Wer heute wissen will, wie aus Daten kluge Entscheidungen werden, sollte Positional Encoding als Teil des eigenen Werkzeugkastens begreifen – nicht als nerdige Spielerei, sondern als fundamentale Infrastruktur für die Stadt von morgen.

Von der Theorie zur Praxis: Positional Encoding in der Stadtplanung und Landschaftsarchitektur

Jetzt wird es konkret: Wie profitieren urbane Räume und ihre Planer von den Errungenschaften des Positional Encoding? Zunächst eröffnet die Technik ganz neue Möglichkeiten für die Verarbeitung großer, komplexer Textmengen – beispielsweise bei der Auswertung von Bürgerbeteiligungen, der Analyse von Bebauungsplänen oder der automatischen Kategorisierung von Planungsvorhaben. Sprachmodelle mit Positional Encoding können nicht nur einzelne Begriffe, sondern ganze Argumentationsstrukturen erkennen. Das ist ein echter Fortschritt für alle, die mit dialogbasierten Prozessen arbeiten.

Nehmen wir das Beispiel einer digitalen Bürgerbeteiligung zur Umgestaltung eines Stadtplatzes. Hundertfach gehen Vorschläge, Kritikpunkte und Wünsche ein – in Freitextform, unsortiert, oft mehrdeutig. Ein herkömmliches Textanalyse-Tool würde vielleicht Schlagworte zählen, aber keine Zusammenhänge erkennen. Mit Positional Encoding hingegen kann das Modell ableiten, welche Argumente aufeinander aufbauen, welche Reihenfolgen wichtige Sachverhalte hervorheben und wie komplexe Kausalitäten im Diskurs entstehen. Das Ergebnis: Mehr Transparenz, bessere Auswertung und eine solidere Grundlage für nachvollziehbare Planung.

Auch in der Landschaftsarchitektur spielt Positional Encoding eine immer größere Rolle. Bei der Analyse von Wettbewerbstexten, Gutachten oder städtebaulichen Rahmenplänen muss das KI-System nicht nur einzelne Empfehlungen erkennen, sondern auch verstehen, in welchem Kontext sie stehen. Das ist entscheidend, wenn es um Prioritätensetzung, Konfliktpotenziale oder Synergieeffekte geht. Ein KI-gestütztes Planungstool, das Positional Encoding nutzt, kann Hinweise zu Klimaanpassung, Biodiversität oder Verkehrsführung nicht nur erfassen, sondern auch im Kontext ihrer Reihenfolge und logischen Einbettung bewerten.

Darüber hinaus ermöglicht Positional Encoding die Entwicklung völlig neuer Werkzeuge für die Simulation von Planungsszenarien. Sprachmodelle können etwa automatisch Entwürfe beschreiben, Alternativvorschläge generieren oder komplexe Planungsprozesse dokumentieren – stets mit Blick auf die Reihenfolge und Abhängigkeiten der einzelnen Schritte. Das hebt die digitale Planungsunterstützung auf ein neues Level: aus reinem Datenmanagement wird ein dialogischer, kreativer Prozess, der menschliche Expertise und maschinelle Intelligenz verbindet.

Die eigentliche Revolution liegt jedoch darin, dass Positional Encoding auch für die Zukunftsfähigkeit der Planung steht. Nur wer versteht, wie Sprache, Reihenfolge und Bedeutung zusammenhängen, kann smarte, partizipative und resiliente Städte gestalten. Dabei ist das Wissen um diese Techniken kein Luxus – es ist die Voraussetzung, um in der digitalen Transformation nicht den Anschluss zu verlieren.

Kritische Betrachtung: Chancen, Risiken und die Zukunft des Sprachverständnisses in der Planung

Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Positional Encoding eröffnet zwar neue Horizonte, wirft aber auch Fragen auf. Wer entscheidet, welche Reihenfolge im Diskurs zählt? Wie geht das Modell mit Mehrdeutigkeiten, Ironie oder kulturellen Unterschieden um? Und welche Risiken entstehen, wenn KI-Systeme auf Basis von Positionsdaten Empfehlungen aussprechen, die von Planern als bindend wahrgenommen werden? Hier sind kritische Reflexion und professionelle Skepsis gefragt. Denn auch das beste Positional Encoding kann den Faktor Mensch nicht ersetzen – es kann ihn nur unterstützen.

