Reallabore für Klimaanpassung – was bleibt nach dem Test?

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Eine beeindruckende Luftaufnahme einer Stadt mit sichtbaren Windkraftanlagen im Hintergrund, fotografiert von Andy Wang.

Reallabore für Klimaanpassung – das klingt nach temporären Spielwiesen für Forschende und Planer, nach bunten Pilotprojekten und medial gefeierten Prototypen. Aber was bleibt eigentlich, wenn die Presse abgezogen, die Fördermittel versickert und die mobilen Hochbeete wieder abgebaut sind? Wer profitiert langfristig von diesen urbanen Testfeldern – und wie viel Substanz steckt wirklich hinter dem Hype?

  • Definition und Zielsetzung von Reallaboren für Klimaanpassung im urbanen Raum
  • Erfolgsfaktoren, Herausforderungen und typische Akteure urbaner Reallabore
  • Analyse konkreter Projekte: Von temporären Interventionen zu dauerhaften Veränderungen
  • Transferpotenziale und Verstetigung: Was bleibt nach dem Experiment?
  • Governance, rechtliche Rahmenbedingungen und das Zusammenspiel von Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft
  • Rolle von Partizipation und Wissensmanagement in Reallaboren
  • Innovationshemmnisse und Lessons Learned für die Stadtentwicklung
  • Ausblick: Wie können Reallabore langfristig zur klimaangepassten Stadt beitragen?

Reallabore für Klimaanpassung: Was steckt wirklich dahinter?

Reallabore für Klimaanpassung sind längst mehr als nur temporäre Versuchsanordnungen für hitzegeplagte Plätze oder überflutete Straßen. Im Zentrum stehen vielmehr die Erprobung und Entwicklung neuer Lösungsansätze für die Herausforderungen des Klimawandels – und das unter realen Bedingungen, mitten im städtischen Alltag. Reallabore sind Orte, an denen Wissenschaft, Verwaltung, Wirtschaft und Bürgerschaft gemeinsam an konkreten Problemen arbeiten, neue Technologien oder Maßnahmen testen und deren Wirkung direkt vor Ort evaluieren. Sie sind damit ein Gegenentwurf zu klassischen, oft theorielastigen Planungsansätzen, die selten in der rauen Realität bestehen.

Der Clou an Reallaboren liegt in ihrem experimentellen Charakter: Sie schaffen Freiräume, in denen tradierte Routinen und festgefahrene Zuständigkeiten zumindest für eine begrenzte Zeit aufgehoben werden. Hier ist es nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht, Fehler zu machen, Hypothesen zu widerlegen und Zwischenergebnisse offen zu diskutieren. So entstehen Innovationsdynamiken, die in klassischen Verwaltungsstrukturen oft erstickten. Die Beteiligten – vom Verkehrsplaner über die Landschaftsarchitektin bis hin zur engagierten Anwohnerin – begegnen sich im besten Fall auf Augenhöhe. Die Hierarchie der Kompetenzen wird zumindest temporär nivelliert.

Die Zielsetzung von Reallaboren für Klimaanpassung ist dabei ebenso vielfältig wie die Erscheinungsformen: Mal geht es um die Erprobung neuer Entsiegelungstechniken, mal um die kurzfristige Umgestaltung von Straßenräumen zu grünen Oasen oder um die Entwicklung partizipativer Bewässerungskonzepte. Immer im Fokus steht die Frage: Wie kann die Stadt widerstandsfähiger gegen Hitze, Starkregen oder Trockenperioden werden? Und wie lassen sich die Erkenntnisse aus dem Experimentierfeld in dauerhafte Stadtentwicklung integrieren?

Typische Akteure sind neben der Wissenschaft vor allem kommunale Verwaltungen, Stadtwerke, lokale Unternehmen, Planungsbüros und – das ist entscheidend – die Stadtgesellschaft selbst. Denn Reallabore funktionieren nur dann als Innovationsmotor, wenn die Bedürfnisse vor Ort wirklich einbezogen werden. Das ist keine Floskel, sondern eine Notwendigkeit: Wer Reallabore am grünen Tisch plant, landet schnell bei Pseudo-Beteiligung und wenig nachhaltigen Ergebnissen.

Doch wie wird aus dem Experiment ein dauerhafter Mehrwert? Genau an dieser Frage scheiden sich die Geister. Während manche Reallabore nach dem Projektende sang- und klanglos verschwinden, gelingt andernorts der Sprung von der temporären Intervention zur institutionellen Verstetigung. Der Schlüssel liegt in der Frage: Wer übernimmt Verantwortung, wenn der wissenschaftliche Tross weitergezogen ist?

Von temporär zu dauerhaft: Erfolgsfaktoren und Stolpersteine urbaner Reallabore

Wer Reallabore für Klimaanpassung wirklich nachhaltig gestalten will, muss mehr bieten als bunte Pflanzkübel und Workshops mit Latte Macchiato. Die Nachhaltigkeit eines Reallabors entscheidet sich vor allem an zwei Punkten: Erstens, ob das Projekt echte Lernprozesse in Verwaltung und Stadtgesellschaft auslöst. Zweitens, ob nach dem Ende des Experiments Strukturen geschaffen werden, die die getesteten Lösungen langfristig sichern – sei es durch politische Beschlüsse, neue Geschäftsmodelle oder institutionelle Anbindung.

