Retentionsdächer und ihre Stadtwirkung – Praxisbeispiele und Monitoring

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Eine architektonisch interessante Stadt mit zentral verlaufendem Fluss, fotografiert von Carrie Borden.

Wassermanagement auf dem Dach, Klimaanpassung zum Anfassen und dabei die Stadtentwicklung gleich mit auf dem Prüfstand? Retentionsdächer sind keine bloße technische Spielerei für ein paar ambitionierte Bauherren. Sie sind das Labor der klimaresilienten Stadt und der Lackmustest für nachhaltige Flächenentwicklung. Doch wie wirken sie tatsächlich im Quartier? Was verraten Monitoringdaten aus der Praxis? Und wie lassen sich die Erfahrungen sinnvoll skalieren? Willkommen im Dachgarten der urbanen Zukunft – und im datengetriebenen Diskurs von G+L.

  • Definition und Funktionsweise von Retentionsdächern im Kontext urbaner Wasserwirtschaft
  • Stadtklimatische Effekte und Synergien für Biodiversität, Mikroklima und Hitzereduktion
  • Kritische Praxisbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Monitoringdaten
  • Analyse stadtplanerischer Herausforderungen: Flächenpotenziale, Integration in Bebauungspläne, rechtliche Rahmen
  • Monitoring als Schlüssel zum Erfolg: Sensorik, Datenauswertung, Langzeiteffekte
  • Wechselwirkungen mit Quartiersentwicklung, Mobilitäts- und Energieinfrastruktur
  • Typische Hürden: Baukosten, Wartung, Akzeptanz und Governance-Modelle
  • Innovative Ansätze für Skalierung, Förderung und interdisziplinäre Stadtentwicklung
  • Fazit: Retentionsdächer als Katalysator für die resiliente Stadt von morgen

Retentionsdächer – Definition, Wirkprinzip und stadtplanerische Relevanz

Retentionsdächer sind weit mehr als die grünen Häubchen moderner Bürogebäude. Im Kern handelt es sich um Flachdächer, die gezielt so konstruiert werden, dass sie Niederschläge temporär zurückhalten und verzögert an die Kanalisation abgeben. Während klassische Gründächer vor allem auf Verdunstung und Begrünung setzen, steht bei Retentionsdächern die gezielte Steuerung des Wasserdurchflusses im Mittelpunkt. Der Clou: Mithilfe intelligenter Steuerungselemente und spezieller Substrataufbauten werden Regenmengen zwischengespeichert und erst zeitversetzt abgeleitet. Das Ergebnis ist eine signifikante Entlastung des städtischen Entwässerungssystems – ein nicht zu unterschätzender Vorteil angesichts zunehmend häufiger und intensiver auftretender Starkregenereignisse.

In der urbanen Wasserwirtschaft gelten Retentionsdächer als Gamechanger. Sie verschieben das Paradigma von der schnellen Ableitung hin zur dezentralen, flächenhaften Rückhaltung. Für Stadtplaner eröffnen sich damit neue Möglichkeiten, Flächen mehrfach zu nutzen und den sogenannten „Schwammstadt“-Ansatz konsequent in die Realität umzusetzen. Gerade in hochverdichteten Quartieren, wo Versickerungsflächen rar sind und die Kanalisation am Limit arbeitet, bieten Retentionsdächer eine attraktive Alternative zur aufwändigen Flächenentsiegelung.

Die technische Umsetzung ist dabei ebenso vielfältig wie herausfordernd. Die Retentionsleistung hängt ab von Substratdicke, Dränageschicht, Art und Menge der Vegetation sowie von den eingebauten Abflussreglern. Moderne Systeme arbeiten zunehmend mit IoT-Sensorik, um Wasserstände und Abflüsse in Echtzeit zu steuern – ein Schritt in Richtung digitaler, adaptiver Infrastruktur. Für Planer bedeutet das: Retentionsdächer sind keine statischen Bauteile, sondern Teil eines lernfähigen, vernetzten Systems zur Klimaanpassung.

