San Francisco setzt auf Post-Carbon-Neighbourhoods

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Bosco Verticale, Mailand: Architektur und Nachhaltigkeit von GattoTere fotografiert.

San Francisco wagt den großen Schritt: Post-Carbon-Neighbourhoods sind der neue Goldrausch am Pazifik. Während andere Städte noch über Klimaneutralität diskutieren, setzt die kalifornische Metropole längst Maßstäbe in Sachen nachhaltiger Quartiersentwicklung. Was steckt hinter diesen Post-Carbon-Vierteln? Wer profitiert, wer bleibt skeptisch – und was kann Mitteleuropa vom urbanen Experimentierfeld lernen? Willkommen in der Zukunft, die schon Realität ist.

  • Definition und Vision: Was bedeutet „Post-Carbon-Neighbourhood“ im internationalen und deutschsprachigen Kontext?
  • San Franciscos Klimastrategie: Politische Ziele, regulatorischer Rahmen und städtische Selbstverpflichtungen.
  • Stadtentwicklung konkret: Wie werden Post-Carbon-Quartiere geplant, umgesetzt und betrieben?
  • Technologien und Werkzeuge: Von grüner Infrastruktur bis Smart Grids – welche Innovationen treiben die Transformation?
  • Soziale Dimension: Beteiligung, Gentrifizierung, und die Frage nach gerechter Transformation.
  • Herausforderungen und Widerstände: Was bremst, was beschleunigt den Wandel?
  • Vergleich mit DACH-Städten: Wo steht Mitteleuropa, was lässt sich adaptieren?
  • Ausblick: Wie sehen die nächsten Schritte auf dem Weg zur postfossilen Stadt aus?

Post-Carbon-Neighbourhoods: Vom Konzept zur urbanen Realität

Der Begriff „Post-Carbon-Neighbourhood“ klingt nach Utopie, ist aber für San Francisco längst ein handfestes Stadtentwicklungsprogramm. Gemeint sind Quartiere, die ihren ökologischen Fußabdruck radikal minimieren – idealerweise auf null Emissionen im Betrieb. Doch es geht um weit mehr als nur CO₂-Neutralität. Post-Carbon steht für ein neues städtisches Selbstverständnis: Ressourcenverbrauch wird konsequent reduziert, Energie und Mobilität werden neu gedacht, öffentliche Räume ökologisch umgestaltet und soziale Strukturen gestärkt. Die Vision: Ein lebenswerter urbaner Raum, der Klimaresilienz, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Innovationskraft vereint – in jedem einzelnen Stadtviertel.

Ursprünglich aus der internationalen Klimapolitik geboren, hat sich das Post-Carbon-Konzept in San Francisco zu einer regelrechten Bewegung entwickelt. Die Stadt versteht sich als Labor für nachhaltige Stadtentwicklung und setzt auf Quartiere, die als Pilotprojekte für die gesamte Metropole dienen. Hier werden neue Technologien getestet, Beteiligungsprozesse erprobt und städtebauliche Leitbilder kontinuierlich weiterentwickelt. Das Ziel ist ambitioniert: Bis spätestens 2040 sollen alle San Francisco Neighbourhoods klimaneutral funktionieren, viele davon aber schon deutlich früher. Damit positioniert sich die Stadt an der Spitze der globalen Urban-Climate-Community – und liefert gleichzeitig eine Steilvorlage für Städte weltweit.

Doch was macht ein Quartier tatsächlich „post-carbon“? Eine entscheidende Rolle spielen integrierte Ansätze, bei denen Energieversorgung, Mobilität, Freiraumgestaltung und soziale Infrastruktur als vernetztes System geplant und betrieben werden. So entstehen keine isolierten Insellösungen, sondern resiliente, zukunftsfähige Nachbarschaften. Zentral ist dabei das Prinzip der Kreislaufwirtschaft: Abfallvermeidung, lokale Energieerzeugung und die Wiederverwendung von Materialien werden zum Standard. Die Transformation geht jedoch über technische Innovationen hinaus. Auch Governance und Beteiligung werden radikal neu gedacht – die Nachbarschaft wird zum Akteur, nicht zum Objekt der Planung.

