Shared Mobility per API – wie Städte den Überblick behalten

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Stadtleben und Verkehr neben Wolkenkratzern in der Schweiz, fotografiert von Bin White

Städte im Mobilitätswandel – und mittendrin die Frage: Wie behält man eigentlich noch den Überblick, wenn immer mehr Autos, Roller, Fahrräder und Busse geteilt, gebucht und per App bewegt werden? Shared Mobility per API ist das Zauberwort, das die urbane Steuerung ins digitale Zeitalter katapultiert. Doch wie funktioniert das Zusammenspiel aus Daten, Plattformen und städtischer Governance wirklich? Und warum ist die richtige Schnittstelle entscheidender als das hippste Fahrzeug?

  • Definition und Bedeutung von Shared Mobility und APIs für moderne Städte.
  • Wie Schnittstellen (APIs) den Echtzeit-Überblick über urbanen Mobilitätsmix ermöglichen.
  • Praktische Anforderungen und Herausforderungen für Stadtverwaltungen und Planer.
  • Best Practices und Pioniere aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
  • Governance, Datensouveränität und die Rolle offener Urban Mobility Plattformen.
  • Chancen für nachhaltige Stadtentwicklung, Verkehrswende und Beteiligung.
  • Risiken: Kommerzielle Interessen, Datenschutz, algorithmische Verzerrungen.
  • Technische Voraussetzungen, Standards und die Bedeutung von Interoperabilität.
  • Fazit: Shared Mobility per API als Katalysator für smarte, lebenswerte Städte.

Shared Mobility und API – Das digitale Rückgrat urbaner Mobilität

Shared Mobility, also das Teilen von Autos, Fahrrädern, Elektrorollern und selbst E-Scootern, ist längst fester Bestandteil des modernen Stadtbilds in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Doch das eigentliche Kunststück liegt nicht in den bunten Fahrzeugflotten, sondern in der unsichtbaren Infrastruktur dahinter: den Schnittstellen, den sogenannten Application Programming Interfaces, kurz APIs. Diese digitalen Brücken ermöglichen es, die riesige Vielfalt an Mobilitätsangeboten in Echtzeit zu koordinieren, Daten zu bündeln und daraus intelligente Steuerungsmechanismen für Städte zu entwickeln.

Eine API ist, technisch gesprochen, eine definierte Schnittstelle, über die verschiedene Softwaresysteme miteinander kommunizieren können. In der urbanen Mobilität bedeutet das: Carsharing-Anbieter, Bike-Sharing-Systeme, On-Demand-Shuttles, ÖPNV-Dienste und sogar private Anbieter können ihre Daten standardisiert bereitstellen. Städte und Planer erhalten so Zugriff auf einen digitalen „Live-Feed“ aller Bewegungen und Kapazitäten im öffentlichen Raum. Das klingt nach Science-Fiction, ist aber vielerorts bereits Realität – zumindest dort, wo Verwaltung, Anbieter und Technikpartner an einem Strang ziehen.

Doch warum ist das für Städte überhaupt relevant? Ganz einfach: Ohne verlässliche Daten und deren intelligente Verknüpfung bleibt der vielbeschworene Mobilitätsmix nur ein schönes Schlagwort. Wenn Planer den Verkehrsfluss verbessern, die Zahl der Autos reduzieren oder Flächen für Radwege und Aufenthaltsräume umnutzen wollen, brauchen sie ein möglichst vollständiges, aktuelles Bild dessen, was auf den Straßen tatsächlich passiert. APIs sind dabei das zentrale Nervensystem, das die verschiedenen Akteure miteinander verbindet.

Gerade in wachsenden Großstädten wie Berlin, Hamburg oder Zürich wird der Bedarf an solchen Lösungen immer drängender. Denn mit jedem neuen Anbieter, jeder neuen Fahrzeugklasse und jeder zusätzlichen Plattform steigt die Komplexität – und damit das Risiko des Kontrollverlusts. APIs helfen, diese Komplexität zu beherrschen, indem sie die Daten aus den Silos der Anbieter holen und für die Stadtgesellschaft nutzbar machen.

