Wien baut auf Schwammbezirke – Integration ins Flächennutzungsplan

Luftaufnahme von Wien bei Nacht mit beleuchteten Straßen und Gebäuden.
Wassersensible Stadtentwicklung für klimaresiliente Quartiere. Foto von Jacek Dylag auf Unsplash.

Wien ist auf dem Weg, urbanes Schwammdenken nicht nur in Pilotprojekten, sondern im Flächennutzungsplan zu verankern – und das in einer Konsequenz, die in Europa ihresgleichen sucht. Schwammbezirke, integraler Bestandteil einer wassersensiblen Stadtentwicklung, stehen dabei im Zentrum einer neuen Planungskultur. Wie gelingt die Integration dieser innovativen Strategien in die amtliche Planungspraxis? Und was können andere Städte daraus lernen?

  • Definition und Konzept der Schwammbezirke als stadtplanerische Antwort auf Klimawandel und Starkregen
  • Herausforderungen und Chancen bei der Integration in den Flächennutzungsplan Wiens
  • Technische und rechtliche Grundlagen: Von der Regenwasserrückhaltung bis zur multifunktionalen Flächennutzung
  • Der Planungsprozess: Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Stakeholder-Management
  • Best-Practice-Beispiele und Lessons Learned aus Wien
  • Vergleich mit Strategien in Deutschland und der Schweiz
  • Innovative Werkzeuge: GIS, digitale Zwillinge und partizipative Methoden
  • Langfristige Auswirkungen auf Stadtökologie, Lebensqualität und Baukultur
  • Empfehlungen für die Übertragbarkeit auf andere Kommunen

Die Idee der Schwammbezirke: Von der Vision zur Pflichtaufgabe

Der Begriff Schwammstadt hat sich längst zum urbanen Buzzword entwickelt. Doch Wien geht darüber hinaus: Die Stadt verankert Schwammbezirke nicht nur als Vision, sondern als konkrete Aufgabe im Flächennutzungsplan. Was steckt dahinter? Schwammbezirke stehen für Stadtquartiere, die Regenwasser nicht als Abfallprodukt betrachten, sondern als Ressource. Das Ziel: Niederschläge werden vor Ort aufgenommen, gespeichert, verdunstet oder genutzt, anstatt sie direkt in die Kanalisation zu leiten. Im Zeitalter von Klimawandel, Hitzewellen und Starkregen ist das keine nette Zugabe, sondern existenzielle Notwendigkeit.

Die Schwammstadt-Idee stammt ursprünglich aus China, das mit seinen Sponge Cities seit Jahren internationale Maßstäbe setzt. Wien übersetzt diese Prinzipien nun auf europäisches Recht, mitteleuropäische Klimabedingungen und den dichten städtischen Bestand. Der Unterschied zu vielen Pilotquartieren in Deutschland oder der Schweiz: In Wien wird das Prinzip Schwammbezirke zum integralen Bestandteil der amtlichen Stadtplanung. Das ist mehr als ein Trend – es ist eine Planungsrevolution.

Doch was bedeutet das konkret? Schwammbezirke sind keine einheitlichen Bauvorschriften, sondern ein planerisches Leitbild, das von Grünflächen über Straßenraum bis hin zu privaten Grundstücken reicht. Regenwasserrückhalt, Mulden-Rigolen-Systeme, entsiegelte Flächen, Fassadenbegrünung, Retentionsdächer, urbane Feuchtbiotope – das Arsenal ist breit. Entscheidend ist die Integration: Einzelmaßnahmen reichen nicht, gefragt ist die systemische Verknüpfung auf Quartiersebene.

Die Herausforderung: Schwammprinzipien müssen zwischen den Zeilen amtlicher Dokumente, Bebauungspläne, Stellplatzsatzungen und öffentlicher Infrastruktur verankert werden. Das bedeutet einen Paradigmenwechsel in der Flächennutzungsplanung. Wo früher die Flächenbilanz dominierte – Wohnen hier, Verkehr dort, Grün dazwischen – wird nun die Multifunktionalität zur Maxime. Jede Fläche kann und soll mehrere Aufgaben übernehmen: Retentionsraum, Biodiversität, Naherholung, Mikroklima, soziale Treffpunkte.