Ein weiteres Problemfeld ist die Kommerzialisierung von Sprachmodellen und deren Einsatz in sensiblen Planungsprozessen. Wenn große Tech-Konzerne die Deutungshoheit über Positional Encodings und deren Anwendung behalten, könnten algorithmische Verzerrungen entstehen. Das betrifft vor allem Diskurse, in denen Machtverhältnisse, Beteiligung und Transparenz eine Rolle spielen. Für die Praxis heißt das: Planungsbüros und Verwaltungen sollten sich nicht blind auf die Ergebnisse KI-basierter Analysen verlassen, sondern diese stets kritisch prüfen und mit eigener Expertise abgleichen.

Dennoch überwiegen die Vorteile. Sprachmodelle mit Positional Encoding sind in der Lage, komplexe Texte schneller, genauer und nachvollziehbarer zu analysieren als jedes herkömmliche Verfahren. Sie schaffen damit eine neue Qualität der Entscheidungsgrundlage – sei es bei Bürgerentscheiden, Planungswettbewerben oder städtebaulichen Entwicklungsprojekten. Das entlastet nicht nur die Akteure vor Ort, sondern eröffnet auch neue Räume für Innovation und Beteiligung.

Die Zukunft des Positional Encoding liegt in der Kombination aus technischer Präzision und menschlicher Urteilskraft. Je besser Planer, Architekten und Stadtentwickler die Funktionsweise dieser Technik verstehen, desto gezielter können sie sie einsetzen – und desto souveräner können sie ihre Rolle im digitalen Wandel behaupten. Dabei gilt: Die besten Ergebnisse entstehen dort, wo Maschinen und Menschen gemeinsam denken, lernen und gestalten.

Es ist also höchste Zeit, Positional Encoding nicht länger als Black Box zu betrachten, sondern als Chance für mehr Kontext, Tiefe und Verständlichkeit in der digitalen Planung. Wer mutig genug ist, sich auf diese Technik einzulassen, wird nicht nur effizienter, sondern auch kreativer und demokratischer planen können. Die Stadt von morgen braucht beides: technologische Exzellenz und menschliche Urteilskraft.

Fazit: Positional Encoding – das unsichtbare Rückgrat smarter Stadtplanung

Am Ende dieses Deep Dives zeigt sich: Positional Encoding ist weit mehr als ein technisches Detail im Maschinenraum der künstlichen Intelligenz. Es ist der Schlüssel zu echtem Sprachverständnis, Kontextsensitivität und semantischer Tiefe – und damit zur Zukunft der digitalen Stadtplanung und Landschaftsarchitektur. Ohne diese Technik bleibt KI ein stotternder Papagei, unfähig, die feinen Nuancen urbaner Diskurse zu erfassen. Mit ihr aber werden Sprachmodelle zu echten Partnern im Planungsprozess, die Komplexität durchdringen, Zusammenhänge erkennen und neue Horizonte eröffnen.

Die Herausforderungen sind real: Datensouveränität, algorithmische Fairness und Transparenz müssen von Anfang an mitgedacht werden. Doch die Chancen sind größer. Wer heute die Grundlagen des Positional Encoding beherrscht, kann morgen intelligente Assistenzsysteme, smarte Beteiligungstools und adaptive Planungsszenarien gestalten – und damit die Stadt von morgen aktiv mitprägen. In einer Zeit, in der Geschwindigkeit, Partizipation und Nachhaltigkeit immer wichtiger werden, ist das Wissen um diese Technik ein echter Wettbewerbsvorteil. Denn die Zukunft gehört denen, die Sprache nicht nur sprechen, sondern verstehen – mit allen ihren Schichten, Bedeutungen und Beziehungen. Genau das ermöglicht Positional Encoding. Und genau deshalb sollte es im Werkzeugkasten jedes zukunftsorientierten Planers seinen festen Platz haben.

