Präriegarten: Planung, Arten und Praxis

Eine durchdachte Pflanzung im Freiraum zum Thema Präriegarten
Blühende Wiesenlandschaft mit Wildblumen und Gräsern – Foto: sayakaganz22 / Unsplash

Der Präriegarten ist keine Modeerscheinung und kein romantisches Zitat amerikanischer Weite, sondern ein durchdachtes Planungskonzept, das auf den ökologischen Prinzipien der nordamerikanischen Graslandschaften basiert und zugleich auf die Bedingungen des mitteleuropäischen Stadtklimas antwortet. Wer einen Präriegarten plant, arbeitet mit einem Pflanzensystem, das Trockenheit, Nährstoffarmut und intensive Sonneneinstrahlung nicht toleriert, sondern benötigt. Das Ergebnis sind Flächen von außergewöhnlicher Vitalität, langer Blühdauer und hohem ökologischem Wert, die sich mit wachsender Reife selbst regulieren und dabei weniger Pflege verlangen als konventionelle Staudenbeete.

  • Was ein Präriegarten ist und worin er sich von anderen Staudenpflanzungen unterscheidet
  • Welche ökologischen und historischen Grundlagen das Konzept prägen
  • Welche Standortbedingungen für einen Präriegarten zwingend erforderlich sind
  • Welche Gräser, Stauden und Zwiebelpflanzen sich für mitteleuropäische Präriegärten bewährt haben
  • Wie Präriegärten geplant, aufgebaut und strukturiert werden
  • Welche Pflege- und Schnittregimes für Langlebigkeit und Stabilität sorgen
  • Welche Fehler bei Anlage und Pflege typischerweise auftreten und wie sie vermieden werden
  • Wie der Präriegarten in städtische Freiraumplanung, Klimaanpassung und Biodiversitätsförderung eingebettet ist

Was ist ein Präriegarten? Definition, Ursprung und Abgrenzung

Der Begriff Präriegarten bezeichnet eine Pflanzungsform, die sich an den Pflanzengesellschaften der nordamerikanischen Prärien orientiert: offene, von Gräsern dominierte Landschaften mit eingestreuten Blütenstauden, die auf tiefgründigen, nährstoffarmen bis mäßig nährstoffreichen, gut durchlässigen Böden unter kontinentalem Klima entstanden sind. Das Konzept überträgt diese Pflanzenvergesellschaftung in den gestalteten Freiraum, ohne dabei eine naturalistische Kopie zu erzeugen. Es geht vielmehr darum, die strukturellen und ökologischen Prinzipien der Prärie, also das Gleichgewicht zwischen Gräsern und Kräutern, die Selbstregulation durch Konkurrenz und die Anpassung an Stress, in eine planbare und pflegbare Pflanzung zu übersetzen.

Vom klassischen Staudenbeet unterscheidet sich der Präriegarten grundlegend in seiner Logik. Das Staudenbeet ist eine Komposition aus Einzelpflanzen, die durch Pflege in ihrer Struktur gehalten wird. Der Präriegarten hingegen funktioniert als Pflanzengemeinschaft, in der die Arten miteinander konkurrieren, sich gegenseitig stützen und langfristig ein dynamisches Gleichgewicht ausbilden. Gräser übernehmen dabei eine tragende Strukturrolle, während Blütenstauden als Farbakzente und ökologische Ressourcen eingestreut sind. Diese Grundidee verbindet den Präriegarten mit dem breiteren Konzept der naturalistischen Pflanzung, wie sie von Planern wie Piet Oudolf, Cassian Schmidt und dem Konzept der Sichtungsgärten in Deutschland weiterentwickelt wurde.

Abzugrenzen ist der Präriegarten von der Wildblumenwiese einerseits und vom Steppengarten andererseits. Die Wildblumenwiese ist eine extensiv gemähte Grasnarbe mit eingestreuten Wiesenkräutern, die auf Mahd als Pflegeeingriff angewiesen ist und keine dauerhafte Staudenstruktur entwickelt. Der Steppengarten orientiert sich an den Pflanzengesellschaften der eurasischen Steppen und arbeitet mit anderen Gattungen, anderen Bodentypen und einer anderen Vegetationsstruktur. Der Präriegarten bezieht sich spezifisch auf nordamerikanische Gattungen wie Echinacea, Rudbeckia, Liatris, Baptisia, Sorghastrum, Panicum und Schizachyrium, auch wenn er in der Praxis häufig durch kompatible europäische und asiatische Arten ergänzt wird.