Ein Erfolgsfaktor ist die frühzeitige Einbindung aller relevanten Akteure. Wer die Verwaltung erst kurz vor Schluss in das Reallabor holt, braucht sich nicht wundern, wenn nach Projektende niemand die Verantwortung übernehmen will. Gleiches gilt für die lokale Wirtschaft und die Zivilgesellschaft: Nur wenn deren Ressourcen und Perspektiven von Anfang an einbezogen werden, entsteht eine echte Chance auf Verstetigung. Das klingt nach Beteiligungsfloskel, ist in der Praxis aber knallharte Realität – denn ohne Mitnahmeeffekt bleibt das Reallabor ein isoliertes Event.

Ein weiterer Stolperstein ist die Finanzierung. Viele Reallabore leben von Drittmitteln, Förderprogrammen oder universitären Ressourcen. Das Dilemma: Sobald die Mittel versiegen, sind oft auch die personellen Kapazitäten und das Know-how weg. Wer hier nicht frühzeitig über eine Anschlussfinanzierung oder die Integration in bestehende Verwaltungsstrukturen nachdenkt, riskiert, dass wertvolle Erkenntnisse im Sande verlaufen. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern im Hinblick auf die ambitionierten Klimaziele schlichtweg kontraproduktiv.

Mindestens ebenso bedeutend ist die Kommunikation der Projektergebnisse. Wer nach außen und innen nicht klar vermitteln kann, warum das Reallabor relevant ist, verliert Akzeptanz und politische Rückendeckung. Erfolgreiche Reallabore setzen daher auf transparente Berichterstattung, offene Daten und Formate, die auch Menschen außerhalb der Planungsblase erreichen. Es reicht nicht, die Ergebnisse in dicken Abschlussberichten zu verstecken. Sie müssen in den politischen Diskurs, in die Verwaltungspraxis und – idealerweise – in die öffentliche Wahrnehmung diffundieren.

Zuletzt entscheidet das Maß an Flexibilität über den Erfolg. Reallabore sind chaotisch, unvorhersehbar und voller Überraschungen. Wer zu stark auf starre Pläne und Meilensteine setzt, erstickt die Innovationskraft. Erfolgreiche Projekte zeichnen sich dadurch aus, dass sie Irrwege zulassen, Feedback ernst nehmen und bereit sind, Kurskorrekturen vorzunehmen – auch wenn das unbequem ist. Denn echte Transformation entsteht selten nach Plan, sondern meist aus der Reibung zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Was bleibt? Verstetigung, Transfer und der lange Atem der Stadtentwicklung

Die Gretchenfrage bleibt: Was bleibt nach dem Reallabor? Kurzfristig sorgen viele Projekte für Aufmerksamkeit, temporäre Verbesserungen oder spannende neue Netzwerke. Doch die eigentliche Messlatte für Erfolg ist der nachhaltige Transfer – also die Überführung der getesteten Maßnahmen in dauerhafte Strukturen, Regelwerke oder sogar Gesetze. Hier zeigt sich, dass Reallabore nie Selbstzweck sein dürfen. Sie müssen immer als Teil eines größeren Transformationsprozesses gedacht und gestaltet werden.

Ein gutes Beispiel liefern Projekte wie die „Grüne Welle“ in Berlin-Neukölln, bei der temporäre Begrünungen auf Straßen Schritt für Schritt in langfristige Entsiegelungs- und Begrünungsprogramme überführt wurden. Oder das Bochumer Reallabor „KlimaWandel“, wo aus temporären Wasserspeicherflächen dauerhafte Elemente des städtischen Regenwassermanagements wurden. Der entscheidende Unterschied: Hier gab es von Anfang an eine Strategie zur Verstetigung, institutionelle Anker und politische Rückendeckung. Solche Projekte zeigen, dass Reallabore durchaus in der Lage sind, das große Rad zu drehen – wenn sie nicht als singuläre Events, sondern als Baustein einer langfristigen Stadtentwicklungsstrategie konzipiert werden.

Häufig scheitert der Transfer jedoch an unklaren Zuständigkeiten, mangelnden Ressourcen oder schlichtweg an fehlendem Willen, Experimente in den Regelbetrieb zu übernehmen. Die Verwaltung neigt dazu, nach dem Ende des Reallabors in alte Routinen zurückzufallen. Hier braucht es Personen und Strukturen, die den „Staffelstab“ übernehmen – seien es Klimamanager, engagierte Quartiersvertreter oder interdisziplinäre Koordinationsstellen. Ohne diese Brückenbauer bleibt das Reallabor ein Strohfeuer.

Ein weiteres Transferhindernis ist die mangelnde Standardisierung der in Reallaboren entwickelten Lösungen. Vieles bleibt auf den spezifischen Kontext zugeschnitten, zu wenig wird dokumentiert und für andere Kommunen aufbereitet. Hier besteht Nachholbedarf: Erfolgreiche Ansätze müssen modularisiert, evaluiert und in übertragbare Konzepte gegossen werden. Erst dann entfalten Reallabore ihre volle Transformationskraft – und werden zum Innovationsmotor für ganze Regionen.

Last but not least: Der Transfer von Wissen und Kompetenzen ist essenziell. Es reicht nicht, dass einige wenige Projektbeteiligte Erfahrungen sammeln. Diese müssen systematisch in die Verwaltung, die Planungsbüros und die Zivilgesellschaft diffundieren. Nur so entsteht eine „lernende Stadt“, die auch nach dem Ende des Reallabors weiter anpassungsfähig bleibt und die Herausforderungen des Klimawandels proaktiv angeht.

