Regenwasser Muldenversickerung: Prinzip, Planung und Beispiele

Begrünte, klimaangepasste Stadtinfrastruktur zum Thema Regenwasser Muldenversickerung
Wasseroberfläche mit konzentrischen Wellen – ein stilles Naturmotiv. Foto: bielmorro / Unsplash

Regenwasser versickert nicht von selbst dort, wo es gebraucht wird. Wer Niederschlag in der Stadt gezielt in den Boden leitet, schließt den Wasserkreislauf, entlastet die Kanalisation und schafft Lebensraum für Pflanzen und Bodenorganismen. Die Regenwasser Muldenversickerung ist dabei das am weitesten verbreitete und planerisch vielseitigste Verfahren der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung: eine flache, begrünte Geländesenke, die Niederschlagswasser sammelt, zwischenspeichert und langsam in den Untergrund abgibt. Wer das Prinzip versteht, versteht einen Grundbaustein nachhaltiger Freiraumplanung.

  • Was eine Versickerungsmulde ist und wie sie sich von anderen Versickerungsanlagen unterscheidet
  • Welche physikalischen und hydrologischen Grundlagen die Muldenversickerung bestimmen
  • Welche Standortvoraussetzungen, Bodenuntersuchungen und Normen die Planung leiten
  • Wie Mulden dimensioniert, gestaltet und in Freiraumkonzepte integriert werden
  • Welche Pflanzengesellschaften und Substrate für Versickerungsmulden geeignet sind
  • Welche Fehler bei Planung, Bau und Betrieb typischerweise auftreten und wie man sie vermeidet
  • Wie Muldenversickerung mit anderen Elementen der Schwammstadt kombiniert werden kann
  • Welche rechtlichen Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten in Deutschland relevant sind

Definition und Einordnung: Was ist eine Versickerungsmulde?

Eine Versickerungsmulde ist eine flache, in der Regel begrünte Geländesenke, die Niederschlagswasser von befestigten Flächen aufnimmt, vorübergehend einstaut und über die belebte Bodenzone in den Untergrund versickern lässt. Der Begriff Regenwasser Muldenversickerung bezeichnet damit sowohl das Bauwerk als auch das Verfahren: die gezielte, dezentrale Ableitung und Versickerung von Regenwasser am Ort seines Anfalls, ohne Einleitung in die Kanalisation. Im Unterschied zur Flächenversickerung, bei der Niederschlag direkt auf einer durchlässigen Oberfläche versickert, und zur Rigolen- oder Rohrversickerung, bei der das Wasser unterirdisch in Schotterkörper oder perforierte Rohre eingeleitet wird, arbeitet die Mulde oberflächennah und sichtbar. Das macht sie zum gestalterisch integrierbaren Element des Freiraums.

In der Fachterminologie wird zwischen verschiedenen Typen dezentraler Versickerungsanlagen unterschieden. Die Muldenversickerung gehört zur Gruppe der Oberflächenversickerung und ist in der Regel mit einer Begrünung aus Rasen, Wiesenpflanzen oder spezialisierten Staudengesellschaften ausgestattet. Davon zu unterscheiden sind Mulden-Rigolen-Systeme, bei denen unter der Mulde ein zusätzlicher Schotterkörper (die Rigole) die Speicherkapazität erhöht und die Versickerungsleistung von der Bodendurchlässigkeit der oberen Schichten entkoppelt. Solche Kombinationssysteme kommen zum Einsatz, wenn die natürliche Versickerungsleistung des Bodens allein nicht ausreicht, der Untergrund aber grundsätzlich versickerungsfähig ist.

Die Regenwasser Muldenversickerung ist kein neues Konzept, aber sie hat durch die Debatte um die Schwammstadt, also die resiliente, wasseraufnahmefähige Stadt, erheblich an planerischer Bedeutung gewonnen. Städte, die unter zunehmendem Versiegelungsdruck und häufigeren Starkregenereignissen leiden, sehen in dezentralen Versickerungsanlagen ein wirksames Mittel, um Überflutungsrisiken zu mindern, Grundwasser anzureichern und das urbane Mikroklima durch Verdunstungskühlung zu verbessern. Die Mulde ist dabei oft der erste und einfachste Schritt.

Hydrologische und bodenkundliche Grundlagen der Muldenversickerung

Das Funktionsprinzip der Muldenversickerung beruht auf dem Zusammenspiel von Niederschlagsintensität, Einzugsgebietsgröße, Geländegeometrie und Bodendurchlässigkeit. Regenwasser fließt von befestigten oder teilbefestigten Flächen in die Mulde, füllt sie bis zu einer definierten Einstautiefe auf und versickert von dort aus durch die Sohle und die begrünten Böschungen in den Untergrund. Die maßgebliche Kenngröße für die Versickerungsleistung ist der gesättigte hydraulische Leitwert des Bodens, in der Fachsprache als kf-Wert bezeichnet. Er beschreibt, wie viel Wasser pro Zeiteinheit durch einen Querschnitt des gesättigten Bodens strömt, und wird in Metern pro Sekunde (m/s) angegeben.

Für die Regenwasser Muldenversickerung gelten nach dem Arbeitsblatt DWA-A 138 der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall, dem zentralen Regelwerk für Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur dezentralen Regenwasserbewirtschaftung in Deutschland, bestimmte Mindestanforderungen an den kf-Wert. Böden mit einem kf-Wert zwischen etwa 1 x 10⁻⁶ m/s und 1 x 10⁻³ m/s gelten als grundsätzlich versickerungsfähig. Sehr durchlässige Böden (kf größer als 1 x 10⁻³ m/s) können bei bestimmten Schadstoffbelastungen des Regenwassers problematisch sein, weil die Reinigungsleistung der Bodenpassage zu gering ist. Sehr schluffige oder tonige Böden mit kf-Werten unterhalb von 1 x 10⁻⁶ m/s sind für eine Versickerung in der Regel nicht geeignet.

