Wenn Regen fällt, entscheidet die Planung, wohin das Wasser fließt. Eine Retentionsanlage ist das zentrale Instrument, um Niederschlagswasser gezielt zurückzuhalten, zwischenzuspeichern und kontrolliert abzugeben. Sie steht an der Schnittstelle von Wasserwirtschaft, Freiraumplanung und Stadtentwicklung und ist längst kein technisches Nischenthema mehr, sondern eine Grundvoraussetzung für widerstandsfähige, lebenswerte Städte im Zeitalter zunehmend extremer Niederschlagsereignisse.
- Was eine Retentionsanlage ist und wie sie sich von verwandten Konzepten abgrenzt
- Welche Typen von Retentionsanlagen existieren und wie sie sich in der Planung unterscheiden
- Welche hydraulischen und hydrologischen Grundlagen die Dimensionierung bestimmen
- Wie Retentionsanlagen in die Freiraumplanung und Stadtentwicklung integriert werden
- Welche Normen, Regelwerke und Planungsgrundlagen für Deutschland relevant sind
- Welche ökologischen und stadtklimarelevanten Mehrwerte eine Retentionsanlage bieten kann
- Welche typischen Planungsfehler und Unterhaltungsprobleme auftreten
- Wie Retentionsanlagen in das größere Konzept der Schwammstadt eingebettet sind
Definition und Einordnung: Was ist eine Retentionsanlage?
Der Begriff Retentionsanlage bezeichnet eine technische oder naturnahe Einrichtung, die Niederschlagswasser oder Abflusswasser temporär zurückhält, um die Abflussspitze eines Regenereignisses zeitlich zu strecken und mengenmäßig zu dämpfen. Das Wort Retention leitet sich vom lateinischen „retinere“ ab und bedeutet sinngemäß „zurückhalten“. Im wasserwirtschaftlichen Sprachgebrauch ist Retention die Fähigkeit eines Systems, Wasservolumen aufzunehmen und verzögert wieder abzugeben. Eine Retentionsanlage macht diesen Prozess planbar, steuerbar und räumlich verortbar.
Abzugrenzen ist die Retentionsanlage von der bloßen Versickerungsanlage, die Niederschlagswasser dauerhaft in den Untergrund einleitet, ohne es zwischenzuspeichern, sowie von der Zisterne, die Regenwasser zur Wiederverwendung sammelt. Während Versickerung und Nutzung das Wasser dem Abflusssystem dauerhaft entziehen, gibt die Retentionsanlage das zurückgehaltene Volumen nach dem Regenereignis gedrosselt und zeitverzögert an das Kanalnetz, ein Gewässer oder den Untergrund ab. Diese Drosselung ist das definitorische Kernmerkmal: Sie schützt das nachgelagerte Entwässerungssystem vor hydraulischer Überlastung.
In der Fachsprache begegnet man verwandten Begriffen wie Regenrückhaltebecken, Retentionsbecken, Retentionsmulde, Retentionsdach oder Retentionsbodenfilter. All diese Anlagen teilen das Grundprinzip der zeitlichen Entkopplung von Zufluss und Abfluss. Sie unterscheiden sich jedoch erheblich in ihrer baulichen Form, ihrer Lage im Entwässerungssystem, ihrem Speichervolumen und ihren ökologischen Begleitfunktionen. Eine sorgfältige Begriffsklärung ist in der Planungspraxis unerlässlich, weil Verwechslungen zu falschen Dimensionierungsansätzen führen können.
Typen von Retentionsanlagen: Vom Becken bis zur begrünten Fläche
Die häufigste und bekannteste Form ist das Regenrückhaltebecken, ein erdvertieftes oder eingedeichtes Becken, das Abflusswasser aus Kanälen oder Freiflächen aufnimmt und über ein Drosselorgan kontrolliert abgibt. Solche Becken werden als offene Anlage mit Dauerstau, als trockene Anlage ohne permanenten Wasserstand oder als unterirdische Variante in Form von Rohr- oder Kastenspeichern ausgeführt. Offene Becken mit Dauerstau bieten neben der hydraulischen Funktion ökologische Potenziale als Feuchtbiotop, sind aber aufwendiger in der Unterhaltung. Trockene Becken, die nur bei Starkregen gefüllt werden, lassen sich als Freiflächen multifunktional nutzen, zum Beispiel als Spielwiese oder Bolzplatz, solange kein Ereignis eintritt.
