Präriepflanzen: Arten, Standort und Verwendung

Eine durchdachte Pflanzung im Freiraum zum Thema Präriepflanzen
Blühende Felder und Bäume in sommerlicher Landschaft – ein Bild, das Raum und Natur verbindet. (Foto: fthiemonge/Unsplash)

Präriepflanzen gehören zu den faszinierendsten Pflanzengemeinschaften, die die Freiraumplanung in den vergangenen Jahrzehnten für sich entdeckt hat. Sie stammen aus den kontinentalen Graslandschaften Nordamerikas, wo extreme Temperaturschwankungen, periodische Trockenheit und nährstoffarme Böden eine Vegetation geformt haben, die in ihrer Kombination aus Robustheit, ökologischer Funktion und gestalterischer Qualität kaum zu übertreffen ist. Wer Präriepflanzen im Stadtgrün, in der Freiraumplanung oder im öffentlichen Raum einsetzen will, muss ihre Herkunft, ihre Standortansprüche und ihre Eigenlogik verstehen, denn nur dann entfalten sie jene Qualitäten, die sie so attraktiv machen.

  • Was Präriepflanzen botanisch und ökologisch definiert und woher sie stammen
  • Welche Arten und Gattungen für die Freiraumplanung besonders relevant sind
  • Welche Standortbedingungen Präriepflanzen benötigen und wie diese in urbanen Kontexten geschaffen werden
  • Wie Präriepflanzungen strukturell aufgebaut werden und welche Planungsprinzipien gelten
  • Welche Rolle Präriepflanzen in der Biodiversitätsförderung und im Stadtklima spielen
  • Wie Pflege und Unterhalt von Präriepflanzungen organisiert werden
  • Welche typischen Fehler bei Planung und Ausführung auftreten und wie sie vermieden werden
  • Wie Präriepflanzen in den größeren Kontext der naturnahen Freiraumgestaltung einzuordnen sind

Was sind Präriepflanzen: Definition, Herkunft und botanische Einordnung

Der Begriff Präriepflanzen bezeichnet Arten, die in den nordamerikanischen Präriegesellschaften heimisch sind, also in den kontinentalen Graslandschaften, die sich von den kanadischen Provinzen Manitoba und Saskatchewan im Norden bis nach Texas und New Mexico im Süden erstrecken. Diese Landschaften sind keine einheitliche Pflanzenformation, sondern ein Spektrum von Vegetationstypen, das von der Tallgrass Prairie im feuchteren Osten über die Mixed-Grass Prairie bis zur Shortgrass Prairie im ariden Westen reicht. Für die Freiraumplanung sind vor allem die Arten der Tallgrass Prairie und der Mixed-Grass Prairie relevant, weil sie die größte gestalterische Vielfalt bieten und gleichzeitig an mitteleuropäische Klimabedingungen angepasst werden können.

Botanisch handelt es sich bei Präriepflanzen um eine funktionale Gruppe, nicht um eine taxonomische Einheit. Sie umfasst Gräser, Stauden und Zwiebelpflanzen aus sehr unterschiedlichen Familien, die durch ihre gemeinsame Herkunft aus einem Lebensraum mit extremen Standortbedingungen verbunden sind. Zu den prägenden Merkmalen gehören tiefe, weitreichende Wurzelsysteme, die Fähigkeit zur Trockenresistenz, eine hohe Toleranz gegenüber Temperaturschwankungen und eine ausgeprägte Lichtbedürftigkeit. Viele Präriepflanzen sind sogenannte Tiefwurzler, deren Wurzeln mehrere Meter in den Boden eindringen können. Diese Eigenschaft macht sie einerseits sehr trockenresistent, andererseits schwer zu verpflanzen, wenn sie erst einmal etabliert sind.

Die Abgrenzung zu anderen naturnahen Pflanzkonzepten ist für die Planungspraxis wichtig. Präriepflanzungen unterscheiden sich von Staudenmischpflanzungen mitteleuropäischer Prägung durch den dominanten Grasanteil, die Betonung von Sommer- und Herbstblüte sowie die bewusste Akzeptanz von Winterstrukturen. Sie unterscheiden sich von Steppen- oder Xerophytenpflanzungen durch einen höheren Anteil an Feuchtigkeit liebenden Arten, die zwar trockenheitsverträglich, aber nicht auf extreme Aridität angewiesen sind. Und sie unterscheiden sich von heimischen Wildblumenpflanzungen durch ihre explizit nordamerikanische Artenherkunft, was ökologische Konsequenzen hat, auf die später einzugehen ist.

Relevante Arten und Gattungen für die Freiraumplanung

Die Artenvielfalt der nordamerikanischen Prärievegetation ist enorm, aber für den Einsatz in mitteleuropäischen Freiraumplanungen hat sich ein überschaubarer Kern von Gattungen und Arten bewährt. Unter den Gräsern sind Schizachyrium scoparium (Kleines Blauhalm-Gras), Sorghastrum nutans (Indianergras), Panicum virgatum (Rutenhirse) und Bouteloua curtipendula (Seitenhafergras) besonders bedeutsam. Sie bilden das strukturelle Rückgrat einer Präriepflanzung und sind für die charakteristische Transparenz und Beweglichkeit verantwortlich, die Präriepflanzungen im Wind auszeichnet. Panicum virgatum ist dabei die am häufigsten verwendete Art, weil sie in einer Vielzahl von Sorten verfügbar ist, die sich in Wuchshöhe, Herbstfärbung und Habitus unterscheiden.

