Retentionsdächer und ihre Stadtwirkung – Praxisbeispiele und Monitoring

luftaufnahme-einer-stadt-durch-die-ein-fluss-fliesst-P2d8SKdbjEE
Eine architektonisch interessante Stadt mit zentral verlaufendem Fluss, fotografiert von Carrie Borden.

Wassermanagement auf dem Dach, Klimaanpassung zum Anfassen und dabei die Stadtentwicklung gleich mit auf dem Prüfstand? Retentionsdächer sind keine bloße technische Spielerei für ein paar ambitionierte Bauherren. Sie sind das Labor der klimaresilienten Stadt und der Lackmustest für nachhaltige Flächenentwicklung. Doch wie wirken sie tatsächlich im Quartier? Was verraten Monitoringdaten aus der Praxis? Und wie lassen sich die Erfahrungen sinnvoll skalieren? Willkommen im Dachgarten der urbanen Zukunft – und im datengetriebenen Diskurs von G+L.

  • Definition und Funktionsweise von Retentionsdächern im Kontext urbaner Wasserwirtschaft
  • Stadtklimatische Effekte und Synergien für Biodiversität, Mikroklima und Hitzereduktion
  • Kritische Praxisbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Monitoringdaten
  • Analyse stadtplanerischer Herausforderungen: Flächenpotenziale, Integration in Bebauungspläne, rechtliche Rahmen
  • Monitoring als Schlüssel zum Erfolg: Sensorik, Datenauswertung, Langzeiteffekte
  • Wechselwirkungen mit Quartiersentwicklung, Mobilitäts- und Energieinfrastruktur
  • Typische Hürden: Baukosten, Wartung, Akzeptanz und Governance-Modelle
  • Innovative Ansätze für Skalierung, Förderung und interdisziplinäre Stadtentwicklung
  • Fazit: Retentionsdächer als Katalysator für die resiliente Stadt von morgen

Retentionsdächer – Definition, Wirkprinzip und stadtplanerische Relevanz

Retentionsdächer sind weit mehr als die grünen Häubchen moderner Bürogebäude. Im Kern handelt es sich um Flachdächer, die gezielt so konstruiert werden, dass sie Niederschläge temporär zurückhalten und verzögert an die Kanalisation abgeben. Während klassische Gründächer vor allem auf Verdunstung und Begrünung setzen, steht bei Retentionsdächern die gezielte Steuerung des Wasserdurchflusses im Mittelpunkt. Der Clou: Mithilfe intelligenter Steuerungselemente und spezieller Substrataufbauten werden Regenmengen zwischengespeichert und erst zeitversetzt abgeleitet. Das Ergebnis ist eine signifikante Entlastung des städtischen Entwässerungssystems – ein nicht zu unterschätzender Vorteil angesichts zunehmend häufiger und intensiver auftretender Starkregenereignisse.

In der urbanen Wasserwirtschaft gelten Retentionsdächer als Gamechanger. Sie verschieben das Paradigma von der schnellen Ableitung hin zur dezentralen, flächenhaften Rückhaltung. Für Stadtplaner eröffnen sich damit neue Möglichkeiten, Flächen mehrfach zu nutzen und den sogenannten „Schwammstadt“-Ansatz konsequent in die Realität umzusetzen. Gerade in hochverdichteten Quartieren, wo Versickerungsflächen rar sind und die Kanalisation am Limit arbeitet, bieten Retentionsdächer eine attraktive Alternative zur aufwändigen Flächenentsiegelung.

Die technische Umsetzung ist dabei ebenso vielfältig wie herausfordernd. Die Retentionsleistung hängt ab von Substratdicke, Dränageschicht, Art und Menge der Vegetation sowie von den eingebauten Abflussreglern. Moderne Systeme arbeiten zunehmend mit IoT-Sensorik, um Wasserstände und Abflüsse in Echtzeit zu steuern – ein Schritt in Richtung digitaler, adaptiver Infrastruktur. Für Planer bedeutet das: Retentionsdächer sind keine statischen Bauteile, sondern Teil eines lernfähigen, vernetzten Systems zur Klimaanpassung.