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Der Overlook Walk in Seattle: Eine beeindruckende Verbindung zwischen der Waterfront und dem Pike Place Market, mit herrlichem Blick auf die Elliott Bay und moderner Architektur.Foto:Tim Rice

Seattle nähert sich dem Wasser an: Die Metropole im Nordwesten der USA hat mit dem Overlook Walk einen neuen Park direkt am Meer erhalten, gestaltet von Field Operations. Dieser neue Weg in luftiger Höhe verbindet den historischen Pike Place Market mit dem Aquarium der Stadt, dem Pier 62, dem Waterfront Park und der Elliott Bay.

Dort, wo sich früher das Viadukt der Alaskan Way Bahnlinie befand, gibt es nun einen neuen Fußgängerweg in Seattle. Das alte Viadukt wurde demoliert, um den Zugang zum Wasser zu verbessern. Der Overlook Walk überbrückt etwa 30 Meter Höhe zwischen dem Pike Place Market und der Küste. So ermöglicht der grüne Pfad nicht nur die Fußgängerverbindung, sondern bietet auch schöne 360-Grad-Blicke in das Stadtzentrum von Seattle sowie in Richtung der Olympischen Berge im Westen und Mount Rainier im Süden. Der neue Pavillon des Aquariums, designt von LMN Architects, ist ebenfalls Teil des Designs: Dort ist ein Dachgarten mit Blick auf die Stadt entstanden.

Zurückeroberung des Hafenviertels

Die Stadt Seattle arbeitet schon lange daran, den Zugang zur Uferpromenade zu verbessern. Dafür wird das zentrale Hafengebiet umgestaltet, was dabei hilft, die Stadt wieder mit der Elliott Bay zu verbinden. Die Beseitigung des Alaskan Way Viaduktes, das lange eine Grenze darstellte, war dafür essenziell.

Das Architekturbüro Field Operations aus New York City hat den Overlook Walk entworfen, ein neues Ziel für Fußgänger. Er verbindet den historischen Pike Place Market mit dem Seattle Aquarium, dem Pier 62, dem Waterfront Park und der Elliott Bay. Damit ist er Teil des Rahmenplans für „Waterfront Seattle“, der schon seit 2010 besteht. Field Operations ist gemeinsam mit Jacobs, einem Unternehmen für Projektmanagement und Bauingenieurswesen, für die Gestaltung von insgesamt 2,4 Kilometer Uferpromenade zuständig. 26 Stadtblöcke sind Teil des weitreichenden städtebaulichen Plans, der die Geschichte des Geländes als Hafengebiet, die physischen Gegebenheiten des Standorts sowie die Geschichte der Ureinwohner*innen und die aktuelle urbane Kulturlandschaft berücksichtigt.

Der Overlook Walk ist ein wichtiges Puzzleteil für diesen Plan, denn er ermöglicht es den Anwohnenden, ihr Hafenviertel wieder zurückzuerobern. Dank der neuen Infrastruktur und des neuen öffentlichen Raums entstehen wichtige Verbindungen, die den Zugang zur Uferpromenade erlauben. „Ein Hafenviertel für alle“ ist der Slogan des Rahmenplans, der mit einem multidisziplinären Team aus Ingenieur*innen, Ökolog*innen, Künstler*innen und Kunstberater*innen, Grafik- und Identitätsdesigner*innen, Architekt*innen und Verkehrsberater*innen entworfen wurde.

