Schwammstadt: Warum sie nicht der Gamechanger ist

Zu betonierte Flächen sind der Endgegner der Versickerung. Die Schwammstadt ist eine mögliche Lösung für die Herausforderungen des Klimawandels. Credit: Unsplash

Die zunehmende Häufigkeit von Starkregenereignissen und Überschwemmungen infolge des Klimawandels stellt Städte weltweit vor immense Herausforderungen. Das Konzept der Schwammstadt wird häufig als Lösung angepriesen. Doch ist diese Strategie tatsächlich ein „Gamechanger“ im Kampf gegen städtische Überflutungen? Eine kritische Betrachtung zeigt, dass die Schwammstadt zwar wertvolle Impulse gibt, jedoch nicht ohne Hürden und Grenzen ist.

Das Konzept der Schwammstadt

Eine Schwammstadt (engl. „Sponge City“) verfolgt das Ziel, urbanen Raum so zu gestalten, dass er Wasser aufnehmen, speichern und langsam wieder abgeben kann – ähnlich wie ein Schwamm. Dafür wird eine Kombination aus grüner Infrastruktur und innovativer Wassertechnik genutzt. Zu den Maßnahmen gehören:

  • Entsiegelung von Flächen: Straßen, Plätze und andere versiegelte Bereiche werden so gestaltet, dass Wasser versickern kann.
  • Grüne Dächer und Fassaden: Diese absorbieren Niederschläge und verdunsten Wasser, wodurch das Mikroklima verbessert wird.
  • Regenwassergärten und Biotope: Sie speichern Wasser und bieten gleichzeitig Lebensraum für Flora und Fauna.
  • Retentionseinrichtungen: Zisternen, unterirdische Speicher und künstliche Teiche sammeln überschüssiges Wasser.

Theoretisch reduziert eine Schwammstadt die Gefahr von Überschwemmungen, verbessert die Wasserqualität und trägt zur Klimaanpassung bei. Doch wie effektiv ist dieses Konzept in der Praxis?

Herausforderungen der Schwammstadt

Obwohl die Idee der Schwammstadt auf dem Papier überzeugend klingt, gibt es mehrere praktische Herausforderungen:

  1. Flächenbedarf und urbane Verdichtung

Die Umsetzung der Schwammstadt erfordert erhebliche Flächen für Begrünung, Retentionsanlagen und andere Maßnahmen. In dicht besiedelten Städten, wo der Raum knapp und teuer ist, stoßen solche Projekte schnell an Grenzen. Die Konkurrenz zwischen Wohnungsbau, Verkehrsinfrastruktur und Grünflächen macht es schwer, ausreichend Platz für Schwammstadt-Elemente zu schaffen.

  1. Kosten und Finanzierung

Die Umwandlung bestehender urbaner Strukturen in eine Schwammstadt ist kostenintensiv. Die Entsiegelung von Flächen, der Bau neuer Infrastrukturen und die Pflege von Grünanlagen erfordern erhebliche Investitionen. Besonders in finanzschwachen Kommunen ist die Umsetzung daher oft unrealistisch. Auch die langfristigen Unterhaltskosten – z. B. für die Pflege von Grünflächen – dürfen nicht unterschätzt werden.

  1. Wirksamkeit unter Extrembedingungen

Während Schwammstadt-Ansätze bei moderaten Regenfällen nachweislich effektiv sind, stoßen sie bei Extremwetterereignissen an ihre Grenzen. Gigantische Wassermengen, wie sie etwa bei Jahrhundertfluten auftreten, können auch die besten Systeme überfordern. Ohne zusätzliche Hochwasserschutzmaßnahmen wie Deiche, Rückhaltebecken oder Pumpensysteme bleibt das Risiko von Überflutungen bestehen.

  1. Anpassung bestehender Infrastruktur

Viele Städte sind auf jahrzehntealte Infrastrukturen angewiesen, die nicht ohne Weiteres an die Anforderungen einer Schwammstadt angepasst werden können. Die Integration von neuen Technologien und grüner Infrastruktur in bestehende Stadtstrukturen ist technisch komplex und erfordert langfristige Planungen.

