Präriegarten: Planung, Arten und Praxis

Eine durchdachte Pflanzung im Freiraum zum Thema Präriegarten
Blühende Wiesenlandschaft mit Wildblumen und Gräsern – Foto: sayakaganz22 / Unsplash

Der Präriegarten ist keine Modeerscheinung und kein romantisches Zitat amerikanischer Weite, sondern ein durchdachtes Planungskonzept, das auf den ökologischen Prinzipien der nordamerikanischen Graslandschaften basiert und zugleich auf die Bedingungen des mitteleuropäischen Stadtklimas antwortet. Wer einen Präriegarten plant, arbeitet mit einem Pflanzensystem, das Trockenheit, Nährstoffarmut und intensive Sonneneinstrahlung nicht toleriert, sondern benötigt. Das Ergebnis sind Flächen von außergewöhnlicher Vitalität, langer Blühdauer und hohem ökologischem Wert, die sich mit wachsender Reife selbst regulieren und dabei weniger Pflege verlangen als konventionelle Staudenbeete.

  • Was ein Präriegarten ist und worin er sich von anderen Staudenpflanzungen unterscheidet
  • Welche ökologischen und historischen Grundlagen das Konzept prägen
  • Welche Standortbedingungen für einen Präriegarten zwingend erforderlich sind
  • Welche Gräser, Stauden und Zwiebelpflanzen sich für mitteleuropäische Präriegärten bewährt haben
  • Wie Präriegärten geplant, aufgebaut und strukturiert werden
  • Welche Pflege- und Schnittregimes für Langlebigkeit und Stabilität sorgen
  • Welche Fehler bei Anlage und Pflege typischerweise auftreten und wie sie vermieden werden
  • Wie der Präriegarten in städtische Freiraumplanung, Klimaanpassung und Biodiversitätsförderung eingebettet ist

Was ist ein Präriegarten? Definition, Ursprung und Abgrenzung

Der Begriff Präriegarten bezeichnet eine Pflanzungsform, die sich an den Pflanzengesellschaften der nordamerikanischen Prärien orientiert: offene, von Gräsern dominierte Landschaften mit eingestreuten Blütenstauden, die auf tiefgründigen, nährstoffarmen bis mäßig nährstoffreichen, gut durchlässigen Böden unter kontinentalem Klima entstanden sind. Das Konzept überträgt diese Pflanzenvergesellschaftung in den gestalteten Freiraum, ohne dabei eine naturalistische Kopie zu erzeugen. Es geht vielmehr darum, die strukturellen und ökologischen Prinzipien der Prärie, also das Gleichgewicht zwischen Gräsern und Kräutern, die Selbstregulation durch Konkurrenz und die Anpassung an Stress, in eine planbare und pflegbare Pflanzung zu übersetzen.

Vom klassischen Staudenbeet unterscheidet sich der Präriegarten grundlegend in seiner Logik. Das Staudenbeet ist eine Komposition aus Einzelpflanzen, die durch Pflege in ihrer Struktur gehalten wird. Der Präriegarten hingegen funktioniert als Pflanzengemeinschaft, in der die Arten miteinander konkurrieren, sich gegenseitig stützen und langfristig ein dynamisches Gleichgewicht ausbilden. Gräser übernehmen dabei eine tragende Strukturrolle, während Blütenstauden als Farbakzente und ökologische Ressourcen eingestreut sind. Diese Grundidee verbindet den Präriegarten mit dem breiteren Konzept der naturalistischen Pflanzung, wie sie von Planern wie Piet Oudolf, Cassian Schmidt und dem Konzept der Sichtungsgärten in Deutschland weiterentwickelt wurde.

Abzugrenzen ist der Präriegarten von der Wildblumenwiese einerseits und vom Steppengarten andererseits. Die Wildblumenwiese ist eine extensiv gemähte Grasnarbe mit eingestreuten Wiesenkräutern, die auf Mahd als Pflegeeingriff angewiesen ist und keine dauerhafte Staudenstruktur entwickelt. Der Steppengarten orientiert sich an den Pflanzengesellschaften der eurasischen Steppen und arbeitet mit anderen Gattungen, anderen Bodentypen und einer anderen Vegetationsstruktur. Der Präriegarten bezieht sich spezifisch auf nordamerikanische Gattungen wie Echinacea, Rudbeckia, Liatris, Baptisia, Sorghastrum, Panicum und Schizachyrium, auch wenn er in der Praxis häufig durch kompatible europäische und asiatische Arten ergänzt wird.