Stadtklimatisch betrachtet glänzen Retentionsdächer durch ein breites Wirkungsspektrum. Durch die temporäre Wasserhaltung und die Verdunstung entstehen lokale Kühlungseffekte, die gerade in sommerlichen Hitzeperioden zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen. Gleichzeitig fördern sie die Biodiversität – von Insekten bis zu seltenen Pflanzenarten – und liefern wertvolle ökologische Trittsteine im urbanen Gefüge. Die Synergien reichen von der Feinstaubbindung bis zur Lärmreduktion und sind damit ein Paradebeispiel für Multifunktionalität in der Stadtplanung.

Doch so grün und wasserbewusst die Idee auch klingt: Die Integration von Retentionsdächern in die reguläre Stadtentwicklung ist bislang keineswegs Standard. Vielmehr sind es engagierte Kommunen, innovative Wohnungsbaugesellschaften und mutige Entwickler, die vorangehen. Sie schaffen, was vielerorts noch als visionär gilt: Die Kopplung von Dachlandschaft, Regenrückhalt und stadtklimatischer Optimierung im Maßstab ganzer Quartiere. Wer heute über klimaresiliente Städte spricht, kommt an Retentionsdächern schlicht nicht mehr vorbei.

Stadtklimatische Wirkung und Synergien – Retentionsdächer als Motor der Schwammstadt

Die stadtklimatische Bedeutung von Retentionsdächern ist unübersehbar und wird durch aktuelle Forschung wie Monitoringprojekte eindrucksvoll untermauert. Während klassische Gründächer vor allem als Feigenblatt urbaner Nachhaltigkeit galten, setzen Retentionsdächer mit ihrer gezielten Wasserspeicherung neue Maßstäbe: Sie wirken als dezentrale Wasserspeicher, Klimaanlagen und Biodiversitätsinseln zugleich. Ihre Wirkung reicht weit über das einzelne Gebäude hinaus und beeinflusst das gesamte Quartiersklima.

Im Hochsommer sind große Dachflächen oft die Hauptverursacher von Hitzeinseln. Asphalt, Bitumen und Kies speichern Sonnenenergie und geben sie als Wärmestrahlung an die Umgebung ab. Retentionsdächer durchbrechen diesen Kreislauf, indem sie durch Verdunstungskühlung aktiv zur Temperaturreduktion beitragen. Monitoringdaten aus Berlin, München und Zürich belegen Temperaturunterschiede von bis zu fünf Grad Celsius zwischen begrünten Retentionsdächern und konventionellen Flachdächern – ein signifikanter Beitrag zur Minderung urbaner Hitzebelastung.

Gleichzeitig leisten Retentionsdächer einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität. Die intensiven Substratschichten filtern Feinstaub, binden Schadstoffe und bieten Lebensraum für Flora und Fauna. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung neuartiger Vegetationskonzepte, die auf standortangepasste Pflanzen setzen und so nicht nur die Biodiversität fördern, sondern auch die Wartungsintensität minimieren. Im Zusammenspiel mit urbanen Biotopverbünden entstehen so neue ökologische Netzwerke, die weit in die Stadtlandschaft hineinwirken.

Die Synergiepotenziale gehen jedoch noch weiter: Retentionsdächer lassen sich mit Photovoltaik kombinieren, was den Wirkungsgrad der PV-Anlagen durch Kühlung der Module erhöht. Auch die Kopplung mit Regenwassernutzungssystemen für die Bewässerung urbaner Grünflächen wird vielerorts erprobt. Besonders spannend sind Ansätze, die Retentionsdächer als Teil eines integrierten Quartierswassermanagements denken – etwa in Verbindung mit blau-grünen Infrastrukturen wie offenen Wasserläufen, Versickerungsmulden und urbanen Feuchtgebieten.

Stadtplaner und Landschaftsarchitekten stehen damit vor der Aufgabe, Retentionsdächer nicht mehr als singuläre technische Lösung zu betrachten, sondern als Katalysator für ein neues, resilientes Stadtgefüge. Die Herausforderung liegt darin, die vielfältigen Wirkungen in die Quartiersentwicklung zu integrieren, Synergien mit Mobilitäts- und Energiekonzepten herzustellen und die Potenziale für soziale Innovationen zu erschließen. Wer die Schwammstadt ernst meint, muss auf den Dächern beginnen – und dabei die gesamte urbane Matrix im Blick behalten.