Natürlich ist die Einführung von API-basierten Lösungen kein Selbstläufer. Es braucht nicht nur technisches Know-how, sondern auch politisches Rückgrat, klare Governance-Strukturen und ein gemeinsames Verständnis von Datensouveränität. Doch der Lohn ist beträchtlich: Echtzeit-Transparenz, reaktionsfähige Verkehrssteuerung und die Möglichkeit, Mobilität endlich aus der Perspektive der Stadt und ihrer Bewohner zu gestalten – und nicht nur aus Sicht einzelner Anbieter.

Mobilitätsdaten im Fluss – Wie APIs den Überblick schaffen

Die eigentliche Magie von APIs liegt in ihrer Fähigkeit, Datenströme aus unterschiedlichsten Quellen zu bündeln, zu standardisieren und in Echtzeit bereitzustellen. In der Praxis heißt das: Ein kommunales Dashboard kann auf Knopfdruck anzeigen, wie viele E-Scooter gerade im Stadtzentrum verfügbar sind, wo die nächste Carsharing-Station leerzufallen droht oder wie sich die Nachfrage nach Leihrädern bei Starkregen verändert. Für die operative Verkehrssteuerung, die Planung von Infrastruktur oder die Entwicklung neuer Sharing-Angebote sind solche Einblicke Gold wert.

Doch APIs liefern nicht nur Statusdaten. Sie ermöglichen auch Prognosen und Simulationen. Beispielsweise können Städte vor Großveranstaltungen oder in neuen Quartieren simulieren, wie sich der Verkehrsfluss verändert, wenn zusätzliche Sharing-Fahrzeuge bereitgestellt werden oder bestimmte Straßen temporär gesperrt sind. Diese Fähigkeit, Szenarien zu testen und Maßnahmen datenbasiert zu steuern, ist ein Quantensprung gegenüber der klassischen Planung mit starren Verkehrszählungen und langwierigen Umfragen.

Ein weiteres Plus: Durch die Vernetzung über APIs wird es möglich, verschiedene Mobilitätsformen nahtlos miteinander zu verknüpfen. Nutzer können etwa in einer einzigen App von der U-Bahn direkt auf ein Leihrad oder einen E-Scooter umsteigen – und die Stadt sieht, wo welche Schnittstellen besonders gefragt sind oder wo Engpässe entstehen. Für Planer bietet das die Chance, Infrastruktur gezielt dort auszubauen, wo sie tatsächlich gebraucht wird, und ineffiziente Angebote zu identifizieren.

Natürlich sind solche Datenströme sensibel. Datenschutz und Anonymisierung sind kein Luxus, sondern Pflicht. Moderne API-Lösungen setzen daher auf Pseudonymisierung und Aggregation, sodass keine individuellen Bewegungsprofile entstehen. Nur so bleibt das Vertrauen der Nutzer erhalten – und nur so können Städte ihrer Verantwortung als Datenverwalter gerecht werden.

Eine der größten Herausforderungen bleibt die Interoperabilität. Unterschiedliche Anbieter setzen auf unterschiedliche Datenformate, Protokolle und Update-Frequenzen. Erst die Etablierung von Standards wie dem Mobility Data Specification (MDS) oder dem Open Mobility Data Standard (OMDS) ermöglicht es, die Datenflut zu bändigen und städteübergreifende Vergleiche zu ziehen. Hier zeigt sich: Technik ist nur so gut wie ihr gemeinsames Fundament – und dieses Fundament erfordert Kooperation auf Augenhöhe zwischen Städten, Anbietern und Standardisierungsgremien.

Stadtplanung mit Durchblick – Chancen und Stolpersteine im Alltag

Für Planer, Stadtverwaltungen und Mobilitätsmanager bietet die API-basierte Shared Mobility eine Fülle neuer Möglichkeiten – aber auch jede Menge Fallstricke. Einer der größten Vorteile: Der Wandel von der reaktiven zur proaktiven Steuerung. Wo früher auf Beschwerden und Staus reagiert wurde, können Städte heute vorausschauend agieren, etwa indem sie Sharing-Flotten gezielt steuern, Parkzonen anpassen oder temporäre Mobilitäts-Hubs einrichten. Das eröffnet Spielräume für innovative Verkehrsversuche, Pop-up-Infrastruktur oder saisonale Pilotprojekte – und macht die Stadtentwicklung agiler.