Die Bodenuntersuchung ist deshalb ein unverzichtbarer erster Schritt jeder Planung. Neben dem kf-Wert, der durch Feldversuche (etwa den Doppelringinfiltrometerversuch oder den Pumpversuch) oder durch Laboranalysen bestimmt wird, sind der Grundwasserflurabstand, also der Abstand zwischen Geländeoberfläche und dem höchsten zu erwartenden Grundwasserstand, und das Vorhandensein von Altlasten oder Schadstoffkontaminationen im Untergrund zu prüfen. Das DWA-A 138 fordert einen Mindestabstand zwischen der Muldensohle und dem höchsten Grundwasserstand, der je nach Bodenbeschaffenheit und Schadstoffpotenzial des eingeleiteten Wassers variiert, in der Regel aber mindestens einen Meter betragen soll. Dieser Abstand gewährleistet, dass die belebte Bodenzone als natürlicher Filter wirken kann.

Neben dem Boden spielt die Topografie eine entscheidende Rolle. Mulden müssen so in das Gelände eingepasst werden, dass Regenwasser gravitativ zufließt, ohne dass Rückstau in Gebäude oder auf angrenzende Flächen entstehen kann. Ein Notüberlauf, der bei Überschreitung der Bemessungsregenmenge das überschüssige Wasser geordnet ableitet, ist konstruktiv zwingend und planerisch nicht verhandelbar. Er kann als Rasenmulde, als Pflasterrinne oder als Einlaufbauwerk ausgeführt werden und muss in das öffentliche Entwässerungssystem oder eine weitere Versickerungsanlage führen.

Planung und Dimensionierung: Von der Standortanalyse zur Ausführungsplanung

Die Dimensionierung einer Versickerungsmulde folgt einem klar strukturierten Verfahren, das im DWA-A 138 beschrieben ist. Ausgangspunkt ist die Bestimmung des maßgebenden Bemessungsregens, also jenes Regenereignisses, für das die Anlage ausgelegt werden soll. In der Praxis wird häufig ein Regen mit einer Wiederkehrzeit von zwei Jahren und einer definierten Dauer als Bemessungsgrundlage gewählt, wobei kommunale Entwässerungssatzungen und örtliche Gegebenheiten abweichende Anforderungen stellen können. Die Niederschlagsdaten werden aus den KOSTRA-DWD-Datensätzen des Deutschen Wetterdienstes entnommen, die standortbezogene Niederschlagsstatistiken für Deutschland liefern.

Das Einzugsgebiet der Mulde, also die Summe aller befestigten und teilbefestigten Flächen, deren Abfluss in die Mulde geleitet wird, bestimmt zusammen mit dem Abflussbeiwert (einem Faktor, der den Anteil des Niederschlags beschreibt, der tatsächlich abfließt) das Bemessungsvolumen. Aus dem Bemessungsvolumen und dem kf-Wert des Bodens ergibt sich die erforderliche Muldenfläche bei einer definierten maximalen Einstautiefe. Das DWA-A 138 empfiehlt eine maximale Einstautiefe von in der Regel dreißig Zentimetern, um die Standfestigkeit der Böschungen zu gewährleisten und das Ertrinken von Wiesenpflanzen zu verhindern. Die Einstaudauer, also die Zeit bis zur vollständigen Versickerung nach einem Bemessungsregen, sollte zwölf bis vierundzwanzig Stunden nicht überschreiten, um anaeroben Bodenbedingungen und dem Absterben der Vegetation vorzubeugen.

Geometrisch sind Versickerungsmulden in der Regel flach und breit angelegt. Böschungsneigungen von 1:3 bis 1:5 (Höhe zu Breite) gelten als standsicher, mähbar und ästhetisch ansprechend. Steilere Böschungen neigen zur Erosion und erschweren die Pflege. Die Sohle sollte möglichst eben ausgeführt werden, um eine gleichmäßige Wasserverteilung und Versickerung über die gesamte Fläche zu gewährleisten. Längsneigungen der Muldensohle von mehr als zwei Prozent sind zu vermeiden, weil sie zu ungleichmäßiger Einstauhöhe und Erosionsrinnen führen.

In der Ausführungsplanung sind Zulaufbauwerke, Notüberläufe, Einlaufbereiche und die Substratschichtung sorgfältig zu detaillieren. Der Zulauf aus befestigten Flächen sollte als gedrosselter, energiearmer Einlauf ausgeführt werden, um Erosion an der Einlaufstelle zu verhindern. Bewährt haben sich Steinschüttungen, Rasenmulden mit Pflasterschlitzen oder Einlaufbauwerke mit Prallplatten. Der Übergang von der befestigten Fläche zur Mulde ist eine konstruktive Schwachstelle, die in der Praxis häufig unterschätzt wird.

Vegetation und Substrat: Pflanzengesellschaften für Versickerungsmulden

Die Begrünung einer Versickerungsmulde erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig. Sie stabilisiert den Boden gegen Erosion, fördert die biologische Aktivität im Oberboden, erhöht die Versickerungsleistung durch Wurzelkanäle und Makroporen und leistet einen Beitrag zur Biodiversität im Siedlungsraum. Gleichzeitig muss die Vegetation die besonderen Standortbedingungen der Mulde tolerieren: periodische Überflutung, rasche Austrocknung zwischen den Ereignissen und mechanische Belastung durch Wasserströmung beim Einstau.

Für die Sohle und die unteren Böschungsbereiche eignen sich Pflanzengesellschaften, die Wechselfeuchte und kurzzeitige Überflutung vertragen. Dazu gehören Arten wie Flutender Schwaden (Glyceria fluitans), Sumpf-Segge (Carex acutiformis), Blutweiderich (Lythrum salicaria), Mädesüß (Filipendula ulmaria) und verschiedene Binsenarten (Juncus spp.). Diese Arten sind in der Lage, auch bei mehrtägigem Einstau zu überleben, sofern die Einstaudauer die genannten Grenzwerte nicht überschreitet. Für die oberen Böschungsbereiche, die seltener eingestaut werden, sind trockenheitsverträglichere Wiesenpflanzen geeignet, etwa Schafgarbe (Achillea millefolium), Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea) oder Glatthafer (Arrhenatherum elatius).