Unter den Blütenstauden gehören Echinacea purpurea (Purpur-Sonnenhut) und ihre Verwandten Echinacea pallida und Echinacea angustifolia zu den bekanntesten Präriepflanzen überhaupt. Sie sind robust, langlebig und ökologisch wertvoll als Nektarquelle für Bienen und Schmetterlinge sowie als Samenpflanze für Vögel. Rudbeckia fulgida (Leuchtende Sonnenhut) und Rudbeckia hirta bieten intensive Gelbtöne im Hochsommer. Ratibida pinnata (Prärie-Sonnenhut) und Ratibida columnifera sind weniger bekannt, aber gestalterisch reizvoll durch ihre ungewöhnlichen, zapfenförmigen Blütenköpfe. Liatris spicata (Präriekerze) bringt senkrechte, purpurrote Blütenähren in die Pflanzung und blüht von unten nach oben, was sie von den meisten anderen Stauden unterscheidet.

Für die Herbst- und Spätblüte sind Vertreter der Korbblütler unentbehrlich. Helenium autumnale (Herbst-Sonnenbraut), Helianthus salicifolius (Weidenblättriger Sonnenwurzel) und Heliopsis helianthoides (Sonnenauge) verlängern die Blütezeit bis weit in den Oktober. Aster novae-angliae und Aster novi-belgii, heute unter dem Gattungsnamen Symphyotrichum geführt, schließen die Saison mit violetten und rosa Blütenteppichen ab. Silphium perfoliatum (Durchwachsene Becherpflanze) und Silphium laciniatum (Kompasspflanze) sind großwüchsige Präriepflanzen, die für weiträumige Pflanzungen und strukturstarke Hintergründe geeignet sind. Baptisia australis (Blaue Wildindigo) und Baptisia alba bieten frühe Blüte im Frühjahr und dekorative Samenhülsen im Herbst.

Zwiebelpflanzen spielen in der Prärievegetation eine ergänzende Rolle. Allium-Arten wie Allium cernuum (Nickender Lauch) oder Allium stellatum sind heimische Präriezwiebeln, die in Pflanzungen eine frühe Blütezeit einbringen und gleichzeitig sehr anspruchslos sind. Camassia-Arten, die zwar nicht aus der Prärie im engeren Sinne stammen, aber aus nordamerikanischen Feuchtwiesen, werden in der Planungspraxis häufig als Ergänzung eingesetzt, weil sie ähnliche gestalterische Qualitäten und ökologische Funktionen bieten.

Standortansprüche: Was Präriepflanzen wirklich brauchen

Das Verständnis der Standortansprüche von Präriepflanzen ist die Grundvoraussetzung für jede erfolgreiche Planung. Der wichtigste Faktor ist Licht: Präriepflanzen sind ohne Ausnahme Vollsonnengewächse, die mindestens sechs Stunden direkte Sonneneinstrahlung pro Tag benötigen. Halbschatten wird von einzelnen Arten toleriert, führt aber zu Etiolierung (Vergeilung), verminderter Blühleistung und erhöhter Anfälligkeit für Pilzkrankheiten. Präriepflanzungen unter Baumkronen oder an schattigen Gebäudefassaden sind zum Scheitern verurteilt, unabhängig davon, wie sorgfältig die Artenwahl getroffen wurde.

Beim Boden gilt das Gegenteil von dem, was viele Planer intuitiv annehmen: Präriepflanzen bevorzugen magere, durchlässige, nährstoffarme Substrate. Auf humusreichen, nährstoffreichen Gartenböden oder gar auf gedüngten Substraten wachsen sie zwar üppig, aber sie verlieren ihre charakteristische Kompaktheit, lagern um (kippen durch ihr eigenes Gewicht) und werden anfällig für Pilzkrankheiten. Die Konkurrenz durch Nährstoffzeiger wie Brennnesseln, Giersch oder Quecke nimmt auf fetten Böden dramatisch zu. Für Pflanzungen im öffentlichen Raum bedeutet das: Der Oberboden muss vor der Pflanzung entweder abgetragen oder durch Beimischung von Sand, Kies oder Lava-Granulat abgemagert werden. Ein Substrat mit einem Humusgehalt von unter drei Prozent und einem hohen Grobanteil ist ideal.

Die Wasserversorgung ist differenzierter zu betrachten, als der Begriff „Trockenheit“ vermuten lässt. Präriepflanzen sind trockenheitsverträglich, sobald sie etabliert sind, also nach einem bis zwei Vegetationsperioden. In der Anwachsphase benötigen sie regelmäßige Bewässerung, damit die Wurzeln tief genug eindringen können, um die Pflanze später selbst zu versorgen. Staunässe ist für die meisten Präriepflanzen fatal, weil ihre Wurzeln auf gut durchlüftete Böden angewiesen sind. Eine gute Drainage ist deshalb wichtiger als eine regelmäßige Wasserversorgung. In urbanen Kontexten, wo versiegelte Flächen den Wasserabfluss beschleunigen und Wärmeinseln die Verdunstung erhöhen, erweisen sich Präriepflanzen als besonders geeignet, weil sie mit diesen Bedingungen umgehen können.

Die Bodenreaktion spielt eine untergeordnete Rolle: Die meisten Präriepflanzen tolerieren ein breites pH-Spektrum von leicht sauer bis leicht alkalisch. Kalkhaltige Stadtböden, die für viele andere Stauden problematisch sind, werden von Präriepflanzen in der Regel gut vertragen. Das macht sie besonders interessant für Pflanzungen auf Brachflächen, Gleisanlagen, Industriebrachen und anderen städtischen Standorten mit atypischen Bodenverhältnissen.

Planung und Struktur von Präriepflanzungen

Eine gut geplante Präriepflanzung ist keine zufällige Ansammlung von Präriepflanzen, sondern ein strukturiertes System, das auf den Prinzipien der natürlichen Prärievegetation aufbaut. Das wichtigste Strukturprinzip ist das Verhältnis von Gräsern zu Blütenstauden. In der natürlichen Prärievegetation dominieren Gräser flächenmäßig, während Blütenstauden als Einzelpflanzen oder in kleinen Gruppen eingestreut sind. Für Pflanzungen im öffentlichen Raum hat sich ein Verhältnis von etwa 50 bis 70 Prozent Gräsern zu 30 bis 50 Prozent Blütenstauden bewährt. Dieses Verhältnis sorgt für die charakteristische Transparenz und Leichtigkeit, die Präriepflanzungen von dichten Staudenpflanzungen unterscheidet.