Praxisbeispiele und Monitoring – was die Daten wirklich zeigen

Theorie ist gut, Praxis ist besser – und Messdaten sind am besten. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Pilotprojekte und Monitoringstudien zu Retentionsdächern in Deutschland, Österreich und der Schweiz gestartet, die wertvolle Einblicke in Funktionsweise, Wirkung und Herausforderungen liefern. Ein Paradebeispiel liefert die Stadt Hamburg mit dem Projekt „Hamburg Wasser Dach“. Hier wurden auf mehreren öffentlichen Gebäuden Retentionsdächer installiert und mit einer umfangreichen Sensorik ausgestattet, die Niederschlagsmengen, Abflussverhalten, Substratfeuchte und Temperatur kontinuierlich erfasst. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Bis zu 70 Prozent der jährlichen Niederschläge werden auf den Dächern zurückgehalten und verzögert abgegeben. Gleichzeitig zeigten sich deutliche Effekte auf die Gebäudetemperatur und das Mikroklima im Umfeld.

Auch in Zürich setzt man auf Monitoring – allerdings mit einem Schwerpunkt auf die Integration in die Quartiersentwicklung. Im Rahmen des Projekts „Grünes Zürich“ wurden Retentionsdächer in neuen Wohnquartieren installiert und deren Wirkung auf das lokale Klima, die Biodiversität und das Regenwassermanagement untersucht. Die Daten zeigen, dass Retentionsdächer nicht nur die Kanalisation entlasten, sondern auch die Anzahl an Insektenarten und die Vegetationsvielfalt auf den Dächern deutlich erhöhen. Besonders spannend: Die Kombination aus Retentionsdach und urbanem Gemeinschaftsgarten führt zu einer deutlich höheren Akzeptanz bei den Bewohnern – ein oft unterschätzter Erfolgsfaktor.

Wien wiederum setzt auf digitale Steuerung: Im Stadtentwicklungsgebiet Seestadt Aspern wurden großflächige Retentionsdächer mit IoT-basierten Abflussreglern ausgestattet. Das Monitoring zeigt, dass durch intelligente Steuerung die Abflussmengen gezielt an den Pegelstand der umliegenden Gewässer angepasst werden können. Im Sommer wird das gespeicherte Wasser zur Bewässerung von Grünflächen genutzt, im Winter sorgt die verzögerte Abgabe für eine Entlastung der Kanalisation bei Tauwetter. Die Schnittstellen zwischen Gebäudetechnik, Stadtentwässerung und Grünflächenmanagement werden hier zum Experimentierfeld für die vernetzte Infrastruktur der Zukunft.

Ein weiteres Beispiel stammt aus München, wo Retentionsdächer im Bestand nachgerüstet wurden. Die Monitoringdaten belegen, dass auch bei älteren Gebäuden signifikante Verbesserungen der Regenwasserretention und der Dämmwirkung erreicht werden können. Gleichzeitig zeigen die Erfahrungen aber auch die Herausforderungen: Wartung und Pflege der Anlagen sind im Bestand oft aufwendiger, und nicht jedes Gebäude eignet sich ohne Weiteres für eine Nachrüstung. Die Erfolgsfaktoren liegen hier in der sorgfältigen Planung, der Auswahl standortgerechter Vegetation und der Einbindung der Gebäudenutzer.

Zusammengefasst liefern die Praxisbeispiele und Monitoringdaten ein klares Bild: Retentionsdächer funktionieren – bei richtiger Planung, Ausführung und Pflege. Sie leisten einen messbaren Beitrag zur Klimaanpassung, entlasten die Infrastruktur und bereichern die Stadtnatur. Gleichzeitig zeigen die Daten aber auch die Grenzen auf: Technische Defekte, mangelnde Wartung oder fehlende Integration ins Gesamtkonzept können die Wirkung deutlich schmälern. Monitoring ist daher kein Luxus, sondern notwendige Voraussetzung für den nachhaltigen Erfolg – und für die Skalierung in die Breite.

