Revitalisierung des Parks Pole Mokotowskie in Warschau

Der Pole Mokotowskie Park in Warschau erhält ein Make-Over. Copyright: WXCA / A. Borun, T. Wieteska
Der Pole Mokotowskie Park in Warschau erhält ein Make-Over. Copyright: WXCA / A. Borun, T. Wieteska

Der beliebte Warschauer Park Pole Mokotowskie wird modernisiert: Das polnische Studio WXCA-Architekten schlägt eine Design-Akupunktur vor und konnte sich damit im Wettbewerb durchsetzen. Nun folgen gezielte Interventionen, die zeitlich gestaffelt sind und so eine „Evolution statt Revolution“ erreichen sollen.

Der Pole Mokotowskie Park liegt im Herzen von Warschau und stellt einen der größten und geschäftigsten Parks der Stadt dar. Hier findet schon seit Jahrzehnten ein qualitativer Wandel statt: Seit den 1970er und 1980er Jahren ist der Bereich von einem früheren Flugfeld zu einem städtischen Park geworden. Auf insgesamt über 70 Hektar Fläche ist immer mehr Grünfläche mit zunehmend moderner Infrastruktur entstanden.

WXCA Architekten haben nun die Aufgabe, den Park mit seinem sensiblen Ökosystem auf die Zukunft vorzubereiten. Ihr Konzept sieht Pole Mokotowskie als einen Ort der Koexistenz zwischen Menschen und Natur. Geprägt ist der Park von einer Mischung aus Top-Down-Maßnahmen, spontanen Prozessen und sozialen Aktivitäten. Diese einzigartige Identität soll bestehen bleiben, aber zugleich ist es wichtig, das Ökosystem zu schützen und zu stärken. Dies soll mithilfe von zeitlich gestaffelter Akupunktur möglich sein, die den bestehenden Raum stimuliert und biologische sowie soziale Prozesse unterstützt.

Ein in sich geschlossenes Wassersystem

Als größte Veränderung haben die Architekten die Renaturierung des Wasserspeichers von Pole Mokotowskie umgesetzt. Dieses Reservoir gehört zu den beliebtesten Orten im Park, hat aber zunehmend seine Wasserdichtigkeit verloren und soll nun zu einem ganzjährig nutzbaren Teich werden. Natürliche, sogenannte hydrobotanische Filter und Wasserpflanzen reinigen das Wasser künftig mechanisch, chemisch und biologisch, um eine hohe Qualität und Reinheit zu garantieren. Hinzu kommen Mineralfilter, Schilf und Wasserpflanzen, die sowohl das Wasser reinigen als auch Wassertieren Unterschlupf bieten.

Zudem hat das Büro WXCA das Hauptwasserreservoir vergrößert und vertieft. Über 16.000 m² Beton wurden durch Kies ersetzt und mit Isolierschichten ausgekleidet. Der zerkleinerte Beton erhielt ein neues Leben in Form von Hügeln in neu angelegten Gärten und Uferbereichen. Das neue, naturnahe Wassersystem im Park wird sich positiv auf die Stabilität des Ökosystems auswirken. Mit einem Überlauf, einem Bach und dem Hauptteich entsteht ein geschlossenes System, in dem Wasser ständig in Bewegung ist.

Das revitalisierte Wasserreservoir im Park stellt nun ein geschlossenes, sauberes System dar, das von attraktiven Wegen und einem Holzdeck umgeben ist. Copyright: WXCA / A. Borun, T. Wieteska
Das revitalisierte Wasserreservoir im Park stellt nun ein geschlossenes, sauberes System dar, das von attraktiven Wegen und einem Holzdeck umgeben ist. Copyright: WXCA / A. Borun, T. Wieteska

Grün statt grau

Auch um das renaturierte Wassersystem herum haben die Architekten den Park Pole Mokotowskie modernisiert. Zum Beispiel haben sie bestehende Wegenetz weiter ausgebaut. Versiegelte Oberflächen wurden durch wasserdurchlässige Materialien ersetzt, wodurch der früher von Beton geprägte Park bereits deutlich grüner erscheint. Über dem Hauptreservoir gibt es nun neues Stadtmobiliar in Form eines Holzdecks mit einer Terrassenanlage. Holzbrücken und kleinere Strukturen wie Sitzbereiche, Liegeplattformen und Picknicktische ermöglichen Erholung und Freizeitgestaltung.

Im nördlichen Teil des Stausees gibt es Sitzgelegenheiten in drei verschiedenen Höhen. Sie bilden einen Zuschauerbereich mit Blick auf den See. Südlich des Sees gibt es eine separate Regenerationszone für Pflanzen und Tiere. Weitere Teiche in ausgewiesenen Zonen des Parks bieten Lebensraum im Park. Einige sind für Hunde zugänglich, während andere auf natürliche Art abgedichtet sind.