Ökologische und historische Grundlagen des Präriegartens

Die nordamerikanische Prärie erstreckte sich ursprünglich über weite Teile des mittleren Nordamerikas und bildete eines der artenreichsten Graslandökosysteme der Erde. Ihre Vegetation war das Ergebnis eines Zusammenspiels aus geringen Jahresniederschlägen, extremen Temperaturschwankungen, periodischen Bränden und dem Fraßdruck großer Weidetiere. Diese Stressfaktoren selektierten Pflanzen mit tiefen Wurzelsystemen, hoher Trockentoleranz und der Fähigkeit, nach Störungen rasch wieder auszutreiben. Die Wurzeln vieler Präriegräser reichen mehrere Meter in den Boden, was ihnen ermöglicht, auch in langen Trockenperioden Wasser zu erschließen.

Das gärtnerische Interesse an Präriearten begann im späten 19. Jahrhundert, als nordamerikanische Wildstauden zunehmend in europäische Gärten eingeführt wurden. Eine systematische Auseinandersetzung mit dem Präriegarten als Planungskonzept entwickelte sich jedoch erst im 20. Jahrhundert. Der amerikanische Landschaftsarchitekt Jens Jensen gilt als früher Vertreter einer Gestaltung, die sich an heimischen Präriegesellschaften orientierte. In Deutschland und den Niederlanden wurde das Konzept durch die Arbeit von Karl Foerster, der viele nordamerikanische Gräser und Stauden für den europäischen Garten erschloss, und später durch Piet Oudolf und Urs Walser weiterentwickelt. Der Sichtungsgarten Hermannshof in Weinheim und die Arbeiten der Bundesgartenschauen haben das Konzept in der deutschsprachigen Landschaftsarchitektur verankert.

Die ökologische Relevanz des Präriegartens liegt in seiner Funktion als Lebensraum für Insekten, besonders für spezialisierte Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge. Viele Präriestauden bieten nektar- und pollenreiche Blüten über einen langen Zeitraum von Frühsommer bis Herbst. Die stehenden Samenstände und Halme der Gräser liefern im Winter Nahrung für Vögel und Überwinterungsstrukturen für Insekten. Diese Eigenschaften machen den Präriegarten zu einem wertvollen Baustein in der städtischen Biodiversitätsstrategie, weit über seinen ästhetischen Wert hinaus.

Standortanforderungen: Was der Präriegarten wirklich braucht

Die wichtigste Planungsvoraussetzung für einen erfolgreichen Präriegarten ist ein nährstoffarmer bis mäßig nährstoffreicher, gut durchlässiger Boden in voller Sonnenlage. Dieser Punkt wird in der Praxis häufig unterschätzt oder bewusst umgangen, was regelmäßig zu Misserfolgen führt. Präriearten sind auf Nährstoffarmut angewiesen, nicht weil sie keine Nährstoffe aufnehmen können, sondern weil sie unter nährstoffreichen Bedingungen von konkurrenzstärkeren, wüchsigeren Arten verdrängt werden. Ein mit Kompost angereicherter Gartenboden begünstigt Brennnesseln, Disteln und aggressive Gräser, nicht die zierlichen Präriestauden.

Die Bodenreaktion sollte neutral bis leicht sauer sein, der pH-Wert liegt idealerweise zwischen 6,0 und 7,0. Schwere, staunasse Lehmböden sind für die meisten Präriearten ungeeignet, da ihre Wurzeln empfindlich auf Sauerstoffmangel reagieren. Auf solchen Böden kann durch Einarbeitung von Kies oder Splitt eine Drainage verbessert werden, was jedoch aufwendig ist und nur bei kleineren Flächen wirtschaftlich sinnvoll erscheint. Sandige und kiesige Böden, wie sie auf Stadtbrachen, Bahngeländen und in Neubaugebieten häufig vorkommen, sind dagegen ideale Ausgangsbedingungen für einen Präriegarten.

Die Sonneneinstrahlung ist eine weitere nicht verhandelbare Grundbedingung. Präriegärten benötigen mindestens sechs Stunden direkte Sonneneinstrahlung täglich. Unter Halbschatten verlieren die Gräser ihre charakteristische Standfestigkeit, die Stauden etiolieren und die Pflanzung verliert ihre Struktur. In städtischen Situationen mit hoher Bebauungsdichte ist die Standortwahl deshalb sorgfältig zu prüfen. Geeignete Standorte sind Südlagen an Gebäuden, offene Platzflächen, Böschungen und Dachbegrünungen mit ausreichender Substrattiefe.

Wasserversorgung ist im etablierten Präriegarten kein kritischer Faktor, da die verwendeten Arten an Trockenheit angepasst sind. In den ersten ein bis zwei Jahren nach der Pflanzung, solange die Wurzelsysteme noch nicht vollständig ausgebildet sind, ist eine Anwässerung bei länger anhaltender Trockenheit sinnvoll. Danach sollte auf Bewässerung weitgehend verzichtet werden, da regelmäßiges Wässern nährstoffliebende Konkurrenten begünstigt und die Stresstoleranz der Präriearten untergräbt.