San Francisco versteht es, aus der Not eine Tugend zu machen. Die Stadt ist von Natur aus begrenzt – geografisch, aber auch politisch und finanziell. Statt in die Fläche zu wachsen, investiert San Francisco in die Qualität und Resilienz bestehender Quartiere. So entstehen urbane Räume, die sich nicht nur an Klimazielen orientieren, sondern auch an den Bedürfnissen der Menschen. Die Post-Carbon-Neighbourhood wird zum Labor sozial-ökologischer Innovation, zum Testfeld für klimafreundliche Mobilität, neue Wohnformen, adaptive Grünflächen und partizipative Governance-Modelle.

Und nicht zuletzt: Die Post-Carbon-Bewegung ist ein Statement gegen das „Weiter so“ der fossilen Stadtentwicklung. San Francisco signalisiert: Die Stadt der Zukunft ist nicht nur grün, sondern auch gerecht, intelligent und robust. Ein Anspruch, der in der professionellen Stadtplanung weit über Kalifornien hinaus für Furore sorgt – und Mitteleuropa herausfordert, eigene Wege zu gehen.

San Franciscos Klimastrategie: Politische Vision trifft regulatorische Realität

Wer in San Francisco über Klimaneutralität spricht, meint nicht bloß eine Imagekampagne. Die Stadt hat sich mit dem „Climate Action Plan“ von 2021 einem der ambitioniertesten Fahrpläne Nordamerikas verschrieben. Ziel ist die vollständige Dekarbonisierung bis 2040 – und das nicht nur in der Energieversorgung, sondern auch im Gebäudebestand, im Verkehr, in der Abfallwirtschaft und bei der Nutzung öffentlicher Räume. Dabei setzt San Francisco auf einen einzigartigen Mix aus verbindlichen Regularien, finanziellen Anreizen und klaren Governance-Strukturen. Die Verwaltung agiert als Taktgeber, aber auch als Vermittler und Innovationstreiber.

Ein zentrales Element der Strategie sind sektorübergreifende Zielvorgaben für einzelne Stadtviertel. So müssen neue Quartiere bereits heute Null-Emissions-Standards erfüllen. Bestehende Viertel werden durch Förderprogramme und regulatorische Vorgaben schrittweise transformiert. Die Stadt setzt dabei auf das Prinzip der „Neighbourhood Decarbonization“: Jeder Block, jede Straße, jedes Haus wird Teil der gemeinsamen Mission. Entscheidende Stellschrauben: eine konsequente Elektrifizierung des Gebäudebestands, Ausbau erneuerbarer Energien, Förderung aktiver Mobilitätsformen und Priorisierung grüner Infrastruktur.

Neben den harten Fakten der Regulierung zeigt sich San Franciscos Klimastrategie vor allem in ihrer Flexibilität. Die Stadt plant nicht für die Ewigkeit, sondern versteht Anpassungsfähigkeit als zentrale Stärke. Monitoring, digitale Zwillinge und dynamische Szenarien sind integrale Bestandteile der Planung. Damit können Maßnahmen in Echtzeit evaluiert und bei Bedarf nachjustiert werden. Ein Ansatz, der auch deutschen Planern ein Begriff sein dürfte – aber in San Francisco längst konsequent angewendet wird.

Auch auf der Governance-Ebene setzt die Stadt Maßstäbe. Quartiersmanager, Nachbarschaftsinitiativen und gemeinnützige Organisationen werden systematisch eingebunden. Die Verwaltung versteht sich als Plattform, nicht als Gatekeeper. Entscheidungsfindung und Verantwortlichkeiten werden auf die lokale Ebene verlagert – so entstehen maßgeschneiderte Lösungen anstelle zentralistischer One-Size-Fits-All-Konzepte. Eine Strategie, die Beteiligung nicht zum Selbstzweck erklärt, sondern zum Hebel für Innovation und Akzeptanz macht.