Planerische und rechtliche Herausforderungen – von der Einzelmaßnahme zur urbanen Strategie

So überzeugend die Praxisdaten auch sind, im Alltag der Stadtentwicklung stoßen Retentionsdächer noch immer auf eine Reihe handfester Hürden. Ein zentrales Problem liegt in der Fragmentierung der Zuständigkeiten: Wasserwirtschaft, Stadtplanung, Hochbau und Umweltamt agieren oft nebeneinander statt miteinander. Die Folge sind widersprüchliche Anforderungen, fehlende Schnittstellen und ein Planungsprozess, der selten auf das Dach als strategische Ressource ausgerichtet ist. Hinzu kommt, dass viele Bebauungspläne bislang keine verbindlichen Vorgaben für Retentionsdächer enthalten, sondern diese lediglich als freiwillige Maßnahme empfehlen. Wer mehr will, muss kreativ werden – oder auf engagierte Förderprogramme hoffen.

Rechtlich betrachtet bewegen sich Retentionsdächer im Spannungsfeld verschiedener Normen: Von der DIN 1986-100 zur Entwässerung von Grundstücken über die jeweiligen Landesbauordnungen bis hin zu kommunalen Satzungen zur Flächenentsiegelung. Die zentrale Frage für Planer lautet: Wie lassen sich Retentionsdächer rechtssicher in Bauprojekte integrieren, ohne dass daraus ein bürokratischer Spießrutenlauf wird? Erste Städte wie Berlin oder Hamburg gehen hier voran und verankern die Pflicht zur Dachbegrünung und Regenwasserrückhaltung in ihren Bebauungsplänen – ein Modell, das Schule machen könnte.

Weitere Herausforderungen betreffen die Baukosten und die langfristige Wartung. Zwar zeigen Wirtschaftlichkeitsanalysen, dass sich die Investitionen durch geringere Abwassergebühren und erhöhte Gebäudeeffizienz mittelfristig amortisieren. Doch die Frage, wer für Instandhaltung, Pflege und Monitoring zuständig ist, bleibt oft ungeklärt. Gerade bei gemischt genutzten Immobilien oder in Quartieren mit vielen Eigentümern braucht es tragfähige Governance-Modelle, um die Nachhaltigkeit der Anlagen zu sichern. Die Erfahrung zeigt: Ohne verbindliche Regelungen und Anreize bleibt der Handlungsspielraum begrenzt.

Ein weiteres Planungsdilemma betrifft die Integration von Retentionsdächern in bestehende Infrastrukturen. Nicht jedes Bestandsgebäude eignet sich für eine Nachrüstung, und die statischen Anforderungen sind nicht zu unterschätzen. Hier sind kreative Lösungen gefragt: Von modularen Retentionssystemen über Leichtbau-Substrate bis zu technischen Innovationen im Dachaufbau. Gleichzeitig gilt es, die Potenziale für Synergien mit Photovoltaik, urbaner Landwirtschaft und Biodiversitätsförderung konsequent zu nutzen – nur so entsteht ein echter Mehrwert für das Quartier.

Schließlich stellt sich die Frage nach der Skalierung: Wie lassen sich die Erfahrungen aus Pilotprojekten in die Breite tragen? Hier sind Stadtplaner, Architekten und Entwickler gleichermaßen gefordert, neue Kooperationsmodelle zu erproben und die Retentionsdächer als festen Bestandteil integrierter städtischer Entwicklung zu verankern. Förderprogramme, Wettbewerbe und gezielte Öffentlichkeitsarbeit können helfen, Vorbehalte abzubauen und die Akzeptanz zu erhöhen. Die Devise lautet: Weg von der Einzelmaßnahme, hin zur urbanen Strategie – und das Dach als Ressource konsequent mitdenken.