Artenauswahl: Gräser, Stauden und Zwiebelpflanzen für den Präriegarten

Die Artenauswahl für einen Präriegarten folgt einer klaren Strukturlogik. Gräser bilden das Gerüst der Pflanzung und machen in der Regel dreißig bis fünfzig Prozent der Pflanzfläche aus. Blütenstauden liefern die saisonale Farbdynamik und ökologische Vielfalt. Zwiebelpflanzen ergänzen das Frühjahrsgeschehen und füllen Lücken, bevor die Hauptvegetation austreibt. Diese drei Schichten überlagern sich zeitlich und räumlich und erzeugen die charakteristische Dichte und Tiefe eines Präriegartens.

Unter den Gräsern haben sich für mitteleuropäische Verhältnisse besonders bewährt: Panicum virgatum (Rutenhirse) in Sorten wie ‚Shenandoah‘ oder ‚Heavy Metal‘, das aufrechte Wuchsform und Herbstfärbung kombiniert; Schizachyrium scoparium (Kleines Blaugrass), das feine Textur und intensive Herbstfärbung bietet; Sorghastrum nutans (Indianergras), ein hochwüchsiges, spätblühendes Gras mit goldbrauner Herbstfärbung; sowie Sporobolus heterolepis (Prärie-Tropfengras), das durch seinen anisartigen Duft und seine feine Textur besticht. Ergänzend können europäische Gräser wie Molinia caerulea, Deschampsia cespitosa oder Stipa-Arten eingesetzt werden, sofern sie standörtlich kompatibel sind.

Bei den Blütenstauden bilden nordamerikanische Gattungen den Kern des Sortiments. Echinacea purpurea und ihre Verwandten (Sonnenhut) blühen von Juli bis September und bieten Insekten und Vögeln gleichermaßen Ressourcen. Rudbeckia fulgida (Sonnenauge) ist robust, langlebig und selbstaussäend. Liatris spicata (Prachtscharte) blüht von oben nach unten und ist eine wichtige Ressource für Schmetterlinge. Baptisia australis (Blauer Falscher Indigo) bildet tiefe Wurzeln und ist extrem langlebig, braucht aber mehrere Jahre zur vollen Entfaltung. Agastache-Arten, Penstemon-Arten und Silphium perfoliatum (Durchwachsene Silphie) ergänzen das Spektrum für größere Flächen. Aus Europa und Asien können Arten wie Salvia nemorosa, Nepeta-Sorten, Perovskia atriplicifolia und Verbascum-Arten integriert werden, sofern sie die Standortbedingungen teilen.

Zwiebelpflanzen spielen im Präriegarten eine oft unterschätzte Rolle. Allium-Arten (Zierlauch) in verschiedenen Höhen und Blütezeiten verlängern die Saison ins Frühjahr und ergänzen die Struktur durch kugelförmige Blütenstände. Camassia-Arten, die in nordamerikanischen Feuchtprärien heimisch sind, eignen sich für Standorte mit gelegentlicher Frühjahrsnässe. Tulipa-Arten in botanischen Sorten und Narcissus-Arten können die Frühjahrsphase bereichern, ohne die Sommervegetation zu beeinträchtigen.

Planung und Anlage: Vom Konzept zur fertigen Pflanzung

Die Planung eines Präriegartens beginnt mit der genauen Analyse des Standorts. Bodenprobe, Lichtmessung und Bestandsaufnahme der vorhandenen Vegetation geben Auskunft über Nährstoffgehalt, Bodenstruktur, Wasserhaushalt und mögliche Konkurrenzvegetation. Auf nährstoffreichen Böden ist eine Abmagerung durch Oberbodenabtrag oder mehrjährige Vorkultur mit nährstoffentziehenden Pflanzen notwendig, bevor eine Präriegesellschaft stabil etabliert werden kann. Dieser Schritt wird in der Praxis häufig übersprungen, was zu dauerhaften Problemen mit Beikrautdruck führt.

Das Pflanzschema folgt keiner streng geometrischen Logik, sondern orientiert sich an der natürlichen Verteilung von Präriegesellschaften: Gräser als gleichmäßig verteilte Grundstruktur, Stauden in Gruppen von drei bis sieben Pflanzen, die sich wiederholen und versetzt zueinander angeordnet sind. Diese Wiederholung erzeugt Rhythmus und Kohärenz, ohne Monotonie zu erzeugen. Für größere Flächen ab etwa zweihundert Quadratmetern empfiehlt sich eine Matrixpflanzung, bei der eine oder zwei dominante Grasarten die Grundmatrix bilden und Stauden in definierten Dichten eingestreut werden. Dieses Konzept, das in der deutschen Landschaftsarchitektur besonders durch die Arbeiten von Cassian Schmidt und dem Hermannshof bekannt wurde, reduziert den Planungsaufwand und erhöht die ökologische Stabilität.

