Solare Stadtgestaltung – Schatten, Winkel, Ausrichtung: Entwerfen mit der Sonne

Straßenzeile mit Häusern in Sonne und Schatten als Symbol für solare Stadtgestaltung und Planung mit Sonnenständen.
Spiel aus Licht und Schatten zeigt Entwerfen mit der Sonne für resiliente Städte.

Solare Stadtgestaltung ist weit mehr als das Jonglieren mit Sonnenständen und Schattenwürfen. Wer den öffentlichen Raum wirklich nachhaltig, lebenswert und resilient gestalten will, muss die Sonne als entscheidenden Planungsfaktor begreifen – von der Ausrichtung der Plätze bis zum mikroklimatischen Feinschliff. In Zeiten des Klimawandels wird das Entwerfen mit der Sonne zur Königsdisziplin für Planer, Stadtgestalter und Landschaftsarchitekten.

  • Grundlagen der solaren Stadtgestaltung: Warum Sonnenverlauf, Schatten und Ausrichtung heute im Mittelpunkt stehen müssen.
  • Stadtklima, Hitzeschutz und Aufenthaltsqualität: Die Sonne als Motor und Herausforderung urbaner Freiraumplanung.
  • Methoden und Werkzeuge: Von Sonnenstandanalysen über Simulationen bis zum parametrischen Entwerfen mit Licht und Schatten.
  • Best-Practice-Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: Gelungene Projekte, überraschende Erkenntnisse, typische Fehler.
  • Integration in die Planungspraxis: Wie Sonnenoptimierung von der ersten Skizze bis zum gebauten Raum gelingt.
  • Neue Perspektiven durch Digitalisierung, BIM und Urban Digital Twins für solare Stadtgestaltung.
  • Konflikte und Zielkonflikte: Klimaschutz, Energiegewinnung, Denkmalschutz, Artenschutz und soziale Aspekte im Spannungsfeld.
  • Strategien für resiliente, lebenswerte und nachhaltige Städte im Zeitalter der urbanen Aufheizung.

Die Sonne als Planungsfaktor: Warum Schatten, Winkel und Ausrichtung alles entscheiden

Die Sonne scheint für alle – aber sie wirkt überall anders. Wer heute Städte und Landschaften gestaltet, weiß: Sonnenstand, Schattenwurf und Ausrichtung sind keine Nebendarsteller, sondern bestimmen maßgeblich über Aufenthaltsqualität, Nutzungsmöglichkeiten und mikroklimatische Resilienz. In der Vergangenheit wurde der Sonnenverlauf oft als gegeben hingenommen, als fixe Größe im Planungsprozess, die sich allenfalls in der Wahl der Bäume oder der Fassadenfarbe niederschlug. Doch mit zunehmender Urbanisierung und der spürbaren Hitzeentwicklung in unseren Städten ist klar: Wer Sonnen- und Schattenmanagement ignoriert, riskiert Hitzestaus, überhitzte Plätze, tote Fassaden und nutzungsfeindliche Außenräume.

Der Sonnenstand ändert sich im Tages- und Jahresverlauf, variiert je nach geografischer Lage und hat einen entscheidenden Einfluss auf die Belichtung von Strassenräumen, Plätzen und Gebäuden. Während im Winter jeder Sonnenstrahl Gold wert ist, kann im Hochsommer ein unbeschatteter Platz zur urbanen Bratpfanne werden. Die Kunst der solaren Stadtgestaltung besteht darin, für jeden Ort und jede Nutzung das richtige Maß an Sonne und Schatten zu finden. Dabei geht es nicht nur um Komfort, sondern um Gesundheit, Energieeffizienz, Biodiversität und letztlich um das städtische Leben selbst.

Die Ausrichtung von Straßen, Gebäuden und Freiräumen ist ein mächtiges Instrument, das viel zu oft unterschätzt wird. Eine Ost-West-Ausrichtung begünstigt beispielsweise eine gleichmäßige Belichtung, während Nord-Süd-Achsen tendenziell zu einseitigen Lichtverhältnissen führen. Auch die Topografie spielt eine Rolle: Hänge, Täler und Höhen beeinflussen, wie lange und wie intensiv die Sonne bestimmte Bereiche erreicht. Wer diese Faktoren ignoriert, verschenkt Potenzial – oder schafft sogar Probleme, die später teuer behoben werden müssen.

Im Zeitalter des Klimawandels ist die Sonne zudem ein ambivalenter Begleiter: Einerseits ist sie die Quelle erneuerbarer Energie und lebensnotwendigen Lichts, andererseits der Haupttreiber für Überhitzung, UV-Belastung und Trockenstress. Stadtgestalter und Planer sind deshalb gefordert, intelligente Lösungen zu finden, die die positiven Effekte der Sonne maximieren und die negativen minimieren. Das beginnt bei der Analyse der bestehenden Verhältnisse und reicht bis zur Entwicklung innovativer Beschattungssysteme, reflektierender Materialien und adaptiver Begrünungsstrategien.