Die zeitliche Staffelung der Blüte ist ein weiteres Planungsprinzip, das von der natürlichen Prärievegetation abgeleitet ist. Eine gut komponierte Präriepflanzung bietet von April bis Oktober kontinuierlich Blüte: Frühjahrsblüher wie Baptisia und Allium, Sommerblüher wie Echinacea, Rudbeckia und Liatris, Hochsommerblüher wie Helenium und Heliopsis sowie Herbstblüher wie Symphyotrichum und Solidago (Goldrute). Die Gräser übernehmen dabei eine Dauerstruktur, die alle Jahreszeiten überbrückt und im Winter durch ihre Samenähren und Halme besonders dekorativ ist.

Für die Flächengestaltung gibt es verschiedene Planungsansätze. Das Mischpflanzungsprinzip, wie es unter anderem vom Deutschen Staudensichtungsgarten und von Planern wie Piet Oudolf entwickelt wurde, setzt auf eine gleichmäßige Durchmischung von Arten in definierten Verhältnissen, die eine natürlich wirkende, sich selbst organisierende Pflanzung ergibt. Das Matrixprinzip verwendet eine gleichmäßig verteilte Grundschicht aus robusten Gräsern oder niedrigen Bodendecker-Stauden, in die Akzentpflanzen eingestreut werden. Beide Ansätze sind für Präriepflanzungen geeignet, wobei das Matrixprinzip bei großen Flächen im öffentlichen Raum pflegetechnische Vorteile bietet.

Die Pflanzabstände richten sich nach den Endgrößen der verwendeten Arten und nach dem gewünschten Schließungsgrad. Für eine vollständige Bodendeckung, die Unkrautdruck minimiert, werden in der Regel 7 bis 9 Pflanzen pro Quadratmeter gesetzt. Größere Abstände sind möglich, erfordern aber in den ersten Jahren eine intensivere Unkrautpflege. Mulchen mit mineralischem Material (Kies, Splitt) ist bei Präriepflanzungen auf mageren Substraten eine bewährte Methode, um Unkraut zu unterdrücken und gleichzeitig die Bodentemperatur zu regulieren.

Ökologische Funktion und Bedeutung für Biodiversität und Stadtklima

Präriepflanzen leisten im urbanen Kontext erhebliche ökologische Beiträge, die über ihre gestalterische Qualität hinausgehen. Als Nektarquellen sind viele Präriepflanzen außerordentlich wertvoll: Echinacea-Arten, Liatris, Ratibida und Symphyotrichum gehören zu den wichtigsten Bienenpflanzen überhaupt und werden von einer Vielzahl von Wild- und Honigbienen besucht. Die lange Blütezeit von Frühjahr bis Herbst stellt sicher, dass das Nahrungsangebot für Bestäuber kontinuierlich verfügbar ist, was in der Stadt besonders wichtig ist, wo Nahrungsquellen oft räumlich und zeitlich fragmentiert sind.

Als Samenpflanzen sind Präriepflanzen für Körner fressende Vögel bedeutsam. Die Samenköpfe von Echinacea, Rudbeckia, Helenium und Ratibida werden von Stieglitzen, Meisen und anderen Kleinvögeln intensiv genutzt. Das ist ein weiterer Grund, warum der Rückschnitt von Präriepflanzungen erst im späten Winter oder frühen Frühjahr erfolgen sollte, nicht im Herbst. Die Winterstrukturen der Gräser und Stauden bieten zudem Überwinterungshabitate für Insekten, darunter viele Wildbienen, die in hohlen Stängeln nisten.

Die ökologische Bewertung von Präriepflanzen ist allerdings differenziert zu betrachten. Da es sich um nordamerikanische Arten handelt, sind sie für die heimische Fauna nicht in gleicher Weise koevolutionär eingebunden wie einheimische Wildpflanzen. Viele spezialisierte Insekten, insbesondere oligolektische Wildbienen, die auf bestimmte heimische Pflanzenarten angewiesen sind, können Präriepflanzen nicht nutzen. Für eine maximale Biodiversitätswirkung sollten Präriepflanzungen deshalb nicht als Ersatz für heimische Wildblumenwiesen oder Ruderalfluren eingesetzt werden, sondern als Ergänzung in einem vielfältigen Freiraumsystem. Die Kombination von Präriepflanzungen mit einheimischen Wildpflanzenbereichen in einem Grünsystem maximiert die ökologische Wirkung.

Für das Stadtklima sind Präriepflanzen aus mehreren Gründen relevant. Ihre tiefen Wurzelsysteme verbessern die Bodenstruktur und erhöhen die Wasserinfiltration, was zur Reduzierung von Oberflächenabfluss bei Starkregenereignissen beiträgt. Die hohe Verdunstungsleistung von Präriepflanzungen, besonders der großblättrigen Arten wie Silphium, wirkt kühlend auf das unmittelbare Umfeld. Und die Fähigkeit, auf trockenen, mageren Substraten zu gedeihen, macht Präriepflanzen zu einem Werkzeug für die Begrünung von Standorten, die für konventionelle Bepflanzungen ungeeignet wären, darunter Dachgärten, Retentionsmulden und Böschungen.

Pflege und Unterhalt: Was Präriepflanzungen wirklich brauchen

Ein verbreitetes Missverständnis ist, dass Präriepflanzungen pflegefrei seien. Sie sind pflegereduziert, aber nicht pflegefrei. Der entscheidende Unterschied zu konventionellen Staudenpflanzungen liegt darin, dass der Pflegeaufwand nach der Etablierungsphase deutlich sinkt und sich auf wenige, klar definierte Maßnahmen konzentriert. In den ersten zwei bis drei Jahren nach der Pflanzung ist regelmäßige Unkrautkontrolle die wichtigste Pflegemaßnahme, weil die Pflanzen noch nicht die Fläche vollständig bedecken und Lücken für Unkraut bieten.

