Die resiliente Stadt – wie Planung auf Dauerkrisen reagieren kann

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Straßenszene in Schweden mit Menschen beim Spaziergang, aufgenommen von Leo_Visions.

Städte taumeln heute von einer Krise in die nächste – Klimawandel, Ressourcenknappheit, Pandemien und geopolitische Unsicherheiten fordern die urbane Planung aufs Äußerste heraus. Die resiliente Stadt ist längst kein utopisches Schlagwort mehr, sondern Überlebensstrategie. Doch wie gelingt es, Stadtplanung so zu denken, dass sie nicht nur kurzfristig reagiert, sondern auf Dauerkrisen vorbereitet ist? Und was bedeutet echte Resilienz, wenn Unsicherheiten die einzige Konstante sind?

  • Definition und Ursprünge des Resilienzbegriffs in der Stadtplanung
  • Typologie urbaner Dauerkrisen und ihre Auswirkungen auf Stadtentwicklung
  • Strategien und Werkzeuge für resiliente Stadtplanung: von grüner Infrastruktur bis Governance-Innovationen
  • Praxisbeispiele: Wie Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz Resilienz umsetzen
  • Die Rolle digitaler Tools und intelligenter Daten für die Resilienzentwicklung
  • Partizipation, soziale Gerechtigkeit und die Gefahr technokratischer Scheinsicherheit
  • Spannungsfeld zwischen Anpassung, Widerstandsfähigkeit und Transformation
  • Zukunftsblick: Warum Resilienz mehr ist als ein Planungsziel – und was Planer jetzt tun müssen

Was ist Resilienz? Von der Krisenfestigkeit zur urbanen Überlebenskunst

Resilienz, ursprünglich aus der Materialkunde und Psychologie entlehnt, beschreibt die Fähigkeit eines Systems, nach Störungen nicht nur in den Ursprungszustand zurückzukehren, sondern daran zu wachsen und sich anzupassen. In der Stadtplanung transformierte sich der Begriff zu einem Leitmotiv, das weit mehr meint als bloße Schadensbegrenzung. Es geht darum, Städte so zu gestalten, dass sie auf unvorhersehbare Ereignisse – seien es Hitzewellen, Hochwasser, Versorgungsengpässe oder gesellschaftliche Schocks – nicht nur reagieren, sondern sich kontinuierlich weiterentwickeln.

Der Umschwung kam mit den großen urbanen Katastrophen der vergangenen Jahrzehnte: Nach den Überschwemmungen in Kopenhagen, den Hitzesommer in Paris oder der Pandemie in New York wurde klar, dass klassische Stadtplanung zu oft linear, statisch und risikoorientiert denkt. Resilienz verlangt dagegen ein radikales Umdenken: Städte als dynamische, adaptive Systeme zu begreifen, die auf Unsicherheiten vorbereitet sind und aus Krisen neue Potenziale schöpfen.

Im urbanen Kontext ist Resilienz mehrdimensional: Sie umfasst physische, soziale, wirtschaftliche und ökologische Komponenten. Eine resiliente Stadt besitzt redundante Infrastrukturen, fördert soziale Kohäsion, sichert Versorgungsketten, schützt Biodiversität und gestaltet Räume, die flexibel auf Veränderungen reagieren. Dabei ist Resilienz kein Zustand, sondern ein Prozess – ein ständiges Austarieren zwischen Stabilität und Wandel.

Interessanterweise ist der Resilienzbegriff keineswegs unumstritten. Kritiker bemängeln, er diene oft als Feigenblatt für Anpassung an Missstände oder gar als Ausrede für fehlenden Wandel. Tatsächlich verlangt Resilienz aber eine sorgfältige Balance: zwischen kurzfristiger Robustheit und langfristiger Transformation, zwischen individueller Anpassung und kollektiver Innovation. Für die Stadtplanung heißt das, nicht nur auf Schocks zu reagieren, sondern die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Stadtentwicklung zu schaffen – und dabei auch unbequeme Fragen nach Macht, Gerechtigkeit und Verteilung zu stellen.