Monitoring, Innovation und Perspektiven – Retentionsdächer als Reallabor der Stadtentwicklung

Die Zukunft der Retentionsdächer liegt in der intelligenten Verknüpfung von Monitoring, technischer Innovation und stadtplanerischer Integration. Moderne Sensorik und IoT-basierte Steuerungssysteme ermöglichen es, den Zustand und die Leistung der Dächer in Echtzeit zu überwachen. Dies eröffnet nicht nur neue Möglichkeiten für die adaptive Steuerung von Abflüssen, sondern auch für die Entwicklung datenbasierter Wartungskonzepte und die Optimierung von Bewirtschaftungsstrategien. Wer Monitoring ernst nimmt, kann aus jedem Retentionsdach ein Reallabor machen – und wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Schwammstadt gewinnen.

Innovative Ansätze reichen dabei von KI-gestützten Prognosemodellen für Niederschlagsereignisse bis zu cloudbasierten Plattformen, die Daten aus verschiedensten Quellen bündeln und visualisieren. Besonders spannend sind Entwicklungen, die Retentionsdächer mit urbanen Energiemanagementsystemen koppeln oder in das Smart-City-Ökosystem einbinden. So entstehen neue Schnittstellen zwischen Wasser, Energie, Mobilität und Stadtgrün – und damit neue Räume für interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Gleichzeitig rückt die soziale Dimension stärker in den Fokus: Retentionsdächer werden vermehrt als Gemeinschaftsflächen, Lernorte und soziale Treffpunkte gestaltet. Gemeinschaftsgärten, Urban-Farming-Projekte und Bildungsinitiativen auf dem Dach schaffen nicht nur ökologische, sondern auch soziale Mehrwerte. Sie stärken die Identifikation der Nutzer mit dem Gebäude, fördern die Akzeptanz und sorgen für eine langfristige Pflege der Anlagen. Die Erfahrung zeigt: Wo Nutzer einbezogen werden, steigen Funktionalität und Lebensdauer der Dächer signifikant.

Ein entscheidender Erfolgsfaktor bleibt die interdisziplinäre Zusammenarbeit: Stadtplaner, Landschaftsarchitekten, Ingenieure, Gebäudebetreiber und Nutzer müssen gemeinsam an Lösungen arbeiten. Nur so lassen sich die technischen, sozialen und ökonomischen Herausforderungen meistern und die Potenziale der Retentionsdächer voll ausschöpfen. Die Rolle der Kommunen als Impulsgeber, Förderer und Vermittler ist dabei zentral – sie schaffen den Rahmen für Innovation, Skalierung und Verstetigung.

Die Perspektiven sind vielversprechend: Mit jedem neuen Retentionsdach wächst die Wissensbasis, mit jedem Monitoringprojekt werden die Systeme besser und effizienter. Die Vision einer vernetzten, klimaresilienten Schwammstadt rückt damit in greifbare Nähe – vorausgesetzt, der Mut zum Umdenken und zur Investition bleibt bestehen. Wer heute auf Retentionsdächer setzt, gestaltet nicht nur grüne Gebäude, sondern die resiliente Stadt von morgen.

Fazit: Retentionsdächer als Wegbereiter der klimaresilienten Stadt

Retentionsdächer sind weit mehr als ein technisches Add-on für nachhaltige Immobilien. Sie sind das Reallabor, der Katalysator und das Symbol für eine neue, resiliente Stadtentwicklung. Die Praxis zeigt: Bei kluger Planung, sorgfältiger Ausführung und konsequenter Pflege leisten sie einen messbaren Beitrag zu Wassermanagement, Klimaanpassung und Biodiversität. Monitoring und technische Innovationen eröffnen neue Dimensionen der Steuerung und Optimierung – und machen aus jedem Dach ein Stück Schwammstadt.

Die Herausforderungen sind real: Von rechtlichen Rahmenbedingungen über Kostenfragen bis zu Akzeptanz und Governance gibt es noch viel zu tun. Doch die Beispiele aus Hamburg, Zürich, Wien und München belegen: Mit Mut, Kooperation und klarer Strategie lassen sich Retentionsdächer zum festen Bestandteil urbaner Infrastruktur machen. Sie bieten die Chance, Stadtklima, Flächenentwicklung und soziale Innovationen zu verbinden – und die Stadt als lebendiges, lernfähiges System zu gestalten.

