Den Pausenhof der Schule am Burgfeld in Bag Segeberg gestaltete das Büro grabner huber lipp landschaftsarchitekten und stadtplaner um. Foto: Felix Ziegler
Den Pausenhof der Schule am Burgfeld in Bag Segeberg gestaltete das Büro grabner huber lipp landschaftsarchitekten und stadtplaner um. Foto: Felix Ziegler

In Bad Segeberg realisierten die Planer*innen von grabner huber lipp landschaftsarchitekten und stadtplaner, gemeinsam mit dem Büro TWOWORKS als Projektpartner in der Bauleitung, die Umgestaltung des Pausenhofs der Schule am Burgfeld. Asphalt wich entsiegelten Versickerungsflächen, die Schule öffnet sich nun zu Park und Stadt. Wie das gelang, welche Wünsche die Schüler*innen äußerten und wie der Verkehr erschlossen wurde, erläutert das Büro in seiner Projektvorstellung selbst.

Schulgelände zu Park und Stadtteil geöffnet

Asphaltwüste adé: Nach weniger als zwei Jahren Bauzeit erinnert nichts mehr an den trostlosen Pausenhof der Schule am Burgfeld in Bad Segeberg. Eingebettet in den öffentlichen Stadtteilpark, schufen die Erneuerung nicht nur neue Angebote für Schüler*innengruppen aller Altersstufen, sondern auch für Schulpersonal, Eltern und Anwohner*innen. Das Schulgelände wird entsprechend in unterschiedliche Nutzungsbereiche gegliedert, die Nischen im parkartigen Baumbestand schaffen. Neben Bereichen für Spiel, Sport und Bewegung für alle Altersklassen sind vor allem vielfältige Treffpunkte, Kommunikations- und Rückzugsorte für die Schüler*innen wichtig.

Natürlich wird der Freiraum nicht nur während der Pause, sondern auch im Rahmen der schulischen Bildung und Ganztagsbetreuung genutzt. Hierfür bieten sich insbesondere die ruhigeren Lernorte Schulgarten und -teich sowie das grüne Klassenzimmer am Forum an. Das Forum öffnet das Schulgelände zum Park und Stadtteil und wird bewusst für öffentliche Nutzungen und Veranstaltungen außerhalb der Schulzeit freigegeben. An die Barrierefreiheit wurde bei allen Maßnahmen gedacht. Die Neugestaltung des Schulgeländes unterstützt den Wandel zu einer Schule, die Methoden des lebendigen Lernens umsetzt. Zudem kommt die Neugestaltung den Bedürfnissen der Schüler*innen nach Bewegung, Sicherheit und Ruhe entgegen.

Forum steht allen offen

Die ehemals kargen Freibereiche trennten die Schule am Burgfeld bisher von der Stadt und dem umgebenden Park. Ursprünglich gab es dunkle, schwer auffindbare Eingänge, gefährliche Kreuzungspunkte zwischen Pkw, Fahrradfahrer*innen und Fußgänger*innen sowie dunkle Parkwege. Nun liegt die Schule offen und einladend in den umgebenden Park eingebettet. Die Außenanlagen wurden so gestaltet, dass sie als Vermittler zwischen dem Schulgebäude aus den 70er-Jahren und der umgebenden Südstadt dienen. Der hochwertige Baumbestand und die Topografie binden sich dabei gezielt mit ein. Insbesondere das Forum verbindet die Schule mit dem Stadtteil und steht für alle offen.

Schule am Burgfeld als lebendiger Teil der Stadt

Der Pausenhof der Schule am Burgfeld bettet sich offen und ohne Zäune in den kleinen Nachbarschaftspark der Südstadt ein. Alle Freianlagen, insbesondere das Forum und die Spiel- und Sportbereiche, stehen so auch den Bewohner*innen der Südstadt offen und werden rege genutzt. Für außerschulische Veranstaltungen ist die entsprechende Infrastruktur – darunter Strom- und Wasseranschlüsse sowie ein Stadtteilraum – gegeben. Schüler*innen, Lehrer*innen und Parknutzer*innen begegnen sich nun täglich und ungezwungen vor und nach der Schule. Die Schule wird so zu einem Begegnungsort und lebendigen Teil der Stadt, anstatt sich wie sonst oft üblich abzuschotten.