Das Resilienz-Konzept fordert die Disziplin der Stadtplanung heraus wie kaum ein anderes: Es zwingt dazu, Planungsinstrumente, Governance-Strukturen und Beteiligungsformate neu zu denken. Es verlangt, Unsicherheiten als Planungsgrundlage zu akzeptieren und damit die Komfortzone des Planbaren zu verlassen. Wer heute resilient plant, baut nicht nur auf, sondern baut voraus – und das mit der Offenheit, dass der perfekte Plan nie existieren wird.

Dauerkrisen und urbane Risiken: Die neue Normalität für Städte

Die Vorstellung, Krisen seien seltene Ausnahmen, ist spätestens seit dem 21. Jahrhundert obsolet. Städte stehen heute unter dem permanenten Druck multipler und sich überlagernder Dauerkrisen. Klimawandel, Extremwetterereignisse, Energieengpässe, Pandemien, aber auch soziale Polarisierung und digitale Disruption prägen den Alltag urbaner Systeme. Die Resilienzforschung spricht hier von „permanenter Kontingenz“ – die Weltlage bleibt volatil, und Städte müssen sich darauf einstellen, dass Überraschungen zur Normalität werden.

Besonders augenfällig sind die Folgen des Klimawandels: Hitzewellen, Starkregen, Trockenperioden und Überschwemmungen treffen Städte mit voller Wucht. Versiegelte Flächen, fehlende Frischluftschneisen und überlastete Entwässerungssysteme machen urbane Räume zu Hotspots der Verletzlichkeit. Doch auch weniger sichtbare Risiken wie Cyberangriffe auf Infrastrukturen oder Lieferkettenunterbrechungen im Zuge geopolitischer Spannungen bedrohen die Funktionsfähigkeit der Städte.

Eine zentrale Herausforderung ist die Gleichzeitigkeit und Verflechtung dieser Risiken. Die Corona-Pandemie zeigte eindrücklich, wie schnell Gesundheitskrisen in wirtschaftliche, soziale und politische Krisen umschlagen können. Städte müssen daher nicht nur einzelne Risiken managen, sondern Resilienz als Querschnittsaufgabe begreifen, die alle Sektoren – von Mobilität über Energie bis zur Daseinsvorsorge – umfasst.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz werden diese Dauerkrisen zunehmend als Planungsrealität akzeptiert. Kommunale Hitzeaktionspläne, Wassermanagementstrategien oder Notfallkonzepte für kritische Infrastrukturen sind erste Schritte. Doch noch fehlt oft eine integrative Perspektive, die die Vielschichtigkeit urbaner Risiken im Blick behält und flexible, adaptive Lösungen priorisiert. Die resiliente Stadt muss lernen, mit Unsicherheit zu leben – und sie produktiv zu nutzen.

Die neue Normalität verlangt deshalb nach Planungsmodellen, die nicht auf ein statisches Gleichgewicht setzen, sondern auf permanente Lern- und Anpassungsprozesse. Wer Resilienz ernst nimmt, plant nicht für die beste aller Welten, sondern für die wahrscheinlichsten Störungen – und schafft Räume, in denen urbane Gemeinschaften Krisen nicht nur überstehen, sondern gestärkt daraus hervorgehen.

Strategien und Werkzeuge für resiliente Stadtplanung: Von grüner Infrastruktur bis Governance-Mut

Resiliente Stadtplanung ist kein Allheilmittel – sie ist ein Werkzeugkasten, der je nach Kontext unterschiedlich gefüllt werden muss. Ein zentrales Element ist die Förderung grüner und blauer Infrastrukturen. Parks, Straßenbäume, Dach- und Fassadenbegrünungen, multifunktionale Freiräume und Regenwassermanagementsysteme machen Städte nicht nur klimaangepasster, sondern auch lebenswerter. Solche Maßnahmen puffern Hitzewellen, reduzieren Überflutungsrisiken und fördern Biodiversität – und sind zugleich sozialer Treffpunkt, Erholungsraum und identitätsstiftendes Element.