Der Overlook Walk in Seattle verbindet den historischen Pike Place Market mit der Elliott Bay und symbolisiert die Rückeroberung des Hafenviertels. Diese neue Fußgängerzone ist Teil des umfassenden Projekts ‚Waterfront Seattle‘, das den Zugang zur Uferpromenade verbessert und die Stadt mit ihrer Küste neu verknüpft. Foto: Lara Swimmer
Der Overlook Walk in Seattle verbindet den historischen Pike Place Market mit der Elliott Bay und symbolisiert die Rückeroberung des Hafenviertels. Diese neue Fußgängerzone ist Teil des umfassenden Projekts ‚Waterfront Seattle‘, das den Zugang zur Uferpromenade verbessert und die Stadt mit ihrer Küste neu verknüpft. Foto: Lara Swimmer

Integration eines Dachgartens

Am 4. Oktober 2024 eröffnete der Bürgermeister von Seattle, Bruce Harrell, die neue Brückenverbindung. Als erhöhter öffentlicher Park schafft der Overlook Walk wichtigen Raum für Fußgänger*innen, die sich zwischen dem Hafenviertel und dem Stadtkern bewegen. Er stellt ein neues Wahrzeichen für Seattle dar und bietet weite Blicke auf die Bucht, auf Spielplätze, neue öffentliche Plätze sowie üppig bepflanzte Gärten. Sitzgelegenheiten bieten die Möglichkeit, sich zwischendurch auszuruhen und die Aussicht zu genießen.

Ein Highlight auf dem Weg ist der Dachgarten auf dem neuen Seattle Aquarium Ocean Pavilion, ebenfalls von Field Operations geplant und gestaltet von Miller Hull Partnership. Dabei lag ein Fokus darauf, den Garten in den Overlook Walk zu integrieren. Die einheimische Bepflanzungspalette des Dachgartens erinnert an die traditionellen Wälder im Puget Sound-Gebiet. Auch die dramatischen Salish Steps, die steil abfallen und so ein geschütztes Amphitheater mit Blick auf die Elliott Bay kreieren, sind sehenswert.

Der Overlook Walk hat insgesamt 70 Millionen US-Dollar (64,4 Millionen Euro) gekostet. Der Bau begann im Sommer 2022. Seit Anfang Oktober ist der Walk täglich von 7 Uhr morgen bis 22 Uhr geöffnet.

Der Overlook Walk in Seattle: Ein neuer öffentlicher Park mit Dachgarten und atemberaubendem Blick auf die Elliott Bay. Diese Visualisierung zeigt die Integration des grünen Raums und der Salish Steps, die das Hafenviertel mit dem Stadtkern verbinden und einen einzigartigen Erholungsort schaffen. Visual: Field Operations
Der Overlook Walk in Seattle: Ein neuer öffentlicher Park mit Dachgarten und atemberaubendem Blick auf die Elliott Bay. Diese Visualisierung zeigt die Integration des grünen Raums und der Salish Steps, die das Hafenviertel mit dem Stadtkern verbinden und einen einzigartigen Erholungsort schaffen. Visual: Field Operations

Verbindung von Raum und Menschen

Der Bau des Hafenviertels von Seattle ist schon seit 2010 in Arbeit. Erste Ergebnisse waren 2017 mit der Eröffnung des Elliott Bay Seawall Projektes im Jahr 2017. Auch der Pioneer Square Habitat Strand mit einem Lachswanderkorridor sowie Pier 62 (2020), die Promenade und der Elliott Way (2021) und die Union Street Fußgängerbrücken an der Union Way und der Marion Street sind wichtig. Die Gesamtfertigstellung ist für das Frühjahr 2025 geplant, denn noch fehlen Elemente wie die Parkpromenade, Pier 58 und Verbesserungen weiterer Ost-West-Verbindungen.

„Die Umgestaltung des gesamten zentralen Hafenviertels von Seattle darf nicht unterschätzt werden, was Ausmaß, Umfang und Ehrgeiz angeht. Es ist eine wirklich außergewöhnliche Leistung von Weltklasse, und der Overlook Walk ist der Dreh- und Angelpunkt und die Ikone des gesamten Projekts“, sagte James Corner, Founding Partner von Field Operations.