Wiener Schwammbezirke sind somit Prototypen einer zukunftsfähigen Stadt. Sie stellen die klassische Trennung zwischen „technischer Infrastruktur“ und „Grünraum“ infrage. Stattdessen entsteht ein Netzwerk urbaner Lebensadern, das Wasser nicht nur ableitet, sondern städtisches Leben resilienter, schöner und gesünder macht. Die Frage ist nicht mehr: „Können wir uns das leisten?“ – sondern: „Können wir es uns leisten, es nicht zu tun?“

Der entscheidende Unterschied zur vielerorts üblichen Symbolpolitik: Wien meint es ernst. Die Integration von Schwammbezirken in den Flächennutzungsplan verpflichtet Verwaltung, Bauträger und Investoren gleichermaßen. Das ist mutig, unbequem und gerade deshalb wegweisend.

Planungsinstrumente und rechtliche Integration: Schwammbezirke im Flächennutzungsplan

Wie gelingt es, einen so komplexen und transdisziplinären Ansatz wie Schwammbezirke in das Herzstück der amtlichen Planung, den Flächennutzungsplan, zu integrieren? Wien liefert hier ein Lehrstück für alle, die die sture Welt der Parzellen, Paragrafen und Verordnungen als veränderbar begreifen. Die Stadt setzt auf ein mehrstufiges Instrumentarium, das technische Innovation mit rechtlicher Schärfe kombiniert.

Im Zentrum steht die konsequente Verknüpfung von wasserwirtschaftlichen Zielsetzungen mit städtebaulichen Vorgaben. So werden Retentionsflächen und Versickerungszonen bereits in der frühesten Planungsphase festgelegt und als Planungsziele kommuniziert. Damit ist klar: Wer in einem Schwammbezirk baut, muss nicht nur Bauhöhen und Geschossflächenzahlen berücksichtigen, sondern auch Flächen für Regenwasserbewirtschaftung nachweisen. Das bedeutet: Die wasserbewusste Stadtentwicklung ist nicht länger freiwillig oder nettes Extra, sondern verbindliche Planungsauflage.

Ein weiteres zentrales Werkzeug ist die Integration von multifunktionalen Grünflächen in den Flächennutzungsplan. Diese Flächen sind so ausgewiesen, dass sie bei Starkregen gezielt als temporäre Speicher dienen können – etwa als überflutbare Parks, Senken oder Sportplätze. Hier wird die klassische Trennung zwischen „Nutzfläche“ und „Schutzfläche“ bewusst aufgehoben. Die Folge: eine neue Form von Flächenmanagement, das den Klimawandel nicht ignoriert, sondern antizipiert.

Technisch setzt Wien auf moderne GIS-gestützte Planungsprozesse. So werden Fließwege, Überflutungsbereiche, Bodenarten, Versickerungspotenziale und aktuelle Nutzungsdaten in digitalen Stadtmodellen zusammengeführt. Diese Modelle ermöglichen simulationsbasierte Szenarien: Wie verändert sich das Überflutungsrisiko bei unterschiedlichen Bebauungsdichten? Welche Maßnahmen bringen die größte Wirkung bei minimalem Flächenverbrauch? Die Antworten sind datenbasiert, nachvollziehbar und offen für Diskussion.

Rechtlich ist die Integration von Schwammbezirken im Flächennutzungsplan ein Balanceakt zwischen öffentlichem Interesse, Eigentumsrechten und Investitionssicherheit. Wien löst dies durch frühzeitige Beteiligung der zentralen Akteure: Wasserwirtschaft, Stadtplanung, Bauaufsicht, Umweltämter, aber auch Wohnungswirtschaft und private Eigentümer sitzen gemeinsam am Tisch. Das Ziel: keine nachträglichen Konflikte, sondern proaktive Einigung auf gemeinsame Standards.

Die rechtliche Absicherung erfolgt durch eine Kombination aus Flächennutzungsplan, Bebauungsplan und ergänzenden Satzungen. So entstehen keine toten Buchstaben, sondern handhabbare Vorgaben, die in den Genehmigungsprozessen durchgesetzt werden. Das ist anspruchsvoll und verlangt Fingerspitzengefühl – aber es ist der einzige Weg, Schwammbezirke dauerhaft zu verankern.

Interdisziplinäre Prozesse und Beteiligung: Schwammbezirke als Gemeinschaftswerk

Die Einführung von Schwammbezirken in den Wiener Flächennutzungsplan wäre undenkbar ohne einen radikalen Wandel im Planungsprozess selbst. Planung nach Schema F, in Silos und hinter verschlossenen Türen, hat ausgedient. Schwammbezirke sind zwangsläufig das Ergebnis interdisziplinärer Zusammenarbeit – und das auf Augenhöhe.

Die Stadt Wien setzt dafür auf sogenannte Planungswerkstätten. Hier treffen sich nicht nur Stadtplaner und Landschaftsarchitekten, sondern auch Hydrologen, Verkehrsplaner, Sozialwissenschaftler, Immobilienentwickler, Vertreter aus Verwaltung, Wirtschaft und organisierter Zivilgesellschaft. Die Idee: Schwammbezirke lassen sich nur dann erfolgreich integrieren, wenn alle Perspektiven berücksichtigt werden – von technischen Restriktionen bis zu sozialen Anforderungen.

Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die Beteiligung der Bevölkerung. Wien hat erkannt, dass Schwammprinzipien dann am besten funktionieren, wenn sie akzeptiert, verstanden und mitgetragen werden. Partizipative Methoden wie Bürgerforen, Online-Plattformen und reale Demonstrationsprojekte sorgen dafür, dass die Nutzer der Stadt nicht als Störfaktor, sondern als Mitgestalter wahrgenommen werden. Besonders spannend: Viele Wienerinnen und Wiener erleben die Vorteile der Schwammbezirke unmittelbar – etwa durch kühlere Grünräume, mehr Aufenthaltsqualität und geringere Überflutungsgefahr.

Gleichzeitig erfordert die Umsetzung von Schwammbezirken eine neue Fehlerkultur. Nicht jeder Versuch gelingt auf Anhieb, nicht jede Maßnahme wirkt überall gleich. Wien setzt deshalb auf Pilotprojekte, Monitoring und ein lernendes System. Erfahrungen aus Neubaugebieten wie Seestadt Aspern oder innerstädtischen Verdichtungsquartieren werden systematisch ausgewertet und fließen in die Weiterentwicklung der Flächennutzungsplanung ein.

Die interdisziplinäre Herangehensweise bringt auch Herausforderungen mit sich. Es gilt, Zielkonflikte frühzeitig zu erkennen: Wo trifft Retentionsfläche auf dringend benötigten Wohnraum? Wie lassen sich wirtschaftliche Interessen mit ökologischen Erfordernissen in Einklang bringen? Wien zeigt, dass transparente Kommunikation, klare Verantwortlichkeiten und regelmäßige Abstimmungsrunden unverzichtbar sind. Hier entscheidet sich der Erfolg der Schwammbezirke – nicht im Gesetzestext, sondern in der dialogischen Praxis.

Das Ergebnis ist eine neue Planungskultur, die weniger auf Hierarchie und mehr auf Kooperation setzt. Schwammbezirke sind damit nicht nur eine technische Innovation, sondern auch ein Impulsgeber für demokratische, inklusive und resiliente Stadtentwicklung.

Best-Practice, digitale Werkzeuge und Übertragbarkeit: Was Wien anderen Städten vormacht

Die Integration von Schwammbezirken in den Wiener Flächennutzungsplan ist auch deshalb so bemerkenswert, weil sie konsequent auf Best-Practice-Ansätzen, digitalen Werkzeugen und einem kontinuierlichen Lernprozess basiert. Die Stadt versteht sich als Labor für innovative Stadtentwicklung – und als Vorbild für andere Kommunen im deutschsprachigen Raum.

Ein Herzstück der Wiener Strategie sind digitale Stadtmodelle, die als zentrale Planungs- und Kommunikationsplattform dienen. Diese digitalen Zwillinge ermöglichen es, Schwammprinzipien anschaulich zu simulieren, Auswirkungen von Maßnahmen auf Starkregenereignisse oder Hitzeinseln zu visualisieren und unterschiedliche Szenarien in Echtzeit zu vergleichen. Das Ergebnis: Planung wird nachvollziehbar, überprüfbar und offen für Nachbesserungen.

Wien setzt außerdem auf ein intensives Monitoring. Sensoren erfassen Bodenfeuchte, Überflutungshäufigkeiten, Temperaturverläufe und Biodiversität in Schwammbezirken. Die Daten fließen zurück in die Planung und ermöglichen eine iterative Anpassung der Maßnahmen. Fehler werden nicht versteckt, sondern als Chance zur Optimierung genutzt.

Ein weiterer Erfolgsbaustein sind die robusten rechtlichen Vorgaben. Während viele Städte Schwammprinzipien in unverbindlichen Leitbildern oder Handbüchern abhandeln, macht Wien sie zur Pflichtaufgabe. Das schafft Planungssicherheit – und schützt vor dem typischen „Schwammparagrafen“-Dilemma, bei dem gute Ideen im Dickicht der Zuständigkeiten verschwinden.

Übertragbarkeit ist das große Thema für deutsche und Schweizer Städte. Klar ist: 1:1 lässt sich das Wiener Modell selten kopieren. Zu unterschiedlich sind rechtliche Rahmenbedingungen, Grundstücksstrukturen, Klima und Verwaltungskulturen. Aber die Grundprinzipien – frühzeitige Integration, rechtliche Verbindlichkeit, interdisziplinäre Prozesse, datengetriebene Planung, Beteiligung und Monitoring – sind universell. Wer sie beherzigt, kann auch im dichtesten Bestand oder im kleinsten Dorf einen echten Unterschied machen.

Wien beweist, dass Schwammbezirke kein Luxus teurer Großprojekte sind, sondern Mittel zur Daseinsvorsorge. Die Investitionen zahlen sich aus – in Form von geringeren Schäden, besserer Lebensqualität, höherer Biodiversität und einer resilienten Stadtstruktur, die auch Extremwettereignissen trotzt. Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern letztlich auch ökonomisch klug.

Langfristige Perspektiven und Fazit: Schwammbezirke als neue DNA der Stadtentwicklung

Was bedeutet die Integration von Schwammbezirken in den Wiener Flächennutzungsplan für die Zukunft der Stadtentwicklung? Vor allem eines: Sie markiert den Beginn einer neuen Ära, in der Klimaanpassung, Wasserbewirtschaftung und Lebensqualität nicht länger als Gegensätze, sondern als Verbündete betrachtet werden.

Wien zeigt, dass Schwammbezirke weit über das klassische Thema Regenwassermanagement hinausgehen. Sie schaffen multifunktionale Räume, fördern soziale Begegnung, verbessern das Stadtklima und erhöhen die Resilienz gegenüber Extremereignissen. Gleichzeitig stärken sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt, weil sie Planung und Alltag zusammenführen. Die Stadt wird zum gemeinsamen Projekt – und Wasser zum verbindenden Element.

Diese Transformation ist nicht ohne Herausforderungen. Sie erfordert Mut zur Veränderung, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, alte Denkmuster zu hinterfragen. Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft müssen an einem Strang ziehen. Doch die Erfolge in Wien beweisen: Es lohnt sich. Die Stadt gewinnt an Lebensqualität, Attraktivität und Zukunftsfähigkeit.

Für andere Kommunen im deutschsprachigen Raum ist das Wiener Beispiel ein Weckruf. Die Klimakrise wartet nicht auf die nächste Planungsrunde. Schwammbezirke bieten eine realistische, sofort umsetzbare und langfristig wirksame Antwort auf die großen Herausforderungen der Stadtentwicklung. Wer jetzt investiert, spart später – nicht nur Geld, sondern auch Nerven und Lebensgrundlagen.

Fazit: Schwammbezirke sind keine Modeerscheinung, sondern die neue DNA der Stadtplanung. Sie verbinden Innovation mit Tradition, Technik mit Natur, Pflicht mit Kür. Wien hat es vorgemacht – jetzt liegt es an anderen, nachzuziehen. Die Schwammstadt ist nicht Zukunftsmusik, sondern Gegenwart. Und sie beginnt im Flächennutzungsplan.

Die Integration der Schwammbezirke in Wiens Flächennutzungsplan ist ein Meilenstein urbaner Resilienz. Sie zeigt, wie interdisziplinäre Planung, digitale Werkzeuge und partizipative Prozesse zu einer neuen Qualität der Stadtentwicklung führen. Schwammbezirke sind damit weit mehr als ein technisches Konzept – sie sind Ausdruck eines neuen Selbstverständnisses: Die Stadt als lernendes, anpassungsfähiges und lebenswertes Ökosystem. Wer jetzt handelt, gestaltet die Zukunft. Und zwar für alle.

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Das Quartett – Entwurfsstudio „Into the Wild“

Perspektiven: Lautes Plateau, Weite Wiese, Lichter Schatten und Waldgalerie, Grafik: Johanna König
Perspektiven: Lautes Plateau, Weite Wiese, Lichter Schatten und Waldgalerie, Grafik: Johanna König
Der Berliner Volkspark Prenzlauer Berg erscheint wild und robust – und bietet Platz für Aneignung. In ihrem Entwurf möchte Johanna König die vorhandenen Qualitäten des Parks weiterentwickeln. In ihrem Konzept beschreibt sie vier Bereiche für unterschiedliche Nutzungen. Wo neue Treffpunkte entstehen sollen und wo Besucher*innen mit Flora und Fauna in Kontakt kommen, erläutert Sie im Folgenden selbst in ihrer Projektvorstellung. Die Arbeit entstand im Rahmen des Entwurfsstudios „Into the Wild“ an der TU Berlin. Dabei bearbeitete Johanna König von den drei im Studio vorgegebenen, zugespitzten Szenarien die Variante „Human Nature“.

Nicht nur in unserer Septemberausgabe 2023 machen wir Raum für Projekte aus dem Studium. Auch auf unserer Webseite stellen Studierende ihre eigenen Arbeiten selbst vor – zum Beispiel in diesem Beitrag. Die Projekte finden Sie alle auf unserer Themenseite „Studium“ und die Septemberausgabe gibt’s in unserem Shop.

Annäherung

Der Volkspark Prenzlauer Berg überzeugt besonders durch seinen wilden, ungepflegten sowie robusten Charakter. Durch die freien, offenen und scheinbar ungeplanten Flächen bietet er seinen Besucher*innen ungestörte Räume und ausreichend Platz für Aneignung. Diese Qualitäten machen den Park in Berlin einzigartig.

Lageplan, Grafik: Johanna König
Lageplan, Grafik: Johanna König

Vier Intensitäten. Ein Park.

Ziel meines Konzeptes ist es, die vorhandenen Qualitäten des Parks aufzunehmen, weiter zu denken und aus dem Bestand heraus zu entwickeln. Die zukünftigen Nutzungen sollen den Park wieder stärker erlebbar und sichtbar machen. Zudem sollen sie es besonders Kindern und Jugendlichen ermöglichen, den verwilderten und naturnahen Charakter dieses Ortes zu entdecken.