Stadtklimatisch betrachtet glänzen Retentionsdächer durch ein breites Wirkungsspektrum. Durch die temporäre Wasserhaltung und die Verdunstung entstehen lokale Kühlungseffekte, die gerade in sommerlichen Hitzeperioden zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen. Gleichzeitig fördern sie die Biodiversität – von Insekten bis zu seltenen Pflanzenarten – und liefern wertvolle ökologische Trittsteine im urbanen Gefüge. Die Synergien reichen von der Feinstaubbindung bis zur Lärmreduktion und sind damit ein Paradebeispiel für Multifunktionalität in der Stadtplanung.

Doch so grün und wasserbewusst die Idee auch klingt: Die Integration von Retentionsdächern in die reguläre Stadtentwicklung ist bislang keineswegs Standard. Vielmehr sind es engagierte Kommunen, innovative Wohnungsbaugesellschaften und mutige Entwickler, die vorangehen. Sie schaffen, was vielerorts noch als visionär gilt: Die Kopplung von Dachlandschaft, Regenrückhalt und stadtklimatischer Optimierung im Maßstab ganzer Quartiere. Wer heute über klimaresiliente Städte spricht, kommt an Retentionsdächern schlicht nicht mehr vorbei.

Stadtklimatische Wirkung und Synergien – Retentionsdächer als Motor der Schwammstadt

Die stadtklimatische Bedeutung von Retentionsdächern ist unübersehbar und wird durch aktuelle Forschung wie Monitoringprojekte eindrucksvoll untermauert. Während klassische Gründächer vor allem als Feigenblatt urbaner Nachhaltigkeit galten, setzen Retentionsdächer mit ihrer gezielten Wasserspeicherung neue Maßstäbe: Sie wirken als dezentrale Wasserspeicher, Klimaanlagen und Biodiversitätsinseln zugleich. Ihre Wirkung reicht weit über das einzelne Gebäude hinaus und beeinflusst das gesamte Quartiersklima.

Im Hochsommer sind große Dachflächen oft die Hauptverursacher von Hitzeinseln. Asphalt, Bitumen und Kies speichern Sonnenenergie und geben sie als Wärmestrahlung an die Umgebung ab. Retentionsdächer durchbrechen diesen Kreislauf, indem sie durch Verdunstungskühlung aktiv zur Temperaturreduktion beitragen. Monitoringdaten aus Berlin, München und Zürich belegen Temperaturunterschiede von bis zu fünf Grad Celsius zwischen begrünten Retentionsdächern und konventionellen Flachdächern – ein signifikanter Beitrag zur Minderung urbaner Hitzebelastung.

Gleichzeitig leisten Retentionsdächer einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität. Die intensiven Substratschichten filtern Feinstaub, binden Schadstoffe und bieten Lebensraum für Flora und Fauna. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung neuartiger Vegetationskonzepte, die auf standortangepasste Pflanzen setzen und so nicht nur die Biodiversität fördern, sondern auch die Wartungsintensität minimieren. Im Zusammenspiel mit urbanen Biotopverbünden entstehen so neue ökologische Netzwerke, die weit in die Stadtlandschaft hineinwirken.

Die Synergiepotenziale gehen jedoch noch weiter: Retentionsdächer lassen sich mit Photovoltaik kombinieren, was den Wirkungsgrad der PV-Anlagen durch Kühlung der Module erhöht. Auch die Kopplung mit Regenwassernutzungssystemen für die Bewässerung urbaner Grünflächen wird vielerorts erprobt. Besonders spannend sind Ansätze, die Retentionsdächer als Teil eines integrierten Quartierswassermanagements denken – etwa in Verbindung mit blau-grünen Infrastrukturen wie offenen Wasserläufen, Versickerungsmulden und urbanen Feuchtgebieten.