Governance, Beteiligung und Wissensmanagement: Reallabore als Motor für neue Planungskulturen

Reallabore sind nicht nur Experimentierfelder für neue Technologien oder Gestaltungsideen – sie sind vor allem Testlabore für neue Formen der Governance und Zusammenarbeit. Gerade im Bereich der Klimaanpassung, wo klassische Ressortgrenzen und Zuständigkeiten häufig zum Hemmschuh werden, schaffen Reallabore Räume, in denen innovative Kooperationsstrukturen erprobt werden können. Sie bringen Akteure zusammen, die im Alltag selten miteinander arbeiten, und schaffen so neue Allianzen zwischen Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Stadtgesellschaft.

Ein Schlüsselelement erfolgreicher Reallabore ist die konsequente Beteiligung. Doch Partizipation ist kein Selbstläufer. Sie muss von Anfang an mitgedacht, ressourciell abgesichert und in die Entscheidungsprozesse integriert werden. Gelingt dies, entstehen neue Formen des Wissensaustauschs, in denen wissenschaftliche Expertise und Alltagswissen auf Augenhöhe zusammentreffen. Gerade im Kontext der Klimaanpassung, wo lokale Betroffenheit und individuelle Handlungsmöglichkeiten eine große Rolle spielen, ist diese Verbindung unschätzbar wertvoll. Sie fördert Akzeptanz, Identifikation und letztlich auch die Bereitschaft zur Verstetigung.

Ebenso wichtig ist ein professionelles Wissensmanagement. Zu oft versanden die in Reallaboren gewonnenen Erkenntnisse in Projektberichten oder werden nicht systematisch dokumentiert. Erfolgreiche Projekte setzen daher auf digitale Plattformen, offene Daten, praxisorientierte Handreichungen und kontinuierlichen Erfahrungsaustausch. Nur so kann das in einem Reallabor erworbene Wissen über den Projektzeitraum hinaus wirksam werden – und anderen Städten als Inspirationsquelle dienen.

Auch die Governance-Frage bleibt spannend: Wer trägt die Verantwortung für die Fortführung erfolgreicher Maßnahmen? Wer entscheidet über die Weiterentwicklung und Skalierung? Hier braucht es klare Zuständigkeiten, aber auch flexible Strukturen, die es ermöglichen, auf neue Herausforderungen zu reagieren. Besonders erfolgreich sind Reallabore, die von Anfang an eine Governance-Architektur mitdenken, die sowohl die Integration in bestehende Verwaltungsstrukturen als auch die Einbindung externer Akteure ermöglicht.

Schließlich stellt sich die Frage, wie Reallabore dazu beitragen können, die klassische Planungskultur zu transformieren. Sie sind Katalysatoren für eine neue Haltung: weg von der statischen Planung hin zu iterativen, adaptiven Prozessen. Diese Offenheit für Experimente, Fehler und Kurskorrekturen ist in Zeiten des Klimawandels keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit. Reallabore sind damit nicht nur ein Werkzeug der Klimaanpassung, sondern auch ein Lehrstück für resiliente Stadtentwicklung insgesamt.

Ausblick: Reallabore als Katalysatoren für die klimaresiliente Stadt

Was bleibt also nach dem Test? Reallabore für Klimaanpassung haben das Potenzial, weit mehr zu sein als temporäre Spielfelder für urbane Innovation. Sie können zum Herzstück einer neuen, lernenden Stadtentwicklung werden, die auf Experiment, Beteiligung und ständiger Anpassung basiert. Voraussetzung dafür ist, dass die gewonnenen Erkenntnisse systematisch in dauerhafte Strukturen überführt werden – und dass Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Die größte Chance der Reallabore liegt in ihrem disruptiven Potenzial: Sie hinterfragen Routinen, stoßen Debatten an und zeigen, dass auch in festgefahrenen Systemen Bewegung möglich ist. Gleichzeitig machen sie deutlich, wie mühsam und konfliktreich der Weg von der Vision zur Verstetigung ist. Es braucht Mut, Ressourcen und einen langen Atem – aber auch die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen und Erfolge zu teilen.

Für Planer, Landschaftsarchitekten und Stadtentwickler bieten Reallabore die Möglichkeit, innovative Lösungen im realen Kontext zu testen und direktes Feedback von Nutzern einzuholen. Diese Rückkopplung ist Gold wert – nicht nur für die eigene Professionalisierung, sondern auch für die Entwicklung wirklich wirksamer Klimaanpassungsmaßnahmen. Wer Reallabore als Labor für neue Planungskulturen versteht, kann langfristig die Resilienz und Lebensqualität der Städte stärken.

Die nächste Entwicklungsstufe besteht darin, Reallabore nicht mehr als Ausnahme, sondern als integralen Bestandteil der Stadtentwicklung zu denken. Sie sollten kein Luxus für geförderte Leuchtturmprojekte bleiben, sondern Teil der kommunalen Routine werden – als Instrument, um mit Unsicherheit, Komplexität und Wandel konstruktiv umzugehen. Nur so entsteht die klimaresiliente Stadt, die nicht nur auf Krisen reagiert, sondern proaktiv die Zukunft gestaltet.

Bleibt zu hoffen, dass Verwaltungen, Politik und Stadtgesellschaft den Mut aufbringen, die aus den Reallaboren gewonnenen Erkenntnisse auch dann weiterzutragen, wenn das Rampenlicht erloschen ist. Denn eines ist sicher: Der Klimawandel fragt nicht nach Projektlaufzeiten. Die Städte der Zukunft brauchen Experimentierfreude, Lernbereitschaft – und den Willen, aus temporären Tests dauerhafte Transformation zu machen.