Wer den Wandel zur klimaresilienten Stadt ernst meint, kommt an Retentionsdächern nicht vorbei. Sie sind kein Allheilmittel, aber ein unverzichtbarer Baustein auf dem Weg zu einer Schwammstadt, die den Herausforderungen der Zukunft gewachsen ist. Die Dächer von morgen sind Speicher, Garten, Labor und Treffpunkt zugleich – und der beste Beweis dafür, dass urbane Innovation nicht bei der Fassade haltmacht.

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Gärten des Jahres 2021 – Die Preisträger*innen

Gärten des Jahres 2021. Hanne Roth und Konstanze Neubauer (Hrsg.) (Callwey Verlag)
Gärten des Jahres 2021. Hanne Roth und Konstanze Neubauer (Hrsg.) (Callwey Verlag)

Bereits zum sechsten Mal haben Landschaftsarchitekt*innen, Gartengestalter*innen sowie Garten- und Landschaftsbauende ihre besonders gelungenen, realisierten Privatgärten beim Wettbewerb um den Garten des Jahres eingereicht. 50 davon haben es in die Publikation “Gärten des Jahres 2021” geschafft – und ein Projekt wurde von der renommierten Fachjury mit dem ersten Preis ausgezeichnet: Der Garten „Ein Teil der Pflanzenwelt“ in der Nähe von Hannover.

Vorzeigeprojekt für Biodiversität

Alle Fotos: Ferdinand Graf Luckner

Alle Jahre wieder ist es so weit: Die Publikation “Gärten des Jahres 2021” versorgt Gartenplaner*innen und Gartenbesitzer*innen mit neuer Inspiration. Das Kompendium zeigt die 50 schönsten Privatgärten im deutschsprachigen Raum. Das Buch beinhaltet eine beeindruckende Vielfalt unterschiedlichster Privatgärten anhand von über 400 Farbabbildungen und Gartenplänen. Detaillierte Angaben zu Besonderheiten des Grundstücks, des Konzepts, der verwendeten Materialien und der Auswahl der Pflanzen runden die 50 Gartenporträts ab.

Dem Buch zugrunde liegt der jährliche Wettbewerb “Gärten des Jahres”, der 2021 bereits zum sechsten Mal stattfindet. Dafür haben Landschaftsarchitekt*innen, Gartengestalter*innen sowie Garten- und Landschaftsbauende ihre schönsten, bereits realisierten Projekte eingereicht. Die renommierte Fachjury erkor daraus 50 Projekte und benannte aus diesen einen Preisträger und vier Anerkennungen. Dabei wurde Wert auf ganzheitliche Konzepte gelegt, die den Garten auf individuelle Weise zum erweiterten Wohn- und Genussraum der Nutzer*innen werden lassen. Es sollte eine starke Idee dahinterstecken, der sich Pflanzen, Materialien, Produkte etc. unterordnen.

Gärten des Jahres 2021: Siegprojekt in Hannover

Der erste Preis, dotiert mit 5 000 Euro, ging an das Büro Petra Pelz Design-natürlich und an GartenLandschaft Berg & Co. GmbH für den Garten „Ein Teil der Pflanzenwelt“ in der Nähe von Hannover. Die Jury findet lobende Worte: “Ein Vorzeigeprojekt für Biodiversität und Nachhaltigkeit in unserer Branche.”

Aus dem Juryurteil:

“Auf 1 900 begrünten Quadratmetern wirkt alles naturnah, und doch wurde nichts dem Zufall überlassen: Hier haben die Experten einen Rückzugsort für die Bewohner*innen des Holz-Bungalows geschaffen, in dem sie sich erholen und Natur als Teil ihres Zuhauses erleben können.

Verschiedene Bäume und Gehölze fassen den Garten schützend ein und spenden an heißen Tagen Schatten. Die Baumaterialien stammen aus der Region.Der Garten ist eine wahr gewordene Vision: Sie zeigt eindrucksvoll, was die naturnahe Garten- und Landschaftsgestaltung heute schon für den Natur- und Artenschutz leisten kann.