Das Substrat der Mulde ist ein entscheidender Planungsparameter. Zu humusreiche oder zu feinkörnige Böden kolmatieren schnell, das heißt, ihre Poren verstopfen durch eingeschwemmte Feinstpartikel, was die Versickerungsleistung dauerhaft mindert. Empfohlen wird ein sandiger Oberboden mit einem Humusgehalt von zwei bis vier Prozent und einem ausreichend hohen Grobporenanteil. In manchen Fällen wird der gewachsene Boden durch ein speziell zusammengesetztes Versickerungssubstrat ersetzt oder verbessert. Dabei ist darauf zu achten, dass das Substrat einerseits ausreichend Nährstoffe für die Vegetation bietet, andererseits nicht so nährstoffreich ist, dass Hochstauden oder Nitrophyten die gewünschte Wiesenvegetation verdrängen.

Die Ansaat oder Pflanzung sollte auf die spezifischen Standortverhältnisse abgestimmt sein. Regionale Saatgutmischungen aus autochthonen Herkünften sind handelstypischen Einheitsmischungen vorzuziehen, weil sie besser an lokale Klimabedingungen angepasst sind und einen höheren ökologischen Wert besitzen. In der Praxis hat sich eine Kombination aus einer schnell keimenden Stützfrucht (etwa Deutsches Weidelgras) und einer langsameren, artenreichen Wiesenmischung bewährt, die der Mulde im ersten Jahr Erosionsschutz bietet und danach einer vielfältigeren Vegetation Raum gibt.

Typische Fehler, Probleme und wie man sie vermeidet

Der häufigste Fehler bei der Regenwasser Muldenversickerung ist eine unzureichende Standortuntersuchung. Wird der kf-Wert nicht gemessen, sondern aus Bodenkarten geschätzt oder gar angenommen, können erhebliche Abweichungen zwischen geplanter und tatsächlicher Versickerungsleistung entstehen. Böden mit hohem Schluffanteil, wie sie in vielen deutschen Lössgebieten vorkommen, weisen oft deutlich niedrigere kf-Werte auf als die Bodenart vermuten lässt, weil Schluff zur Verdichtung und Kolmatierung neigt. Eine zu optimistisch angesetzte Versickerungsleistung führt zu dauerhaftem Einstau, Vegetationsschäden und im schlimmsten Fall zu Vernässung angrenzender Flächen oder Gebäude.

Ein weiteres verbreitetes Problem ist die Vernachlässigung des Notüberlaufs. In der Planungsphase wird er manchmal als nachrangiges Detail behandelt, das „irgendwie“ gelöst wird. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass ein falsch dimensionierter oder falsch positionierter Notüberlauf bei Starkregenereignissen zu unkontrolliertem Abfluss führt, der Erosionsschäden verursacht oder Gebäude gefährdet. Der Notüberlauf muss hydraulisch korrekt dimensioniert und so positioniert sein, dass er bei Überschreitung der maximalen Einstautiefe sicher anspringt.

Kolmatierung der Muldensohle ist ein schleichender Prozess, der ohne regelmäßige Kontrolle unbemerkt bleibt. Feinstpartikel aus dem Einzugsgebiet setzen sich in den Poren des Substrats ab und reduzieren die Versickerungsleistung über Jahre hinweg. Regelmäßige Sichtkontrollen nach Regenereignissen, bei denen überprüft wird, ob das Wasser innerhalb der vorgesehenen Zeit versickert, sind deshalb Teil des Betriebskonzepts. Ist Kolmatierung festgestellt, kann die Sohle durch Auflockern, Abfräsen oder Erneuerung der obersten Substratschicht regeneriert werden.

Auch die Wahl falscher Pflanzen ist ein häufiger Fehler. Werden Rasenmischungen für Sportrasen oder intensive Nutzung eingesät, die auf gut drainierte, trockene Standorte ausgelegt sind, reagieren diese Gräser auf periodischen Einstau mit Absterben und hinterlassen kahle Stellen, die zur Erosion einladen. Umgekehrt führt der Einsatz von Hochstauden mit hohem Nährstoffbedarf in nährstoffarmen Substraten zu spärlicher Begrünung. Die Pflanzenauswahl muss den tatsächlichen Standortbedingungen folgen, nicht dem Wunsch nach einem bestimmten ästhetischen Bild.

Integration in die Schwammstadt: Muldenversickerung im Kontext urbaner Wasserbewirtschaftung

Die Regenwasser Muldenversickerung ist selten ein isoliertes Element. In der zeitgenössischen Freiraumplanung wird sie als Baustein einer umfassenderen Strategie der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung verstanden, die unter dem Begriff Schwammstadt oder dem englischen Terminus Sponge City international diskutiert wird. Das Ziel dieser Strategie ist es, den natürlichen Wasserkreislauf in urbanen Räumen so weit wie möglich wiederherzustellen: Niederschlag soll vor Ort versickern, verdunsten oder genutzt werden, statt schnell in die Kanalisation abzufließen.

In diesem Kontext wird die Versickerungsmulde häufig mit anderen Elementen kombiniert. Mulden-Rigolen-Systeme erhöhen die Speicherkapazität und erlauben die Regenwasser Muldenversickerung auch auf Standorten mit mäßiger Bodendurchlässigkeit. Retentionsdächer, also begrünte Dächer mit erhöhter Wasserspeicherkapazität, verzögern den Abfluss und reduzieren die Spitzenlast für nachgeschaltete Versickerungsanlagen. Baumrigolen, bei denen Straßenbäume über unterirdische Schotterkörper mit Regenwasser versorgt werden, verbinden Versickerung mit Stadtbegrünung. Regenwassernutzungsanlagen fangen Niederschlag für Bewässerungszwecke auf und entlasten damit ebenfalls die Kanalisation.

