Power of Landscape – Buchrezension

In „The Power of Landscape“ widmen sich Sven Stremke, Dirk Oudes und Paolo Picchi der Frage, wie sich die Energiewende aus Sicht der Landschaft umsetzen lässt. Cover: nai010 publishers, Coverdesign: Joost Grootens
In „The Power of Landscape“ widmen sich Sven Stremke, Dirk Oudes und Paolo Picchi der Frage, wie sich die Energiewende aus Sicht der Landschaft umsetzen lässt. Cover: nai010 publishers, Coverdesign: Joost Grootens

Mit „The Power of Landscape“ widmen sich die Autor*innen der Frage, wie sich die Energiewende aus Sicht der Landschaft umsetzen lässt. Wie sie dabei vorgehen, wie sich die einzelnen Beiträge unterscheiden und warum das Buch zu empfehlen ist, schreibt Thomas Banas in seiner Rezension.

Energiewende aus Sicht der Landschaft

Wir zeigen, wie die Kraft der Landschaft die Energiewende gestaltet. Das versprechen die drei Verfasser von „The Power of Landscape. Novel Narratives to Engage with the Energy Transition“. Bei den Autoren handelt es sich um Sven Stremke, Professor für Landschaftsarchitektur, Landschaftsarchitekt Dirk Oudes sowie Agrarwissenschaftler Paolo Picchi. Unterstützt werden sie hierbei durch Gastbeiträge von acht Kolleg*innen und Student*innen der Universität Wageningen und der Amsterdam Academy of Architecture, an denen sie forschen und lehren.

Insgesamt liefern die Autoren eine neue Sichtweise, wie die Energiewende aus der Perspektive der Landschaft umgesetzt werden kann. Die Landschaft ergänzen sie dafür um einen neuen Layer. Die Autoren gliedern ihr 301-seitiges Werk in drei Teile: Der erste davon, „Lernen aus der Vergangenheit“, beginnt mit einer strukturierten Analyse der historischen Umformung von Landschaften für die Energiegewinnung. Es folgen Erzählungen über Landschaften, die der Kohleabbau zerstörte. Eine Zusammenfassung des Buches „The Landscape of Power“ von Sylvia Crowe zeigt, wie bereits 1958 das Thema behandelt wurde. Der zweite Teil, „Kritisch reflektieren in der Gegenwart“, beschreibt eine Weltreise der drei Autoren, bei der Atmosphäre, Charakter und Interaktion der Landschaften und Energiegewinnung erzählerisch analysiert werden. Anschließend präsentieren sie systematisch und kritisch Fallstudien zu weltweit realisierten Solar- und Windparks. „Visionen für die Zukunft“, der dritte Teil, untersucht Entwurfsansätze aus Studierendenprojekten und Land Art und beendet das Buch mit einem reflektierenden Fazit.

Anschauliche Grafiken und Tabellen, anderes kommt zu kurz

Das Buch folgt einem logischen Aufbau. Hintergrundwissen und historische Entwicklungen werden im ersten Teil erklärt. Die Reiseberichte und Fallstudien im zweiten Teil lassen sich dadurch besser verstehen und interpretieren. Man wechselt von der Sicht der Betrachtenden zur Sicht der Entwerfenden der Landschaft. Die doppelseitigen Plandarstellungen der Fallstudien und Landschaften sind mit hohem Informationsgehalt durchgearbeitet. Die Landschaftsfotografien erzeugen starke Atmosphären. Grafiken und Tabellen veranschaulichen die Theorien und liefern statistische Belege. Durch die Zusammenarbeit mehrerer Autoren und das Hinzufügen von Gastbeiträgen gibt es im Buch unterschiedliche Schreibstile. Einige Passagen stechen durch klare Sprache heraus, andere gleichen eher emotionalen Erzählungen. Dies sorgt für Abwechslung, aber auch für Verwirrung. Teilweise widersprechen sich Systematiken aus den ersten Kapiteln mit Inhalten aus späteren. Einige Passagen ergänzen und hinterfragen die Autoren jedoch, was dem Werk mehr Tiefe und Reflexion verleiht. Erläuterungen zu Speichertechnologien und Umweltrisiken von erneuerbaren Energien kommen zu kurz.

Wissen, wie viel Kraft in Landschaft steckt

Trotz weniger Schwächen ist das Buch für Student*innen und Fachplaner*innen, die sich für das Thema Energien in Landschaften interessieren, sehr zu empfehlen. Auch fachfremde Leser*innen können durch den klaren Aufbau ein besseres Verständnis von Energie im landschaftlichen Kontext erlangen. Man schließt das Buch, bereichert um das Wissen, wie viel Kraft in der Landschaft steckt.

„The Power of Landscape. Novel Narratives to Engage with the Energy Transition“ von Sven Stremke, Dirk Oudes und Paolo Picchi erschien 2022 auf Englisch bei nai010 publishers.

Der Text entstand in der „wissenschaftlichen Schreibwerkstatt Landschaftsarchitektur“ am TUM-Lehrstuhl Landschaftsarchitektur und Transformation bei Prof. Udo Weilacher. Im Rahmen des Seminars wählen Student*innen Fachliteratur aus und erarbeiten gemeinsam individuelle Buchrezensionen.

Weitere Buchrezensionen haben wir hier für Sie zusammengestellt: Buchrezensionen

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Alle Bilder von der Recycled Island Foundation.

Soeren von Hoerschelmann: Privatgarten in Reinbek

Bei der Gestaltung des Gartens einer Altbauvilla in einem Hamburger Vorort, realisiert von Landschaftsarchitekt Soeren von Hoerschelmann, spielt Wasser eine zentrale Rolle. Foto: Ferdinand Graf Luckner
Bei der Gestaltung des Gartens einer Altbauvilla in einem Hamburger Vorort, realisiert von Landschaftsarchitekt Soeren von Hoerschelmann, spielt Wasser eine zentrale Rolle. Foto: Ferdinand Graf Luckner

Für eine Altbauvilla in einem Hamburger Vororte gestaltete Landschaftsarchitekt Soeren von Hoerschelmann einen Stadtgarten. Ziel war es, einen Hauch Frankreich in den Garten in Norddeutschland zu holen. Welche Pflanzen dabei zum Einsatz kamen, wie das Gelände strukturiert ist und weshalb Rasen in der Gestaltung entbehrlich war, lesen Sie in der Projektvorstellung.

Stadtgarten als Bühne für Pflanzen

„Der Garten soll nach Frankreich duften, den Esprit ausstrahlen, die Nonchalance – aber eben auch nach Norddeutschland und zum Wohnhaus passen“, beschreibt Landschaftsarchitekt Soeren von Hoerschelmann den Auftrag für die Gestaltung eines Stadtgartens, gelegen in einem der schickeren Hamburger Vororte. Er soll zur hübschen kleinen Altbauvilla passen, die mit viel Liebe zum Detail hergerichtet wurde.

Wichtig beim Entwurf war eine klare architektonische Linienführung unter Vermeidung von ideenloser Symmetrie. In diesem Rahmen wachsen Pflanzen, er ist ihre Bühne und macht sie zum lebendigen Kontrast: Sie setzen den Kontrapunkt zum Formalen. Gehölze, Stauden und Gräser werden auf die Bühne gehoben, sie haben sicht- und erlebbar einen hohen Stellenwert.

Beim Entwurf des Stadtgartens in Reinbek war Soeren von Hoerschelmann eine klare architektonische Linienführung wichtig. Durch die räumliche Gliederung wirkt der Garten größer als er ist. Plan: Soeren von Hoerschelmann Garten- und Landschaftsarchitektur
Beim Entwurf des Stadtgartens in Reinbek war Soeren von Hoerschelmann eine klare architektonische Linienführung wichtig. Durch die räumliche Gliederung wirkt der Garten größer als er ist. Plan: Soeren von Hoerschelmann Garten- und Landschaftsarchitektur

Topografie für Gestaltung genutzt

Auf Rasen jedoch wurde von Beginn an verzichtet, er ist in dieser abwechslungsreichen Gestaltung absolut entbehrlich. Die geschickte Abfolge der räumlichen Gliederung sorgt dafür, dass der Garten viel größer wirkt als er in Wahrheit ist. Wasser ist ein wichtiges Element in dieser Gestaltung, es taucht gleich zweimal in unterschiedlichen Formen im Garten auf. Baulich beschränkt sich die Palette auf einige wenige Materialien, die mit dem Alter und der unvermeidbaren Patina immer wertvoller werden. Burgpreppacher Sandstein kommt in Form von Stufen, Krustenplatten, Trockenmauersteinen, als Beckenrand und als Brunnen zum Einsatz. Durch seine offene Struktur verändert sich seine Oberfläche bereits nach kurz nach dem Einbau. Zeit als Gestaltungselement beschränkt sich also nicht nur wie sonst üblich auf die Vegetation.

Die leichte Topografie des Grundstücks nutzt der Landschaftsarchitekt für seine Gestaltung. Sie wird durch Elemente wie Treppen und Höhenabstufungen mit Trockenmauern sichtbar. Sie richten sich am Haus aus, so dass sie im Bezug zu dessen Ebene stehen. „Ich nutze Höhenunterschiede gerne, um sie abzufangen und damit Räume zu schaffen.“ So ergeben sich unterschiedliche Gartenzimmer auf verschieden hohen Terrassierungen und schaffen Anlass, die Räume unterschiedlich klar voneinander abzugrenzen.

Bepflanzungen an Standort angepasst

Die stärkere Betonung der Gartenräume übernehmen die erwähnten Stahlhalme, aber auch Heckenriegel, die sich von der Seite in den Raum schieben. Auch hier gibt es ein Zusammenspiel von Material und Zeit: Der Stahl setzt Rost an, die Wisteria verholzt – und erinnert an Frankreich. Wie alle baulichen Elemente orientieren sich die Pflanzen-Paravents am Haus, ohne auf eine Achse ausgerichtet zu sein. Diese luftig leichte Konstruktion schließt den Garten auch zur hinteren Grundstücksgrenze ab. Dort halten die Stahlhalme ihre bogig überhängenden Metallfinger wie eine schützende Hand über den gleichermaßen intimen wie sonnigen Sitzplatz und verwehren zusammen mit dem Blätterdach der Glyzine Einblicke vom Nachbarhaus.

Der eigene Blick jedoch bleibt frei und streicht über das formale Wasserbecken durch das Pflanzenzimmer zurück zur Villa.

Nutz- und Beetflächen sind miteinander verwoben, die Bepflanzung in der Höhe gestaffelt und an den Standort angepasst. Sie durchläuft viele abwechslungsreiche Phasen: Strukturstark im Winter, edel grün-weiß im Frühjahr, üppig im Sommer und laubfärbend im Herbst. Wertvolle Gehölze wie zum Beispiel ein Trompetenbaum (Catalpa bignonioides) wurden wiederverwendet. An die angrenzenden Grundstücke wurde mit dem Pflanzen von Pflaumenblättrigem Weißdorn (Crataegus prunifolia) angeknüpft und so eine Verbindung zwischen den benachbarten Gärten geschaffen.

Frankreich subtil anklingen lassen

Das Material ist zurückhaltend gewählt. Der Kies ist multifunktional und wirkt wie eine Grundierung, die sich durch die Gestaltung zieht. Alles Gebaute, auch das Wasserbecken und der Brunnen, bestehen aus Sandstein – ein Naturstein, der eine schöne Patina ansetzt. „Die größte Herausforderung war, kein Abziehbild zu bauen, sondern eine Idee von Frankreich zu kreieren, seinen Duft wachzurufen“, resümiert Soeren von Hoerschelmann.

Das Ergebnis mit seiner gelungenen Kombination aus natürlichen Materialien, Pflanzen und reduzierten baulichen Elementen lässt Frankreich subtil anklingen. Und dennoch passt dieser Stadtgarten uneingeschränkt zum Wohnhaus und nach Norddeutschland: Der Duft Frankreichs wird von einer nordischen Brise durch den Garten geweht.

Projektinfos

Lage des Gartens: Reinbek, Schleswig-Holstein

Größe des Gartens: 640 Quadratmeter

Planungsbüro: Soeren von Hoerschelmann Garten- und Landschaftsarchitektur

Ausführung: Gaerten von Hoerschelmann GmbH

Fotos: Ferdinand Graf Luckner

Büroprofil

Soeren von Hoerschelmann ist als Landschaftsarchitekt in der Objektplanung tätig. Als freiberuflicher Landschaftsarchitekt übernimmt er die Freiraumplanung von Unternehmen, der öffentlichen Hand oder im Bereich der Denkmalpflege.

Als Inhaber seines Ausführungsunternehmens Gaerten von Hoerschelmann GmbH hat er sich auf hochwertige private Gärten spezialisiert. Er bietet die gesamte Leistungspalette von der ersten Beratung, über den Entwurf, den Bau bis hin zur fachgerechten Pflege an.

Weitere Infos gibt es auf der Webseite des Büros.

 

Weiterlesen: In der G+L 09/24 stellen wir 54 Stadtoasen aus fünf Ländern vor. Das Heft ist im Shop erhältlich. Weiter grüne Oasen sind hier zu entdecken.