Resilienz gegen Energieblackouts – was bedeutet das für die Stadtstruktur?

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Farbenprächtige Häuser am Fluss vor beeindruckender Bergkulisse, fotografiert von Wolfgang Weiser.

Was passiert, wenn plötzlich das Licht ausgeht – und zwar nicht nur für ein paar Minuten, sondern für Stunden, Tage oder gar Wochen? Resilienz gegen Energieblackouts ist keine düstere Science-Fiction, sondern ein hochaktuelles Thema, das Stadtplaner, Landschaftsarchitekten und Kommunen im deutschsprachigen Raum gleichermaßen herausfordert. Wer glaubt, Stadtstruktur und Blackouts hätten wenig miteinander zu tun, irrt gewaltig: Die nächste Generation der Stadtentwicklung misst sich daran, wie widerstandsfähig sie gegenüber Energiekrisen ist – und wie kreativ sie die urbane Resilienz neu denkt.

  • Definition und Ursachen von Energieblackouts – und warum sie Städte besonders hart treffen können
  • Die zentrale Rolle der Stadtstruktur für die Resilienz urbaner Systeme
  • Wie dezentrale Energieversorgung, Grünräume und multifunktionale Infrastruktur helfen, Risiken zu minimieren
  • Beispiele für resiliente Quartiere und internationale Best Practices
  • Risiken, Zielkonflikte und die Schattenseiten vermeintlich smarter Lösungen
  • Stadtgesellschaft und Governance: Wer trägt Verantwortung für Resilienz – und wie wird sie organisiert?
  • Strategien für Planer, Kommunen und Investoren zur Stärkung der urbanen Resilienz
  • Fazit: Energieblackouts als Stresstest und Innovationsmotor für die Zukunft der Stadt

Blackout – was steckt dahinter und warum betrifft es uns alle?

Stellen wir uns vor, die zentrale Stromversorgung fällt plötzlich aus. Keine Straßenbeleuchtung, keine U-Bahnen, keine funktionierenden Ampeln, keine Kommunikation über Mobilfunknetze, keine Supermarktkassen, keine laufenden Heizungen im Winter. Was nach Katastrophenfilm klingt, ist ein durchaus realistisches Szenario – auch in hochentwickelten Ländern wie Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Ursachen für großflächige Energieausfälle sind vielfältig: Sie reichen von Überlastungen der Netze durch Extremwetter, gezielten Cyberangriffen auf kritische Infrastruktur, technischen Defekten bis hin zu politischen Krisen, die Energieimporte abrupt stoppen können. Die Frage ist nicht mehr, ob ein Blackout passieren kann, sondern wie sehr Städte darauf vorbereitet sind.

Gerade in dicht besiedelten urbanen Räumen ist die Abhängigkeit von einer stabilen Energieversorgung besonders hoch. Alltägliche Prozesse, die in ländlichen Regionen noch relativ autark ablaufen können, sind in der Stadt zentralisiert und aufeinander angewiesen. Lebensmittelversorgung, Wasserversorgung, medizinische Dienstleistungen, Personentransport – alles steht und fällt mit dem Strom aus der Steckdose. Doch nicht nur die eigentliche Energieversorgung ist gefährdet, sondern auch die Steuerung und Überwachung urbaner Systeme: Ohne Energie kollabieren digitale Steuerzentralen, Verkehrsmanagement, Brandschutzanlagen und vieles mehr. Ein Blackout wird so schnell zu einem Kaskadeneffekt, der weit über das Offensichtliche hinausreicht und alle Lebensbereiche betrifft.

Ein weiteres Risiko: Die urbane Verdichtung der letzten Jahrzehnte hat viele Städte auf Effizienz getrimmt. Kurze Wege, zentrale Versorgung, getaktete Mobilität und konsolidierte Infrastrukturen sind aus ökologischer Sicht sinnvoll – werden aber bei einem großflächigen Stromausfall zur Achillesferse. Je stärker die Vernetzung, desto empfindlicher das Gesamtsystem. Ein einzelner Ausfall kann Dominoeffekte auslösen, die sich nur schwer eindämmen lassen. Und das trifft nicht nur die Technik, sondern auch das soziale Gefüge: Chaos, Desinformation und Unsicherheit können sich in urbanen Ballungsräumen besonders schnell ausbreiten.