Retentionsmulden sind flächige, bepflanzte Vertiefungen im Gelände, die Niederschlagswasser oberflächig aufnehmen und über die Muldenoberfläche oder einen Überlauf gedrosselt abgeben. Sie sind ein zentrales Element der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung und werden häufig in Verbindung mit Versickerung geplant, als sogenannte Mulden-Rigolen-Systeme. Dabei versickert ein Teil des Wassers im Untergrund, während der Rest gedrosselt abgeleitet wird. Retentionsmulden sind in der Freiraumplanung besonders attraktiv, weil sie als Grünflächen gestaltet werden können und gleichzeitig eine hydraulische Funktion übernehmen.
Retentionsdächer, auch Gründächer mit Retentionsfunktion genannt, halten Niederschlagswasser auf der Dachfläche zurück und geben es verzögert über Ablaufdrosseln ab. Sie kombinieren die thermische und ökologische Wirkung extensiver oder intensiver Begrünung mit einer messbaren Abflussverzögerung. Für die Dimensionierung ist entscheidend, wie viel Wasservolumen das Substrat und der Dachaufbau speichern können, bevor der Ablauf einsetzt. Retentionsdächer sind in dicht bebauten Innenstadtlagen besonders wertvoll, weil sie Retentionsvolumen dort schaffen, wo Freiflächen fehlen.
Retentionsbodenfilter sind eine Sonderform, die Retention mit Reinigungsfunktion verbindet. Sie werden eingesetzt, wenn Niederschlagswasser von belasteten Flächen, etwa stark befahrenen Straßen oder Gewerbeflächen, vor der Einleitung in ein Gewässer gereinigt werden muss. Das Wasser wird über ein bepflanztes Filtersubstrat geleitet, das Schadstoffe zurückhält, bevor das gereinigte Wasser gedrosselt abgegeben wird. Diese Anlagen sind technisch anspruchsvoll und erfordern eine sorgfältige Substratauswahl sowie eine regelmäßige Kontrolle der Filterleistung.
Hydraulische Grundlagen und Dimensionierung
Die Dimensionierung einer Retentionsanlage basiert auf hydrologischen und hydraulischen Berechnungen, die das Verhältnis zwischen zufließendem Wasservolumen, dem erforderlichen Speichervolumen und dem zulässigen Drosselabfluss beschreiben. Ausgangspunkt ist das Bemessungsregenereignis, also jener Niederschlag, für den die Anlage ausgelegt wird. In Deutschland wird dieses Ereignis in der Regel durch Bemessungsregen nach DWA-Regelwerk beschrieben, wobei die DWA-Arbeitsblätter A 117 und A 138 sowie das Arbeitsblatt DWA-A 118 zu den maßgeblichen Planungsgrundlagen gehören. Das Arbeitsblatt DWA-A 117 behandelt speziell die Bemessung von Regenrückhalteräumen und gibt Verfahren zur Ermittlung des erforderlichen Speichervolumens vor.
Das Speichervolumen ergibt sich vereinfacht aus der Differenz zwischen dem Zuflussvolumen während des Bemessungsereignisses und dem Volumen, das während desselben Zeitraums über den Drosselabfluss abgegeben werden kann. Je kleiner der zulässige Drosselabfluss, desto größer muss das Speichervolumen sein. Der zulässige Drosselabfluss wird häufig durch den Aufnahmekapazität des nachgelagerten Kanalnetzes oder eines Gewässers bestimmt und kann in Bebauungsplänen oder wasserrechtlichen Genehmigungen als Grenzwert festgelegt sein. Typische Drosselabflusswerte liegen je nach Standort und Planungsanforderung zwischen wenigen Litern pro Sekunde und Hektar bis zu mehreren Dutzend Litern pro Sekunde und Hektar.
Für die Berechnung des Zuflussvolumens ist der Abflussbeiwert der angeschlossenen Flächen entscheidend. Versiegelte Flächen wie Dachflächen oder Asphaltparkplätze haben hohe Abflussbeiwerte nahe eins, das heißt nahezu der gesamte Niederschlag fließt ab. Begrünte Flächen, Kiesflächen oder Pflasterflächen mit Fugenversickerung haben deutlich niedrigere Abflussbeiwerte. Die Ermittlung der abflusswirksamen Fläche, also der mit dem Abflussbeiwert gewichteten Gesamtfläche des Einzugsgebiets, ist ein zentraler Schritt in jeder Retentionsplanung. Fehler bei der Flächenermittlung führen direkt zu einer Unter- oder Überdimensionierung der Anlage.
