Rindenmulch Fallschutz: Material, Detail und Praxis

Ein Detail von Belag und Freiraummaterial zum Thema Rindenmulch Fallschutz
Ein Junge balanciert auf Steinen im Spielplatz – ein klassisches Element naturnaher Spielraumgestaltung. Foto: bambicorro/Unsplash

Fallschutz aus Rindenmulch gehört zu den am häufigsten eingesetzten und gleichzeitig am häufigsten falsch ausgeführten Sicherheitselementen im öffentlichen Freiraum. Das Material ist günstig, natürlich und ästhetisch ansprechend, doch seine Schutzwirkung hängt von präzisen Einbaubedingungen, konsequenter Pflege und einem fundierten Verständnis der zugrunde liegenden Normen ab. Wer Rindenmulch Fallschutz plant, dimensioniert und unterhält, trägt Verantwortung für die körperliche Unversehrtheit von Kindern und anderen Nutzern.

  • Was Rindenmulch als Fallschutzmaterial physikalisch leistet und wo seine Grenzen liegen
  • Welche Normen und Regelwerke für Fallschutzmaterial auf Spielplätzen verbindlich sind
  • Wie die kritische Fallhöhe definiert wird und wie sie den Materialbedarf bestimmt
  • Welche Einbautiefe, Körnung und Qualität für normkonformen Rindenmulch Fallschutz erforderlich sind
  • Wie Einfassungen, Entwässerung und Unteraufbau das Gesamtsystem beeinflussen
  • Welche Pflegemaßnahmen die Schutzwirkung dauerhaft erhalten
  • Welche typischen Planungs- und Ausführungsfehler in der Praxis auftreten
  • Wie Rindenmulch im Vergleich zu anderen losen Fallschutzmaterialien abschneidet

Rindenmulch Fallschutz: Definition, Wirkprinzip und normative Einordnung

Rindenmulch Fallschutz bezeichnet den Einsatz von zerkleinerter Baumrinde als stoßdämpfende Schüttschicht unterhalb und im Umfeld von Spielgeräten, um bei einem Sturz die auf den menschlichen Körper einwirkende Aufprallenergie zu reduzieren. Das Wirkprinzip ist mechanisch: Die lose, inhomogene Schüttung verformt sich beim Aufprall, verlängert die Verzögerungszeit und senkt damit die maximale Beschleunigung, die auf Kopf und Körper einwirkt. Physikalisch ausgedrückt wird die kinetische Energie des Sturzes über einen längeren Weg abgebaut, was die Spitzenkraft pro Zeiteinheit reduziert. Dieses Prinzip teilt Rindenmulch mit anderen losen Fallschutzmaterialien wie Sand, Kies oder Holzschnitzel, unterscheidet sich aber in Materialeigenschaften, Pflegeanforderungen und Alterungsverhalten deutlich von diesen.

Die normative Grundlage für Fallschutz auf Spielplätzen bildet in Deutschland und im gesamten europäischen Raum die DIN EN 1176 (Spielplatzgeräte und Spielplatzböden) in Verbindung mit der DIN EN 1177 (Stoßdämpfende Spielplatzböden). Die DIN EN 1177 legt fest, wie Fallschutzmaterialien geprüft werden, welche Messwerte für die Stoßdämpfung gelten und wie die sogenannte kritische Fallhöhe bestimmt wird. Rindenmulch ist in dieser Norm als geeignetes loses Fallschutzmaterial anerkannt, sofern er bestimmte Qualitäts- und Einbauanforderungen erfüllt. Für Planer und Betreiber öffentlicher Spielplätze sind diese Normen keine bloßen Empfehlungen, sondern im Kontext der Verkehrssicherungspflicht faktisch verbindlich: Wer von ihnen abweicht, muss im Schadensfall nachweisen, dass die gewählte Lösung ein gleichwertiges Schutzniveau bietet.

Die kritische Fallhöhe ist dabei der zentrale Bemessungsparameter. Sie bezeichnet die maximale Höhe, aus der eine Person auf den Fallschutzboden stürzen kann, ohne dass der Aufprall zu einer lebensbedrohlichen Kopfverletzung führt. Die DIN EN 1177 definiert diesen Grenzwert über den sogenannten HIC-Wert (Head Injury Criterion), einen biomechanischen Kennwert, der aus der gemessenen Beschleunigungskurve beim Aufprall berechnet wird. Ein HIC-Wert unter 1000 gilt als Grenzwert für die kritische Fallhöhe. Die Schütttiefe des Rindenmulchs muss so bemessen sein, dass dieser Wert bei der jeweils maßgeblichen Fallhöhe des aufgestellten Spielgeräts eingehalten wird.