Zusammenfassung: Reallabore für Klimaanpassung sind weit mehr als urbane Spielwiesen für Innovationsenthusiasten. Sie bieten die Chance, neue Ansätze im echten Stadtkontext zu testen, Routinen zu hinterfragen und die klassische Planungskultur zu transformieren. Ihr langfristiger Erfolg hängt jedoch davon ab, ob es gelingt, die gewonnenen Erkenntnisse zu verstetigen, in dauerhafte Strukturen zu überführen und die Verantwortung für die Transformation breit zu verteilen. Nur dann werden Reallabore zum echten Katalysator für klimaresiliente Städte – und nicht zur Fußnote im Fördermitteldschungel.

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Gärten des Jahres 2023 – Gewinner*innen

Birnenbäume aus alten Obstplantagen im Gewinnergarten, Foto: Feldman

Gärten als erweiterter Wohn- und Genussraum

Die Gewinner*innen des Wettbewerbs „Gärten des Jahres“ 2023 stehen fest. Zum achten Mal lobte der Münchner Callwey Verlag mit der G+L und weiteren Partner*innen den Wettbewerb im vergangenen Jahr aus.

Der Wettbewerb richtet sich zum einen an Landschaftsarchitekt*innen, Garten- und Landschaftsbauer*innen aus dem deutschsprachigen Raum. Sie konnten bis Juli private Gartenprojekte einreichen. Zum anderen konnten sich Hersteller*innen aus der Branche bis November mit Produkten für die „Lösungen des Jahres“ bewerben. Am 14. Februar fand nun die Preisverleihung auf Schloss Dyck nahe Düsseldorf statt.

Aus den eingereichten Privatgärten wählte eine Jury von Expert*innen 50 Projekte aus. Unter diesen vergaben sie dann einen mit 5 000 Euro dotierten ersten Preis sowie vier Anerkennungen. Gärten als erweiterter Wohn- und Genussraum, und das individuell umgesetzt – auf ganzheitliche Konzepte, die das erreichen, achtete die Jury. Dahinter soll zudem eine starke Idee stehen.

Ein Garten auf mehreren Ebenen

Den ersten Preis der „Gärten des Jahres 2023“ erhielt das Büro Feldmann Gartenarchitektur für das Projekt „Erlebnisraum Garten“ in Bensheim an der Bergstraße. Der Garten gehört zu einer historischen Villa. Beide sind am Hang gelegen, umgeben von Wäldern. Landschaftsarchitekt Christoph Feldmann wollte mit der Gestaltung unter anderem den Garten in die umliegende Landschaft einfügen. Er und sein Team errichteten Trockenmauern – aus geböschten Flächen entstanden dadurch mehrere Ebenen. Verschiedene Räume des Gartens sollen unterschiedliche Atmosphären vermitteln. Auf der einen Ebene befindet sich zudem ein Pool, umgeben von Rasenfläche. Auf einer anderen stehen ein Feuerring, Hochbeete und ein Gewächshaus. An anderer Stelle sitzt man dann unter alten Birnenbäumen, die aus einer Obstplantage stammen.

Die Planer*innen ergänzten vorhandenen Baumbestand um weitere Großbäume, worauf Thomas Banzhaf, Vizepräsident des BGL, in seiner Laudatio zum Preisträger lobend eingeht. Weiter schreibt er: „In höchster Ausführungsqualität ist hier ein Landhausgarten entstanden, der einen wirklichen Gegenpol zum Leben in einer Metropole darstellt – fernab von einer durch Beton, Straßen und Autos geprägten digitalen Welt.“ Die Jury zeichnete vier weitere Büros mit Anerkennungen als „Gärten des Jahres 2023“ aus. Darunter ist etwa „Die Erschaffung aus dem Nichts“ von Petra Hirsch Gartenplanung. Der parkartige Garten entstand über 25 Jahre hinweg aus einer ehemaligen landwirtschaftlichen Nutzfläche. Und mit „Begrünt mehr Dächer!“ in Berlin von Potsdamer Gartengestaltung GmbH erhielt schließlich ein Gründach eine Anerkennung.

Weitere Gewinner*innen: Gärten des Jahres 2023

Für die „Lösungen des Jahres“, nun zum fünften Mal vergeben, bestand die Jury aus Fach-Redakteuren aus dem Bereich Landschaftsarchitektur und Gartengestaltung. Sie wählten zehn Produkte in mehreren Kategorien zum Thema Gartengestaltung, darunter etwa Gartenhäuser, Bodenbelag oder Gartengeräte. Über den ersten Preis entschied ein öffentliches Onlinevoting: Dieses Jahr geht er an die Pflanzenreich App von Landschaftsarchitektin Petra Pelz. Mit der App soll es einfacher sein, die richtigen Pflanzen für eine bestimmte Gartensituation zu finden. Und nicht nur Privatgärten und Produkte erhielten Würdigungen: Mit einem Fotografiepreis wird Ferdinand Graf Luckner bereits zum zweiten Mal für sein fotografisches Schaffen geehrt.

Die begleitende Publikation stellt die fünfzig Gärten des Jahres 2023 sowie die ausgezeichneten Lösungen vor. Mit Farbabbildungen und Gartenplänen, Details zu Grundstücken und Konzepte, Materialien und Pflanzen vermitteln die Gartenporträts die Vielfalt der ausgewählten Gärten. Alle fünfzig Projekte der „Gärten des Jahres 2023“, ausgezeichnete Lösungen und der Fotografiepreis konnte man zudem zunächst in einer Ausstellung auf Schloss Dyck sehen. Vom 31. März bis 2. April kann die Ausstellung auf der Messe „Blühendes Österreich“ besucht werden.