Doch mit grüner Infrastruktur allein ist es nicht getan. Resiliente Städte brauchen redundante Systeme: dezentrale Energieversorgung, flexible Mobilitätsangebote, vielfältige Versorgungswege. Wer Versorgungssicherheit nur auf eine Karte setzt, riskiert im Krisenfall den Totalausfall. Hier kommen neue technische Lösungen ins Spiel: Intelligente Netze, urbane Datenplattformen und digitale Zwillinge ermöglichen die Echtzeitanalyse von Risiken und können Steuerungsentscheidungen unterstützen. Im Idealfall werden sie zum Rückgrat einer adaptiven, lernenden Stadtentwicklung.

Ein oft unterschätztes Werkzeug ist die partizipative Planung. Resilienz ist keine technokratische Angelegenheit, sondern lebt von der Einbindung lokaler Akteure – von Bürgern über lokale Unternehmen bis zu Forschungseinrichtungen. Partizipative Formate wie Szenarien-Workshops, Reallabore oder digitale Beteiligungsplattformen sorgen dafür, dass Wissen, Erfahrungen und Bedürfnisse vor Ort in die Planung einfließen. So entstehen Lösungen, die nicht nur widerstandsfähig, sondern auch akzeptiert und langfristig tragfähig sind.

Ein weiteres Schlüsselelement ist die Governance-Innovation. Resiliente Städte brauchen flexible, kooperative Steuerungsstrukturen, die ressortübergreifend arbeiten und auf neue Herausforderungen schnell reagieren können. Hier sind Mut und Experimentierfreude gefragt: von agilen Projektteams über adaptive Leitbilder bis zu neuen Allianzen zwischen Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft. Wer immer nur Dienst nach Vorschrift macht, bleibt im Krisenfall handlungsunfähig. Die resiliente Stadt ist kein Verwaltungsakt, sondern eine Haltung.

Nicht zuletzt müssen auch Planungsinstrumente und Rechtsgrundlagen weiterentwickelt werden. Bebauungspläne, Flächennutzungspläne und Satzungen sind oft auf Stabilität ausgelegt – doch Resilienz verlangt Flexibilität und Lernfähigkeit. Innovative Ansätze wie städtebauliche Verträge mit Anpassungsklauseln, dynamische Planungsinstrumente oder Szenarienplanung sind Wegbereiter für eine resiliente Stadtentwicklung, die auf Dauerkrisen nicht mit lähmender Bürokratie, sondern mit vorausschauender Agilität antwortet.

Praxis und Ausblick: Resilienz als urbaner Zukunftskompass

Die Umsetzung resilienter Stadtplanung ist keine akademische Fingerübung, sondern ein knallhartes Praxisfeld. Zahlreiche Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben in den letzten Jahren ambitionierte Resilienzstrategien entwickelt – mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten. In München etwa steht die Anpassung an den Klimawandel im Fokus: Mit großflächigen Grünzügen, innovativem Schwammstadt-Prinzip und neuen Frischluftschneisen wird versucht, Hitzeinseln abzumildern und das Mikroklima zu verbessern. In Wien wiederum liegt der Schwerpunkt auf sozialer Resilienz: Quartiersmanagement, generationengerechtes Wohnen und partizipative Nachbarschaftsprojekte stärken das soziale Gefüge und schaffen Ankerpunkte für den Krisenfall.

In Zürich und Basel setzen die Verwaltungen gezielt auf die Digitalisierung. Urbane Datenplattformen, Echtzeitmonitoring von Infrastrukturen und digitale Zwillinge unterstützen die integrierte Stadtentwicklung und ermöglichen schnelle Reaktionen auf Störungen. In Hamburg wiederum werden neue Governance-Modelle erprobt: Ein ressortübergreifender Krisenstab koordiniert Maßnahmen von Verkehr bis Gesundheit und sorgt dafür, dass Erkenntnisse aus einer Krise direkt in neue Planungen einfließen.

Diese Beispiele zeigen: Resiliente Stadtentwicklung ist nie abgeschlossen. Jede Stadt muss ihren eigenen Weg finden, abgestimmt auf lokale Herausforderungen und Ressourcen. Entscheidend ist, dass Resilienz nicht als kurzfristiges Projekt verstanden wird, sondern als langfristiger Leitfaden für alle Bereiche der Stadtentwicklung. Es braucht Investitionen in Infrastruktur, aber auch in Bildung, Sozialkapital und institutionelle Lernfähigkeit.