Die Relevanz von Sonnenstand und Schattenwurf ist heute so groß wie nie zuvor. Wer sie ignoriert, plant an den Bedürfnissen von Menschen, Natur und Stadtklima vorbei. Wer sie geschickt nutzt, schafft urbane Räume, die im Sommer kühl, im Winter sonnig, ganzjährig attraktiv und langfristig resilient sind. Die solare Stadtgestaltung ist das Fundament jeder nachhaltigen, zukunftsfähigen Planung – und damit Pflichtlektüre für alle, die Stadt gestalten wollen.

Stadtklima, Aufenthaltsqualität und Hitzeschutz: Die Sonne als Motor und Herausforderung urbaner Räume

Das Stadtklima ist ein komplexes Zusammenspiel aus Bebauungsstruktur, Freiraumgestaltung, Vegetation und – nicht zuletzt – dem Einfluss der Sonne. In den letzten Jahren hat sich die Diskussion um urbane Hitzeinseln und mikroklimatische Resilienz dramatisch zugespitzt. Hitzewellen, wie sie inzwischen regelmäßig auch in mitteleuropäischen Städten auftreten, machen die Defizite konventioneller Stadtplanung deutlich. Plätze, die im Winter trostlos schattig und im Sommer unerträglich heiß sind, zeugen von fehlender solaren Intelligenz. Genau hier setzt die solare Stadtgestaltung an.

Die Aufenthaltsqualität eines städtischen Freiraums hängt maßgeblich davon ab, wie geschickt mit Licht und Schatten gespielt wird. Ein gut ausgerichteter, optimal beschatteter Platz kann auch bei 35 Grad noch belebt sein, während ein sonnenexponierter Asphaltstreifen selbst bei moderaten Temperaturen gemieden wird. Pflanzen, Wasserflächen, helle Materialien und durchdachte Verschattungsstrukturen sind die Werkzeuge, um die Strahlung zu lenken, zu dämpfen oder gezielt zu nutzen.

Ein zentrales Ziel der solaren Stadtgestaltung ist es, den thermischen Komfort für unterschiedliche Nutzergruppen und zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten zu optimieren. Das bedeutet, dass für Senioren, Kinder, Sporttreibende oder Flaneure jeweils eigene mikroklimatische Anforderungen bestehen. Die Planung muss daher flexibel und intelligent auf diese Bedürfnisse eingehen. Mobile Beschattung, saisonale Bepflanzung oder temporäre Strukturen können die Nutzung eines Raumes entscheidend beeinflussen.

Zugleich ist der Hitzeschutz in dicht bebauten Quartieren eine der größten Herausforderungen der Gegenwart. Fassadenbegrünung, Photovoltaik-Integration, reflexionsarme Materialien und das gezielte Öffnen oder Abschirmen von Räumen sind probate Mittel, um der Sonne die Stirn zu bieten. Im Idealfall werden dabei städtebauliche, architektonische und landschaftsplanerische Maßnahmen so ineinandergreifen, dass ein ausgewogenes, resilientes Stadtklima entsteht.

Die Sonne als Motor urbaner Entwicklung zu begreifen, bedeutet nicht zuletzt, ihre Energie aktiv zu nutzen. Solarenergie, Tageslichtnutzung und die gezielte Steuerung von Verschattung können nicht nur das Stadtklima verbessern, sondern auch zur Energieversorgung und Nachhaltigkeit beitragen. Die Herausforderung besteht darin, all diese Aspekte zu einem schlüssigen Gesamtkonzept zu verbinden, das sowohl den Menschen als auch der Umwelt gerecht wird.

Methoden, Werkzeuge und Simulationen: Wie Entwerfen mit der Sonne im digitalen Zeitalter gelingt

Die Zeit, in der der Sonnenstand mit Lineal und Zirkel auf Transparentpapier gezeichnet wurde, ist vorbei – zum Glück. Moderne Planungswerkzeuge ermöglichen heute eine präzise und dynamische Analyse der Sonnenverhältnisse in urbanen Räumen. Digitale Sonnenstandanalysen, parametrische Entwurfswerkzeuge und komplexe Simulationen sind inzwischen Standard in der solaren Stadtgestaltung und liefern Planern eine nie dagewesene Datenbasis für fundierte Entscheidungen.

Eine der wichtigsten Methoden ist die Sonnenverlaufsanalyse, bei der der Einfallwinkel, die Intensität und die Dauer der Sonneneinstrahlung zu unterschiedlichen Zeiten und für verschiedene Jahreszeiten simuliert werden. Software wie Rhino, Grasshopper, Ecotect oder spezielle Plugins für BIM-Systeme ermöglichen es, bereits in frühen Entwurfsphasen verschiedene Szenarien durchzuspielen und die Auswirkungen auf Belichtung, Verschattung und Energieeintrag zu bewerten. So lassen sich Fehler vermeiden, bevor sie auf der Baustelle teuer werden.

Auch Urban Digital Twins eröffnen neue Möglichkeiten für die solare Stadtgestaltung. Sie verknüpfen hochpräzise Geodaten, Klimadaten und Simulationen in Echtzeit und ermöglichen so eine ganzheitliche Betrachtung des Zusammenspiels von Sonne, Schatten, Materialität und Vegetation. Planer können Varianten vergleichen, Auswirkungen auf das Mikroklima sofort visualisieren und Beteiligungsprozesse mit anschaulichen Simulationen unterstützen. Die Digitalisierung bringt damit eine neue Transparenz und Nachvollziehbarkeit in den Planungsprozess.