Der jährliche Rückschnitt ist die zentrale Pflegemaßnahme einer etablierten Präriepflanzung. Er erfolgt idealerweise Ende Februar oder Anfang März, wenn die Fröste vorbei sind, aber die neue Vegetation noch nicht ausgetrieben hat. Das gesamte Pflanzenmaterial wird auf etwa zehn bis fünfzehn Zentimeter zurückgeschnitten. Dieser Schnitt stimuliert die Neuaustriebe, verhindert die Verfilzung der Grashorste und gibt der Pflanzung jährlich einen Neustart. Das Schnittgut kann auf der Fläche verbleiben und als Mulch dienen, wenn es fein gehäckselt wird, oder kompostiert werden.

Düngung ist bei Präriepflanzungen auf mageren Substraten in der Regel kontraindiziert. Nährstoffzufuhr fördert Nährstoffzeiger und Konkurrenzpflanzen, die die Präriepflanzen verdrängen, und führt zu übermäßigem Wachstum und Lagerung. Nur auf extrem nährstoffarmen Substraten, etwa auf reinem Kiessubstrat ohne jegliche organische Substanz, kann eine einmalige Startdüngung mit einem langsam wirkenden Volldünger sinnvoll sein. Bewässerung ist nach der Etablierungsphase nur in extremen Trockenphasen notwendig.

Langfristig können Präriepflanzungen durch Selbstaussaat und vegetative Ausbreitung ihre Zusammensetzung verändern. Kurzlebige Arten wie Rudbeckia hirta oder Echinacea purpurea in bestimmten Sorten können nach einigen Jahren ausfallen und müssen nachgepflanzt werden. Langlebige Arten wie Baptisia oder Panicum virgatum nehmen dagegen mit den Jahren an Stärke zu. Ein regelmäßiges Monitoring der Pflanzung und gegebenenfalls eine Nachpflanzung alle fünf bis sieben Jahre ist für den langfristigen Erhalt der Artenvielfalt empfehlenswert.

Typische Fehler und wie sie vermieden werden

Der häufigste Fehler bei der Planung von Präriepflanzungen ist die Unterschätzung der Standortanforderungen. Präriepflanzen auf zu feuchten, zu nährstoffreichen oder zu schattigen Standorten zu pflanzen führt zuverlässig zu Misserfolgen, die dann fälschlicherweise der Artenauswahl oder dem Pflegekonzept zugeschrieben werden. Vor jeder Planung sollte eine sorgfältige Standortanalyse stehen, die Licht, Boden, Wasserhaushalt und Exposition erfasst.

Ein weiterer häufiger Fehler ist die Verwendung von Sorten statt Arten. Viele im Handel erhältliche Echinacea-Sorten, insbesondere die kompakten, großblumigen Hybridformen, sind deutlich weniger robust als die Wildarten und Wildformarten. Sie sind auf nährstoffreiche Böden und regelmäßige Bewässerung angewiesen und verhalten sich in Präriepflanzungen nicht wie Präriepflanzen. Für Pflanzungen im öffentlichen Raum sollten bevorzugt Wildarten oder bewährte, standortgeprüfte Sorten verwendet werden, die ihre Robustheit unter Beweis gestellt haben.

Die Vernachlässigung der Anwachsphase ist ein dritter typischer Fehler. Präriepflanzen brauchen im ersten Jahr nach der Pflanzung ausreichend Wasser, um ihre Wurzeln tief genug zu entwickeln. Wer in der Anwachsphase nicht bewässert, riskiert hohe Ausfälle, die dann durch Nachpflanzungen ausgeglichen werden müssen. Gleichzeitig darf die Bewässerung nicht zu üppig sein, weil Staunässe die Wurzeln schädigt. Eine moderate, regelmäßige Bewässerung in der ersten Vegetationsperiode ist der Schlüssel zum Erfolg.

Präriepflanzen im Kontext der naturnahen Freiraumgestaltung

Präriepflanzen sind kein Modetrend, sondern ein planungsreifes Werkzeug der naturnahen Freiraumgestaltung, das auf soliden ökologischen und gestalterischen Grundlagen beruht. Ihre Stärken liegen in der Kombination aus hoher Standorttoleranz, langer Saison, ökologischer Funktion und gestalterischer Qualität, die von der zarten Frühjahrsknospe bis zur Winterstruktur reicht. Sie sind besonders geeignet für Standorte, die für konventionelle Bepflanzungen schwierig sind, und für Freiraumkonzepte, die mit reduziertem Pflegeaufwand auskommen müssen.

Ihre Einbettung in ein breiteres Freiraumsystem ist dabei entscheidend. Präriepflanzungen ersetzen keine heimischen Wildblumenwiesen, keine Gehölzpflanzungen und keine anderen Vegetationstypen, sondern ergänzen sie. In einem gut konzipierten Grünsystem können sie Verbindungskorridore zwischen Grünflächen schaffen, Brachflächen ökologisch aufwerten und öffentliche Räume gestalterisch bereichern, ohne die Pflegekapazitäten kommunaler Grünflächenämter zu überlasten. Die Erfahrungen aus zahlreichen Projekten in deutschen und europäischen Städten zeigen, dass Präriepflanzungen von der Bevölkerung gut angenommen werden, wenn sie erkennbar gepflegt und strukturiert sind und wenn ihre ökologische Funktion kommuniziert wird.

Für Landschaftsarchitekten und Freiraumplaner bieten Präriepflanzen ein Repertoire, das gestalterische Ambition mit ökologischer Verantwortung verbindet. Die Kenntnis der Arten, ihrer Standortansprüche und ihrer Eigenlogik ist die Voraussetzung dafür, dass Präriepflanzungen nicht als dekorative Kulisse, sondern als funktionale, lebendige Systeme geplant und realisiert werden. Wer diese Eigenlogik versteht, hat ein Instrument in der Hand, das den Anforderungen des Stadtgrüns im Klimawandel in besonderer Weise gerecht wird.