Stadtplaner und Landschaftsarchitekten stehen damit vor der Aufgabe, Retentionsdächer nicht mehr als singuläre technische Lösung zu betrachten, sondern als Katalysator für ein neues, resilientes Stadtgefüge. Die Herausforderung liegt darin, die vielfältigen Wirkungen in die Quartiersentwicklung zu integrieren, Synergien mit Mobilitäts- und Energiekonzepten herzustellen und die Potenziale für soziale Innovationen zu erschließen. Wer die Schwammstadt ernst meint, muss auf den Dächern beginnen – und dabei die gesamte urbane Matrix im Blick behalten.

Praxisbeispiele und Monitoring – was die Daten wirklich zeigen

Theorie ist gut, Praxis ist besser – und Messdaten sind am besten. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Pilotprojekte und Monitoringstudien zu Retentionsdächern in Deutschland, Österreich und der Schweiz gestartet, die wertvolle Einblicke in Funktionsweise, Wirkung und Herausforderungen liefern. Ein Paradebeispiel liefert die Stadt Hamburg mit dem Projekt „Hamburg Wasser Dach“. Hier wurden auf mehreren öffentlichen Gebäuden Retentionsdächer installiert und mit einer umfangreichen Sensorik ausgestattet, die Niederschlagsmengen, Abflussverhalten, Substratfeuchte und Temperatur kontinuierlich erfasst. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Bis zu 70 Prozent der jährlichen Niederschläge werden auf den Dächern zurückgehalten und verzögert abgegeben. Gleichzeitig zeigten sich deutliche Effekte auf die Gebäudetemperatur und das Mikroklima im Umfeld.

Auch in Zürich setzt man auf Monitoring – allerdings mit einem Schwerpunkt auf die Integration in die Quartiersentwicklung. Im Rahmen des Projekts „Grünes Zürich“ wurden Retentionsdächer in neuen Wohnquartieren installiert und deren Wirkung auf das lokale Klima, die Biodiversität und das Regenwassermanagement untersucht. Die Daten zeigen, dass Retentionsdächer nicht nur die Kanalisation entlasten, sondern auch die Anzahl an Insektenarten und die Vegetationsvielfalt auf den Dächern deutlich erhöhen. Besonders spannend: Die Kombination aus Retentionsdach und urbanem Gemeinschaftsgarten führt zu einer deutlich höheren Akzeptanz bei den Bewohnern – ein oft unterschätzter Erfolgsfaktor.

Wien wiederum setzt auf digitale Steuerung: Im Stadtentwicklungsgebiet Seestadt Aspern wurden großflächige Retentionsdächer mit IoT-basierten Abflussreglern ausgestattet. Das Monitoring zeigt, dass durch intelligente Steuerung die Abflussmengen gezielt an den Pegelstand der umliegenden Gewässer angepasst werden können. Im Sommer wird das gespeicherte Wasser zur Bewässerung von Grünflächen genutzt, im Winter sorgt die verzögerte Abgabe für eine Entlastung der Kanalisation bei Tauwetter. Die Schnittstellen zwischen Gebäudetechnik, Stadtentwässerung und Grünflächenmanagement werden hier zum Experimentierfeld für die vernetzte Infrastruktur der Zukunft.

Ein weiteres Beispiel stammt aus München, wo Retentionsdächer im Bestand nachgerüstet wurden. Die Monitoringdaten belegen, dass auch bei älteren Gebäuden signifikante Verbesserungen der Regenwasserretention und der Dämmwirkung erreicht werden können. Gleichzeitig zeigen die Erfahrungen aber auch die Herausforderungen: Wartung und Pflege der Anlagen sind im Bestand oft aufwendiger, und nicht jedes Gebäude eignet sich ohne Weiteres für eine Nachrüstung. Die Erfolgsfaktoren liegen hier in der sorgfältigen Planung, der Auswahl standortgerechter Vegetation und der Einbindung der Gebäudenutzer.