Gleichzeitig müssen Planer den Mut haben, Unsicherheiten als Ressource zu begreifen. Wer glaubt, mit technischen Lösungen allein alle Risiken beherrschen zu können, riskiert die technokratische Scheinsicherheit. Resilienz verlangt den Dialog zwischen Technik, Raum, Gesellschaft und Politik – und die Offenheit, immer wieder neu zu justieren, zu experimentieren und zu lernen.

Als urbaner Zukunftskompass erweist sich Resilienz damit als schillerndes, aber unverzichtbares Leitmotiv. Sie fordert die Stadtplanung heraus, ihre Methoden, Instrumente und Ziele immer wieder kritisch zu hinterfragen. Und sie bietet zugleich die Chance, Städte nicht nur krisenfester, sondern auch gerechter, vielfältiger und lebenswerter zu machen. Wer heute an Resilienz arbeitet, baut an der Stadt von morgen – und das mit dem Bewusstsein, dass die einzige Konstante der Wandel ist.

Fazit: Resilienz ist keine Option – sondern Pflichtprogramm für Stadtplaner

Die resiliente Stadt ist mehr als ein modischer Begriff – sie ist das Ergebnis jahrzehntelanger Erfahrungen mit Dauerkrisen und der Erkenntnis, dass klassische Planungslogiken an ihre Grenzen stoßen. Resilienz verlangt von Stadtplanern, Landschaftsarchitekten und Entscheidungsträgern ein radikales Umdenken: Weg vom statischen Masterplan, hin zu flexiblen, lernenden Systemen. Es geht darum, Unsicherheit nicht als Störfaktor, sondern als Ausgangspunkt für Innovation zu begreifen.

Die wichtigsten Hebel liegen in der Verbindung von grüner Infrastruktur, sozialer Inklusion, digitaler Intelligenz und mutiger Governance. Nur wer diese Bausteine intelligent verknüpft, kann Städte nicht nur widerstandsfähig, sondern zukunftsfähig machen. Praxisbeispiele aus dem deutschsprachigen Raum zeigen, dass der Wandel möglich ist – vorausgesetzt, es gibt politischen Willen, institutionelle Offenheit und die Bereitschaft, alte Zöpfe abzuschneiden.

Planer haben jetzt die Chance, Resilienz zum Kompass ihrer Arbeit zu machen. Das bedeutet, Risiken frühzeitig zu erkennen, flexible Strategien zu entwickeln, Bürger einzubinden und auf Dauerkrisen mit Anpassungsfähigkeit und Kreativität zu reagieren. Wer auf Resilienz setzt, baut nicht nur für den nächsten Sturm, sondern für Generationen. Die Stadt der Zukunft wird nicht perfekt sein – aber sie wird klüger, lebendiger und anpassungsfähiger, wenn wir heute die richtigen Weichen stellen.

In diesem Sinne ist Resilienz kein Ziel, sondern ein ständiger Prozess. Sie fordert uns heraus, unsere Instrumente, Routinen und Denkmuster immer wieder zu überprüfen – und sie schenkt uns die Freiheit, das Unvorhersehbare als Chance zu begreifen. Die resiliente Stadt? Sie ist die einzige, die eine Zukunft hat.

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Die Sphäre „Wasser“

Die Sphäre „Wasser“ (Visualisierung: bloomimages Berlin GmbH)

In zwei Jahren lädt Kirchheim in Bayern zur Landesgartenschau ein. Dann ist der neue, zehn Hektar große Park fertig, der Raum für Erholung und Spiel im Grünen bieten soll. Darüber hinaus soll der neue Ortspark die bislang räumlich getrennten Gemeindeteile Kirchheim und Heimstetten miteinander verbinden.