Der Baumbestand und die Topografie banden die Planer*innen bei der Umgestaltung gezielt mit ein. Foto: Felix Ziegler
Der Baumbestand und die Topografie banden die Planer*innen bei der Umgestaltung gezielt mit ein. Foto: Felix Ziegler

Spielbereiche und Rückzugsorte gewünscht

Während der Corona-Pandemie fanden Online-Beteiligungsverfahren statt. Die dabei entwickelten Ideen und Wünsche der Schüler*innen, Lehrer*innen, Stadtteilvertreter*innen und Eltern flossen in die Gestaltung ein. Den Schüler*innen war eine offene und übersichtliche Gestaltung des Haupteingangsbereichs mit Sitz- und Aufenthaltsbereichen besonders wichtig. Die Sitzgelegenheiten sollten schlicht, elegant und für größere Gruppen geeignet sein. Eine vielfältige Bepflanzung, der Schriftzug der Schule und eine Informationsstele für Veranstaltungen waren ebenfalls gewünscht.

Beliebte Sportarten in den Pausen sind Fußball, Basketball und Tischtennis. Um Konflikte zwischen jüngeren und älteren Schüler*innen zu vermeiden, wurden Sport- und Spielbereiche getrennt. Sitzmöglichkeiten am Spielfeldrand als „Zuschauertribüne“ waren ebenfalls wichtig. Im Spielbereich waren Bodentrampoline, Kletterelemente und Schaukeln gefragt. Für den Außenbereich der Mensa wünschten sich die Schüler*innen eine lange Sitzstufe und Tisch-Bank-Kombinationen. Im Forumbereich sollten Sitzmöglichkeiten und Nischen als Rückzugsorte geschaffen werden. Zudem wünschen sich die Schüler*innen Platz für Handwerken im Freien und die Beobachtung von Natur, Insekten und Vögeln am Schulteich und im Park.

Barrierefreie Verkehrserschließung

Die Neugestaltung des Schulgeländes setzt auf nachhaltige und funktionale Verbesserungen. Ehemalige Asphaltflächen wurden entsiegelt, wodurch natürliche Versickerungsflächen entstanden. Die dezentrale Regenentwässerung optimiert das Wassermanagement, ergänzt durch die Sanierung der Schulgebäude-Entwässerung. Eine sichere, barrierefreie Verkehrserschließung mit neuen Fahrradabstellanlagen, Kiss&Ride-Zone und Parkplätzen sorgt für klare Wegeführung für Schüler*innen und Lehrer*innen. Barrierefreie Außenanlagen mit rollstuhlgerechten Hochbeeten und Sitzgelegenheiten fördern die Inklusion. Die flexibel und vielseitig nutzbaren Freianlagen stehen sowohl der Schule als auch dem Stadtteil offen.

Lebendige, identitätsstiftende Umgebung für Schule

Die Neugestaltung entwickelt die Qualitäten der bestehenden Topografie und des Baumbestand behutsam weiter. Sie wertet so das Schulgebäude der 70er-Jahre auf. Die Balance zwischen Gestaltung und Offenheit ermöglicht den Schüler*innen eine aktive Aneignung der Freiflächen, etwa im Schulgarten oder am Schulteich. Gleichzeitig entsteht ein filigraner Kontrast zwischen naturnahen, „wilden“ Ruhezonen und intensiv gestalteten Spiel- und Sportflächen. Die Wiederverwendung von Materialien, etwa des Granitpflasters, schafft eine gestalterische Verbindung zwischen den einzelnen Bereichen. So verbinden sich Struktur und Freiheit zu einer lebendigen, identitätsstiftenden Umgebung für Schule und Stadtteil.

Nach der Neugestaltung des Schulgeländes der Schule am Burgfeld ist der einst trostlose Pausenhof nicht wiederzuerkennen. Eingebettet in den Stadtteilpark entstanden vielfältige Spiel- und Aufenthaltsbereiche sowie ein Forum für Veranstaltungen. Die Schule öffnet sich zur Stadt, indem sie barrierefreie, sichere Wegeführungen und eine einladende Gestaltung bietet. Die Entsiegelung ehemaliger Asphaltflächen und eine dezentrale Regenentwässerung fördern nachhaltiges Wassermanagement. Die Mischung aus naturnahen Ruhezonen und intensiv gestalteten Spielflächen ermöglicht eine vielseitige Nutzung. Hochwertige Materialien und die behutsame Einbindung der bestehenden Topografie schaffen eine harmonische Verbindung von Alt und Neu. So wird das Schulgelände zu einem lebendigen, identitätsstiftenden Ort für Schüler*innen, Schulpersonal und die Bewohner*innen des Stadtteils.

Büroprofil

Nach Zusammenschluss der Büros von Doris Grabner (seit 1999) und Jürgen Huber (seit 2007) führen die Partner*innen heute mit Patrick Lipp und unterstützt durch drei Assoziierten die praktische Tätigkeit von grabner huber lipp landschaftsarchitekten und stadtplaner partnerschaft mbb.

Von der Machbarkeitsstudie über Wettbewerbsverfahren und Entwurfsplanung bis zur Begleitung der Umsetzung steht das Finden und Erfinden des Wesens der Orte im Zentrum, um Funktionen und Ansprüche in individuelle Freiräume und Atmosphären zu integrieren.
Wir verfolgen jenen Ansatz, in dem Freiflächen nicht als zusätzlichen Faktor, sondern als Ausgangspunkt der urbanen Struktur betrachtet werden. So entstehen bei uns städtebauliche Ideen, die sowohl verdichtetes Bauen als auch eine hohe Aufenthaltsqualität und ökologische Funktionalität ermöglichen.

Dabei zählt zuallererst, was da ist. Die Leistungsphasen 0 und 1 müssen mit größter Behutsamkeit bedacht werden. Nur so entstehen authentische und nachhaltige Projekte. Multicodierendes, vielschichtiges, gestapeltes und die (Zuständigkeits-)Grenzen übergreifendes – „desektoralisierendes“ – Planen sind unsere Lösungsansätze für ein ressourcensparendes Bauen. Die große Kunst dabei ist, in großer Dichte gute Freiräume für Menschen zu generieren.

 

Die Märzausgabe der G+L widmet sich dem Thema Schulen: Wie ein Schulhof im Jahr 2025 aussehen sollte, was sich Schüler*innen und Leher*innen wünschen und wie es an Deutschlands Schulen um digitale Bildung bestellt ist, erfahren Sie in den Projektvorstellungen, Interviews und Kommentaren der Märzausgabe. Das Heft ist hier im Shop erhältlich.

Ergänzend zum Heft gibt es auf der Webseite der G+L hier weitere Schulhofprojekte zu entdecken.

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Die Sphäre „Wasser“

Die Sphäre „Wasser“ (Visualisierung: bloomimages Berlin GmbH)

In zwei Jahren lädt Kirchheim in Bayern zur Landesgartenschau ein. Dann ist der neue, zehn Hektar große Park fertig, der Raum für Erholung und Spiel im Grünen bieten soll. Darüber hinaus soll der neue Ortspark die bislang räumlich getrennten Gemeindeteile Kirchheim und Heimstetten miteinander verbinden.

Der neue Ortspark in Kirchheim wird Heimat für viele heimische Baumarten sein, die im Wechsel mit sogenannten Klimabäumen stehen. Letztere sind den Herausforderungen des Klimawandels besonders gut gewachsen und entsprechend resilient. Das ist wichtig. Denn der neue Park, der im Rahmen der Landesgartenschau Kirchheim derzeit wächst, wird ein dauerhaftes grünes Band bilden. Dieses wird die Gemeindeteile Kirchheim und Heimstetten miteinander verbinden. Zukünftig kommen hier also viele Generationen aus beiden Ortsteilen zusammen. Sie wachsen regelrecht zusammen.

Die Pflanzen auf der Landesgartenschau

Die Pflanzkonzept für den neuen Park in Kirchheim haben die Landschaftsarchitetkt*innen vom Büro SINAI erarbeitet. Dabei war ihnen wichtig, dass klimaresiliente und heimische Bäume in Balance stehen. Sie nennen ihr Konzept für die Landesgartenschau Kirchheim: Gemischtes Doppel. Damit verweist SINAI darauf, dass jede klassische, heimische Baumart ein Gegenüber aus dem Repertoire der Klimabaumarten bekommt. Insgesamt wachsen im neuen Ortspark demnächst mehr als 700 Bäume.

Neben den Bäumen werden in Kirchheim Rasenflächen für Spiel und Bewegung und Wiesen neu angelegt. Darüber hinaus kommen Sträucher, Stauden, Hecken, Schilf und Gräser dazu. Im Bereich der sogenannten Sphäre „Wildnis“ und in der Sphäre „Wald“ bleibt auch viel Bestandsgrün erhalten.

Die Sphäre „Garten

Den Auftakt der Landesgartenschau Kirchheim bildet die sogenannte Sphäre „Garten“. Sie beherbergt die Bürgergärten, eine Streuobstwiese und eine bestehende Fliederhecke. In diesem Areal steht die gemeinschaftliche Bewirtschaftung im Vordergrund. Deshalb werden hier vor allem Gehölze mit essbaren Früchten zu finden sein. Darüber hinaus entstehen im Garten drei neue Jahrgangswäldchen mit jeweils 100 Zierapfelbäumen. Dieser neue Apfelhain ist ein Geschenk der Gemeinde Kirchheim und der Landesgartenschau an den Kirchheimer Nachwuchs der Jahrgänge 2021, 2022 und 2023. Der Hain steht dabei symbolisch für das Motto der Landesgartenschau Kirchheim „Zusammen.Wachsen“.

Herzstück in der Sphäre „Wasser“

In der Sphäre „Wasser“ bildet ein neuer Parksee den Mittelpunkt. Mit knapp 7400 Quadratmetern bildet er eine große Wasserfläche. Darüber hinaus bildet sein naturnaher Ufersaum Tieren und Pflanzen neuen Lebensraum in Kirchheim. Die Liegewiese am Westufer des Sees wird mit Auenbäumen bepflanzt. Und für die Wasser- und Uferzonen werden, je nach Wassertiefe, passende Wasser- und Schwimmblattpflanzen ausgewählt. Sie allen bereichern das Areal der Landesgartenschau Kirchheim um vielfältige neue Lebensräume für Insekten und andere Kleintiere.

In der Sphäre „Wildnis“ in Kirchheim

Die Sphäre „Wildnis“ verdankt ihre Bezeichnung dem Bestand. Die bestehende Vegetation wird hier durch Lichtungen und neu angelegte Wege erlebbar. Sie werden aber nicht überall begehbar werden.

In der Vorbereitung für die Landesgartenschau Kirchheim wurden mehrere Bäume gefällt und bestehender Aufwuchs entfernt. Dafür werden an anderer Stelle in der Wildnis 73 Bäume neu gesetzt. In Vorbereitung der Landesgartenschau Kirchheim wurde im vergangenen Jahr bereits bestehender Bewuchs entfernt. Dafür wachsen in der Sphäre „Wald“ demnächst 67 neue Bäume.

Die Sphäre „Wiese“ auf der Landesgartenschau

Im südlichen Bereich der Landesgartenschau Kirchheim liegt der Schwerpunkt auf großen, autochthonen Blühwiesen. Diese bieten idealen Lebensraum für zahlreiche Insekten- und Schmetterlingsarten. Dieser besondere Wiesenbereich lebt außerdem von großen Solitärbäumen, von einzelnen Baumreihen, Fliederhecken und Stauden. Sie allen fassen den Wiesenbereich ein und geben ihm Struktur.

Bänke im Ortspark

Neben den vielen neuen Bäumen auf dem Areal der Landesgartenschau Kirchheim werden etwa 200 Bänke im Ortspark aufgestellt. Die bieten den Menschen die Möglichkeit sich auszuruhen und zu entspannen. Genauso wie für die neuen Bäume vergibt die Landesgartenschau Kirchheim 2024 GmbH auch Patenschaften für die Bänke. Auf einer eigenen Website können die ab Frühjahr 2022 erworben werden. Auf diese Weise können interessierte Bürger*innen und Unternehmen sich persönlich einbringen und die Entstehung der Landesgartenschau Kirchheim fördern.

Energieholz auf temporären Flächen

Während der Landesgartenschau in Kirchheim wächst das Veranstaltungsgelände um weitere vier Hektar Grünfläche. Diese ergänzen im Jahr 2024 also den neuen, zehn Hektar großen Ortspark. Hier werden temporäre Ausstellungsflächen eingerichtet, die Platz für etwa 50 Aussteller*innen bieten. Sie alle informieren die Besucher*innen der Landesgartenschau zu Themen wie Gartengestaltung, Umweltschutz, Klimaschutz, nachhaltige Energie und grüne Mobilität. Auf diesen Ausstellungsflächen sind die Baumpflanzungen von Anfang an als Energieholzplantage vorgesehen und dem Thema nachhaltige Energie verpflichtet. Die ersten Bäume sind schon im März 2022 gepflanzt worden. Nach Abschluss der Landesgartenschau Kirchheim werden sie dann zu Energieholz weiterverarbeitet.

Im Bereich der Gewinnung erneuerbarer Energie spielt Holz eine wichtige Rolle. Denn anders als bei Wind- und Sonnenenergie kann Holz zu jedem Zeitpunkt verfügbare Energie liefern. Auf diese Weise kann Energieholz dabei helfen, den Umstieg von fossilen auf alternative Energieträger zu beschleunigen. Es kann helfen, die Energieversorgung langfristig sicherzustellen. Das ist schon jetzt wichtiger denn je und ein guter Ausblick auf die bayrische Landesgartenschau in Kirchheim im Jahr 2024.

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BürosSINAI

COP15 in Montreal, Biodiversität im Fokus

Die COP15 findet vom 7. bis 19. Dezember in Montreal statt. Bildquelle: Unsplash
Die COP15 findet vom 7. bis 19. Dezember in Montreal statt. Bildquelle: Unsplash

COP27 ist gerade vorbei und schon startet die nächste COP am 7. Dezember: Bei der COP15 in Montreal geht es um Biodiversität. Das Ziel der UN-Konferenz besteht darin, ein neues Regelwerk zum verbesserten Schutz der Biodiversität weltweit zu entwickeln. Lesen Sie hier alles über die Konferenz.

Die Bedeutung der Biodiversitäts-COP

Laut dem Living Planet Report 2022 ist die Biodiversität unseres Planeten in den letzten Jahrzehnten drastisch gesunken. Die durchschnittliche Populationsgröße von Wildtieren ist weltweit seit 1970 um etwa 69% gefallen. Umso wichtiger ist es, sich mit dieser Krise zu beschäftigen. Bei der COP15, an der die gleichen Vertragsparteien teilnehmen wie an der Klimakonferenz (zuletzt COP27 im November 2022), geht es vom 7. bis 19. Dezember in Montreal, Kanada, um einen neuen globalen Vertrag zur Förderung der Biodiversität.

Der lang erwartete Gipfel, der ähnlich wie die Klimakonferenzen regelmäßig stattfindet, musste mehrfach verschoben werden. Ursprünglich war er für das Jahr 2020 in Kunming, China, geplant. Durch die Corona-Pandemie kam es stattdessen zu einer zweiteiligen Veranstaltung. Der erste Teil fand im Oktober 2021 statt, gefolgt von einem zweiten Teil im Frühjahr 2022. Jedoch kam es dabei zu keiner Einigung. Daher setzte die UN Interims-Besprechungen in Nairobi an. Aufgrund der steigenden Corona-Zahlen in China findet das Treffen nun in Kanada statt.