Um im Park dauerhaft Erfahrungsräume für Kinder und Jugendliche zu gewährleisten, muss die bestehende Vegetation geschützt und schonend genutzt werden. Dazu werden aus der bestehenden Vegetation vier Bereiche entwickelt, die sich in ihrer Nutzungsintensität unterscheiden. Der schattige, ruhigere Wald wird ausschließlich extensiv genutzt, während die zwei Plateaus und die neue Wiesenbühne zu bunten und stark frequentierten Treffpunkten im Park werden.

Piktogramm und konzeptioneller Schnitt zu den vier Nutzungsintensitäten im Park, Grafik: Johanna König
Piktogramm und konzeptioneller Schnitt zu den vier Nutzungsintensitäten im Park, Grafik: Johanna König

Der Wald.

Beobachten und Lauschen von Flora und Fauna steht im dichten Waldbereich im Vordergrund. Die Nutzung erfolgt hier ausschließlich auf und entlang der Waldwege, sodass der naturnahe Charakter weiterhin geschützt bleibt. Durch Nischen und Balkone entlang der Wege entsteht eine Waldgalerie, die zu einer Pause zwischen dem Schlendern einlädt, zeitgleich bewusste Blicke in den Wald zulässt und den Besucher*innen die Möglichkeit zur Umweltbildung bietet.

Konzept für die Waldgalerie im schattigen und ruhigen Waldbereich des Parks. Grafik: Johanna König
Konzept für die Waldgalerie im schattigen und ruhigen Waldbereich des Parks. Grafik: Johanna König

Im lichten Schatten.

Hier sind vor allem Kinder und Jugendliche explizit eingeladen, den Wald mit seiner Topografie und seinem verwilderten Unterholz zu erkunden und zu erforschen. Naturnahe Spielelemente aus Holz, Hangrutschen und Baumhäuser zum Klettern machen hier den Charakter der locker baumbestandenen Fläche aus.

Auf der blühenden Wiese.

Die offene Spiel- und Liegewiese lädt zum Sporttreiben, Frisbee- oder Ballspielen sowie zu jeglicher Form der Aneignung ein. Dieser Bereich soll bewusst offen und frei bleiben. Die blühenden Wieseninseln und vereinzelte lockere Gruppen von Sitz- und Liegemöbeln sowie Wiesenschaukeln bieten Möglichkeit zum längeren Verweilen.

Piktogramm zur Raumbildung und Vegetation. Durch die unterschiedliche Intensität der Vegetation, von dichter Gehölzstruktur bis zu Solitärgehölzen, werden die vier Parkbereiche räumlich unterschiedlich ausformuliert. Grafik: Johanna König
Piktogramm zur Raumbildung und Vegetation. Durch die unterschiedliche Intensität der Vegetation, von dichter Gehölzstruktur bis zu Solitärgehölzen, werden die vier Parkbereiche räumlich unterschiedlich ausformuliert. Grafik: Johanna König

Die bunten Plateaus.

Hier entstehen neue Treffpunkte im Park. Das laute Plateau verfügt über eine großzügige Rundbank, die Kommunikation nach innen und Aussicht nach außen vereint. Gemeinsam am Lagerfeuer dürfen hier bis in die Abendstunden Geschichten erzählt werden. Die neue Wiesenbühne gestaltet sich als Tribüne und Bühne zugleich, die frei für Performance, Musik oder Tanz angeeignet werden soll. Das leise Plateau ist ein grünes Klassenzimmer und liegt verborgen auf der Bergspitze, sodass beispielsweise Schulklassen dort ungestört lernen können.

Der Entwurf entstand im Rahmen des Entwurfsstudios „Into the Wild“ an der TU Berlin. Mehr über die Hintergründe des Studios und den Volkspark Prenzlauer Berg lesen Sie hier, und weitere Entwürfe von Studierenden gibt’s hier zu entdecken.

Der Firmensitz der GEFÄSSERIE, umgeben von 6.171 heimischen Pflanzen, wurde mit dem BuGG-Award 2024 für die beste Fassadenbegrünung ausgezeichnet.Quelle: Mobilane
Der Firmensitz der GEFÄSSERIE, umgeben von 6.171 heimischen Pflanzen, wurde mit dem BuGG-Award 2024 für die beste Fassadenbegrünung ausgezeichnet.Quelle: Mobilane

Nachhaltige Architektur und Gebäudebegrünung stehen im Mittelpunkt des BuGG-Award 2024. Zwei herausragende Projekte, der Firmensitz der GEFÄSSERIE und die Innenraumbegrünung im Timberjacks Köln, wurden ausgezeichnet und setzen neue Maßstäbe in der grünen Bauweise.

Der BuGG-Award, verliehen vom Bundesverband GebäudeGrün e.V. (BuGG), zeichnet jährlich die besten Projekte in den Kategorien Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung aus. 2024 wurden insgesamt 55 Projekte eingereicht, von denen die besten durch eine öffentliche Abstimmung gewählt wurden. Die diesjährigen Gewinner zeigen eindrucksvoll, wie Begrünung die Architektur nachhaltig transformieren kann.

Gewinnerprojekt: Firmensitz der GEFÄSSERIE

Die grünste Fassade 2024

Der neue Firmensitz der GEFÄSSERIE in Fuchsstadt hat die BuGG-Fassadenbegrünung des Jahres 2024 gewonnen. Mit einer beeindruckenden Fläche von 172 m² wandgebundener Begrünung, die 6.171 heimische Pflanzen umfasst, setzt das Projekt neue Maßstäbe. Die Pflanzen sind nicht nur ein ästhetisches Highlight, sondern sie leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und verbessern das Stadtklima erheblich.

Technische Innovation

Das Unternehmen entschied sich für das modulare MobiPanel-System von Mobilane, das die Verwendung vorkultivierter Pflanzkassetten ermöglicht. Diese Kassetten vereinfachen die Installation und Pflege der Begrünung. Ein kapillares Bewässerungssystem sorgt für eine gleichmäßige Versorgung der Pflanzen, wodurch der Pflegeaufwand minimiert wird. Das System überzeugt nicht nur durch seine Funktionalität, sondern auch durch seine umweltfreundliche Struktur.

Dach- und Innenraumbegrünung als Ergänzung

Neben der Fassadenbegrünung wurde das Projekt durch ein 140 m² großes Gründach und 23,5 m² Innenraumbegrünung ergänzt. Diese Maßnahmen tragen zu einer besseren Isolierung des Gebäudes bei und schaffen gleichzeitig ein angenehmes Arbeitsumfeld. Die Kombination aus Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung zeigt, wie ganzheitliche Nachhaltigkeit in der Architektur umgesetzt werden kann.

Freudige Übergabe des BuGG-Awards 2024 in der Kategorie „BuGG-Fassadenbegrünung des Jahres“: (v.l.n.r.) Kathrin Stein, Annelies Kieboom, Dr. Gunter Mann, Heike Schneider und Achim Eilingsfeld (GEFÄSSERIE).Quelle: Bundesverband GebäudeGrün
Freudige Übergabe des BuGG-Awards 2024 in der Kategorie „BuGG-Fassadenbegrünung des Jahres“: (v.l.n.r.) Kathrin Stein, Annelies Kieboom, Dr. Gunter Mann, Heike Schneider und Achim Eilingsfeld (GEFÄSSERIE).Quelle: Bundesverband GebäudeGrün
Gewinner 2024 in der Kategorie „BuGG-Fassadenbegrünung des Jahres“: Das Betriebsgebäude der GEFÄSSERIE in Fuchsstadt, ausgezeichnet für seine beeindruckende grüne Fassade. Quelle: Mobilane
Gewinner 2024 in der Kategorie „BuGG-Fassadenbegrünung des Jahres“: Das Betriebsgebäude der GEFÄSSERIE in Fuchsstadt, ausgezeichnet für seine beeindruckende grüne Fassade. Quelle: Mobilane

Gewinnerprojekt: Timberjacks Köln

Innenraumbegrünung als Wohlfühlfaktor

Das Timberjacks BBQ-Restaurant in Köln erhielt den Titel „BuGG-Innenraumbegrünung des Jahres 2024“. Die 41 m² große grüne Wand, realisiert durch das LivePanel Indoor System von Mobilane, verbessert das Raumklima und sorgt für ein angenehmes Ambiente.

Technische Herausforderungen gemeistert

Die Integration der Begrünung war komplex, da sie in eine bestehende Architektur mit Treppe und Wanddurchbruch integriert werden musste. Dank des modularen Systems konnten diese Herausforderungen gemeistert werden, ohne die Ästhetik oder Funktionalität der Begrünung zu beeinträchtigen.

Gewinner des BuGG-Award 2024 in der Kategorie „BuGG-Innenraumbegrünung des Jahres“: Die beeindruckende Innenbegrünung im Timberjacks Restaurant Köln. Quelle: Mobilane
Gewinner des BuGG-Award 2024 in der Kategorie „BuGG-Innenraumbegrünung des Jahres“: Die beeindruckende Innenbegrünung im Timberjacks Restaurant Köln. Quelle: Mobilane
Die beeindruckende Innenbegrünung im Timberjacks Restaurant Köln, ausgezeichnet mit dem BuGG-Award 2024, schafft eine grüne Wohlfühlatmosphäre für Gäste. Quelle: Mobilane
Die beeindruckende Innenbegrünung im Timberjacks Restaurant Köln, ausgezeichnet mit dem BuGG-Award 2024, schafft eine grüne Wohlfühlatmosphäre für Gäste. Quelle: Mobilane

Warum der BuGG-Award wichtig ist

Förderung von Nachhaltigkeit

Der BuGG-Award würdigt Projekte, die zeigen, wie Begrünung zur nachhaltigen Stadtentwicklung beitragen kann. Gewinnerprojekte wie die GEFÄSSERIE und das Timberjacks inspirieren Architekten und Stadtplaner, innovative Lösungen umzusetzen.

Öffentliche Aufmerksamkeit für Gebäudebegrünung

Erstmals war die Abstimmung zum BuGG-Award 2024 für die Öffentlichkeit zugänglich. Diese Entscheidung sorgte für breitere Aufmerksamkeit und zeigte, wie wichtig Gebäudebegrünung in der öffentlichen Wahrnehmung geworden ist.

Die Vorteile von Begrünung: Was die Gewinnerprojekte beweisen

Klimaschutz und Energieeffizienz

Gebäudebegrünung reduziert den Energieverbrauch durch natürliche Isolation und senkt die Temperaturen in urbanen Räumen. Dies hilft, den Hitzeinseleffekt in Städten zu bekämpfen.

Ästhetik und Wohlbefinden

Grüne Fassaden und Innenräume steigern die Lebensqualität, indem sie eine beruhigende Atmosphäre schaffen und die Luftqualität verbessern. Projekte wie das Timberjacks zeigen, wie Begrünung das Wohlbefinden von Nutzern steigern kann.

Biodiversität fördern

Begrünte Gebäude schaffen Lebensräume für Insekten, Vögel und andere Tiere. Besonders in städtischen Gebieten fördern sie die Biodiversität und tragen zum ökologischen Gleichgewicht bei.

Der BuGG-Award 2024 als Inspiration für die Zukunf

Die Gewinner des BuGG-Award 2024, der Firmensitz der GEFÄSSERIE und das Timberjacks Köln, sind herausragende Beispiele für die transformative Kraft der Begrünung. Sie zeigen, wie innovative Begrünungslösungen nicht nur die Ästhetik, sondern auch die Funktionalität und Nachhaltigkeit von Gebäuden verbessern können.

Mit Projekten wie diesen setzt der BuGG-Award neue Maßstäbe und inspiriert Architekten, Städteplaner und Unternehmen, Begrünung als festen Bestandteil moderner Architektur zu betrachten. Die Zukunft der Bauweise ist grün – und der BuGG-Award 2024 ist ein Beweis dafür.

 

 

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