Der neue Ortspark in Kirchheim wird Heimat für viele heimische Baumarten sein, die im Wechsel mit sogenannten Klimabäumen stehen. Letztere sind den Herausforderungen des Klimawandels besonders gut gewachsen und entsprechend resilient. Das ist wichtig. Denn der neue Park, der im Rahmen der Landesgartenschau Kirchheim derzeit wächst, wird ein dauerhaftes grünes Band bilden. Dieses wird die Gemeindeteile Kirchheim und Heimstetten miteinander verbinden. Zukünftig kommen hier also viele Generationen aus beiden Ortsteilen zusammen. Sie wachsen regelrecht zusammen.

Die Pflanzen auf der Landesgartenschau

Die Pflanzkonzept für den neuen Park in Kirchheim haben die Landschaftsarchitetkt*innen vom Büro SINAI erarbeitet. Dabei war ihnen wichtig, dass klimaresiliente und heimische Bäume in Balance stehen. Sie nennen ihr Konzept für die Landesgartenschau Kirchheim: Gemischtes Doppel. Damit verweist SINAI darauf, dass jede klassische, heimische Baumart ein Gegenüber aus dem Repertoire der Klimabaumarten bekommt. Insgesamt wachsen im neuen Ortspark demnächst mehr als 700 Bäume.

Neben den Bäumen werden in Kirchheim Rasenflächen für Spiel und Bewegung und Wiesen neu angelegt. Darüber hinaus kommen Sträucher, Stauden, Hecken, Schilf und Gräser dazu. Im Bereich der sogenannten Sphäre „Wildnis“ und in der Sphäre „Wald“ bleibt auch viel Bestandsgrün erhalten.

Die Sphäre „Garten

Den Auftakt der Landesgartenschau Kirchheim bildet die sogenannte Sphäre „Garten“. Sie beherbergt die Bürgergärten, eine Streuobstwiese und eine bestehende Fliederhecke. In diesem Areal steht die gemeinschaftliche Bewirtschaftung im Vordergrund. Deshalb werden hier vor allem Gehölze mit essbaren Früchten zu finden sein. Darüber hinaus entstehen im Garten drei neue Jahrgangswäldchen mit jeweils 100 Zierapfelbäumen. Dieser neue Apfelhain ist ein Geschenk der Gemeinde Kirchheim und der Landesgartenschau an den Kirchheimer Nachwuchs der Jahrgänge 2021, 2022 und 2023. Der Hain steht dabei symbolisch für das Motto der Landesgartenschau Kirchheim „Zusammen.Wachsen“.

Herzstück in der Sphäre „Wasser“

In der Sphäre „Wasser“ bildet ein neuer Parksee den Mittelpunkt. Mit knapp 7400 Quadratmetern bildet er eine große Wasserfläche. Darüber hinaus bildet sein naturnaher Ufersaum Tieren und Pflanzen neuen Lebensraum in Kirchheim. Die Liegewiese am Westufer des Sees wird mit Auenbäumen bepflanzt. Und für die Wasser- und Uferzonen werden, je nach Wassertiefe, passende Wasser- und Schwimmblattpflanzen ausgewählt. Sie allen bereichern das Areal der Landesgartenschau Kirchheim um vielfältige neue Lebensräume für Insekten und andere Kleintiere.

In der Sphäre „Wildnis“ in Kirchheim

Die Sphäre „Wildnis“ verdankt ihre Bezeichnung dem Bestand. Die bestehende Vegetation wird hier durch Lichtungen und neu angelegte Wege erlebbar. Sie werden aber nicht überall begehbar werden.

In der Vorbereitung für die Landesgartenschau Kirchheim wurden mehrere Bäume gefällt und bestehender Aufwuchs entfernt. Dafür werden an anderer Stelle in der Wildnis 73 Bäume neu gesetzt. In Vorbereitung der Landesgartenschau Kirchheim wurde im vergangenen Jahr bereits bestehender Bewuchs entfernt. Dafür wachsen in der Sphäre „Wald“ demnächst 67 neue Bäume.