Besonders wirkungsvoll ist die Regenwasser Muldenversickerung in Kombination mit Straßenraumgestaltungen, bei denen Fahrbahn- und Gehwegabflüsse direkt in seitliche Mulden geleitet werden. Solche „Bioretention“-Konzepte, in der amerikanischen Planungspraxis als Rain Gardens oder Bioswales bekannt, sind in Deutschland unter dem Begriff Versickerungsstreifen oder Versickerungsmulde an Verkehrsflächen zunehmend verbreitet. Sie verbinden Entwässerungsfunktion mit Stadtbegrünung, Biodiversitätsförderung und Aufenthaltsqualität. Projekte wie die Umgestaltung von Stadtstraßen in Hamburg, Berlin oder München zeigen, dass solche Systeme auch im dichten urbanen Bestand realisierbar sind, wenn Planung, Tiefbau und Grünplanung von Beginn an zusammenarbeiten.

Rechtlich ist die Versickerung von Niederschlagswasser in Deutschland durch das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) gerahmt, das in Paragraph 55 die ortsnahe Versickerung als Grundsatz der Regenwasserbewirtschaftung verankert. Die konkreten Anforderungen werden durch Landeswassergesetze, kommunale Entwässerungssatzungen und Bebauungspläne konkretisiert. In vielen Kommunen besteht mittlerweile eine Versickerungspflicht für Niederschlagswasser von Neubauten, sofern die Bodenverhältnisse es erlauben. Förderprogramme von Bund, Ländern und Kommunen, etwa im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude oder kommunaler Klimaschutzprogramme, unterstützen die Umsetzung dezentraler Versickerungsanlagen finanziell.

Pflege und Betrieb: Was Versickerungsmulden langfristig leistungsfähig hält

Eine Versickerungsmulde ist kein wartungsfreies Bauwerk. Ihr langfristiger Betrieb erfordert ein strukturiertes Pflegekonzept, das von Beginn an in die Planung einbezogen werden sollte. Die Pflegeintensität ist im Vergleich zu konventionellen Rasenflächen moderat, aber nicht vernachlässigbar. Zu den regelmäßigen Aufgaben gehören die Mahd der Begrünung, die Kontrolle auf Kolmatierung, die Beseitigung von Sedimentablagerungen im Einlaufbereich und die Überprüfung des Notüberlaufs.

Die Mahd sollte an die Vegetationsgesellschaft angepasst sein. Für artenreiche Wiesenmulden empfehlen Fachleute eine zweischürige Mahd, also zwei Schnitte pro Jahr, mit Abfuhr des Mähguts, um eine Verarmung der Artenvielfalt durch Nährstoffanreicherung zu verhindern. Der erste Schnitt sollte nach der Hauptblütezeit der Wiesenpflanzen erfolgen, der zweite im Herbst. Auf den Einsatz von Herbiziden und Düngemitteln ist in Versickerungsmulden grundsätzlich zu verzichten, da diese Stoffe direkt in den Untergrund gelangen können.

Sedimentablagerungen im Einlaufbereich sind regelmäßig zu entfernen, bevor sie in die Muldensohle eingeschwemmt werden und dort zur Kolmatierung beitragen. Ein gut gestalteter Einlaufbereich mit einer Sedimentfangzone, etwa einer Kiesschüttung oder einem Pflasterstreifen vor der eigentlichen Muldensohle, erleichtert diese Aufgabe erheblich. Die Kontrolle nach größeren Regenereignissen gibt Aufschluss darüber, ob die Versickerungsleistung noch ausreicht oder ob Maßnahmen zur Regeneration der Sohle erforderlich sind.

Fazit: Die Versickerungsmulde als planerisches Grundelement nachhaltiger Stadtentwicklung

Die Regenwasser Muldenversickerung vereint hydrologische Funktion, ökologischen Mehrwert und gestalterische Qualität in einem Bauwerk, das vergleichsweise einfach herzustellen und zu betreiben ist. Sie ist kein Allheilmittel für alle Entwässerungsprobleme, aber sie ist das vielseitigste und am besten untersuchte Element der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung, das in nahezu jedem Planungsmaßstab eingesetzt werden kann: vom Einfamilienhausgrundstück bis zum Stadtquartier.

Ihre Wirksamkeit hängt entscheidend von einer sorgfältigen Standortuntersuchung, einer regelkonformen Dimensionierung nach DWA-A 138 und einer auf die Standortbedingungen abgestimmten Begrünung ab. Fehler in der Planung oder im Betrieb lassen sich nachträglich nur mit erheblichem Aufwand korrigieren. Umgekehrt leisten gut geplante und gepflegte Mulden über Jahrzehnte zuverlässig ihren Beitrag zur Grundwasserneubildung, zur Entlastung der Kanalisation und zur Verbesserung des urbanen Mikroklimas.

Für Landschaftsarchitekten und Freiraumplaner ist die Versickerungsmulde längst kein Nischenthema mehr, sondern ein Standardelement des Werkzeugkastens. Wer Freiflächen plant, die mit dem Wasserkreislauf arbeiten statt gegen ihn, wer Regenwasser als Ressource begreift statt als Abfallprodukt, und wer Vegetation, Boden und Hydrologie als zusammenhängendes System versteht, wird die Muldenversickerung als das erkennen, was sie ist: ein einfaches, robustes und elegantes Stück angewandter Landschaftsarchitektur.