Politische Vision und regulatorische Realität gehen in San Francisco Hand in Hand – aber nicht reibungslos. Widerstände gibt es zuhauf: Von Immobilienwirtschaft über Lobbygruppen bis hin zu skeptischen Anwohnern. Doch die Stadt bleibt auf Kurs, auch weil sie den Mut zur Experimentierfreude hat. Fehler werden als Lernchancen genutzt, nicht als Ausreden zum Innehalten. Das Ergebnis: Eine Klimastrategie, die in ihrer Konsequenz und Transparenz ihresgleichen sucht – und von der sich viele mitteleuropäische Kommunen eine Scheibe abschneiden könnten.

Planung, Umsetzung, Betrieb: Wie Post-Carbon-Quartiere Wirklichkeit werden

Die Transformation zum Post-Carbon-Quartier beginnt in San Francisco lange vor dem ersten Spatenstich – und endet nie. Planung wird als kontinuierlicher Prozess verstanden, nicht als einmalige Meisterleistung. Am Anfang steht eine detaillierte Quartiersanalyse: Welche Emissionsquellen dominieren? Wo liegen Potenziale für Energieeinsparung, Ressourcenschonung und soziale Innovation? Erst darauf aufbauend werden Planungsziele, Zeitschienen und Akteursstrukturen definiert.

Ein zentrales Werkzeug ist der „Neighbourhood Carbon Assessment“. Hier werden alle relevanten Daten – von Energieverbräuchen über Mobilitätsströme bis hin zu Materialflüssen – systematisch erfasst und modelliert. Auf dieser Basis entstehen digitale Zwillinge, die als Simulationsplattformen für verschiedene Planungsszenarien dienen. Die Ergebnisse sind verblüffend konkret: Wie verändert sich der lokale CO₂-Fußabdruck, wenn der Verkehr auf Car-Sharing und Fahrräder umgestellt wird? Welche Wirkung haben Dachbegrünungen oder die Umnutzung von Parkplätzen zu Aufenthaltsflächen? Das alles wird nicht theoretisch durchgespielt, sondern in Echtzeit getestet und laufend optimiert.

Die Umsetzung erfolgt in iterativen Schritten – stets unter Einbeziehung der Nachbarschaft. Partizipative Planungsprozesse sind kein Feigenblatt, sondern Kern des Erfolgs. Lokale Akteure bringen Wissen, Bedürfnisse und Kreativität ein. Konflikte werden nicht ausgesessen, sondern konstruktiv bearbeitet. Die Verwaltung unterstützt mit Förderprogrammen, Beratung und technischen Ressourcen. Besonders erfolgreich ist dieses Modell in historisch gewachsenen Vierteln mit hoher sozialer Diversität. Hier zeigt sich: Klimaschutz kann Identität stiften, nicht zerstören.

Doch Planung und Umsetzung sind nur der Anfang. Der Betrieb post-carboner Quartiere verlangt laufendes Monitoring, Anpassungsfähigkeit und Innovationsbereitschaft. Intelligente Steuerungssysteme, Smart Grids und digitale Plattformen helfen, Energieflüsse zu optimieren und Nutzerverhalten anzupassen. Die Daten werden transparent kommuniziert, um Akzeptanz und Verantwortungsbewusstsein zu stärken. So entsteht ein „lernendes Quartier“, das sich den Herausforderungen des Klimawandels dynamisch stellt.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Verzahnung von Ökologie, Technik und sozialer Innovation. Es reicht nicht, Gebäude energetisch zu modernisieren oder neue Radwege zu bauen. Erst wenn Mobilität, Energie, Freiraum und Nachbarschaft als integriertes System betrachtet werden, entsteht ein echter Mehrwert. San Francisco macht vor, wie aus ambitionierten Klimazielen konkrete, lebenswerte Stadträume werden – und bietet damit wertvolle Impulse für Stadtplaner und Landschaftsarchitekten zwischen Wien, Zürich und Berlin.