Zusammengefasst liefern die Praxisbeispiele und Monitoringdaten ein klares Bild: Retentionsdächer funktionieren – bei richtiger Planung, Ausführung und Pflege. Sie leisten einen messbaren Beitrag zur Klimaanpassung, entlasten die Infrastruktur und bereichern die Stadtnatur. Gleichzeitig zeigen die Daten aber auch die Grenzen auf: Technische Defekte, mangelnde Wartung oder fehlende Integration ins Gesamtkonzept können die Wirkung deutlich schmälern. Monitoring ist daher kein Luxus, sondern notwendige Voraussetzung für den nachhaltigen Erfolg – und für die Skalierung in die Breite.

Planerische und rechtliche Herausforderungen – von der Einzelmaßnahme zur urbanen Strategie

So überzeugend die Praxisdaten auch sind, im Alltag der Stadtentwicklung stoßen Retentionsdächer noch immer auf eine Reihe handfester Hürden. Ein zentrales Problem liegt in der Fragmentierung der Zuständigkeiten: Wasserwirtschaft, Stadtplanung, Hochbau und Umweltamt agieren oft nebeneinander statt miteinander. Die Folge sind widersprüchliche Anforderungen, fehlende Schnittstellen und ein Planungsprozess, der selten auf das Dach als strategische Ressource ausgerichtet ist. Hinzu kommt, dass viele Bebauungspläne bislang keine verbindlichen Vorgaben für Retentionsdächer enthalten, sondern diese lediglich als freiwillige Maßnahme empfehlen. Wer mehr will, muss kreativ werden – oder auf engagierte Förderprogramme hoffen.

Rechtlich betrachtet bewegen sich Retentionsdächer im Spannungsfeld verschiedener Normen: Von der DIN 1986-100 zur Entwässerung von Grundstücken über die jeweiligen Landesbauordnungen bis hin zu kommunalen Satzungen zur Flächenentsiegelung. Die zentrale Frage für Planer lautet: Wie lassen sich Retentionsdächer rechtssicher in Bauprojekte integrieren, ohne dass daraus ein bürokratischer Spießrutenlauf wird? Erste Städte wie Berlin oder Hamburg gehen hier voran und verankern die Pflicht zur Dachbegrünung und Regenwasserrückhaltung in ihren Bebauungsplänen – ein Modell, das Schule machen könnte.

Weitere Herausforderungen betreffen die Baukosten und die langfristige Wartung. Zwar zeigen Wirtschaftlichkeitsanalysen, dass sich die Investitionen durch geringere Abwassergebühren und erhöhte Gebäudeeffizienz mittelfristig amortisieren. Doch die Frage, wer für Instandhaltung, Pflege und Monitoring zuständig ist, bleibt oft ungeklärt. Gerade bei gemischt genutzten Immobilien oder in Quartieren mit vielen Eigentümern braucht es tragfähige Governance-Modelle, um die Nachhaltigkeit der Anlagen zu sichern. Die Erfahrung zeigt: Ohne verbindliche Regelungen und Anreize bleibt der Handlungsspielraum begrenzt.

Ein weiteres Planungsdilemma betrifft die Integration von Retentionsdächern in bestehende Infrastrukturen. Nicht jedes Bestandsgebäude eignet sich für eine Nachrüstung, und die statischen Anforderungen sind nicht zu unterschätzen. Hier sind kreative Lösungen gefragt: Von modularen Retentionssystemen über Leichtbau-Substrate bis zu technischen Innovationen im Dachaufbau. Gleichzeitig gilt es, die Potenziale für Synergien mit Photovoltaik, urbaner Landwirtschaft und Biodiversitätsförderung konsequent zu nutzen – nur so entsteht ein echter Mehrwert für das Quartier.