Gärten des Jahres 2023: ab sofort erhältlich!

Dieter Kosslick / Konstanze Neubauer
Gärten des Jahres
Die 50 besten Privatgärten 2023
2023. 320 Seiten, über 350 farbige Abbildungen und Pläne
23 x 30 cm, gebunden
€ [D] 59,95; € [A] 61,70; sFr. 80,00
ISBN: 978-3-7667-2607-0

Die Gewinner*innen des vergangenen Jahres können Sie hier nachlesen: Gärten des Jahres 2022

Schwammstadt Beispiele: Konzept, Vorteile und Beispiele

Eine lebendige städtebauliche Szene zum Thema Schwammstadt Beispiele
Eine türkisfarbene Straßenbahn bahnt sich ihren Weg durch dichten Baumbestand. Foto: _devslashnull_ / Unsplash

Städte, die Regenwasser nicht ableiten, sondern aufnehmen, speichern und nutzen: Das Konzept der Schwammstadt hat sich in der Fachwelt der Stadtplanung und Freiraumgestaltung als eines der zentralen Leitbilder für klimaresilienten Städtebau etabliert. Schwammstadt Beispiele aus aller Welt zeigen, wie sich überflutete Straßen, hitzegeplagte Quartiere und überlastete Kanalnetze durch integrierte blau-grüne Infrastruktur grundlegend transformieren lassen. Das Prinzip ist so einfach wie wirkungsvoll: Der städtische Raum soll Wasser aufnehmen wie ein Schwamm, es im Boden, in Pflanzen und in technischen Speichern halten und bei Bedarf wieder abgeben.

  • Was die Schwammstadt konzeptionell bedeutet und worin sie sich von klassischer Regenwasserkanalisation unterscheidet
  • Welche planerischen, hydrologischen und ökologischen Grundlagen das Konzept tragen
  • Welche Bausteine und Elemente eine Schwammstadt ausmachen, von der Versickerungsmulde bis zur Zisterne
  • Welche Schwammstadt Beispiele aus Europa und dem internationalen Raum als Referenz dienen
  • Wie das Konzept in deutschen Städten umgesetzt wird und welche Rahmenbedingungen dabei gelten
  • Welche Vorteile Schwammstadtprinzipien für Stadtklima, Biodiversität und Überflutungsschutz bieten
  • Welche Fehler und Missverständnisse in der Planung und Umsetzung häufig auftreten
  • Wie Schwammstadtplanung in den größeren Kontext von Klimaanpassung und Stadtentwicklung eingebettet ist

Was ist die Schwammstadt? Definition, Herkunft und konzeptionelle Grundlage

Der Begriff Schwammstadt, im internationalen Fachdiskurs als „Sponge City“ bekannt, bezeichnet ein stadtplanerisches Konzept, das den natürlichen Wasserkreislauf in urbanen Räumen wiederherstellt oder zumindest annähert. Ziel ist es, Niederschlagswasser dezentral zu bewirtschaften: nicht sofort in die Kanalisation abzuleiten, sondern es an Ort und Stelle zu versickern, zu verdunsten, zu speichern oder zu nutzen. Der Begriff wurde im chinesischen Planungsdiskurs der frühen 2010er Jahre geprägt und von dort aus international verbreitet. In der deutschen Fachsprache ist er inzwischen fest verankert, auch wenn verwandte Begriffe wie dezentrale Regenwasserbewirtschaftung, blau-grüne Infrastruktur oder wassersensible Stadtentwicklung teils synonym, teils mit leicht unterschiedlichen Schwerpunkten verwendet werden.

Das konzeptionelle Fundament liegt in der Erkenntnis, dass klassische städtische Entwässerungssysteme auf ein Prinzip der schnellen Ableitung ausgerichtet sind: Regen fällt, fließt über versiegelte Flächen in Gullys, wird durch Kanäle abtransportiert und in Gewässer eingeleitet. Dieses System war für die Niederschlagsmengen früherer Jahrzehnte dimensioniert und stößt heute an seine Grenzen. Klimatisch bedingte Starkregenereignisse überlasten Kanalnetze, die gleichzeitig zunehmende Flächenversiegelung verringert die natürliche Versickerungskapazität des Bodens, und langanhaltende Trockenphasen machen deutlich, dass das abgeleitete Wasser als Ressource verloren geht. Die Schwammstadt kehrt diese Logik um: Wasser ist kein Abfallstoff, sondern ein Rohstoff, der im urbanen System gehalten werden soll.

Fachlich ist das Konzept eng mit dem Ansatz des Low Impact Development (LID) aus dem nordamerikanischen Raum sowie dem britischen Sustainable Urban Drainage Systems (SUDS) verwandt. All diese Ansätze teilen das Prinzip, Regenwasser möglichst nah am Entstehungsort zu behandeln und die hydrologischen Prozesse der Verdunstung, Versickerung und Retention zu stärken. Die Schwammstadt geht jedoch über rein technische Entwässerungslösungen hinaus: Sie versteht blau-grüne Infrastruktur als integralen Bestandteil des Stadtgefüges, der gleichzeitig Freiraumqualität, Biodiversität, Stadtklima und Lebensqualität verbessert.