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„Viele sagen, der Landschaftspark Wiese sei der schönste Ort in der Region.“

die Vermittlung und die Sensibilisierung im Landschaftspark Wiese. © Saskia Scherer

Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner kennen ihn unter dem Namen „Lange Erlen“, andere bezeichnen ihn als das ehemalige Landesgartenschaugelände. Dabei hat dieser Park, der im Basler Rheinknie Deutschland mit der Schweiz verbindet, einen so viel schöneren Namen: Landschaftspark Wiese, nach dem gleichnamigen Fluss, der ihn durchfließt. Das Besondere an dem Park: Er liegt sowohl auf deutschem als auch auf Schweizer Grund. Und er ist Schauplatz der IBA Basel, die sich seit mehr als zehn Jahren erfolgreich für grenzüberschreitende Projekte im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz engagiert. Wir wollten mehr über diesen Landschaftspark erfahren und haben uns deshalb mit dem Hauptranger Yannick Bucher unterhalten.

Yannick Bucher, gemeinsam mit zwei deutschen Kollegen, arbeiten Sie seit Februar 2019 als Ranger im Landschaftspark Wiese. Wie dürfen wir uns Ihren Job vorstellen?
Die Hauptaufgabe von unserem Rangerdienst ist die Information, die Vermittlung und die Sensibilisierung im Landschaftspark Wiese. Letzteres bedeutet insbesondere, dass wir dafür Sorge tragen, dass die Besucherinnen und Besucher sich im Großen und Ganzen an die Regeln halten. Wir sorgen für ein positives miteinander zwischen Besuchern und Akteurinnen, im Gebiet wird das Trinkwasser der Region gewonnen und Landwirtschaft betrieben. Rangerdienste sind typisch für Nationalparks und auch einigermaßen typisch für Naturschutzgebiete. Eher speziell ist es, dass wir mit dem Landschaftspark Wiese in einem Gebiet tätig sind, das nicht nur reines Naturschutzgebiet ist. Denn hier gibt es auch andere Nutzungen wie Sportanlagen, Tierheime und Schrebergärten.

„Der Rangerdienst ist eine der zentralen Maßnahmen vom IBA Projekt Landschaftspark Wiese.“

Besonders am Rangerdienst im Landschaftspark Wiese ist aber auch, dass er binational aufgestellt ist.
Absolut richtig. Der Landschaftspark an sich ist binational. Da liegt es natürlich nahe, dass auch der dortige Rangerdienst binational aufgestellt ist, dass dieser im ganzen Park unterwegs ist und sich nicht an die Grenzen halten muss. Die Agglomeration Basel ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und die Freizeitaktivitäten haben sich aufgrund flexiblerer Arbeitszeiten ziemlich verändert. Damit stieg auch der Druck auf die lokalen Naherholungsgebiete. Den Rangerdienst hat man dann vor gut einem Jahr eingeführt, um dem zunehmenden Nutzungsdruck etwas entgegenzusetzen. Deswegen sind wir nicht nur Aufsichtsorgan, sondern haben ebenso auch Vermittlungsaufgaben inne. Und diese sind auch nötig.
Die Corona Pandemie hat den Effekt noch verstärkt: Wir hatten bereits vorher viele Besucherinnen und Besucher im Park. Die Besucherzahlen während des Lockdowns lagen weit über den normalen. Das zeigt, wie wichtig der stadtnahe grüne Erholungsraum für die Region ist.

Das kann ich mir vorstellen. Wie sieht diese Vermittlung, von der Sie gesprochen haben, konkret aus?
Wir bieten Führungen und organisieren auch Infotische. Wir versuchen dafür zu sensibilisieren, was in dem Raum passiert, wie die Trinkwassergewinnung und wie die Landwirtschaft im Park funktionieren. Wir bringen die Themen auf den Tisch, die man als Stadtbewohner wenig erleben kann, und vermitteln diese.

Wie ist der Rangerdienst organisiert?
Insgesamt haben wir drei Auftraggeber: die Stadt Weil am Rhein, die Gemeinde Riehen und den Kanton Basel-Stadt. Ich bin bei der Umweltberatungsfirma „Hintermann & Weber AG“ angestellt, die den Auftrag von der Stadt Basel erhalten hat und meine beiden deutschen Partner sind beim Trinationalen Umweltzentrum (TRUZ) beschäftigt.

Welche Maßnahmen hat man in den vergangenen Jahren im Rahmen der IBA Basel umgesetzt und welche sind noch geplant?
Wir selber, also der Rangerdienst, sind eine der zentralen Maßnahmen vom IBA Projekt Landschaftspark Wiese. Uns gibt es wie gesagt seit einem Jahr. Zudem ist für den Park eine einheitliche Beschilderung geplant, die an den Eingängen über den Park informiert, welche Möglichkeiten zur Erholung bestehen, aber auch, welche Auflagen daran gekoppelt sind: dass man Feuer nur in den Grillstellen machen darf und dass man seinen Müll mitnimmt etc. Die Basic-Regeln eben. Außerdem wird es im Park künftig einen Themenpfad geben, der die Themen Trinkwassergewinnung, Tiere und Pflanzen, aber auch die historische Entwicklung aufzeigt.

Die größte Maßnahme ist aber „Wiese vital“, richtig?
Genau, im Zuge einer Volksinitiative in der Schweiz hat das baselstädtische Stimmvolk beschlossen, auf dem ganzen Abschnitt auf Schweizer Boden den Fluss Wiese zu revitalisieren und zu renaturieren. Der untere Teil ist bereits revitalisiert, für den anderen Teil arbeitet man aktuell ein Bauprojekt aus. Das Ziel: Der Fluss soll wieder natürlicher fließen und mehr Platz haben.

