Smart-City-Dashboards im Vergleich – Open‑Source trifft städtische Strategie

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Vogelperspektive eines weißen Betongebäudes in urbaner Umgebung, fotografiert von CHUTTERSNAP.

Smart-City-Dashboards sind längst mehr als nur bunte Schaubilder für Bürgermeister und Digitalisierungsbeauftragte – sie sind das Rückgrat einer vorausschauenden, datenbasierten Stadtplanung. Doch zwischen proprietären Systemen mit hübschem Hochglanz und offen entwickelten Open-Source-Alternativen entscheidet sich, wie viel Mitbestimmung, Transparenz und strategischer Weitblick wirklich möglich sind. Werfen wir einen ungeschönten Blick auf das, was smarte Städte heute wirklich antreibt – und wo die echten Herausforderungen liegen.

  • Überblick über die Rolle und Funktionsweise moderner Smart-City-Dashboards im urbanen Kontext.
  • Vergleich zwischen proprietären und Open-Source-Lösungen – Chancen, Risiken und strategische Implikationen.
  • Vertiefung: Wie werden Daten integriert, visualisiert und für Entscheidungen aufbereitet?
  • Analyse konkreter Praxisbeispiele aus dem deutschsprachigen Raum und internationaler Vorreiterstädte.
  • Erörterung der Themen Governance, Datensouveränität, Beteiligung und Transparenz.
  • Diskussion über die Auswirkungen auf Planungsprozesse, Quartiersentwicklung und Bürgerpartizipation.
  • Warnung vor Technokratie, Intransparenz und algorithmischen Verzerrungen im Dashboard-Alltag.
  • Empfehlungen für Planungsteams, IT-Abteilungen und Stadtverwaltungen.
  • Abschließende Bewertung: Wie viel „Smartness“ brauchen Städte wirklich – und wie bleibt sie gestaltbar?

Smart-City-Dashboards – Was steckt wirklich dahinter?

Smart-City-Dashboards gelten vielerorts als das Schaufenster der digitalen Stadt. Sie versprechen Übersicht, Kontrolle und Effizienz – und sollen Stadtplanung, Verwaltung, Infrastrukturbetreiber und am liebsten auch die Bürgerschaft in Echtzeit mit relevanten Informationen versorgen. Doch was verbirgt sich hinter diesen Plattformen abseits der bunten Diagramme? Während die Oberfläche häufig ansprechend gestaltet ist und interaktive Karten, Live-Daten und Simulationen präsentiert, entscheidet sich die wahre Qualität erst hinter den Kulissen. Denn ein Dashboard ist nur so gut wie die Daten, die es verarbeitet, die Schnittstellen, die es anbietet, und die Prozesse, die es abbilden kann.

Die technischen Grundlagen moderner Smart-City-Dashboards sind vielfältig. In der Regel handelt es sich um webbasierte Anwendungen, die Datenströme aus unterschiedlichsten Quellen – Sensoren, IoT-Geräte, Verkehrsmanagementsysteme, Energie- und Wasserversorger, Social Media oder Geodatenbanken – in einer zentralen Plattform bündeln. Der eigentliche Mehrwert entsteht dabei durch die Verknüpfung, Aggregation und Visualisierung dieser Daten. Nur so können Verantwortliche in der Stadtentwicklung beispielsweise in Echtzeit auf Verkehrsspitzen, Starkregenereignisse, Energieverbrauch oder Luftqualitätswerte reagieren und gezielte Maßnahmen ableiten.

Doch mit der technischen Komplexität wächst auch die Herausforderung: Unterschiedliche Datenformate, proprietäre Systeme und fragmentierte Zuständigkeiten in Verwaltung und Stadtwerken führen dazu, dass viele Dashboards zunächst als Insellösungen starten. Die viel zitierte „Single Source of Truth“ bleibt häufig ein frommer Wunsch, solange Datenhoheit, Datenschutz und die Bereitschaft zur Kooperation nicht konsequent mitgedacht werden. Besonders spannend wird es, wenn Dashboards nicht nur Statusinformationen liefern, sondern auch Prognosen und Szenarien simulieren. Dann wandelt sich das Werkzeug vom Monitoring-Interface zur echten Entscheidungsinstanz.

Vor diesem Hintergrund ist offensichtlich: Ein Smart-City-Dashboard ist weit mehr als ein hübsches Frontend. Es ist die Schnittstelle zwischen digitalen Zwillingen, urbanen Datenplattformen und den Menschen, die damit arbeiten – sei es im Planungsamt, beim Mobilitätsdienstleister oder im Beteiligungsprozess mit der Stadtgesellschaft. Die Frage lautet daher nicht, ob Städte Dashboards brauchen, sondern wie offen, flexibel und strategisch sie aufgebaut sein müssen, um den komplexen Anforderungen moderner Stadtentwicklung gerecht zu werden.

Gleichzeitig steht das Thema Transparenz im Mittelpunkt. Ein Dashboard, das nur wenigen Eingeweihten zugänglich ist oder komplexe Entscheidungsalgorithmen verschleiert, läuft Gefahr, zum Digital-Elfenbeinturm zu werden. Offenheit in der Entwicklung, klare Schnittstellen und verständliche Visualisierungen sind deshalb keine Kür, sondern Pflicht. Die besten Dashboards schaffen es, Komplexität zu reduzieren, ohne relevante Details zu opfern – und sie bieten Raum für Interaktion, Feedback und Weiterentwicklung.

Die Entwicklung von Smart-City-Dashboards ist ein fortlaufender Prozess, der technologische Innovation, rechtliche Rahmenbedingungen und kulturellen Wandel gleichermaßen erfordert. Wer glaubt, mit dem Kauf einer Softwarelizenz sei es getan, unterschätzt die langfristigen Auswirkungen auf Governance, Partizipation und letztlich auf das Vertrauen in die digitale Stadt.

Open-Source versus proprietär – Grundsatzentscheidung mit Folgen

Die Wahl zwischen Open-Source- und proprietären Smart-City-Dashboards ist weit mehr als eine Geschmacksfrage für die IT-Abteilung. Sie betrifft die Grundarchitektur der städtischen Datennutzung, die zukünftige Autonomie der Kommune und die Möglichkeit, Innovationen gemeinsam mit anderen Städten und Partnern zu entwickeln. Proprietäre Systeme, oft von globalen Tech-Konzernen angeboten, locken mit Komplettlösungen, Support und Integration vieler Datenquellen – allerdings zu einem Preis: die Gefahr der Abhängigkeit und begrenzter Anpassbarkeit.

Open-Source-Alternativen setzen hingegen auf Transparenz, Anpassungsfähigkeit und gemeinschaftliche Weiterentwicklung. Sie erlauben Städten, eigene Schwerpunkte zu setzen, Funktionen nach Bedarf zu ergänzen und von den Erfahrungen anderer Kommunen zu profitieren. Prominente Beispiele wie FIWARE, OpenUrbanPlatform oder das Münchner Urban Data Platform Framework zeigen, dass auch im deutschsprachigen Raum Open-Source längst mehr als ein Nischenphänomen ist. Doch der Einstieg erfordert Mut, Ressourcen und eine langfristige Strategie, denn Open-Source-Projekte leben von aktiver Mitarbeit und kontinuierlicher Weiterentwicklung.

Ein weiteres Argument für Open-Source ist die Kontrolle über die eigenen Daten. Während proprietäre Anbieter oft mit Black-Box-Lösungen arbeiten und Schnittstellen nur eingeschränkt offenlegen, ermöglichen offene Systeme eine eigenständige Verwaltung, Nachnutzung und Analyse der städtischen Datenbestände. Das hat nicht nur Vorteile für die IT, sondern auch für die Fachplanung: Schnittstellen zu Geoinformationssystemen, Mobilitätsplattformen oder Beteiligungstools können flexibel gestaltet und erweitert werden. Die Gefahr, in eine digitale Sackgasse zu geraten oder bei der Weiterentwicklung von der Roadmap des Anbieters abhängig zu sein, wird so deutlich reduziert.

Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Open-Source-Lösungen erfordern internes Know-how, klare Verantwortlichkeiten und den Willen, sich in der Community zu engagieren. Die Integration neuer Datenquellen, die Sicherstellung von Datenschutz und IT-Sicherheit sowie die Entwicklung benutzerfreundlicher Visualisierungen kosten Zeit und Geld. Doch im Gegenzug winkt die Freiheit, das System an lokale Bedürfnisse anzupassen, Innovationen schneller zu erproben und im Idealfall sogar eigene Entwicklungen in die internationale Community einzubringen.

Die Abwägung zwischen proprietär und Open-Source ist letztlich eine strategische Entscheidung für die Zukunftsfähigkeit der Stadt. Wer heute auf geschlossene Systeme setzt, spart kurzfristig Ressourcen, zahlt aber langfristig mit eingeschränkter Souveränität und Innovationsfähigkeit. Wer Open-Source wählt, investiert in Eigenständigkeit und Wissenstransfer – und schafft die Grundlage für eine Stadt, die ihre digitale Infrastruktur selbst steuern kann.

In vielen Städten führt der Weg inzwischen zur Mischform: Open-Source-Kern mit modularen proprietären Erweiterungen, um spezifische Anforderungen oder Schnittstellen abzudecken. Doch auch hier gilt: Ohne ein klares Governance-Konzept, eine offene Datenstrategie und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit bleibt die schönste technische Lösung Stückwerk.

Praxischeck: Dashboards als Motor für strategische Stadtentwicklung

Wie sieht die Praxis aus? Ein Blick nach Wien, Zürich und Hamburg zeigt: Smart-City-Dashboards können zum Herzstück einer datenbasierten Stadtstrategie werden – wenn Technik, Organisation und Beteiligung zusammenspielen. In Wien beispielsweise bildet die „Digitale Stadt Wien Plattform“ das Rückgrat für Monitoring, Steuerung und Kommunikation in Bereichen wie Mobilität, Energie und Klima. Die Plattform setzt konsequent auf offene Standards und Schnittstellen, um Daten aus Verwaltung, Infrastruktur und Bürgerschaft zusammenzuführen. Das Ergebnis: Echtzeit-Informationen für die Stadtverwaltung, offene Dashboards für die Öffentlichkeit und die Möglichkeit, Simulationen und Szenarien in die Planung einzubeziehen.

In Zürich wird das Thema Smart City in der städtischen Verwaltung als Querschnittsaufgabe verstanden. Das Dashboard verknüpft Daten aus Verkehrsmanagement, Energieversorgung, Wetterdiensten und städtischer Infrastruktur – und bereitet sie gezielt für verschiedene Nutzergruppen auf. Besonders spannend: Die Plattform setzt auf Interoperabilität mit Urban Digital Twins, sodass Verkehrsflüsse, Energieverbrauch oder Klimadaten nicht nur beobachtet, sondern auch in künftige Planungsprozesse integriert werden können. Die offene Architektur erlaubt es externen Partnern, eigene Anwendungen und Analysen auf Basis der städtischen Daten zu entwickeln.

Hamburg wiederum setzt auf eine Urban Data Platform, die das Ziel verfolgt, sämtliche relevanten Stadt- und Umweltdaten in einer offenen Infrastruktur zusammenzubringen. Das zugehörige Dashboard bietet nicht nur klassische Monitoring-Funktionen, sondern ermöglicht auch die Entwicklung und Integration eigener Anwendungen durch Dritte. Hier zeigt sich, wie Open-Source und offene Daten zur Innovationsplattform für Verwaltung, Forschung und Wirtschaft werden können. Die Hamburger Erfahrungen machen allerdings auch deutlich: Ohne klare Governance, verständliche Nutzungsregeln und gezieltes Change-Management bleibt das Potenzial schnell auf der Strecke.

Auch international gibt es beeindruckende Beispiele. Singapur, Barcelona oder Helsinki setzen auf umfassende Dashboard-Lösungen, die als zentrale Steuerungsinstrumente für Stadtplanung, Infrastrukturmanagement und Bürgerkommunikation dienen. Die Erfolgsfaktoren sind überall ähnlich: Klare Verantwortlichkeiten, offene Schnittstellen, kontinuierliche Weiterentwicklung und eine Kultur des Teilens. Besonders in Helsinki ist bemerkenswert, wie konsequent die Stadt auf Offenheit und Bürgerbeteiligung setzt. Das Dashboard dient hier nicht nur dem Verwaltungshandeln, sondern wird aktiv für Bürgerdialog, Partizipation und Bildung eingesetzt.

Die Praxis zeigt: Ein Smart-City-Dashboard ist dann wirklich smart, wenn es kein Selbstzweck bleibt, sondern als Werkzeug für bessere Entscheidungen, mehr Beteiligung und eine nachhaltige Stadtentwicklung genutzt wird. Dabei gilt: Technik ist der Enabler, aber Strategie, Organisation und Kommunikation sind der Schlüssel zum Erfolg.

Allerdings gibt es auch Schattenseiten. Gerade bei großen, proprietären Systemen droht die Gefahr, dass Städte zum Spielball von Anbieterinteressen werden. Lizenzkosten, proprietäre Schnittstellen und fehlende Anpassungsfähigkeit können Innovationen hemmen und die Kontrolle über die städtischen Daten gefährden. Wer auf Open-Source und offene Standards setzt, muss zwar mehr investieren, gewinnt aber an Flexibilität und Zukunftssicherheit.

Transparenz, Beteiligung und Governance – mehr als nur IT-Fragen

So schön und leistungsfähig Smart-City-Dashboards auch sein mögen: Sie stehen und fallen mit der Art und Weise, wie sie in die Stadtgesellschaft eingebettet sind. Governance, Transparenz und Beteiligung sind keine Randthemen, sondern zentrale Voraussetzungen für nachhaltigen Erfolg. Ein Dashboard, das im stillen Kämmerlein der Verwaltung betrieben wird, mag technisch beeindrucken – es wird aber kaum die notwendige Akzeptanz und Wirkung entfalten, um als Motor für Innovation und Partizipation zu dienen.

Transparenz bedeutet zunächst, dass die Funktionsweise des Dashboards nachvollziehbar ist: Wie kommen Daten ins System? Welche Algorithmen bereiten sie auf? Wer entscheidet über die Visualisierung und Interpretation der Ergebnisse? Nur wenn diese Fragen beantwortet und dokumentiert sind, kann Vertrauen entstehen. Besonders kritisch wird es, wenn Dashboards für Prognosen und automatisierte Entscheidungen genutzt werden – etwa in der Verkehrssteuerung, bei der Energieverteilung oder in der Stadtklimasteuerung. Hier ist Nachvollziehbarkeit Pflicht, nicht Kür.

Beteiligung bedeutet, dass die Stadtgesellschaft aktiv eingebunden wird – sei es durch offene Schnittstellen, offene Daten oder gezielte Beteiligungsformate rund um das Dashboard. Viele Städte experimentieren mit partizipativen Dashboards, die Bürgern ermöglichen, eigene Daten einzubringen, Feedback zu geben oder Simulationen zu starten. Solche Ansätze stärken die gemeinsame Verantwortung für die Stadtentwicklung und helfen, blinde Flecken in der Planung zu vermeiden. Die besten Dashboards sind daher nicht nur Informationswerkzeuge, sondern Plattformen für Dialog und Mitgestaltung.

Governance schließlich beschreibt die Regeln, Verantwortlichkeiten und Prozesse, die den Betrieb und die Weiterentwicklung des Dashboards steuern. Ohne klare Governance besteht die Gefahr, dass Dashboards zum Selbstzweck werden, Datenhoheit verloren geht oder Innovationen im Klein-Klein der Zuständigkeiten versanden. Eine gemeinsame Strategie, zentrale Ansprechpartner und transparente Entscheidungswege sind daher unverzichtbar – und müssen von Anfang an mitgedacht werden.

Der Weg zu einer transparenten, beteiligungsorientierten und gut gesteuerten Dashboard-Landschaft ist kein Selbstläufer. Er erfordert Mut, Ressourcen und einen langen Atem – aber auch die Bereitschaft, Fehler zu machen, aus Erfahrungen zu lernen und gemeinsam mit Partnern und der Stadtgesellschaft neue Wege zu gehen. Nur so wird aus Technik ein echter Mehrwert für die Stadtentwicklung.

Die Erfahrung zeigt: Wer frühzeitig auf Offenheit, Beteiligung und strategische Steuerung setzt, schafft nicht nur Vertrauen, sondern eröffnet neue Innovationsräume – und positioniert die eigene Stadt als Vorreiter im digitalen Wandel. Wer hingegen die Governance-Fragen ignoriert, riskiert Akzeptanzprobleme, Fehlentwicklungen und den Verlust an Steuerungsfähigkeit.

Ausblick und Empfehlungen – Wie viel Smartness braucht die Stadt?

Smart-City-Dashboards sind gekommen, um zu bleiben – und sie werden die Stadtplanung, das Infrastrukturmanagement und die Bürgerbeteiligung nachhaltig verändern. Doch wie viel „Smartness“ verträgt die Stadt, und wie bleibt sie handlungs- und steuerungsfähig? Klar ist: Der technische Fortschritt lässt sich nicht aufhalten, aber die Art und Weise, wie Städte mit Dashboards umgehen, entscheidet über die Qualität des Wandels.

Für Planungsteams, IT-Abteilungen und Stadtverwaltungen gilt: Der Weg zum erfolgreichen Dashboard beginnt mit einer klaren Strategie. Ziele, Anforderungen und Rahmenbedingungen müssen von Anfang an definiert, Governance-Strukturen aufgebaut und Beteiligung konsequent mitgedacht werden. Die Entscheidung zwischen Open-Source und proprietär ist dabei zentral – und sollte nicht von kurzfristigen Kostenerwägungen, sondern von langfristiger Souveränität und Innovationsfähigkeit bestimmt werden.

Die Integration von Dashboards in bestehende Planungs- und Verwaltungsprozesse ist eine weitere Herausforderung. Schnittstellen zu Geoinformationssystemen, Urban Digital Twins, Beteiligungsplattformen und Fachanwendungen sind unverzichtbar, um Synergien zu heben und Insellösungen zu vermeiden. Gleichzeitig müssen Datenschutz, IT-Sicherheit und Barrierefreiheit von Anfang an mitgedacht werden – nicht als nachträgliche Pflichtübung, sondern als integraler Bestandteil der Entwicklung.

Städte, die Smart-City-Dashboards konsequent als Plattform für Innovation, Beteiligung und Steuerung verstehen, gewinnen doppelt: Sie werden resilienter gegenüber Krisen, können schneller auf neue Herausforderungen reagieren und schaffen mehr Transparenz und Vertrauen. Die Gefahr liegt jedoch in der Technokratisierung: Ein Dashboard ersetzt keine politische Entscheidung, keine Bürgerbeteiligung und schon gar nicht die lokale Expertise. Es ist Werkzeug, nicht Ersatz für demokratische Prozesse.

Abschließend bleibt festzuhalten: Die Zukunft der Stadt ist smart – aber sie bleibt gestaltbar. Wer auf Offenheit, Kooperation und strategische Entwicklung setzt, macht aus Dashboards das, was sie sein sollten: Motor für eine lebenswerte, nachhaltige und gerechte Stadtentwicklung. Wer sich treiben lässt oder auf kurzfristige Trends setzt, riskiert Abhängigkeit, Akzeptanzprobleme und den Verlust an Steuerungsfähigkeit.

Smart-City-Dashboards sind der Schlüssel zur Stadt von morgen – aber nur, wenn sie offen, nachvollziehbar und im Dienst der Gesellschaft stehen.

Zusammenfassung: Smart-City-Dashboards sind weit mehr als digitale Spielereien – sie sind zentrale Werkzeuge für die datenbasierte, strategische Stadtentwicklung. Die Entscheidung zwischen Open-Source und proprietären Lösungen ist dabei eine Grundsatzfrage, die über Souveränität, Innovationsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit entscheidet. Praxisbeispiele aus dem deutschsprachigen Raum und internationalen Vorreiterstädten zeigen, wie Dashboards Transparenz, Beteiligung und nachhaltige Steuerung ermöglichen können – vorausgesetzt, Governance, Datenstrategie und Kommunikation stimmen. Die Stadt der Zukunft braucht smarte Werkzeuge, aber vor allem klare Ziele, Offenheit und Mut zur Gestaltung. Nur so werden Dashboards zum echten Motor für eine lebenswerte und resiliente Stadtentwicklung.

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Slow Food Landscape bei Turin

Team 3)

Turin ist die Stadt des Slow Food. Alle zwei Jahre findet hier der Salone del Gusto statt, die weltweite Messe des Slow Food. In der Stadt gibt es zahlreiche Märkte und Läden mit einem Angebot handwerklich veredelter Lebensmittel, von der Schokolade bis zum Reismehl. Der Filialist „Eataly“ zeigt, wie sich auch aus traditionellen Produkten ein großes Geschäft machen lässt, mittlerweile nicht mehr nur in italienischen Großstädten, sondern auch in New York und Tokio.

Der Boom von „slow“ und „local“ ist mit traditionell ländlichen Bildern verbunden. Eine Verbindung zur Landwirtschaft wird jedoch nicht hergestellt. Die agrarisch geprägte Landschaft entlang des Po findet wenig Beachtung. Wie aus dieser diffusen Peripherie in Verbindung mit einer zukunftsfähigen Landwirtschaft ein anerkannter Teil der Stadtlandschaft werden kann, damit hat sich im April 2014 das Erasmus Intensive Programme CITYGREENING auseinandergesetzt. Beteiligt waren neben der organisierenden Politecnico di Torino (Architektur) der Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur der RWTH Aachen University (Architektur), die University of Brighton (Architektur), die Istanbul Technical University (Landschaftsarchitektur), die Tschechische technische Universität Prag (Architektur/Landschaftsarchitektur), die Université de Rennes (Geographie/Agronomie) und die UAECG Sofia (Stadtplanung). Sechs international und interdisziplinär gemischte Gruppen haben nach einer Einführung durch internationale Experten und lokale Akteure elf Tage intensiv an Konzepten für die stadtnahe Landwirtschaft im Süden von Turin gearbeitet.

 

Dort überlagert Verkehrsinfrastruktur die Agrarlandschaft im Überschwemmungsgebiet des Po. Kiesabbau und ein Heizkraftwerk haben Teile der großflächigen Landwirtschaft entlang des Flusses verdrängt. Auch historische Landmarken wie Wegetrassen, Wehrhöfe oder ehemalige Viehmarkthallen sind heute kaum noch in der Landschaft ablesbar. Zwar nimmt die Landwirtschaft nach wie vor einen Großteil der Fläche ein, ihre Anliegen finden jedoch die geringste Anerkennung im Wettstreit der sektoralen Planungen.

Um diese Situation zu überwinden, spielten in den Überlegungen der Workshopteilnehmer vor allem die Zugänglichkeit, die Identität, die Wirtschaftlichkeit und die Kommunikation eine Rolle. Viele der beteiligten Architekten, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten setzten vor allem auf die Lesbarkeit und Erlebbarkeit der Landschaft. Neue Wegeverbindungen sollen die Entdeckung der Landwirtschaft vor den Toren der Stadt ermöglichen, historische Strukturen als Leitlinien und Attraktionen dienen, auf denen sich eine neue Identität aufbauen lässt.

 

In Zusammenarbeit mit Geographen und Agronomen konnten diese räumlichen Strategien auch ökonomisch hinterlegt werden. Die Entwicklung von Wertschöpfungsketten für die Landwirtschaft spielt eine wichtige Rolle, um Landnutzung am Stadtrand zu stabilisieren. Mehrere Workshopteams entwickelten Modelle, wie Landwirte untereinander und mit stadtgesellschaftlichen Akteuren kooperieren könnten.
Die Konzepte des Workshops wurden an der RWTH Aachen vertieft. 13 Studierende der Lehrstühle für Gebäudelehre und Landschaftsarchitektur entwickelten in ihrer Bachelorarbeit einen Gebäude- und Freiraumentwurf, der die Ziele der Verknüpfung von Stadt und Landwirtschaft unter dem Titel casa / agricoltura aufgreifen sollte.

 

Helena Rafalsky ließ sich für ihre Arbeit „SaftMühle“ von den Produkten der Region Piemont und den privaten und kleingewerblichen Aktivitäten des Anbauens und Veredelns landwirtschaftlicher Produkte am Stadtrand inspirieren. Mit ihrem Gebäude schafft sie einen neuen Ort in der Zwischenstadt, an dem Menschen zusammenkommen können, um ihre Nahrungsmittel gemeinsam zu verarbeiten und zu genießen.

 

Friederike Henne nutzt als Standort für ihre casa agricoltura den bestehenden Parco Le Vallere am Po, dessen extensiv gepflegter Landschaftspark bisher kaum mit den benachbarten Landwirtschaftsflächen in Verbindung steht. In die Baumhecke, die eine verbindende Struktur zwischen Parkeingang am historischen Hof Le Vallere und dem Fluss, aber auch die Trennung zwischen Park und Landwirtschaft darstellt, integriert sie ein offenes Gebäude für die pädagogische Arbeit mit Kindern. Das Gebäude und eine neue Wegeverbindung stellt die Anbindung des Landschaftsparks an Felderlandschaft her.

 

Den auf den freien Feldern vor der Stadt gelegenen Weiler Barauda hat Fabian Klemp für sein Zentrum für Gartentherapie ausgewählt. Psychisch Erkrankte erhalten hier die Gelegenheit, sich im Kontakt mit der Natur und in strukturierten Abläufen den Weg zu einer geregelten Lebensweise zu erarbeiten. Der Aufbau der Wohneinheiten ergibt sich aus den Maßen der Gartenbeete, die den Wohnungen direkt zugeordnet sind.
Alle drei Entwürfe zeigen, wie sich Gebäude sowohl formal als auch funktional aus der Landschaft und ihrer landwirtschaftlichen Nutzung entwickeln lassen. Sie sind damit ein Beispiel, wie sich das Wissen und die Herangehensweisen von Architekten und Landschaftsarchitekten, hier in der Betreuung durch die beiden Lehrstühle der RWTH, in einer gemeinsamen Arbeit miteinander verschränken lassen.

Erasmus IP und Bachelorarbeit sind ein Versuch, einem neuen Konsumverhalten Orte zu geben. Mehr als jedes Bio-Siegel oder jede Herkunftsbezeichnung können diese Orte den Kontakt zu Landwirten, ihren Produkten und deren Verarbeitung herstellen und damit den Nachweis von Qualität erbringen. Slow Food bleibt nicht ein Schlagwort und Label, sondern wird in der Landschaft verankert.

Weitere Informationen: http://areeweb.polito.it/erasmus-ip-citygreening

Der Autor ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur der RWTH Aachen University.

Kinder gehören auf den Spielplatz – oder doch in den gesamten städtischen Raum? Wir sprachen mit Dirk Schelhorn, Landschaftsarchitekt und Experte für kindgerechte Gestaltung, und Dr. Renate Zimmer, Expertin für kindliche Bewegungsforschung, wie öffentlicher Raum gestaltet sein muss, damit sich dort auch Kinder wohlfühlen.

Was braucht es, um wirklich gute Räume für Kinder zu planen?

DS: Planer müssen wissen, wie die Kindheitsentwicklung funktioniert und was Kinder wirklich brauchen, um gesund und sicher aufzuwachsen. Das ist Grundwissen. Und dieses Grundwissen muss vernetzt werden. Es reicht nicht wenn der Landschaftsarchitekt das weiß, und es reicht nicht, wenn das Gartenamt das weiß. Die wesentlichen Entscheidungen zu einem gestalteten Raum, werden auf einer anderen Ebene getroffen. Auf der Ebene der Politik und Stadtplanung.

RZ: Für den Planungsprozess wäre es wichtig verschiedene Spezialisten direkt in die Kreation von Projekt mit einzubeziehen. Das gäbe zusätzliche Inspiration und direkte Rückmeldungen, ob Planungsideen Sinn machen und umsetzbar sind.

 

Frau Zimmer, hatten Sie schon einmal das Vergnügen bei einem interdisziplinär besetzten Projekt mitarbeiten zu dürfen?

RZ: Bei größeren bisher noch nicht. Momentan bin ich aber bei der Konzeption eines Spielraums für eine Behinderteneinrichtung in Südkorea dabei. Mit der Einrichtung hatte ich bisher über Fortbildungen zusammengearbeitet und nun bauen wir einen Fußballplatz in einen neuen Spielbereich um.

 

Spielplätze gibt es viele – und die sehen alle gleich aus. Woran liegt das?

RZ: Also entweder liegt es an den finanziellen Verhältnissen der Kommunen, dass sie sich nur einfallslose Spielplätze für Kinder leisten können oder es liegt daran, dass Firmen mit ihren Spielgeräten so unkreativ sind. Es gibt viele Initiativen, die versuchen auch den Raum außerhalb des Spielplatzes zu gestalten, aber da würde ich mir wünschen, dass ein bisschen kreativer mit Bewegungsideen umgegangen wird.

DS: Abprüfbare Qualitäten, wie wir sie bereits in der Spielleitplanung definiert haben, würden helfen. Kinderfreundlich ist eine Gemeinde nicht, wenn sie 13 Kindergärten hat. Das ist elternfreundlich. Kinderfreundlich ist aus der Perspektive der Kinder zu denken.

 

Wie müssten Städte gestaltet sein, damit sie auch Kinder ansprechen?

DS: Kinder sind in ihrem Tagesablauf wesentlich mehr auf Wegen unterwegs als auf Spielplätzen, etwa der Weg zur Schule oder zum Einkaufen. Wenn wir den öffentlichen Raum mal nach Qualitäten für Kinder abprüfen, dann fangen wir bei Wegesystemen und Plätzen zum Verweilen an. Warum gestaltet man den Raum nicht so, dass Kinder auch ihre Freude haben. Ich stelle mir eine Stadt, ein Quartier vor, wo Kinder nicht auf Spielplätzen sondern überall Dinge vorfinden, an denen sie sich betätigen können. Ein Raum muss ausstrahlen: Benutz mich!

RZ: Ich würde mir einen öffentlichen Raum mit sehr differenzierten Anspruchsformen vorstellen. Er muss Selbstständigkeit fördern und ganz unterschiedliche Schwierigkeitsstufen anbieten. Es muss anspruchsvolles geben, weil sich auch Zehnjährige richtig messen wollen, das Angebot darf aber auch ein dreijähriges Kind nicht total überfordern.

 

Nicht alle Städte haben Nachholbedarf in der kindgerechten Gestaltung ihres öffentlichen Raums. Welche Städte sehen sie als positive Vorreiter?

DS: Basel zum Beispiel. Basel hat eine Innenstadt mit ganz vielen Brunnen. Sobald es richtig warm ist, spielen die Kinder am und im Brunnen. Reutlingen ist auch ein gutes Beispiel. Dort werden wir auf einem Kulturplatz, eine ganze Bankreihe durch Schaukeln ersetzen – wo drei Leute nebeneinander sitzen können. Schaukeln ist immer Treffpunkt. Warum muss eine Schaukel immer nur auf einem Spielplatz stehen? Planer sollten Mut haben auch mal witzige Dinge zu tun.

RZ: Es gibt schon gute Beispiele, aber viele Räume könnte noch ein bisschen aufgepeppt und interessanter gestaltet werden, damit alle Altersstufen sich gemeinsam betätigen können.

DS: Ein weiteres Vorzeigeprojekt ist „alla hopp!“. Die Stiftung des SAP-Gründers Dietmar Hopp hat im Rahmen dieser Aktion 19 Kommunen in der Metropolregion Rhein-Neckar Bewegungsparks gestiftet. In enger Zusammenarbeit mit drei weiteren Büros setzen wir diese nun Schritt für Schritt um. Vier konnten wir auch schon fertig stellen.

 

Herr Schelhorn, Sie sagten, es sollte Richtwerte geben. Was genau würden Sie sich wünschen?

DS: In der Spielleitplanung haben wir bereits vor 15 Jahren verbindliche Qualitäten einer Raumgestaltung und Stadtentwicklung zu Gunsten von Kindern definiert. Die DIN 18034 spiegelt das auch wider. Sie hat den gleichen Wert wie die Gerätenorm, die DIN 1176. Aber wenn eine Sicherheitsüberprüfungen vor Ort gemachen wird, dann nimmt jeder die Gerätenorm, aber keiner überprüft den Stadtteil nach der DIN 18034.

 

Was steht in der DIN 18034?

DS: Sie spricht von einem kalkulierbaren Risiko. Da steht drin, dass wir bei der Planung für Kinder verpflichtet sind, kalkulierbares Risiko anzubieten – zur Förderung.

RZ: Gefahren müssen für Kinder erkennbar und einsehbar sein. Aber sie sind nötig, damit ein Gefahrenbewusstsein und eine Risikokompetenz aufgebaut und geübt werden kann.

DS: Die Norm findet aber leider wenig Anwendung und ist am Rahmen der Stadtgestaltung wenig bekannt. Bei der Stadtplanung ist sie eigentlich auf keinem Schreibtisch.

 

Wie kommt das?

DS: Keine Ahnung. Vollzugsdefizit, kein Wissen in der Ausbildung, nicht bekannt gegeben. Das Bundesland Vorarlberg in Österreich ist da momentan am vorbildlichsten. Dort gibt es ein Spielraumgesetz, an dem wir vor Jahren mitgewirkt haben. Mit Beratung aber auch konkreten Projekten.

 

Wenn Städte mehr in kindgerechten Raum investieren würden, welche Chancen würden sich bieten?

DS: Die Chancen sind natürlich riesig: Wir würden wesentlich mehr gesunde Kinder haben. Wir würden aber auch wesentlich weniger Geld in Bildung aus zweiter Hand ausgeben müssen, weil Kinder durch ihr Spielen – elf bis zwölf ist hier die Grenze – ganzheitlich gebildet werden. Die interessantesten, die abenteuerlichsten Dinge, die lernt man auf der Straße, im Wald und oft da, wo Erwachsen nicht davon ausgehen, dass man sie dort lernen kann. Die Chance einer kindgerechten Gestaltung hat aber auch einen generationsübergreifenden Effekt.

 

Wir müssen also für Kinder und Erwachsene planen?

RZ: Ja, über die Interaktion von Eltern und Kindern im öffentlichen Raum bahnt sich auch so was wie ein aktiver Lebensstil an, der sich auf die Kinder überträgt. Kinder sehen wie Eltern mit dem öffentlichen Raum umgehen. Ob sie hasten, um zum nächsten Termin zu kommen, oder ob sie sich auch mal Zeit nehmen.

DS: In einer kindgerechten Gestaltung haben auch Erwachsene ihren Platz. Der generationsübergreifende Aspekt hat nichts damit zu tun, dass Mutti irgendwas auf dem Walker macht und das Kind 20 Meter weiter im Sandkasten spielt. Sondern eine kindgerechte Gestaltung hat auch immer Platz für beobachtende Erwachsene – für teilnehmende Erwachsene. Sich freuen zu können am Kinderlachen, das ist vor allem für alte Leute sehr wichtig. Oder Kinder können mal Erwachsene beobachten. Wenn Kinder an einer Baustelle stehen bleiben, weil da drei Bagger fahren, dann ist das schon generationsübergreifende Teilhabe.

RZ: Ich würde sogar noch weiter gehen – Spielplätze für Ältere. Das ist ein Thema, das überhaupt noch nicht richtig weiter gedacht wurde.

 

Mit dem Thema „kindgerechte Gestaltung des öffentlichen Raums“ beschäftigen wir uns auch in Garten + Landschaft 05/2016 – der Platz, das Gefühl und wir.