Ein geplantes neues Element soll die Ringstraße sein, die den Park künftig umgibt und seine Aktivitäten und Attraktionen miteinander verbindet. Außerdem soll es eine Strecke für Skater*innen und Läufer*innen geben, die im Winter auch für den Skilanglauf dient. Rund um die Nationalbibliothek wird die große Wiese bestehen bleiben. Zusätzliche Bäume sorgen für Schatten in diesem wichtigen Innenbereich des Parks.

Pavillons der Elemente

Das Prinzip der Akupunktur kam auch bei der Modernisierung der Gärten im Pole Mokotowskie Park zum Einsatz: Biozönotische Gartenbereiche bieten eine Gemeinschaft für Organismen verschiedenen Arten in einem abgrenzbaren Lebensraum, wobei die Architekten Wert auf die vielen Wechselbeziehungen legen. Durch gezielte Interventionen, wie etwa Regengärten in den neu gestalteten Hügeln und Vertiefungen sowie eine hölzerne Plattform, war es möglich, den Park besser auf die Zukunft vorzubereiten.

Dabei ist der gesamte Park als biozönotische Landschaft gestaltet. Dies nimmt die Form einer durchdachten Anordnung von Pflanzengemeinschaften mit unterschiedlichem Profil an, von bewaldeten Winkeln über Blumenwiesen und Obstgärten bis hin zu Schilfbeeten und sensorischen Beeten, die für Insekten nützlich sind. Einheimische Arten sind in verschiedenen Biotopen arrangiert, um bestehende Netzwerke und Verbindungen zu unterstützen. Das gilt für die Natur und die Tiere, aber auch für die Fußgängerwege und die sozial-funktionalen Netzwerke des Parks.

Eingriffe in die Bereiche für Menschen sind zum Beispiel die Pavillons der Elemente. Der Luftpavillon wird Ballons haben, die die aktuelle Luftqualität anzeigen. Und der Wasserpavillon hat ein Glasdach, das Regenwasser auffängt und zudem eine Reihe von Wasserattraktionen bietet.

Der neu gestaltete Park ist deutlich grüner und von biozönotischen Gärten durchzogen. Copyright: WXCA / A. Borun, T. Wieteska
Der neu gestaltete Park ist deutlich grüner und von biozönotischen Gärten durchzogen. Copyright: WXCA / A. Borun, T. Wieteska

Pole Mokotowskie als lebhafte Landschaft für alle

Im Jahr 2018 gewann das Studio WXCA den Architekturwettbewerb zur Modernisierung des Park Pole Mokotowskie. Dem Projekt gingen umfangreiche Konsultationen mit den Bewohner*innen von Warschau voraus, die im Entwurf Berücksichtigung fanden. Die Revitalisierung des Parks findet in mehreren Phasen statt, von denen die erste mit der Renaturierung des Wasserreservoirs bereits abgeschlossen ist. Auch die Aue, der Bach und die teilweise Entwicklung des biozönotischen Gartens sowie die Modernisierung einiger Fußwege gehörte zur ersten Phase. Ebenso sind durchlässige Wege, Bänke, Tische, Abfallbehälter, Fahrradständer, Toiletten, Pavillons, Spielplätze, Skateboard-Hindernisse und Informationselemente entstanden.

Nun folgen weitere Elemente des Wettbewerbskonzepts von WXCA. Der biozönotische Garten wird erweitert und erstreckt sich letztendlich über den ganzen Park. Geplant sind zudem ein Wasserspielplatz sowie die Rekonstruktion der beliebten Finnischen Häuser in Pole Mokotowskie.

Mit der Begrünung und Ertüchtigung des Pole Mokotowskie Parks im Auftrag der Stadt Warschau hat das Büro eine große Aufgabe. Bisher setzt es diese hervorragend um und hat eine lebhafte Landschaft für Menschen und Tiere geschaffen. Die Europäische Union hat die ersten Schritte der Umsetzung im Rahmen des Programms für Infrastruktur und Umwelt 2014-2020 kofinanziert.

Weiterlesen: In Prag hat das Studio OMGEVING einen Klimapark entwickelt, der ebenfalls wesentlich vom Wasser geprägt wird.

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Die saubere Kraft der Pflanzen

Das Café de Ceuvel im Norden von Amsterdam ist mehr als nur gemütliches Café. Denn es steht auf einem Grundstück, was zuvor durch die Schwerindustrie verseucht war. Während Gäste ihr Craft Beer trinken, reinigt Phytoremediation den Boden. 

Das ehemalige Werftgelände Buiksloterham, einem Stadtteil im Norden von Amsterdam, zieht seit einigen Jahren jede Menge Aufmerksamkeit auf sich. Hier ist ein temporärer, ökologisch und sozial nachhaltiger Standort für soziale Einrichtungen und kreative Unternehmen entstanden. Seit 2012 transformiert sich De Ceuvel von einem verseuchten Industrieareal zu einem Ort für nachhaltiges Wohnen und Arbeiten.