Die Diskussion um Blackouts ist deshalb mehr als nur eine technische Debatte. Es geht um die fundamentale Frage, wie wir Städte so gestalten und organisieren, dass sie auch unter Extrembedingungen funktionieren. Die Herausforderung besteht darin, Komplexität zu beherrschen, Redundanzen zu schaffen, dezentrale Strukturen zu fördern und die Stadtgesellschaft zu befähigen, mit Krisen umzugehen. Hier kommt der Begriff der Resilienz ins Spiel – als Leitmotiv für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung.

Für Stadtplaner, Landschaftsarchitekten und Kommunen bedeutet das, die eigene Komfortzone zu verlassen. Resilienz gegen Energieblackouts erfordert ein Umdenken in allen Maßstäben – von der großräumigen Stadtstruktur bis zum Detail einzelner Quartiere. Die zentrale Frage: Wie kann die urbane Struktur so gestaltet werden, dass sie auch im Ausnahmezustand nicht versagt, sondern handlungsfähig bleibt?

Die Antwort darauf ist komplex und verlangt nach einer neuen Balance zwischen Effizienz und Robustheit, Zentralisierung und Dezentralisierung, Hightech und Lowtech. Urban Resilience ist keine Einbahnstraße – sie ist ein ständiger, kreativer Aushandlungsprozess zwischen verschiedenen Disziplinen, Interessen und Werten. Und sie beginnt bei der Planung der Stadtstruktur.

Stadtstruktur als Schlüssel zur Resilienz: Schwächen erkennen, Stärken nutzen

Die Stadtstruktur – also das räumliche Gefüge von Quartieren, Verkehrsachsen, Versorgungsnetzen, Grünflächen und öffentlichen Räumen – ist das Rückgrat der urbanen Resilienz. Wer sich mit Energieblackouts auseinandersetzt, muss die Stadt als komplexes System mit vielfältigen Abhängigkeiten verstehen. Gerade in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind die Städte historisch gewachsen, weisen oft ein dichtes Netz an Infrastrukturen auf und sind geprägt von einer Mischung aus Altbestand und modernen Erweiterungen. Diese Heterogenität ist Fluch und Segen zugleich.

Ein zentrales Problem liegt in der Zentralisierung vieler Versorgungsstrukturen. Große Umspannwerke, zentrale Heizkraftwerke, ausgedehnte Strom- und Fernwärmenetze: Fällt ein Knotenpunkt aus, sind oft ganze Stadtteile betroffen. Die hochoptimierte Effizienz moderner Städte – etwa durch Just-in-Time-Lieferketten, zentrale Steuerung oder digitale Vernetzung – erhöht die Vulnerabilität gegenüber Störungen. Was im Alltag Ressourcen spart, kann im Krisenfall zur Schwachstelle werden. Ein Paradebeispiel ist der öffentliche Nahverkehr: Ohne Strom stehen S-Bahnen, Trams und Aufzüge still. Wer dann auf dezentrale, kleinteilige Strukturen gesetzt hat, ist klar im Vorteil.

Gleichzeitig bieten traditionelle Stadtstrukturen auch Chancen für mehr Resilienz. Historische Quartiere mit gemischten Nutzungen, kurzen Wegen und diversifizierten Gebäudetypen sind oft widerstandsfähiger gegenüber Ausfällen. Sie ermöglichen ein Mindestmaß an Selbstversorgung, fördern soziale Netzwerke und bieten flexible Nutzungsmöglichkeiten für den öffentlichen Raum. Die Integration von Grün- und Freiflächen spielt dabei eine doppelte Rolle: Einerseits dienen sie als Pufferzonen und Rückzugsräume, andererseits können sie im Notfall als Sammelpunkte, temporäre Infrastrukturstandorte oder Wasserreservoirs genutzt werden.