Bausteine der Schwammstadt: Elemente und Technologien im Überblick

Eine Schwammstadt besteht nicht aus einem einzelnen Element, sondern aus einem System aufeinander abgestimmter Maßnahmen, die auf verschiedenen Maßstabsebenen wirken. Auf der Ebene des einzelnen Grundstücks oder Gebäudes stehen Gründächer (begrünte Dächer, die Niederschlag zurückhalten und verzögert abgeben), Fassadenbegrünung, Zisternen zur Regenwassernutzung und versickerungsfähige Beläge im Vordergrund. Versickerungsfähige Pflasterungen, Rasengittersteine oder wassergebundene Wegedecken erlauben es, Niederschlag direkt am Auftreffpunkt in den Boden einzuleiten, statt ihn oberflächlich abzuleiten.

Auf der Ebene des Straßenraums und öffentlichen Freiraums kommen Mulden-Rigolen-Systeme zum Einsatz: Versickerungsmulden sind flache, bepflanzte Geländeeintiefungen, die Wasser aufnehmen und langsam in den Untergrund abgeben. Rigolen sind unterirdische Schotterkörper oder Kunststoffelemente, die als temporäre Speicher fungieren. Baumrigolen, also unterirdische Wurzelräume mit Speichervolumen, verbinden die Funktion der Baumbewässerung mit der Regenwasserretention und gewinnen im Straßenraum zunehmend an Bedeutung. Retentionsmulden, Regenbeete (auch Rain Gardens genannt) und Retentionsflächen in Parks übernehmen die Funktion von Puffern bei Starkregenereignissen.

Auf der Quartiersebene und im Stadtmaßstab spielen Retentionsteiche, Retentionsbecken, renaturierte Gewässerläufe und großflächige Überflutungsflächen eine Rolle. Blau-grüne Korridore, also vernetzte Grün- und Wasserachsen, verbinden diese Elemente und ermöglichen einen gezielten Wasserabfluss in vorgesehene Retentionsbereiche. Entsiegelungsmaßnahmen, also die Rückumwandlung versiegelter Flächen in wasserdurchlässige oder begrünte Flächen, sind eine der wirksamsten, aber auch aufwendigsten Maßnahmen im Bestand.

Technisch relevant sind dabei folgende Planungsparameter:

  • Versickerungsrate des anstehenden Bodens (kf-Wert), die über die Eignung für Versickerungsanlagen entscheidet
  • Grundwasserstand und Grundwasserschutz, die Mindestabstände zwischen Versickerungsanlage und Grundwasseroberfläche vorschreiben
  • Retentionsvolumen, also das Speichervolumen einer Anlage bezogen auf ein Bemessungsniederschlagsereignis
  • Anschlussgrad, also der Anteil der entwässerten Fläche, der einer Schwammstadtmaßnahme zugeführt wird
  • Qualität des Niederschlagswassers, da Straßenabflüsse Schadstoffe enthalten können, die eine Vorbehandlung erfordern

Schwammstadt Beispiele: internationale Referenzprojekte

Zu den bekanntesten Schwammstadt Beispielen weltweit zählen die chinesischen Pilotstädte, die im Rahmen des nationalen Sponge City Programms seit Mitte der 2010er Jahre entwickelt wurden. Wuhan, Chengdu und Xiamen gehören zu den Städten, in denen großflächig Retentionsflächen, Feuchtgebiete und begrünte Infrastruktur in bestehende Stadtquartiere integriert wurden. Das Programm war ambitioniert und hat wertvolle Erkenntnisse geliefert, aber auch gezeigt, dass großmaßstäbliche Umsetzungen ohne ausreichende Koordination zwischen Entwässerungsplanung, Stadtentwicklung und Grünplanung hinter den Erwartungen zurückbleiben können. Die chinesischen Erfahrungen sind für die internationale Fachwelt deshalb so wertvoll, weil sie sowohl Erfolge als auch Grenzen des Konzepts unter realen Bedingungen dokumentieren.

Kopenhagen gilt in Europa als eines der überzeugendsten Schwammstadt Beispiele. Nach dem verheerenden Starkregenereignis von 2011, das weite Teile der dänischen Hauptstadt überschwemmte und enorme Schäden verursachte, entwickelte die Stadt einen umfassenden Klimaanpassungsplan, der konsequent auf blau-grüne Infrastruktur setzt. Das Projekt Tåsinge Plads im Stadtteil Østerbro ist ein viel zitiertes Beispiel: Ein gewöhnlicher Stadtplatz wurde zu einem Retentionsraum umgestaltet, der bei Starkregen Wasser aufnimmt und gleichzeitig als attraktiver Aufenthaltsraum mit Bepflanzung, Spielflächen und Sitzgelegenheiten funktioniert. Die Doppelfunktion von Retentionsfläche und Freiraumqualität ist hier exemplarisch gelöst.

Rotterdam hat mit dem Benthemplein Wasserplatz ein weiteres international beachtetes Beispiel geschaffen. Der Platz in der Innenstadt besteht aus mehreren muldenartigen Vertiefungen, die bei trockenem Wetter als Sportflächen und Aufenthaltsbereiche genutzt werden und bei Starkregen als Retentionsbecken dienen. Das Projekt des Büros De Urbanisten zeigt, wie Retentionsinfrastruktur gestalterisch hochwertig in den öffentlichen Raum integriert werden kann, ohne als technische Anlage wahrgenommen zu werden. Rotterdam verfolgt seit Jahren eine kohärente Strategie der wassersensiblen Stadtentwicklung, die von der Gebäudeebene bis zum Stadtmaßstab reicht.