Klimaanpassung verändert die Anforderungen an die Dimensionierung spürbar. Starkregenereignisse nehmen in ihrer Intensität zu, und Bemessungsregen, die auf historischen Messdaten basieren, können die tatsächliche Belastung künftiger Jahrzehnte unterschätzen. Fachleute empfehlen deshalb, bei der Dimensionierung von Retentionsanlagen Klimazuschläge zu berücksichtigen und Anlagen so zu gestalten, dass sie bei Überschreitung des Bemessungsereignisses kontrolliert überlasten, ohne Schäden an Gebäuden oder Infrastruktur zu verursachen. Dieses Prinzip des „Überflutungsnachweises“ ist in der aktuellen Fachdiskussion fest verankert.
Integration in Freiraum und Stadtentwicklung
Eine Retentionsanlage ist mehr als ein wasserwirtschaftliches Ingenieurbauwerk. Gut geplant ist sie ein Bestandteil des städtischen Freiraums, der hydraulische Funktion mit Aufenthaltsqualität, Ökologie und Stadtklima verbindet. Diese Mehrfachnutzung ist kein Luxus, sondern eine planerische Notwendigkeit in dicht besiedelten Räumen, wo Flächen knapp und teuer sind. Retentionsmulden in Wohnquartieren können als Spielbereiche gestaltet werden, die bei Trockenwetter bespielbar sind und bei Regen als temporäre Wasserflächen erlebbar werden. Offene Retentionsbecken in Stadtrandlagen können als Biotopflächen entwickelt werden, die Amphibien, Libellen und Wasservögeln Lebensraum bieten.
Die Freiraumplanung hat hier eine gestaltende Verantwortung, die über das reine Ingenieurwesen hinausgeht. Die Einbindung einer Retentionsanlage in den Freiraum erfordert eine enge Abstimmung zwischen Landschaftsarchitektur, Wasserwirtschaft und Stadtplanung. Geländemodellierung, Bepflanzung, Wegeführung und Ausstattung müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass die hydraulische Funktion dauerhaft gewährleistet bleibt und gleichzeitig eine hohe Aufenthaltsqualität entsteht. Besonders die Bepflanzung von Böschungen und Sohlbereichen erfordert Sorgfalt: Tiefwurzelnde Gehölze können Dichtungsschichten beschädigen, während flach wurzelnde Stauden und Gräser die Böschungsstabilität fördern und gleichzeitig ökologisch wertvoll sind.
Im Kontext der Schwammstadt, einem Planungskonzept, das Städte durch dezentrale Regenwasserbewirtschaftung widerstandsfähiger gegen Starkregen und Trockenheit machen will, sind Retentionsanlagen ein Kernbaustein. Das Schwammstadtprinzip setzt auf eine Kaskade von Maßnahmen: Niederschlagswasser wird zunächst auf der Fläche zurückgehalten, dann verdunstet, versickert oder genutzt, und erst der verbleibende Überschuss wird gedrosselt abgeleitet. Retentionsanlagen übernehmen in dieser Kaskade die Funktion des Pufferspeichers, der Abflussspitzen auffängt, die durch vorgelagerte Maßnahmen nicht vollständig eliminiert werden konnten.
In der Bauleitplanung werden Retentionsanlagen zunehmend als Festsetzung in Bebauungsplänen verankert. Flächen für Regenrückhaltung können als Grünflächen mit der Zweckbestimmung „Regenrückhaltung“ oder als Flächen für wasserwirtschaftliche Anlagen festgesetzt werden. Die wasserrechtliche Genehmigung nach Landeswassergesetz ist in der Regel erforderlich, wenn die Anlage Wasser in ein Gewässer einleitet oder wenn erhebliche Eingriffe in den Wasserhaushalt zu erwarten sind. Die frühzeitige Abstimmung mit der zuständigen Wasserbehörde ist deshalb ein unverzichtbarer Schritt im Planungsprozess.
Ökologische Mehrwerte und Biodiversität
Retentionsanlagen mit Dauerstau oder periodischer Wasserführung gehören zu den ökologisch wertvollsten Elementen, die im Rahmen von Erschließungsplanungen entstehen können. Temporäre Gewässer, also Flächen, die nur nach Regenereignissen Wasser führen, sind in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft selten geworden und bieten spezialisierten Arten wie bestimmten Amphibienarten, Libellen und Wasserinsekten unverzichtbare Lebensräume. Trockene Retentionsbecken mit naturnaher Bepflanzung aus Röhricht, Hochstauden und Gehölzsäumen können als Trittsteinbiotope in der städtischen Grünstruktur wirken und die Vernetzung von Lebensräumen fördern.