Wichtig ist aber auch die räumliche Organisation kritischer Infrastrukturen. Krankenhäuser, Feuerwehr, Wasserwerke und Kommunikationszentralen müssen so positioniert werden, dass sie auch bei einem Blackout erreichbar und funktionsfähig bleiben. Redundanzen in der Stromversorgung – etwa durch Notstromaggregate, Batteriespeicher oder Inselnetze – sind ebenso essenziell wie die Möglichkeit, Versorgungseinrichtungen dezentral zu betreiben. Stadtplaner und Architekten sind gefordert, diese Aspekte bereits in der frühen Phase der Planung mitzudenken und im Entwurf zu verankern.

Die Herausforderung besteht darin, klassische Planungsideale mit neuen Anforderungen zu verknüpfen. Während früher oft die Maximierung von Flächeneffizienz und öffentlicher Erreichbarkeit im Vordergrund stand, rückt heute die Frage nach Ausfallsicherheit und Anpassungsfähigkeit in den Fokus. Multifunktionale Räume, flexible Gebäudestrukturen und redundante Versorgungsnetze sind keine Luxusoptionen mehr, sondern Kernbestandteile einer resilienten Stadtstruktur. Wer jetzt vorausschauend plant, sichert nicht nur die Energieversorgung, sondern stärkt auch die soziale und ökologische Widerstandsfähigkeit der Stadt.

Es zeigt sich: Resilienz gegen Energieblackouts ist kein Add-on, sondern muss integraler Bestandteil der Stadtentwicklung werden. Die Zeiten, in denen urbane Strukturen ausschließlich auf Effizienz getrimmt wurden, sind vorbei. Die Zukunft gehört der widerstandsfähigen, adaptiven und intelligent gestalteten Stadt – einer Stadt, die im Angesicht des Blackouts nicht im Dunkeln tappt, sondern handlungsfähig bleibt.

Dezentrale Energie, grüne Infrastruktur und smarte Quartiere: Handlungsansätze für resiliente Städte

Wie lassen sich nun die gewonnenen Erkenntnisse in konkrete Handlungsstrategien übersetzen? Ein entscheidender Ansatzpunkt ist die Dezentralisierung der Energieversorgung. Photovoltaikanlagen auf Dächern, Blockheizkraftwerke in Quartieren, Mikrogrid-Lösungen, Batteriespeicher und lokale Wärmenetze sind längst mehr als technologische Spielereien. Sie ermöglichen es, Strom und Wärme auch dann bereitzustellen, wenn zentrale Netze versagen. Insbesondere Inselnetze – sogenannte Microgrids – gewinnen an Bedeutung: Sie können sich im Fall eines Blackouts vom überregionalen Netz abkoppeln und einzelne Stadtteile autark versorgen. Voraussetzung dafür sind allerdings intelligente Steuerungssysteme, lokale Speicherlösungen und die Bereitschaft, in Redundanz zu investieren.

Doch Resilienz erschöpft sich nicht in Technologie. Eine zentrale Rolle spielen auch grüne Infrastrukturen: Parks, urbane Wälder, begrünte Dächer und Retentionsflächen haben nicht nur klimatische Vorteile, sondern dienen im Ernstfall als Treffpunkte, Versorgungsareale und Notfallflächen. Sie bieten Raum für temporäre Unterkünfte, Verpflegungsausgaben, Kommunikationszentren und medizinische Erstversorgung. In Krisensituationen werden öffentliche Räume zur Lebensader der Stadtgesellschaft – und ihre Multifunktionalität entscheidet über die Handlungsfähigkeit der Kommune.

Ein weiterer Hebel liegt in der Gestaltung smarter Quartiere. Hier kommen digitale Lösungen ins Spiel: Intelligente Steuerungssysteme, Frühwarnmechanismen und automatisierte Notfallpläne können helfen, Blackout-Szenarien frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten. Sensorik und Monitoring ermöglichen es, die Resilienz urbaner Systeme zu überwachen und gezielt zu stärken. Doch Vorsicht: Wer sich zu sehr auf digitale Lösungen verlässt, läuft Gefahr, im Ernstfall ohne analoge Backups handlungsunfähig zu sein. Smarte Resilienz heißt deshalb immer auch: Digitalisierung mit Augenmaß und Redundanz.