Die Pflanzzeit liegt idealerweise im Frühjahr oder frühen Herbst. Frühjahrsanpflanzungen profitieren von der Wachstumsenergie der Saison, erfordern aber in Trockenphasen Anwässerung. Herbstanpflanzungen ermöglichen eine gute Wurzelentwicklung vor dem Winter, sind aber bei spät austreibenden Arten wie Panicum virgatum weniger geeignet, da diese erst bei Bodentemperaturen über zehn Grad Celsius aktiv werden. Die Pflanzabstände richten sich nach der Wuchsbreite der ausgewachsenen Pflanze und liegen bei den meisten Präriestauden zwischen dreißig und sechzig Zentimetern. Zu enge Pflanzung beschleunigt zwar die Flächendeckung, erhöht aber den Konkurrenzdruck und kann empfindlichere Arten verdrängen.

Nach der Pflanzung ist eine Mulchschicht aus Kies oder Splitt in einer Körnung von acht bis sechzehn Millimetern empfehlenswert. Diese Schicht unterdrückt Beikrautkeimlinge, hält die Bodenfeuchte und simuliert die mineralischen Oberflächen vieler Präriestandorte. Organischer Mulch aus Rindenmulch oder Holzhäcksel ist für Präriegärten ungeeignet, da er Nährstoffe freisetzt und die Bodenstruktur verändert.

Pflege und Schnitt: Was der Präriegarten wann braucht

Ein etablierter Präriegarten ist kein pflegefreier Garten, aber ein pflegearmer. Der Hauptpflegeeingriff ist der Rückschnitt im späten Winter oder frühen Frühjahr, bevor der neue Austrieb beginnt. Dieser Termin, der in Mitteleuropa meist zwischen Ende Februar und Mitte März liegt, ist ökologisch wichtig: Die stehenden Halme und Samenstände bieten bis dahin Nahrung für Vögel und Überwinterungsstrukturen für Insekten. Ein zu früher Schnitt im Herbst oder Winter zerstört diese Funktion und reduziert den ökologischen Wert der Pflanzung erheblich.

Der Schnitt erfolgt auf eine Höhe von etwa zehn bis fünfzehn Zentimetern über dem Boden. Bei Gräsern mit Horst-Wuchs wie Panicum oder Schizachyrium kann das Schnittgut gebündelt und als Ganzes entfernt werden. Wichtig ist, das Schnittgut von der Fläche zu entfernen, da es sonst Nährstoffe in den Boden zurückgibt und den Beikrautdruck erhöht. Eine Ausnahme bilden Flächen, auf denen Selbstaussaat erwünscht ist, etwa bei Rudbeckia oder Echinacea, wo ein Teil des Schnittguts kurz liegen bleiben kann, um die Ausbreitung zu fördern.

Beikrautkontrolle ist besonders in den ersten zwei bis drei Jahren nach der Anlage der wichtigste Pflegeaufwand. Einjährige Beikräuter können durch Hacken oder Handausreißen kontrolliert werden, solange die Prärievegetation noch nicht vollständig geschlossen ist. Problematischer sind mehrjährige Wurzelunkräuter wie Quecke, Ackerkratzdistel oder Ampfer, die vor der Anlage konsequent beseitigt werden müssen, da sie im etablierten Präriegarten kaum noch zu kontrollieren sind. Nach drei bis vier Jahren schließt die Pflanzung in der Regel so weit, dass der Beikrautdruck deutlich nachlässt.

Düngung ist im Präriegarten grundsätzlich zu vermeiden. Wer düngt, verschiebt das Gleichgewicht zugunsten wüchsiger Konkurrenten und gefährdet die Stabilität der Pflanzengemeinschaft. Auch Bewässerung sollte nach der Etablierungsphase auf Ausnahmesituationen beschränkt bleiben. Gelegentliche Kontrolle auf invasive Arten wie Solidago canadensis oder Fallopia japonica ist sinnvoll, da diese Arten in Präriegärten einwandern und die Struktur zerstören können.

Präriegarten in der Freiraumplanung: Klimaanpassung, Biodiversität und Stadtentwicklung

Der Präriegarten hat in der professionellen Freiraumplanung in den letzten Jahrzehnten erheblich an Bedeutung gewonnen, weil er mehrere aktuelle Planungsanforderungen gleichzeitig erfüllt. Als trockenheitstolerante Pflanzung ist er ein geeignetes Instrument der Klimaanpassung in Städten, die mit zunehmenden Hitzeereignissen und Trockenperioden konfrontiert sind. Auf versiegelten oder stark verdichteten Stadtböden, auf Dächern, Böschungen und in Restflächen, die für konventionelle Begrünung ungeeignet sind, kann der Präriegarten mit geringem Ressourceneinsatz dauerhaft funktionieren.