Die Hoffnung besteht darin, eine globale Einigung zum Schutz und zur Verbesserung der Biodiversität zu treffen, die dem Pariser Klimaabkommen ähneln soll. Dabei stehen jedoch Habitats, Ökosysteme, Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen im Vordergrund. Der Verlust der Biodiversität bedroht auch Menschen, da er den Klimawandel beschleunigt und unter anderem Ernährungsgrundlagen zerstört.

Bei der COP15 geht es darum, den Verlust der Biodiversität aufzuhalten und die natürliche Vielfalt zu schützen. Bildquelle: Unsplash
Bei der COP15 geht es darum, den Verlust der Biodiversität aufzuhalten und die natürliche Vielfalt zu schützen. Bildquelle: Unsplash

Die Erwartungen für COP15

Derzeit ist die UN Convention on Biological Diversity (CBD) das wichtigste Regelwerk zur Biodiversität. 196 Länder – die COP-Vertragsparteien – haben es ratifiziert. Der erste Entwurf stammt aus dem Jahr 1992. Es folgte ein Beschluss im Jahr 2010 zu Biodiversitäts-Zielen, die in der Dekade der Biodiversität von 2010 bis 2020 umgesetzt werden sollten. Jedoch konnte keines dieser Ziele erfüllt werden. Noch dazu hat die Pandemie den Fortschritt aufgehalten.

Daher geht es bei der COP15 zur Biodiversität nun darum, die CBD auf den neuesten Stand zu bringen und neue Ziele für die aktuelle Dekade zu formulieren. Teilnehmende hoffen auf einen „Deal for Nature”, der ein Ende des Biodiversitätsverlusts vorschreibt und dazu beiträgt, Bemühungen zur Verbesserung von Ökosystemen und Habitats zu unterstützen, zu beschleunigen und auf politische Agenden zu setzen. Die Deadline für das Ende des Biodiversitätsverlusts ist dabei das Jahr 2030, wobei einige Umweltgruppen für ein früheres Datum plädieren.

Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität

Anders als die COP-Klimakonferenzen erhalten die Biodiversitätskonferenzen weniger mediale Aufmerksamkeit. Regierungschefs nehmen nicht an der Konferenz teil. Rufe danach, die COP15 mit der COP27 zu kombinieren, waren nicht erfolgreich, da beide Konferenzen ohnehin schon zahlreiche Themen in kurzer Zeit bearbeiten. Delegierte werden ab dieser Woche die folgenden Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität diskutieren:

  • Schutz- und Erhaltungsprogramme für 30% der Lebensräume an Land und im Wasser
  • Strengere Vorschriften zur Eindämmung von invasiven Arten
  • Verpflichtung von Unternehmen zur Berichterstattung über Auswirkungen auf die biologische Vielfalt
  • Verpflichtung zur Reduzierung des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft
  • Reformierung oder Streichung von Subventionen für Industrien, die die Natur ausbeuten
  • Kooperation mit privaten Geldgebern, um umweltschadende Finanzströme umzulenken
  • Bereitstellung von Internationalen Finanzmitteln für biologische Vielfalt sowie Aufstockung der Mittel für einkommensschwache Länder (jährliche Erhöhung um 200 Mrd. US-Dollar)

Bisher haben sich Länder wie China, Russland, die USA und Indien bei den Biodiversitäts-COPs zurückgehalten. Ein großer Gewinn für das Vorhaben der COP15 ist jedoch bereits jetzt die Wiederwahl des früheren brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva. Er spricht sich für den Schutz des brasilianischen Regenwalds aus.

Übrigens: Bei der Gartenschau in Lindau im Jahr 2021 gab es viele spannende Ausstellungen zum Thema Biodiversität.