Hier wurde konsequent alles bepflanzt, inklusive der Dächer, die sogar begehbar sind und sich so harmonisch als zusätzlicher Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Menschen in die Gartenlandschaft einfügen. Aus dem Panoramafenster des glänzenden Baumhaus-Kubus erblickt man den gesamten Naturgarten. Durch bodentiefe Fenster, Glastüren und einen ebenerdigen Zugang gehen Wohnraum und Garten des Bungalows eine nahtlose Verbindung ein.

Ein durchdachter Mix aus verschiedenen Pflanzenarten und -bereichen sorgt übers Jahr dafür, dass Insekten und andere Tiere möglichst lange Nahrung finden. Hier wirken ästhetisches Verständnis, Handwerkskunst, jahrzehntelange Erfahrung und ausgewiesene Pflanzen- und Pflanzexpertise mit Kreativität und einem visionären Blick auf das Thema Landschafts- und Gartengestaltung zusammen – und schaffen ein naturnahes Refugium für Menschen, Flora und Fauna.”

Gärten des Jahres 2021: Anerkennungen

Folgende Büros erhielten eine Anerkennung der Jury:

Hanne Roth / Konstanze Neubauer
Gärten des Jahres
Die 50 besten Privatgärten 2021
2021. 320 Seiten, über 400 farbige Abbildungen und Pläne
23 x 30 cm, gebunden
€ [D] 59,95; € [A] 61,70; sFr. 80,00
ISBN 978-3-7667-2507-3
Erhältlich beim Callwey Verlag

Partner*innen des Wettbewerbs sind BGL Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatz-bau e. V., bdla Bund Deutscher Landschaftsarchitekten, BSLA – Bund Schweizer Land-schaftsarchitekten und Landschaftsarchitektinnen, DGGL Deutsche Gesellschaft für Gar-tenkunst und Landschaftskultur e.V., GaLaBau Verband Österreich, Jardin Suisse – GaLa-Bau-Verband der Schweiz, ÖGLA Österreichische Gesellschaft für Landschaftsarchitekur, C-Side Pools, Osmo Holz und Color GmbH & Co. KG, New Monday, Garpa und Schloss Dyck sowie der Callwey Verlag und die Medienpartner Garten + Landschaft, Mein schöner Garten und Gartenpraxis.

Hauptpreis beim Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preis 2022: Im Prinz Eugen Park in München verschmelzen Freiraum und Wohnraum miteinander. © Laura Loewel
Hauptpreis beim Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preis 2022: Im Prinz Eugen Park in München verschmelzen Freiraum und Wohnraum miteinander. © Laura Loewel

Am Freitag, den 11. November, fand die Preisverleihung des Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preises 2022 in München statt. Zum zweiten Mal kürt der bdla Landesverband Bayern innovative Projekte und Planungen in Bayern, die Landschaftsarchitekt*innen in den letzten fünf Jahren umsetzten. Der Prinz-Eugen-Park in München von Liebald + Aufermann Landschaftsarchitekten war der Sieger des Abends.

Zum zweiten Mal vergab der bdla Landesverband Bayern den Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preis. Neben dem Hauptpreis würdigte er auch fünf Projekte in vorgegebenen Kategorien. Unter ihnen waren nicht nur „klassische“ Arbeitsfelder der Landschaftsarchitektur wie Spiel und Freizeit oder Bauwerksbegrünung, sondern auch Themen wie Experimentelle Landschaftsarchitektur oder Urbanität. Die Preisverleihung des Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preis 2022 fand am 11. November im Oberangertheater in München statt. Die Schirmherrschaft hatte in diesem Jahr Stadtbaurätin Elisabeth Merk inne.

Prinz-Eugen-Park erhält Hauptpreis und Anerkennung

Das Projekt „Prinz-Eugen-Park“ von Liebald + Aufermann Landschaftsarchitekten erhielt an dem Freitagabend nicht nur den Hauptpreis, sondern auch die Anerkennung in der Kategorie „Bauwerksbegrünung und Biodiversität“. Für die Biodiversitätsplanung und -pflanzung waren Dr. Reinhard Witt und Katrin Kaltofen von „Die Naturgartenplaner“ zuständig und somit maßgeblich am Projekt beteiligt. Der Prinz-Eugen-Park, ein Wohnungsbauprojekt in München, fange den Geist unserer Zeit ein, so die Jury des Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preis. Sie hob vor allem die Beteiligung der Bewohner*innen am Arbeits- und Planungsprozess hervor. Beim Anpflanzen und dem Pflegen der Grünanlagen packen die Bewohner*innen selbst mit an. Der Prinz-Eugen-Park verkörpere ein ideales Zusammenleben in der Stadt und im Einklang der Natur.