Sie sind jetzt knapp 1,5 Jahre dabei. Was denken Sie, reichen die Bemühungen vor Ort aus, um den Landschaftspark Wiese langfristig vor dem Nutzungsdruck zu schützen?
Den wichtigsten Schritt hat man meiner Meinung nach mit dem Landschaftsrichtplan gemacht. Die Fläche kann nun nicht mehr überbaut werden und darüber bin ich froh. Mit sanften Mitteln ist man nun dran, den Erholungsraum des Parks zu schützen. Mit Beschilderungen, gezielter Information oder auch durch uns, dem Rangerdienst. Ich denke, da sind wir auf einem guten Weg. Das gleiche Feedback erhalten wir auch aus der Bevölkerung. Das Interesse am Gebiet wächst und das, was wir machen, wird geschätzt. Viele Besucher sagen, der Landschaftspark sei der schönste Ort in der Region. Und es kommen auch immer wieder Besucher, die fragen, wie sie helfen können, die etwas für das Gebiet tun wollen. Das alles zusammen stimmt mich sehr optimistisch.

Warum wir eine IBA-Basel-Serie gestartet haben? Das lesen Sie hier.

Sämtliche Beiträge zur IBA Basel 2020 finden Sie hier.

Eine Seilbahn schwebt über die Gärten der Welt in Berlin. (Foto: Thomas Rosenthal)

Eine Seilbahn schwebt über die Gärten der Welt in Berlin. (Foto: Thomas Rosenthal)

Auf kleinstem Raum lassen sich in Berlin-Marzahn die unterschiedlichsten Ansätze der Landschafts- und Gartenarchitektur studieren. Denn die Anlage Gärten der Welt vereint neben klassischen Tourist*innenattraktionen wie eine Seilbahn, Aussichtspunkte und einer Arena für Veranstaltungen noch mehr – nämlich Gartenkunst. Und zwar aus allen Herren Ländern und Kulturen. In verschiedenen Themengärten und Gartenkabinetten können Besucher*innen entsprechend Ansätze und Gestaltungen aus aller Welt betrachten. Hier erfahren Sie, welche Gärten der Welt Ihnen geboten werden.

Gärten der Welt präsentieren internationale Gartenkunst

Früher noch als “Erholungspark Marzahn” bekannt, wurde das Areal an der Ecke Eisenacher Straße und Blumberger Damm anlässlich der IGA 2017 erweitert und umgebaut. Insgesamt 43 Hektar Fläche belegt das Gelände, das heute den Namen “Gärten der Welt” trägt, seitdem.

Die Gärten der Welt bestechen mit vielen Attraktionen für Groß und Klein. Dabei kommen Gartenkunstenthusiast*innen genauso auf ihre Kosten wie Familien mit Kindern und Tourist*innen. So bietet der Park seit dem Umbau zur IGA 2017 inzwischen neun internationale Gartenkabinette, die traditionelle Techniken der Gartengestaltung präsentieren, elf Themengärten, und eine Arena für Veranstaltungen. Dazu kommen Spielplätze, ein Irrgarten und eine Seilbahn, die die Bezirke Marzahn und Hellersdorf miteinander verbinden.

Der Fokus  des Parks liegt aber – wie der Name schon verrät – auf den “Gärten der Welt”. Die Gartenkabinette und Themengärten erlauben es den Besucher*innen dementsprechend, Einblicke in die Gartenkunst verschiedener Kontinente, Epochen und Kulturkreisen zu erhalten. Welche internationalen Gärten im Park zu besichtigen sind, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Die Gärten der Welt – Übersicht

Chinesischer Garten

Als erster Garten der Welt entstand in den 1990er-Jahren der Chinesische Garten. Mit dem “Garten des wiedergewonnenen Mondes” wurde 1994 der größte Chinesische Garten Europas in Berlin erschaffen. Seine Planung begann 1994 im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Peking und Berlin als klassischer chinesischer Gelehrtengarten. Die Idee dahinter war auch, die Jahrtausende alte chinesische Gartenkunst in die Gegenwart zu übersetzen. 

Im Zentrum des Gartens sitzt der “Spiegel des Himmels”, ein 4 500 Quadratmeter großer See, an dessen Ufer sich ein Teehaus chinesischer Architektur mit der typisch geschwungenen und spektakulär auskragenden Dachkonstruktion befindet. Als charakteristische Bepflanzung kommen im Garten des wiedergewonnenen Mondes beispielsweise Magnolien, Chrysanthemen oder Bambus zum Einsatz. Übrigens: Der Mond im Namen steht sinnbildlich für die Wiedervereinigung des einst geteilten Berlins.

Größe: 27 000 Quadratmeter, inklusive 5 000 Quadratmetern Teichfläche
Eröffnung: 15. Oktober 2000
Planung: Klassisches Institut für Gartenarchitektur, Peking

Japanischer Garten

Der “Garten des zusammenfließenden Wassers” entsprang der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Tokio. Basierend darauf soll der Garten die Idee eines harmonischen Miteinanders verkörpern. Darum bestimmt diesen Bereich der Gärten der Welt das Leitmotiv Wasser – es symbolisiert das Zusammenfließen von Kulturen und den Verlauf der Geschichte. 

Im Japanischen Garten findet sich demzufolge ein Wassergarten, aber auch ein Zengarten und ein Garten aus Rasenflächen, in denen insgesamt 300 Augengneissteine verteilt sind. Dazu kommt ein Pavillon – der Chaya – in seiner Mitte. 

Entsprechend der Japanischen Kultur, in der Stille eine besondere Bedeutung zukommt, ist auch der Japanische Garten im Park Die Gärten der Welt ein Ort, an dem Besucher*innen zur Ruhe kommen können. Fun Fact: Die Baustelle für den Japanischen Garten gilt als eine der leisesten in der Geschichte der Gärten der Welt.

Größe: 2 700 Quadratmeter
Eröffnung: 30. April 2003
Planung: Prof. Shunmyo Masuno

Balinesischer Garten

Der “Garten der drei Harmonien” entstand im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Jakarta und Berlin. Sein Name bezieht sich auf das balinesische Streben, im Einklang mit sich selbst, dem Umfeld und dem Universum zu leben. Auf diese dreifaltige Harmonie ist der Balinesische Garten ausgerichtet.