„Der Waterfront Park, insbesondere der Overlook Walk, wird ein dynamisches Wahrzeichen sein, das unsere Vergangenheit ehrt, den Innovationsgeist Seattles unterstreicht und jeden dazu einlädt, die natürliche Schönheit und die lebendige Kultur der Stadt zu erleben. Diese einmalige Umgestaltung stellt eine Verbindung von Raum und Menschen, da Besucher, Anwohner, Arbeiter und Familien nahtlose Verbindungen zwischen dem Stadtzentrum, dem Pike Place Market und dem gesamten Waterfront Park haben – dem Eingangstor zu unserer Region“, sagte der Bürgermeister von Seattle, Bruce Harrell.

Der Overlook Walk verbindet das Stadtzentrum mit dem Pike Place Market, einem ikonischen Ziel, das Teil der umfassenden Umgestaltung des Seattle Hafenviertels ist und eine nahtlose Verbindung zwischen Stadt und Waterfront schafft. Foto: Field Operations
Der Overlook Walk verbindet das Stadtzentrum mit dem Pike Place Market, einem ikonischen Ziel, das Teil der umfassenden Umgestaltung des Seattle Hafenviertels ist und eine nahtlose Verbindung zwischen Stadt und Waterfront schafft. Foto: Field Operations

Experten für erhöhte Parks

Field Operations ist ein Büro für Stadtplanung und Landschaftsarchitektur mit Sitz in New York City, das sich auf die Gestaltung, Widerstandsfähigkeit und Gerechtigkeit des öffentlichen Raums in Städten konzentriert. Es ist bekannt für überzeugendes zeitgenössisches Design in einer Vielzahl von Projekttypen und Maßstäben, von großen Stadtvierteln, Masterplänen und komplexen Planungsgebieten bis hin zu kleinen gut durchdachten, detaillierten Designprojekten.

Zu den wichtigen und weithin anerkannten Projekten gehören Gestaltung der New Yorker High Line, des Domino Park in Brooklyn, des Freshkills Park in Staten Island, Chicagos Navy Pier, San Franciscos Presidio Tunnel Tops und die Waterfront von Seattle.

Zwischennutzung: Alles, was Sie dazu wissen müssen

2021: Irrgarten als Zwischennutzung auf der Museumsbrache. Foto: Christine Moor, Bernisches Historisches Museum, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons
2021: Irrgarten als Zwischennutzung auf der Museumsbrache. Foto: Christine Moor, Bernisches Historisches Museum, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons

Die Zwischennutzung von Brachflächen ermöglicht es, neue Dinge an teils ungewöhnlichen Orten zu schaffen. So ist es möglich, Teilhabe und Innovation in der Stadt zu stärken. Jedoch stecken manchmal auch Probleme hinter der Zwischennutzung – hier lesen Sie mehr.

Was ist Zwischennutzung?

Dicht besiedelte deutsche Städte wie Hamburg und München bieten wenig Raum für Kulturschaffende und Initiativgruppen. Denn der große Wettbewerb um Platz bedeutet, dass vorhandene Räume meist teuer oder bereits anderweitig reserviert sind.

Hier kommt die Zwischennutzung ins Spiel. Sie bezeichnet die zeitlich beschränkte Nutzung von Gebäuden und Flächen in der Stadt. Diese Übergangsnutzungen haben meist kein wirtschaftliches Ziel. Das Prinzip lautet vielmehr „günstiger Raum gegen befristete Nutzung“. Auch „Bewachung durch Bewohnung“ ist eines der Ziele der Zwischennutzung.

Dabei hat sich der Begriff der Zwischennutzung in den letzten Jahren verändert. Bis in die 1990er-Jahre waren Zwischennutzende oft nur halblegal vor Ort. Entsprechend wurde die temporäre Nutzung von Gebäuden als Besetzung gesehen. Daher hatte die Praxis der Zwischennutzung lange einen eher negativen Ruf. Inzwischen haben sich die Vorhaben jedoch zu einem bauplanerischen Instrument entwickelt. Somit ist die Zwischennutzung schon lange nicht mehr nur alternativ und informell, sondern manchmal nachhaltig und in anderen Fällen auch profitabel.