Die Integration von Resilienz in die Stadtstruktur stellt Planer und Investoren vor neue Herausforderungen – aber auch Chancen. Immobilien, die als energieautarke Quartiere konzipiert sind, gewinnen an Attraktivität. Öffentliche Gebäude mit Notstromversorgung, flexiblem Raumangebot und Anbindung an grüne Infrastrukturen bieten Mehrwert für Nutzer und Kommune. Förderprogramme und städtebauliche Verträge können Anreize schaffen, Resilienz als Qualitätsmerkmal zu etablieren. Und nicht zuletzt eröffnet die Beteiligung der Bevölkerung neue Potenziale: Wer die Stadtgesellschaft in die Entwicklung resilienter Strukturen einbindet, stärkt das Gemeinschaftsgefühl und sorgt für eine breite Verankerung von Krisenwissen.

Internationale Beispiele zeigen, dass resiliente Stadtentwicklung kein ferner Zukunftstraum ist. In Kopenhagen sorgen Quartiersbatterien und Microgrids für eine unabhängige Energieversorgung ganzer Wohnviertel. In Tokio werden öffentliche Parks gezielt als Notfallzentren ausgebaut. In Zürich und Basel werden grüne Infrastrukturen systematisch mit Notfallfunktionen verknüpft. Die Lehre für den deutschsprachigen Raum: Wer heute in Resilienz investiert, spart morgen nicht nur Kosten, sondern gewinnt an Lebensqualität – und an Sicherheit.

Das Ziel ist klar: Die Stadt der Zukunft muss in der Lage sein, Energiekrisen nicht nur zu überstehen, sondern gestärkt daraus hervorzugehen. Das erfordert ein neues Verständnis von Stadtstruktur, das Technik, Raum und Gesellschaft ganzheitlich denkt. Wer diesen Weg geht, wird die Herausforderungen des Blackouts nicht nur meistern, sondern als Innovationsmotor für die urbane Transformation nutzen.

Governance, Verantwortung und gesellschaftliche Resilienz: Wer gestaltet die widerstandsfähige Stadt?

Die beste Technik, die raffinierteste Planung und die grünste Infrastruktur helfen wenig, wenn die Governance nicht stimmt. Resilienz gegen Energieblackouts ist eine Querschnittsaufgabe, die Akteure aus Verwaltung, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft gleichermaßen fordert. Die zentrale Frage lautet: Wer trägt Verantwortung für die Resilienz der Stadt – und wie lässt sich diese Verantwortung in effektive Strukturen übersetzen?

In der Praxis zeigt sich, dass klassische Zuständigkeiten oft an ihre Grenzen stoßen. Energieversorgung, Katastrophenschutz, Stadtplanung und Umweltmanagement arbeiten vielfach in getrennten Silos. Das erschwert die Entwicklung integrierter Resilienzstrategien. Gefragt sind daher neue Formen der Zusammenarbeit: Resilienz-Boards, interdisziplinäre Taskforces oder ressortübergreifende Koordinierungsstellen können helfen, Kompetenzen zu bündeln und Entscheidungswege zu verkürzen. Entscheidende Voraussetzung: die Bereitschaft, Verantwortung zu teilen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Eine weitere Herausforderung liegt in der Einbindung der Stadtgesellschaft. Resilienz kann nicht verordnet werden – sie muss gelebt werden. Das erfordert transparente Kommunikation, niederschwellige Beteiligungsformate und die Vermittlung von Krisenkompetenz. Notfallübungen, Informationskampagnen und die Förderung von Nachbarschaftsnetzwerken sind wichtige Bausteine. Denn im Ernstfall sind es die Menschen vor Ort, die entscheiden, wie handlungsfähig eine Stadt bleibt. Die Förderung sozialer Resilienz ist deshalb genauso wichtig wie die technische Absicherung.