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„Viele sagen, der Landschaftspark Wiese sei der schönste Ort in der Region.“

die Vermittlung und die Sensibilisierung im Landschaftspark Wiese. © Saskia Scherer

Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner kennen ihn unter dem Namen „Lange Erlen“, andere bezeichnen ihn als das ehemalige Landesgartenschaugelände. Dabei hat dieser Park, der im Basler Rheinknie Deutschland mit der Schweiz verbindet, einen so viel schöneren Namen: Landschaftspark Wiese, nach dem gleichnamigen Fluss, der ihn durchfließt. Das Besondere an dem Park: Er liegt sowohl auf deutschem als auch auf Schweizer Grund. Und er ist Schauplatz der IBA Basel, die sich seit mehr als zehn Jahren erfolgreich für grenzüberschreitende Projekte im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz engagiert. Wir wollten mehr über diesen Landschaftspark erfahren und haben uns deshalb mit dem Hauptranger Yannick Bucher unterhalten.

Yannick Bucher, gemeinsam mit zwei deutschen Kollegen, arbeiten Sie seit Februar 2019 als Ranger im Landschaftspark Wiese. Wie dürfen wir uns Ihren Job vorstellen?
Die Hauptaufgabe von unserem Rangerdienst ist die Information, die Vermittlung und die Sensibilisierung im Landschaftspark Wiese. Letzteres bedeutet insbesondere, dass wir dafür Sorge tragen, dass die Besucherinnen und Besucher sich im Großen und Ganzen an die Regeln halten. Wir sorgen für ein positives miteinander zwischen Besuchern und Akteurinnen, im Gebiet wird das Trinkwasser der Region gewonnen und Landwirtschaft betrieben. Rangerdienste sind typisch für Nationalparks und auch einigermaßen typisch für Naturschutzgebiete. Eher speziell ist es, dass wir mit dem Landschaftspark Wiese in einem Gebiet tätig sind, das nicht nur reines Naturschutzgebiet ist. Denn hier gibt es auch andere Nutzungen wie Sportanlagen, Tierheime und Schrebergärten.

„Der Rangerdienst ist eine der zentralen Maßnahmen vom IBA Projekt Landschaftspark Wiese.“

Besonders am Rangerdienst im Landschaftspark Wiese ist aber auch, dass er binational aufgestellt ist.
Absolut richtig. Der Landschaftspark an sich ist binational. Da liegt es natürlich nahe, dass auch der dortige Rangerdienst binational aufgestellt ist, dass dieser im ganzen Park unterwegs ist und sich nicht an die Grenzen halten muss. Die Agglomeration Basel ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und die Freizeitaktivitäten haben sich aufgrund flexiblerer Arbeitszeiten ziemlich verändert. Damit stieg auch der Druck auf die lokalen Naherholungsgebiete. Den Rangerdienst hat man dann vor gut einem Jahr eingeführt, um dem zunehmenden Nutzungsdruck etwas entgegenzusetzen. Deswegen sind wir nicht nur Aufsichtsorgan, sondern haben ebenso auch Vermittlungsaufgaben inne. Und diese sind auch nötig.
Die Corona Pandemie hat den Effekt noch verstärkt: Wir hatten bereits vorher viele Besucherinnen und Besucher im Park. Die Besucherzahlen während des Lockdowns lagen weit über den normalen. Das zeigt, wie wichtig der stadtnahe grüne Erholungsraum für die Region ist.

Das kann ich mir vorstellen. Wie sieht diese Vermittlung, von der Sie gesprochen haben, konkret aus?
Wir bieten Führungen und organisieren auch Infotische. Wir versuchen dafür zu sensibilisieren, was in dem Raum passiert, wie die Trinkwassergewinnung und wie die Landwirtschaft im Park funktionieren. Wir bringen die Themen auf den Tisch, die man als Stadtbewohner wenig erleben kann, und vermitteln diese.

Wie ist der Rangerdienst organisiert?
Insgesamt haben wir drei Auftraggeber: die Stadt Weil am Rhein, die Gemeinde Riehen und den Kanton Basel-Stadt. Ich bin bei der Umweltberatungsfirma „Hintermann & Weber AG“ angestellt, die den Auftrag von der Stadt Basel erhalten hat und meine beiden deutschen Partner sind beim Trinationalen Umweltzentrum (TRUZ) beschäftigt.

Welche Maßnahmen hat man in den vergangenen Jahren im Rahmen der IBA Basel umgesetzt und welche sind noch geplant?
Wir selber, also der Rangerdienst, sind eine der zentralen Maßnahmen vom IBA Projekt Landschaftspark Wiese. Uns gibt es wie gesagt seit einem Jahr. Zudem ist für den Park eine einheitliche Beschilderung geplant, die an den Eingängen über den Park informiert, welche Möglichkeiten zur Erholung bestehen, aber auch, welche Auflagen daran gekoppelt sind: dass man Feuer nur in den Grillstellen machen darf und dass man seinen Müll mitnimmt etc. Die Basic-Regeln eben. Außerdem wird es im Park künftig einen Themenpfad geben, der die Themen Trinkwassergewinnung, Tiere und Pflanzen, aber auch die historische Entwicklung aufzeigt.

Die größte Maßnahme ist aber „Wiese vital“, richtig?
Genau, im Zuge einer Volksinitiative in der Schweiz hat das baselstädtische Stimmvolk beschlossen, auf dem ganzen Abschnitt auf Schweizer Boden den Fluss Wiese zu revitalisieren und zu renaturieren. Der untere Teil ist bereits revitalisiert, für den anderen Teil arbeitet man aktuell ein Bauprojekt aus. Das Ziel: Der Fluss soll wieder natürlicher fließen und mehr Platz haben.