Die Bepflanzung von Retentionsanlagen folgt eigenen Regeln, die sich aus den wechselnden Wasserständen und der mechanischen Belastung durch Zufluss und Ablauf ergeben. In der Sohle und an den unteren Böschungsbereichen kommen Pflanzen der Röhrichtzone zum Einsatz: Schilf (Phragmites australis), Rohrkolben (Typha-Arten), Seggen (Carex-Arten) und Binsen (Juncus-Arten) sind typische Vertreter. Die oberen Böschungsbereiche, die nur selten überstaut werden, eignen sich für Wechselflurgesellschaften aus Stauden und Gräsern, die Trockenheit und gelegentliche Überflutung gleichermaßen tolerieren. Gehölze werden in der Regel nur außerhalb des Retentionsraums gepflanzt, um Wurzeleinwuchs in Dichtungen und Drosselorgane zu vermeiden.
Retentionsanlagen leisten auch einen Beitrag zum Stadtklima. Offene Wasserflächen und feuchte Vegetationsflächen erhöhen die Verdunstungsleistung im städtischen Raum und tragen zur Abkühlung bei Hitzeperioden bei. Dieser Effekt ist in dicht bebauten Quartieren besonders wertvoll, wo Hitzeinseleffekte die Aufenthaltsqualität und die Gesundheit der Bevölkerung belasten. Die Kombination aus Retentionsfunktion und Verdunstungskühlung macht Retentionsanlagen zu einem doppelt wirksamen Instrument der Klimaanpassung.
Typische Planungsfehler und Unterhaltungsanforderungen
Einer der häufigsten Fehler in der Planung von Retentionsanlagen ist die Unterschätzung des Einzugsgebiets. Wenn im Laufe der Nutzungsdauer zusätzliche versiegelte Flächen an die Anlage angeschlossen werden, ohne das Speichervolumen anzupassen, wird die Anlage regelmäßig überlastet. Dieser schleichende Prozess ist schwer zu erkennen, weil einzelne Ereignisse zunächst noch beherrschbar erscheinen, bis ein intensiveres Regenereignis die Überlastung sichtbar macht. Eine sorgfältige Dokumentation des angeschlossenen Einzugsgebiets und eine regelmäßige Überprüfung sind deshalb unverzichtbar.
Ein weiterer verbreiteter Fehler ist die mangelhafte Planung des Drosselorgans. Drosselorgane, also Blenden, Wirbeldrosseln oder gesteuerte Schieber, sind die hydraulisch kritischsten Bauteile einer Retentionsanlage. Sie müssen so dimensioniert sein, dass sie auch bei Verklausungen durch Laub, Treibgut oder Sediment noch ausreichend funktionieren. Drosselöffnungen, die zu klein gewählt werden, um einen sehr niedrigen Drosselabfluss zu erreichen, neigen besonders stark zur Verstopfung und erfordern intensive Unterhaltung. Eine robuste Lösung mit ausreichend großen Öffnungen und einem vorgelagerten Rechenkorb ist einer filigranen Konstruktion mit minimalem Wartungsaufwand in der Theorie stets vorzuziehen.
Die Unterhaltung einer Retentionsanlage ist eine Daueraufgabe, die bei der Planung oft unterschätzt wird. Zu den regelmäßigen Aufgaben gehören:
- Kontrolle und Reinigung des Drosselorgans und des Zulaufbereichs nach jedem größeren Regenereignis
- Entfernung von Sedimenten aus der Beckensohle, wenn die Speicherkapazität durch Verschlammung abnimmt
- Pflege der Böschungs- und Sohlbepflanzung, einschließlich Mahd, Gehölzschnitt und Entfernung unerwünschter Aufwüchse
- Inspektion der Dichtungsschichten und Böschungssicherungen auf Schäden durch Erosion, Tierverbiss oder Wurzeldruck
- Überprüfung der Gesamtfunktion durch Probestauereignisse oder hydraulische Kontrolle
Retentionsanlagen, die nicht ausreichend unterhalten werden, verlieren schleichend ihre Funktion. Eine zugewachsene Drosselöffnung, ein verlandetes Becken oder eine beschädigte Böschung können im Ernstfall dazu führen, dass die Anlage beim nächsten Starkregenereignis nicht die geplante Schutzwirkung entfaltet. Die Unterhaltungskosten müssen deshalb bereits bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung in der Planungsphase realistisch einkalkuliert werden.