Materialeigenschaften und Qualitätsanforderungen

Nicht jeder Rindenmulch ist für den Einsatz als Fallschutzmaterial geeignet. Handelsüblicher Rindenmulch aus dem Gartencentersortiment, der für Beetabdeckungen oder Wegebeläge gedacht ist, unterscheidet sich in Körnung, Aufbereitung und Qualität erheblich von Fallschutz-Rindenmulch, der die Anforderungen der DIN EN 1177 erfüllt. Für den Fallschutzeinsatz ist eine definierte Körnung erforderlich, die in der Praxis üblicherweise im Bereich von 20 bis 80 Millimetern liegt. Zu feine Anteile erhöhen die Verdichtungsneigung und verschlechtern die Stoßdämpfung; zu grobe Stücke können bei Stürzen selbst zur Verletzungsquelle werden und sind schwieriger zu begehen.

Das Material muss frei von Splittern, scharfen Kanten und Fremdkörpern sein. Besonders kritisch sind Nadeln, Harzreste und mechanisch nicht ausreichend aufbereitete Stücke, die beim Sturz Hautabschürfungen oder Stichverletzungen verursachen können. Qualitativ hochwertiger Fallschutz-Rindenmulch wird aus entrindeten Fichten- oder Kiefernstämmen gewonnen, mechanisch zerkleinert und gesiebt. Die Verwendung von Laubbaumrinde ist möglich, aber weniger verbreitet, da Laubrinde schneller verrottet und stärker zur Verdichtung neigt. Für den Einsatz im öffentlichen Raum empfiehlt sich grundsätzlich Material, das mit einem Prüfzeugnis nach DIN EN 1177 geliefert wird, das die gemessene kritische Fallhöhe bei einer definierten Schütttiefe dokumentiert.

Ein weiterer Qualitätsaspekt ist der Feuchtegehalt des Materials bei der Lieferung. Frisch gesiebter Rindenmulch enthält erhebliche Restfeuchte aus dem Holz, die die Schüttdichte und das Setzungsverhalten beeinflusst. Stark feuchtes Material setzt sich nach dem Einbau stärker als trockenes, was die tatsächliche Schütttiefe nach einigen Wochen deutlich unter den geplanten Wert absinken lassen kann. Planer sollten diesen Setzungseffekt bei der Bemessung berücksichtigen und die Einbautiefe entsprechend großzügiger wählen oder eine erste Kontrolle und Nachfüllung nach der Einbauphase einplanen.

Einbautiefe, Fallhöhe und Dimensionierung des Fallschutzbereichs

Die Einbautiefe des Rindenmulchs ist die wichtigste Stellgröße für die Schutzwirkung. Die DIN EN 1177 gibt keine starren Einbautiefen vor, sondern verlangt, dass die tatsächliche kritische Fallhöhe des eingebauten Materials durch Prüfung nachgewiesen wird. In der Praxis haben sich jedoch Richtwerte etabliert, die auf Prüfergebnissen marktüblicher Materialien beruhen. Bei einer Einbautiefe von 300 Millimetern wird für normkonformen Rindenmulch in der Regel eine kritische Fallhöhe von etwa 1,5 bis 2,0 Metern erreicht; bei 400 Millimetern steigt dieser Wert auf etwa 2,5 bis 3,0 Meter. Diese Werte sind materialabhängig und können je nach Körnung, Verdichtungszustand und Feuchte variieren. Für Geräte mit größeren Fallhöhen, etwa Klettertürme oder Seilbahnen, sind Einbautiefen von 500 Millimetern und mehr erforderlich.

Entscheidend ist dabei, dass die Einbautiefe nicht nur unmittelbar unter dem Gerät, sondern im gesamten Fallschutzbereich eingehalten wird. Der Fallschutzbereich erstreckt sich nach DIN EN 1176 über die Geräteprojektion hinaus um einen definierten Sicherheitsabstand, der von der Gerätehöhe und dem Gerätetyp abhängt. Bei freistehenden Geräten mit Fallhöhen über 600 Millimetern beträgt dieser Abstand in der Regel mindestens 1,5 Meter, bei Geräten mit Schwingbewegung wie Schaukeln ist er deutlich größer und berücksichtigt den Ausschlagbereich. Planer müssen die Fallschutzbereiche verschiedener Geräte auf Überschneidungen prüfen und sicherstellen, dass auch in Randbereichen und Übergangszonen die volle Schütttiefe vorhanden ist.

Ein häufig unterschätzter Aspekt ist die Verdichtung des Materials unter Nutzungsdruck. Rindenmulch verdichtet sich besonders stark an Stellen, die intensiv betreten werden: Einstiegsbereiche, Landezonen unter Rutschen und Bereiche unter Schaukeln verlieren ihre Schütttiefe deutlich schneller als weniger frequentierte Zonen. Regelmäßiges Auflockern durch Harken und Nachfüllen ist deshalb keine optionale Pflegemaßnahme, sondern eine sicherheitsrelevante Notwendigkeit. Die Betreiberpflicht umfasst die regelmäßige Kontrolle der Schütttiefe, idealerweise mit einem einfachen Tiefenmaßstab oder einer Sonde, die an mehreren repräsentativen Punkten in den Fallschutzbereich eingeführt wird.

Konstruktiver Aufbau: Einfassung, Untergrund und Entwässerung

Die Schutzwirkung von Rindenmulch Fallschutz hängt nicht allein vom Material selbst ab, sondern vom Gesamtsystem aus Einfassung, Untergrund und Entwässerung. Eine unzureichend geplante Konstruktion kann dazu führen, dass das Material ausgetragen wird, sich ungleichmäßig verteilt oder sich auf einem wassergesättigten Untergrund zu einer kompakten, kaum noch stoßdämpfenden Schicht verdichtet.

Die Einfassung hat die Aufgabe, das Material im Fallschutzbereich zu halten und ein Auswandern in angrenzende Bereiche zu verhindern. Übliche Einfassungsmaterialien sind Holzbohlen aus druckimprägniertem oder dauerhaftem Laubholz, Betonkantensteine, Cortenstahl-Profile oder Kunststoffbordüren. Jede dieser Varianten hat Vor- und Nachteile: Holz ist optisch ansprechend und fügt sich in naturnahe Spielplatzgestaltungen ein, erfordert aber regelmäßige Kontrolle auf Fäulnis und Splitterbildung, da es selbst zur Verletzungsquelle werden kann. Betonkantensteine sind dauerhaft, aber hart und können bei Stürzen in den Randbereich selbst Verletzungen verursachen, wenn sie nicht ausreichend tief eingebaut und bündig mit der Mulchoberfläche gehalten werden. Die Einfassungshöhe sollte so gewählt werden, dass die volle Schütttiefe aufgenommen werden kann, ohne dass das Material über den Rand quillt und auf angrenzende Wege oder Flächen ausgetragen wird.

Der Untergrund unter dem Rindenmulch beeinflusst sowohl die Entwässerung als auch das Setzungsverhalten. Ein gewachsener, durchlässiger Boden ist in der Regel ausreichend, sofern keine Staunässeprobleme bestehen. Auf verdichteten oder tonigen Böden empfiehlt sich eine Drainageschicht aus grobem Kies oder Schotter unterhalb der Rindenmulchschicht, um Wasseransammlungen zu vermeiden. Stehendes Wasser im Fallschutzbereich ist aus mehreren Gründen problematisch: Es fördert die Fäulnis des Materials, erhöht die Verdichtungsneigung und kann im Winter zu Eisbildung führen, die die Stoßdämpfung vollständig aufhebt. Auf Flächen mit bekannten Entwässerungsproblemen sollte ein Drainageaufbau mit Vliesabdeckung geplant werden, der den Wasserabfluss sicherstellt, ohne das Material in den Untergrund zu drücken.

Ein Unkrautvlies unter dem Rindenmulch ist in der Fallschutzanwendung umstritten. Einerseits reduziert es den Aufwuchs von Wildkräutern, die die Schütttiefe verringern und das Material durchwurzeln können. Andererseits kann ein zu festes Vlies die vertikale Verformbarkeit der Schüttung bei einem Aufprall beeinträchtigen, wenn es unmittelbar unter der aktiven Fallschutzschicht liegt. Fachleute empfehlen, das Vlies gegebenenfalls unterhalb einer Drainageschicht anzuordnen, nicht direkt unter dem Rindenmulch, um die Stoßdämpfung nicht zu beeinträchtigen.

Pflege, Inspektion und Betreiberpflichten

Rindenmulch ist ein organisches Material und unterliegt einem kontinuierlichen Abbauprozess. Pilze, Bakterien und Bodenorganismen zersetzen die Rinde, was zur Volumenreduktion, zur Verdichtung und zur Veränderung der Stoßdämpfungseigenschaften führt. Je nach Klimabedingungen, Nutzungsintensität und Materialqualität ist mit einer deutlichen Volumenreduktion innerhalb von zwei bis drei Jahren zu rechnen. Ein vollständiger Materialaustausch ist in der Regel alle drei bis fünf Jahre erforderlich, in intensiv genutzten Anlagen auch häufiger.

Die laufende Pflege umfasst mehrere Maßnahmen, die in einem regelmäßigen Turnus durchgeführt werden sollten:

  • Wöchentliche Sichtinspektion auf Fremdkörper (Scherben, Metallteile, Tierkot, Spritzen), die sofort entfernt werden müssen
  • Regelmäßiges Auflockern und Umverteilen des Materials, besonders in Landezonen und Einstiegsbereichen
  • Kontrolle der Schütttiefe an mehreren Punkten, mindestens monatlich und nach Starkregenereignissen
  • Nachfüllen von Material, sobald die Schütttiefe unter den normativen Mindestwert absinkt
  • Kontrolle auf Fäulnis, Schimmelbildung oder starke Verdichtung, die auf einen erforderlichen Teilaustausch hinweisen
  • Jährliche Hauptinspektion durch eine fachkundige Person, die auch die Einfassungen, den Gesamtzustand und die Dokumentation umfasst

Die Betreiberpflicht für öffentliche Spielplätze ist im deutschen Recht nicht in einem einzigen Gesetz geregelt, ergibt sich aber aus dem allgemeinen Deliktsrecht (Paragraf 823 BGB) in Verbindung mit der Verkehrssicherungspflicht. Wer eine Anlage öffentlich zugänglich macht, ist verpflichtet, sie in einem sicheren Zustand zu halten und regelmäßig zu kontrollieren. Die DIN EN 1176 Teil 7 enthält konkrete Vorgaben für Inspektionsintervalle und Inspektionsinhalte, die in der Praxis als Mindeststandard gelten. Kommunen, Wohnungsbaugesellschaften und private Betreiber sollten Inspektionen dokumentieren und Nachweise über Pflegemaßnahmen führen, um im Schadensfall ihre Sorgfaltspflicht belegen zu können.

Typische Planungsfehler und Missverständnisse in der Praxis

Einer der verbreitetsten Fehler bei der Planung von Rindenmulch Fallschutz ist die Unterschätzung der erforderlichen Schütttiefe. Viele Ausführungen orientieren sich an optischen Eindrücken oder an pauschalen Erfahrungswerten, ohne die tatsächliche Fallhöhe des jeweiligen Geräts zu berücksichtigen. Ein Klettergerüst mit einer Plattformhöhe von 2,5 Metern erfordert eine deutlich größere Schütttiefe als eine Wippe mit einer maximalen Fallhöhe von 0,6 Metern. Werden beide Geräte mit derselben Schütttiefe ausgeführt, ist das eine entweder überdimensioniert oder das andere unzureichend geschützt.

Ein weiteres Missverständnis betrifft den Fallschutzbereich selbst. In der Praxis wird die Rindenmulchfläche häufig zu klein dimensioniert, weil der Platzbedarf für den Sicherheitsabstand unterschätzt wird. Besonders bei Schaukeln, Seilbahnen und Geräten mit Schwingbewegung erstreckt sich der Fallschutzbereich weit über die Geräteprojektion hinaus. Kinder stürzen nicht nur senkrecht nach unten, sondern auch seitlich und in Bewegungsrichtung. Die Norm berücksichtigt diese Dynamik durch gerätespezifische Freiräume und Sicherheitsabstände, die in der Planung konsequent einzuhalten sind.

Häufig wird auch die Bedeutung der Materialkontinuität unterschätzt. Wenn Rindenmulch aus verschiedenen Lieferungen oder Qualitäten gemischt wird, können sich die Stoßdämpfungseigenschaften innerhalb des Fallschutzbereichs erheblich unterscheiden. Besonders problematisch ist das Einmischen von verrottetem Altmaterial in frisches Material, weil das Altmaterial die Gesamtschüttung verdichtet und die Stoßdämpfung des frischen Materials beeinträchtigt. Bei Nachfüllungen sollte deshalb immer gleichwertiges Material verwendet und stark zersetztes Altmaterial vollständig entfernt werden.

Schließlich wird die Winterproblematik in vielen Planungen nicht ausreichend berücksichtigt. Bei Frost verliert Rindenmulch seine Stoßdämpfungseigenschaften nahezu vollständig, weil das gefrorene Material keine Verformung mehr zulässt. Spielplätze sind in dieser Zeit nicht automatisch gesperrt; Kinder nutzen sie auch im Winter. Betreiber sollten klare Regelungen für den Winterbetrieb haben und im Zweifelsfall Geräte mit großen Fallhöhen bei anhaltenden Frostperioden sperren, bis das Material wieder aufgetaut und seine Schutzwirkung wiederhergestellt ist.

Rindenmulch im Vergleich mit anderen losen Fallschutzmaterialien

Im Spektrum der losen Fallschutzmaterialien nimmt Rindenmulch eine mittlere Position ein. Sand ist das günstigste und am weitesten verbreitete Material, bietet bei ausreichender Tiefe gute Stoßdämpfung, neigt aber zur Verdichtung, zur Verschmutzung durch Tierkot und zur Austrocknung, die seine Eigenschaften verändert. Quarzkies ist dauerhafter als Sand und weniger anfällig für Fäulnis, verdichtet sich aber stärker und ist für kleinere Kinder schwieriger zu begehen. Holzschnitzel aus unbehandeltem Holz verhalten sich ähnlich wie Rindenmulch, sind aber in der Regel günstiger und zersetzen sich noch schneller.

Rindenmulch bietet gegenüber Sand den Vorteil einer geringeren Verschmutzungsneigung durch Tierkot, weil die Struktur des Materials für Katzen und Hunde weniger attraktiv als Sandkästen ist. Gegenüber Kies ist Rindenmulch weicher und angenehmer für barfüßige Kinder. Der wesentliche Nachteil gegenüber mineralischen Materialien liegt im Abbauverhalten: Rindenmulch muss regelmäßig nachgefüllt und in kürzeren Zyklen vollständig ausgetauscht werden, was langfristig höhere Unterhaltskosten verursacht. Für Kommunen mit knappen Pflegebudgets kann dieser Aspekt ein gewichtiges Argument für alternative Materialien oder für gebundene Fallschutzbeläge sein.

Gebundene Fallschutzbeläge aus Gummigranulat oder Kunststoff bieten demgegenüber eine gleichbleibende, wartungsarme Schutzwirkung, sind aber in der Herstellung ressourcenintensiver und am Ende ihrer Lebensdauer schwieriger zu entsorgen. Die Wahl des Fallschutzmaterials ist deshalb immer eine Abwägung aus Schutzwirkung, Unterhaltsaufwand, Nutzungskontext, gestalterischen Anforderungen und ökologischen Gesichtspunkten. Rindenmulch bleibt dabei für viele Anwendungen die ökologisch vertretbarste und gestalterisch stimmigste Lösung, sofern die Unterhaltsressourcen vorhanden sind.

Rindenmulch Fallschutz als planerische Gesamtaufgabe

Rindenmulch Fallschutz ist kein Detail, das sich am Ende eines Planungsprozesses fast von selbst ergibt. Er ist ein sicherheitsrelevantes Bauteil, das von der ersten Geräteauswahl über die Dimensionierung des Fallschutzbereichs bis zur Festlegung der Pflegeleistungen durchgängig mitgedacht werden muss. Wer die Schütttiefe zu knapp bemisst, die Einfassung unzureichend plant oder den Unterhaltsaufwand unterschätzt, produziert eine Anlage, die zwar im Neuzustand normkonform sein mag, aber nach wenigen Monaten Nutzung unter die erforderlichen Sicherheitsstandards absinkt.

Für Landschaftsarchitekten und Freiraumplaner bedeutet das: Die Auseinandersetzung mit der DIN EN 1176 und der DIN EN 1177 ist Pflichtbestandteil jeder Spielplatzplanung. Die Normen sind keine bürokratischen Hürden, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Unfallforschung und biomechanischer Erkenntnisse. Wer sie kennt und anwendet, schützt Kinder und schützt sich selbst vor Haftungsrisiken. Wer sie ignoriert oder oberflächlich behandelt, überlässt die Sicherheit dem Zufall.

Die Qualität eines Spielplatzes zeigt sich nicht zuletzt darin, wie konsequent der Fallschutz geplant, eingebaut und gepflegt wird. Rindenmulch ist ein Material mit echten Vorzügen: Es ist natürlich, ökologisch abbaubar, optisch angenehm und bei richtiger Ausführung wirksam. Diese Vorzüge entfalten sich aber nur, wenn das Material in der richtigen Qualität, der richtigen Tiefe und mit dem richtigen Unterhaltsregime eingesetzt wird. Fallschutz ist keine einmalige Investition, sondern eine Daueraufgabe, die in den Betrieb einer Anlage strukturell eingebettet sein muss.

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Wasser in die Wüste tragen – Der Miracle Garden in Dubai

Dubai ist bekannt für seine extremen Attraktionen, die Touristen aus aller Welt anlocken sollen. Nun steigt die Stadt ins Gartengeschäft ein: Mit dem Miracle Garden hofft sie, weitere Besucherströme zu generieren. Die ökologischen Aspekte lässt sie dabei ausser Acht.

Wüste, Sand, Kamele und sonst wenig bis nichts. Gut, ein paar Menschen gab es auch noch, aber die Arabische Halbinsel hatte vor 50 Jahren überschaubare Attraktionen. Dann trafen sich Visionen und Öl. Aus dem beschaulichen Fischerdorf Dubai wurde ein protziges Glitzerhappening mit Rekordbauwerken. Die Stadt als architektonischer Exzess. Nach den Wolkenkratzern gibt es in immer kürzeren Abständen gewaltige gärtnerische Großprojekte.

Der Miracle Garden Dubai ist das jüngste Gartenwunder: 1,5 Millionen Besucher kommen in einer kurzen Saison von November bis April. Dann wird die kunterbunte und mehrdimensionale Blumenwelt aus Pflanzenskulpturen mal als Pyramide, Würfel, Disneyfigur oder Airbus-A380-Imitat abgerissen und völlig anders wieder aufgebaut: Fantasievoller, bunter, spektakulärer, aber inhaltlich präsentiert sich der Garten mit seinen zwischen 150 und 200 Millionen Pflanzen so aufdringlich wie Giersch. Denn 80 Prozent aller Pflanzen sind Petunien und Studenten­blumen. Hier siegt Masse über Klasse. Wie einst der Rattenfänger von Hameln ziehen täglich Heerscharen an Besuchern aus aller Welt vorbei, betäubt von der farbenreichen, aber glanzlosen Pflanzenpracht.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich vortrefflich streiten: Doch in diesem Garten geht es nicht um Gartenkultur, um Kunstfertigkeit mit Pflanzen, um Gestaltung von Landschaften, um Ruhe und Erholung. Der Garten bietet eine seelen­lose Show ohne jeden Ansatz von ökologischer Nachhaltigkeit. 750 000 Liter Wasser benötigt die bunte Masse täglich, fast jede Pflanze schlummert in Plastiktöpfen mit Torfsubstrat. Hinter der farbenfrohen Monotonie werden Ressourcen verschwendet. Der blumenreichste Garten der Welt will längst mit Ablegern in andere Welten expandieren. Und das ist keine Fata Morgana.

 

Eine Handzeichnung zeigt einen Menschen mit vier Beinen und vier Beinen im Mittelpunkt eines Blattes. Angelegt an die Darstellung des vitruvianischen Menschen.
Cover Photo for future. credits: Büchner Verlag

Um die Klimakrise aufzuhalten, braucht es radikales Umdenken. Kluge Ansätze wie dieses Umdenken aussehen kann, gibt es bereits. Wir finden Sie beispielsweise in der Natur selbst. Der Landschaftsarchitekt Tim Kaysers zeigt in seinem Buch Phyto for future, was wir von Pflanzen lernen können und wie sich anhand dessen alle Lebens- und Wirtschaftszweige umstellen lassen.

Worum es geht: 

Tim Kaysers Credo lautet: Von Pflanzen lernen und anhand dessen alle Lebensbereiche nachhaltiger auszurichten. Mit Phyto for future schreibt er dazu ein persönliches Manifest. In fünf Unterkapiteln zeigt er Wege auf, um gegen die Klimakrise anzukämpfen. Zunächst beschreibt er Wesen und Wechselwirkungen von Pflanzen mit der Umwelt, den Menschen und er Wirtschaft. Anschließend zeigt er auf, wie Prozesse von Pflanzen in den Alltag integriert und gestalterisch interpretiert werden können. Dazu gibt er Beispiele aus der Landwirtschaft, Energieproduktion oder Baubranche. Und hält Phytotipps für alle Bereiche bereit. In seiner Zukunftsvision zeichnet er ein harmonisches Zusammenspiel der verschiedenen Organismen. Für ihn liegt darin der einzige Ausweg aus der Klimakrise. 

Was den Autor auszeichnet:

Tim Kaysers ist im Schwarzwald aufgewachsen, studierte in Berlin und London Landschaftsarchitektur. Während  seiner beruflicher Tätigkeit in China und Ecuador sowie bei zahlreichen Reisen entwickelte er sein tiefes Interesse für das Reich der Pflanzen. Seit 2017 ist bei Planstatt Senner GmbH in Überlingen aktiv.

Das ist eine wichtige Aussage:

„Wir hängen alle zusammen. Wir haben einen Himmel und eine Erde, »Global ist hier«.“ (Seite 224)

Da ist eine Aussagen, die zum Nachdenken anregt:

„Es hat noch nie Konstanz in der Pflanzenwelt gegeben. Alles ist in Veränderung. Es gibt keine harten Grenzen in der Natur, alles fließt. In einer Umgebung, in der die Natur sich selbst überlassen ist, kommen Pflanzen mit Störungen gut zurecht.“ (Seite 35)

Der Klappentext wird erfüllt, weil…

… er einen guten Vorgeschmack auf den Ton der Lektüre gibt. Die Relevanz und Ehrfurcht vor der Pflanzenwelt und den Möglichkeiten, die sie bieten, wird im Buch durch viele Aspekte vertieft.

Mit diesem Wissen aus dem Buch kann man angeben:

Zum Beispiel, dass Pflanzen das wirtschaftlichste und effizienteste System der Erde betreiben. Technisch-monetär ausgedrückt haben die Ökosystemleistungen einen Wert von über 140 Billionen US-Dollar. Das ist doppelt so viel wie das weltweite Bruttoinlandsprodukt. Pflanzen sind demnach doppelt so produktiv wie alle Volkswirtschaften der Erde zusammen.

Mehr Trend als Klassiker, weil…

…es trotz zahlreicher Fakten eher wie eine sehr persönlich verfasste Analyse der aktuellen Situation und eine emotional aufgeladene Streitschrift für den Wandel daherkommt.

Kurzer Satz zu

  • Haptik: Die Publikation ist als Broschüre im DinA4-Format gedruckt.
  • Design: Das Layout ist unaufgeregt und übersichtlich. Auf die reinen Textkapitel folgen am Ende farbige Handskizzen.
  • Lesefluss: Kayser wählt eine sehr einfach verständliche Sprache. Diese ist trotz der Thematik nie wissenschaftlich, sondern äußerst bodenständig formuliert. Dies erleichtert einerseits den Lesefluss, an mancher Stelle werden die Formulierungen der komplexen Thematik nicht immer gerecht.
  • Bildsprache: Die Handzeichnungen wurden mit Buntstiften und Fineliner ausgeführt und für die Publikation gescanned. Damit wird der Charme einer spontanen Skizze eingefangen. Sie erklären Zusammenhänge und geben Sinneseindrücke wieder.
  • Information: Phyto for future ist keine wissenschaftliche Lektüre. Tim Kayser gelingt es jedoch, mit der Vielfalt an Beispielen eine spannende Bandbreite an Themen anzusprechen. Der Anhang umfasst mehrere Seiten mit Literatur- und Internetquellen, die zur weiteren Recherche dienen können.

Was sonst noch wichtig wäre:

Die Lektüre macht die Dringlichkeit eines Umdenken deutlich. Und Kaysers schafft es, seine Überzeugung, dass unserer Zukunft von den Pflanzen abhängt, eindrücklich zu manifestieren.

Weiterer spannender Lesestoff: Manifest der freien Straße.