Doch mit der neuen Macht kommt auch neue Verantwortung. Städte müssen definieren, welche Daten sie wie nutzen, wie sie Transparenz und Fairness sicherstellen und wie sie mit kommerziellen Interessen der Anbieter umgehen. Nicht selten geraten Kommunen zwischen die Fronten: Einerseits wollen sie restriktiv regulieren, um Wildwuchs zu verhindern. Andererseits sind sie auf die Innovationskraft und Investitionen privater Mobilitätsdienste angewiesen. Der Schlüssel liegt in klaren, partnerschaftlichen Vereinbarungen, die Datenzugang, Nutzung und Governance regeln – und zwar auf Augenhöhe.

Ein weiteres Dilemma ist der Umgang mit der Datenflut. Je mehr Daten über APIs einströmen, desto größer wird die Versuchung, alles messen, überwachen und steuern zu wollen. Aber nicht jede Information ist relevant – und nicht jede Steuerung sinnvoll. Hier sind neue Kompetenzen in der Verwaltung gefragt: Datenmanagement, Algorithmuskompetenz und die Fähigkeit, zwischen Hype und Substanz zu unterscheiden. Es braucht spezialisierte Teams, die Mobilitätsdaten auswerten, visualisieren und für die Planung nutzbar machen.

Auch die Bürgerbeteiligung kann durch API-basierte Mobilität profitieren – sofern die Stadt ihre Daten offenlegt und verständlich aufbereitet. Transparente Dashboards, interaktive Karten und offene Schnittstellen ermöglichen es nicht nur Experten, sondern auch engagierten Bürgern, eigene Analysen durchzuführen, Missstände zu melden oder Vorschläge einzubringen. So wird Mobilitätssteuerung zum gemeinsamen Projekt – und nicht zur Blackbox im Amt.

Dennoch gibt es Risiken. Kommerzielle Anbieter könnten versuchen, Städte mit proprietären Schnittstellen an sich zu binden oder unliebsame Daten zu verschleiern. Algorithmische Verzerrungen – etwa bei der Verteilung von Fahrzeugen in einkommensstarken Vierteln – können Ungleichheiten verstärken. Und nicht zuletzt bleibt die Gefahr der Übertechnisierung: Mobilität ist mehr als nur Daten und Fahrzeuge. Sie ist gelebter Alltag, sozialer Raum und kulturelles Erlebnis. Wer das vergisst, riskiert technokratische Fehlsteuerungen – und Unzufriedenheit bei den Menschen, für die die Stadt gemacht ist.

Best Practices und Leuchttürme – Wo der Überblick schon Realität ist

Während in vielen deutschen Städten noch an Pilotprojekten gefeilt wird, zeigen einige europäische Metropolen bereits, wie Shared Mobility per API in der Praxis funktioniert. Kopenhagen etwa setzt auf eine zentrale Urban Mobility Platform, die sämtliche Sharing-Anbieter, den ÖPNV und den Radverkehr in einem offenen, standardisierten System verknüpft. Hier können Planer live verfolgen, wie sich die Mobilitätsnachfrage entwickelt – und gezielt auf Veränderungen reagieren.

In Wien arbeitet die Stadt mit der „WienMobil“-Plattform, die auf offenen Schnittstellen basiert. Bürger können verschiedene Verkehrsmittel in einer App kombinieren, während die Stadt Zugriff auf aggregierte Nutzungsdaten erhält. Das System macht es möglich, Sharing-Angebote flexibel auf neue Stadtteile auszuweiten, Hotspots zu erkennen und das Carsharing-Angebot in Randlagen zu stärken.

In Deutschland ist Hamburg mit dem Projekt „switchh“ Vorreiter. Hier werden die Daten verschiedener Sharing-Anbieter, Taxis und des HVV über APIs zusammengeführt. Die Stadt kann so nicht nur den Erfolg neuer Mobilitätsangebote messen, sondern auch aktiv steuern – etwa, indem sie Sharing-Fahrzeuge gezielt in Quartiere mit schlechter ÖPNV-Anbindung lenkt.

Auch Zürich und Basel setzen auf offene Mobilitätsdatenplattformen, die alle Anbieter verpflichten, ihre Daten standardisiert bereitzustellen. Das ermöglicht nicht nur eine bessere Steuerung, sondern auch die Integration neuer Anbieter ohne endlose Einzelverhandlungen. Der Erfolg: mehr Transparenz, weniger Wildwuchs und eine bessere Abstimmung zwischen öffentlichem und privatem Verkehr.