Doch auch die Governance von Innovationen birgt Risiken. Wer entscheidet, welche Technologien eingesetzt werden? Wie werden Prioritäten gesetzt, wenn Ressourcen knapp sind? Und wie lässt sich verhindern, dass Resilienzstrategien zu einer neuen Form sozialer Ungleichheit führen – etwa, wenn wohlhabende Quartiere besser geschützt sind als benachteiligte Stadtteile? Hier sind Transparenz, demokratische Kontrolle und eine sozial ausgewogene Planung unverzichtbar.

Nicht zuletzt spielt die Rolle des Rechts eine zentrale Rolle. Baurecht, Energierecht und Katastrophenschutzgesetzgebung müssen so gestaltet werden, dass sie Innovationen ermöglichen, ohne die Sicherheit zu gefährden. Das erfordert Mut zu neuen Regelungen, Experimentierklauseln und eine kontinuierliche Evaluation der Wirksamkeit. Wer die Governance der Resilienz vernachlässigt, riskiert, dass gute Ideen im Verwaltungsdickicht versanden.

Die resiliente Stadt ist daher mehr als das Produkt technischer Lösungen. Sie ist das Ergebnis eines gemeinsamen Lernprozesses von Verwaltung, Wirtschaft und Stadtgesellschaft. Verantwortungsbewusste Governance, partizipative Strukturen und eine breite Verankerung von Resilienz in der Alltagskultur sind die entscheidenden Erfolgsfaktoren. Nur so lässt sich die visionäre Kraft der resilienten Stadtstruktur entfalten – und der Blackout zum Innovationsmotor für lebenswerte Städte machen.

Fazit: Blackouts als Stresstest und Chance für die Zukunft der Stadtstruktur

Resilienz gegen Energieblackouts ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit für die Stadt von morgen. Die Risiken sind real – und sie treffen urbane Räume mit voller Wucht. Doch genau darin liegt auch die Chance: Wer die Stadtstruktur als dynamisches, lernfähiges System versteht, kann Herausforderungen in Innovationen verwandeln. Dezentrale Energieversorgung, multifunktionale Grünräume, smarte Quartiere und eine starke Governance sind die Schlüsselelemente einer widerstandsfähigen Stadtentwicklung.

Der Weg dorthin ist anspruchsvoll, voller Zielkonflikte und manchmal unbequem. Aber er lohnt sich: Eine resiliente Stadtstruktur schützt nicht nur vor den Folgen des Blackouts, sondern stärkt auch die Alltagsqualität, die soziale Kohäsion und die ökologische Leistungsfähigkeit urbaner Räume. Wer heute in Resilienz investiert, erntet morgen Sicherheit, Lebensqualität und Innovationskraft.

Für Planer, Landschaftsarchitekten und Kommunen im deutschsprachigen Raum ist jetzt der richtige Moment, mutig voranzugehen. Die Gestaltung der resilienten Stadtstruktur ist mehr als eine technische Aufgabe – sie ist ein kreativer, gesellschaftlicher und politischer Prozess. Es gilt, die Kräfte zu bündeln, neue Allianzen zu schmieden und gemeinsam die Stadt der Zukunft zu bauen: eine Stadt, die auch im Dunkeln leuchtet.

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Barbara Steiner wechselt zu Bauhaus-Stiftung

Barbara Steiner Portraet

Porträt von Barbara Steiner (Foto: J.J. Kucek)

Gemeinsam mit Topotek 1 gastkuratierte Barbara Steiner vergangenes Jahr die Juliausgabe der Garten + Landschaft. Nun verkündete die Stiftung Bauhaus Dessau: Ab dem 1. September übernimmt Barbara Steiner die Position als Direktorin und Vorstand der Stiftung. Was Sie über die promovierte Kunsthistorikerin wissen sollten, das lesen Sie hier.