In jedem Fall bleibt die Zwischennutzung zeitlich begrenzt. Sie hat ein Pop-up-Prinzip. Meistens ist die Zwischennutzung symbiotisch: Die Nutzenden erhalten einen Raum zur Verwirklichung ihrer Ideen, während die Besitzenden Leerstand und Vandalismus vermeiden.

Wie sieht die Übergangsnutzung in der Praxis aus?

In der Praxis kann die Zwischennutzung viele unterschiedliche Formen annehmen. Am besten lassen sich die Flächen als Experimentierflächen beschreiben. Sowohl kommerzielle als auch nicht-kommerzielle Formate lassen sich im Rahmen der Zwischennutzung realisieren. Beispielsweise sind Pop-Up Stores, Ateliers, Ausstellungsräume, Werkstätten, Kultur- und Begegnungsorte, Cafés und Gärten denkbar.

Häufig handelt es sich bei der temporären Nutzung von Flächen oder Gewerbeeinheiten um ungewöhnliche Orte für das jeweilige Projekt. So ist es möglich, kreative Prozesse und Partizipation zu fördern. Denn an den Orten kommen unterschiedlichste Menschen zusammen. Diese können gemeinsam innovative Ideen umsetzen. Dadurch entsteht ein spannendes Miteinander, das unter anderem die Nachbarschaft stärken kann.

Projekte, die eine Zwischennutzung darstellen, lassen sich gut an ihrem temporären Charakter erkennen. Selbst Läden weisen darauf hin, dass es sich um ein Pop-Up handelt. Foodtrucks oder andere fliegende Verkäufer sind ebenfalls nur kurze Zeit an einem Ort zu finden. Brachflächen oder ungenutzte Parkplätze bieten sich dafür sehr gut an.

Seebrache-Garten von Grün Stadt Zürich, Irisk12 via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0
Seebrache-Garten von Grün Stadt Zürich, Irisk12 via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0

Welche Vorteile bietet die Übergangsnutzung?

Zwischennutzungen städtischer Flächen dienen dazu, Projekten und Initiativen den notwendigen Freiraum für Experimente zu geben. Häufig fallen nur die Betriebskosten als Miete an. Insbesondere für junge Projekte handelt es sich dabei um eine entscheidende Bedingung. Denn gerade in größeren Städten sind Flächen in zentraler Lage andernfalls unerschwinglich.

Oft kommt es vor, dass sich mehrere Initiativen einen Raum in zwischenzeitlicher Nutzung teilen. So entstehen Möglichkeiten zur Vernetzung und Synergie. Zudem bergen die Flächen ein großes innovatives Potenzial. Auch gesellschaftliche Vorteile wie etwa mehr Kunst oder neue Märkte in der Umgebung sind zu beobachten. Projekte, die derzeit noch nicht ökonomisch profitabel sind, erhalten an zentralen Orten dank Zwischennutzung viel Sichtbarkeit.

Für die Eigentümer*innen der Flächen reduziert die Zwischennutzung die Leerstandskosten. Da zumindest die Betriebskosten gedeckt sind, fallen keine Mehrkosten an. Die gesteigerte Aufmerksamkeit durch die Zwischennutzung kann für eine Imageaufwertung sorgen. Zugleich beugt die Praxis der Zwischennutzung Risiken wie Verfall und Vandalismus vor.

Ein weiterer Vorteil an der Zwischennutzung ist ihr hohes partizipatives Potenzial. Denn auf derartigen Flächen entsteht ein kontinuierlicher Prozess der Aushandlung und Anpassung. Unterschiedliche Gruppen wie Anwohner*innen, interessierte Bürger*innen und Initiativen können mit einsteigen und so die Zwischennutzung beeinflussen. Manchmal ist es dadurch sogar möglich, längerfristig neue Räume für die anwenderorientierte Nutzung zu erschließen.

Welche Kritik gibt es an Zwischennutzung?