Schließlich stellt sich die Frage nach der Skalierung: Wie lassen sich die Erfahrungen aus Pilotprojekten in die Breite tragen? Hier sind Stadtplaner, Architekten und Entwickler gleichermaßen gefordert, neue Kooperationsmodelle zu erproben und die Retentionsdächer als festen Bestandteil integrierter städtischer Entwicklung zu verankern. Förderprogramme, Wettbewerbe und gezielte Öffentlichkeitsarbeit können helfen, Vorbehalte abzubauen und die Akzeptanz zu erhöhen. Die Devise lautet: Weg von der Einzelmaßnahme, hin zur urbanen Strategie – und das Dach als Ressource konsequent mitdenken.

Monitoring, Innovation und Perspektiven – Retentionsdächer als Reallabor der Stadtentwicklung

Die Zukunft der Retentionsdächer liegt in der intelligenten Verknüpfung von Monitoring, technischer Innovation und stadtplanerischer Integration. Moderne Sensorik und IoT-basierte Steuerungssysteme ermöglichen es, den Zustand und die Leistung der Dächer in Echtzeit zu überwachen. Dies eröffnet nicht nur neue Möglichkeiten für die adaptive Steuerung von Abflüssen, sondern auch für die Entwicklung datenbasierter Wartungskonzepte und die Optimierung von Bewirtschaftungsstrategien. Wer Monitoring ernst nimmt, kann aus jedem Retentionsdach ein Reallabor machen – und wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Schwammstadt gewinnen.

Innovative Ansätze reichen dabei von KI-gestützten Prognosemodellen für Niederschlagsereignisse bis zu cloudbasierten Plattformen, die Daten aus verschiedensten Quellen bündeln und visualisieren. Besonders spannend sind Entwicklungen, die Retentionsdächer mit urbanen Energiemanagementsystemen koppeln oder in das Smart-City-Ökosystem einbinden. So entstehen neue Schnittstellen zwischen Wasser, Energie, Mobilität und Stadtgrün – und damit neue Räume für interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Gleichzeitig rückt die soziale Dimension stärker in den Fokus: Retentionsdächer werden vermehrt als Gemeinschaftsflächen, Lernorte und soziale Treffpunkte gestaltet. Gemeinschaftsgärten, Urban-Farming-Projekte und Bildungsinitiativen auf dem Dach schaffen nicht nur ökologische, sondern auch soziale Mehrwerte. Sie stärken die Identifikation der Nutzer mit dem Gebäude, fördern die Akzeptanz und sorgen für eine langfristige Pflege der Anlagen. Die Erfahrung zeigt: Wo Nutzer einbezogen werden, steigen Funktionalität und Lebensdauer der Dächer signifikant.

Ein entscheidender Erfolgsfaktor bleibt die interdisziplinäre Zusammenarbeit: Stadtplaner, Landschaftsarchitekten, Ingenieure, Gebäudebetreiber und Nutzer müssen gemeinsam an Lösungen arbeiten. Nur so lassen sich die technischen, sozialen und ökonomischen Herausforderungen meistern und die Potenziale der Retentionsdächer voll ausschöpfen. Die Rolle der Kommunen als Impulsgeber, Förderer und Vermittler ist dabei zentral – sie schaffen den Rahmen für Innovation, Skalierung und Verstetigung.

Die Perspektiven sind vielversprechend: Mit jedem neuen Retentionsdach wächst die Wissensbasis, mit jedem Monitoringprojekt werden die Systeme besser und effizienter. Die Vision einer vernetzten, klimaresilienten Schwammstadt rückt damit in greifbare Nähe – vorausgesetzt, der Mut zum Umdenken und zur Investition bleibt bestehen. Wer heute auf Retentionsdächer setzt, gestaltet nicht nur grüne Gebäude, sondern die resiliente Stadt von morgen.

Fazit: Retentionsdächer als Wegbereiter der klimaresilienten Stadt

Retentionsdächer sind weit mehr als ein technisches Add-on für nachhaltige Immobilien. Sie sind das Reallabor, der Katalysator und das Symbol für eine neue, resiliente Stadtentwicklung. Die Praxis zeigt: Bei kluger Planung, sorgfältiger Ausführung und konsequenter Pflege leisten sie einen messbaren Beitrag zu Wassermanagement, Klimaanpassung und Biodiversität. Monitoring und technische Innovationen eröffnen neue Dimensionen der Steuerung und Optimierung – und machen aus jedem Dach ein Stück Schwammstadt.