Technologien, Tools und soziale Dynamik: Die Bausteine der Transformation

Die technische Seite der Post-Carbon-Neighbourhoods ist beeindruckend, aber sie ist nur das halbe Bild. Natürlich spielen moderne Technologien eine zentrale Rolle: Photovoltaik auf jedem Dach, Batteriespeicher im Quartier, ultraschnelle Ladeinfrastruktur für E-Mobilität, Gebäudeautomation und Wasserrecyclinganlagen sind längst Standard. Doch entscheidend ist, wie diese Technologien zusammenspielen und in das städtische Ökosystem integriert werden.

San Francisco setzt auf intelligente Energieplattformen, die Angebot und Nachfrage im Quartier in Echtzeit ausbalancieren. Überschüsse aus Solaranlagen werden lokal gespeichert oder ins Netz eingespeist. Smart Grids steuern Lastspitzen, optimieren Stromflüsse und ermöglichen flexible Tarife. Gebäude werden zu Energieproduzenten, Mobilitätsstationen zu Knotenpunkten im urbanen Energiemix. Hier zeigt sich: Technik ist kein Selbstzweck, sondern Werkzeug für ein resilienteres, effizienteres Gemeinwesen.

Ein weiteres Herzstück der Transformation sind datenbasierte Planungstools. Digitale Zwillinge, Echtzeit-Monitoring und Szenario-Simulationen ermöglichen es, komplexe Zusammenhänge sichtbar zu machen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Stadtklima, Verkehrsströme, Energieverbrauch und soziale Interaktionen können so laufend analysiert und optimiert werden. Dabei gilt: Je transparenter und zugänglicher die Daten, desto größer die Akzeptanz und das Innovationspotenzial.

Doch Technologie allein schafft keine lebenswerten Quartiere. Die soziale Komponente ist mindestens ebenso wichtig. Beteiligung, Inklusion und Gerechtigkeit stehen im Mittelpunkt. San Francisco experimentiert mit neuen Formen der Nachbarschaftsbeteiligung: Bürgerforen, digitale Beteiligungsplattformen, partizipative Budgets und Community-Labs sorgen dafür, dass die Transformation nicht an den Menschen vorbeigeht. Gentrifizierung bleibt zwar eine reale Gefahr, wird aber aktiv adressiert – durch gezielte Förderprogramme, Mietpreisregulierung und den Ausbau des gemeinnützigen Wohnungsbaus.

Die große Stärke der Post-Carbon-Neighbourhoods liegt in ihrer Fähigkeit, technische Innovation und soziale Dynamik zu verbinden. Klimaschutz wird zum Motor für urbane Lebensqualität, Teilhabe und lokale Wertschöpfung. Das Ergebnis: Quartiere, die nicht nur ökologisch, sondern auch sozial und wirtschaftlich zukunftsfähig sind. Ein Erfolgsmodell, das auch in Berlin, Zürich oder Wien Schule machen könnte – wenn der Mut zur Transformation vorhanden ist.

Herausforderungen, Lehren und Perspektiven für den deutschsprachigen Raum

San Franciscos Weg zu Post-Carbon-Neighbourhoods ist kein Spaziergang. Die Stadt kämpft mit hohen Baukosten, sozialen Spannungen und politischem Gegenwind. Die Transformation erfordert erhebliche Investitionen, institutionelle Lernfähigkeit und kontinuierliche Anpassungen. Technische Innovationen müssen mit sozialer Verantwortung und langfristiger Finanzierbarkeit in Einklang gebracht werden. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Wer am Status quo festhält, verliert. Wer Wandel gestaltet, gewinnt.

Für den deutschsprachigen Raum sind die Lehren vielfältig – und keineswegs eins zu eins übertragbar. Die regulatorischen Rahmenbedingungen, die Eigentumsstrukturen und die sozialen Milieus unterscheiden sich mitunter erheblich. Doch die Grundprinzipien sind universell: integrierte Planung, Beteiligung, Sektorkopplung und technologische Offenheit. Städte wie Wien, Zürich oder Freiburg zeigen bereits, dass ambitionierte Klimaziele auch im mitteleuropäischen Kontext erreichbar sind – wenn der politische Wille und die institutionellen Strukturen stimmen.