Sie sind jetzt knapp 1,5 Jahre dabei. Was denken Sie, reichen die Bemühungen vor Ort aus, um den Landschaftspark Wiese langfristig vor dem Nutzungsdruck zu schützen?
Den wichtigsten Schritt hat man meiner Meinung nach mit dem Landschaftsrichtplan gemacht. Die Fläche kann nun nicht mehr überbaut werden und darüber bin ich froh. Mit sanften Mitteln ist man nun dran, den Erholungsraum des Parks zu schützen. Mit Beschilderungen, gezielter Information oder auch durch uns, dem Rangerdienst. Ich denke, da sind wir auf einem guten Weg. Das gleiche Feedback erhalten wir auch aus der Bevölkerung. Das Interesse am Gebiet wächst und das, was wir machen, wird geschätzt. Viele Besucher sagen, der Landschaftspark sei der schönste Ort in der Region. Und es kommen auch immer wieder Besucher, die fragen, wie sie helfen können, die etwas für das Gebiet tun wollen. Das alles zusammen stimmt mich sehr optimistisch.

Warum wir eine IBA-Basel-Serie gestartet haben? Das lesen Sie hier.

Sämtliche Beiträge zur IBA Basel 2020 finden Sie hier.

Eine Seilbahn schwebt über die Gärten der Welt in Berlin. (Foto: Thomas Rosenthal)

Eine Seilbahn schwebt über die Gärten der Welt in Berlin. (Foto: Thomas Rosenthal)

Auf kleinstem Raum lassen sich in Berlin-Marzahn die unterschiedlichsten Ansätze der Landschafts- und Gartenarchitektur studieren. Denn die Anlage Gärten der Welt vereint neben klassischen Tourist*innenattraktionen wie eine Seilbahn, Aussichtspunkte und einer Arena für Veranstaltungen noch mehr – nämlich Gartenkunst. Und zwar aus allen Herren Ländern und Kulturen. In verschiedenen Themengärten und Gartenkabinetten können Besucher*innen entsprechend Ansätze und Gestaltungen aus aller Welt betrachten. Hier erfahren Sie, welche Gärten der Welt Ihnen geboten werden.

Gärten der Welt präsentieren internationale Gartenkunst

Früher noch als “Erholungspark Marzahn” bekannt, wurde das Areal an der Ecke Eisenacher Straße und Blumberger Damm anlässlich der IGA 2017 erweitert und umgebaut. Insgesamt 43 Hektar Fläche belegt das Gelände, das heute den Namen “Gärten der Welt” trägt, seitdem.

Die Gärten der Welt bestechen mit vielen Attraktionen für Groß und Klein. Dabei kommen Gartenkunstenthusiast*innen genauso auf ihre Kosten wie Familien mit Kindern und Tourist*innen. So bietet der Park seit dem Umbau zur IGA 2017 inzwischen neun internationale Gartenkabinette, die traditionelle Techniken der Gartengestaltung präsentieren, elf Themengärten, und eine Arena für Veranstaltungen. Dazu kommen Spielplätze, ein Irrgarten und eine Seilbahn, die die Bezirke Marzahn und Hellersdorf miteinander verbinden.

Der Fokus  des Parks liegt aber – wie der Name schon verrät – auf den “Gärten der Welt”. Die Gartenkabinette und Themengärten erlauben es den Besucher*innen dementsprechend, Einblicke in die Gartenkunst verschiedener Kontinente, Epochen und Kulturkreisen zu erhalten. Welche internationalen Gärten im Park zu besichtigen sind, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Die Gärten der Welt – Übersicht

Chinesischer Garten

Als erster Garten der Welt entstand in den 1990er-Jahren der Chinesische Garten. Mit dem “Garten des wiedergewonnenen Mondes” wurde 1994 der größte Chinesische Garten Europas in Berlin erschaffen. Seine Planung begann 1994 im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Peking und Berlin als klassischer chinesischer Gelehrtengarten. Die Idee dahinter war auch, die Jahrtausende alte chinesische Gartenkunst in die Gegenwart zu übersetzen. 

Im Zentrum des Gartens sitzt der “Spiegel des Himmels”, ein 4 500 Quadratmeter großer See, an dessen Ufer sich ein Teehaus chinesischer Architektur mit der typisch geschwungenen und spektakulär auskragenden Dachkonstruktion befindet. Als charakteristische Bepflanzung kommen im Garten des wiedergewonnenen Mondes beispielsweise Magnolien, Chrysanthemen oder Bambus zum Einsatz. Übrigens: Der Mond im Namen steht sinnbildlich für die Wiedervereinigung des einst geteilten Berlins.

Größe: 27 000 Quadratmeter, inklusive 5 000 Quadratmetern Teichfläche
Eröffnung: 15. Oktober 2000
Planung: Klassisches Institut für Gartenarchitektur, Peking

Japanischer Garten

Der “Garten des zusammenfließenden Wassers” entsprang der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Tokio. Basierend darauf soll der Garten die Idee eines harmonischen Miteinanders verkörpern. Darum bestimmt diesen Bereich der Gärten der Welt das Leitmotiv Wasser – es symbolisiert das Zusammenfließen von Kulturen und den Verlauf der Geschichte. 

Im Japanischen Garten findet sich demzufolge ein Wassergarten, aber auch ein Zengarten und ein Garten aus Rasenflächen, in denen insgesamt 300 Augengneissteine verteilt sind. Dazu kommt ein Pavillon – der Chaya – in seiner Mitte. 

Entsprechend der Japanischen Kultur, in der Stille eine besondere Bedeutung zukommt, ist auch der Japanische Garten im Park Die Gärten der Welt ein Ort, an dem Besucher*innen zur Ruhe kommen können. Fun Fact: Die Baustelle für den Japanischen Garten gilt als eine der leisesten in der Geschichte der Gärten der Welt.

Größe: 2 700 Quadratmeter
Eröffnung: 30. April 2003
Planung: Prof. Shunmyo Masuno

Balinesischer Garten

Der “Garten der drei Harmonien” entstand im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Jakarta und Berlin. Sein Name bezieht sich auf das balinesische Streben, im Einklang mit sich selbst, dem Umfeld und dem Universum zu leben. Auf diese dreifaltige Harmonie ist der Balinesische Garten ausgerichtet.