Jedoch gibt es seitens verschiedener Stakeholder Kritik an der Übergangsnutzung von Flächen. Zum Beispiel stellt sich die Frage, was mit den Zwischennutzer*innen selbst passiert, sobald ihre Zeit abläuft. Zwar stellt der zwischengenutzte Raum eine Experimentierfläche dar, aber dies ist nicht immer ausreichend für eine selbstständige Zukunft. Auf der anderen Seite bietet die Zwischennutzung die Chance, ohne ruinöse Folgen zu scheitern. In einigen Fällen ergibt sich aus der Übergangsnutzung sogar ein langfristiges Mietverhältnis. Allerdings kann die Planungsunsicherheit auch zum Scheitern von Projekten und zur Selbstausbeutung von Künstler*innen beitragen.

Langfristig löst die Zwischennutzung das Problem der Raumknappheit nicht. Insbesondere für Künstler*innen und Experimentierfreudige bleibt es schwer, an geeignete Flächen zu kommen. Eine erfolgreiche Zwischennutzung sollte nicht nur als „Verwertungslücke“ dienen, sondern auch positive Folgen für die Nachbarschaft und die Projektverantwortlichen sowie für die Besitzer*innen haben.

Eine erfolgreiche Zwischennutzung kann wiederum zu Gentrifizierung führen, was häufig negativ bewertet wird. Dabei steigert die Immobilie ihren Wert. Die Nutzer*innen müssen häufig weichen, die Miet- und Kaufpreise der Umgebung steigen. In manchen strukturschwachen Regionen führt die Zwischennutzung zu einer Aufwertung und Belebung von Flächen. Aber in dicht besiedelten, teuren Städten kann sie experimentelle Initiativen und deren Betreiber*innen verdrängen.

Autohaus, Liebigstraße 201-203, Köln-Ehrenfeld. Ehemals Autohaus Levy, Zwischennutzung bis zum Abriss durch "Wandelwerk". Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
Autohaus, Liebigstraße 201-203, Köln-Ehrenfeld. Ehemals Autohaus Levy, Zwischennutzung bis zum Abriss durch "Wandelwerk". Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Beispiele für die zwischenzeitliche Nutzung von Stadträumen

Der Zenettiplatz in München wurde mehrere Jahre hintereinander zwischengenutzt. Als „Piazza Zenetti“ wird dieser Zwischenort, der sonst als Parkplatz dient, eine attraktive Anlaufstelle. Bepflanzung und Sitzgelegenheiten geben dem Platz neues Leben. Anwohner*innen und Passant*innen nutzen den Platz für soziale Begegnungen. Dabei entstehen Synergieeffekte, die dabei helfen, den Platz an die gewünschte Nutzung anzupassen.

In Jena ermöglicht die BLANK-Agentur für Zwischennutzung kreatives Miteinander an verschiedenen Orten in der Stadt. „Obwohl wir in Jena wenig strukturellen Leerstand haben, finden sich trotzdem ungehobene Potenziale oder langfristig leerstehende Räumlichkeiten, die mit temporären Lösungen wieder einer Nutzung zugeführt werden können“, erklärt Leiterin Katrin Hitziggrad während einer Fachtagung zum Thema Zwischennutzung im Juni 2022.

Testläufe für neue Läden, generationenübergreifende Gemeinschaftsgärten wie das „WirQuartier“ in Erfurt, eine Fahrradwerkstatt mit Café und Bar in einer alten Druckerei in Frankfurt am Main – die Beispiele für Zwischennutzung in Deutschland sind vielseitig.

In Jena gibt es mit der Kulturberatung eine begleitende Institution für Vereine, Initiativen und Kulturakteur*innen. Schon seit 2014 arbeitet die Kulturberatung Jena mit dem Dezernat für Stadtentwicklung, JenaKultur und der Zwischennutzungsagentur zusammen. So soll es gelingen, Strategien für langfristige Perspektiven zivilgesellschaftlicher Projekte zu entwickeln.

Mehr über Zwischennutzungen lesen Sie hier am Beispiel von Basel.