Retentionsanlage im Planungsrecht und in der Praxis
Wasserrechtlich werden Retentionsanlagen in Deutschland durch das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) des Bundes und die jeweiligen Landeswassergesetze geregelt. Die Einleitung von Niederschlagswasser in ein Gewässer bedarf in der Regel einer wasserrechtlichen Erlaubnis, die von der zuständigen unteren Wasserbehörde erteilt wird. Für die Einleitung in das öffentliche Kanalnetz ist eine Genehmigung des Netzbetreibers erforderlich, der häufig Anforderungen an den maximalen Drosselabfluss stellt. Diese Anforderungen variieren je nach Bundesland, Gemeinde und Netzzustand erheblich und müssen frühzeitig in der Planung abgefragt werden.
In der kommunalen Praxis werden Retentionsanlagen häufig im Rahmen von Erschließungsplanungen für neue Wohn- oder Gewerbegebiete geplant. Die Anlage wird dabei als gemeinschaftliche Infrastruktur für das gesamte Gebiet errichtet und nach Fertigstellung an die Gemeinde oder einen Zweckverband übergeben. Die Sicherung der Fläche im Bebauungsplan, die Regelung der Unterhaltungslast und die Finanzierung der Betriebskosten sind dabei planerische und rechtliche Fragen, die frühzeitig geklärt sein müssen. Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass Konflikte über Unterhaltungspflichten und Kostentragung zu den häufigsten Problemen im Betrieb solcher Anlagen gehören.
Für Bestandsgebiete, in denen Kanäle durch den Klimawandel zunehmend überlastet werden, bieten Retentionsanlagen eine Möglichkeit zur Nachrüstung. Hier ist die Flächenverfügbarkeit oft der limitierende Faktor. Unterirdische Speicher unter Parkplätzen, Straßen oder öffentlichen Plätzen können eine Lösung sein, wenn oberirdische Flächen fehlen. Sie sind jedoch teurer in Bau und Unterhaltung als oberirdische Anlagen und bieten keine ökologischen Zusatzleistungen. Die Abwägung zwischen unterirdischer und oberirdischer Lösung ist eine der zentralen Planungsentscheidungen, die von den spezifischen Standortbedingungen abhängt.
Retentionsanlagen als Baustein resilienter Stadtentwicklung
Die Retentionsanlage ist kein Relikt einer rein technischen Wasserwirtschaft, sondern ein Instrument, das in der modernen Stadtentwicklung an Bedeutung gewinnt, je mehr Städte mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert werden. Starkregenereignisse, die früher als Ausnahme galten, werden zur Planungsnorm. Kanalnetze, die auf den Abflussstandards vergangener Jahrzehnte basieren, stoßen an ihre Grenzen. In diesem Kontext ist die Retentionsanlage, ob als Becken, Mulde, Dach oder Bodenfilter, ein unverzichtbares Werkzeug, das Abflussspitzen dämpft, Gewässer schützt und urbane Überflutungen verhindert.
Was die Retentionsanlage von einer rein technischen Lösung unterscheidet, ist ihr Potenzial zur Mehrfachnutzung. Wer Retention als Freiraum denkt, als Biotop, als Spielfläche, als Kühlungselement und als Ort der Begegnung mit dem Wasserkreislauf, schafft städtische Infrastruktur, die mehr leistet als ihre Primärfunktion. Dieses Denken in Synergien ist das Kennzeichen einer reifen Planungskultur, die technische Notwendigkeit und gestalterischen Anspruch nicht als Gegensätze begreift, sondern als zwei Seiten derselben Aufgabe.
Für Landschaftsarchitekten, Stadtplaner und Wasserwirtschaftler bedeutet das: Die Retentionsanlage ist kein Restprodukt der Erschließungsplanung, das am Ende des Prozesses auf einer Restfläche untergebracht wird. Sie ist ein Entwurfselement, das frühzeitig in das Planungskonzept integriert werden muss, mit ausreichend Fläche, sorgfältiger Detailplanung, realistischer Unterhaltungsplanung und dem Bewusstsein, dass ihre Funktion im Ernstfall Leben und Sachwerte schützt. Wer diesen Anspruch ernst nimmt, plant Retentionsanlagen nicht als Pflichterfüllung, sondern als Qualitätsmerkmal einer nachhaltigen Stadtlandschaft.


