In Portland, Oregon, gilt das Green Street Program als eines der am besten dokumentierten Schwammstadt Beispiele aus dem nordamerikanischen Raum. Seit den frühen 2000er Jahren wurden im Stadtgebiet tausende sogenannte Stormwater Planters und Curb Extensions angelegt: bepflanzte Einbuchtungen im Straßenraum, die Straßenabflüsse aufnehmen, filtern und versickern. Das Programm hat nicht nur die Überflutungshäufigkeit reduziert, sondern auch die Straßenraumqualität verbessert und die Biodiversität im Stadtgebiet erhöht. Die umfangreiche Evaluierung des Programms liefert belastbare Daten über Wirksamkeit und Kosten, die für die Planungspraxis andernorts wertvoll sind.

Schwammstadt in Deutschland: Umsetzung, Rahmenbedingungen und Praxisbeispiele

In Deutschland ist das Schwammstadtkonzept in den letzten Jahren in zahlreichen Städten von der Planungsidee in die Umsetzung übergegangen. Berlin, Hamburg, München, Frankfurt am Main und viele mittelgroße Städte haben Schwammstadtstrategien entwickelt oder integrieren Schwammstadtelemente in laufende Stadtentwicklungsprojekte. Die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen sind dabei komplex: Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und die Landeswassergesetze regeln die Versickerung von Niederschlagswasser, die DWA-Regelwerke (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall) geben technische Leitlinien für Planung und Bemessung, und kommunale Entwässerungssatzungen bestimmen, welche Flächen an die öffentliche Kanalisation angeschlossen werden müssen oder dürfen.

Berlin hat mit dem Projekt Kiezblock und verschiedenen Pilotprojekten zur Regenwasserbewirtschaftung Erfahrungen gesammelt. Besonders relevant ist das Projekt im Bereich der Lützowstraße, wo Baumrigolen und Versickerungsmulden im Straßenraum erprobt wurden. Hamburg verfolgt mit dem Programm „Hamburger Regenwassermanagement“ eine stadtweite Strategie, die Neubaugebiete konsequent auf dezentrale Regenwasserbewirtschaftung ausrichtet und im Bestand schrittweise nachrüstet. Das Neubaugebiet Allermöhe-West ist ein Beispiel, in dem Retentionsteiche, Gräben und begrünte Flächen von Beginn an als integraler Bestandteil der Freiraumplanung entwickelt wurden.

München hat im Rahmen der Klimaanpassungsstrategie mehrere Pilotprojekte umgesetzt, darunter Retentionsmulden in Stadtparks und versickerungsfähige Beläge in Fußgängerzonen. Frankfurt am Main erprobt im Rahmen des Projekts „Klimaanpassung Frankfurt“ unter anderem die Umgestaltung von Schulhöfen und öffentlichen Plätzen nach Schwammstadtprinzipien. Freiburg im Breisgau hat mit dem Rieselfeld und dem Vauban-Quartier früh gezeigt, wie Regenwasserbewirtschaftung in Neubaugebieten von der Planung an integriert werden kann: offene Gräben, Retentionsflächen und extensive Gründächer sind dort Bestandteil des Freiraumsystems.

Ein strukturelles Hemmnis in Deutschland ist die Trennung von Zuständigkeiten: Tiefbauämter verantworten Straßen und Kanalisation, Grünflächenämter den öffentlichen Freiraum, Stadtplanungsämter die Bauleitplanung. Schwammstadtprojekte erfordern die Zusammenarbeit all dieser Stellen, was in der Verwaltungspraxis erheblichen Koordinationsaufwand bedeutet. Städte, die hier ressortübergreifende Strukturen geschaffen haben, kommen schneller voran. Förderprogramme des Bundes, etwa im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative oder der Städtebauförderung, haben in den letzten Jahren Impulse gesetzt, die Umsetzung beschleunigt und Kommunen bei der Finanzierung unterstützt.

Vorteile des Schwammstadtkonzepts: Klimaresilienz, Ökologie und Lebensqualität

Die Vorteile des Schwammstadtkonzepts sind vielfältig und wirken auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Der unmittelbarste Effekt ist die Reduktion von Überflutungsrisiken bei Starkregenereignissen: Wenn Wasser dezentral zurückgehalten, versickert und verdunstet wird, sinkt der Spitzenabfluss in der Kanalisation erheblich. Studien aus verschiedenen Städten zeigen, dass gut dimensionierte Schwammstadtmaßnahmen den Spitzenabfluss bei Bemessungsregenereignissen um dreißig bis siebzig Prozent reduzieren können, abhängig von der Flächenausstattung und dem Versiegelungsgrad des Einzugsgebiets.

Für das Stadtklima ist die Verdunstungsleistung begrünter und wassergesättigter Flächen von zentraler Bedeutung. Verdunstung kühlt die Umgebung durch Energieverbrauch: Ein Quadratmeter Gründach oder Versickerungsmulde, der Wasser verdunstet, entzieht der Umgebungsluft erhebliche Wärmemengen. In hitzegeplagten Innenstädten, wo versiegelte Oberflächen und fehlende Vegetation zur Ausbildung urbaner Wärmeinseln beitragen, ist dieser Kühleffekt unmittelbar spürbar. Blau-grüne Infrastruktur ist damit nicht nur ein Instrument des Überflutungsschutzes, sondern ein wirksames Mittel der Hitzeminderung.