Eine zentrale Herausforderung bleibt die soziale Dimension. Klimaneutrale Quartiere dürfen keine Enklaven für Besserverdienende werden. Gentrifizierung, Verdrängung und soziale Segregation müssen aktiv verhindert werden – durch gezielte Förderprogramme, Wohnungsbauoffensiven und die Einbindung zivilgesellschaftlicher Akteure. Nur so wird der Wandel zur postfossilen Stadt zu einem Projekt für alle – und nicht zum exklusiven Lifestyle für wenige.

Auch der Umgang mit Unsicherheit und Komplexität ist eine Lektion aus San Francisco. Die Transformation gelingt nur, wenn Fehler als Lernchancen begriffen werden und Planungsprozesse flexibel bleiben. Starre Masterpläne sind passé, gefragt sind adaptive Strategien, Pilotprojekte und kontinuierliches Monitoring. Digitale Werkzeuge wie Urban Digital Twins können dabei helfen, Komplexität zu bewältigen und Beteiligung zu stärken – vorausgesetzt, sie werden transparent und partizipativ gestaltet.

Der Blick nach San Francisco zeigt: Die Stadt der Zukunft wird im Quartier entschieden – und im Zusammenspiel von Technik, Ökologie und sozialer Innovation gestaltet. Für Planer, Stadtentwickler und Landschaftsarchitekten in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das eine Einladung, eigene Wege zu gehen, zu experimentieren und die Transformation aktiv zu gestalten. Das Ziel: Post-Carbon-Neighbourhoods, die nicht nur klima-, sondern auch menschenfreundlich sind.

Fazit: Post-Carbon-Neighbourhoods als Zukunftslabor urbaner Transformation

San Francisco setzt mit seinen Post-Carbon-Neighbourhoods Maßstäbe für eine urbane Klimawende, die diesen Namen wirklich verdient. Die Stadt beweist, dass ambitionierte Klimaziele und lebenswerte Quartiere kein Widerspruch sein müssen – im Gegenteil: Sie bedingen einander. Die Transformation gelingt, weil technologische Innovation, soziale Beteiligung und politische Entschlossenheit konsequent zusammengedacht werden. Die Quartiere werden zu Experimentierfeldern, in denen aus Ideen Realität wird – schnell, flexibel und lernfähig.

Für den deutschsprachigen Raum bietet San Francisco wertvolle Impulse. Die Herausforderungen sind groß, aber die Chancen noch größer. Wer den Wandel zum Post-Carbon-Quartier als ganzheitliche Aufgabe begreift, kann nicht nur Emissionen senken, sondern auch die urbane Lebensqualität steigern. Entscheidend ist der Mut, tradierte Planungsprozesse zu hinterfragen und neue Wege zu beschreiten – gemeinsam mit den Menschen vor Ort und mit einem klaren Blick auf das große Ganze.

Die Zukunft der Stadt beginnt im Quartier – und sie ist post-carbon, partizipativ und resilient. Wer heute handelt, gestaltet die Stadt von morgen. Wer zögert, wird von den Innovationen anderer Metropolen überholt. San Francisco zeigt: Die urbane Transformation ist machbar, wenn sie als Gemeinschaftsprojekt verstanden wird. Es liegt an uns, diese Einladung anzunehmen und die Post-Carbon-Neighbourhoods von morgen zu bauen – in Kalifornien, in Mitteleuropa und überall dort, wo Städte eine lebenswerte Zukunft wollen.

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Barbara Steiner wechselt zu Bauhaus-Stiftung

Barbara Steiner Portraet

Porträt von Barbara Steiner (Foto: J.J. Kucek)

Gemeinsam mit Topotek 1 gastkuratierte Barbara Steiner vergangenes Jahr die Juliausgabe der Garten + Landschaft. Nun verkündete die Stiftung Bauhaus Dessau: Ab dem 1. September übernimmt Barbara Steiner die Position als Direktorin und Vorstand der Stiftung. Was Sie über die promovierte Kunsthistorikerin wissen sollten, das lesen Sie hier.