Warum die Schwammstadt allein nicht ausreicht

Die Schwammstadt bietet wertvolle Ansätze, doch sie allein wird den Herausforderungen des Klimawandels nicht gerecht. Zu ihren Grenzen zählen:

  • Zeitliche Verzögerungen: Der Umbau einer Stadt in eine Schwammstadt dauert Jahre, wenn nicht Jahrzehnte.
  • Lokaler Fokus:Schwammstadt-Maßnahmen sind meist lokal begrenzt und können überregionale Hochwasserprobleme nicht lösen.
  • Unvorhersehbarkeit extremer Ereignisse: Selbst gut geplante Systeme können von unvorhersehbaren Starkregenereignissen überfordert werden.

Umfassender Hochwasserschutz erfordert daher eine Kombination verschiedener Strategien. Neben der Schwammstadt sollten folgende Maßnahmen berücksichtigt werden:

  • Natürlicher Hochwasserschutz: Renaturierung von Flüssen, Schaffung von Überflutungsflächen und Auen.
  • Technische Infrastruktur: Deiche, Rückhaltebecken und optimierte Abwassersysteme bleiben essenziell.
  • Frühwarnsysteme: Digitale Technologien zur präzisen Vorhersage von Extremwetter und die Entwicklung von Evakuierungsplänen.
  • Bewusstseinsbildung: Die Bevölkerung muss über Risiken und Schutzmaßnahmen informiert und einbezogen werden.

Fazit: Kein Allheilmittel, aber ein wichtiger Baustein

Die Schwammstadt ist ein vielversprechendes Konzept, um Städte klimafest zu machen. Sie fördert nachhaltige Stadtentwicklung, verbessert die Lebensqualität und bietet einen wichtigen Beitrag zum Umgang mit Starkregen und urbanen Überschwemmungen. Doch sie ist kein Allheilmittel. Die hohen Kosten, der Flächenbedarf und ihre begrenzte Wirksamkeit bei Extremereignissen zeigen, dass die Schwammstadt nur Teil eines umfassenderen Maßnahmenpakets sein kann.

Für eine nachhaltige Zukunft müssen Städte auf einen Mix aus grüner Infrastruktur, technischer Innovation und natürlichem Hochwasserschutz setzen. Nur durch eine integrative Strategie lässt sich der Hochwasserschutz effektiv gestalten – und die Schwammstadt wird dabei ein wichtiger, aber nicht der einzige Schlüssel sein.

 

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Bundespreis Koop.Stadt: 5 Fragen

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Mit dem Bundespreis Koop.Stadt schaffen die Träger*innen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik, Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden, einen Preis, der herausragende kommunale Beispiele einer Kooperationskultur zwischen Kommune und Zivilgesellschaft ausgezeichnet. Alles was Sie dazu wissen müssen, erfahren Sie im Interview mit den Projektleiter*innen Lisa Schopp und Stephan Willinger.

200 000 Euro Preisgeld für den Bundespreis Koop.Stadt

 

An wen richtet sich der Preis?

Wir suchen Kommunen ab 10 000 Einwohner*innen, die durch ihre Zusammenarbeit mit Stadtmacher*innen zu einer Kooperativen Stadt werden. Planungsbüros, Bürger*innen, Initiativen oder Vereine können Kommunen bei der Bewerbung unterstützen. Die Einreichung der Bewerbung ist jedoch nur durch die Kommune selbst möglich.

Was kann eingereicht werden?

Bewerben können sich die Kommunen mit angestoßenen, laufenden sowie bereits umgesetzten Instrumenten oder Kooperationsprojekten der Stadtentwicklung. Die Auslober*innen suchen konkrete Maßnahmen zur Förderung der Zusammenarbeit und einer aktiven Mitgestaltung durch zivilgesellschaftliche Initiativen, Vereine oder soziokulturelle Akteur*innen. Dazu zählen allgemeine rechtliche, politische und strukturelle Maß­nahmen wie beispielsweise die Einrichtung von runden Tischen, Vermittlerstellen oder Zugang zu Raum für diese Akteur*innen. Aus der Bewerbung soll sich ein Gesamtbild über die Kooperationskultur der Kommune ergeben.

Was ist der Mehrwert der Teilnahme?

Der Preis zeichnet Kommunen für ihre erfolgreiche kooperative Stadtentwicklung aus und trägt auf diese Weise zu Imagegewinn, Motivation und Bindung neuer Kooperationspartner*innen bei. Neben der Auszeichnung selbst und der Einladung zur Preisverleihung im Rahmen des Bundes­kongresses der Nationalen Stadtentwicklungspolitik, der im Mai 2021 in Köln stattfindet, werden die die Preisträger*innen dabei unterstützt, mehr Menschen zu aktiv Handelnden in der Stadtentwicklung zu machen. Die zehn am höchsten bewerteten Bewerber*innen erhalten insgesamt eine Summe von 200 000 Euro Preisgeld zur Umsetzung weiterer Kooperationsprojekte. Die Auszeichnung ist für fünf Jahre gültig. Die eingereichten Best-Practice-Beispiele werden in einer Publikation gesammelt und aufbereitet.

Fachübergreifende Jury

Wie wird bewertet?

Die Jury prämiert Kommunen, die mit klugen Ideen kooperative Stadtentwicklungsprojekte angeschoben und dadurch etwas Neues geschaffen haben. Die Projekte können aus allen Handlungsfeldern kommen, vom Städtebau bis zur Freiraumgestaltung. Bei der Beurteilung werden rechtliche, politische und strukturelle Bausteine der Kooperation beleuchtet. In die Bewertung fließen angestoßene, laufende sowie bereits umgesetzte Instrumente, Leitbilder oder politisch beschlossene Maßnahmen mit ein. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je mehr an Kooperation mit verschiedenen Akteurs­gruppen nachgewiesen werden kann und je mehr Handlungsfelder abgedeckt werden, desto besser die Bewertung.

Wie erfolgt die Jurierung?

Nach einer ersten Vorprüfung tritt eine fachübergreifend zusammengesetzte Jury zusammen, die die Beiträge bewertet und die Preisträger*innen auswählt. Die Jury des Bundespreises Kooperative Stadt setzt sich aus den Partner*innen der Nationalen Stadt­entwicklungspolitik zusammen: Ver­treter*innen des Deutschen Städtetags, des Deutschen Städte- und Gemeindebunds und der Länder sowie des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat.

Die Bewerbung ist noch bis zum 10. März 2021 unter www.koop-stadt.de möglich.

Lisa Schopp und Stephan Willinger sind Projektleiter*innen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Das Projekt Bundespreis Koop.Stadt wird durchgeführt durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt-, und Raumforschung.

Wider die Tristesse

Mit Bike- und Skateinlagen assoziieren viele kalte, graue, eintönige Betonwüsten. Ralf Maier, Landschaftsarchitekt und ehemaliger BMX-Profi, sprach mit uns darüber, wie aus diesen Anlagen wahre Betonlandschaften werden und was es bei Planung und Materialwahl zu beachten gibt. Derzeit arbeitet die FLL an einer neuen Empfehlung für Planung, Bau und Instandhaltung von Skate- und Bikeanlagen. 

Ziel der Empfehlung ist, die Anforderungen der Rollsportnorm DIN EN 14974 aus dem Jahr 2010 für Planer, ausführende Firmen und Betreiber zu ergänzen und unter Beteiligung der verschiedenen Nutzer- und Interessengruppen sowie der fachlich betroffenen Verbände verschieden Themenbereiche abzudecken, darunter Anforderungen an die Materialien und Vorzeigebeispiele.

Skateboard, BMX-Rad und Mountainbike sind längst keine Trendsportgeräte mehr, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen, entsprechende Anlagen sind in immer mehr Städten selbstverständlich. Bei der Planung wird aber immer noch viel falsch gemacht, sodass Anlagen oft nicht angenommen werden.

In einem ersten Schritt ist mit Hilfe verschiedener Nutzer- und Interessengruppen der Gelbdruck der FLL entstanden. Das Einspruchsverfahren läuft vom 2. Mai bis zum 1. August.

Weitere Informationen hier

Mehr zu Bike- und Skateinlagen lesen Sie im Interview mit Landschaftsarchitekt Ralf Maier in Garten+Landschaft 07/2016 – Die Rückkehr des Menschen.