Ökologisch bieten Schwammstadtelemente Lebensräume für Insekten, Vögel und Kleintiere. Bepflanzte Versickerungsmulden, Retentionsteiche und Regenbeete mit standortgerechter, strukturreicher Bepflanzung erhöhen die Biodiversität im Stadtgebiet messbar. Besonders wenn heimische Stauden, Gräser und Gehölze verwendet werden, die an wechselfeuchte Standorte angepasst sind, entstehen Habitate, die im verdichteten Stadtgefüge selten sind. Die Vernetzung solcher Elemente zu Grünkorridoren verstärkt den ökologischen Wert erheblich.

Nicht zuletzt verbessern gut gestaltete Schwammstadtelemente die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. Wasser als gestalterisches Element, bepflanzte Mulden als Raumteiler, Bäume in Baumrigolen als Schattenspender: Diese Elemente machen Straßen und Plätze attraktiver und erlebbarer. Der soziale Mehrwert ist in Evaluierungen von Projekten wie dem Kopenhagener Tåsinge Plads oder dem Rotterdamer Benthemplein gut belegt.

Häufige Fehler und Missverständnisse in der Schwammstadtplanung

Trotz des wachsenden Interesses an Schwammstadtkonzepten gibt es in der Planungspraxis wiederkehrende Fehler, die die Wirksamkeit von Maßnahmen einschränken oder zunichte machen. Ein verbreitetes Missverständnis besteht darin, Schwammstadtmaßnahmen als rein technische Entwässerungslösungen zu betrachten, die unabhängig von der Freiraumplanung dimensioniert werden können. Tatsächlich entfalten sie ihr Potenzial nur dann vollständig, wenn sie von Beginn an als Teil des Freiraum- und Grünsystems gedacht werden: Bepflanzung, Wegeführung, Aufenthaltsqualität und Wasserführung müssen gemeinsam entwickelt werden.

Ein weiterer Fehler liegt in der Unterschätzung des Pflegeaufwands. Versickerungsmulden, Regenbeete und Baumrigolen sind keine wartungsfreien Systeme. Sedimenteintrag, Verstopfungen, Pflanzenverluste und Erosion erfordern regelmäßige Kontrolle und Pflege. Werden diese Maßnahmen ohne ausreichendes Pflegebudget und ohne klare Zuständigkeiten angelegt, verlieren sie schnell ihre Funktion und werden zum Negativbeispiel, das die Akzeptanz des Konzepts insgesamt beschädigt.

Häufig wird auch die Bodenbeschaffenheit unterschätzt. Versickerungsanlagen setzen einen ausreichend durchlässigen Untergrund voraus. In Städten mit tonigen oder lehmigen Böden, hohem Grundwasserstand oder kontaminierten Böden sind direkte Versickerungsanlagen oft nicht möglich oder erfordern aufwendige technische Lösungen. Eine sorgfältige Standortanalyse, einschließlich Bodenuntersuchungen und hydrogeologischer Gutachten, ist deshalb Voraussetzung für eine funktionierende Planung, keine optionale Ergänzung.

Schließlich besteht die Gefahr, Schwammstadtmaßnahmen als Insellösungen zu planen, die nicht in ein übergeordnetes Entwässerungskonzept eingebettet sind. Eine einzelne Versickerungsmulde im Straßenraum hat begrenzten Effekt, wenn das umgebende Einzugsgebiet weiterhin vollständig in die Kanalisation entwässert. Wirkung entfaltet das Konzept erst, wenn Maßnahmen flächendeckend, aufeinander abgestimmt und in ein gesamtstädtisches Regenwassermanagement integriert sind.

Schwammstadt als Baustein der Klimaanpassung: Einordnung und Ausblick

Das Schwammstadtkonzept ist kein Allheilmittel, aber ein unverzichtbarer Baustein einer klimaresilienten Stadtentwicklung. Es adressiert zwei der drängendsten Herausforderungen des urbanen Klimawandels gleichzeitig: die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Starkregenereignissen einerseits und die wachsende Hitzebelastung in Städten andererseits. Kein anderes Planungsinstrument verbindet Überflutungsschutz, Hitzeminderung, Biodiversitätsförderung und Freiraumqualität so direkt und kosteneffizient wie die Integration blau-grüner Infrastruktur in den Stadtraum.

Die Schwammstadt Beispiele aus Kopenhagen, Rotterdam, Portland und chinesischen Pilotstädten zeigen, dass das Konzept in sehr unterschiedlichen städtebaulichen und klimatischen Kontexten funktioniert, wenn es konsequent und integriert umgesetzt wird. Deutsche Städte befinden sich auf einem guten Weg, haben aber noch erhebliches Potenzial, das durch bessere ressortübergreifende Zusammenarbeit, verlässliche Förderprogramme und eine konsequente Verankerung in Bebauungsplänen und kommunalen Entwässerungssatzungen gehoben werden kann.

Für Landschaftsarchitekten und Stadtplaner bedeutet das Schwammstadtkonzept eine Erweiterung des professionellen Selbstverständnisses: Freiraumplanung ist nicht nur Gestaltung, sondern Infrastrukturplanung. Wer Plätze, Straßen, Parks und Quartiere entwirft, gestaltet gleichzeitig den Wasserhaushalt der Stadt. Diese Verantwortung ernst zu nehmen, bedeutet, hydrologisches Grundwissen in den Planungsalltag zu integrieren, mit Ingenieuren und Ökologen auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten und Bauherren und Kommunen von der Langzeitwirkung blau-grüner Infrastruktur zu überzeugen. Die Schwammstadt ist kein Trend, sondern eine planerische Notwendigkeit, deren Grundprinzipien in jedes Freiraumkonzept einfließen sollten, das den Anspruch erhebt, zukunftsfähig zu sein.