Dabei handelt es sich auch um den einzigen Garten in den Gärten der Welt, der gänzlich in einer Tropenhalle untergebracht ist. Eine Wohn- und Tempelanlage, in der auch die Berliner Bali-Gemeinde ihre Religion aktiv ausübt, bildet das zentrale Element des Gartens. Dahinter erstreckt sich zudem ein an einen balinesischen Tropenwald angelehnter Garten mit Reisterrassen und Pflanzen wie Schraubenbäumen, Hibiskus, Gardenien, Farnen, Orchideen und den duftgewaltigen Frangipani.

Größe: 2000 Quadratmeter in Leichtbauhalle
Eröffnung: 18. Dezember 2003
Planung: Putu Edy Semara

Orientalischer Garten

Der “Garten der vier Ströme” wurde nach den Gestaltungsprinzipien der traditionellen orientalisch-islamischen Gartenkultur entworfen. Daher verbirgt er sich einer vier Meter hohen Mauer. Damit spielt er mit dem Mythos des Gartens als verborgene Oase. Außerdem hilft die Abgrenzung dabei, das spezielle Klima im Garten aufrecht erhalten zu können.

In der Gartenanlage finden sich typisch orientalische Arkadengänge mit Ornamenten und Mosaiken. Dazu kommt ein viergeteilter Gartenhof mit einem Brunnen in der Mitte. Im Garten befinden sich Zier- und Nutzpflanzen: Granatäpfel, Oliven und Palmen, aber auch Flieder, Oleander und Magnolien.

Größe: 6 100 Quadratmeter
Eröffnung: 7. Juli 2005
Planung: Kamel Louafi, Prof. Mohammed El Faiz

Hier finden Sie weitere Projekte des Garten- und Landschaftsarchitekten Kamel Louafi.

Koreanischer Garten

Der “Seouler Garten” war ein Geschenk der Südkoreanischen Hauptstadt an Berlin. Er entstand nach einem Berlin-Besuch des Oberbürgermeisters von Seoul und war dafür gedacht, die Beziehungen zwischen den Städten zu vertiefen. 

Die Gestaltung des Koreanischen Gartens ist geprägt von Buddhismus, den Lehren von Konfuzius und dem volkstümlichen schamanischen Glauben. Dazu gehört auch das Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Kräften in der Natur. Beide werden im Garten mehrfach repräsentiert.

Im Koreanischen Garten finden sich zahlreiche Totempfähle und abstrakte Holzfiguren, die der schamanischen Kulturgeschichte Koreas entspringen. Geplant wurde er von koreanischen Gartenarchitek*innen, die eine koreanische Felslandschaft mit den typischen Kiefern, Fächerahornen, Eichen und Bambussen erschufen. Zentrales Bauwerk ist der “Kye Zeong” (Pavillon am Wasser), in dem sich typisch koreanische Wohnräume besichtigen lassen.

Größe: 4 000 Quadratmeter
Eröffnung: 31. März 2006
Planung: Samsung Everland Inc., Seoul

Irrgarten und Pflasterlabyrinth

Zur Gartenkultur gehören selbstverständlich auch Irrgärten, die ihren Ursprung in der Renaissance haben. Die Irrgartenanlage des britischen Königsschlosses Hampton Court war Vorbild für die Anlage in den Gärten der Welt. Diese wurde mit einer zwei Meter hohen Eibenhecke, bestehend aus über 1 200 Pflanzen, angelegt. Der Weg in das Zentrum des Pflasterlabyrinths dauert etwa zehn Minuten. Dort findet sich auch ein Aussichtsturm, der einen Überblick über das Labyrinth erlaubt.

Zusätzlich zum 3D-Irrgarten gibt es in den Gärten der Welt auch ein zweidimensionales Labyrinth aus Pflastersteinen. Hellgraue Steine markieren den Weg zur Mitte. Insgesamt 11 Umgänge, 28 Kehre und ebenfalls zehn Minuten führen zu dessen Mitte.

Größe: Heckenirrgarten: 2 000 Quadratmeter, Pflasterlabyrinth: 340 Quadratmeter
Eröffnung: 22. Juni 2007
Planung: gruppe F Landschaftsarchitekten, Berlin

Karl-Foerster-Staudengarten

Das 1957 erschienene Buch “Einzug der Gräser und Farne in die Gärten” von Karl Foerster war Inspirationsquelle für diesen Teil der Gärten der Welt.  Der Gärtner, Züchter und Gartenphilosoph prägte die deutsche und die internationale Gartenkultur nachhaltig – einerseits mit seinen Schriften, aber andererseits auch mit der Einführung von Wild- und Kulturstauden.

Stauden sind es deshalb auch, die den Karl-Foerster-Staudengarten dominieren. Zwischen streng geschnittenen Buchsbaumhecken finden sich geometrisch formal angelegte Beete mit Prachtstauden, die von landschaftlich geprägten Teilen des Gartens kontrastiert werden. So spielen anspruchsvolle Pflanzungen und frei gestaltete Naturgärten zusammen.

Abgesehen von einer Pergola befindet sich im Karl-Foerster-Staudengarten im Gegensatz zu den anderen Bereichen in den Gärten der Welt keinen architektonischen Strukturen. Die Farbe der Pergola – blau – geht übrigens auf eine Erwähnung in einem von Foersters Büchern zurück. Dort beschreibt er einen Blauton, den die Gartengestalter*innen in mühseliger Arbeit zu reproduzieren versuchten.

Größe: 3 600 Quadratmeter
Eröffnung: 9. Mai 1987, Neueröffnung am 9. März 2008
Planung: Dr. Johannes Schwarzkopf, Christian Meyer

Italienischer Renaissancegarten

Der “Giardino della Bobolina” ist ein Renaissancegarten, der sich stilistisch an der toskanischen Villengärten des 16. Jahrhunderts orientiert. Er ist der einzige Garten im Ensemble, der eine Epoche widerspiegelt und keine Stilrichtung.