Bei der Bewerbung als neue Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau setzte sich die Österreicherin Barbara Steiner gegen 32 internationale Bewerber*innen durch. Im offiziellen Statement beschreibt der Stiftungsratsvorsitzende Rainer Robra die promovierte Kunsthistorikerin als „herausragende Persönlichkeit mit profundem Wissen über die Auseinandersetzung mit der Moderne“. Er betont ihre langjährige Leitungserfahrung in Kultureinrichtungen sowie auch ihre Praxiserfahrungen in Ostdeutschland. Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt Robra traue ihr zu, „lokal relevante Themen an globale Diskurse zu knüpfen und damit die Stiftung Bauhaus Dessau und den Kulturstandort Sachsen-Anhalt weiterzuentwickeln.“

Barbara Steiner will Stiftungsarbeit ausbauen

Barbara Steiner wird ihre neue Position zum 1. September 2021 antreten. Sie gibt damit ihre aktuelle Position als Direktorin des Kunsthauses Graz auf. Sie hat diese inzwischen seit 2016 inne. Zuvor arbeitete sie zwei Jahre als Vertretungsprofessorin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig für den Master „Kulturen des Kuratorischen“. In den 1990er- und 2000-Jahren leitete sie Kunstvereine in Ludwigsburg und Wolfsburg. Ebenso war sie für die Stiftung Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) in Leipzig aktiv. Zudem bringt sie mehrjährige Lehrerfahrung aus Lehrtätigkeiten in Linz, Kopenhagen und Wien mit. Studiert hat Barbara Steiner außerdem Kunstgeschichte und Politikwissenschaften an der Universität Wien. Sie promovierte zur „Ideologie des weißen Ausstellungsraumes“.
Sie selber freue sich auf die neue Aufgabe, so Steiner und darauf, die bislang geleistete hervorragende Arbeit der Stiftung Bauhaus Dessau weiterzuführen beziehungsweise auszubauen.

„Feine Sahne Fischfilet“-Diskussion 2018

Apropos bislang geleistete Arbeit: Barbara Steiner folgt in ihrer neuen Position im Übrigen auf Dr. Claudia Perren. Die Stelle war damit knapp ein Jahr vakant. Perren war von 2014 bis 2020 Direktorin der Stiftung Bauhaus-Dessau. Sie verließ die Stiftung zum 31. Juli 2020 auf eigenen Wunsch. Dr. Perren ist vermutlich vielen noch ein Begriff. Die deutsche Architekturtheoretikerin stand 2018 im Fokus einer Debatte zwischen Rechts- und Linksextremismus sowie der Frage, wie politisch das Bauhaus sei. Unter Perrens Leitung hatte die Stiftung Bauhaus Dessau den Auftritt der Band „Feine Sahne Fischfilet“ abgesagt. Dieser sollte in der Konzertreihe zdf@bauhaus auf der Bauhaus-Bühne stattfinden. Im Oktober 2018 interviewten die Kolleg*innen von der ZEIT Claudia Perren hierzu. Inzwischen ist Perren seit dem August 2020 Direktorin der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel.

G+L arbeitete 2020 mit Barbara Steiner und Topotek 1 zusammen

Uns, in der G+L Redaktion, freut die neue Besetzung der Bauhaus-Direktion sehr. Gemeinsam mit Topotek 1 gastkuratierte Barbara Steiner die Juliausgabe 2020 der Garten + Landschaft. Das Heftthema: die Kunst. Mit Barbara Steiner holten sich die beiden Büropartner Martin Rein-Cano und Lorenz Dexler Unterstützung hierfür. Gemeinsam mit ihr hatten sie bereits unter anderem die Monografie „Creative Infidelities“ entwickelt und geschrieben. Diese entstand anlässlich des 20-jährigen Bürojubiläums von Topotek 1 im Jahr 2016 .
Kunst spielt in der Arbeit der Berliner Landschaftsarchitekt*innen seit Beginn an auch eine bedeutende Rolle. Kunst und die regelmäßige Zusammenarbeit mit Künstler*innen inspiriert zudem Topotek 1.  So entstand auch die Idee, die Ausgabe gemeinsam mit der Direktorin des Kunsthaus Graz, Barbara Steiner, zu machen.

