18.11.2020

Projekt

„Die IBA Basel hat die beiden Rheinfelden nochmal näher zusammengebracht“

von Theresa Ramisch

Zusammenarbeit der beiden Rheinfelden

Die Projektträger des IBA Basel Projekts „Rheinfelder Rheinuferrundweg extended“ wollen den Hochrheinabschnitt zwischen Stein/Bad Säckingen und Grenzach-Wyhlen zu einem länderübergreifenden Flusspark entwickeln. Die Mission: die bestehenden Qualitäten des zusammenhängenden Gewässerraums als gemeinsamen Natur-, Kultur- und Naherholungsraum zu stärken. Am Ende soll ein attraktiver Rundweg entstehen, der reich an Sehenswürdigkeiten wie Stegen, Wegen, Erholungs-/ Spielbereichen, Anlegestellen und Beobachtungstürmen durch Fußgänger*innen- und Radwege sichtbar gemacht wird. Von den beiden Rheinfelden, Rheinfelden (Baden) und Rheinfelden (CH), ging das Projekt aus. Wir haben uns mit Klaus Eberhardt, Oberbürgermeister von Rheinfelden (Baden), und Franco Mazzi, Stadtammann von Rheinfelden (CH) über das Projekt und die Zusammenarbeit zwischen den Städten unterhalten.

 

Klaus Eberhardt, Franco Mazzi, sagen Sie, warum und inwiefern braucht die Region den Rheinfelder Rheinuferrundweg extended?

Franco Mazzi: Mit zunehmender Verdichtung von Wohngebieten wird die Konzeption, Erstellung und dann auch die Kommunikation von gemeindeübergreifenden Freizeit- und Naherholungsgebieten immer wichtiger. Insbesondere, wenn es sich um Gebiete mit unterschiedlicher Landeszugehörigkeit handelt. Deswegen macht der Rheinfelder Rheinuferrundweg extended viel Sinn.

Klaus Eberhardt: Der Hochrhein bis Basel steht für das wichtigste Charakteristikum von Landschaft und Siedlung, der Kultur und des Zusammenlebens der Menschen. Der Flussverlauf ist als Freizeit- und Erholungszone von sehr interessanten und unterschiedlichen strukturierten Landschafts- und Siedlungsräumen geprägt. Die Idee, über einen Weg die einzelnen markanten Projekte über teilweise vorhandene Wegestrukturen herauszustellen, neue Akzente zu setzen und der Bevölkerung ins Bewusstsein zu rücken, wurde von allen Beteiligten als einen starken Moment gesehen.

 

Der einst geplante Rheinsteg, eine zentrale Maßnahme des IBA Projektes, ist seit Oktober 2019 Geschichte. Das Schweizer Stimmvolk stimmte in einer Referendumsentscheidung dagegen. Was sagt die Entscheidung für Sie aus?

Franco Mazzi: Dass die Abstimmenden dem Projekt aufgrund der erheblichen Kostenentwicklung mehrheitlich nicht mehr zustimmen mochten.

Klaus Eberhardt: Das Projekt war von Beginn an sehr professionell entwickelt worden und hätte im Falle einer Realisierung einen der Leuchttürme der IBA Basel 2020 bilden können. Gleichwohl muss man eingestehen, dass den freiwilligen Aufgaben von Städten und Gemeinden eine besondere Bewertung, insbesondere in Hinblick auf die fiskalischen Auswirkungen, zukommt. Auch haben sich unterschiedliche Faktoren in der Berücksichtigung der jeweils nationalen Situation ergeben, die sich bedauerlicherweise kostensteigernd ausgewirkt haben. Trotz der Ablehnung ist jedoch der Rheinsteg ein Beispiel dafür, wie sich zumindest in der Form der Zusammenarbeit und Vorbereitung eines Projektes Qualitätskriterien finden lassen, die ein gemeinsames Projekt ermöglichen helfen. Allerdings ist es eine Lehre aus dem jahrelangen Vorgang, die Bevölkerung noch mehr als vollzogen in den Projektverlauf und die Entscheidung einzubinden.

 

Zusammenarbeit jetzt selbstverständlich 

Klaus Eberhardt, Sie haben die IBA Basel von Beginn an begleitet. Hat die IBA Basel beide Rheinfelden und die Region noch näher zusammengebracht?

Klaus Eberhardt: Die beiden Rheinfelden pflegen seit vielen Jahren eine gute Zusammenarbeit. Schon frühzeitig wurde ein gemeinsames Stadtentwicklungskonzept auf den Weg gebracht, das erste Vorschläge für eine Gesamtbetrachtung der beiden Siedlungsräume aufzeigte und eine Grundlage für die Herausstellung gemeinsamer Entwicklungsziele bildete.

Mit der Möglichkeit, im Zuge der Internationalen Bauausstellung Basel 2020, Projekte gemeinsam zu definieren, wurde die schon bestehende Zusammenarbeit intensiviert. Dies umfasste einmal eine gemeinsam entwickelte Projektträgerschaft und die mittlerweile fast schon selbstverständlich wirkende Zusammenarbeit der betroffenen Verwaltungsbereiche in Projektgruppen. Das gemeinsame Verständnis für anstehende Projekte und die gemeinsam entwickelten Organisationsformate haben dazu geführt, dass die Zusammenarbeit der Verwaltungen selbstverständlich wurde.

Guter Job der IBA Basel 2020

Wie sehen Sie das, Franco Mazzi?

Franco Mazzi: Ich kann dem nur zustimmen. Auch wenn beide Rheinfelden schon seit vielen Jahren in etlichen Bereichen eng zusammenarbeiten, so hat doch die IBA und die sich daraus ergebenden Projektentwicklungen die beiden Rheinfelden nochmals näher gebracht. Insbesondere mit dem Projekt Rheinfelder Rheinuferrundweg extended wurde aber zusätzlich die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden und Nachbarstädten vertieft.

 

Wenn Sie heute nochmal in die IBA starten würden, was würden Sie anders machen?

Franco Mazzi: Ich würde versuchen, die Realisierung der angestrebten Projekte zu beschleunigen.

Klaus Eberhardt: Die IBA Basel 2020 ist ein Beispiel für eine Bottom-up entwickelte Internationale Bauausstellung, die nicht von vornherein auf große Zuschüsse zurückgreifen konnte. Unter dieser Prämisse hat die IBA Basel 2020 einen guten Job geleistet.

Weiterhin beispielhafte Zusammenarbeit geplant

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft? Ihre Vision für beide Rheinfelden?

Franco Mazzi: Beide Rheinfelden sollen weiterhin lebenswert und liebenswert sein und bleiben, und aufgrund der geschaffenen soliden Grundlagen gemeinsam eine gute Entwicklung anstreben. Die grenzüberschreitende gute Zusammenarbeit soll auch in Zukunft beispielhaft sein und als Muster wirken.

Klaus Eberhardt: Dem kann ich nur zustimmen. Wir werden gemeinsam unseren weiteren Weg gehen.

 

Franco Mazzi ist Betriebsökonom Fachhochschule. Im Jahr 2006 wechselte Mazzi nach mehr als 20 Jahren beruflicher Tätigkeit in der Privatwirtschaft in die Position des sogenannten „vollamtlichen Stadtammanns“ – Bezeichnung eines Bürgermeisters im Kanton Aargau. Seit 2012 ist er Großrat im Parlament des Kantons Aargau und seit 2006 im Vorstand des Trinationalen Eurodistrictes Basel TEB.

Klaus Eberhardt studierte Stadtplanung an der TU Berlin, arbeitete als Stadtplaner in Goslar sowie Osterholz-Scharmbeck. Von 1990 bis 1992 war Eberhardt Stadtbauamtsleiter in Weil am Rhein, von 1992 bis 2000 Geschäftsführer der Landesgartenschau in Weil am Rhein sowie von 1992 bis 2012 Bürgermeister in Weil am Rhein. Seit 2012 ist er Oberbürgermeister von Rheinfelden (Baden).

Warum wir eine IBA-Basel-Serie gestartet haben? Das lesen Sie hier.

Sämtliche Beiträge zur IBA Basel 2020 finden Sie hier.

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