Die Sphäre „Wiese“ auf der Landesgartenschau

Im südlichen Bereich der Landesgartenschau Kirchheim liegt der Schwerpunkt auf großen, autochthonen Blühwiesen. Diese bieten idealen Lebensraum für zahlreiche Insekten- und Schmetterlingsarten. Dieser besondere Wiesenbereich lebt außerdem von großen Solitärbäumen, von einzelnen Baumreihen, Fliederhecken und Stauden. Sie allen fassen den Wiesenbereich ein und geben ihm Struktur.

Bänke im Ortspark

Neben den vielen neuen Bäumen auf dem Areal der Landesgartenschau Kirchheim werden etwa 200 Bänke im Ortspark aufgestellt. Die bieten den Menschen die Möglichkeit sich auszuruhen und zu entspannen. Genauso wie für die neuen Bäume vergibt die Landesgartenschau Kirchheim 2024 GmbH auch Patenschaften für die Bänke. Auf einer eigenen Website können die ab Frühjahr 2022 erworben werden. Auf diese Weise können interessierte Bürger*innen und Unternehmen sich persönlich einbringen und die Entstehung der Landesgartenschau Kirchheim fördern.

Energieholz auf temporären Flächen

Während der Landesgartenschau in Kirchheim wächst das Veranstaltungsgelände um weitere vier Hektar Grünfläche. Diese ergänzen im Jahr 2024 also den neuen, zehn Hektar großen Ortspark. Hier werden temporäre Ausstellungsflächen eingerichtet, die Platz für etwa 50 Aussteller*innen bieten. Sie alle informieren die Besucher*innen der Landesgartenschau zu Themen wie Gartengestaltung, Umweltschutz, Klimaschutz, nachhaltige Energie und grüne Mobilität. Auf diesen Ausstellungsflächen sind die Baumpflanzungen von Anfang an als Energieholzplantage vorgesehen und dem Thema nachhaltige Energie verpflichtet. Die ersten Bäume sind schon im März 2022 gepflanzt worden. Nach Abschluss der Landesgartenschau Kirchheim werden sie dann zu Energieholz weiterverarbeitet.

Im Bereich der Gewinnung erneuerbarer Energie spielt Holz eine wichtige Rolle. Denn anders als bei Wind- und Sonnenenergie kann Holz zu jedem Zeitpunkt verfügbare Energie liefern. Auf diese Weise kann Energieholz dabei helfen, den Umstieg von fossilen auf alternative Energieträger zu beschleunigen. Es kann helfen, die Energieversorgung langfristig sicherzustellen. Das ist schon jetzt wichtiger denn je und ein guter Ausblick auf die bayrische Landesgartenschau in Kirchheim im Jahr 2024.

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BürosSINAI

COP15 in Montreal, Biodiversität im Fokus

Die COP15 findet vom 7. bis 19. Dezember in Montreal statt. Bildquelle: Unsplash
Die COP15 findet vom 7. bis 19. Dezember in Montreal statt. Bildquelle: Unsplash

COP27 ist gerade vorbei und schon startet die nächste COP am 7. Dezember: Bei der COP15 in Montreal geht es um Biodiversität. Das Ziel der UN-Konferenz besteht darin, ein neues Regelwerk zum verbesserten Schutz der Biodiversität weltweit zu entwickeln. Lesen Sie hier alles über die Konferenz.

Die Bedeutung der Biodiversitäts-COP

Laut dem Living Planet Report 2022 ist die Biodiversität unseres Planeten in den letzten Jahrzehnten drastisch gesunken. Die durchschnittliche Populationsgröße von Wildtieren ist weltweit seit 1970 um etwa 69% gefallen. Umso wichtiger ist es, sich mit dieser Krise zu beschäftigen. Bei der COP15, an der die gleichen Vertragsparteien teilnehmen wie an der Klimakonferenz (zuletzt COP27 im November 2022), geht es vom 7. bis 19. Dezember in Montreal, Kanada, um einen neuen globalen Vertrag zur Förderung der Biodiversität.