Bei der Bewerbung als neue Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau setzte sich die Österreicherin Barbara Steiner gegen 32 internationale Bewerber*innen durch. Im offiziellen Statement beschreibt der Stiftungsratsvorsitzende Rainer Robra die promovierte Kunsthistorikerin als „herausragende Persönlichkeit mit profundem Wissen über die Auseinandersetzung mit der Moderne“. Er betont ihre langjährige Leitungserfahrung in Kultureinrichtungen sowie auch ihre Praxiserfahrungen in Ostdeutschland. Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt Robra traue ihr zu, „lokal relevante Themen an globale Diskurse zu knüpfen und damit die Stiftung Bauhaus Dessau und den Kulturstandort Sachsen-Anhalt weiterzuentwickeln.“

Barbara Steiner will Stiftungsarbeit ausbauen

Barbara Steiner wird ihre neue Position zum 1. September 2021 antreten. Sie gibt damit ihre aktuelle Position als Direktorin des Kunsthauses Graz auf. Sie hat diese inzwischen seit 2016 inne. Zuvor arbeitete sie zwei Jahre als Vertretungsprofessorin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig für den Master „Kulturen des Kuratorischen“. In den 1990er- und 2000-Jahren leitete sie Kunstvereine in Ludwigsburg und Wolfsburg. Ebenso war sie für die Stiftung Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) in Leipzig aktiv. Zudem bringt sie mehrjährige Lehrerfahrung aus Lehrtätigkeiten in Linz, Kopenhagen und Wien mit. Studiert hat Barbara Steiner außerdem Kunstgeschichte und Politikwissenschaften an der Universität Wien. Sie promovierte zur „Ideologie des weißen Ausstellungsraumes“.
Sie selber freue sich auf die neue Aufgabe, so Steiner und darauf, die bislang geleistete hervorragende Arbeit der Stiftung Bauhaus Dessau weiterzuführen beziehungsweise auszubauen.

„Feine Sahne Fischfilet“-Diskussion 2018

Apropos bislang geleistete Arbeit: Barbara Steiner folgt in ihrer neuen Position im Übrigen auf Dr. Claudia Perren. Die Stelle war damit knapp ein Jahr vakant. Perren war von 2014 bis 2020 Direktorin der Stiftung Bauhaus-Dessau. Sie verließ die Stiftung zum 31. Juli 2020 auf eigenen Wunsch. Dr. Perren ist vermutlich vielen noch ein Begriff. Die deutsche Architekturtheoretikerin stand 2018 im Fokus einer Debatte zwischen Rechts- und Linksextremismus sowie der Frage, wie politisch das Bauhaus sei. Unter Perrens Leitung hatte die Stiftung Bauhaus Dessau den Auftritt der Band „Feine Sahne Fischfilet“ abgesagt. Dieser sollte in der Konzertreihe zdf@bauhaus auf der Bauhaus-Bühne stattfinden. Im Oktober 2018 interviewten die Kolleg*innen von der ZEIT Claudia Perren hierzu. Inzwischen ist Perren seit dem August 2020 Direktorin der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel.

G+L arbeitete 2020 mit Barbara Steiner und Topotek 1 zusammen

Uns, in der G+L Redaktion, freut die neue Besetzung der Bauhaus-Direktion sehr. Gemeinsam mit Topotek 1 gastkuratierte Barbara Steiner die Juliausgabe 2020 der Garten + Landschaft. Das Heftthema: die Kunst. Mit Barbara Steiner holten sich die beiden Büropartner Martin Rein-Cano und Lorenz Dexler Unterstützung hierfür. Gemeinsam mit ihr hatten sie bereits unter anderem die Monografie „Creative Infidelities“ entwickelt und geschrieben. Diese entstand anlässlich des 20-jährigen Bürojubiläums von Topotek 1 im Jahr 2016 .
Kunst spielt in der Arbeit der Berliner Landschaftsarchitekt*innen seit Beginn an auch eine bedeutende Rolle. Kunst und die regelmäßige Zusammenarbeit mit Künstler*innen inspiriert zudem Topotek 1.  So entstand auch die Idee, die Ausgabe gemeinsam mit der Direktorin des Kunsthaus Graz, Barbara Steiner, zu machen.