Die Biodiversitätsfunktion des Präriegartens ist gut belegt. Die lange Blühdauer von Mai bis Oktober, die Vielfalt der Blütenformen und die Struktur der stehenden Wintervegetation schaffen Lebensräume für eine breite Palette von Insekten, darunter viele spezialisierte Wildbienenarten, die auf bestimmte Pflanzengattungen angewiesen sind. Echinacea, Liatris und Agastache gehören zu den am häufigsten von Wildbienen besuchten Präriestauden. In städtischen Kontexten, wo naturnahe Lebensräume selten sind, können Präriegärten als Trittsteinbiotope in einem Netz aus Grünflächen fungieren.

Aus stadtplanerischer Sicht ist der Präriegarten besonders für Flächen interessant, die schwer zu pflegen sind oder auf denen konventionelle Rasenflächen aus Kostengründen nicht mehr aufrechterhalten werden können. Verkehrsbegleitgrün, Böschungsflächen, Gewerbegebiete und öffentliche Plätze bieten Potenzial für großflächige Präriegestaltungen, die mit einem einmaligen Jahresschnitt auskommen. Die Kommunikation dieser Flächen gegenüber der Öffentlichkeit ist dabei eine eigene Planungsaufgabe: Präriegärten werden von unkundigen Betrachtern gelegentlich als ungepflegt wahrgenommen, besonders in der Winterphase. Informationstafeln, klare Einfassungen und gepflegte Wegeführung helfen, die Pflanzung als gestalterische Entscheidung erkennbar zu machen.

Auf Dachflächen und in extensiven Gründachsystemen eröffnet der Präriegarten neue Möglichkeiten. Mit einem geeigneten Substrataufbau aus mineralischen Komponenten und einer Substrattiefe von mindestens zwanzig bis dreißig Zentimetern können viele Präriearten auch auf Dächern kultiviert werden. Die Kombination aus Regenwasserrückhalt, Wärmedämmung, Biodiversitätsförderung und ästhetischem Wert macht Präriedachgärten zu einem zukunftsfähigen Element der Gebäudebegrünung.

Häufige Fehler und wie sie vermieden werden

Der verbreitetste Fehler bei der Anlage eines Präriegartens ist die Unterschätzung der Standortanforderungen. Wer Präriestauden in nährstoffreichen, frischen Gartenböden pflanzt, erhält keine Prärie, sondern eine Staudenrabatte mit zunehmend aggressivem Beikrautdruck. Die Abmagerung des Bodens ist keine optionale Maßnahme, sondern eine Grundvoraussetzung. Ebenso häufig ist der Fehler, schattentolerante Arten in die Pflanzung zu integrieren, die zwar ästhetisch passen mögen, aber die Standortlogik des Präriegartens untergraben.

Ein weiterer typischer Fehler ist die Wahl falscher Gräser. Viele Planer greifen zu Miscanthus sinensis, der zwar imposant wirkt, aber für Präriegärten zu wüchsig und konkurrenzstark ist und die Begleitstauden überwächst. Miscanthus ist ein Gras der ostasiatischen Feuchtwiesen, kein Präriegras. Für den Präriegarten geeignete Gräser sind deutlich zierlicher und bilden keine Rhizome, die sich unkontrolliert ausbreiten.

Auch der falsche Schnittzeitpunkt ist ein häufiger Fehler. Wer im Herbst schneidet, zerstört die Winterstruktur und beraubt die Pflanzung ihrer ökologischen Funktion. Wer zu spät schneidet, also nach dem Austrieb im April oder Mai, schädigt den neuen Trieb und schwächt die Pflanzen. Das Fenster für den Rückschnitt liegt eng, und es lohnt sich, es konsequent einzuhalten.

Der Präriegarten als Planungsaufgabe mit Zukunft

Der Präriegarten ist kein Nischenkonzept für botanisch interessierte Privatgärtner, sondern ein ernstzunehmendes Instrument der professionellen Freiraumplanung. Seine Stärken liegen genau dort, wo konventionelle Pflanzkonzepte an ihre Grenzen stoßen: auf trockenen, nährstoffarmen Böden, auf schwer zugänglichen Flächen, in Klimazonen mit zunehmenden Trockenperioden und in städtischen Kontexten, die nach Biodiversität und Pflegereduktion verlangen. Die Kombination aus struktureller Schönheit, ökologischer Leistungsfähigkeit und geringem Ressourcenbedarf macht ihn zu einem der überzeugendsten Pflanzkonzepte der gegenwärtigen Landschaftsarchitektur.