Er basiert auf einer Vierteilung, die sich durch die gesamte Gestaltung zieht. Eine Loggia im ersten, in sich geschlossenen Gartenraum, ist Konzertveranstaltungsort. Von der Loggia aus, gelangen Besucher*innen in den viertgeteilten Hauptgarten mit einem Brunnen in der Mitte.

Eine originale Bobolina-Statue aus dem 16. Jahrhundert befindet sich ebenfalls, eingebettet in Hecken aus Buchs und Eibe, im Zentrum des Gartens. Gestalterische Elemente des Gartens, wie Säulen oder Treppen sind aus hellgrauem Sandstein. Eine Besonderheit ist zudem der “Giardino segreto”, der geheime Garten, den man über eine schmale Natursteintreppe betritt.

Größe: 3 000 Quadratmeter
Eröffnung: 31. Mai 2008
Planung: Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, Berlin

Christlicher Garten

Der Christliche Garten ergänzt die Gärten der Welt seit 2011. Er ist dem Kreuzgang eines typischen mittelalterlichen Klostergartens nachempfunden. Den Namen “Raum der Sprache und des Wortes” ist aber vor allem maßgeblich geprägt von einer speziellen Installation. Sie zeigt modern gestaltete Texte aus der Bibel sowie Zitate aus Philosophie und Kultur. Die Texte reflektieren die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Außerdem unterstreichen sie den Garten als Sinnbild des christlichen Lebens.

Die Installation besteht aus goldlackierte Metallbuchstaben, die Passagen aus dem Alten und Neuen Testament zitieren. Die daraus entstehenden transparenten Wände bilden den Wandelgang eines Klosters nach. In der Mitte des quadratischen Gartens befindet sich zudem ein Wasserspiel. Dieses steht einerseits für die Quelle des Lebens und andererseits für die verschiedenen Bedeutungen von Wasser im Christentum.

Größe: 1 000 Quadratmeter
Eröffnung: 29. April 2011
Planung: relais Landschaftsarchitekten, Berlin

Englischer Landschaftsgarten

Der Englische Landschaftsgarten darf in den Gärten der Welt natürlich nicht fehlen. Die ersten Parks, die diese Stilrichtung prägten, entstanden schließlich bereits im 18. Jahrhundert. Sie basierten auf der idyllischen Wildnis der Landschaftsmalerei und wichen von den bis anhin verbreiterten strengen Geometrischen Formen ab.

Gärten der Welt – weitere Attraktionen

Im Englischen Garten befindet sich ein typisches englisches Landhaus mit Reeteindeckung, dass von einem Gemüsegarten, Wiesen, Staudenbeeten, einem Rosengarten und Obstbäumen umgeben ist. Er entstand im Rahmen einer Stadtpartnerschaft mit dem englischen Halton und wurde im Rahmen der IGA Berlin 20217 eröffnet.

Das Englische Cottage in der Mitte der Anlage serviert übrigens selbstverständlich eine klassisch Englische Tea Time mit Earl Grey Tee, Gurkensandwiches und Scones.

Größe: 6 000 Quadratmeter
Eröffnung: 19. April 2017
Planung: Austin-Smith:Lord, Manchester

Jüdischer Garten

Der neuste Zugang zu den Gärten der Welt ist der Jüdische Garten, der erst 2021 Eröffnung feierte. In Blickweite zum christlichen Garten entstand seit Ende 2019 ein Themengarten rund um die jüdische Interpretation von Landschaftsarchitektur. Obwohl er als landschaftsarchitektonischer und künstlerischer Beitrag die Darstellung einer Weltreligion bezweckt, verzichtet er bewusst auf die Zurschaustellung von religiösen Schriften und Symbolen.

Stattdessen fokussiert der Jüdische Garten auf Pflanzen und Gewächse mit engem Bezug zur jüdischen Kultur, wie etwa Feigen, Mandeln, Kastanien oder Ulmen. Diese sind bekannt aus Schriften jüdischer und dem Judentum nahestehenden Autor*innen. Das Wegenetz, das durch die Anlage führt, gliedert den Garten, symbolisiert aber auch die Jüdische Diaspora, die über die Welt verstreut ist. Im Garten finden sich zudem gleich zwei skulpturale Pavillons, die einerseits Ruhe, andererseits aber auch Austausch fördern wollen. Darin sind etwa auch Veranstaltungen zur jüdischen Kultur geplant.

Die Allianz Umweltsstiftung, die bereits den Orientalischen Garten und den Christlichen Garten unterstützte, hatte den Jüdischen Garten initiiert. Mehr zu diesem Garten in den Gärten der Welt lesen Sie außerdem hier: Jüdischer Garten.

Fläche: etwa 2 000 Quadratmeter
Eröffnung: 2021
Planung: Manfred Pernice (Bildhauer), Wilfried Kuehn (Architekt) und atelier le balto Landschaftsarchitekten, Berlin

Zusätzlich zu den elf Themengärten gibt es in den Gärten der Welt zahlreiche weitere Attraktionen. Dazu gehört etwa ein Tagungszentrum mit biodiversem Gründach (mehr zum Thema Dachbegrünung finden Sie hier). Außerdem eine Arena, die insgesamt 5 000 Besucher*innen Platz bietet und einem Amphitheater nachempfunden ist. Mit der Seilbahn kann man zudem vom Kienberg über das Wuhletal direkt in die Gärten der Welt schweben und einen spektakulären Ausblick geniessen. Des Weiteren entstand im Rahmen der IGA 2017 im Übrigen auch der Wolkenhain, ein Aussichtsturm, der wie organisch gewachsen aussieht – selbstverständlich barrierefrei zugänglich.

Mehr Informationen zu den Gärten der Welt finden Sie hier.

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