Der lang erwartete Gipfel, der ähnlich wie die Klimakonferenzen regelmäßig stattfindet, musste mehrfach verschoben werden. Ursprünglich war er für das Jahr 2020 in Kunming, China, geplant. Durch die Corona-Pandemie kam es stattdessen zu einer zweiteiligen Veranstaltung. Der erste Teil fand im Oktober 2021 statt, gefolgt von einem zweiten Teil im Frühjahr 2022. Jedoch kam es dabei zu keiner Einigung. Daher setzte die UN Interims-Besprechungen in Nairobi an. Aufgrund der steigenden Corona-Zahlen in China findet das Treffen nun in Kanada statt.

Die Hoffnung besteht darin, eine globale Einigung zum Schutz und zur Verbesserung der Biodiversität zu treffen, die dem Pariser Klimaabkommen ähneln soll. Dabei stehen jedoch Habitats, Ökosysteme, Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen im Vordergrund. Der Verlust der Biodiversität bedroht auch Menschen, da er den Klimawandel beschleunigt und unter anderem Ernährungsgrundlagen zerstört.

Bei der COP15 geht es darum, den Verlust der Biodiversität aufzuhalten und die natürliche Vielfalt zu schützen. Bildquelle: Unsplash
Bei der COP15 geht es darum, den Verlust der Biodiversität aufzuhalten und die natürliche Vielfalt zu schützen. Bildquelle: Unsplash

Die Erwartungen für COP15

Derzeit ist die UN Convention on Biological Diversity (CBD) das wichtigste Regelwerk zur Biodiversität. 196 Länder – die COP-Vertragsparteien – haben es ratifiziert. Der erste Entwurf stammt aus dem Jahr 1992. Es folgte ein Beschluss im Jahr 2010 zu Biodiversitäts-Zielen, die in der Dekade der Biodiversität von 2010 bis 2020 umgesetzt werden sollten. Jedoch konnte keines dieser Ziele erfüllt werden. Noch dazu hat die Pandemie den Fortschritt aufgehalten.

Daher geht es bei der COP15 zur Biodiversität nun darum, die CBD auf den neuesten Stand zu bringen und neue Ziele für die aktuelle Dekade zu formulieren. Teilnehmende hoffen auf einen „Deal for Nature”, der ein Ende des Biodiversitätsverlusts vorschreibt und dazu beiträgt, Bemühungen zur Verbesserung von Ökosystemen und Habitats zu unterstützen, zu beschleunigen und auf politische Agenden zu setzen. Die Deadline für das Ende des Biodiversitätsverlusts ist dabei das Jahr 2030, wobei einige Umweltgruppen für ein früheres Datum plädieren.

Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität

Anders als die COP-Klimakonferenzen erhalten die Biodiversitätskonferenzen weniger mediale Aufmerksamkeit. Regierungschefs nehmen nicht an der Konferenz teil. Rufe danach, die COP15 mit der COP27 zu kombinieren, waren nicht erfolgreich, da beide Konferenzen ohnehin schon zahlreiche Themen in kurzer Zeit bearbeiten. Delegierte werden ab dieser Woche die folgenden Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität diskutieren:

  • Schutz- und Erhaltungsprogramme für 30% der Lebensräume an Land und im Wasser
  • Strengere Vorschriften zur Eindämmung von invasiven Arten
  • Verpflichtung von Unternehmen zur Berichterstattung über Auswirkungen auf die biologische Vielfalt
  • Verpflichtung zur Reduzierung des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft
  • Reformierung oder Streichung von Subventionen für Industrien, die die Natur ausbeuten
  • Kooperation mit privaten Geldgebern, um umweltschadende Finanzströme umzulenken
  • Bereitstellung von Internationalen Finanzmitteln für biologische Vielfalt sowie Aufstockung der Mittel für einkommensschwache Länder (jährliche Erhöhung um 200 Mrd. US-Dollar)

Bisher haben sich Länder wie China, Russland, die USA und Indien bei den Biodiversitäts-COPs zurückgehalten. Ein großer Gewinn für das Vorhaben der COP15 ist jedoch bereits jetzt die Wiederwahl des früheren brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva. Er spricht sich für den Schutz des brasilianischen Regenwalds aus.

Übrigens: Bei der Gartenschau in Lindau im Jahr 2021 gab es viele spannende Ausstellungen zum Thema Biodiversität.