Topotek 1 im Gespräch mit Barbara Steiner

Bereits bei den ersten Redaktionsterminen in Graz Anfang 2020 konnte die G+L Redaktion miterleben, mit welcher Intensität Barbara Steiner und Martin Rein-Cano über das Verhältnis, die Gemeinsamkeiten, aber auch die Missverständnisse zwischen Landschaftsarchitektur und Kunst diskutierten. Die Idee lag nahe, ein ganzes Heft mit einem Gespräch zwischen den beiden zu füllen. Sie diskutieren im Heft darüber, was Martin Rein-Cano stellvertretend für Topotek 1 an der Kunst fasziniert und in der Landschaftsarchitektur fehlt.

Das Ergebnis ist ein Gespräch zwischen Martin Rein-Cano und Barbara Steiner, das sich durch das komplette Heft zieht. Die beiden diskutieren hier, wie gefakte und tatsächliche Realität zueinanderstehen. Sie sprechen darüber, wo die Landschaftsarchitektur ins Spiel kommt und wie unehrlich der Englische Landschaftsgarten ist.

Ein Plädoyer in Pink

Martin Rein-Cano und Barbara Steiner besprechen auch Gleichungen wie Barock=Bauhaus. Sie diskutieren Rein-Canos Bedürfnis nach einer „Grundnervosität“. Sie philosophieren das Projekt „Bahn­deckel Theresienhöhe“, das Topotek 1 gemeinsam mit der Künstlerin Rosemarie Trockel umsetzten.

Das Endprodukt des ersten gastkuratierten Ausgabe der Garten+Landschaft? Ein Plädoyer für mehr Freiheit und weniger Utilitarismus in der Planung. Ein Plädoyer für den Mut, Widersprüche zu erzeugen und auch einmal zu scheitern. In Pink. Hier können Sie das Heft im Shop erwerben.

bauchplan ).( folgt auf Topotek 1

Die nächste gastkuratierte Garten + Landschaft erscheint im Übrigen mit der Juli-Ausgabe 2021 unter Federführung des Planungs-Kollektivs bauchplan).(. Mehr zu der G+L kuratiert von bauchplan).( lesen Sie hier.

Das Kollektiv machte mit Projekten wie dem Wohnbauprojekt „wagnisART“ in München oder seinem Entwurf für den Londoner Highline-Park auf sich aufmerksam. Es kann national und international, den kleinen wie auch großen Maßstab, Landschaftsarchitektur wie auch Stadtplanung.

bauchplan).( lässt sich in keine Schublade packen. Vielmehr stehen das Büro und sein vielseitiges Projektportfolio für intelligente Ansätze. Das Kollektiv findet stets raumplanerische und lokalspezifische Lösungen auf aktuelle Herausforderungen wie Klimawende, Inklusion oder Flächenkonkurrenz.

Und wir, wir sind gespannt, was dann die neue Bauhaus-Direktorin Barbara Steiner zur bauchplan-G+L sagen wird. Sie auch?

Mit einem Bundesverdienstkreuz am Bande wurde die Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard in München ausgezeichnet.

Seit vielen Jahren setzt sich die Landschaftsarchitektin als Mitglied und Vorsitzende in verschiedenen Gremien für Stadtentwicklung, Landschaftsarchitektur und Landschaftsökologie ein. Sie leitete im Planungsreferat der Stadt München die Abteilung Grünplanung und arbeitete als Geschäftsführerin der BUGA 2005 GmbH das Konzept der Bundesgartenschau für die Messestadt Riem erfolgreich mit aus. Dabei waren die Aspekte Ökologie, Ökonomie und Soziales für Sie stets ein zentrales Thema.
Darüber hinaus fördert sie Städtebau und Landesplanung in Wissenschaft und Praxis. Beispielsweise im Stiftungsrat der Bundesstiftung Baukultur, im Bundeskongress zur Nationalen Stadtentwicklungspolitik des Bundesbauministeriums oder als Vorsitzende der Landesgruppe Bayern der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL).