Simulation kollektiver Fußwege – neue Tools für Nahmobilität

Vogelperspektive auf belebten Fußgängerübergang mit vielen Menschen, die sich in verschiedene Richtungen bewegen.
Menschenströme in der Stadtplanung verstehen und gestalten.

Wäre es nicht faszinierend, wenn wir die alltäglichen Wege von Menschen durch unsere Städte nicht nur beobachten, sondern präzise simulieren und vorhersagen könnten? Kollektive Fußwege sind das Rückgrat nachhaltiger Nahmobilität – doch ihre Planung war bisher ein Blindflug. Neue Simulations-Tools krempeln diese Disziplin um und eröffnen Stadtplanern, Landschaftsarchitekten und Mobilitätsexperten ungeahnte Möglichkeiten. Willkommen im Zeitalter der datengestützten Fußweg-Intelligenz!

  • Einführung in die Bedeutung kollektiver Fußwege für die nachhaltige Stadtentwicklung
  • Überblick über aktuelle Simulationswerkzeuge für Fußwege und deren Funktionsweise
  • Erläuterung der Rolle von Datenquellen, Sensorik und Algorithmen bei der Modellierung von Fußgängerverhalten
  • Praktische Anwendungsbeispiele aus deutschen, österreichischen und internationalen Modellstädten
  • Chancen und Herausforderungen bei der Integration von Fußwegsimulationen in die Planungspraxis
  • Bedeutung für Bürgerbeteiligung, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit
  • Kritische Reflexion: Bias, Datenschutz und technologische Abhängigkeiten
  • Visionen für die Zukunft von Nahmobilität und urbaner Simulation

Kollektive Fußwege: Fundament nachhaltiger Nahmobilität

Wer sich mit Stadtentwicklung und Landschaftsarchitektur beschäftigt, weiß: Der Fußverkehr ist das unsichtbare Netz, das urbane Räume überhaupt erst lebendig macht. Ohne attraktive, sichere und direkte Fußwege bleibt selbst die schönste Stadtplanung Theorie. Doch wie viele Planer haben sich schon einmal gefragt, wie Fußgänger Entscheidungen treffen, welche Wege sie kollektiv einschlagen und wie sich diese Muster im Laufe der Zeit verändern? Die klassische Planung verlässt sich oft auf Zählungen, punktuelle Beobachtungen und das Bauchgefühl erfahrener Experten – eine Methode, die im Zeitalter der Digitalisierung beinahe anachronistisch wirkt.

Gerade in der deutschen Stadtplanung hat der Fußverkehr lange ein Schattendasein geführt. Viel zu häufig wurden Fußwege am Reißbrett entworfen, ohne tatsächliche Bewegungsströme und Bedürfnisse der Menschen zu berücksichtigen. Dabei ist längst klar: Fußwege sind mehr als bloße Verbindungen zwischen A und B. Sie sind soziale Räume, klimatische Korridore, Orte der Begegnung und der Gesundheit. Sie beeinflussen die Aufenthaltsqualität ebenso wie die Erreichbarkeit von Nahversorgungsangeboten, das Sicherheitsgefühl und die Chancengleichheit in Quartieren.

Die große Herausforderung für Planer liegt darin, die Dynamik kollektiver Fußwege zu verstehen und in robuste, flexible Stadtstrukturen zu übersetzen. Dabei muss nicht nur das heutige Verhalten analysiert werden, sondern vor allem auch, wie sich Wege unter veränderten Rahmenbedingungen – etwa neuen Bebauungen, baulichen Barrieren oder klimatischen Veränderungen – verschieben. Genau an diesem Punkt setzen moderne Simulationswerkzeuge an. Sie versprechen, die Blackbox des Fußgängerverhaltens zu öffnen und präzise Vorhersagen für unterschiedlichste Planungsszenarien zu liefern.

Diese Simulationsansätze sind keine bloße Spielerei für Digitalenthusiasten, sondern entwickeln sich zunehmend zu einem unverzichtbaren Bestandteil nachhaltiger Nahmobilitätsstrategien. Sie ermöglichen es, Maßnahmen für mehr Aufenthaltsqualität, Barrierefreiheit und Klimaschutz gezielt zu planen und ihre Wirkung schon vor der Umsetzung zu testen. Damit wird der Fußverkehr endlich auf Augenhöhe mit anderen Verkehrsmodi gebracht – eine Entwicklung, die nicht nur ökologisch, sondern auch gesellschaftlich höchste Relevanz besitzt.

Die Frage ist also nicht mehr, ob, sondern wie und mit welchen Tools wir den kollektiven Fußverkehr simulieren, optimieren und in die Stadtentwicklung integrieren. Die folgenden Abschnitte geben einen tiefen Einblick in die neuesten Methoden, zeigen Praxisbeispiele und diskutieren die Chancen und Risiken dieser digitalen Revolution für die Nahmobilität.

Simulation kollektiver Fußwege: State of the Art und neue Werkzeuge

Die Simulation kollektiver Fußwege hat sich rasant weiterentwickelt. Während frühe Modelle meist auf einfachen Annahmen basierten – etwa kürzeste Wege oder reine Zielorientierung – setzen moderne Tools auf ein ganzes Bündel innovativer Techniken. Zentrale Grundlage sind heute agentenbasierte Modelle, bei denen jeder Fußgänger als eigenständiger „Agent“ mit individuellen Präferenzen, Wahrnehmungen und Entscheidungsregeln simuliert wird. Diese Mikro-Simulationen erlauben es, das komplexe Zusammenspiel aus individueller Motivation, Umgebungsfaktoren und sozialen Dynamiken realitätsnah abzubilden.

Ein weiteres zentrales Element ist die Integration von Echtzeitdaten und Big Data. Sensoren, GPS-basierte Bewegungsprofile, WiFi-Tracking, Mobilfunkdaten sowie klassische Zählungen liefern ein bislang ungekanntes Maß an Präzision. Moderne Plattformen wie MATSim, SUMO oder Urban Footprint können diese riesigen Datenmengen verarbeiten, Muster erkennen und daraus fundierte Simulationen ableiten. Insbesondere in Städten wie Zürich und Wien werden derartige Systeme bereits eingesetzt, um nicht nur den Status quo, sondern auch potenzielle Effekte neuer Infrastrukturen oder veränderter Rahmenbedingungen zu bewerten.

Auch Methoden aus der Künstlichen Intelligenz halten zunehmend Einzug. Maschinelles Lernen kann helfen, aus den Bewegungsdaten wiederkehrende Muster zu extrahieren, Anomalien zu erkennen oder die Reaktion auf spezifische Interventionen vorherzusagen. So entsteht ein dynamisches, lernfähiges Stadtmodell, das weit über statische Planungsansätze hinausgeht. Die Grenzen zwischen Stadtmodell, Prognosewerkzeug und Entscheidungsunterstützungssystem verschwimmen dabei immer mehr.

Ein besonders spannender Trend ist die Kopplung von Fußwegsimulationen mit anderen urbanen Systemen. So können etwa die Auswirkungen von Hitzeinseln, Luftverschmutzung oder temporären Sperrungen in Echtzeit in die Simulation eingespeist werden. Auch Bürgerbeteiligungsprozesse profitieren: Visualisierungen von simulierten Bewegungsströmen machen abstrakte Planungsvorhaben für alle Beteiligten greifbar und fördern eine informierte Diskussion auf Augenhöhe.

Dennoch ist der Einsatz dieser Werkzeuge keineswegs trivial. Datensicherheit, Datenschutz, die Vermeidung algorithmischer Verzerrungen und die Sicherstellung der Übertragbarkeit auf unterschiedliche urbane Kontexte sind ständige Herausforderungen. Hinzu kommt die Notwendigkeit, die Ergebnisse der Simulationen kritisch zu hinterfragen und nicht als unfehlbare Wahrheiten zu betrachten. Nur so kann die Simulation kollektiver Fußwege ihr volles Potenzial entfalten und zu einem echten Gamechanger für nachhaltige Nahmobilität werden.

Praxisbeispiele: Simulation als Motor smarter Stadtentwicklung

Theorie ist das eine – doch wie sieht es mit der Anwendung in der Praxis aus? Ein Blick auf Pionierprojekte im deutschsprachigen und internationalen Raum zeigt eindrucksvoll, welches Transformationspotenzial die Simulation kollektiver Fußwege entfalten kann. Zürich etwa setzt agentenbasierte Modelle ein, um die Auswirkungen neuer Fußgängerzonen, temporärer Umleitungen oder geplanter Quartiersentwicklungen auf die Bewegungsströme zu simulieren. So konnten Engpässe vorhergesehen, Wegeführungen optimiert und Konflikte mit anderen Verkehrsmodi frühzeitig entschärft werden.

In Wien werden Fußwegsimulationen gezielt genutzt, um die Aufenthaltsqualität in neu entstehenden Stadtquartieren zu planen. Durch die Verknüpfung von Bewegungsdaten, Klimasimulationen und sozialräumlichen Analysen lassen sich Hotspots für Hitzebelastung oder soziale Interaktion identifizieren. Die Ergebnisse fließen direkt in die Gestaltung von Grünflächen, Beschattungen und Aufenthaltsbereichen ein – ein Paradebeispiel für datenbasierte Stadtentwicklung, die Lebensqualität und Klimaschutz zusammendenkt.

Auch kleinere Städte und Gemeinden entdecken die Vorteile der Simulation. In Ulm etwa wurde ein Tool entwickelt, das mit Hilfe von OpenStreetMap-Daten und lokalen Erhebungen verschiedene Szenarien für die Schulwegplanung durchspielt. So können gefährliche Querungen, Barrieren für mobilitätseingeschränkte Menschen oder fehlende Verbindungen frühzeitig erkannt und gezielt beseitigt werden. Die Akzeptanz bei Eltern, Schulen und Verwaltung steigt deutlich, wenn Entscheidungen transparent und nachvollziehbar begründet werden können.

International führt kein Weg an Singapur vorbei. Die Stadt setzt auf einen ganzheitlichen Urban Digital Twin, in den auch die Simulation kollektiver Fußwege integriert ist. Hier werden nicht nur bestehende Wege analysiert, sondern auch neue, innovative Mobilitätsformen wie autonome Shuttle oder Micro-Mobility in das Gesamtsystem eingebunden. Ziel ist ein adaptives, lernendes Stadtnetzwerk, das auf aktuelle Herausforderungen – von Großveranstaltungen bis zu extremen Wetterlagen – in Echtzeit reagieren kann.

Diese Beispiele zeigen: Die Simulation kollektiver Fußwege ist kein theoretisches Gedankenspiel, sondern ein handfestes Werkzeug, das Planungskultur, Beteiligungsprozesse und die Qualität urbaner Räume substanziell verbessert. Voraussetzung ist jedoch der Mut, neue Technologien zu integrieren, interdisziplinär zu denken und klassische Planungsprozesse für datengetriebene Ansätze zu öffnen.

Chancen und Risiken: Zwischen digitaler Transparenz und technokratischer Falle

Die Vorteile der Simulation kollektiver Fußwege liegen auf der Hand. Sie ermöglicht eine nie dagewesene Präzision in der Planung, fördert die Transparenz von Entscheidungsprozessen und unterstützt eine gerechtere, inklusivere Stadtgestaltung. Insbesondere für die Förderung der Nahmobilität, die Erreichung von Klimazielen und die Prävention sozialer Segregation ist die datenbasierte Simulation ein Quantensprung. Sie erlaubt es, Maßnahmen gezielt dort zu platzieren, wo sie den größten Nutzen stiften – etwa durch die Schaffung barrierefreier Verbindungen, die Umgestaltung problematischer Knotenpunkte oder die Integration von Grünstrukturen entlang vielgenutzter Wege.

Doch die digitale Medaille hat auch ihre Kehrseite. Ein zentrales Risiko ist die algorithmische Verzerrung. Wenn die eingespeisten Daten einseitig oder lückenhaft sind, spiegeln die Simulationen nur einen Teil der Realität wider – oder verstärken bestehende Ungleichheiten sogar noch. Besonders kritisch ist dies bei der Berücksichtigung vulnerabler Gruppen, etwa älterer Menschen, Kinder oder Menschen mit Behinderungen. Hier braucht es gezielte Ergänzungen, um deren Bedürfnisse angemessen abzubilden.

Auch der Datenschutz bleibt ein heißes Eisen. Die Verarbeitung von Bewegungsdaten, sei es anonymisiert oder pseudonymisiert, erfordert höchste Sorgfalt und Transparenz. Klar definierte Zuständigkeiten, offene Schnittstellen und unabhängige Kontrollen sind unerlässlich, um Vertrauen zu schaffen und Missbrauch zu verhindern. Die Abhängigkeit von proprietären Softwarelösungen oder externen Dienstleistern birgt zudem die Gefahr, dass Kommunen die Kontrolle über ihre eigenen Stadtmodelle verlieren.

Ein weiterer Aspekt ist die Gefahr eines technokratischen Bias. Simulationen können dazu verleiten, komplexe soziale Prozesse auf rein technisch-optimierbare Größen zu reduzieren. Eine gute Simulation ersetzt jedoch nie den Dialog mit den Menschen vor Ort, sondern ergänzt und bereichert ihn. Partizipative Prozesse, qualitative Methoden und das Erfahrungswissen der lokalen Akteure bleiben unverzichtbar, um die Simulationen sinnvoll zu interpretieren und weiterzuentwickeln.

Schließlich stellt sich die Frage nach der Governance: Wer definiert die Ziele der Simulation? Wer legt fest, welche Daten einfließen und wie sie gewichtet werden? Hier sind transparente, demokratische Entscheidungsstrukturen ebenso gefragt wie eine offene Kommunikation der Annahmen und Unsicherheiten. Nur so kann die Simulation kollektiver Fußwege ihren zentralen Beitrag zu einer sozial gerechten, klimagerechten und lebenswerten Stadt leisten.

Ausblick: Die Zukunft der Nahmobilität ist simulativ und kooperativ

Die Simulation kollektiver Fußwege steht erst am Anfang ihrer Entwicklung – doch schon jetzt ist ihr Einfluss auf die Stadtplanung enorm. Mit dem weiteren Ausbau von urbanen Digital Twins, der Verfügbarkeit immer präziserer Datenquellen und der Verbreitung offener, interoperabler Plattformen wird die Simulation zum integralen Bestandteil jeder zukunftsgerichteten Nahmobilitätsstrategie. Die Grenzen zwischen Planung, Betrieb und Bürgerbeteiligung verschwimmen. Entscheidungen werden transparenter, nachvollziehbarer und reaktionsschneller. Die Stadt wird zum lernenden System, das sich an die Bedürfnisse seiner Bewohner anpasst.

Für Planer, Landschaftsarchitekten und Mobilitätsmanager bedeutet dies eine fundamentale Veränderung der eigenen Rolle. Sie werden zu Gestaltern digitaler Prozessarchitekturen, Moderatoren interdisziplinärer Teams und Vermittlern zwischen Technik, Verwaltung und Öffentlichkeit. Die Beherrschung von Simulationswerkzeugen, die kritische Reflexion ihrer Annahmen und die Fähigkeit, Daten sinnvoll zu interpretieren, werden zu Schlüsselkompetenzen der Branche.

Die Integration von Simulationen in partizipative Planungsprozesse eröffnet neue Möglichkeiten für eine demokratische, gerechte Stadtgestaltung. Bürger können nicht nur informiert, sondern aktiv in die Entwicklung und Bewertung von Szenarien eingebunden werden. Die Visualisierung simulierter Bewegungsströme schafft Transparenz, fördert das Verständnis für komplexe Zusammenhänge und erleichtert die Konsensbildung in oft kontroversen Debatten.

Doch der Weg ist steinig. Es braucht Mut, Ressourcen und einen langen Atem, um die notwendigen Dateninfrastrukturen aufzubauen, Standards zu definieren und rechtliche wie ethische Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Gefahr eines digitalen Flickenteppichs ist real – ebenso wie die Verlockung, sich hinter scheinbar objektiven Simulationsergebnissen zu verstecken. Nur eine offene, kritische und reflektierte Nutzung der neuen Werkzeuge kann verhindern, dass die Simulation zur technokratischen Blackbox verkommt.

Am Ende steht die Erkenntnis: Die Zukunft der Nahmobilität ist simulativ – aber sie ist vor allem kooperativ. Nur im Zusammenspiel aus Technik, Planungskunst und gesellschaftlichem Engagement kann die Simulation kollektiver Fußwege ihr volles Potenzial entfalten. Es ist Zeit, die Chancen zu ergreifen und die Städte von morgen gemeinsam, intelligent und menschlich zu gestalten.

Zusammenfassung:
Die Simulation kollektiver Fußwege markiert einen Paradigmenwechsel in der Planung nachhaltiger Nahmobilität. Neue, datenbasierte Werkzeuge ermöglichen es, das Verhalten und die Bedürfnisse von Fußgängern präzise zu modellieren und die Wirkung unterschiedlichster Maßnahmen schon vor ihrer Umsetzung zu bewerten. Praxisbeispiele aus Zürich, Wien und Singapur zeigen das enorme Potenzial für lebenswerte, gerechte und klimagerechte Städte. Gleichzeitig sind Datenschutz, algorithmische Verzerrungen und die Sicherung demokratischer Prozesse zentrale Herausforderungen. Am Ende eröffnet die Simulation nicht nur technische, sondern auch gesellschaftliche Chancen – wenn es gelingt, sie transparent, partizipativ und kritisch zu nutzen. Für Planer, Landschaftsarchitekten und Mobilitätsmanager ist jetzt der Moment, die Zukunft der Nahmobilität aktiv mitzugestalten und dabei Mut für neue Wege zu beweisen.

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„Viele sagen, der Landschaftspark Wiese sei der schönste Ort in der Region.“

die Vermittlung und die Sensibilisierung im Landschaftspark Wiese. © Saskia Scherer

Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner kennen ihn unter dem Namen „Lange Erlen“, andere bezeichnen ihn als das ehemalige Landesgartenschaugelände. Dabei hat dieser Park, der im Basler Rheinknie Deutschland mit der Schweiz verbindet, einen so viel schöneren Namen: Landschaftspark Wiese, nach dem gleichnamigen Fluss, der ihn durchfließt. Das Besondere an dem Park: Er liegt sowohl auf deutschem als auch auf Schweizer Grund. Und er ist Schauplatz der IBA Basel, die sich seit mehr als zehn Jahren erfolgreich für grenzüberschreitende Projekte im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz engagiert. Wir wollten mehr über diesen Landschaftspark erfahren und haben uns deshalb mit dem Hauptranger Yannick Bucher unterhalten.

Yannick Bucher, gemeinsam mit zwei deutschen Kollegen, arbeiten Sie seit Februar 2019 als Ranger im Landschaftspark Wiese. Wie dürfen wir uns Ihren Job vorstellen?
Die Hauptaufgabe von unserem Rangerdienst ist die Information, die Vermittlung und die Sensibilisierung im Landschaftspark Wiese. Letzteres bedeutet insbesondere, dass wir dafür Sorge tragen, dass die Besucherinnen und Besucher sich im Großen und Ganzen an die Regeln halten. Wir sorgen für ein positives miteinander zwischen Besuchern und Akteurinnen, im Gebiet wird das Trinkwasser der Region gewonnen und Landwirtschaft betrieben. Rangerdienste sind typisch für Nationalparks und auch einigermaßen typisch für Naturschutzgebiete. Eher speziell ist es, dass wir mit dem Landschaftspark Wiese in einem Gebiet tätig sind, das nicht nur reines Naturschutzgebiet ist. Denn hier gibt es auch andere Nutzungen wie Sportanlagen, Tierheime und Schrebergärten.

„Der Rangerdienst ist eine der zentralen Maßnahmen vom IBA Projekt Landschaftspark Wiese.“

Besonders am Rangerdienst im Landschaftspark Wiese ist aber auch, dass er binational aufgestellt ist.
Absolut richtig. Der Landschaftspark an sich ist binational. Da liegt es natürlich nahe, dass auch der dortige Rangerdienst binational aufgestellt ist, dass dieser im ganzen Park unterwegs ist und sich nicht an die Grenzen halten muss. Die Agglomeration Basel ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und die Freizeitaktivitäten haben sich aufgrund flexiblerer Arbeitszeiten ziemlich verändert. Damit stieg auch der Druck auf die lokalen Naherholungsgebiete. Den Rangerdienst hat man dann vor gut einem Jahr eingeführt, um dem zunehmenden Nutzungsdruck etwas entgegenzusetzen. Deswegen sind wir nicht nur Aufsichtsorgan, sondern haben ebenso auch Vermittlungsaufgaben inne. Und diese sind auch nötig.
Die Corona Pandemie hat den Effekt noch verstärkt: Wir hatten bereits vorher viele Besucherinnen und Besucher im Park. Die Besucherzahlen während des Lockdowns lagen weit über den normalen. Das zeigt, wie wichtig der stadtnahe grüne Erholungsraum für die Region ist.

Das kann ich mir vorstellen. Wie sieht diese Vermittlung, von der Sie gesprochen haben, konkret aus?
Wir bieten Führungen und organisieren auch Infotische. Wir versuchen dafür zu sensibilisieren, was in dem Raum passiert, wie die Trinkwassergewinnung und wie die Landwirtschaft im Park funktionieren. Wir bringen die Themen auf den Tisch, die man als Stadtbewohner wenig erleben kann, und vermitteln diese.

Wie ist der Rangerdienst organisiert?
Insgesamt haben wir drei Auftraggeber: die Stadt Weil am Rhein, die Gemeinde Riehen und den Kanton Basel-Stadt. Ich bin bei der Umweltberatungsfirma „Hintermann & Weber AG“ angestellt, die den Auftrag von der Stadt Basel erhalten hat und meine beiden deutschen Partner sind beim Trinationalen Umweltzentrum (TRUZ) beschäftigt.

Welche Maßnahmen hat man in den vergangenen Jahren im Rahmen der IBA Basel umgesetzt und welche sind noch geplant?
Wir selber, also der Rangerdienst, sind eine der zentralen Maßnahmen vom IBA Projekt Landschaftspark Wiese. Uns gibt es wie gesagt seit einem Jahr. Zudem ist für den Park eine einheitliche Beschilderung geplant, die an den Eingängen über den Park informiert, welche Möglichkeiten zur Erholung bestehen, aber auch, welche Auflagen daran gekoppelt sind: dass man Feuer nur in den Grillstellen machen darf und dass man seinen Müll mitnimmt etc. Die Basic-Regeln eben. Außerdem wird es im Park künftig einen Themenpfad geben, der die Themen Trinkwassergewinnung, Tiere und Pflanzen, aber auch die historische Entwicklung aufzeigt.

Die größte Maßnahme ist aber „Wiese vital“, richtig?
Genau, im Zuge einer Volksinitiative in der Schweiz hat das baselstädtische Stimmvolk beschlossen, auf dem ganzen Abschnitt auf Schweizer Boden den Fluss Wiese zu revitalisieren und zu renaturieren. Der untere Teil ist bereits revitalisiert, für den anderen Teil arbeitet man aktuell ein Bauprojekt aus. Das Ziel: Der Fluss soll wieder natürlicher fließen und mehr Platz haben.

Sie sind jetzt knapp 1,5 Jahre dabei. Was denken Sie, reichen die Bemühungen vor Ort aus, um den Landschaftspark Wiese langfristig vor dem Nutzungsdruck zu schützen?
Den wichtigsten Schritt hat man meiner Meinung nach mit dem Landschaftsrichtplan gemacht. Die Fläche kann nun nicht mehr überbaut werden und darüber bin ich froh. Mit sanften Mitteln ist man nun dran, den Erholungsraum des Parks zu schützen. Mit Beschilderungen, gezielter Information oder auch durch uns, dem Rangerdienst. Ich denke, da sind wir auf einem guten Weg. Das gleiche Feedback erhalten wir auch aus der Bevölkerung. Das Interesse am Gebiet wächst und das, was wir machen, wird geschätzt. Viele Besucher sagen, der Landschaftspark sei der schönste Ort in der Region. Und es kommen auch immer wieder Besucher, die fragen, wie sie helfen können, die etwas für das Gebiet tun wollen. Das alles zusammen stimmt mich sehr optimistisch.

Warum wir eine IBA-Basel-Serie gestartet haben? Das lesen Sie hier.

Sämtliche Beiträge zur IBA Basel 2020 finden Sie hier.

Eine Seilbahn schwebt über die Gärten der Welt in Berlin. (Foto: Thomas Rosenthal)

Eine Seilbahn schwebt über die Gärten der Welt in Berlin. (Foto: Thomas Rosenthal)

Auf kleinstem Raum lassen sich in Berlin-Marzahn die unterschiedlichsten Ansätze der Landschafts- und Gartenarchitektur studieren. Denn die Anlage Gärten der Welt vereint neben klassischen Tourist*innenattraktionen wie eine Seilbahn, Aussichtspunkte und einer Arena für Veranstaltungen noch mehr – nämlich Gartenkunst. Und zwar aus allen Herren Ländern und Kulturen. In verschiedenen Themengärten und Gartenkabinetten können Besucher*innen entsprechend Ansätze und Gestaltungen aus aller Welt betrachten. Hier erfahren Sie, welche Gärten der Welt Ihnen geboten werden.

Gärten der Welt präsentieren internationale Gartenkunst

Früher noch als “Erholungspark Marzahn” bekannt, wurde das Areal an der Ecke Eisenacher Straße und Blumberger Damm anlässlich der IGA 2017 erweitert und umgebaut. Insgesamt 43 Hektar Fläche belegt das Gelände, das heute den Namen “Gärten der Welt” trägt, seitdem.

Die Gärten der Welt bestechen mit vielen Attraktionen für Groß und Klein. Dabei kommen Gartenkunstenthusiast*innen genauso auf ihre Kosten wie Familien mit Kindern und Tourist*innen. So bietet der Park seit dem Umbau zur IGA 2017 inzwischen neun internationale Gartenkabinette, die traditionelle Techniken der Gartengestaltung präsentieren, elf Themengärten, und eine Arena für Veranstaltungen. Dazu kommen Spielplätze, ein Irrgarten und eine Seilbahn, die die Bezirke Marzahn und Hellersdorf miteinander verbinden.

Der Fokus  des Parks liegt aber – wie der Name schon verrät – auf den “Gärten der Welt”. Die Gartenkabinette und Themengärten erlauben es den Besucher*innen dementsprechend, Einblicke in die Gartenkunst verschiedener Kontinente, Epochen und Kulturkreisen zu erhalten. Welche internationalen Gärten im Park zu besichtigen sind, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Die Gärten der Welt – Übersicht

Chinesischer Garten

Als erster Garten der Welt entstand in den 1990er-Jahren der Chinesische Garten. Mit dem “Garten des wiedergewonnenen Mondes” wurde 1994 der größte Chinesische Garten Europas in Berlin erschaffen. Seine Planung begann 1994 im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Peking und Berlin als klassischer chinesischer Gelehrtengarten. Die Idee dahinter war auch, die Jahrtausende alte chinesische Gartenkunst in die Gegenwart zu übersetzen. 

Im Zentrum des Gartens sitzt der “Spiegel des Himmels”, ein 4 500 Quadratmeter großer See, an dessen Ufer sich ein Teehaus chinesischer Architektur mit der typisch geschwungenen und spektakulär auskragenden Dachkonstruktion befindet. Als charakteristische Bepflanzung kommen im Garten des wiedergewonnenen Mondes beispielsweise Magnolien, Chrysanthemen oder Bambus zum Einsatz. Übrigens: Der Mond im Namen steht sinnbildlich für die Wiedervereinigung des einst geteilten Berlins.

Größe: 27 000 Quadratmeter, inklusive 5 000 Quadratmetern Teichfläche
Eröffnung: 15. Oktober 2000
Planung: Klassisches Institut für Gartenarchitektur, Peking

Japanischer Garten

Der “Garten des zusammenfließenden Wassers” entsprang der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Tokio. Basierend darauf soll der Garten die Idee eines harmonischen Miteinanders verkörpern. Darum bestimmt diesen Bereich der Gärten der Welt das Leitmotiv Wasser – es symbolisiert das Zusammenfließen von Kulturen und den Verlauf der Geschichte. 

Im Japanischen Garten findet sich demzufolge ein Wassergarten, aber auch ein Zengarten und ein Garten aus Rasenflächen, in denen insgesamt 300 Augengneissteine verteilt sind. Dazu kommt ein Pavillon – der Chaya – in seiner Mitte. 

Entsprechend der Japanischen Kultur, in der Stille eine besondere Bedeutung zukommt, ist auch der Japanische Garten im Park Die Gärten der Welt ein Ort, an dem Besucher*innen zur Ruhe kommen können. Fun Fact: Die Baustelle für den Japanischen Garten gilt als eine der leisesten in der Geschichte der Gärten der Welt.

Größe: 2 700 Quadratmeter
Eröffnung: 30. April 2003
Planung: Prof. Shunmyo Masuno

Balinesischer Garten

Der “Garten der drei Harmonien” entstand im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Jakarta und Berlin. Sein Name bezieht sich auf das balinesische Streben, im Einklang mit sich selbst, dem Umfeld und dem Universum zu leben. Auf diese dreifaltige Harmonie ist der Balinesische Garten ausgerichtet.

Dabei handelt es sich auch um den einzigen Garten in den Gärten der Welt, der gänzlich in einer Tropenhalle untergebracht ist. Eine Wohn- und Tempelanlage, in der auch die Berliner Bali-Gemeinde ihre Religion aktiv ausübt, bildet das zentrale Element des Gartens. Dahinter erstreckt sich zudem ein an einen balinesischen Tropenwald angelehnter Garten mit Reisterrassen und Pflanzen wie Schraubenbäumen, Hibiskus, Gardenien, Farnen, Orchideen und den duftgewaltigen Frangipani.

Größe: 2000 Quadratmeter in Leichtbauhalle
Eröffnung: 18. Dezember 2003
Planung: Putu Edy Semara

Orientalischer Garten

Der “Garten der vier Ströme” wurde nach den Gestaltungsprinzipien der traditionellen orientalisch-islamischen Gartenkultur entworfen. Daher verbirgt er sich einer vier Meter hohen Mauer. Damit spielt er mit dem Mythos des Gartens als verborgene Oase. Außerdem hilft die Abgrenzung dabei, das spezielle Klima im Garten aufrecht erhalten zu können.

In der Gartenanlage finden sich typisch orientalische Arkadengänge mit Ornamenten und Mosaiken. Dazu kommt ein viergeteilter Gartenhof mit einem Brunnen in der Mitte. Im Garten befinden sich Zier- und Nutzpflanzen: Granatäpfel, Oliven und Palmen, aber auch Flieder, Oleander und Magnolien.

Größe: 6 100 Quadratmeter
Eröffnung: 7. Juli 2005
Planung: Kamel Louafi, Prof. Mohammed El Faiz

Hier finden Sie weitere Projekte des Garten- und Landschaftsarchitekten Kamel Louafi.

Koreanischer Garten

Der “Seouler Garten” war ein Geschenk der Südkoreanischen Hauptstadt an Berlin. Er entstand nach einem Berlin-Besuch des Oberbürgermeisters von Seoul und war dafür gedacht, die Beziehungen zwischen den Städten zu vertiefen. 

Die Gestaltung des Koreanischen Gartens ist geprägt von Buddhismus, den Lehren von Konfuzius und dem volkstümlichen schamanischen Glauben. Dazu gehört auch das Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Kräften in der Natur. Beide werden im Garten mehrfach repräsentiert.

Im Koreanischen Garten finden sich zahlreiche Totempfähle und abstrakte Holzfiguren, die der schamanischen Kulturgeschichte Koreas entspringen. Geplant wurde er von koreanischen Gartenarchitek*innen, die eine koreanische Felslandschaft mit den typischen Kiefern, Fächerahornen, Eichen und Bambussen erschufen. Zentrales Bauwerk ist der “Kye Zeong” (Pavillon am Wasser), in dem sich typisch koreanische Wohnräume besichtigen lassen.

Größe: 4 000 Quadratmeter
Eröffnung: 31. März 2006
Planung: Samsung Everland Inc., Seoul

Irrgarten und Pflasterlabyrinth

Zur Gartenkultur gehören selbstverständlich auch Irrgärten, die ihren Ursprung in der Renaissance haben. Die Irrgartenanlage des britischen Königsschlosses Hampton Court war Vorbild für die Anlage in den Gärten der Welt. Diese wurde mit einer zwei Meter hohen Eibenhecke, bestehend aus über 1 200 Pflanzen, angelegt. Der Weg in das Zentrum des Pflasterlabyrinths dauert etwa zehn Minuten. Dort findet sich auch ein Aussichtsturm, der einen Überblick über das Labyrinth erlaubt.

Zusätzlich zum 3D-Irrgarten gibt es in den Gärten der Welt auch ein zweidimensionales Labyrinth aus Pflastersteinen. Hellgraue Steine markieren den Weg zur Mitte. Insgesamt 11 Umgänge, 28 Kehre und ebenfalls zehn Minuten führen zu dessen Mitte.

Größe: Heckenirrgarten: 2 000 Quadratmeter, Pflasterlabyrinth: 340 Quadratmeter
Eröffnung: 22. Juni 2007
Planung: gruppe F Landschaftsarchitekten, Berlin

Karl-Foerster-Staudengarten

Das 1957 erschienene Buch “Einzug der Gräser und Farne in die Gärten” von Karl Foerster war Inspirationsquelle für diesen Teil der Gärten der Welt.  Der Gärtner, Züchter und Gartenphilosoph prägte die deutsche und die internationale Gartenkultur nachhaltig – einerseits mit seinen Schriften, aber andererseits auch mit der Einführung von Wild- und Kulturstauden.

Stauden sind es deshalb auch, die den Karl-Foerster-Staudengarten dominieren. Zwischen streng geschnittenen Buchsbaumhecken finden sich geometrisch formal angelegte Beete mit Prachtstauden, die von landschaftlich geprägten Teilen des Gartens kontrastiert werden. So spielen anspruchsvolle Pflanzungen und frei gestaltete Naturgärten zusammen.

Abgesehen von einer Pergola befindet sich im Karl-Foerster-Staudengarten im Gegensatz zu den anderen Bereichen in den Gärten der Welt keinen architektonischen Strukturen. Die Farbe der Pergola – blau – geht übrigens auf eine Erwähnung in einem von Foersters Büchern zurück. Dort beschreibt er einen Blauton, den die Gartengestalter*innen in mühseliger Arbeit zu reproduzieren versuchten.

Größe: 3 600 Quadratmeter
Eröffnung: 9. Mai 1987, Neueröffnung am 9. März 2008
Planung: Dr. Johannes Schwarzkopf, Christian Meyer

Italienischer Renaissancegarten

Der “Giardino della Bobolina” ist ein Renaissancegarten, der sich stilistisch an der toskanischen Villengärten des 16. Jahrhunderts orientiert. Er ist der einzige Garten im Ensemble, der eine Epoche widerspiegelt und keine Stilrichtung.

Er basiert auf einer Vierteilung, die sich durch die gesamte Gestaltung zieht. Eine Loggia im ersten, in sich geschlossenen Gartenraum, ist Konzertveranstaltungsort. Von der Loggia aus, gelangen Besucher*innen in den viertgeteilten Hauptgarten mit einem Brunnen in der Mitte.

Eine originale Bobolina-Statue aus dem 16. Jahrhundert befindet sich ebenfalls, eingebettet in Hecken aus Buchs und Eibe, im Zentrum des Gartens. Gestalterische Elemente des Gartens, wie Säulen oder Treppen sind aus hellgrauem Sandstein. Eine Besonderheit ist zudem der “Giardino segreto”, der geheime Garten, den man über eine schmale Natursteintreppe betritt.

Größe: 3 000 Quadratmeter
Eröffnung: 31. Mai 2008
Planung: Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, Berlin

Christlicher Garten

Der Christliche Garten ergänzt die Gärten der Welt seit 2011. Er ist dem Kreuzgang eines typischen mittelalterlichen Klostergartens nachempfunden. Den Namen “Raum der Sprache und des Wortes” ist aber vor allem maßgeblich geprägt von einer speziellen Installation. Sie zeigt modern gestaltete Texte aus der Bibel sowie Zitate aus Philosophie und Kultur. Die Texte reflektieren die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Außerdem unterstreichen sie den Garten als Sinnbild des christlichen Lebens.

Die Installation besteht aus goldlackierte Metallbuchstaben, die Passagen aus dem Alten und Neuen Testament zitieren. Die daraus entstehenden transparenten Wände bilden den Wandelgang eines Klosters nach. In der Mitte des quadratischen Gartens befindet sich zudem ein Wasserspiel. Dieses steht einerseits für die Quelle des Lebens und andererseits für die verschiedenen Bedeutungen von Wasser im Christentum.

Größe: 1 000 Quadratmeter
Eröffnung: 29. April 2011
Planung: relais Landschaftsarchitekten, Berlin

Englischer Landschaftsgarten

Der Englische Landschaftsgarten darf in den Gärten der Welt natürlich nicht fehlen. Die ersten Parks, die diese Stilrichtung prägten, entstanden schließlich bereits im 18. Jahrhundert. Sie basierten auf der idyllischen Wildnis der Landschaftsmalerei und wichen von den bis anhin verbreiterten strengen Geometrischen Formen ab.

Gärten der Welt – weitere Attraktionen

Im Englischen Garten befindet sich ein typisches englisches Landhaus mit Reeteindeckung, dass von einem Gemüsegarten, Wiesen, Staudenbeeten, einem Rosengarten und Obstbäumen umgeben ist. Er entstand im Rahmen einer Stadtpartnerschaft mit dem englischen Halton und wurde im Rahmen der IGA Berlin 20217 eröffnet.

Das Englische Cottage in der Mitte der Anlage serviert übrigens selbstverständlich eine klassisch Englische Tea Time mit Earl Grey Tee, Gurkensandwiches und Scones.

Größe: 6 000 Quadratmeter
Eröffnung: 19. April 2017
Planung: Austin-Smith:Lord, Manchester

Jüdischer Garten

Der neuste Zugang zu den Gärten der Welt ist der Jüdische Garten, der erst 2021 Eröffnung feierte. In Blickweite zum christlichen Garten entstand seit Ende 2019 ein Themengarten rund um die jüdische Interpretation von Landschaftsarchitektur. Obwohl er als landschaftsarchitektonischer und künstlerischer Beitrag die Darstellung einer Weltreligion bezweckt, verzichtet er bewusst auf die Zurschaustellung von religiösen Schriften und Symbolen.

Stattdessen fokussiert der Jüdische Garten auf Pflanzen und Gewächse mit engem Bezug zur jüdischen Kultur, wie etwa Feigen, Mandeln, Kastanien oder Ulmen. Diese sind bekannt aus Schriften jüdischer und dem Judentum nahestehenden Autor*innen. Das Wegenetz, das durch die Anlage führt, gliedert den Garten, symbolisiert aber auch die Jüdische Diaspora, die über die Welt verstreut ist. Im Garten finden sich zudem gleich zwei skulpturale Pavillons, die einerseits Ruhe, andererseits aber auch Austausch fördern wollen. Darin sind etwa auch Veranstaltungen zur jüdischen Kultur geplant.

Die Allianz Umweltsstiftung, die bereits den Orientalischen Garten und den Christlichen Garten unterstützte, hatte den Jüdischen Garten initiiert. Mehr zu diesem Garten in den Gärten der Welt lesen Sie außerdem hier: Jüdischer Garten.

Fläche: etwa 2 000 Quadratmeter
Eröffnung: 2021
Planung: Manfred Pernice (Bildhauer), Wilfried Kuehn (Architekt) und atelier le balto Landschaftsarchitekten, Berlin

Zusätzlich zu den elf Themengärten gibt es in den Gärten der Welt zahlreiche weitere Attraktionen. Dazu gehört etwa ein Tagungszentrum mit biodiversem Gründach (mehr zum Thema Dachbegrünung finden Sie hier). Außerdem eine Arena, die insgesamt 5 000 Besucher*innen Platz bietet und einem Amphitheater nachempfunden ist. Mit der Seilbahn kann man zudem vom Kienberg über das Wuhletal direkt in die Gärten der Welt schweben und einen spektakulären Ausblick geniessen. Des Weiteren entstand im Rahmen der IGA 2017 im Übrigen auch der Wolkenhain, ein Aussichtsturm, der wie organisch gewachsen aussieht – selbstverständlich barrierefrei zugänglich.

Mehr Informationen zu den Gärten der Welt finden Sie hier.

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