Projektübersicht:

  • Planverfasser*in: liebald + aufermann landschaftsarchitekten & stadtplaner
  • Biodiversitätskonzept, Pflanzplanung sowie Pflanzungen, Ansaaten und Entwicklungspflege mit Bürgerbeteiligung: Dr. Reinhard Witt und Katrin Kaltofen (Die Naturgartenplaner)
  • Bauherr*in, Auftraggeber*in: mehrere Genossenschaften und Baugemeinschaften
  • Zeitraum: 2017 bis 2020

Auszeichnungen des Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preises 2022

In der Kategorie „Grüne und Blaue Infrastruktur“ wurde das Wörnitz Flussfreibad in Oettingen ausgezeichnet. Dem Dresdner Büro Storch Landschaftsarchitektur sei es gemeinsam mit Jordan Balzer Schubert Architekten gelungen, bestehende Elemente in die neue Gestaltung des Flussbades zu integrieren, so die Jury. Entstanden sei ein Ort, an dem sich Jung und Alt entspannen können.

Projektübersicht:

  • Planverfasser*in: Storch Landschaftsarchitektur, Jordan Balzer Schubert Architekten
  • Bauherr*in, Auftraggeber*in: Stadt Oettingen in Bayern
  • Zeitraum: 2016 bis 2020
Das Wörnitz Flussfreibad in Öttingen, Foto © Laura Loewel
Das Wörnitz Flussfreibad in Öttingen, Foto © Laura Loewel

Das Container Collective in München wurde mit der Auszeichnung in der Kategorie „Experimentelle Landschaftsarchitektur und Bauen im Detail“ gewürdigt. Jühling & Köppel Landschaftsarchitekten entwarfen mit dem Container Collective eine Low Budget-Lösung für das Werksviertel. Die „Pop Up City“ sei ein ausgezeichnetes Experiment für eine erfrischende Stadtintervention, so die Jury.

Projektübersicht:

  • Planverfasser*in: Jühling & Köppel Landschaftsarchitekten
  • Bauherr*in, Auftraggeber*in: OTEC GmbH & Co.KG
  • Zeitraum: 2016 bis 2019

Der Landschaftspark Paul-Gerhardt-Allee in München erhielt den Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preis 2022 in der Kategorie „Tourismus, Freizeit, Spiel und Sport“. Als sehr gelungene Raumkomposition des Büros lohrer:hochrein lobte die Jury das Projekt. Den Landschaftsarchitekt*innen gelang es den Erholungsraum des umliegenden Wohnungsgebiets von den Emissionen der Bahn abzuschirmen.

Projektübersicht:

  • Planverfasser*in: lohrer:hochrein Landschaftsarchitekten und Stadtplaner
  • Bauherr*in, Auftraggeber*in: Aurelis Real Estate, ARTEC Wohnbau
  • Zeitraum: 2017 bis 2019

In der Kategorie „Urbanität, Bestand, Stadt und Platz“ wurde beim Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preis 2022 ein Projekt ausgezeichnet, das sich dem Thema „Wasser“ widmet. Das Büro Marlene Heichele Wolfgang Weinzierl Landschaftsarchitekten nahm sich der Aufgabe an, in Regensburg Hochwasserschutz funktional und ästhetisch umzusetzen.

Projektübersicht:

  • Planverfasser*in: Marlene Heichele Wolfgang Weinzierl Landschaftsarchitekten
  • Bauherr*in, Auftraggeber*in: Stadt Regensburg
  • Zeitraum: 2014 bis 2019

Alle Nominierungen des Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preises 2022 finden Sie hier.

Hochwasserschutz in Regensburg-Donaumarkt, Foto: © Laura Loewel
Hochwasserschutz in Regensburg-Donaumarkt, Foto: © Laura Loewel