Die Herausforderungen sind real: Von rechtlichen Rahmenbedingungen über Kostenfragen bis zu Akzeptanz und Governance gibt es noch viel zu tun. Doch die Beispiele aus Hamburg, Zürich, Wien und München belegen: Mit Mut, Kooperation und klarer Strategie lassen sich Retentionsdächer zum festen Bestandteil urbaner Infrastruktur machen. Sie bieten die Chance, Stadtklima, Flächenentwicklung und soziale Innovationen zu verbinden – und die Stadt als lebendiges, lernfähiges System zu gestalten.

Wer den Wandel zur klimaresilienten Stadt ernst meint, kommt an Retentionsdächern nicht vorbei. Sie sind kein Allheilmittel, aber ein unverzichtbarer Baustein auf dem Weg zu einer Schwammstadt, die den Herausforderungen der Zukunft gewachsen ist. Die Dächer von morgen sind Speicher, Garten, Labor und Treffpunkt zugleich – und der beste Beweis dafür, dass urbane Innovation nicht bei der Fassade haltmacht.

Das könnte Sie auch interessieren
Der Schweizer Landschaftsarchitekt Dieter Kienast (1945 bis 1998) in seinem Privatgarten in Zürich
Dieter Kienast – Der Formalist
Panorama von Bogotá mit urbanen Quartieren, Symbol für Wandel durch partizipative Planung.
Wie Bogotá mit partizipativer Infrastrukturplanung neue Sozialräume schafft
Ein Detail von Belag und Freiraummaterial zum Thema Fallschutz auf Spielplätzen
Fallschutz auf Spielplätzen: Material, Detail und Praxis
Nachhaltige Landschaftsarchitektur im Sanctum Retreat in Litauen: Die moderne Holzarchitektur fügt sich harmonisch in den bestehenden Wald ein. Foto: Leonas Garbačauskas via v2com
Nachhaltige Landschaftsarchitektur in Litauen
roter-bus-tagsuber-unterwegs-21HKIGtU9Xk
Was ist ein Urban Mobility Operating System? – Struktur digitaler Verkehrsplattformen
eine-gruppe-von-menschen-die-eine-strasse-neben-hohen-gebauden-entlang-gehen-6Ooq3GMvYIc
Schattenmuster statt Bebauungslücken – Planungslogik neu gedacht
Landschaftsarchitektur-Preis 2021 – Verleihung
The Line: Neues Mega-City-Projekt in Saudi-Arabien 
eine-luftaufnahme-einer-stadt-JSRekW1fRfY
Geofencing für Lieferverkehre – Digitalisierung gegen Chaos
luftaufnahme-einer-stadt-neben-einem-gewasser-e7firQySMRg
Klimaanpassung als kommunale Pflichtaufgabe – was bedeutet das für die Planung?

Zur Quelle des Heiligen Korbinian

Ansicht von Süden

Lebendiges Zeugnis der Geschichte Altbayerns

Wo heute tausende von Studierenden die Weihenstephaner Hochschule besuchen, lebten früher Benediktinermönche. Zudem pilgerten seinerzeit zahlreiche Menschen zur Quelle des heiligen Korbinian unterhalb des damaligen Klosters am Südhang des Weihenstephaner Berges. Studierende der Landschaftsarchitektur hatten Ideen zur heutigen Gestaltung und Sichtbarmachung des historischen Ortes.

Vor 300 Jahren, am 14. Juli 1720, wurde die am Südhang des Weihenstephaner Berges unterhalb des prächtigen Benediktinerklosters Weihenstephan und über einer Quelle errichtete Korbinianskapelle geweiht. Sie wurde bereits Anfang des 19. Jahrhunderts im Zuge der Säkularisation zerstört. Die Quelle als Ort der Verehrung des heiligen Korbinian war über Jahrhunderte ein beliebtes Ziel von Pilger*innen aus nah und fern.


Bildschirmfoto 2020-09-28 um 14.02.34
Korbinianskapelle am Weihenstephaner Berg von Osten, 1801, Pinselzeichnung von Stephan von Stengel (1750-1822) (Stiftung Dr. Benker: Inv.Nr. B10002, Foto: Stadtmuseum Freising, Willberg)

Der Entwurf der heutigen Platzgestaltung am früheren Standort basiert auf einem Semesterprojekt von Studierenden der Landschaftsarchitektur der TU in Freising-Weihenstephan, betreut von Dr.-Ing. Gunter Bartholmai. Finanziert wurde diese Neuschöpfung im Jahr 2005 aus Spenden zum 60. Geburtstag des bayerischen Staatsministers Dr. Otto Wiesheu.

Der blaue Leuchtstreifen verweist auf den darunterliegenden Stollen der Korbiniansquelle. Die Rosen am stählernen Rankgitter erinnern an die Rosen im Wappen des auftraggebenden Benediktinerklosters. Auf einer Informationstafel wird erläutert, dass nach einem Bericht des Bischofs Arbeo um 770 der heilige Korbinian an diesem Ort eine heilkräftige Quelle erweckt habe, die im Auftrag des Klosters Weihenstephan von den Gebrüdern Asam im Jahr 1720 (an der Stelle einer baufälligen Vorgängerkapelle) mit einer neuen Rundkirche überbaut wurde. Diese hat man nach 1803 bis auf wenige Mauerreste abgetragen, wobei sich Stollen und Quellen erhalten haben. Die Nordmauer der Kapelle wurde beim Abbruch als Abstützung des Hanges stehengelassen.

Der Ort besitzt insgesamt eine hohe historische Bedeutung, erinnert an das Wirken des heiligen Korbinian und stellt ein lebendiges Zeugnis der bis im frühen Mittelalter zurückreichenden Geschichte Altbayerns dar.

Hochrangige Ausbildungsstätten aus verschuldetem Kloster

Oberhalb der früheren Korbinianskapelle auf dem Weihenstephaner Berg befinden sich die Bauten des 1020 gegründeten ehemaligen Benediktinerklosters, unter anderem dargestellt auf einem Kupferstich von Joseph Anton Zimmermann, 1767. Die Darstellung zeigt einen mauerumschlossenen, regelmäßig-architektonischen Garten im Osten der Klostergebäude. Im Norden des Gartengeländes befindet sich das Salettl, das heute noch erhaltene Gartenhaus des Abtes von Weihenstephan, mit seitlichen Laubengängen, dem Kernbau der heutigen Hochschule Weihenstephan.


Bildschirmfoto 2020-09-28 um 14.00.39
Am Ort der früheren Korbinianskapelle (Foto: Goecke)

Den Klostergarten gibt es heute in dieser Form nicht mehr. Da er vorwiegend aus vegetabiler Substanz bestand, konnte man ihn leicht im Sinne neuer Vorstellungen überformen. Bei der Säkularisation und Auflösung des Klosters im Jahr 1803 fand die staatliche Aufhebungskommission das Kloster zwar verschuldet vor, hielt aber die Anlagen für den Obst- und Gartenbau sowie die Landwirtschaft für so vorbildlich, dass sie diese, sowie eine Reihe von Gebäudeteilen, nicht zerstörte, sondern die Bildung von Lehranstalten (Kurfürstliche Musterlandwirtschaftsschule) veranlasste, die heute hochrangige Ausbildungsstätten – Hochschulen und „Grünes Zentrum Bayerns“ – geworden sind.

Städte für Morgen: Neue Denkansätze, Best Practices und die Planer dahinter

Drei Hefte, drei Fragen: Wie entwickeln wir wirklich nachhaltige Wohnquartiere? Welche Form von Tourismus ist die richtige? Und: Wie fördern wir öffentliche Freiräume, die tatsächlich für sämtliche Bevölkerungsgruppen frei zugänglich sind?

Diesen drei Fragen stellen wir – die Redaktion der GARTEN+LANDSCHAFT – uns in der dreiteiligen Miniserie “Städte für Morgen 2019” und diskutieren damit drei der Themen, die derzeit unsere Städte und Gemeinden, ihre Planungsabteilungen und Planungsreferate im besonderen Maße beschäftigen. In drei Heften begeben wir uns auf die Suche nach neuen Denkansätzen, analysieren diese im Kontext urbaner Strukturen und Akteurskonstellationen und stellen Best Practices sowie die Planer dahinter vor. Unser Ziel: Wir möchten Ihnen mit der 3-teiligen Miniserie „Städte für Morgen 2019“ im April, Mai und Juni Inspiration zur Stadtgestaltung von Morgen bieten. Alles zu den drei Themen finden Sie im Folgenden. Und by the way: Sie können bereits jetzt die drei Ausgaben vorbestellen, das Abo endet dann automatisch.

Nachhaltige Wohnquartiere

Nachhaltig, alles ist heute nachhaltig. Ein Prinzip hat sich zu Tode gesiegt. Seine Relevanz bleibt aber ungebrochen. In der Aprilausgabe der Garten + Landschaft – und damit der ersten Stadt-Spezial-Ausgabe 2019 – diskutieren wir die Frage, wie und wo Städte bauliche Lösungen schaffen, die sich nicht auf die Erfüllung vorgegebener Standards beschränken, sondern Ideen entwickeln, die das Konzept Nachhaltigkeit auf spannende Weise weiterdrehen.

Tourismus

Barcelona, Venedig oder auch Prag sind typische Beispiele europäischer Städte, die mit den Folgen von Massentourismus kämpfen. Wie sieht es im deutschsprachigen Raum aus? Vor welche Herausforderungen stellen die jährlichen Besucherströme unsere Städte? In der Maiausgabe der Garten + Landschaft zum Thema „Tourismus“ diskutieren wir anhand konkreter Projekte und Städte Strategien, die entsprechende Formen von Tourismus unterstützen oder auch unterbinden. Wir stellen Best Practices vor und begeben uns auf die Suche nach passenden Instrumenten, die die Stadtentwicklung für sich nutzen kann.

Freiraumpolitik

Öffentliche Räume sind stets politische Räume. Im besten Fall sind sie im Sinne des demokratischen Ansatzes für alle frei zugänglich und verfügbar. In der Realität unterliegen sie aber immer administrativen, ökonomischen und sozialen Zwängen, die das Ideal einer freien Zugänglichkeit unterbinden. In der Juniausgabe der G+L diskutieren wir anhand aktueller Projekte, wie Städte die Entwicklung offener, urbaner Strukturen möglich machen und welche Faktoren eine freie Zugänglichkeit behindern.

Bestellen Sie jetzt unser Spezial „Städte für Morgen“ und lesen Sie in drei Exklusiv-Ausgaben wie Sie Ihre Stadt fit für die künftigen Herausforderungen machen können.

Ihre Vorteile:

• 3 Exklusiv-Ausgaben mit den Schwerpunkten: Nachhaltige Wohnquartiere, Tourismus und Freiraumpolitik

• 24% Preisvorteil gegenüber dem Einzelheft-Kauf

• Die aktuelle Ausgabe des Magazins “topos – the International Review of Landscape Architecture and Urban Design” als Geschenk

• Frei-Haus Lieferung

• Die Belieferung startet mit Ausgabe 04/2019 und endet automatisch mit Ausgabe 06/2019

>> HIER GEHT ES ZUM ANGEBOT!

 

© SCHWARZPLAN.EU/OpenStreet-Mitwirkende/openstreetmap.org