Gereinigt wird der verseuchte Boden durch die sogenannte Phytoremediation, ein relativ neuer Ansatz zur biologischen Sanierung verseuchter Böden. Sie umfasst verschiedene Verfahren, bei denen Schadstoffe in Mutterböden, Sedimenten sowie Gewässern und Grundwasser mit Hilfe von Pflanzen entfernt, abgebaut und eingedämmt werden. Welche Pflanzen man verwendet, hängt vom jeweiligen Einsatzort ab. Im Falle von De Ceuvel wurden verschiedene Gräserarten, Rohrkolbengewächse und Pappeln eingesetzt, um organische Verbindungen zu zersetzen, Schwermetalle zu absorbieren und verseuchtes Grundwasser zurückzuhalten. Sobald eine bestimmte Pflanzenart ihre Reinigungsaufgabe erfüllt hat, wird sie durch andere Spezies ersetzt. Aussehen und Charakter des betreffenden Geländes sind dadurch ständiger Veränderung unterworfen.

 

Die Phytoremediation ist auch langfristig sehr viel günstiger im Gegensatz zur herkömmlichen Methoden, die verseuchte Mutterbodenschichten abtragen und diese auf Mülldeponien entsorgen, da sie vor Ort stattfindet. Damit rücken auch verseuchte Brachflächen zur erneuten Nutzung ins Blickfeld, die aufgrund fehlender Mittel bis dahin nicht saniert werden konnten. Die biologische Sanierung ist zudem unter ästhetischen Gesichtspunkten deutlich attraktiver. In De Ceuvel macht die Vielfalt an Pflanzen in unterschiedlichen Größenordnungen, Farben und Formen dies unmittelbar ersichtlich. Allerdings ist die Phytoremediation ein langwieriger Vorgang. Der Abbau von Schadstoffen kann Jahre oder gar Jahrzehnte dauern, je nach Grad der Schadstoffkonzentration, Größe der zu sanierenden Fläche, Klima und Anbausaison sowie weiteren Faktoren wie der Wachstumsgeschwindigkeit der Pflanzen, der Reichweite ihrer Wurzeln und der Möglichkeiten, sie gegen Beschädigungen zu schützen.

 

 

 

Alle GIFs von Vandejong, Let it Grow, Mélanie Corre

Mehr Informationen zu dem De Ceuvel Projekt in Amsterdam finden Sie in der Novemberausgabe 2018 der Garten+Landschaft.

 

 

 

Landschaften der Zukunft gesucht

Es ist eine Kluft zwischen Stadt und Land entstanden: Während urbane Räume von Bevölkerungswanderungen und wirtschaftlichen Entwicklungen profitieren, bleibt der ländliche Raum zurück. Das im deutschen Grundgesetz festgehaltene Recht auf gleichwertige Lebensverhältnisse ist zunehmend gefährdet. Die IBA Thüringen veranstaltet zu diesem Thema einen Workshop in der ländlichen Gemeinde Kannawurf. Unter der Überschrift „1.500 Hektar Zukunft – (Er)Findung einer neuen Landschaftstypologie des 21.Jahrhunderts“, werden Studierende, junge Wissenschaftler und Berufstätige dazu aufgerufen ein neues Konzept für den ländlichen Raum zu entwerfen.

Ein neues Landschaftsbewusstsein

Ziel des Workshops ist es ein neues Bewusstsein für die Landschaften des ländlichen Raumes zu schaffen. Stereotypen und etablierte Landschaftsbegriffe und -bilder sollen kritisch hinterfragt und bestehende Landnutzungen und Beziehungen neu entwickelt werden. Themen wie Forst- und Energiewirtschaft, Dorfentwicklung, Tourismus, Naturschutz und Kooperationsnetzwerke müssen dabei Berücksichtigung finden. Fernab von jeglichen Ballungsgebieten, stellt die kleine thüringische Gemeinde Kannawurf den örtlichen Rahmen. Rund 1.500 Hektar strukturarme Agrarlandschaft stehen bereit, um von den Teilnehmern neu bespielt zu werden.

IBA Campus

Unter dem Namen IBA Campus gründet die IBA Thüringen jedes Jahr ein internationales und interdisziplinäres Kollektiv. Der IBA Campus 2017 richtet sich vor allem an junge Interessenten. Eingeladen sind Studenten sowie Wissenschaftler und Berufstätige mit einer maximalen Berufserfahrung von drei Jahren. Eine Einschränkung des Studien- beziehungsweise des Berufsfeldes existiert nicht. Der Bewerbungszeitraum endet am 15. April 2017. Aus den Bewerbern werden 12 Teilnehmer ausgewählt, um mit hochrangigen Experten Teil der IBA Modellprozesse zu werden. Weitere Informationen finden Sie unter www.iba-thueringen.de