Dabei handelt es sich auch um den einzigen Garten in den Gärten der Welt, der gänzlich in einer Tropenhalle untergebracht ist. Eine Wohn- und Tempelanlage, in der auch die Berliner Bali-Gemeinde ihre Religion aktiv ausübt, bildet das zentrale Element des Gartens. Dahinter erstreckt sich zudem ein an einen balinesischen Tropenwald angelehnter Garten mit Reisterrassen und Pflanzen wie Schraubenbäumen, Hibiskus, Gardenien, Farnen, Orchideen und den duftgewaltigen Frangipani.

Größe: 2000 Quadratmeter in Leichtbauhalle
Eröffnung: 18. Dezember 2003
Planung: Putu Edy Semara

Orientalischer Garten

Der “Garten der vier Ströme” wurde nach den Gestaltungsprinzipien der traditionellen orientalisch-islamischen Gartenkultur entworfen. Daher verbirgt er sich einer vier Meter hohen Mauer. Damit spielt er mit dem Mythos des Gartens als verborgene Oase. Außerdem hilft die Abgrenzung dabei, das spezielle Klima im Garten aufrecht erhalten zu können.

In der Gartenanlage finden sich typisch orientalische Arkadengänge mit Ornamenten und Mosaiken. Dazu kommt ein viergeteilter Gartenhof mit einem Brunnen in der Mitte. Im Garten befinden sich Zier- und Nutzpflanzen: Granatäpfel, Oliven und Palmen, aber auch Flieder, Oleander und Magnolien.

Größe: 6 100 Quadratmeter
Eröffnung: 7. Juli 2005
Planung: Kamel Louafi, Prof. Mohammed El Faiz

Hier finden Sie weitere Projekte des Garten- und Landschaftsarchitekten Kamel Louafi.

Koreanischer Garten

Der “Seouler Garten” war ein Geschenk der Südkoreanischen Hauptstadt an Berlin. Er entstand nach einem Berlin-Besuch des Oberbürgermeisters von Seoul und war dafür gedacht, die Beziehungen zwischen den Städten zu vertiefen. 

Die Gestaltung des Koreanischen Gartens ist geprägt von Buddhismus, den Lehren von Konfuzius und dem volkstümlichen schamanischen Glauben. Dazu gehört auch das Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Kräften in der Natur. Beide werden im Garten mehrfach repräsentiert.

Im Koreanischen Garten finden sich zahlreiche Totempfähle und abstrakte Holzfiguren, die der schamanischen Kulturgeschichte Koreas entspringen. Geplant wurde er von koreanischen Gartenarchitek*innen, die eine koreanische Felslandschaft mit den typischen Kiefern, Fächerahornen, Eichen und Bambussen erschufen. Zentrales Bauwerk ist der “Kye Zeong” (Pavillon am Wasser), in dem sich typisch koreanische Wohnräume besichtigen lassen.

Größe: 4 000 Quadratmeter
Eröffnung: 31. März 2006
Planung: Samsung Everland Inc., Seoul

Irrgarten und Pflasterlabyrinth

Zur Gartenkultur gehören selbstverständlich auch Irrgärten, die ihren Ursprung in der Renaissance haben. Die Irrgartenanlage des britischen Königsschlosses Hampton Court war Vorbild für die Anlage in den Gärten der Welt. Diese wurde mit einer zwei Meter hohen Eibenhecke, bestehend aus über 1 200 Pflanzen, angelegt. Der Weg in das Zentrum des Pflasterlabyrinths dauert etwa zehn Minuten. Dort findet sich auch ein Aussichtsturm, der einen Überblick über das Labyrinth erlaubt.

Zusätzlich zum 3D-Irrgarten gibt es in den Gärten der Welt auch ein zweidimensionales Labyrinth aus Pflastersteinen. Hellgraue Steine markieren den Weg zur Mitte. Insgesamt 11 Umgänge, 28 Kehre und ebenfalls zehn Minuten führen zu dessen Mitte.

Größe: Heckenirrgarten: 2 000 Quadratmeter, Pflasterlabyrinth: 340 Quadratmeter
Eröffnung: 22. Juni 2007
Planung: gruppe F Landschaftsarchitekten, Berlin

Karl-Foerster-Staudengarten

Das 1957 erschienene Buch “Einzug der Gräser und Farne in die Gärten” von Karl Foerster war Inspirationsquelle für diesen Teil der Gärten der Welt.  Der Gärtner, Züchter und Gartenphilosoph prägte die deutsche und die internationale Gartenkultur nachhaltig – einerseits mit seinen Schriften, aber andererseits auch mit der Einführung von Wild- und Kulturstauden.

Stauden sind es deshalb auch, die den Karl-Foerster-Staudengarten dominieren. Zwischen streng geschnittenen Buchsbaumhecken finden sich geometrisch formal angelegte Beete mit Prachtstauden, die von landschaftlich geprägten Teilen des Gartens kontrastiert werden. So spielen anspruchsvolle Pflanzungen und frei gestaltete Naturgärten zusammen.

Abgesehen von einer Pergola befindet sich im Karl-Foerster-Staudengarten im Gegensatz zu den anderen Bereichen in den Gärten der Welt keinen architektonischen Strukturen. Die Farbe der Pergola – blau – geht übrigens auf eine Erwähnung in einem von Foersters Büchern zurück. Dort beschreibt er einen Blauton, den die Gartengestalter*innen in mühseliger Arbeit zu reproduzieren versuchten.

Größe: 3 600 Quadratmeter
Eröffnung: 9. Mai 1987, Neueröffnung am 9. März 2008
Planung: Dr. Johannes Schwarzkopf, Christian Meyer

Italienischer Renaissancegarten

Der “Giardino della Bobolina” ist ein Renaissancegarten, der sich stilistisch an der toskanischen Villengärten des 16. Jahrhunderts orientiert. Er ist der einzige Garten im Ensemble, der eine Epoche widerspiegelt und keine Stilrichtung.

Er basiert auf einer Vierteilung, die sich durch die gesamte Gestaltung zieht. Eine Loggia im ersten, in sich geschlossenen Gartenraum, ist Konzertveranstaltungsort. Von der Loggia aus, gelangen Besucher*innen in den viertgeteilten Hauptgarten mit einem Brunnen in der Mitte.

Eine originale Bobolina-Statue aus dem 16. Jahrhundert befindet sich ebenfalls, eingebettet in Hecken aus Buchs und Eibe, im Zentrum des Gartens. Gestalterische Elemente des Gartens, wie Säulen oder Treppen sind aus hellgrauem Sandstein. Eine Besonderheit ist zudem der “Giardino segreto”, der geheime Garten, den man über eine schmale Natursteintreppe betritt.

Größe: 3 000 Quadratmeter
Eröffnung: 31. Mai 2008
Planung: Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, Berlin

Christlicher Garten

Der Christliche Garten ergänzt die Gärten der Welt seit 2011. Er ist dem Kreuzgang eines typischen mittelalterlichen Klostergartens nachempfunden. Den Namen “Raum der Sprache und des Wortes” ist aber vor allem maßgeblich geprägt von einer speziellen Installation. Sie zeigt modern gestaltete Texte aus der Bibel sowie Zitate aus Philosophie und Kultur. Die Texte reflektieren die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Außerdem unterstreichen sie den Garten als Sinnbild des christlichen Lebens.

Die Installation besteht aus goldlackierte Metallbuchstaben, die Passagen aus dem Alten und Neuen Testament zitieren. Die daraus entstehenden transparenten Wände bilden den Wandelgang eines Klosters nach. In der Mitte des quadratischen Gartens befindet sich zudem ein Wasserspiel. Dieses steht einerseits für die Quelle des Lebens und andererseits für die verschiedenen Bedeutungen von Wasser im Christentum.

Größe: 1 000 Quadratmeter
Eröffnung: 29. April 2011
Planung: relais Landschaftsarchitekten, Berlin

Englischer Landschaftsgarten

Der Englische Landschaftsgarten darf in den Gärten der Welt natürlich nicht fehlen. Die ersten Parks, die diese Stilrichtung prägten, entstanden schließlich bereits im 18. Jahrhundert. Sie basierten auf der idyllischen Wildnis der Landschaftsmalerei und wichen von den bis anhin verbreiterten strengen Geometrischen Formen ab.

Gärten der Welt – weitere Attraktionen

Im Englischen Garten befindet sich ein typisches englisches Landhaus mit Reeteindeckung, dass von einem Gemüsegarten, Wiesen, Staudenbeeten, einem Rosengarten und Obstbäumen umgeben ist. Er entstand im Rahmen einer Stadtpartnerschaft mit dem englischen Halton und wurde im Rahmen der IGA Berlin 20217 eröffnet.

Das Englische Cottage in der Mitte der Anlage serviert übrigens selbstverständlich eine klassisch Englische Tea Time mit Earl Grey Tee, Gurkensandwiches und Scones.

Größe: 6 000 Quadratmeter
Eröffnung: 19. April 2017
Planung: Austin-Smith:Lord, Manchester

Jüdischer Garten

Der neuste Zugang zu den Gärten der Welt ist der Jüdische Garten, der erst 2021 Eröffnung feierte. In Blickweite zum christlichen Garten entstand seit Ende 2019 ein Themengarten rund um die jüdische Interpretation von Landschaftsarchitektur. Obwohl er als landschaftsarchitektonischer und künstlerischer Beitrag die Darstellung einer Weltreligion bezweckt, verzichtet er bewusst auf die Zurschaustellung von religiösen Schriften und Symbolen.

Stattdessen fokussiert der Jüdische Garten auf Pflanzen und Gewächse mit engem Bezug zur jüdischen Kultur, wie etwa Feigen, Mandeln, Kastanien oder Ulmen. Diese sind bekannt aus Schriften jüdischer und dem Judentum nahestehenden Autor*innen. Das Wegenetz, das durch die Anlage führt, gliedert den Garten, symbolisiert aber auch die Jüdische Diaspora, die über die Welt verstreut ist. Im Garten finden sich zudem gleich zwei skulpturale Pavillons, die einerseits Ruhe, andererseits aber auch Austausch fördern wollen. Darin sind etwa auch Veranstaltungen zur jüdischen Kultur geplant.

Die Allianz Umweltsstiftung, die bereits den Orientalischen Garten und den Christlichen Garten unterstützte, hatte den Jüdischen Garten initiiert. Mehr zu diesem Garten in den Gärten der Welt lesen Sie außerdem hier: Jüdischer Garten.

Fläche: etwa 2 000 Quadratmeter
Eröffnung: 2021
Planung: Manfred Pernice (Bildhauer), Wilfried Kuehn (Architekt) und atelier le balto Landschaftsarchitekten, Berlin

Zusätzlich zu den elf Themengärten gibt es in den Gärten der Welt zahlreiche weitere Attraktionen. Dazu gehört etwa ein Tagungszentrum mit biodiversem Gründach (mehr zum Thema Dachbegrünung finden Sie hier). Außerdem eine Arena, die insgesamt 5 000 Besucher*innen Platz bietet und einem Amphitheater nachempfunden ist. Mit der Seilbahn kann man zudem vom Kienberg über das Wuhletal direkt in die Gärten der Welt schweben und einen spektakulären Ausblick geniessen. Des Weiteren entstand im Rahmen der IGA 2017 im Übrigen auch der Wolkenhain, ein Aussichtsturm, der wie organisch gewachsen aussieht – selbstverständlich barrierefrei zugänglich.

Mehr Informationen zu den Gärten der Welt finden Sie hier.

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