Was ist ein Prompt? – von der Eingabe zur urbanen Antwort

Smartphone mit geöffnetem KI-Chat, der fragt „Wie kann ich dir helfen?“, vor großem Bildschirm im Hintergrund.
Vom Eingabebefehl zur smarten urbanen Antwort mit KI. Foto von Zulfugar Karimov auf Unsplash.

Städte reden heute mit uns – allerdings nur, wenn wir wissen, wie man die richtigen Fragen stellt. Von starren Modellen zu dynamischen Dialogen: Wer den urbanen Raum im digitalen Zeitalter gestalten will, muss verstehen, was ein Prompt ist – und wie aus kluger Eingabe smarte Stadtantworten werden. Willkommen im Zeitalter der urbanen Prompts, in dem Stadtplanung, Künstliche Intelligenz und menschliche Kreativität aufeinandertreffen. Sind Sie bereit, die Stadt zu befragen – und von ihr zu lernen?

  • Definition: Was bedeutet „Prompt“ im Kontext von Stadtplanung, KI und digitalen Werkzeugen?
  • Geschichte und Entwicklung des Prompt-Begriffs – von der Kommandozeile zur kreativen Schnittstelle
  • Der Einfluss von Prompts auf urbane Entscheidungsprozesse und Planungsqualität
  • Prompts als Bindeglied zwischen Planern, Künstlicher Intelligenz und digitalen Stadtmodellen
  • Praxisbeispiele: Wie Prompts bei Digital Twins, Simulation und Bürgerbeteiligung eingesetzt werden
  • Chancen und Risiken: Vom transparenten Planungsprozess bis zur algorithmischen Verzerrung
  • Herausforderungen für Planer: Prompt-Kompetenz, Datenethik und neue Rollenbilder
  • Die Zukunft der urbanen Prompts: Adaptive Systeme, partizipative Modelle und die nächste Generation digitaler Werkzeuge

Was ist ein Prompt? – Der Begriff zwischen Technik, Kreativität und Stadtentwicklung

Wer sich in den letzten Monaten mit Künstlicher Intelligenz, generativen Sprachmodellen oder neuen digitalen Werkzeugen für die Stadtplanung beschäftigt hat, kommt um einen Begriff nicht mehr herum: den „Prompt“. Ursprünglich stammt das Wort aus der Welt der Informatik und bezeichnete schlichtweg die Eingabeaufforderung einer Kommandozeile – ein blinkender Cursor, der darauf wartet, dass der Nutzer einen Befehl tippt. Doch die Bedeutung hat sich rasant gewandelt. Heute ist ein Prompt weit mehr als ein technisches Kommando. Er ist die Brücke zwischen Mensch und Maschine, zwischen Fragestellung und Antwort, zwischen Idee und urbaner Realität.

Im Kontext der Stadtplanung und der digitalen Transformation ist ein Prompt der Startpunkt für dialogische Prozesse mit digitalen Systemen. Ein Prompt kann eine Frage sein – etwa „Wie entwickelt sich die Hitzebelastung in diesem Quartier bis 2050?“ – oder eine Aufgabenstellung wie „Simuliere die Auswirkungen einer Fußgängerzone in der Innenstadt auf den Autoverkehr“. In modernen KI-Systemen ist der Prompt oft nicht mehr nur ein Befehl, sondern ein komplexer Input, der Kontextinformation, Ziele und Randbedingungen enthält. Die Qualität des Prompts bestimmt maßgeblich die Qualität der Antwort – das gilt für Chatbots genauso wie für urbane Simulationen oder Digital Twins.

Doch warum ist der Prompt gerade jetzt so relevant? Weil die Stadt von heute immer komplexer wird. Weil einfache, lineare Planungslogik an ihre Grenzen stößt. Und weil neue Werkzeuge wie Urban Digital Twins, KI-gestützte Modellierungen oder partizipative Plattformen nur dann ihr Potenzial entfalten, wenn Menschen in der Lage sind, sie richtig zu „fragen“. Der Prompt wird damit zur Schlüsselkompetenz: Wer gut fragt, bekommt bessere Antworten – und bessere Städte.

Die Entwicklung des Prompt-Begriffs spiegelt auch den Wandel der Planungsdisziplinen wider. In analogen Zeiten war die Fragestellung oft implizit: Die Planung reagierte auf politische Vorgaben, auf Flächennutzungspläne, auf Verkehrszahlen. Heute, im Zeitalter der Daten und Simulationen, müssen Planer aktiv formulieren, was sie wissen, prüfen oder verändern wollen. Der Prompt wird damit zum Ausdruck von Kreativität, Verantwortung und Fachkompetenz zugleich. Er ist nicht nur Schnittstelle, sondern auch Filter, Verstärker und Impulsgeber für urbane Innovation.

Mit der wachsenden Bedeutung von KI und algorithmischen Systemen in der Stadtentwicklung entsteht ein neues Rollenbild des Planers: nicht mehr nur als Gestalter im klassischen Sinn, sondern als Dialogpartner und Übersetzer zwischen Stadt, Technik und Gesellschaft. Der Prompt steht am Beginn dieses Dialogs – und entscheidet darüber, ob aus Daten und Modellen tatsächlich kluge, nachhaltige und lebenswerte Städte werden.

Von der Eingabe zur urbanen Antwort: Wie Prompts die digitale Stadtplanung verändern

Die Zeiten, in denen Planer mit dicken Aktenordnern und statischen Plänen durch Ausschüsse zogen, sind vorbei – zumindest in den innovativen Städten Europas. Heute sind digitale Werkzeuge, von 3D-Modellen bis zu KI-gestützten Simulationen, Alltag im Planungsbüro. Doch diese Werkzeuge sind nur so gut wie die Fragen, die wir ihnen stellen. Hier setzt der Prompt an: Er fungiert als Steuerungsinstrument, als Startknopf für die digitale Stadtanalyse und als Innovationsmotor für urbane Szenarien.

Mit der wachsenden Komplexität urbaner Systeme wird die Kunst des Promptings zum entscheidenden Faktor. Ein schlecht formulierter Prompt produziert irrelevante oder sogar irreführende Ergebnisse. Ein präziser, fachlich fundierter Prompt hingegen erschließt neue Erkenntnisse, deckt unerwartete Wechselwirkungen auf und ermöglicht es, Szenarien zu simulieren, die zuvor undenkbar waren. Gerade bei Urban Digital Twins, die riesige Mengen an Echtzeitdaten verarbeiten, ist die Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen, Gold wert. Hier entscheidet der Prompt darüber, ob der digitale Zwilling eine banale Visualisierung bleibt – oder zum intelligenten Entscheidungsinstrument für Stadtentwicklung, Klimaanpassung oder Mobilitätswende wird.

Die Auswirkungen dieser neuen Dialogkultur sind erheblich. Planer müssen heute nicht nur wissen, wie man Bauleitpläne liest, sondern auch, wie man mit KI-Systemen kommuniziert. Dabei geht es nicht um Programmierkenntnisse, sondern um methodische Präzision, kreative Fragetechnik und ein tiefes Verständnis für urbane Systeme. Die besten Prompts verbinden technisches Know-how mit planerischer Intuition. Sie adressieren mehrere Faktoren gleichzeitig, etwa Nutzungsmischung, Verkehrsströme, Klimarisiken und soziale Dynamiken – und fordern von der Maschine eine Antwort, die eben nicht nur Daten ausspuckt, sondern echte Mehrwerte schafft.

Ein Beispiel aus der Praxis verdeutlicht die Bedeutung von Prompts: In einer deutschen Großstadt werden mithilfe eines Urban Digital Twin verschiedene Szenarien für die Nachverdichtung eines Quartiers simuliert. Ein allgemeiner Prompt wie „Welche Auswirkungen hat mehr Wohnraum?“ liefert wenig differenzierte Antworten. Ein spezifischer Prompt hingegen – etwa „Wie verändert sich die nächtliche Temperaturverteilung im Quartier bei 20 Prozent mehr Wohnfläche, zusätzlicher Begrünung und reduzierten Parkflächen?“ – öffnet die Tür zu gezielten, belastbaren und planungsrelevanten Erkenntnissen.

Damit wird klar: Der Prompt ist kein banaler Befehl, sondern ein kreativer Akt. Er lädt Planer dazu ein, neue Fragen zu stellen, Hypothesen zu prüfen und die Grenzen des Machbaren auszuloten. Wer die Kunst des Promptings beherrscht, wird zum Architekten der digitalen Stadtantwort – und gestaltet damit nicht nur Prozesse, sondern auch das urbane Leben von morgen.

Prompts in der Praxis: Von Digital Twins bis Bürgerbeteiligung

Der Siegeszug der Prompts hat die urbane Praxis längst erreicht. Besonders deutlich wird das bei der Arbeit mit Urban Digital Twins, den datengetriebenen Stadtmodellen, die Planung, Betrieb und Analyse in Echtzeit vereinen. Doch nicht nur hier, auch in der Bürgerbeteiligung, im Verkehrswesen und in der Quartiersentwicklung spielen Prompts eine zunehmend zentrale Rolle. Sie sind das Werkzeug, um digitale Systeme zielgerichtet zu nutzen – und damit auch ein Hebel für mehr Transparenz, Innovation und Teilhabe.

In Städten wie Helsinki, Wien und Singapur werden Prompts eingesetzt, um komplexe Fragestellungen an die digitalen Stadtmodelle zu richten. Planer können spezifische Klimaszenarien durchspielen, Hochwassergefahren simulieren oder den Einfluss neuer Mobilitätskonzepte testen – alles gesteuert durch klug formulierte Prompts. In Wien etwa ermöglichen Prompts es, verschiedene Variante für die Gestaltung eines neuen Stadtteils in Bezug auf Hitzebelastung, Windkomfort und Mobilitätsmix durchzuspielen, noch bevor die ersten Bauarbeiten beginnen. Die Ergebnisse fließen direkt in die Planungsentscheidungen ein und machen den Prozess flexibler und evidenzbasierter.

Auch im Bereich der Bürgerbeteiligung eröffnen Prompts neue Möglichkeiten. Moderne Beteiligungsplattformen erlauben es nicht nur, Ideen und Vorschläge einzureichen, sondern auch gezielt Fragen an digitale Stadtmodelle zu stellen. Bürger können etwa simulieren lassen, wie sich eine neue Grünfläche auf die Luftqualität im eigenen Viertel auswirkt oder welche Folgen ein verkehrsberuhigter Bereich für die Erreichbarkeit des Einzelhandels hat. So wird die Planung nicht nur transparenter, sondern auch interaktiver und inklusiver – vorausgesetzt, die eingesetzten Prompts sind verständlich, nachvollziehbar und für alle zugänglich.

Im Verkehrsmanagement setzen viele Städte inzwischen auf KI-gestützte Systeme, die mittels Prompts flexibel auf aktuelle Situationen reagieren können. Ein Beispiel: Während eines Großereignisses wird per Prompt abgefragt, wie sich verschiedene Umleitungsstrategien auf den Verkehrsfluss auswirken würden. Das System analysiert in Echtzeit Sensordaten, historische Muster und aktuelle Stauentwicklungen – und liefert Empfehlungen, die unmittelbar umgesetzt werden können. Auch hier gilt: Nur wer präzise fragt, erhält brauchbare Antworten.

All diese Beispiele zeigen: Prompts sind mehr als technische Schnittstellen. Sie sind Werkzeuge der Verständigung, der Steuerung und der Innovation. Sie fordern von Planern, Verwaltung und Bürgern neue Kompetenzen – und verändern das Selbstverständnis der gesamten Stadtplanung. Wer Prompts als Chance begreift, kann aus der digitalen Transformation echten gesellschaftlichen Mehrwert schöpfen.

Chancen und Risiken: Prompt-Kompetenz als neue urbane Schlüsselqualifikation

Die Verbreitung von Prompts in der Stadtplanung bringt enorme Chancen, aber auch nicht zu unterschätzende Risiken mit sich. Die größte Chance liegt in der Demokratisierung der Planung: Durch verständliche, zugängliche Prompts können nicht nur Experten, sondern auch interessierte Bürger mit digitalen Systemen interagieren, Szenarien simulieren und an Entscheidungsprozessen teilhaben. Das Potenzial für transparente, partizipative und wissensbasierte Stadtentwicklung ist enorm – vorausgesetzt, die Systeme sind offen gestaltet und die Prompts werden nicht zum Privileg einer kleinen Elite.

Doch genau hier lauern auch Gefahren. Wer die Kunst des Promptings nicht beherrscht, läuft Gefahr, von der digitalen Entwicklung abgehängt zu werden. Es droht eine neue Form digitaler Exklusion: Wer nicht weiß, wie man die richtigen Fragen stellt, bleibt außen vor – und überlässt die Steuerung der Stadt den Algorithmen und ihren Machern. Besonders kritisch wird es, wenn Prompts und KI-Systeme Black Boxes bleiben, deren Funktionsweise und Entscheidungslogik undurchsichtig ist. Hier sind Transparenz, Nachvollziehbarkeit und ethische Standards gefragt, um algorithmische Verzerrungen, technokratischen Bias und die Kommerzialisierung von Stadtmodellen zu verhindern.

Für Planer ergibt sich daraus ein neues Rollenbild. Neben klassischer Fachkompetenz braucht es künftig auch Prompt-Kompetenz: die Fähigkeit, digitale Werkzeuge zielgerichtet zu steuern, relevante Fragen zu stellen und die Antworten kritisch zu reflektieren. Das verlangt nach neuen Aus- und Weiterbildungsformaten, nach interdisziplinären Teams und einer Kultur des Lernens im digitalen Raum. Der Planer der Zukunft ist nicht nur Gestalter von Räumen, sondern auch Moderator von Dialogen zwischen Mensch, Stadt und Maschine.

Auch die Governance von Prompts wird zur zentralen Herausforderung. Wer definiert, welche Fragen gestellt werden? Wer kontrolliert die Zugänglichkeit und Qualität der Prompts? Und wie lassen sich Machtasymmetrien vermeiden, die durch ungleiche Daten-, Technik- oder Sprachkompetenzen entstehen? Die Antworten auf diese Fragen werden darüber entscheiden, ob Prompts zum Werkzeug für mehr Urbanität und Teilhabe werden – oder zu neuen Quellen der Exklusion und Intransparenz.

Am Ende entscheidet der Umgang mit Prompts darüber, wohin die Reise in der Stadtentwicklung geht. Werden sie zum Hebel für Innovation, Inklusion und Nachhaltigkeit? Oder werden sie zur neuen Hürde, die nur wenige überspringen können? Die Antwort liegt – wie so oft in der Stadtplanung – im gemeinsamen, reflektierten und kreativen Handeln aller Beteiligten.

Ausblick: Die Zukunft der urbanen Prompts – adaptive Systeme und kollektive Intelligenz

Die Entwicklung der urbanen Prompts steht erst am Anfang. Künftig werden wir es mit immer leistungsfähigeren, adaptiven Systemen zu tun haben, die nicht nur auf einzelne Eingaben reagieren, sondern komplexe Dialoge mit Nutzern führen können. Urban Digital Twins werden mit Künstlicher Intelligenz gekoppelt, die in der Lage ist, Kontext zu erfassen, Ziele zu interpretieren und Vorschläge zu unterbreiten, die weit über klassische Simulationen hinausgehen. Der Prompt wird dabei zum Einstiegspunkt in einen fortlaufenden Austausch zwischen Stadt, Mensch und Maschine.

In der nächsten Generation der Stadtplanung werden Prompts nicht mehr nur als technische Werkzeuge verstanden, sondern als Teil einer kollektiven urbanen Intelligenz. Adaptive Systeme lernen aus den Erfahrungen ihrer Nutzer, passen sich an lokale Besonderheiten an und ermöglichen es, Wissen und Kreativität aus unterschiedlichen Disziplinen, Kulturen und Perspektiven zu bündeln. Die Stadt entwickelt sich damit nicht mehr nur nach festen Plänen, sondern in einem dynamischen, offenen Prozess, in dem Prompts zu Impulsen für ständige Verbesserung werden.

Ein Beispiel für diese Entwicklung sind partizipative Plattformen, die es erlauben, gemeinsam mit Bürgern, Fachleuten und Verwaltung Fragen zu formulieren, Szenarien zu entwickeln und Lösungswege zu priorisieren. Hier entstehen digitale Werkzeuge, die nicht nur Antworten liefern, sondern auch Diskussionen, Verhandlungen und Lernprozesse anstoßen. Die Rolle des Prompts verschiebt sich von der reinen Eingabeaufforderung zum Katalysator für kollektives Handeln und innovative Stadtentwicklung.

Natürlich werden auch in Zukunft Risiken und Herausforderungen bleiben. Die Gefahr algorithmischer Verzerrung, die Notwendigkeit von Datenschutz und die Frage nach gerechter Teilhabe werden die Stadtplanung weiter begleiten. Doch die Chancen überwiegen: Wer Prompts als Instrument für offene, lernende und kreative Städte begreift, kann die digitale Transformation nicht nur meistern, sondern aktiv gestalten.

Die Stadt von morgen ist ein Dialograum – zwischen Menschen, Maschinen und Modellen. Der Prompt ist der Türöffner zu diesem Raum. Wer ihn klug einsetzt, kann urbane Zukunft nicht nur simulieren, sondern tatsächlich neu erfinden. Und wer hätte gedacht, dass alles mit einer einzigen Frage beginnt?

Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Prompt ist weit mehr als ein technisches Detail der digitalen Stadtplanung. Er ist zum Symbol für einen grundlegenden Wandel geworden: vom linearen Modell zum dialogischen, dynamischen Prozess. Wer heute lernt, digitale Systeme präzise zu befragen, gestaltet die Städte von morgen maßgeblich mit. Prompts verbinden Kreativität mit Datenkompetenz, ermöglichen partizipative Verfahren und machen komplexe Zusammenhänge verständlich. Sie bergen jedoch auch Risiken – von digitaler Exklusion bis zu algorithmischer Verzerrung. Klar ist: Die Zukunft der Stadt ist ein Dialog. Und der beginnt mit dem richtigen Prompt.

Das könnte Sie auch interessieren
Spatial-Planning-Matters Cover © vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich
Spatial Planning Matters! – Buchrezension
Blauer Himmel mit "CO₂" in Wolken als Symbol für kommunale CO₂-Zertifikate und Stadtplanung als Handel.
Kommunale CO₂-Zertifikate – kann Stadtplanung zum Handel werden?
Straße als Galerie
Städte für Morgen 2020
eine-stadtstrasse-voller-verkehr-neben-hohen-gebauden-L7RbsRIG7DQ
Stadtplanung als Schulfach? – Bildungspolitik trifft Baukultur
Morgenstadt Werkstatt
eine-luftaufnahme-einer-stadt-JSRekW1fRfY
Monitoring sozialer Infrastrukturen via Digitalplattform
Pinker Radweg für Auckland
Vogelperspektive auf die Stadt Tallinn – urbaner Raum im Wandel durch 0-Euro-Mobilität und nachhaltige Stadtentwicklung.
Wie Tallinn die 0-Euro-Mobilität auf Stadtentwicklung überträgt
Deutschlands größtes Holzgebäude
ADEPT baut Deutschlands größtes Holzgebäude

Neue Konzepte um Friedhöfe zu retten, sind notwendig. Dabei wichtig: Raum, der Trauer ermöglicht. Der Kölner Zukunftskongress „Heilsame Abschiede“ am 25. Oktober 2019 versammelte avantgardistische Referenten aus Soziologie, Psychologie, Philosophie, Theologie – und Landschaftsarchitektur. Die Landschaftsarchitekten Constanze Petrow und Bart Brands stellten Lösungsansätze, Leuchtturmprojekte und Erkenntnisse vor.

Friedhof noch nicht neu erfunden

In einer erzkatholischen Location, dem Tagungszentrum des Erzbistums Köln ging es unter der Moderation des Zukunftsforschers Matthias Horx eher säkular zu bei der Aufarbeitung des Themas „Vom Wandel der Trauerkultur im Zeitalter der Individualität“. Horx, dessen Zukunftsinstitut den Kongress „Heilsame Abschiede“ am 25. Oktober 2019 – der unter ideeller Trägerschaft der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. stand – kuratiert hatte, diskutierte mit einem illustren Kreis avantgardistischer Referenten aus Soziologie, Psychologie, Philosophie, Theologie und eben auch Landschaftsarchitektur. Es ging um die Realitäten von Trauern, Friedhof und Abschied nehmen sowie über „die neue Trauer in ihren Aspekten“.

Mit dabei – als Vertreter des Themas aus landschaftsarchitektonischer Sicht: die Landschaftsarchitektin Constanze Petrow und der holländische Landschaftsarchitekt Bart Brands. Die beiden stellten Lösungsansätze, Leuchtturmprojekte und Erkenntnisse aus der Arbeit mit ihren Studenten sowie Ideen für künftige Planungen und Vorgehensweisen vor.

Dass Friedhöfe sich öffnen müssen für neue Konzepte, darüber waren sich alle Teilnehmer einig. Constanze Petrow etwa forderte den gerade auch kulturhistorisch so wertvollen Friedhof zu retten. „Es ist unsere Aufgabe“ so die Professorin für Freiraumplanung an der Hochschule Geisenheim, „hier Neues zu wagen und auszuprobieren. Noch haben wir ihn nicht neu erfunden.“
Wie dies beispielsweise aussehen kann, zeigte Bart Brands mit seiner Revitalisierung des Amsterdamer Friedhofes „De Nieuwe Ooster“, den er wie Barcode-Streifen in Parzellen mit unterschiedlichen Regeln unterteilt hat. Sein Credo lautet: „Alles muss möglich sein, aber nicht alles überall“. Constanze Petrow präsentierte darüber hinaus aktuelle studentische Strategien zur Weiterentwicklung des Friedhofs. Und sie stellte den soeben gestarteten Wettbewerb „Raum für Trauer – Ideen für den Friedhof der Zukunft“ für Nachwuchsplaner vor, im Rahmen dessen geeignete Orte auch als räumliche Situationen auf dem weltgrößten Parkfriedhof in Hamburg-Ohlsdorf gestaltet werden sollen, die individuelle oder gemeinschaftliche Rituale und Handlungen des Abschiednehmens ermöglichen.

Begegnung respektvoll ermöglichen

Petrow hatte in einem Forschungsprojekt herausgefunden, dass sich im Spannungsfeld des Friedhofes zwischen privatem Raum am Grab und dem öffentlichen Raum eine lose Gemeinschaft an formellen und informell genutzten Begegnungsräumen wie etwa den Wasserstellen bildet, die bis heute überhaupt nicht bedient werde. Diese räumlich ungelöste Situation gilt es ihrer Meinung nach zu überwinden um soziales Miteinander zu fördern, beispielsweise mit begegnungsfähig angeordneten Sitzgelegenheiten. Wichtig sei dabei allerdings, die unterschiedlichen emotionalen Zustände der Friedhofsbesucher zu respektieren und in der architektonischen Umsetzung zu berücksichtigen.

Offene Themen

Obgleich der Zukunftskongress bereits thematisch überfrachtet von einem Themenfeld zum nächsten schwappte, fehlten doch wichtige Facetten wie etwa die Sichtweisen der verschiedenen auf dem Friedhof beschäftigten Gewerke sowie der Blick auf die massiv zunehmenden Begräbnisse von Menschen aus anderen Kulturräumen, insbesondere des islamischen Glaubens. Ließen diese – ebenso wie die aus Ost- und Südosteuropa stammenden Christen – ihre Toten früher zu etwa 70 Prozent in der ehemaligen Heimat und nur zu 30 Prozent in Deutschland bestatten, so hat sich dieses Verhältnis mittlerweile umgekehrt.

Natur für ein Naturmuseum ist ähnlich herausfordernd, wie eine Architektur für die Präsentation von Architektur zu entwerfen. Wie stellt man sich also der Aufgabe, eine Landschaftsarchitektur für ein Museum zu schaffen, das zum Ziel hat, die Vielfalt der Naturgeschichte darzustellen und die Zusammenhänge zu erklären? Ein Annäherungsversuch am Beispiel des Parks für das Naturmuseum St. Gallen von Studio Vulkan Landschaftsarchitektur.

Bereits im 2009 ausgelobten Wettbewerb für den Neubau eines Naturmuseums, der von der Arbeitsgemeinschaft Armon Semadeni Architekten GmbH mit Michael Meier, Marius Hug Architekten AG umgesetzt wurde, war die Landschaftsarchitektur Teil des Wettbewerbsbeitrags. Es ist per se ein Paradoxon, Architektur oder in diesem Fall Natur ausstellen zu wollen. Denn was wir als Landschaft wahrnehmen, besteht in Wahrheit aus einer komplexen Überlagerung von verschiedenen Ebenen, sei es die Natur an sich, die funktionale und kulturgeschichtliche Prägung oder die eigene Interpretation. Wo die Einordnung in klare Begrifflichkeiten durch das Fehlen eindeutiger Grenzen im Zusammenwachsen von Stadt und Land schwierig wird, bewegen wir uns zunehmend in einer Übergangsphase zwischen Natur, natürlicher Künstlichkeit und künstlicher Natürlichkeit. Der Standort offenbart ein zusätzliches, typisches Paradoxon der Schweizer Landschaft: Infrastrukturen und Stadtraum verweben sich auf engstem Raum. Somit findet die Bauaufgabe, die Gestaltung eines Parks, direkt über einem Autobahntunnel, umgeben von heterogenem Zwischenstadtraum statt. Wie kann also Natur an einem solchen Ort aussehen? Bestimmt nicht wie ein museumspädagogisch linear verlaufender didaktischer Lehrpfad …

Dialog zwischen den Welten

Als Abschirmung zum gewachsenen Umfeld, aber auch als Synonym zum schnelllebigen Alltag wird eine natürliche Sichtbarriere als eine Art Filterzone zwischen den Welten mit einheimischen Pflanzen – Hainbuchen, Farnen und Stauden – geschaffen. 75 Prozent der Bepflanzung stammt aus heimischen Gewächsen. Für die restlichen 25 Prozent fiel die Wahl zum Beispiel auf exotische Hortensien. Irgendwann könnten die aufgrund des Klimawandels auch in hiesigen Klimazonen heimisch werden. Auch die Nachbarschaft eines Ginkgobaums zu einer Lärche gehört zu den Rätseln der Natur. Die Pfarrkirche St. Maria Neudorf setzt einen städtebaulichen Akzent, auf den sowohl die Architektur als auch die Landschaftsgestaltung Bezug nimmt. Weniger in der Festlegung von Bezugskanten, sondern auf einer philosophischen Ebene: Der Dialog zwischen den zwei Theorien zur Entstehung der Welt wird auf einer poetisch-sakralen und wissenschaftlichen Ebene geführt und funktioniert über Trittsteine, die zugleich als Informationsträger der weltlichen und religiösen Zitate dienen.

Katalysator für die Vorstellungskraft

Unabhängig von der Materialität der Fassade des Naturmuseums wurde auch im zugehörigen Park der Werkstoff Beton eingesetzt. Als artifizielles Produkt steht der Beton in gewolltem Kontrast zu dem für die Ostschweiz bekannten Naturwerkstein Nagelfluh. Die Trittsteine wirken als Katalysator für die Vorstellungskraft. Sie sind mit Artefakten aus der Naturgeschichte bis zu Bearbeitungsspuren von Menschen mit Mustern von Jute, Dränplatten oder Dachlatten versehen. Und noch einmal werden Sehgewohnheiten auf die Probe gestellt: Anstelle elegant an der Fassade von Kirchen oder Sehenswürdigkeiten zu wirken, findet sich der grünliche Ostschweizer Sandstein grob geschottert wieder. Da es keine Wegeführung gibt, ist man frei, sich seinen eigenen Zugang zum Ort, aber auch zur Gedankenwelt zu suchen. Damit schließt sich der Kreis zum Naturmuseum wieder.

Ein Interview mit Lukas Schweingruber vom Studie Vulkan finden Sie in der Dezemberausgabe 2018 der G+L.