Ökologische und historische Grundlagen des Präriegartens

Die nordamerikanische Prärie erstreckte sich ursprünglich über weite Teile des mittleren Nordamerikas und bildete eines der artenreichsten Graslandökosysteme der Erde. Ihre Vegetation war das Ergebnis eines Zusammenspiels aus geringen Jahresniederschlägen, extremen Temperaturschwankungen, periodischen Bränden und dem Fraßdruck großer Weidetiere. Diese Stressfaktoren selektierten Pflanzen mit tiefen Wurzelsystemen, hoher Trockentoleranz und der Fähigkeit, nach Störungen rasch wieder auszutreiben. Die Wurzeln vieler Präriegräser reichen mehrere Meter in den Boden, was ihnen ermöglicht, auch in langen Trockenperioden Wasser zu erschließen.

Das gärtnerische Interesse an Präriearten begann im späten 19. Jahrhundert, als nordamerikanische Wildstauden zunehmend in europäische Gärten eingeführt wurden. Eine systematische Auseinandersetzung mit dem Präriegarten als Planungskonzept entwickelte sich jedoch erst im 20. Jahrhundert. Der amerikanische Landschaftsarchitekt Jens Jensen gilt als früher Vertreter einer Gestaltung, die sich an heimischen Präriegesellschaften orientierte. In Deutschland und den Niederlanden wurde das Konzept durch die Arbeit von Karl Foerster, der viele nordamerikanische Gräser und Stauden für den europäischen Garten erschloss, und später durch Piet Oudolf und Urs Walser weiterentwickelt. Der Sichtungsgarten Hermannshof in Weinheim und die Arbeiten der Bundesgartenschauen haben das Konzept in der deutschsprachigen Landschaftsarchitektur verankert.

Die ökologische Relevanz des Präriegartens liegt in seiner Funktion als Lebensraum für Insekten, besonders für spezialisierte Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge. Viele Präriestauden bieten nektar- und pollenreiche Blüten über einen langen Zeitraum von Frühsommer bis Herbst. Die stehenden Samenstände und Halme der Gräser liefern im Winter Nahrung für Vögel und Überwinterungsstrukturen für Insekten. Diese Eigenschaften machen den Präriegarten zu einem wertvollen Baustein in der städtischen Biodiversitätsstrategie, weit über seinen ästhetischen Wert hinaus.

Standortanforderungen: Was der Präriegarten wirklich braucht

Die wichtigste Planungsvoraussetzung für einen erfolgreichen Präriegarten ist ein nährstoffarmer bis mäßig nährstoffreicher, gut durchlässiger Boden in voller Sonnenlage. Dieser Punkt wird in der Praxis häufig unterschätzt oder bewusst umgangen, was regelmäßig zu Misserfolgen führt. Präriearten sind auf Nährstoffarmut angewiesen, nicht weil sie keine Nährstoffe aufnehmen können, sondern weil sie unter nährstoffreichen Bedingungen von konkurrenzstärkeren, wüchsigeren Arten verdrängt werden. Ein mit Kompost angereicherter Gartenboden begünstigt Brennnesseln, Disteln und aggressive Gräser, nicht die zierlichen Präriestauden.

Die Bodenreaktion sollte neutral bis leicht sauer sein, der pH-Wert liegt idealerweise zwischen 6,0 und 7,0. Schwere, staunasse Lehmböden sind für die meisten Präriearten ungeeignet, da ihre Wurzeln empfindlich auf Sauerstoffmangel reagieren. Auf solchen Böden kann durch Einarbeitung von Kies oder Splitt eine Drainage verbessert werden, was jedoch aufwendig ist und nur bei kleineren Flächen wirtschaftlich sinnvoll erscheint. Sandige und kiesige Böden, wie sie auf Stadtbrachen, Bahngeländen und in Neubaugebieten häufig vorkommen, sind dagegen ideale Ausgangsbedingungen für einen Präriegarten.

Die Sonneneinstrahlung ist eine weitere nicht verhandelbare Grundbedingung. Präriegärten benötigen mindestens sechs Stunden direkte Sonneneinstrahlung täglich. Unter Halbschatten verlieren die Gräser ihre charakteristische Standfestigkeit, die Stauden etiolieren und die Pflanzung verliert ihre Struktur. In städtischen Situationen mit hoher Bebauungsdichte ist die Standortwahl deshalb sorgfältig zu prüfen. Geeignete Standorte sind Südlagen an Gebäuden, offene Platzflächen, Böschungen und Dachbegrünungen mit ausreichender Substrattiefe.

Wasserversorgung ist im etablierten Präriegarten kein kritischer Faktor, da die verwendeten Arten an Trockenheit angepasst sind. In den ersten ein bis zwei Jahren nach der Pflanzung, solange die Wurzelsysteme noch nicht vollständig ausgebildet sind, ist eine Anwässerung bei länger anhaltender Trockenheit sinnvoll. Danach sollte auf Bewässerung weitgehend verzichtet werden, da regelmäßiges Wässern nährstoffliebende Konkurrenten begünstigt und die Stresstoleranz der Präriearten untergräbt.

Artenauswahl: Gräser, Stauden und Zwiebelpflanzen für den Präriegarten

Die Artenauswahl für einen Präriegarten folgt einer klaren Strukturlogik. Gräser bilden das Gerüst der Pflanzung und machen in der Regel dreißig bis fünfzig Prozent der Pflanzfläche aus. Blütenstauden liefern die saisonale Farbdynamik und ökologische Vielfalt. Zwiebelpflanzen ergänzen das Frühjahrsgeschehen und füllen Lücken, bevor die Hauptvegetation austreibt. Diese drei Schichten überlagern sich zeitlich und räumlich und erzeugen die charakteristische Dichte und Tiefe eines Präriegartens.

Unter den Gräsern haben sich für mitteleuropäische Verhältnisse besonders bewährt: Panicum virgatum (Rutenhirse) in Sorten wie ‚Shenandoah‘ oder ‚Heavy Metal‘, das aufrechte Wuchsform und Herbstfärbung kombiniert; Schizachyrium scoparium (Kleines Blaugrass), das feine Textur und intensive Herbstfärbung bietet; Sorghastrum nutans (Indianergras), ein hochwüchsiges, spätblühendes Gras mit goldbrauner Herbstfärbung; sowie Sporobolus heterolepis (Prärie-Tropfengras), das durch seinen anisartigen Duft und seine feine Textur besticht. Ergänzend können europäische Gräser wie Molinia caerulea, Deschampsia cespitosa oder Stipa-Arten eingesetzt werden, sofern sie standörtlich kompatibel sind.

Bei den Blütenstauden bilden nordamerikanische Gattungen den Kern des Sortiments. Echinacea purpurea und ihre Verwandten (Sonnenhut) blühen von Juli bis September und bieten Insekten und Vögeln gleichermaßen Ressourcen. Rudbeckia fulgida (Sonnenauge) ist robust, langlebig und selbstaussäend. Liatris spicata (Prachtscharte) blüht von oben nach unten und ist eine wichtige Ressource für Schmetterlinge. Baptisia australis (Blauer Falscher Indigo) bildet tiefe Wurzeln und ist extrem langlebig, braucht aber mehrere Jahre zur vollen Entfaltung. Agastache-Arten, Penstemon-Arten und Silphium perfoliatum (Durchwachsene Silphie) ergänzen das Spektrum für größere Flächen. Aus Europa und Asien können Arten wie Salvia nemorosa, Nepeta-Sorten, Perovskia atriplicifolia und Verbascum-Arten integriert werden, sofern sie die Standortbedingungen teilen.

Zwiebelpflanzen spielen im Präriegarten eine oft unterschätzte Rolle. Allium-Arten (Zierlauch) in verschiedenen Höhen und Blütezeiten verlängern die Saison ins Frühjahr und ergänzen die Struktur durch kugelförmige Blütenstände. Camassia-Arten, die in nordamerikanischen Feuchtprärien heimisch sind, eignen sich für Standorte mit gelegentlicher Frühjahrsnässe. Tulipa-Arten in botanischen Sorten und Narcissus-Arten können die Frühjahrsphase bereichern, ohne die Sommervegetation zu beeinträchtigen.

Planung und Anlage: Vom Konzept zur fertigen Pflanzung

Die Planung eines Präriegartens beginnt mit der genauen Analyse des Standorts. Bodenprobe, Lichtmessung und Bestandsaufnahme der vorhandenen Vegetation geben Auskunft über Nährstoffgehalt, Bodenstruktur, Wasserhaushalt und mögliche Konkurrenzvegetation. Auf nährstoffreichen Böden ist eine Abmagerung durch Oberbodenabtrag oder mehrjährige Vorkultur mit nährstoffentziehenden Pflanzen notwendig, bevor eine Präriegesellschaft stabil etabliert werden kann. Dieser Schritt wird in der Praxis häufig übersprungen, was zu dauerhaften Problemen mit Beikrautdruck führt.

Das Pflanzschema folgt keiner streng geometrischen Logik, sondern orientiert sich an der natürlichen Verteilung von Präriegesellschaften: Gräser als gleichmäßig verteilte Grundstruktur, Stauden in Gruppen von drei bis sieben Pflanzen, die sich wiederholen und versetzt zueinander angeordnet sind. Diese Wiederholung erzeugt Rhythmus und Kohärenz, ohne Monotonie zu erzeugen. Für größere Flächen ab etwa zweihundert Quadratmetern empfiehlt sich eine Matrixpflanzung, bei der eine oder zwei dominante Grasarten die Grundmatrix bilden und Stauden in definierten Dichten eingestreut werden. Dieses Konzept, das in der deutschen Landschaftsarchitektur besonders durch die Arbeiten von Cassian Schmidt und dem Hermannshof bekannt wurde, reduziert den Planungsaufwand und erhöht die ökologische Stabilität.

Die Pflanzzeit liegt idealerweise im Frühjahr oder frühen Herbst. Frühjahrsanpflanzungen profitieren von der Wachstumsenergie der Saison, erfordern aber in Trockenphasen Anwässerung. Herbstanpflanzungen ermöglichen eine gute Wurzelentwicklung vor dem Winter, sind aber bei spät austreibenden Arten wie Panicum virgatum weniger geeignet, da diese erst bei Bodentemperaturen über zehn Grad Celsius aktiv werden. Die Pflanzabstände richten sich nach der Wuchsbreite der ausgewachsenen Pflanze und liegen bei den meisten Präriestauden zwischen dreißig und sechzig Zentimetern. Zu enge Pflanzung beschleunigt zwar die Flächendeckung, erhöht aber den Konkurrenzdruck und kann empfindlichere Arten verdrängen.

Nach der Pflanzung ist eine Mulchschicht aus Kies oder Splitt in einer Körnung von acht bis sechzehn Millimetern empfehlenswert. Diese Schicht unterdrückt Beikrautkeimlinge, hält die Bodenfeuchte und simuliert die mineralischen Oberflächen vieler Präriestandorte. Organischer Mulch aus Rindenmulch oder Holzhäcksel ist für Präriegärten ungeeignet, da er Nährstoffe freisetzt und die Bodenstruktur verändert.

Pflege und Schnitt: Was der Präriegarten wann braucht

Ein etablierter Präriegarten ist kein pflegefreier Garten, aber ein pflegearmer. Der Hauptpflegeeingriff ist der Rückschnitt im späten Winter oder frühen Frühjahr, bevor der neue Austrieb beginnt. Dieser Termin, der in Mitteleuropa meist zwischen Ende Februar und Mitte März liegt, ist ökologisch wichtig: Die stehenden Halme und Samenstände bieten bis dahin Nahrung für Vögel und Überwinterungsstrukturen für Insekten. Ein zu früher Schnitt im Herbst oder Winter zerstört diese Funktion und reduziert den ökologischen Wert der Pflanzung erheblich.

Der Schnitt erfolgt auf eine Höhe von etwa zehn bis fünfzehn Zentimetern über dem Boden. Bei Gräsern mit Horst-Wuchs wie Panicum oder Schizachyrium kann das Schnittgut gebündelt und als Ganzes entfernt werden. Wichtig ist, das Schnittgut von der Fläche zu entfernen, da es sonst Nährstoffe in den Boden zurückgibt und den Beikrautdruck erhöht. Eine Ausnahme bilden Flächen, auf denen Selbstaussaat erwünscht ist, etwa bei Rudbeckia oder Echinacea, wo ein Teil des Schnittguts kurz liegen bleiben kann, um die Ausbreitung zu fördern.

Beikrautkontrolle ist besonders in den ersten zwei bis drei Jahren nach der Anlage der wichtigste Pflegeaufwand. Einjährige Beikräuter können durch Hacken oder Handausreißen kontrolliert werden, solange die Prärievegetation noch nicht vollständig geschlossen ist. Problematischer sind mehrjährige Wurzelunkräuter wie Quecke, Ackerkratzdistel oder Ampfer, die vor der Anlage konsequent beseitigt werden müssen, da sie im etablierten Präriegarten kaum noch zu kontrollieren sind. Nach drei bis vier Jahren schließt die Pflanzung in der Regel so weit, dass der Beikrautdruck deutlich nachlässt.

Düngung ist im Präriegarten grundsätzlich zu vermeiden. Wer düngt, verschiebt das Gleichgewicht zugunsten wüchsiger Konkurrenten und gefährdet die Stabilität der Pflanzengemeinschaft. Auch Bewässerung sollte nach der Etablierungsphase auf Ausnahmesituationen beschränkt bleiben. Gelegentliche Kontrolle auf invasive Arten wie Solidago canadensis oder Fallopia japonica ist sinnvoll, da diese Arten in Präriegärten einwandern und die Struktur zerstören können.

Präriegarten in der Freiraumplanung: Klimaanpassung, Biodiversität und Stadtentwicklung

Der Präriegarten hat in der professionellen Freiraumplanung in den letzten Jahrzehnten erheblich an Bedeutung gewonnen, weil er mehrere aktuelle Planungsanforderungen gleichzeitig erfüllt. Als trockenheitstolerante Pflanzung ist er ein geeignetes Instrument der Klimaanpassung in Städten, die mit zunehmenden Hitzeereignissen und Trockenperioden konfrontiert sind. Auf versiegelten oder stark verdichteten Stadtböden, auf Dächern, Böschungen und in Restflächen, die für konventionelle Begrünung ungeeignet sind, kann der Präriegarten mit geringem Ressourceneinsatz dauerhaft funktionieren.

Die Biodiversitätsfunktion des Präriegartens ist gut belegt. Die lange Blühdauer von Mai bis Oktober, die Vielfalt der Blütenformen und die Struktur der stehenden Wintervegetation schaffen Lebensräume für eine breite Palette von Insekten, darunter viele spezialisierte Wildbienenarten, die auf bestimmte Pflanzengattungen angewiesen sind. Echinacea, Liatris und Agastache gehören zu den am häufigsten von Wildbienen besuchten Präriestauden. In städtischen Kontexten, wo naturnahe Lebensräume selten sind, können Präriegärten als Trittsteinbiotope in einem Netz aus Grünflächen fungieren.

Aus stadtplanerischer Sicht ist der Präriegarten besonders für Flächen interessant, die schwer zu pflegen sind oder auf denen konventionelle Rasenflächen aus Kostengründen nicht mehr aufrechterhalten werden können. Verkehrsbegleitgrün, Böschungsflächen, Gewerbegebiete und öffentliche Plätze bieten Potenzial für großflächige Präriegestaltungen, die mit einem einmaligen Jahresschnitt auskommen. Die Kommunikation dieser Flächen gegenüber der Öffentlichkeit ist dabei eine eigene Planungsaufgabe: Präriegärten werden von unkundigen Betrachtern gelegentlich als ungepflegt wahrgenommen, besonders in der Winterphase. Informationstafeln, klare Einfassungen und gepflegte Wegeführung helfen, die Pflanzung als gestalterische Entscheidung erkennbar zu machen.

Auf Dachflächen und in extensiven Gründachsystemen eröffnet der Präriegarten neue Möglichkeiten. Mit einem geeigneten Substrataufbau aus mineralischen Komponenten und einer Substrattiefe von mindestens zwanzig bis dreißig Zentimetern können viele Präriearten auch auf Dächern kultiviert werden. Die Kombination aus Regenwasserrückhalt, Wärmedämmung, Biodiversitätsförderung und ästhetischem Wert macht Präriedachgärten zu einem zukunftsfähigen Element der Gebäudebegrünung.

Häufige Fehler und wie sie vermieden werden

Der verbreitetste Fehler bei der Anlage eines Präriegartens ist die Unterschätzung der Standortanforderungen. Wer Präriestauden in nährstoffreichen, frischen Gartenböden pflanzt, erhält keine Prärie, sondern eine Staudenrabatte mit zunehmend aggressivem Beikrautdruck. Die Abmagerung des Bodens ist keine optionale Maßnahme, sondern eine Grundvoraussetzung. Ebenso häufig ist der Fehler, schattentolerante Arten in die Pflanzung zu integrieren, die zwar ästhetisch passen mögen, aber die Standortlogik des Präriegartens untergraben.

Ein weiterer typischer Fehler ist die Wahl falscher Gräser. Viele Planer greifen zu Miscanthus sinensis, der zwar imposant wirkt, aber für Präriegärten zu wüchsig und konkurrenzstark ist und die Begleitstauden überwächst. Miscanthus ist ein Gras der ostasiatischen Feuchtwiesen, kein Präriegras. Für den Präriegarten geeignete Gräser sind deutlich zierlicher und bilden keine Rhizome, die sich unkontrolliert ausbreiten.

Auch der falsche Schnittzeitpunkt ist ein häufiger Fehler. Wer im Herbst schneidet, zerstört die Winterstruktur und beraubt die Pflanzung ihrer ökologischen Funktion. Wer zu spät schneidet, also nach dem Austrieb im April oder Mai, schädigt den neuen Trieb und schwächt die Pflanzen. Das Fenster für den Rückschnitt liegt eng, und es lohnt sich, es konsequent einzuhalten.

Der Präriegarten als Planungsaufgabe mit Zukunft

Der Präriegarten ist kein Nischenkonzept für botanisch interessierte Privatgärtner, sondern ein ernstzunehmendes Instrument der professionellen Freiraumplanung. Seine Stärken liegen genau dort, wo konventionelle Pflanzkonzepte an ihre Grenzen stoßen: auf trockenen, nährstoffarmen Böden, auf schwer zugänglichen Flächen, in Klimazonen mit zunehmenden Trockenperioden und in städtischen Kontexten, die nach Biodiversität und Pflegereduktion verlangen. Die Kombination aus struktureller Schönheit, ökologischer Leistungsfähigkeit und geringem Ressourcenbedarf macht ihn zu einem der überzeugendsten Pflanzkonzepte der gegenwärtigen Landschaftsarchitektur.

Voraussetzung für den Erfolg ist eine konsequente Planungshaltung: Der Präriegarten funktioniert nur, wenn seine ökologischen Grundbedingungen respektiert werden. Kompromisse beim Standort, beim Boden oder bei der Artenwahl rächen sich langfristig. Wer diese Grundbedingungen ernst nimmt, erhält eine Pflanzung, die sich mit der Zeit stabilisiert, selbst erneuert und an Qualität gewinnt, anstatt zu veralten. Das ist eine Eigenschaft, die in der Freiraumplanung selten ist und deshalb besonders geschätzt werden sollte.

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Kann man aus Pilzen Häuser bauen?

ETH Zürich unterstützt Unternehmen

Ein indonesisches Jungunternehmen will die Baubranche verändern. „Mycotech“ lässt aus Pilzen Baustoffe „wachsen“, nicht zuletzt dank tatkräftiger, wissenschaftlicher Unterstützung aus der Schweiz. Das flexible Baumaterial kann in jede beliebige Form gepresst werden.

In der indonesischen Stadt Badung hat sich ein kleines Unternehmen niedergelassen: das Technologie-Start-up Mycotech, das hier nicht wie üblich Tee, sondern Pilze anbaut. Doch keine zum Essen, sondern solche, aus denen irgendwann mal Häuser wachsen sollen.

Die Gründer sind Architekten, die Nachhaltigkeit in die Bauindustrie bringen wollen. Seit 2013 forschen sie an dem pilzbasierten Baustoff, seit 2015 sind sie offiziell ein Unternehmen. Zunächst unterstützte sie das indonesische Forschungszentrum, an dem auch der erste Prototyp des Materials entstand. Mittlerweile bekommen sie Hilfe von renommierten internationalen Universitäten, wie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) und der nationalen Universität Singapur.

Die Wurzeln sind es

Mycotech produziert einen Baustoff, der auf landwirtschaftlichen Abfällen basiert und mit Pilzmyzel verbunden wird. Das Myzel ist ein feines Geflecht im Boden, eine Art Wurzelsystem der Pilze. „Das macht unser Produkt zu 100 Prozent frei von Chemikalien“, sagt Ronaldiaz Hartantyo, einer der Gründer der Firma. Heraus käme ein erstaunlich flexibles und druckfestes Material, das haltbar und erschwinglich sei und zudem feuerfest und wasserabweisend.

Das Myzel herzustellen, dauert etwa einen Monat. Dazu reichern die Mitarbeiter Sägemehl mit verschiedenen Nährstoffen an, um einen optimalen Nährboden zu schaffen. Damit die Sporen keimen können, wird die Mischung zusammen mit Pilzsporen in einzelne Plastiktüten gefüllt, die dicht verschlossen in einem kühlen und dunklen Raum lagern. Bevor die Sporen austreiben, wird das Gemisch mit den gebildeten Pilzwurzeln zerkleinert, im Ofen erhitzt und schließlich in die gewünschte Form heiß gepresst.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt

Laut Firmengründer könne man mit dem Material formen, was auch immer man wolle.
Die Pilzzüchter haben aus dem beliebig formbaren Material neben Ziegelsteinen schon dekorative Fliesen und Möbel hergestellt. Noch produziert das Unternehmen das Baumaterial nicht in Serie, es fertigt es nur für spezifische Projekte an. Angedacht sind auch größere Module wie Wandisolierungen, Paneele und Fertigwände.

Momentan verwendet die indonesische Firma ihr neues Material nur für den Innenausbau, da Tests in unterschiedlichen klimatischen Bedingungen noch ausstehen. Sie träumen aber davon, irgendwann ganze Häuser aus dem nachhaltigen Material herzustellen. Dirk Hebel, Professor für nachhaltiges Bauen am Karlsruher Institut für Technologie, ist überzeugt, dass sich nachhaltige Baustoffe wie Mycotech in der Zukunft durchsetzen. Der Experte, der zuvor an der ETH Zürich gelehrt und die Indonesier dort bei ihrer Arbeit unterstützt hat, glaubt, dass wir „in Zukunft eine Verschiebung hin zu gewachsenen oder kultivierten Baumaterialien erleben“. Grund dafür sei, dass „die Ressourcen für Beton rapide ausgehen“. Sand sei in Deutschland inzwischen schon knapp. „Pilzstrukturen wachsen auf biologischen Abfällen, und zwar überall, ohne in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion zu stehen, da hierfür keine Felder oder Boden in Anspruch genommen werden“, sagt Hebel.

Trend zu nachwachsenden Baumaterialien

Auch andere Firmen arbeiten mit pilzbasierten Materialen. Zum Beispiel eine Firma in den USA: Das in New York ansässige Ecovative produziert nachhaltiges Verpackungsmaterial und bietet zudem eine Selbstanbauversion für kreative Köpfe zu Hause an.

„Sugar Valley“: Münchens neues Stadtquartier

Im Südwesten von München soll ein neues, nachhaltiges Stadtquartier namens Sugar Valley entstehen. ©Salvis Consulting AG
Im Südwesten von München soll ein neues, nachhaltiges Stadtquartier namens Sugar Valley entstehen. ©Salvis Consulting AG

Rund um die ehemalige Sendlinger Betonfabrik im Münchener Südwesten befand sich bisher vor allem ein Industriegebiet. Doch mit dem geplanten Stadtquartier „Sugar Valley“ möchte die Stadt dies nun in Rekordzeit ändern. Jetzt gibt es erste architektonische Einblicke in das Fünf-Minuten-Quartier.

Das Sugar Valley, entwickelt von der Salvis Consulting AG, soll auf etwa 150.000 Quadratmetern Mietfläche und 20.000 Quadratmetern Freifläche als neues, stilbildendes Quartier in der bayerischen Hauptstadt entstehen. Angedacht ist eine „moderne Arbeits- und Lebenswelt, in der Architektur und Außenanlagen sowie Nachhaltigkeit, Mobilität, Digitalisierung, Nutzungsmix und New Work miteinander verbunden sind“, so die Salvis Consulting AG, ein Entwickler aus München.

Dabei soll Sugar Valley auch eines der nachhaltigsten Quartiere Deutschlands werden. Das Energiekonzept basiert ausschließlich auf natürlichen Ressourcen. Weder beim Bau noch beim Betrieb soll das Projekt zusätzliches CO2 ausstoßen und sich tatsächlich ganz auf erneuerbare Energien konzentrieren.

Besser als daheim

Die Stadt München zeigte von Anfang an viel Interesse für die Bebauung des Areals rund um die alte Sendlinger Betonfabrik. Der Aufstellungsbeschluss erfolgte im Mai 2019, gefolgt vom ersten stadtplanerischen Workshop für ein derartiges Projekt in der Stadt. Innerhalb kurzer Zeit konnte die Stadt einen Bebauungsplan verabschieden und so ihrem Ziel, die gut an den ÖPNV angebundene städtische Brache zu entwickeln, ein Stück näherkommen.

Das Sugar Valley soll laut Stadtbaurätin Prof. Dr. Elisabeth Merk ein zukunftsfestes Stadtquartier werden, „welches Impulsgeber für die gesamte Stadt und für Obersendling ein identitätsstiftender und vielfältig nutzbarer Ort sein wird“.

Im ersten Bauabschnitt sollen bis 2027 drei Gebäude mit Büroflächen, öffentlichen Funktionen und eine Veranstaltungs- und Markthalle entstehen. Im Vergabeverfahren setzten sich die Architekturbüros J.MAYER.H und Partner, Architekten mbH aus Berlin und Cobe aus Kopenhagen gegen zehn andere internationale Büros durch. Laut Jury konnten beide Büros die Blaupause für eine positive Work-Life-Integration sehr gut umsetzen. Die beiden Entwürfe unterstützen damit das Motto von Sugar Valley: „besser als daheim“. Die Herausforderung wird darin bestehen, Menschen durch außergewöhnlich hohe Aufenthaltsqualität dazu einzuladen, ihr Homeoffice zu verlassen.

Die Aufenthaltsqualität in dem neuen Stadtteil mit seinen vielseitigen Nutzungen soll sehr hoch werden. ©Salvis Consulting AG
Die Aufenthaltsqualität in dem neuen Stadtteil mit seinen vielseitigen Nutzungen soll sehr hoch werden. ©Salvis Consulting AG

Eine Fünf-Minuten-Stadt in Bayern

Das Sugar Valley ist ein Leuchtturmprojekt für München. Unter anderem macht es 20.000 Quadratmeter Grün- und Freifläche für die Bevölkerung zugänglich – an einem Ort, wo früher täglich 175 Lkws verkehrten. Die voll versiegelte, leerstehende Industriebrache mit ihren Ruinen wird zu einer blühenden, nachhaltigen Landschaft. Dies soll laut Ulrich O. Fischer, Vorstand der Salvis Consulting AG, ein „architektonisches Ausrufezeichen auf internationalem Niveau“ werden und den Münchener*innen zugleich mehr Freiraum mit über 150 neu gepflanzten Bäumen geben.

Angedacht ist eine Fünf-Minuten-Stadt innerhalb der bayerischen Hauptstadt. Möglich wird dies durch die durchdachte Mischnutzung mit Bereichen für Arbeiten, Wohnen und Freizeitgestaltung. Obersendling bietet gute Voraussetzungen: Der Stadtteil ist sehr gut an das ÖPNV-Netzwerk angebunden, befindet sich fußläufig zur Isar und punktet mit schönen Blicken auf die Alpen sowie die Stadtsilhouette von München.

Weiterlesen: München streitet darüber, wie hoch Neubauten in der Stadt sein dürfen. Der Knackpunkt: Sollen die Türme der Frauenkirche mit ihren 99 Metern die Obergrenze darstellen?

Zwischennutzungsaspekte werden weitergeführt

Zum Sugar Valley gehört auch der Sugar Mountain, eine Anspielung auf den Zuckerhut in Rio de Janeiro. Rund um die alte Betonfabrik in Sendling befindet sich bereits dieses Areal, das im Rahmen einer Zwischennutzung zum Anwohnertreffpunkt für Kultur und Freizeit geworden ist. In Teilen soll diese Idee in das neue Konzept integriert werden.

Aber der beliebte bunte Turm, der derzeit den Sugar Mountain markiert, wird im September 2024 abgerissen. Danach beginnt der Neubau des neuen Quartiers Sugar Valley. Ein lachendes und ein weinendes Auge begleiten den geplanten Abriss. So erfreut sich etwa der bisherige Basketballplatz des Sugar Mountain einer intensiven Nutzung. Er könnte demnächst auf eines der neuen Dächer umziehen. Auch ein Pool sowie begrünte Dachterrassen sind auf den Türmen geplant. Denn die Aspekte Kunst, Kultur, Freizeit und Sport, die die Zwischennutzung definierten, sollen auch im Sugar Valley eine zentrale Rolle haben.

Aus dem bisherigen Sugar Mountain wird ab 2027 das Sugar Valley, wobei der sportlich-kulturelle Charakter der Zwischennutzung nach Möglichkeit erhalten bleiben soll. ©Salvis Consulting AG
Aus dem bisherigen Sugar Mountain wird ab 2027 das Sugar Valley, wobei der sportlich-kulturelle Charakter der Zwischennutzung nach Möglichkeit erhalten bleiben soll. ©Salvis Consulting AG

Sugar Valley könnte bis 2031 fertig sein

Insgesamt werden im Sugar Valley elf Gebäude entstehen, drei davon Hochhäuser mit Co-Working, Gastro, Fitness und Büros sowie Wohnungen. Über 30 Nutzungsarten aus allen Lebensbereichen und für alle Bevölkerungsgruppen sind vorgesehen. Dabei stehen die Mischnutzung und die Idee einer 5-Minuten-Stadt im Vordergrund. Soziale Begegnungsräume, Arbeitsplätze und direkte Einkaufsmöglichkeiten sollen leicht erreichbar sein.

Auch nachhaltig soll es zugehen: In einem 100-Punkte-Plan sind 100 Einzelmaßnahmen vorgesehen, die die Nachhaltigkeit des Projektes von Anfang an sichern sollen. Dazu gehören etwa Prinzipien der Kreislaufwirtschaft, die Nutzung oberflächennaher Geothermie, Sonne und Wind, der Einsatz von Wärmepumpen sowie ein klimaneutraler Bau. So könnte das Sugar Valley Münchens erstes Quartier werden, das beim Heizen und Kühlen CO2-neutral vorgeht.

Das Mobilitätskonzept klingt sehr modern: Oberirdisch soll das Sugar Valley autofrei sein. Parken ist in einer neuen Tiefgarage möglich, die Platz für 1.200 Autos bietet und auch E-Ladesäulen hat. 1.500 Radstellplätze sowie ein Radweg mitten durch das Quartier, der bis an die Isar führt, bieten Alternativen. Und mit der U-Bahn ist der Marienplatz in 13 Minuten erreicht.

2027 sollen für einen Preis von 300 Millionen die ersten drei Gebäude, inklusive einem 80 Meter hohen Büroturm, stehen. Bis zum letzten Bauabschnitt des Vorhabens könnte es 2031 werden. Es braucht also noch etwas Geduld, um das ganze Ergebnis zu sehen. Die 250 geplanten Mietwohnungen, davon 80 gefördert und 170 frei finanziert, werden gegen Ende des Projektes fertiggestellt.

Übrigens: Auch am Münchner Dreilingsweg soll ein neues Quartier entstehen, das aus einer vorwiegend landwirtschaftlich genutzten Fläche eine attraktive Nachbarschaft macht.