Parametrisches Entwerfen mit der Sonne bedeutet, dass Entwurfsparameter wie Gebäudehöhe, Ausrichtung, Fassadengeometrie oder Baumstandorte dynamisch angepasst werden, um ein optimales Sonnen-Schatten-Verhältnis zu erzielen. Diese Methode erlaubt es, Zielkonflikte – etwa zwischen Hitzeschutz, Belichtung und Energiegewinnung – frühzeitig zu erkennen und kreative Lösungen zu entwickeln. Gleichzeitig ermöglicht sie eine bessere Integration von Nutzerfeedback und Partizipation, da Simulationsergebnisse verständlich und visuell aufbereitet werden können.

Die Herausforderung besteht darin, die Fülle an Daten und Möglichkeiten sinnvoll in den Planungsprozess zu integrieren. Tools und Simulationen sind nur so gut wie die Fragen, die man ihnen stellt. Es braucht Erfahrung, Fingerspitzengefühl und interdisziplinäres Denken, um aus den Ergebnissen echte Mehrwerte für die gebaute Umwelt zu generieren. Die Zukunft der solaren Stadtgestaltung liegt in der klugen Verknüpfung von digitaler Präzision und planerischer Kreativität.

Best-Practice, Fallstricke und Praxistipps: Solare Stadtgestaltung in D-A-CH

Die solare Stadtgestaltung ist kein akademisches Planspiel, sondern wird in immer mehr Projekten in Deutschland, Österreich und der Schweiz erfolgreich umgesetzt – allerdings mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Wer sich umschaut, findet gelungene Beispiele, aber auch zahlreiche Planungsfehler, aus denen sich lernen lässt. Ein Blick auf Best-Practice-Projekte und typische Stolpersteine ist deshalb Pflicht für alle, die mit der Sonne entwerfen wollen.

Ein Paradebeispiel ist der Sonnendeckplatz in Zürich, der durch eine ausgeklügelte Verschattungsstrategie und die gezielte Nutzung von Reflexionen auch an heißen Tagen angenehm bleibt und im Winter maximalen Lichteintrag bietet. In Wien wiederum hat die Integration von Photovoltaik in Pergolen und Fassaden nicht nur das Stadtklima verbessert, sondern auch die lokale Stromversorgung unterstützt. München setzt bei neuen Quartieren wie Freiham konsequent auf Sonnenstandanalysen und parametrisches Entwerfen, um eine ausgewogene Belichtung und Verschattung zu gewährleisten.

Doch nicht alle Projekte verlaufen optimal. Immer wieder werden etwa Bäume zu dicht gepflanzt, sodass Plätze im Winter zu dunkel bleiben, oder Verschattungsstrukturen so platziert, dass sie im Sommer kaum Wirkung zeigen. Häufig fehlt das Bewusstsein für die jahreszeitlichen Unterschiede oder die Auswirkungen von Materialwahl und Farbgebung auf die Temperaturentwicklung. Auch der Spagat zwischen Denkmalschutz und moderner Solararchitektur ist eine Herausforderung, die Fingerspitzengefühl und Kompromissbereitschaft erfordert.

Ein Schlüssel zum Erfolg ist die frühzeitige Integration solarer Aspekte in den gesamten Planungsprozess. Wer erst im Nachhinein versucht, Verschattung oder PV-Anlagen „draufzusetzen“, wird selten optimale Ergebnisse erzielen. Wichtig ist zudem die enge Zusammenarbeit zwischen Architekten, Landschaftsplanern, Ingenieuren und Klimaspezialisten. Nur so entstehen Lösungen, die sowohl funktional als auch gestalterisch überzeugen.

Zu guter Letzt sollte die solare Stadtgestaltung immer als dynamischer Prozess verstanden werden. Klimawandel, gesellschaftliche Veränderungen und technische Innovationen erfordern ständige Anpassung und Lernbereitschaft. Wer sich auf diesen Prozess einlässt, kann urbane Räume schaffen, die nicht nur heute, sondern auch morgen lebenswert, nachhaltig und resilient sind.

Zukunftsperspektiven: Solare Stadtgestaltung als Strategie für resiliente und nachhaltige Städte

Solare Stadtgestaltung ist weit mehr als ein Trend oder ein technisches Add-on. Sie ist eine zentrale Strategie für die Entwicklung zukunftsfähiger, resilienter und lebenswerter Städte. Angesichts der Herausforderungen durch Klimawandel, Urbanisierung und Ressourcenknappheit wird das Entwerfen mit der Sonne zum entscheidenden Faktor für den Erfolg urbaner Freiraumgestaltung.

Die Integration solarer Prinzipien eröffnet neue Möglichkeiten für nachhaltige Energiegewinnung, Klimaanpassung und soziale Innovation. Städte können durch intelligente Sonnen- und Schattenlenkung nicht nur den Energieverbrauch senken, sondern auch die Aufenthaltsqualität und die Nutzung öffentlicher Räume massiv verbessern. Die Kombination aus erneuerbarer Energie, adaptiver Begrünung und digital unterstützter Planung schafft eine neue Qualität urbaner Lebensräume.

Die Digitalisierung wird dabei zum Gamechanger. Urban Digital Twins, BIM-basierte Simulationen und KI-gestützte Analysewerkzeuge ermöglichen eine nie dagewesene Präzision und Dynamik im Umgang mit Sonne, Schatten und Klimadaten. Städte wie Wien, Zürich oder München zeigen, wie sich digitale Werkzeuge und solare Planung zu einem leistungsstarken Gesamtsystem verbinden lassen. Doch auch kleinere Kommunen können von dieser Entwicklung profitieren, wenn sie den Mut haben, neue Wege zu gehen und interdisziplinär zu arbeiten.

Natürlich gibt es Zielkonflikte und Herausforderungen: Die Balance zwischen Hitzeschutz und solarem Energieeintrag, der Schutz von Biodiversität und Denkmälern, soziale Gerechtigkeit im Zugang zu hochwertigen Freiräumen – all das erfordert sorgfältige Abwägung und ständige Weiterentwicklung der Methoden. Solare Stadtgestaltung ist deshalb immer auch ein Lern- und Aushandlungsprozess, der Fachwissen, Kreativität und Partizipation voraussetzt.

Am Ende steht die Erkenntnis: Wer mit der Sonne entwirft, gestaltet nicht nur schöne Plätze, sondern schafft nachhaltige, resiliente und lebenswerte Städte. Die solare Stadtgestaltung ist der Schlüssel zu einer urbanen Zukunft, in der Klima, Energie, Gesundheit und Lebensqualität im Einklang stehen – und in der die Sonne endlich als das erkannt wird, was sie ist: der wichtigste Planungsfaktor des 21. Jahrhunderts.

Fazit: Die solare Stadtgestaltung ist heute maßgeblich für den Erfolg nachhaltiger, klimaresilienter und attraktiver Städte verantwortlich. Sie erfordert ein tiefes Verständnis für Sonnenverlauf, Schattenmanagement und Ausrichtung, gepaart mit digitaler Kompetenz und planerischer Kreativität. Wer Sonnen- und Schattenverhältnisse von Anfang an als integralen Bestandteil der Planung begreift, schafft nicht nur bessere Freiräume, sondern entwickelt Städte, die den Herausforderungen unserer Zeit gewachsen sind. Die Zukunft gehört denen, die die Sonne nicht als Gegner, sondern als stärksten Verbündeten der Stadtgestaltung nutzen – mit Weitblick, Fachwissen und Mut zum Experiment.

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Domberg Freising: Neugestaltung von Latz + Partner

Ein gepflasterter Hof, an den Rändern von Häusern umgeben, im Zentrum ein Brunnen; auf dem Platz stehen viele Menschen. Im bayerischen Freising gestaltete das Büro Latz + Partner die Freianlagen auf dem Domberg neu. Im Zentrum des neu gestalteten Domplatzes findet sich nun wieder ein Brunnen. Foto: Latz + Partner
Im bayerischen Freising gestaltete das Büro Latz + Partner die Freianlagen auf dem Domberg neu. Im Zentrum des neu gestalteten Domplatzes findet sich nun wieder ein Brunnen. Foto: Latz + Partner

Im bayerischen Freising gestaltet das Büro Latz + Partner die Freianlagen auf dem Domberg neu. Mit Domplatz und Domhof wurde im Frühling 2024 der erste Bauabschnitt eröffnet. Im Interview zum Projekt erläutern Iris Dupper und Tilman Latz von Latz + Partner, was ihr Projekt ausmacht, welche Ansprüche heutzutage an den Domplatz gestellt werden und wie sie die Anlagen auf dem Domberg Freising inklusiver gestalteten.

Ein einzigartiger Resonanzraum

Redaktion G+L: Im Mai dieses Jahres eröffneten Sie den ersten Bauabschnitt Ihres Projektes auf dem Freisinger Domberg: Domplatz und Domhof, beide jeweils neu gestaltet beziehungsweise weiterentwickelt. Was zeichnet das Projekt aus?

Iris Dupper und Tilman Latz: Das Durchschreiten der Torbögen zu den neuen Freiräumen auf dem Domberg wird durch die Umgestaltungen zu einem besonderen Moment: Mit seiner durchgehenden, hellen Oberfläche erscheint der Domplatz wie eine Augenweide zwischen den umliegenden Fassaden von Dom, Marstall, Residenz, St.-Johannes-Kapelle und den Toren zum Belvedere. Locker verteilte Bänke markieren die Platzränder und erlauben heute lockeren Aufenthalt. Ein Brunnen erhebt sich in der Mitte, Wasser fällt aus größerer Höhe aus einem Füllhorn. Sanft plätscherndes Wasser erfüllt den Raum und untermalt die alltäglichen Geräusche von Passanten, Besuchenden, Musikschule und Kirchenveranstaltungen.

Man erlebt nun den Dom neben Dombrunnen und Residenz, zwischen den hohen Domtürmen, Otto von Freising im Grünen und dem schweifenden Ausblick über die flussbegleitenden Isar- und Moosachauen bis hin zum Alpenrand. Es ist ein einzigartiger Resonanzraum entstanden, der zum Verweilen einlädt. In diesem kommt man zur Ruhe, bevor man weiter in den Dom oder den Marstall geht.

Seit 2022 bearbeitet das Büro Latz + Partner im Auftrag des Erzbischöflichen Ordinariats München am Domberg in Freising den Domplatz, Belvedere, Domhof, Kreuzgarten, Flächen in der Residenz, am Neubau des Kardinal-Döpfner-Hauses, dem Anger und am Diözesanmuseum. Plan: Latz + Partner
Seit 2022 bearbeitet das Büro Latz + Partner im Auftrag des Erzbischöflichen Ordinariats München am Domberg in Freising den Domplatz, Belvedere, Domhof, Kreuzgarten, Flächen in der Residenz, am Neubau des Kardinal-Döpfner-Hauses, dem Anger und am Diözesanmuseum. Plan: Latz + Partner

Zentraler Brunnen am Domberg Freising wiedererrichtet

Wie sind sie zu der Gestaltung der zentralen Freiräume auf dem gekommen?

Drei Entscheidungen waren wesentlich:

Zunächst lässt sich eine konsequent kontextuelle Sprache auf den Domplatz und Domhof mit angemessener Materialität und Formensprache ein. Sie unterstreicht die räumlichen Gegebenheiten, wie unterschiedliche Baustile, Dimensionen und Materialität der begrenzenden Fassaden. Beide Räume haben mit diesem Ansatz eine jeweils in sich stimmige Einheit ausgebildet. Gleichzeitig trägt diese zur neuen Vielfalt von Räumen auf dem Domberg bei. Diese Vielfalt entspricht dem historisch überlieferten Bestand an Bauten und Baustilen.

Dann wurde von einer grob gekiesten Fläche zu einem gepflasterten, fein strukturierten Domplatz gewechselt. Dadurch werden auch die Nutzungsmöglichkeiten zeitlich und qualitativ deutlich erweitert und verbessert. Ein diagonal in Passé gesetztes, helles Pflaster stellt ein zurückhaltendes und gleichzeitig robustes Gleichgewicht zu den Architekturen her. Für das Pflaster kam Wachenzeller Dolomit mit Formaten von 8 x 8 bis 12 x 12 Zentimetern mit fein gekrönter Oberfläche und gespaltenen Seiten zum Einsatz. Es wird von materialgleichen, fächerartig gesetzten Plattenstreifen durchzogen. Diese Streifen führen die asymmetrisch zueinander stehenden Fassaden von Dom und Residenz zusammen. In ihrer Größe abgestufte, halbrunde und runde Fassungen betonen die den Plätzen zugewandten Eingänge und den zentralen Brunnen. Dabei wurden die Hauptakteure – Dom, Residenz und Dombrunnen – repräsentativ in der Fläche herausgearbeitet.

Schließlich erhält der Domplatz über die Wiedererrichtung eines zentral gesetzten Brunnens eine seiner Bedeutung entsprechende, attraktive Mitte zurück.

Im Zentrum des Domplatzes auf dem Domberg in Freising stellten der Bauherr und die Planer*innen den Brunnen mit der historischen Skulptur des „Mohren“ wieder auf. Foto: Latz + Partner
Im Zentrum des Domplatzes auf dem Domberg in Freising stellten der Bauherr und die Planer*innen den Brunnen mit der historischen Skulptur des „Mohren“ wieder auf. Foto: Latz + Partner

Räumliches Gefüge neu wahrnehmbar

Was ist der historische Hintergrund des wieder errichteten Brunnens?

Der neue Brunnen interpretiert die vielen Erscheinungsformen, die diese Wasserstelle bis zu seiner Entfernung in der Säkularisation 1803 hatte: erst Pferdeschwemme, dann barocker Brunnen, aber ab 1857 nur noch ein Pflanzbeet mit einer Skulptur von Otto von Freising. Ein neues Rund aus gespaltenen Flusskieseln fasst einen horizontal eingepassten Sockel. Darauf findet sich der neue Brunnen aus Untersberger Marmor mit einer hohen Säule, an dessen Spitze die historische Figur des „Mohren“ ein Füllhorn als Wasserquelle hält. Die Skulptur ist tatsächlich das Original des Hoheitszeichens des Hochstifts Freising. Gemeinsam mit dem Bauherrn beschlossen wir, den Brunnen wieder auf den Domplatz zu stellen. Die Figur von Otto von Freising von Bildhauer Kaspar Zumbusch sollte in Folge dessen in den stilleren, erstmals grünen Domhof versetzt werden. Von dort blickt er heute auf den Durchgang zum Domplatz und die beiden Domtürme, umgeben von Insekten-umschwärmten, schönen Blumen.

Durch diese Veränderungen entstand eine neue Wahrnehmung der Raumfolgen auf dem Domberg.

Zeitgemäße Gestaltung gefragt

Inwiefern muss ein Domplatz anderen Anforderungen gerecht werden als ein profaner Stadtplatz? Wie zeigt sich das in der Gestaltung am Domberg in Freising?

Historisch standen sowohl bei einem Domplatz als auch bei einem „profanen“ Stadtplatz Repräsentationsmöglichkeiten, Funktionalität und Alltagstauglichkeit gleichermaßen im Vordergrund. Im Detail wies die Symbolik geistlicher und weltlicher Art jedoch oft Unterschiede auf. Kirchliche Auftraggeber formulierten nicht selten einen deutlich höheren Anspruch an gestalterische Setzungen. Zudem beauftragten sie mitunter große Baumeister und Künstler für die Gestaltung öffentlichen Raums.

Heute müssen sich beide in gewisser Weise „neu finden“ und gleichermaßen mit oft überbordenden Rechtsvorschriften und Normen, lokalem Denkmal- und Naturschutz, komplexen technischen Anforderungen auseinandersetzen. Man denke nur an unterirdische Leitungen oder Bauten und zunehmende Herausforderungen des Klimawandels. Eine zunehmende Rolle spielen öffentliche Interessenlagen einer diverseren Freizeitgesellschaft, Platz-Klischees und kurzlebige Moden.

Spezifisch am Domplatz Freising ist die Beauftragung durch einen kulturell hochambitionierten, gleichzeitig verantwortlich handelnden wie gesellschaftlich engagierten, privaten Auftraggeber. Das Erzbischöfliche Ordinariat München (EOM) beauftragte uns 2022 mit der Bearbeitung der öffentlichen Räume auf dem Domberg: Domplatz mit Belvedere, Domhof und Kreuzgarten, Flächen im und um die Residenz, Neubau des Kardinal-Döpfner-Hauses (KDH) und um Diözesanmuseum wie auch langer Anger. Der Domberg ist das geistliche Zentrum der Erzdiözese München und Freising. Es ging der EOM um eine zeitgemäße Gestaltung, die einerseits eine angemessene Antwort auf die komplexe räumliche Situation aus verschiedensten Jahrhunderten anzubieten vermag. Andererseits ging es auch darum, verschiedene öffentliche wie private Nutzungsanforderungen und diffizile Fragen des Denkmalschutzes zu integrieren. Auch die besondere Geschichte des Ortes und Bedeutung für Freising galt es zu berücksichtigen.

Plätze zum Im-Augenblick-Verweilen auf dem Domberg Freising

Worauf mussten Sie bei der Umgestaltung achten und was haben Sie im Zuge Ihres Projektes am Domberg im Freising umgesetzt?

Wichtig waren dem Bauherrn zum einen Sicht- und Wegebeziehungen, vor allem zwischen Residenz und Dom, die zum Beispiel bei Prozessionen wichtig sind. Zum anderen waren Nutzungen für Feste mit Musik, Veranstaltungen und Märkte relevant. Die Lage des Brunnes erklärt sich unter anderem durch die gleichzeitige Bedeutung von direkter Verbindung und Inszenierung solcher Bewegungen. Eine Betonung der Hauptbezugsfassaden aus denkmalpflegerischer Sicht war es am Ende auch, die eine Setzung von Bäumen grundsätzlich problematisch erscheinen ließ. Hinzu kamen schwierige Untergrundverhältnisse, die nachhaltige Baumpflanzungen nicht ermöglichten.

Die Akzentuierung der Haupt- und Nebenakteure in der Fläche forderte eine intensive Auseinandersetzung mit der Topografie und Ausrichtung des Platzes. So entwickelten wir ein regelmäßig-konkave Gestaltung des Platzes, die die Fassaden um den Platz betont und den Brunnen in der Mitte unterstützt. Bei einer deutlich im Gefälle liegenden, unversiegelten Platzfläche – ein wichtiges Nachhaltigkeitsziel – mussten wir daher von einer Punktentwässerung auf eine Linienentwässerung wechseln.
Der zentrale Domplatz, als unter Denkmalschutz stehendes Bodendenkmal und Hauptzugang zum Dom und Residenz, und der Domhof, als Nebeneingang in die Dombibliothek und barrierefreier Zugang zu Sakristei und Kreuzgang, sind zum Start der Bayerischen Landesausstellung am 7. Mai 2024 fertiggestellt worden. Nun gibt es auf dem Domberg Plätze zum Verweilen im Augenblick und ohne Konsumzwang.

Bei der Erstellung des letzten Bauabschnittes wird uns noch die Problematik der zur Parkhauszufahrt führenden Straße beschäftigen, die quer über den oberen Platzbereich verläuft. Deren Integration und die gleichzeitige Sicherung der Platzfläche gegen unkontrolliertes Parken wird aber erst mit Abschluss der Bauarbeiten an der Residenz erfolgen.

Die Skulptur Otto von Freisings, die bislang im Domhof stand, verstzten die Planer*innen im Zuge der Neugestaltung in den Domhof. Foto: Latz + Partner
Die Skulptur Otto von Freisings, die bislang im Domhof stand, verstzten die Planer*innen im Zuge der Neugestaltung in den Domhof. Foto: Latz + Partner

Kleine, aber bedeutsame Schritte

Wer schon einmal auf dem Domberg in Freising war, weiß, dass es dort steil hinauf geht. Ein wichtiger Aspekt Ihres Projektes ist Barrierefreiheit. Wie konnten Sie diese bei der Neugestaltung von Domplatz und Domhof verbessern? Und wo stießen Sie dann doch an Grenzen und warum?

Ein topografisch exponiertes und denkmalgeschütztes Gelände wie der Domberg ermöglicht nur kleine, aber bedeutsame Schritte hin zu einer inklusiv begehbaren Anlage.

Neben der Befestigung von Domhof und Domplatz und weg von einer Rieselfläche sind es vor allem kleine Maßnahmen. Das sind zum Beispiel das Anbringen von Handläufen an allen Treppen, rampenartige Zugänge und ebene Durchwegungen mit maximal 5 Prozent Neigungen in den Einzelflächen. Zur Barrierefreiheit gehören für uns ebenfalls die Bereitstellung öffentlicher Toiletten im Durchgang zum Domhof sowie die Positionierung von ausreichend Bänken zum Ausruhen.

Dennoch wird es auch weiterhin Bereiche geben, die nur über Stufen oder deutlich steilere Rampen erreichbar sein werden, wie zum Beispiel das Erreichen der Domberggasse. Dazu gehört zum einen das Belvedere, dessen Einfriedung nicht verändert werden kann. Auch werden wir keine Rampen in den Anger einfügen, um gegebenenfalls die Erschließung zwischen Domberggasse und den verschiedenen Plätzen zu verbessern. Des Weiteren wirkt der Baumbestand auf das Mikroklima.

Freilich war hierzu die wichtigste Entscheidung der EOM, einen Schrägaufzug auf der Südseite des Domberges anzubringen. Dieser verbindet, gut zwischen Bahnhof und Fußgängerzone gelegen, das allgemeine Stadtniveau direkt mit dem Diözesanmuseum. Tatsächlich kann der Schrägaufzug bereits als weitere Attraktion des Dombergs verstanden werden.

Projektdaten

Auftraggeber: Erzdiözese München und Freising

Konzeption: Latz + Partner Prof. Tilman Latz und Iris Dupper

Projektleitung: Dennis Pytlik, Dörte Dannemann

Mitarbeit: Roland Jakob, Junyue Deng, Vera Margasova

Planung seit 2022, Realisierung BA1 Mai 2024

LPH 6–8: NU Stefan Huber Landschaftsarchitektur

Fläche: circa 1 Hektar

Interviewees

Iris Dupper, Landschaftsarchitektin, ist Partnerin und Geschäftsführerin von Latz + Partner. Zuvor hatte sie Studios Îlot für Landschaftsarchitektur, München, gegründet. 2006 war sie die erste Rompreis-Stipendiatin der Villa Massimo für Landschaftsarchitektur.

Tilman Latz, Landschaftsarchitekt, Architekt und Stadtplaner, ist seit 2011 Inhaber und Chefdesigner von Latz + Partner. Seit 2022 hat er die Professur für Planen und Entwerfen in der Landschaftsarchitektur an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf inne.

 

Anmerkung der Redaktion: Der Begriff des „Mohr“ bzw. des „Freisinger Mohr“, der sich auch im Wappen des Landkreises findet, ist in der Bezeichnung des Brunnens sowie der Berichterstattung zu diesem gängig. Zum Hintergrund des Wappens sowie zur Verwendung des Begriffs findet sich eine Erklärung auf der Webseite des Landkreises Freising.

Andere Quellen schätzen den Begriff kritischer ein, so beispielsweise die Ausführungen des Instituts für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität Berlin zur Umbenennung der „Mohrenstraße“.

Im Zusammenhang mit dem Begriff gibt es immer wieder Debatten um Umbenennungen, wie etwa auch in dem bereits erwähnten Fall der Berliner Straße und gleich benannten U-Bahn-Station „Mohrenstraße“.

 

Weiterlesen: In der Oktoberausgabe 2024 der G+L widmen wir uns Orten des Glaubens. Das Heft ist in unserem Shop erhältlich. Einen ersten Einblick in die Ausgabe gibt Theresa Ramisch in ihrem Editorial.

Hamburger Preis für Grüne Bauten 2025- Jetzt bewerben!

Grüne Architektur für eine lebenswerte Zukunft: Dach- und Fassadenbegrünungen im Fokus des Hamburger Preises für Grüne Bauten 2025. Foto: BUKEA IsadoraTast
Grüne Architektur für eine lebenswerte Zukunft: Dach- und Fassadenbegrünungen im Fokus des Hamburger Preises für Grüne Bauten 2025. Foto: BUKEA IsadoraTast

Hamburg sucht seine schönsten und innovativsten grünen Oasen – auf Dächern, an Fassaden und in Innenräumen. Der „Hamburger Preis für Grüne Bauten“ würdigt erneut Projekte, die Architektur mit Natur vereinen und die urbane Lebensqualität revolutionieren.

In Zeiten wachsender Städte und zunehmender Klimabelastungen gewinnt eine alte Idee neue Kraft: die Begrünung von Gebäuden. Ob Dachgärten, vertikale Gärten oder grüne Innenräume – überall, wo Pflanzen auf und an Bauwerken gedeihen, entsteht mehr als bloß ein ästhetischer Mehrwert. Sie schaffen ökologische Rückzugsräume, senken Temperaturen, binden Feinstaub, fördern die Biodiversität – und leisten einen essenziellen Beitrag zur Klimaanpassung urbaner Räume.

Mit dem „Hamburger Preis für Grüne Bauten“ unterstreicht die Freie und Hansestadt Hamburg, wie ernst sie es mit der ökologischen Stadtentwicklung meint. Ausgelobt von der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA), würdigt der Wettbewerb visionäre Projekte, die Nachhaltigkeit, Design und Funktionalität harmonisch vereinen.

Nachhaltige Architektur mit Vorbildcharakter

Der Wettbewerb ist nicht nur eine Bühne für Gestalter*innen, Planer*innen und Eigentümer*innen, sondern auch ein politisches Statement. Die Initiative ist Teil der Hamburger Gründachstrategie, die sich zum Ziel gesetzt hat, mindestens 70 Prozent der Neubauten mit flach geneigten Dächern sowie geeignete Flachdachsanierungen zu begrünen. Die Botschaft ist eindeutig: Begrünung ist kein freiwilliges Extra mehr – sie ist Notwendigkeit, Verpflichtung und Chance zugleich.

Grüne Bauten stehen exemplarisch für ein neues Verständnis von Stadt. Sie machen urbane Räume lebenswert, wandelbar und resilient. So verwandeln sich ansonsten ungenutzte Dachflächen in grüne Rückzugsorte, während begrünte Fassaden für bessere Luft, angenehmeres Mikroklima und reduzierte Hitzeinseln sorgen. Auch innenarchitektonisch setzt sich der Trend fort: Innenraumbegrünungen steigern nachweislich das Wohlbefinden, senken den Stresspegel und fördern die Konzentration – besonders relevant für Büro- und Bildungseinrichtungen.

Teilnahmebedingungen und Bewertungskriterien

Der „Hamburger Preis für Grüne Bauten“ richtet sich an alle Eigentümer*innen, Mieter*innen sowie Planer*innen aus Hamburg und den angrenzenden Landkreisen, die an einem Begrünungsprojekt beteiligt sind. Ob private Dachterrasse, Bürogebäude mit Fassadengrün oder ein Atrium voller Pflanzen – zugelassen ist jede Fläche, die sich durch eine durchdachte grüne Gestaltung auszeichnet.

Die Teilnahme ist einfach und kostenfrei. Einzureichen sind:

  • ein ausgefüllter Teilnahmebogen,

  • sowie zwei aussagekräftige Fotos der begrünten Fläche.

Einreichungsfrist ist der 24. August 2025, der Startschuss fällt am 23. Mai. Anschließend bewertet eine interdisziplinäre Expert*innenjury die eingegangenen Projekte. Im Mittelpunkt der Beurteilung stehen:

  • der ökologische Nutzen,

  • die Funktionalität für Nutzer:innen,

  • die wirtschaftliche Tragfähigkeit,

  • sowie die gestalterische Qualität des Projekts.

Die Gewinner:innen dürfen sich auf attraktive Geld- und Sachpreise freuen. Darüber hinaus erhalten sie öffentliche Anerkennung: Die prämierten Projekte werden in einer Ausstellung vorgestellt und über Pressekanäle verbreitet – ein wertvoller Multiplikatoreffekt für alle Beteiligten

Warum Grüne Bauten die Stadt der Zukunft prägen

Die Klimakrise zwingt Städte weltweit zum Umdenken – Hamburg nimmt hierbei eine Vorreiterrolle ein. Grüne Architektur ist nicht nur Ausdruck von Umweltbewusstsein, sondern strategischer Teil der Stadtentwicklung. Denn die Folgen des Klimawandels – Hitze, Starkregen, Luftverschmutzung – lassen sich durch intelligente Begrünungskonzepte abmildern.

Besonders in hochverdichteten Vierteln, wo Freiflächen rar sind, liefern begrünte Dächer und Fassaden dringend benötigte Kompensationsflächen. Sie dienen als Wasserspeicher bei Starkregen, reduzieren die Aufheizung im Sommer, und schaffen Lebensraum für Insekten und Vögel – ein Beitrag zur urbanen Biodiversität, der kaum hoch genug bewertet werden kann.

Darüber hinaus eröffnet die Verbindung von Natur und Architektur neue gestalterische Horizonte. Begrünte Gebäude setzen visuelle Akzente, erzeugen emotionale Anziehungskraft und sind ein starkes Symbol für eine nachhaltige Zukunft.

Ein Appell an Stadtgestalter*innen, Eigentümer*innen und Bürger*innen

Der „Hamburger Preis für Grüne Bauten“ ist weit mehr als ein Architekturwettbewerb. Er ist ein Appell an alle, die unsere Städte lebenswerter, gesünder und zukunftsfähiger machen wollen. Die Förderung von Dach- und Fassadenbegrünung ist kein isoliertes Projekt, sondern ein zentraler Baustein auf dem Weg zu einer klimaangepassten Metropole.

Hamburg zeigt mit diesem Wettbewerb, wie ökologische Verantwortung, bürgerliches Engagement und architektonische Kreativität Hand in Hand gehen können. Jeder Quadratmeter zählt – nicht nur fürs Stadtbild, sondern für unser aller Zukunft.

Weitere Informationen, Teilnahmebedingungen und Ausschreibungsunterlagen sind abrufbar unter: www.hamburg.de/go/gruendach