Voraussetzung für den Erfolg ist eine konsequente Planungshaltung: Der Präriegarten funktioniert nur, wenn seine ökologischen Grundbedingungen respektiert werden. Kompromisse beim Standort, beim Boden oder bei der Artenwahl rächen sich langfristig. Wer diese Grundbedingungen ernst nimmt, erhält eine Pflanzung, die sich mit der Zeit stabilisiert, selbst erneuert und an Qualität gewinnt, anstatt zu veralten. Das ist eine Eigenschaft, die in der Freiraumplanung selten ist und deshalb besonders geschätzt werden sollte.

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In Ottobrunn hat die europaweit erste Testrecke für Hyperloop eröffnet. Foto: © TUM 2023 Hyperloop
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Ein Team der TU München forscht seit zehn Jahren am Hyperloop. Nun wurde in Ottobrunn Europas erste vollständig für den Passagierbetrieb zertifizierte Teststrecke eröffnet.

Was klingt wie eine Science-Fiction-Vision, könnte mit dem Hyperloop schon bald zur Realität werden. Foto: © TUM 2023 Hyperloop
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TU München Team forscht an Hyperloop

Mit 900 Kilometern pro Stunde in einer Kapsel durch eine luftleere Röhre reisen. Was klingt wie ein Szenario aus einem Science-Fiction-Film, daran tüftelt ein Team der Technischen Universität München. Der sogenannte Hyperloop soll nämlich genau das ermöglichen. Das Projekt nahm seinen Anfang, nachdem Elon Musk vor 2012 zu dieser Technik einen Wettbewerbe für Studierende auslobte. Dabei sicherten sich Teams der Technischen Universität München den ersten Platz. Auch im Folgenden konnten sie immer wieder bei Wettbewerben in Musks Dunstkreis glänzen. Dessen Raumfahrtfirma SpaceX hatte auf einem Grundstück in Kalifornien noch bis 2022 selbst eine 1,6 Kilometer lange Teststrecke mit rund 1,8 Metern Durchmesser. 2019 beispielsweise stellten die Münchner*innen dort einen Geschwindigkeitsrekord von 463 km/h auf. Seit gut 10 Jahren tüfteln die Entwickler*innen nun am Projekt Hyperloop. Insgesamt umfasst das Team mittlerweile 86 Mitarbeitende aus 26 Nationen.

Kapsel mit Passagier*innen an Bord

Als weiteren Meilenstein in der Entwicklung sehen die Verantwortliche die Teststrecke, die nun in Ottobrunn nahe der bayerischen Hauptstadt eröffnet wurde. Es ist Europas erste vollständig für den Passagierbetrieb zertifizierte Teststrecke. In Nevada gelang der US-Firma Hyperloop One bereits 2020 die Fahrt einer Kapsel mit Menschen an Bord durch eine Teströhre. Ein Jahr später gab sie die Forschung am Personenverkehr jedoch auf, um sich auf das praktikablere Frachtgeschäft zu konzentrieren. Was in Ottobrunn nun geschieht, könnte also durchaus auch international bedeutsam sein. Nicht umsonst ist das Projekt an der Universität München seit einiger Zeit in einem eigenen Hyperloop-Programm verankert. Dieses ist wiederum seit 2020 Teil der „Hightech Agenda Bayern“ und wird vom Freistaat Bayern mitfinanziert.

Hyperloop in Ottobrunn

Bei der feierlichen Einweihung waren deshalb auch unter anderem Ministerpräsident Markus Söder und Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) anwesend. Söder sprach von einem „Superpotenzial“ und Blume betonte, jede große Idee habe einmal klein angefangen. Damit mochte er auf die Größe – beziehungsweise Länge – des Testtunnels anspielen. Dieser ist derzeit nur rund 24 Meter lang. Auf dieser Strecke sind zunächst keine neuen Geschwindigkeitsrekorde zu erwarten. Um auf ein Tempo von rund 900 Kilometern pro Stunde zu kommen, braucht der Hyperloop zehn bis zwanzig Kilometer. Die Kapsel mit fünf Plätzen in Ottobrunn bewegt sich hingegen nur mit Schritttempo durch die Röhre. Zum jetzigen Stand soll dort jedoch vorrangig die Abdichtung der Betonröhre im realen Maßstab erforscht werden. Außerdem liegt ein Fokus auf der Kapsel und der Sicherheit der Passagier*innen im Vakuum der Röhre. Weiterhin ist eine vertiefte Erforschung der Steuerung und des Antriebssystems vorgesehen. Schließlich arbeiten die Forscher*innen ein Bahnhofskonzept aus.

Nächste Schritte

Die erste Testfahrt des Prototyps fand am 10. Juli diesen Jahres statt. Und auch den nächsten Schritt hat das internationale Team bereits ins Auge gefasst: Bis 2025 möchten sie eine ein Kilometer lange Teststrecke bauen. Wo und wann ist offen. Jedoch soll diese auch der Öffentlichkeit zum Probefahren zur Verfügung stehen. Die Science-Fiction-Vision der Fortbewegung könnte in den nächsten Jahren also tatsächlich realisiert werden.

Mehr zum Hyperloop in Deutschland lesen Sie hier.

 

 

Wiens rot-pinke Regierung will Österreichs Hauptstadt grüner gestalten. In ihrem Regierungsprogramm plant die Koalition aus SPÖ und Neos den Grünflächenanteil von derzeit 53 Prozent zu erhöhen und etwa 25 000 neue Stadtbäume zu pflanzen. Mit dem Ideenwettbewerb #wienbegrünen suchte die österreichische Hauptstadt nach Ideen zur alternativen Begrünung von Flächen. 15 000 Wiener*innen wählten im Publikumsvoting aus 500 Einreichungen ihre Favoriten. Nun stehen die Sieger*innen des Publikumsvotings „Grüneres Wien“ fest. Hier stellen wir sie Ihnen vor.

Wien will lebenswerteste Stadt der Welt bleiben

 

Unter den Mottos „Flaktürme Begrünen“, „Bäume für die Wiese“ oder „Hängende Gärten Wienfluss“ reichten Wiens Bürger*innen fleißig ihre Vorschläge für ein grüneres Wien ein. Mit dem Ideenwettbewerb unter dem Hashtag #wienbegrünen rief die österreichische Hauptstadt ihre Bewohner*innen seit März 2021 dazu auf, aktiv an der grünen Umgestaltung ihres Heimatortes mitzuwirken.

Der Wettbewerb ist Teil einer Kampagne der rot-pinken Regierung Wiens. Diese hat sich vorgenommen, die Stadt zu einem Musterbeispiel des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit zu machen. Zu den Plänen gehört beispielsweise den Grünflächenanteil der Stadt – er beträgt aktuell immerhin 53 Prozent – durch die Pflanzung von etwa 25 000 Bäumen zu erhöhen. Unter dem Stichwort „Wiener Klimapakt“ werden aber auch noch andere Maßnahmen erwähnt, wie zum Beispiel die Ausrüstung aller öffentlicher Gebäude mit Solarzellen bis 2025, der Umstieg von fossilen Heizsystemen auf Fernwärme und nachhaltig betriebene Heizsysteme sowie die Förderung von Elektromobilität durch die Umrüstung stadteigener Fahrzeuge und eine verpflichtende Leerverrohrung von Neubauten für die Kabel von E-Ladestationen im Baugesetz.

Vor dem Hintergrund der weltweiten Klimaerwärmung wird sich Wien zukünftig auf längere und heißere Trockenperioden einstellen müssen. Um das urbane Umfeld auch an heißen Tagen so lebenswert zu erhalten, wie sie heute ist – Wien gilt seit Jahren als die lebenswerteste Stadt weltweit – möchte die Stadtregierung nun die Bürger*innen partizipieren lassen und bietet mit dem Ideenwettbewerb #wienbegrünen ein offenes Ohr für grüne Stadtraumideen.

Der Ideenwettbewerb #wienbegrünen ist dabei Teil des Projekts „Wien wird WOW“; eine Initiative, mit der, wie sie von sich sagt, die Stadtplanung zu den Bürger*innen kommt. Neben dem Ideenwettbewerb laufen aktuell auch von der Initiative angeschobene Bürger*innenbeteiligungen zur Umgestaltung des populären Naschmarkts in der Wiener Stadtmitte und zur Zukunft des Gemeindebezirks Favoriten.

#wienbegrünen: Die Sieg-Projekte

„Begrünung Seestadt U-Bahnstation-Vorplatz“ – Hopfen für das Seestädter Craft Beer (eingereicht von Sabi Rimanóczy)

Der Vorplatz der U-Bahnstation Seestadt – auch bekannt als Wangari-Maathai-Platz – sticht aktuell vor allem durch ein Stein-Kunstwerk hervor: ein Symbol für die ehemalige Asperner Flugfeld-Landebahn. Das Konzept von Sabi Rimanóczy beinhaltet einen Ring aus Pflanztrog-Bankmodulen aus Holz, der die Landebahn umschliesst und die Form der Seestädter Gürtelstraße umschließt. Der Clou dabei: In den Pflanztrögen soll schnellwachsender Hopfen wachsen, aus dem anschließend Craft-Bier gewonnen werden kann. Dessen Erlöse sollen in weitere Seestadtbegrünungsprojekte fließen. Außerdem könnte moderne Nebeltechnik für Abkühlung an heißen Tagen sorgen und temporär montierbare Tafeln Ausstellungen ermöglichen.

Mehr Informationen finden Sie hier.

 

Schnupfenboxen zu Freiflächen (eingereicht von Linda Schneider)

Die Stadt Wien hat insgesamt 30 Corona-Teststationen – charmanterweise auch „Schnupfenboxen“ genannt – eingerichtet. Der Raum, den diese aktuell belegen, möchte Linda Schneider nach der Pandemie dauerhaft für Begrünungsmaßnahmen verwenden. Die Idee würde Möglichkeiten bieten, die Hitzebildung in der Stadt zu reduzieren und qualitiativ hochwertigere Freiräume schaffen. Es gibt im gesamten Wiener Stadtgebiet Umsetzungsmöglichkeiten.

Mehr Informationen finden Sie hier.

 

Die Neue Normalität (eingereicht von Hannah Wolfinger)

Der 5. Wiener Gemeindebezirk besticht im Moment nicht gerade mit grünen Freiflächen: Weite Teile davon sind dicht verbaut, die Straßenräume sind eng. Das bedeuter aber, dass es viel Luft nach oben gibt. Und dieses Potenzial für innovative und einfache Begrünungs-Lösungen, möchte Hannah Wolfinger nutzen.

Sie hat eine Idee für die Schönbrunnerstraße/Strobachgasse eingereicht. Wo die beiden Straßen zusammenlaufen, gibt es einen Vorplatz, der zwar drei große Plantanen beheimatet, aber keine Aufenthaltsmöglichkeiten bietet. Außerdem ist er größtenteils versiegelt. Wolfinger möchte nun den Boden entsiegeln, Rasen sähen und Hochbeete und Mobiliar platzieren. So entsteht ein grüner Platz, wo sich Anwohner*innen treffen können.

Mehr Informationen finden Sie hier.

 

#wienbegrünen: die Kategorien

Der Asperner Urwaltzylinder (eingereicht von Adriaan Bayer)

Adriaan Bayers Idee sieht einen Miniwald vor, der auf rund 200 Quadratmetern entstehen und sich innerhalb von 20 Jahren zu einem Urwald entwickeln soll. Dafür möchte er die Miyawaki-Methodik anwenden, mit der es möglich ist, auf sehr kleinem Raum einen äußerst diversen und dichten Mini-Urwald zu pflanzen. Dazu sind 600 Bäume – insgesamt 25 verschiedene Baumarten – geplant. Die Methodik wird in Europa bereits in den Niederlanden genutzt und von der Universität Wageningen erforscht.

Mehr Informationen finden Sie hier.

Die Stadt war auf der Suche nach Ideen in den folgenden vier Kategorien:

Asphaltierte Flächen und Plätze

In dieser Kategorie waren Ideen gesucht, die es ermöglichen, versiegelte Stadtflächen zu begrünen. Das gilt auch, wenn beispielsweise durch unterirdische Infrastruktur keine tiefwurzelnden Bäume gepflanzt werden können.

Lebenswerter Straßenraum

Hier waren Ideen für die Begrünung von Straßenrändern, Gehwegen, Mittelstreifen und ähnlichem gefragt, ohne dass diese die Verkehrssicherheit beeinträchtigen. Hierzu zählen auch städtische Straßenräume, die sich für eine Begrünung eignen, der Stadtverwaltung aber bisher vielleicht entgangen sind.

Auf engstem Raum

Grüne Lösungen für kleinste Flächen waren in dieser Kategorie gesucht, etwa Konzepte zur Fassaden- oder Dachbegrünung. Auch Ideen für winzige Flächen wie Fensterbänke konnten hier eingereicht werden.

Ideen, die aus dem Rahmen fallen

Alle Ideen zur Stadtbegrünung, die in keine der anderen Kategorien passen, aber besonders kreativ sind, konnten in dieser Kategorie eingereicht werden.

Nach Eingang der Ideen überprüfte eine Fachjury sie auf ihre generelle Umsetzbarkeit. Anschließend fand ein Publikumsvoting statt. Parallel dazu bewertete die Fachjury die Ideen nach Kriterien wie Umsetzbarkeit, Wirksamkeit oder Innovation. Aus dem kombinierten Urteil des Publikums (30-Prozent-Gewichtung) und der Jury (70 Prozent) ergaben sich die siegreichen Ideen, die – nach dem unter Umständen nötigen Feintuning – zur Realisierung kommen werden.

Die eingegangenen Ideen werden auf der Webseite des Wettbewerbs der Öffentlichkeit vorgestellt.