Topotek 1 im Gespräch mit Barbara Steiner

Bereits bei den ersten Redaktionsterminen in Graz Anfang 2020 konnte die G+L Redaktion miterleben, mit welcher Intensität Barbara Steiner und Martin Rein-Cano über das Verhältnis, die Gemeinsamkeiten, aber auch die Missverständnisse zwischen Landschaftsarchitektur und Kunst diskutierten. Die Idee lag nahe, ein ganzes Heft mit einem Gespräch zwischen den beiden zu füllen. Sie diskutieren im Heft darüber, was Martin Rein-Cano stellvertretend für Topotek 1 an der Kunst fasziniert und in der Landschaftsarchitektur fehlt.

Das Ergebnis ist ein Gespräch zwischen Martin Rein-Cano und Barbara Steiner, das sich durch das komplette Heft zieht. Die beiden diskutieren hier, wie gefakte und tatsächliche Realität zueinanderstehen. Sie sprechen darüber, wo die Landschaftsarchitektur ins Spiel kommt und wie unehrlich der Englische Landschaftsgarten ist.

Ein Plädoyer in Pink

Martin Rein-Cano und Barbara Steiner besprechen auch Gleichungen wie Barock=Bauhaus. Sie diskutieren Rein-Canos Bedürfnis nach einer „Grundnervosität“. Sie philosophieren das Projekt „Bahn­deckel Theresienhöhe“, das Topotek 1 gemeinsam mit der Künstlerin Rosemarie Trockel umsetzten.

Das Endprodukt des ersten gastkuratierten Ausgabe der Garten+Landschaft? Ein Plädoyer für mehr Freiheit und weniger Utilitarismus in der Planung. Ein Plädoyer für den Mut, Widersprüche zu erzeugen und auch einmal zu scheitern. In Pink. Hier können Sie das Heft im Shop erwerben.

bauchplan ).( folgt auf Topotek 1

Die nächste gastkuratierte Garten + Landschaft erscheint im Übrigen mit der Juli-Ausgabe 2021 unter Federführung des Planungs-Kollektivs bauchplan).(. Mehr zu der G+L kuratiert von bauchplan).( lesen Sie hier.

Das Kollektiv machte mit Projekten wie dem Wohnbauprojekt „wagnisART“ in München oder seinem Entwurf für den Londoner Highline-Park auf sich aufmerksam. Es kann national und international, den kleinen wie auch großen Maßstab, Landschaftsarchitektur wie auch Stadtplanung.

bauchplan).( lässt sich in keine Schublade packen. Vielmehr stehen das Büro und sein vielseitiges Projektportfolio für intelligente Ansätze. Das Kollektiv findet stets raumplanerische und lokalspezifische Lösungen auf aktuelle Herausforderungen wie Klimawende, Inklusion oder Flächenkonkurrenz.

Und wir, wir sind gespannt, was dann die neue Bauhaus-Direktorin Barbara Steiner zur bauchplan-G+L sagen wird. Sie auch?

Mit einem Bundesverdienstkreuz am Bande wurde die Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard in München ausgezeichnet.

Seit vielen Jahren setzt sich die Landschaftsarchitektin als Mitglied und Vorsitzende in verschiedenen Gremien für Stadtentwicklung, Landschaftsarchitektur und Landschaftsökologie ein. Sie leitete im Planungsreferat der Stadt München die Abteilung Grünplanung und arbeitete als Geschäftsführerin der BUGA 2005 GmbH das Konzept der Bundesgartenschau für die Messestadt Riem erfolgreich mit aus. Dabei waren die Aspekte Ökologie, Ökonomie und Soziales für Sie stets ein zentrales Thema.
Darüber hinaus fördert sie Städtebau und Landesplanung in Wissenschaft und Praxis. Beispielsweise im Stiftungsrat der Bundesstiftung Baukultur, im Bundeskongress zur Nationalen Stadtentwicklungspolitik des Bundesbauministeriums oder als Vorsitzende der Landesgruppe Bayern der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL).