Schachtversickerung: Funktion, Vorteile und Umsetzung

Begrünte, klimaangepasste Stadtinfrastruktur zum Thema Schachtversickerung
Wasserkreise breiten sich ruhig aus – ein stilles Naturschauspiel. (Foto: bielmorro / Unsplash)

Regenwasser, das auf versiegelte Flächen trifft, muss irgendwo hin. In dichten Stadtgebieten, wo Kanalnetze an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen und natürliche Versickerungsflächen fehlen, gewinnt die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung an Bedeutung. Die Schachtversickerung ist dabei eine der technisch ausgereiftesten Methoden: Sie leitet Niederschlagswasser über einen speziell konstruierten Schacht direkt in versickerungsfähige Bodenschichten, entlastet die Kanalisation und schließt den natürlichen Wasserkreislauf auf kleinstem Raum. Wer die Funktionsweise, die Voraussetzungen und die Grenzen dieser Technik kennt, kann sie gezielt und regelkonform einsetzen.

  • Was eine Schachtversickerung ist und wie sie sich von anderen Versickerungsanlagen unterscheidet
  • Welche hydrogeologischen Voraussetzungen am Standort erfüllt sein müssen
  • Wie eine Schachtversickerung technisch aufgebaut ist und welche Komponenten sie umfasst
  • Welche Normen, Regelwerke und behördlichen Anforderungen gelten
  • Wann eine Schachtversickerung sinnvoll ist und wann andere Versickerungsformen vorzuziehen sind
  • Wie die Bemessung funktioniert und welche Parameter entscheidend sind
  • Welche Fehler bei Planung, Bau und Betrieb häufig auftreten
  • Wie Wartung und Inspektion langfristig die Funktion sichern

Was ist eine Schachtversickerung: Definition und Einordnung

Die Schachtversickerung, in der Fachliteratur auch als Sickerschacht bezeichnet, ist eine Anlage zur dezentralen Versickerung von Niederschlagswasser, bei der das abfließende Regenwasser über einen vertikalen, rohrförmigen Schacht in tiefere, durchlässige Bodenschichten eingeleitet wird. Im Unterschied zur Flächenversickerung, die Wasser breitflächig über die Bodenoberfläche verteilt, oder zur Muldenversickerung, die Wasser in einer flachen Geländesenke zwischenspeichert und langsam versickern lässt, arbeitet die Schachtversickerung gezielt in die Tiefe. Sie umgeht damit oberflächennahe, wenig durchlässige Schichten und erschließt tiefere Bodenhorizonte mit höherer hydraulischer Leitfähigkeit.

Systematisch gehört die Schachtversickerung zu den Anlagen zur dezentralen Regenwasserbewirtschaftung, die im deutschen Planungsrecht und in der Wasserwirtschaft unter dem Begriff der Niederschlagswasserversickerung zusammengefasst werden. Das übergeordnete Ziel ist die Annäherung an den natürlichen Wasserhaushalt: Niederschlag soll möglichst dort versickern, wo er fällt, anstatt über Rohrleitungen in Vorfluter oder Kläranlagen abgeleitet zu werden. Damit ist die Schachtversickerung ein Instrument der Schwammstadtstrategie, also des Ansatzes, Städte durch dezentrale Wasserrückhaltung und Versickerung resilienter gegenüber Starkregenereignissen und Trockenperioden zu machen.

Die Abgrenzung zu verwandten Systemen ist für die Planung wesentlich. Die Rigole, ein mit Kies oder Kunststoffblöcken gefüllter Graben, verteilt Wasser horizontal in den Boden und eignet sich für größere Flächen mit gleichmäßig durchlässigem Untergrund. Der Sickerschacht hingegen ist auf punktuelle Einleitung in tiefere Schichten ausgelegt und kommt besonders dann in Betracht, wenn die oberen Bodenschichten zu wenig durchlässig sind, um ausreichend Wasser aufzunehmen, tiefere Schichten aber geeignete Versickerungseigenschaften aufweisen. Diese Differenzierung ist nicht akademisch, sondern entscheidend für die Wahl des richtigen Systems am konkreten Standort.

Hydrogeologische Voraussetzungen: Was der Boden leisten muss

Keine Versickerungsanlage funktioniert ohne einen geeigneten Untergrund. Für die Schachtversickerung ist die hydraulische Durchlässigkeit des Bodens, ausgedrückt durch den Durchlässigkeitsbeiwert kf, die zentrale Kenngröße. Der kf-Wert beschreibt, wie schnell Wasser durch einen Boden fließt, und wird in Metern pro Sekunde angegeben. Für Versickerungsanlagen gelten nach dem Arbeitsblatt DWA-A 138, dem maßgeblichen deutschen Regelwerk zur Planung und Bemessung von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser, bestimmte Grenzwerte: Der kf-Wert sollte im Bereich von etwa 1 x 10⁻⁶ bis 1 x 10⁻³ m/s liegen. Böden mit niedrigeren Werten versickern zu langsam, um wirtschaftlich dimensionierte Anlagen zu ermöglichen; Böden mit sehr hohen Werten, wie reiner Kies oder Grobsand, versickern zwar schnell, bieten aber kaum Filterwirkung und können das Grundwasser bei unzureichender Vorbehandlung des Wassers gefährden.

Vor jeder Planung einer Schachtversickerung steht daher eine Baugrunduntersuchung, die den Schichtenaufbau des Untergrunds und die kf-Werte der relevanten Horizonte ermittelt. Methoden dafür sind Siebanalysen, Schluckversuche im Feld sowie die Auswertung von Bohrprofilen. Besonders wichtig ist die Kenntnis des höchsten zu erwartenden Grundwasserstands: Zwischen der Unterkante des Sickerschachts und dem maximalen Grundwasserspiegel muss ein ausreichender Abstand eingehalten werden, da sonst das Versickerungswasser den Grundwasserleiter direkt und ungefiltert erreicht. Das DWA-A 138 gibt hierfür Mindestabstände vor, die je nach Bodenbeschaffenheit und Nutzung der Anlage variieren.

Böden mit hohem Tonanteil, verdichtete Auffüllungen, anthropogene Ablagerungen oder Standorte mit bekannten Altlasten scheiden für die Schachtversickerung grundsätzlich aus oder erfordern aufwendige Sonderuntersuchungen. Auch die geologische Situation spielt eine Rolle: Karstgebiete, in denen unterirdische Hohlräume existieren, sind für Versickerungsanlagen problematisch, weil das Wasser unkontrolliert in tiefe Grundwasserstockwerke gelangen kann. In solchen Fällen ist eine behördliche Abstimmung mit der zuständigen Wasserbehörde unerlässlich, bevor eine Schachtversickerung überhaupt in Betracht gezogen wird.

Technischer Aufbau: Komponenten und Konstruktionsprinzipien

Ein Sickerschacht besteht im Kern aus einem vertikalen Rohr oder Schachtelement aus Beton, Kunststoff oder Stahlbeton, das in den Boden eingebracht wird und dessen Wandung perforiert oder mit Schlitzen versehen ist. Durch diese Öffnungen tritt das eingeleitete Wasser seitlich und nach unten in den umgebenden Boden aus. Der Schacht wird in der Regel von einem Kiesfilterpaket umgeben, das die Schlitze vor Einschlämmen schützt und die hydraulische Anbindung an den Boden verbessert. Dieses Filterkies-Paket ist mit einem Geotextil, einem wasserdurchlässigen Vlies, ummantelt, das Feinpartikel aus dem anstehenden Boden zurückhält und das Einwandern von Feinmaterial in den Kies verhindert.

Am oberen Abschluss des Schachts befindet sich ein Zulauf, über den das Niederschlagswasser aus der Entwässerungsleitung eingeleitet wird. Vor dem Zulauf ist in der Regel ein Vorfilter oder Schlammfang zwischengeschaltet, der grobe Feststoffe, Laub und Sedimente zurückhält, bevor das Wasser in den Schacht gelangt. Dieser Vorfilter ist für die Langzeitfunktion der Anlage entscheidend: Ohne ihn würden Feinstoffe den Schacht und das umgebende Filterkies innerhalb weniger Jahre verlanden und die Versickerungsleistung drastisch reduzieren. Der Schacht selbst ist mit einem Revisionsdeckel zugänglich, der Inspektion und Wartung ermöglicht.

Die Tiefe eines Sickerschachts richtet sich nach dem Schichtenaufbau des Untergrunds und dem erforderlichen Versickerungsvolumen. Typische Tiefen liegen zwischen zwei und sechs Metern, in Einzelfällen auch tiefer, wenn die versickerungsfähige Schicht erst in größerer Tiefe beginnt. Der Durchmesser variiert je nach Hersteller und Bemessung, liegt aber häufig zwischen einem und zwei Metern. Bei größeren Einzugsflächen werden mehrere Schächte in Reihe oder parallel geschaltet, um die erforderliche Versickerungsleistung zu erreichen. Die hydraulische Verbindung zwischen mehreren Schächten erfolgt über Verbindungsleitungen, die einen Überlauf von einem Schacht zum nächsten ermöglichen.

Ein wesentliches konstruktives Detail ist die Notüberlaufleitung. Sie greift ein, wenn die Versickerungsleistung des Schachts bei einem Starkregenereignis überschritten wird und der Wasserspiegel im Schacht bis zu einem definierten Niveau ansteigt. Der Notüberlauf leitet das überschüssige Wasser kontrolliert in die Kanalisation oder in eine andere Ableitung ab und verhindert ein unkontrolliertes Austreten von Wasser an der Geländeoberfläche. Dieses Sicherheitselement ist in der Bemessung und Ausführung nicht optional, sondern Bestandteil einer regelkonformen Anlage.

Normen, Regelwerke und behördliche Anforderungen

Die Planung und der Bau von Schachtversickerungsanlagen sind in Deutschland durch ein mehrstufiges Regelwerk gerahmt. Das zentrale technische Regelwerk ist das Arbeitsblatt DWA-A 138 der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA), das Planungs- und Bemessungsgrundlagen für Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser enthält. Es definiert Anforderungen an Standorteignung, Vorbehandlung des Versickerungswassers, Bemessung, Ausführung und Betrieb. Ergänzend dazu gibt es Merkblätter und Leitfäden der Länder, die landesspezifische Regelungen und Anforderungen konkretisieren, da Wasserrecht in Deutschland Ländersache ist.

Wasserrechtlich ist die Versickerung von Niederschlagswasser in den meisten Bundesländern erlaubnisfrei, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind: Die eingeleiteten Flächen müssen als nicht wesentlich verschmutzt gelten, also in der Regel Dachflächen ohne problematische Beschichtungen oder Straßenabläufe ohne erhöhte Schadstoffbelastung. Für Flächen mit erhöhtem Schadstoffpotenzial, wie stark befahrene Parkplätze, Tankstellenvorfelder oder Gewerbeflächen mit Chemikalieneinsatz, ist eine weitergehende Vorbehandlung des Wassers erforderlich, bevor es versickert werden darf. In solchen Fällen ist eine wasserrechtliche Erlaubnis einzuholen, und die zuständige untere Wasserbehörde ist frühzeitig in die Planung einzubeziehen.

Neben dem Wasserrecht sind baurechtliche Anforderungen zu beachten. In manchen Bebauungsplänen ist die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung explizit vorgeschrieben oder gefördert; in anderen Fällen schreiben Erschließungsverträge oder kommunale Entwässerungssatzungen vor, welche Anteile des Niederschlagswassers vom Grundstück zurückzuhalten und zu versickern sind. Planer müssen diese Vorgaben kennen und in die Entwurfsplanung integrieren. Die Abstimmung mit der zuständigen Behörde, dem Tiefbauamt, der Wasserbehörde und gegebenenfalls dem Gesundheitsamt, ist Teil des regulären Planungsprozesses und kein bürokratisches Hindernis, sondern Ausdruck des Schutzgedankens für Boden und Grundwasser.

Bemessung: Wie die Schachtversickerung richtig dimensioniert wird

Die Bemessung einer Schachtversickerung folgt einem hydraulischen Berechnungsansatz, der die maßgebenden Eingangsgrößen verknüpft: die angeschlossene Einzugsfläche, den Bemessungsregenabfluss, die hydraulische Durchlässigkeit des Untergrunds und das erforderliche Speichervolumen des Schachts. Ausgangspunkt ist die Niederschlagsintensität, die für den Bemessungsregen am Standort aus statistischen Auswertungen entnommen wird. In Deutschland sind die Kostra-Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) die maßgebliche Grundlage für diese Niederschlagsstatistiken; sie liefern für jeden Standort Regenspenden für verschiedene Wiederkehrintervalle und Dauerstufen.

Die Versickerungsleistung des Schachts ergibt sich aus der benetzten Fläche der Schachtwandung und dem kf-Wert des anstehenden Bodens. Je größer die perforierte Fläche und je höher die Durchlässigkeit, desto mehr Wasser kann der Schacht pro Zeiteinheit aufnehmen. Das Speichervolumen des Schachts puffert Spitzenabflüsse, die kurzzeitig die Versickerungsleistung übersteigen, und gibt das Wasser gedrosselt an den Boden ab. Die Bemessung nach DWA-A 138 stellt sicher, dass der Schacht auch bei dem gewählten Bemessungsregen nicht überläuft, ohne den Notüberlauf zu aktivieren. Für Wohngrundstücke wird häufig ein Wiederkehrintervall von fünf Jahren gewählt; für öffentliche Flächen oder Anlagen mit erhöhten Anforderungen an die Betriebssicherheit können längere Intervalle vorgeschrieben sein.

Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die Unterdimensionierung des Vorfilters oder die Vernachlässigung des Sedimentationsraums im Schacht. Wenn der Schacht zwar hydraulisch korrekt bemessen ist, aber kein ausreichendes Volumen für die Ablagerung von Feinstoffen vorgesehen wurde, verlandet er schneller als geplant und verliert seine Funktion. Fachgerechte Bemessung berücksichtigt daher nicht nur den hydraulischen Leistungsnachweis, sondern auch die Wartungsintervalle und das Sedimentationsverhalten des angeschlossenen Einzugsgebiets.

Typische Anwendungsfälle und Grenzen der Schachtversickerung

Die Schachtversickerung eignet sich besonders für Standorte, an denen die oberen Bodenschichten wenig durchlässig sind, tiefere Schichten aber gute Versickerungseigenschaften aufweisen. Typische Anwendungsfälle sind Einfamilienhausgrundstücke mit Dachflächen als Einzugsgebiet, Gewerbegebiete mit großen Dachflächen und begrenzter Grundstücksfläche sowie Nachverdichtungsvorhaben in Bestandsquartieren, wo keine ausreichende Fläche für Mulden- oder Flächenversickerung vorhanden ist. Gerade in der städtischen Nachverdichtung, einem der zentralen Themen der aktuellen Stadtentwicklung, ist die Schachtversickerung oft die einzige praktikable Option, um Niederschlagswasser auf dem Grundstück zu halten.

Grenzen hat die Schachtversickerung dort, wo der Untergrund grundsätzlich ungeeignet ist, wo Altlastenverdacht besteht oder wo das Grundwasser so hoch ansteht, dass kein ausreichender Abstand zur Schachtunterkante eingehalten werden kann. Auch bei stark verschmutzten Einzugsflächen, etwa Straßen mit hohem Schwermetall- oder Kohlenwasserstoffeintrag, ist eine Schachtversickerung ohne aufwendige Vorbehandlung nicht zulässig. In solchen Fällen sind alternative Systeme wie Retentionsbodenfilter, belebte Bodenzone oder Zisternen mit gedrosselter Einleitung in den Kanal zu prüfen. Die Schachtversickerung ist ein leistungsfähiges Werkzeug, aber kein Universalmittel: Ihre Eignung ist standortspezifisch zu prüfen und darf nicht pauschal vorausgesetzt werden.

Im Vergleich zur Muldenversickerung hat die Schachtversickerung den Vorteil eines geringen Flächenbedarfs an der Oberfläche. Ein Sickerschacht mit einem Meter Durchmesser nimmt an der Geländeoberfläche kaum Platz weg und kann unter Pflasterflächen, Rasenflächen oder Bepflanzungen integriert werden. Dieser Vorteil ist in der Praxis erheblich, weil Grundstücksflächen in städtischen Lagen knapp und teuer sind. Gleichzeitig ist die Schachtversickerung im Vergleich zur Mulde weniger gut sichtbar und damit auch weniger als gestalterisches Element nutzbar: Sie ist eine technische Infrastruktur, keine Grünfläche mit Zusatznutzen für Biodiversität oder Aufenthaltsqualität.

Wartung, Inspektion und häufige Fehler im Betrieb

Eine Schachtversickerung ist kein wartungsfreies System. Ihre Langzeitfunktion hängt entscheidend davon ab, dass Sedimente, Laub und Feinstoffe regelmäßig aus dem Vorfilter und dem Schacht entfernt werden. Fachleute empfehlen eine Inspektion mindestens einmal jährlich, nach Starkregenereignissen auch anlassbezogen. Bei der Inspektion werden der Füllstand des Schlammfangs, der Zustand des Geotextils, die Durchlässigkeit des Filterkiespakets und die Funktion des Notüberlaufs geprüft. Schächte, die über Jahre nicht gewartet wurden, zeigen häufig eine deutlich reduzierte Versickerungsleistung, weil der Kiesmantel mit Feinmaterial verlandet ist.

Ein verbreiteter Planungsfehler ist die fehlende oder unzureichende Vorbehandlung des Zulaufwassers. Wenn Regenwasser von begrünten Dächern, Kiesflächen oder Wegen direkt ohne Vorfilter in den Schacht geleitet wird, gelangen Feinpartikel, organisches Material und Sedimente ungefiltert in das Filterkiespaket. Die Folge ist eine beschleunigte Verlandung, die im schlimmsten Fall innerhalb weniger Jahre zur vollständigen Funktionsunfähigkeit der Anlage führt. Die Investition in einen hochwertigen Vorfilter mit ausreichendem Sedimentationsraum amortisiert sich durch verlängerte Wartungsintervalle und längere Lebensdauer der Anlage.

Fehler bei der Ausführung betreffen häufig das Geotextil: Wenn es falsch verlegt, beschädigt oder mit zu geringer Überlappung eingebaut wird, wandert Feinmaterial aus dem anstehenden Boden in das Filterkies und verlandet es von außen. Auch die Wahl eines ungeeigneten Geotextils, etwa eines zu dichten Vlieses, das die Wasserdurchlässigkeit beeinträchtigt, kann die Versickerungsleistung von Beginn an reduzieren. Fachgerechte Ausführung erfordert deshalb eine sorgfältige Materialauswahl und eine Bauüberwachung, die die korrekte Einbausituation dokumentiert.

Schachtversickerung im Kontext der Regenwasserbewirtschaftung und Stadtentwicklung

Die Schachtversickerung ist kein isoliertes technisches Objekt, sondern Teil eines größeren Systemzusammenhangs. In der integrierten Regenwasserbewirtschaftung wird sie häufig mit anderen Elementen kombiniert: Gründächer reduzieren den Abfluss und verbessern die Wasserqualität des abfließenden Niederschlags, Rigolen verteilen Wasser flächig, Mulden puffern Spitzenabflüsse, und Zisternen ermöglichen die Nutzung des Regenwassers für Bewässerung oder Toilettenspülung. Die Schachtversickerung übernimmt in diesem Verbund die Funktion der Tiefenversickerung, wenn oberflächennahe Methoden nicht ausreichen oder nicht möglich sind.

Im Kontext der Klimaanpassung gewinnt die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung an strategischer Bedeutung. Häufigere und intensivere Starkregenereignisse überlasten kombinierte Kanalnetze und führen zu Überflutungen in Stadtgebieten. Gleichzeitig führen längere Trockenperioden zu Grundwasserabsenkungen, die Stadtbäume, Grundwasserabhängige Ökosysteme und die Trinkwasserversorgung belasten. Die Schachtversickerung trägt zur Grundwasserneubildung bei und ist damit nicht nur ein Instrument der Abflussminderung, sondern auch der Wasservorsorge. Diese Doppelfunktion macht sie zu einem relevanten Baustein der Schwammstadtstrategie, die in der deutschen Stadtplanung zunehmend als Leitbild verankert wird.

Für Landschaftsarchitekten, Stadtplaner und Freiraumplaner bedeutet das: Die Schachtversickerung ist kein rein technisches Thema, das an den Tiefbauingenieur delegiert werden kann. Sie ist Teil der Freiraumplanung, weil ihre Lage, ihre Integration in Belagsaufbauten und ihre Verbindung mit Bepflanzung und Oberflächenentwässerung planerische Entscheidungen erfordern, die das Gesamtbild des Außenraums prägen. Wer Schachtversickerungen in der Freiflächenplanung von Anfang an mitdenkt, anstatt sie nachträglich in fertige Entwürfe einzupassen, erreicht bessere technische Ergebnisse und gestalterisch kohärentere Lösungen. Die Qualität der Regenwasserbewirtschaftung entscheidet sich nicht im Schacht selbst, sondern im Zusammenspiel aller Flächen, Leitungen und Versickerungselemente, die ein Grundstück oder ein Quartier entwässern.

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„Warnow bietet Rostock eine einmalige Chance“

Advertorial Artikel Parallax Article

Die Stadt Rostock will in wenigen Jahren die BUGA 2025 ausrichten, und ein komplett neuer Stadtteil am Osthafen soll eines ihrer Kernprojekte werden: das Warnowquartier – gefördert mit insgesamt 74,2 Millionen Euro. Vergangenen Sommer haben uns für die Juniausgabe 2020 der Garten+Landschaft mit Anja Epper, Sachgebietsleiterin im Rostocker Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Wirtschaft, über die Rostocker Wasserprojekte der Zukunft unterhalten.

Der direkte Austausch fehlt

Anja Epper, starten wir mit einem aktuellen Projekt der Stadt Rostock. Die Hansestadt bemüht sich bereits seit knapp zehn Jahren um die Fortschreibung des Strukturkonzepts für Warnemünde, dem wohl bekanntesten Ortsteil der Stadt. Es hakt aber immer wieder in der Umsetzung. Wieso?

Im Jahr 2011 beschloss die Rostocker Bürgerschaft das Strukturkonzept Warnemünde. Eine regelmäßige Evaluierung wurde bereits im Beschluss verankert. Mit dem Prozess der Fortschreibung hat man 2016/17 begonnen. Eine Reihe von Fragen zu den verschiedenen Handlungsfeldern im Strukturkonzept konnten in der Fortschreibung nicht beantwortet werden, da sowohl politische Entscheidungen zu dem Zeitpunkt nicht vorlagen oder Entscheidungen nicht zu treffen waren.

Dies betraf unter anderem die weitere Entwicklung der Werftflächen im Südosten des Ortsteils, den Umgang mit dem Parkraumkonzept, die weitere Entwicklung eines möglichen Caravanstellplatzes sowie die Entwicklung des Wohnungsmarktes. Zentrales Thema war aber auch die zukünftige Entwicklung der Mittelmole. Hier war zu einigen wenigen, aber wesentlichen Punkten kein Konsens in der Zivilgesellschaft und der Politik, aber auch mit den Eigentümern der Flächen und der Fachverwaltung zu erlangen.

Infolgedessen hat der neue Rostocker Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen vergangenen September die Planungen zur künftigen Nutzung und Bebauung der Warnemünder Mittelmole vorerst gestoppt. Warum ist die Entwicklung der Fläche so schwierig?

Die weitere Planung zur Mittelmole in Warnemünde ruhte vergangenes Jahr. Mit der Entscheidung des Oberbürgermeisters beginnen wir wieder mit dem Arbeitsprozess einschließlich der Beteiligung zur Fortschreibung. An der Mittelmole zeigt sich – wie an vielen Orten – ein klassischer Konflikt: Die Bewohner wünschen sich keine oder eine sehr kleinteilige bzw. geringe Bebauung, die eher historisierend gestaltet ist. Gleichzeitig ist der Wunsch nach gemeinschaftlichen Freiflächen und Orten der Begegnung groß. Investoren wollen die notwendigen Wohnungen und Infrastruktur errichten, die aber auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten sind. Zudem ist bei Neubauvorhaben in der Regel eine zeitgemäße Architektur gefragt.

Zum Start der Bürgerbeteiligung sollte es vergangenen April eine öffentliche Ausstellung geben. Dann kam die Corona-Pandemie. Wie ist der weitere Plan?

Die Corona-Pandemie hat – gegebenenfalls auch langfristig – starke Auswirkungen auf die Beteiligung der Öffentlichkeit an Planungsprozessen. Daher überlegen wir derzeit, welche Beteiligungsformate wir online durchführen können. Dazu zählt unter anderem eine Ausstellung. Aber bei allen digitalen Lösungen fehlt immer der direkte Austausch. Das ist insbesondere bei der informellen Beteiligung schwierig. Für andere Formate wie Bürgerversammlungen suchen wir ebenso nach entsprechenden Lösungen, die man in dann kleinen Gruppen und dem nötigen Mindestabstand durchführt.

Wasser als Wirtschaftsgrundlage

Als Hansestadt sind Sie im Rostocker Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Wirtschaft im besonderen Maße damit konfrontiert, wie man mit Wasser in der Stadt umgeht. Welche Bedeutung hat das Element Wasser für die Stadt Rostock?

Der Bezug zum Wasser war in der Geschichte der Stadt stets von herausragender Bedeutung. Die städtische und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt basiert bis heute – und absehbar auch in Zukunft – auf ihrer Lage an der Ostsee/Warnow. Vor allem Häfen, Schiffbau, Marine, Tourismus und Fischfang sind hierbei zu benennen. Gerade die Facetten und Veränderungen in diesen Bereichen treiben die Stadtentwicklung ständig voran. Neben dem steigendem Bedarf an Wohnraum und allen Folgeeinrichtungen für die zahlreichen Beschäftigten sind das die Standortvoraussetzungen im Einzelnen, wie mehr und andere Flächen sowie ihre Ein- und Anbindung, aber auch Verlagerungen oder das Aufgeben von Flächen, was neue planerische Möglichkeiten eröffnet.

Im Grundsatz geht es planerisch darum, das Wasser und alle notwendigen Flächen als Wirtschaftsgrundlage zu sichern und gleichzeitig den Zugang und die Erlebbarkeit des Wassers für die Öffentlichkeit zu verbessern. Natürlich ist in diesem Zusammenhang dabei auch die Vielzahl ökologischer und naturschutzrechtlicher Belange zu beachten.

Meeresspiegelanstieg berücksichtigen

Welchen Herausforderungen müssen Sie sich in Rostock aufgrund der Meeresnähe gesondert stellen?

Eine besondere Herausforderung besteht im Schutz gegen Sturmfluten, also im Hochwasserschutz. Die fachliche Zuständigkeit für den Hochwasserschutz liegt beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt, Mittleres Mecklenburg (StALU MM). Das StALU MM ist sowohl für den Schutz der Außenküste als auch den Schutz entlang der Warnow zuständig. Zwischen dem StALU MM und der Stadt (vordergründig Amt für Umweltschutz, aber unter anderem auch Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Wirtschaft) findet ein ständiger Abstimmungsprozess statt. Dieser bezieht sich auf grundsätzliche Fragen wie den Verlauf der Hochwasserschutzlinie und das Freihalten gefährdeter Bereiche von baulicher Nutzung, aber auch auf die jeweils konkreten baulichen Einzelmaßnahmen.

Aus stadtplanerischer Sicht liegen die Schwerpunkte in der Sicherung des notwendigen Schutzes für geplante neue Baugebiete (unter anderem in den Höhenlagen von Straßen und Fußböden), aber auch in der Form der Ausführung und Gestaltung von Schutzanlagen (insbesondere in sensiblen Bereichen wie dem Alten Strom in Warnemünde und dem Stadthafen). Ein zusätzliches wichtiges Thema ist die Berücksichtigung des klimawandelbedingten Anstiegs des Meereswasserspiegels.

Rostock: Grüne Stadt am Meer

Sie erarbeiteten seit 2018 den sogenannten „Zukunftsplan Rostock“. Worum geht es hier?

Der „Zukunftsplan Rostock“ ist der Arbeitstitel für den künftigen Flächennutzungsplan der Hanse- und Universitätsstadt Rostock. Der 2006 von der Bürgerschaft beschlossene und 2009 neu bekannt gemachte Flächennutzungsplan hat sich bisher als vorbereitender, generalisierter Plan zur Steuerung der räumlichen Entwicklung der Stadt bewährt. Ausgehend von der künftig zu erwartenden Entwicklungsdynamik in vielen Bereichen zeichnet sich jedoch ab, dass der gegenwärtig rechtswirksame Flächennutzungsplan die zukünftig notwendige Entwicklung nur noch unzureichend abbildet.

Das Schrittmaß, mit dem sich Rostock in den nächsten Jahren entwickeln muss, bedarf einer ganzheitlichen und zusammenhängenden Neubetrachtung. Daher hat die Bürgerschaft bereits 2017 beschlossen, den Flächennutzungsplan neu aufzustellen. In Vorbereitung dieser Aufstellung wurde 2018/19 ein umfangreicher Stadtdialog zum intensiven Austausch der Öffentlichkeit zu den Inhalten des „Zukunftsplans Rostock“ durchgeführt.

Außerdem gibt es noch die Leitlinien von „Rostock 2025“, die Rostock unter anderem als „Grüne Stadt am Meer“ definieren …

Genau, die Leitlinien zur Stadtentwicklung der Hanse- und Universitätsstadt Rostock wurden im Jahr 2012 von der Bürgerschaft beschlossen. Sie stellen den langfristigen strategischen Handlungsrahmen für die Stadt Rostock auf ihrem Weg zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung bis zum Jahr 2025 dar. Sie bilden die Grundlage für das Integrative Stadtentwicklungskonzept (ISEK), die Bauleitplanung und alle kommunalen Fachkonzepte und Fachplanungen. Dazu zählt beispielsweise auch der „Zunkunftsplan Rostock“ (Flächennutzungsplan). Der Zukunftsplan zielt auf das übergeordnete Leitbild („Rostock als Regiopole positionieren“) ab und trägt zur Erreichung der in den acht Leitlinien (zum Beispiel der Leitlinie „Grüne Stadt am Meer“) sowie den Querschnittsaufgaben genannten Zielen bei.

Projekte der BUGA 2025

Hamburg hat kürzlich seine Planung für den Stadtteil Grasbrook verkündet. Auf welche Projekte dürfen wir uns in den kommenden Jahren in Rostock freuen? Was planen Sie?

Die Mittelmole in Warnemünde haben Sie ja bereits erwähnt. In Verbindung mit dieser Planung steht der derzeitig in der Planung befindliche Umbau weiterer Kaianlagen im Bereich des ehemaligen Werftbeckens für den Kreuzfahrttourismus und landseitig zusätzliche Gewerbeflächen. Ein für die Stadtentwicklung von Rostock besonders wichtiges Projekt ist die Bewerbung um die Ausrichtung der BUGA 2025, mit vielen weitreichenden Einzelmaßnahmen und unmittelbarem Bezug zur Warnow.

Findet die BUGA 2025 statt?

 

Im Zusammenhang mit der Planung zur BUGA 2025 steht das Landesmuseum für Archäologie, das im Stadthafen errichtet werden soll. Ein weiteres herausragendes Projekt mit unmittelbarem Bezug zum Wasser ist der geplante „Ocean Technology Campus“ (OTC), mit dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) als Kern sowie einem großflächigen Unterwasser-Testfeld „Digital Ocean Lab“. Das OTC soll im Gebiet des Rostocker Fracht- und Fischereihafens sowie auf dem Gelände des südlich angrenzenden ehemaligen Schlachthofes entstehen.

Außerdem plant die Stadt die Entwicklung eines neuen, gemischt genutzten Quartiers am Ostufer der Unterwarnow. Dem Warnowquartier.

Ja, das Warnowquartier soll als eine grüne Modellstadt der Zukunft entwickelt werden – ein Experimentierquartier, welches beispielhafte Lösungen für drängende Problemlagen unserer heutigen Zeit aufzeigt. Angefangen bei der Entwicklung eines regenerativen Energiekonzepts für das Quartier über die Beantwortung der Frage nach einer zukunftsfähigen Organisation des täglichen Zusammenlebens der Bewohner*innen sowie Überlegungen, welche Aufgaben öffentliche Frei- und Grünräume in den kommenden Jahren übernehmen sollten und wie sich neue Mobilitätskonzepte nachhaltig umsetzen lassen, sollen innovative Ideen sowie bewährte Maßnahmen der Quartiersentwicklung in die Konzeptfindung einfließen.

Es soll ein modernes Quartier für alle mit einer modellhaften Bebauung und vielen Freiräumen entstehen. Ein Ort der Vielfalt und flexiblen Nutzungen mit einer robusten, zukunftsoffenen Grundstruktur. Dabei wird auch das Bauen auf dem Wasser einen besonderen Stellenwert einnehmen und ein architektonisches Highlight bilden. Für die Hanse- und Universitätsstadt Rostock bietet sich mit diesem Vorhaben die einmalige Chance, das Thema Leben auf dem Wasser erstmals in der Stadt umzusetzen und sich dadurch mit originellen, zukunftsweisenden und vorbildhaften Lösungen zu präsentieren. Im Rahmen der BUGA 2025, die in Rostock stattfinden wird, soll ein Hauptaugenmerk der Besucher*innen auf eben dieser Attraktion liegen, womit ein weiterer Beitrag zur maritimen Imagebildung der Stadt geleistet werden kann.

Die BUGA 2025 soll trotz Corona-Pandemie stattfinden.

Anja Epper studierte Architektur mit Schwerpunkt Städtebau an der RWTH Aachen. Im Rostocker Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Wirtschaft ist sie seit 1996 Sachgebietsleiterin für das Sachgebiet Bauvorhaben und Stadtgestaltung. Anja Epper ist Mitglied der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern und Vorstandsmitglied im SRL e.V.

Interessiert an Bundesgartenschauen? Lesen Sie hier mehr zur BUGA Heilbronn.

Das Interview erschien erstmals in der Juniausgabe 2020 der Garten + Landschaft.

Der Pablo-Neruda-Garten in Berlin

Ein Gartenidyll und ein kleiner Sportplatz erwarten seit Herbst diesen Jahres Besucher der Frankfurter Allee 14 im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Der neu gestaltete Schul- und Sporthof des Georg-Friedrich-Händel-Gymnasiums und der angrenzende Pablo-Neruda-Garten hinter der Bezirkszentralbibliothek Pablo Neruda liegen etwas versteckt und zugleich in unmittelbarer Nähe des verkehrsreichen Frankfurter Tors. Beide Projekte sind Teil der umfassenden Neugestaltung des Kultur- und Bildungsstandorts an der Frankfurter Allee, die vom Berliner Büro LA.BAR Landschaftsarchitekten seit 2012 geplant und durch das Programm Stadtumbau Ost gefördert wird.

Um eine möglichst hochwertige und einheitlich Gestaltung sicherzustellen, führte der Fachbereich Stadtplanung in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Grünflächen des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg ein Gutachterverfahren unter Beteiligung mehrerer Landschaftsplanungsbüros durch. LA.BAR entwarfen einen Verbund aus Freiflächen mit unterschiedlichen Funktionen. Dazu gehören, neben dem noch zu bauenden repräsentativen Bibliotheksvorplatz und dem ruhigen Vorplatz der Schule, die nun fertiggestellten neue Schulsportanlagen sowie der südlich gelegene Bibliotheksgarten als Ruhezonen.

Pablo-Neruda-Garten soll 2017 fertig werden

Der Umbau der ehemaligen Franz-Fühmann-Schule zur Bezirkszentralbibliothek “Pablo Neruda” brachte nicht zuletzt wegen ihrer hervorstechenden Architektur eine deutliche Aufwertung für das Umfeld des Frankfurter Tors. Nun erhielt das 2010 eröffnete Bibliotheksgebäude ein angemessenes Umfeld in Form einer kleinen, idyllischen Parkanlage. Der 2.200 Quadratmeter große, öffentliche „Pablo-Neruda-Garten“ ist ein Ort zum Entdecken – einziger Hinweis auf seine Existenz ist die große Glasfassade in der Bibliothek, die den Blick auf den Garten freigibt. Die prägenden Elemente sind eine große Rasenfläche mit Sonnenliegen aus Holz, ein Himalaya-Birkenhain und eine lange Gartenbank mit Tischen aus Holz. Der Zaun zum Sportplatz ist hinter hohen Gräsern getarnt. Eine platzartige Aufweitung im Rundweg steht für Lesungen und Veranstaltungen der Bibliothek zur Verfügung. Die versteckte Ruheoase im großstädtischen Umfeld hat 210.000 Euro gekostet.

An das Bibliotheksgebäude grenzen die im Mai 2014 fertiggestellten Sportanlagen und der Schulhof des Georg-Friedrich-Händel-Gymnasiums. Die 3.800 Quadratmeter große Freifläche der Schule verfügen nun über eine 100-Meter-Laufbahn, eine Weitsprunganlage mit Kunststoffbelag sowie einen abwechslungsreichen Kletter-Parcours, eine Motorik-Strecke und eine Tischtennisplatte. Zudem gibt es Bänken und Podesten zum klettern und pausieren. Die gelblichen und grauen Farbtönen und auch die  Materialität orientieren sich an der Umgebung und fügen sich harmonisch in den Bestand ein. In die Erweiterung des Sportbereiches wurden 530.000 Euro investiert.

In den nächsten Bauabschnitten werden die Vorplätze der Bibliothek und der Schule, das Umfeld einer neuen Aula und eine Kita gebaut. Durch eine übergreifende Gestaltung der Freiflächen soll der städtebauliche Zusammenhang der Einrichtungen gestärkt werden. Der Vorplatz der Bibliothek als Ruhezone mit Sitzgelegenheiten soll dabei ein wichtiger Treffpunkt und Identifikationsort für Friedrichshain werden und adäquate Erholungsflächen für die Bibliotheksnutzer und die Schüler bieten. Die Fertigstellung der Gesamtmaßnahme ist für 2017 vorgesehen.

 

Pablo-Neruda-Garten, Berlin-Friedrichshain

Bauherr: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, FB Grünflächen, FB Hochbau
Landschaftsarchitekten: LA.BAR Landschaftsarchitekten, Berlin
Rüdiger Amend, Eike Richter
Fläche: 2.200 Quadratmeter
Projektzeitraum: 2012 bis 2014
Baukosten: 210.000 Euro

 

Außenanlagen Georg-Friedrich-Händel-Gymnasium, Berlin-Friedrichshain

Bauherr: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, FB Grünflächen
Landschaftsarchitekten: LA.BAR Landschaftsarchitekten, Berlin
Rüdiger Amend, Eike Richter
Fläche: 3.800 Quadratmeter
Projektzeitraum: 2012 bis 2014
Baukosten: 530.000 Euro

Standort: Google Maps

Auch interessant: Der jüdische Garten für die Gärten der Welt in Berlin. Eine Ausstellung zeigte 2019 den Siegerentwurf vom Atelier le balto.