Diese Best Practices zeigen: Shared Mobility per API ist kein ferner Traum, sondern praktische Realität, wo Stadt, Anbieter und Technikpartner kooperieren – und wo der politische Wille vorhanden ist, Daten als Gemeingut zu begreifen. Der Weg dorthin ist steinig, aber lohnend. Denn Städte gewinnen nicht nur den Überblick zurück, sondern werden handlungsfähiger, agiler und attraktiver für Bewohner und Besucher gleichermaßen.

Governance, Standards und die Zukunft der urbanen Mobilität

Am Ende entscheidet nicht die Technik, sondern die Governance darüber, wie erfolgreich Shared Mobility per API in einer Stadt funktioniert. Es braucht klare Regeln, wer Zugang zu welchen Daten hat, wie diese geschützt, genutzt und ausgewertet werden – und wie die Interessen von Stadt, Anbietern und Nutzern austariert werden. Der Trend geht zu offenen Urban Mobility Platforms, die mit Open-Source-Software, standardisierten APIs und transparenten Governance-Strukturen arbeiten.

Ein zentraler Aspekt ist die Datensouveränität. Städte dürfen sich nicht zum bloßen Datenabnehmer kommerzieller Plattformen degradieren lassen. Sie müssen aktiv gestalten, Standards setzen und eigene Kompetenzen aufbauen. Nur so können sie sicherstellen, dass Mobilitätsdaten dem Gemeinwohl dienen – und nicht nur Unternehmensinteressen. Das bedeutet auch: Keine exklusiven Deals mit einzelnen Anbietern, sondern offene, diskriminierungsfreie Schnittstellen für alle.

Die Entwicklung einheitlicher Standards ist dabei der Schlüssel zur Skalierbarkeit. Nur wenn Anbieter, Städte und Technikpartner auf gemeinsame Protokolle setzen, lassen sich Mobilitätsdaten stadtübergreifend nutzen, vergleichen und weiterentwickeln. Fortschrittliche Städte investieren daher in Standardisierungsgremien, Pilotprojekte und den Aufbau eigener Datenkompetenzzentren. So entsteht ein Ökosystem, das Innovation fördert, Risiken minimiert und die Kontrolle in öffentlicher Hand hält.

Die Zukunft der urbanen Mobilität wird maßgeblich davon abhängen, wie gut es gelingt, technologische Innovation mit gesellschaftlicher Verantwortung zu verbinden. Shared Mobility per API ist dabei ein mächtiges Werkzeug – aber eben nur eines von vielen. Es braucht flankierende Maßnahmen: Beteiligung, Bildung, soziale Integration und die Offenheit, Fehler zuzulassen und aus ihnen zu lernen. Denn Mobilität ist kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für eine lebenswerte, nachhaltige Stadt.

Abschließend bleibt festzuhalten: Wer heute in APIs, offene Plattformen und Datenkompetenz investiert, macht die Stadt von morgen fit für die Herausforderungen des Mobilitätswandels. Die Technik ist da – jetzt braucht es Mut, Weitsicht und die Bereitschaft, gemeinsam Neues zu wagen. Nur so wird Shared Mobility zum Erfolgsmodell für alle – und nicht nur für die Anbieter.

Fazit: Überblick als Schlüssel zu lebenswerten Städten

Shared Mobility per API ist weit mehr als ein technisches Nice-to-have. Es ist das digitale Rückgrat, das Städten den Überblick im Mobilitätsdschungel des 21. Jahrhunderts verschafft. Wer die Datenströme beherrscht, kann Verkehr steuern, Flächen neu denken und den Mobilitätsmix wirklich nachhaltig gestalten. Doch der Weg ist anspruchsvoll: Es braucht Standards, Kooperation, kluge Governance und einen klaren Fokus auf Gemeinwohl und Datensouveränität. Die Beispiele aus Kopenhagen, Wien, Hamburg und Zürich zeigen, dass der Wandel möglich ist – wenn Städte bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und die Technik als Werkzeug, nicht als Selbstzweck zu begreifen. Letztlich ist Shared Mobility per API ein Versprechen: auf mehr Transparenz, bessere Steuerung und eine Stadt, die für Menschen gemacht ist – und nicht für Daten oder Fahrzeuge. Wer jetzt handelt, gestaltet nicht nur Mobilität, sondern auch das urbane Leben der Zukunft aktiv mit.

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Eine Seilbahn schwebt über die Gärten der Welt in Berlin. (Foto: Thomas Rosenthal)

Eine Seilbahn schwebt über die Gärten der Welt in Berlin. (Foto: Thomas Rosenthal)

Auf kleinstem Raum lassen sich in Berlin-Marzahn die unterschiedlichsten Ansätze der Landschafts- und Gartenarchitektur studieren. Denn die Anlage Gärten der Welt vereint neben klassischen Tourist*innenattraktionen wie eine Seilbahn, Aussichtspunkte und einer Arena für Veranstaltungen noch mehr – nämlich Gartenkunst. Und zwar aus allen Herren Ländern und Kulturen. In verschiedenen Themengärten und Gartenkabinetten können Besucher*innen entsprechend Ansätze und Gestaltungen aus aller Welt betrachten. Hier erfahren Sie, welche Gärten der Welt Ihnen geboten werden.

Gärten der Welt präsentieren internationale Gartenkunst

Früher noch als “Erholungspark Marzahn” bekannt, wurde das Areal an der Ecke Eisenacher Straße und Blumberger Damm anlässlich der IGA 2017 erweitert und umgebaut. Insgesamt 43 Hektar Fläche belegt das Gelände, das heute den Namen “Gärten der Welt” trägt, seitdem.

Die Gärten der Welt bestechen mit vielen Attraktionen für Groß und Klein. Dabei kommen Gartenkunstenthusiast*innen genauso auf ihre Kosten wie Familien mit Kindern und Tourist*innen. So bietet der Park seit dem Umbau zur IGA 2017 inzwischen neun internationale Gartenkabinette, die traditionelle Techniken der Gartengestaltung präsentieren, elf Themengärten, und eine Arena für Veranstaltungen. Dazu kommen Spielplätze, ein Irrgarten und eine Seilbahn, die die Bezirke Marzahn und Hellersdorf miteinander verbinden.

Der Fokus  des Parks liegt aber – wie der Name schon verrät – auf den “Gärten der Welt”. Die Gartenkabinette und Themengärten erlauben es den Besucher*innen dementsprechend, Einblicke in die Gartenkunst verschiedener Kontinente, Epochen und Kulturkreisen zu erhalten. Welche internationalen Gärten im Park zu besichtigen sind, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Die Gärten der Welt – Übersicht

Chinesischer Garten

Als erster Garten der Welt entstand in den 1990er-Jahren der Chinesische Garten. Mit dem “Garten des wiedergewonnenen Mondes” wurde 1994 der größte Chinesische Garten Europas in Berlin erschaffen. Seine Planung begann 1994 im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Peking und Berlin als klassischer chinesischer Gelehrtengarten. Die Idee dahinter war auch, die Jahrtausende alte chinesische Gartenkunst in die Gegenwart zu übersetzen. 

Im Zentrum des Gartens sitzt der “Spiegel des Himmels”, ein 4 500 Quadratmeter großer See, an dessen Ufer sich ein Teehaus chinesischer Architektur mit der typisch geschwungenen und spektakulär auskragenden Dachkonstruktion befindet. Als charakteristische Bepflanzung kommen im Garten des wiedergewonnenen Mondes beispielsweise Magnolien, Chrysanthemen oder Bambus zum Einsatz. Übrigens: Der Mond im Namen steht sinnbildlich für die Wiedervereinigung des einst geteilten Berlins.

Größe: 27 000 Quadratmeter, inklusive 5 000 Quadratmetern Teichfläche
Eröffnung: 15. Oktober 2000
Planung: Klassisches Institut für Gartenarchitektur, Peking

Japanischer Garten

Der “Garten des zusammenfließenden Wassers” entsprang der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Tokio. Basierend darauf soll der Garten die Idee eines harmonischen Miteinanders verkörpern. Darum bestimmt diesen Bereich der Gärten der Welt das Leitmotiv Wasser – es symbolisiert das Zusammenfließen von Kulturen und den Verlauf der Geschichte. 

Im Japanischen Garten findet sich demzufolge ein Wassergarten, aber auch ein Zengarten und ein Garten aus Rasenflächen, in denen insgesamt 300 Augengneissteine verteilt sind. Dazu kommt ein Pavillon – der Chaya – in seiner Mitte. 

Entsprechend der Japanischen Kultur, in der Stille eine besondere Bedeutung zukommt, ist auch der Japanische Garten im Park Die Gärten der Welt ein Ort, an dem Besucher*innen zur Ruhe kommen können. Fun Fact: Die Baustelle für den Japanischen Garten gilt als eine der leisesten in der Geschichte der Gärten der Welt.

Größe: 2 700 Quadratmeter
Eröffnung: 30. April 2003
Planung: Prof. Shunmyo Masuno

Balinesischer Garten

Der “Garten der drei Harmonien” entstand im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Jakarta und Berlin. Sein Name bezieht sich auf das balinesische Streben, im Einklang mit sich selbst, dem Umfeld und dem Universum zu leben. Auf diese dreifaltige Harmonie ist der Balinesische Garten ausgerichtet.

Dabei handelt es sich auch um den einzigen Garten in den Gärten der Welt, der gänzlich in einer Tropenhalle untergebracht ist. Eine Wohn- und Tempelanlage, in der auch die Berliner Bali-Gemeinde ihre Religion aktiv ausübt, bildet das zentrale Element des Gartens. Dahinter erstreckt sich zudem ein an einen balinesischen Tropenwald angelehnter Garten mit Reisterrassen und Pflanzen wie Schraubenbäumen, Hibiskus, Gardenien, Farnen, Orchideen und den duftgewaltigen Frangipani.

Größe: 2000 Quadratmeter in Leichtbauhalle
Eröffnung: 18. Dezember 2003
Planung: Putu Edy Semara

Orientalischer Garten

Der “Garten der vier Ströme” wurde nach den Gestaltungsprinzipien der traditionellen orientalisch-islamischen Gartenkultur entworfen. Daher verbirgt er sich einer vier Meter hohen Mauer. Damit spielt er mit dem Mythos des Gartens als verborgene Oase. Außerdem hilft die Abgrenzung dabei, das spezielle Klima im Garten aufrecht erhalten zu können.

In der Gartenanlage finden sich typisch orientalische Arkadengänge mit Ornamenten und Mosaiken. Dazu kommt ein viergeteilter Gartenhof mit einem Brunnen in der Mitte. Im Garten befinden sich Zier- und Nutzpflanzen: Granatäpfel, Oliven und Palmen, aber auch Flieder, Oleander und Magnolien.

Größe: 6 100 Quadratmeter
Eröffnung: 7. Juli 2005
Planung: Kamel Louafi, Prof. Mohammed El Faiz

Hier finden Sie weitere Projekte des Garten- und Landschaftsarchitekten Kamel Louafi.

Koreanischer Garten

Der “Seouler Garten” war ein Geschenk der Südkoreanischen Hauptstadt an Berlin. Er entstand nach einem Berlin-Besuch des Oberbürgermeisters von Seoul und war dafür gedacht, die Beziehungen zwischen den Städten zu vertiefen. 

Die Gestaltung des Koreanischen Gartens ist geprägt von Buddhismus, den Lehren von Konfuzius und dem volkstümlichen schamanischen Glauben. Dazu gehört auch das Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Kräften in der Natur. Beide werden im Garten mehrfach repräsentiert.

Im Koreanischen Garten finden sich zahlreiche Totempfähle und abstrakte Holzfiguren, die der schamanischen Kulturgeschichte Koreas entspringen. Geplant wurde er von koreanischen Gartenarchitek*innen, die eine koreanische Felslandschaft mit den typischen Kiefern, Fächerahornen, Eichen und Bambussen erschufen. Zentrales Bauwerk ist der “Kye Zeong” (Pavillon am Wasser), in dem sich typisch koreanische Wohnräume besichtigen lassen.

Größe: 4 000 Quadratmeter
Eröffnung: 31. März 2006
Planung: Samsung Everland Inc., Seoul

Irrgarten und Pflasterlabyrinth

Zur Gartenkultur gehören selbstverständlich auch Irrgärten, die ihren Ursprung in der Renaissance haben. Die Irrgartenanlage des britischen Königsschlosses Hampton Court war Vorbild für die Anlage in den Gärten der Welt. Diese wurde mit einer zwei Meter hohen Eibenhecke, bestehend aus über 1 200 Pflanzen, angelegt. Der Weg in das Zentrum des Pflasterlabyrinths dauert etwa zehn Minuten. Dort findet sich auch ein Aussichtsturm, der einen Überblick über das Labyrinth erlaubt.

Zusätzlich zum 3D-Irrgarten gibt es in den Gärten der Welt auch ein zweidimensionales Labyrinth aus Pflastersteinen. Hellgraue Steine markieren den Weg zur Mitte. Insgesamt 11 Umgänge, 28 Kehre und ebenfalls zehn Minuten führen zu dessen Mitte.

Größe: Heckenirrgarten: 2 000 Quadratmeter, Pflasterlabyrinth: 340 Quadratmeter
Eröffnung: 22. Juni 2007
Planung: gruppe F Landschaftsarchitekten, Berlin

Karl-Foerster-Staudengarten

Das 1957 erschienene Buch “Einzug der Gräser und Farne in die Gärten” von Karl Foerster war Inspirationsquelle für diesen Teil der Gärten der Welt.  Der Gärtner, Züchter und Gartenphilosoph prägte die deutsche und die internationale Gartenkultur nachhaltig – einerseits mit seinen Schriften, aber andererseits auch mit der Einführung von Wild- und Kulturstauden.

Stauden sind es deshalb auch, die den Karl-Foerster-Staudengarten dominieren. Zwischen streng geschnittenen Buchsbaumhecken finden sich geometrisch formal angelegte Beete mit Prachtstauden, die von landschaftlich geprägten Teilen des Gartens kontrastiert werden. So spielen anspruchsvolle Pflanzungen und frei gestaltete Naturgärten zusammen.

Abgesehen von einer Pergola befindet sich im Karl-Foerster-Staudengarten im Gegensatz zu den anderen Bereichen in den Gärten der Welt keinen architektonischen Strukturen. Die Farbe der Pergola – blau – geht übrigens auf eine Erwähnung in einem von Foersters Büchern zurück. Dort beschreibt er einen Blauton, den die Gartengestalter*innen in mühseliger Arbeit zu reproduzieren versuchten.

Größe: 3 600 Quadratmeter
Eröffnung: 9. Mai 1987, Neueröffnung am 9. März 2008
Planung: Dr. Johannes Schwarzkopf, Christian Meyer

Italienischer Renaissancegarten

Der “Giardino della Bobolina” ist ein Renaissancegarten, der sich stilistisch an der toskanischen Villengärten des 16. Jahrhunderts orientiert. Er ist der einzige Garten im Ensemble, der eine Epoche widerspiegelt und keine Stilrichtung.

Er basiert auf einer Vierteilung, die sich durch die gesamte Gestaltung zieht. Eine Loggia im ersten, in sich geschlossenen Gartenraum, ist Konzertveranstaltungsort. Von der Loggia aus, gelangen Besucher*innen in den viertgeteilten Hauptgarten mit einem Brunnen in der Mitte.

Eine originale Bobolina-Statue aus dem 16. Jahrhundert befindet sich ebenfalls, eingebettet in Hecken aus Buchs und Eibe, im Zentrum des Gartens. Gestalterische Elemente des Gartens, wie Säulen oder Treppen sind aus hellgrauem Sandstein. Eine Besonderheit ist zudem der “Giardino segreto”, der geheime Garten, den man über eine schmale Natursteintreppe betritt.

Größe: 3 000 Quadratmeter
Eröffnung: 31. Mai 2008
Planung: Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, Berlin

Christlicher Garten

Der Christliche Garten ergänzt die Gärten der Welt seit 2011. Er ist dem Kreuzgang eines typischen mittelalterlichen Klostergartens nachempfunden. Den Namen “Raum der Sprache und des Wortes” ist aber vor allem maßgeblich geprägt von einer speziellen Installation. Sie zeigt modern gestaltete Texte aus der Bibel sowie Zitate aus Philosophie und Kultur. Die Texte reflektieren die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Außerdem unterstreichen sie den Garten als Sinnbild des christlichen Lebens.

Die Installation besteht aus goldlackierte Metallbuchstaben, die Passagen aus dem Alten und Neuen Testament zitieren. Die daraus entstehenden transparenten Wände bilden den Wandelgang eines Klosters nach. In der Mitte des quadratischen Gartens befindet sich zudem ein Wasserspiel. Dieses steht einerseits für die Quelle des Lebens und andererseits für die verschiedenen Bedeutungen von Wasser im Christentum.

Größe: 1 000 Quadratmeter
Eröffnung: 29. April 2011
Planung: relais Landschaftsarchitekten, Berlin

Englischer Landschaftsgarten

Der Englische Landschaftsgarten darf in den Gärten der Welt natürlich nicht fehlen. Die ersten Parks, die diese Stilrichtung prägten, entstanden schließlich bereits im 18. Jahrhundert. Sie basierten auf der idyllischen Wildnis der Landschaftsmalerei und wichen von den bis anhin verbreiterten strengen Geometrischen Formen ab.

Gärten der Welt – weitere Attraktionen

Im Englischen Garten befindet sich ein typisches englisches Landhaus mit Reeteindeckung, dass von einem Gemüsegarten, Wiesen, Staudenbeeten, einem Rosengarten und Obstbäumen umgeben ist. Er entstand im Rahmen einer Stadtpartnerschaft mit dem englischen Halton und wurde im Rahmen der IGA Berlin 20217 eröffnet.

Das Englische Cottage in der Mitte der Anlage serviert übrigens selbstverständlich eine klassisch Englische Tea Time mit Earl Grey Tee, Gurkensandwiches und Scones.

Größe: 6 000 Quadratmeter
Eröffnung: 19. April 2017
Planung: Austin-Smith:Lord, Manchester

Jüdischer Garten

Der neuste Zugang zu den Gärten der Welt ist der Jüdische Garten, der erst 2021 Eröffnung feierte. In Blickweite zum christlichen Garten entstand seit Ende 2019 ein Themengarten rund um die jüdische Interpretation von Landschaftsarchitektur. Obwohl er als landschaftsarchitektonischer und künstlerischer Beitrag die Darstellung einer Weltreligion bezweckt, verzichtet er bewusst auf die Zurschaustellung von religiösen Schriften und Symbolen.

Stattdessen fokussiert der Jüdische Garten auf Pflanzen und Gewächse mit engem Bezug zur jüdischen Kultur, wie etwa Feigen, Mandeln, Kastanien oder Ulmen. Diese sind bekannt aus Schriften jüdischer und dem Judentum nahestehenden Autor*innen. Das Wegenetz, das durch die Anlage führt, gliedert den Garten, symbolisiert aber auch die Jüdische Diaspora, die über die Welt verstreut ist. Im Garten finden sich zudem gleich zwei skulpturale Pavillons, die einerseits Ruhe, andererseits aber auch Austausch fördern wollen. Darin sind etwa auch Veranstaltungen zur jüdischen Kultur geplant.

Die Allianz Umweltsstiftung, die bereits den Orientalischen Garten und den Christlichen Garten unterstützte, hatte den Jüdischen Garten initiiert. Mehr zu diesem Garten in den Gärten der Welt lesen Sie außerdem hier: Jüdischer Garten.

Fläche: etwa 2 000 Quadratmeter
Eröffnung: 2021
Planung: Manfred Pernice (Bildhauer), Wilfried Kuehn (Architekt) und atelier le balto Landschaftsarchitekten, Berlin

Zusätzlich zu den elf Themengärten gibt es in den Gärten der Welt zahlreiche weitere Attraktionen. Dazu gehört etwa ein Tagungszentrum mit biodiversem Gründach (mehr zum Thema Dachbegrünung finden Sie hier). Außerdem eine Arena, die insgesamt 5 000 Besucher*innen Platz bietet und einem Amphitheater nachempfunden ist. Mit der Seilbahn kann man zudem vom Kienberg über das Wuhletal direkt in die Gärten der Welt schweben und einen spektakulären Ausblick geniessen. Des Weiteren entstand im Rahmen der IGA 2017 im Übrigen auch der Wolkenhain, ein Aussichtsturm, der wie organisch gewachsen aussieht – selbstverständlich barrierefrei zugänglich.

Mehr Informationen zu den Gärten der Welt finden Sie hier.

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