Stadtplatz Traunstein Veranstaltungen: Gestaltung, Funktion und Beispiele

Ein gestalteter öffentlicher Freiraum zum Thema Stadtplatz Traunstein Veranstaltungen
Fußgänger bewegen sich durch eine urbane Straßenschlucht zwischen Hochhäusern. Foto: derickray/Unsplash

Ein gut gestalteter Stadtplatz ist mehr als ein befestigter Freiraum zwischen Gebäuden. Er ist das räumliche Gedächtnis einer Stadt, der Ort, an dem Gemeinschaft sichtbar wird, Handel stattfindet und Kultur sich entfaltet. Der Stadtplatz Traunstein steht exemplarisch für diesen Anspruch: Als zentraler Versammlungsort der oberbayerischen Kreisstadt verbindet er historische Raumstruktur mit zeitgemäßer Nutzung, und seine Veranstaltungen machen ihn zu einem lebendigen Spiegel städtischer Identität. Wer verstehen will, wie Platzgestaltung und Veranstaltungsnutzung zusammenwirken, findet hier ein lehrreiches und vielschichtiges Beispiel.

  • Was den Stadtplatz Traunstein räumlich und historisch auszeichnet und wie seine Gestalt entstanden ist
  • Welche Funktion der Platz im Stadtgefüge erfüllt und wie Veranstaltungen diese Funktion prägen
  • Wie Platzgestaltung und Veranstaltungsinfrastruktur planungstechnisch zusammengedacht werden müssen
  • Welche Veranstaltungstypen auf dem Stadtplatz Traunstein stattfinden und wie sie den Raum nutzen
  • Welche Anforderungen Märkte, Feste und kulturelle Formate an Belag, Möblierung und Technik stellen
  • Wie Freiraumplanung und Stadtplanung den Zielkonflikt zwischen Alltagsnutzung und Veranstaltungsbetrieb lösen
  • Welche Fehler bei der Gestaltung von Veranstaltungsplätzen häufig gemacht werden und wie sie sich vermeiden lassen
  • Was der Stadtplatz Traunstein als Planungsbeispiel für andere Mittelstädte lehrt

Stadtplatz Traunstein: Räumliche Struktur und historische Einordnung

Der Stadtplatz Traunstein gehört zu jenen mittelalterlich geprägten Marktplatzanlagen, die das Bild vieler bayerischer Städte bis heute bestimmen. Die langgestreckte, leicht trapezförmige Platzanlage folgt einer Raumlogik, die im späten Mittelalter für Markt- und Handelsstädte typisch war: Ein breiter, gut proportionierter Straßenraum mit begleitender Bebauung aus Bürgerhäusern, Gasthöfen und öffentlichen Gebäuden bildete das wirtschaftliche und gesellschaftliche Zentrum. Diese Grundform ist in Traunstein trotz aller Überformungen durch Jahrhunderte hindurch ablesbar geblieben.

Die umgebende Bebauung aus Laubengängen, Erkern und historischen Fassaden verleiht dem Platz eine räumliche Fassung, die in der Freiraumplanung als wesentliche Qualität gilt. Gefasste Platzräume, also solche, bei denen die umgebenden Gebäude eine klare Raumkante bilden, besitzen eine höhere Aufenthaltsqualität als offene, ungefasste Flächen. Sie erzeugen ein Gefühl von Geborgenheit und Orientierung, das Besucher intuitiv wahrnehmen, ohne es benennen zu können. Für die Veranstaltungsnutzung ist diese Raumfassung ein erheblicher Vorteil: Sie definiert den Bühnenraum, lenkt Besucherströme und schafft natürliche Kulissen.

Historisch war der Stadtplatz Traunstein Schauplatz des Wochenmarkts, der das wirtschaftliche Leben der Stadt strukturierte. Diese Marktfunktion hat den Platz physisch geformt: Die Breite des Platzes, die Abstände zwischen den Hauseingängen, die Lage von Brunnen und Denkmälern, all das folgt einer Logik, die auf die gleichzeitige Nutzung durch Händler und Käufer ausgelegt war. Diese historische Dimension ist kein nostalgisches Beiwerk, sondern eine funktionale Erbschaft, die bis in heutige Planungsentscheidungen hineinwirkt.

Veranstaltungen auf dem Stadtplatz Traunstein: Typen, Formate und Nutzungslogik

Die Veranstaltungen auf dem Stadtplatz Traunstein lassen sich in mehrere funktionale Kategorien einteilen, die jeweils unterschiedliche Anforderungen an den Raum stellen. Wochenmärkte und Saisonmärkte sind die älteste und kontinuierlichste Nutzungsform. Sie erfordern eine regelmäßig bespielbare, befestigte Fläche mit ausreichend Platz für Standaufbauten, Besucherströme und die Anlieferung durch Händlerfahrzeuge. Der Wochenmarkt auf dem Stadtplatz Traunstein ist dabei nicht nur Versorgungsinfrastruktur, sondern auch sozialer Treffpunkt, der die Alltagsqualität des Platzes maßgeblich mitbestimmt.

Saisonale Großveranstaltungen wie der Christkindlmarkt oder das Stadtfest sind von anderer Dimension. Sie überlagern die Alltagsnutzung des Platzes vollständig und verlangen temporäre Infrastruktur: Bühnenaufbauten, Stromversorgung, Beleuchtungsanlagen, Absperrungen und Sanitäreinrichtungen. Für die Freiraumplanung stellt sich dabei die Frage, wie diese temporären Einbauten mit der dauerhaften Gestaltung des Platzes in Einklang gebracht werden können. Bodenbeläge müssen belastbar genug sein, um Fahrzeugverkehr bei Auf- und Abbau zu ertragen; gleichzeitig sollen sie ästhetisch anspruchsvoll genug sein, um den Platz auch ohne Veranstaltungsbetrieb attraktiv zu halten.

Kulturelle Formate wie Freilichtkonzerte, Theateraufführungen oder Filmvorführungen nutzen den Stadtplatz Traunstein als Bühne im wörtlichen Sinne. Die historische Gebäudekulisse übernimmt dabei die Funktion eines Bühnenbilds, das kein Bühnenbild ersetzen kann. Diese Nutzungsform stellt besondere Anforderungen an die Akustik des Raums, an die Ausrichtung von Bühnenstandorten und an die Sichtlinien für das Publikum. Ein gut gestalteter Stadtplatz antizipiert solche Nutzungen in seiner Grundkonzeption, indem er Flächen mit unterschiedlicher Neigung, Möblierungsdichte und Belagstruktur vorsieht.

Der Christkindlmarkt als Sonderfall der Veranstaltungsplanung

Der Traunsteiner Christkindlmarkt ist eines der bekanntesten Beispiele für die saisonale Transformation eines Stadtplatzes. Für mehrere Wochen im Jahr verwandelt sich der Stadtplatz Traunstein in ein dicht bespieltes Markttreiben, das die Alltagsnutzung vollständig verdrängt und gleichzeitig eine eigene Atmosphäre erzeugt, die auf der historischen Raumstruktur aufbaut. Die Holzstände, Lichtinstallationen und Baumschmuckelemente fügen sich in die Proportionen des Platzes ein und verstärken die räumliche Fassung, anstatt sie zu zerstören.

Planungstechnisch ist ein Weihnachtsmarkt dieser Größenordnung eine logistische Herausforderung. Die Standanordnung muss Besucherströme lenken, ohne Engpässe zu erzeugen; Fluchtwege und Notausgänge müssen auch bei voller Belegung freigehalten werden; die Stromversorgung muss ausreichend dimensioniert und sicher verlegt sein. All das erfordert eine enge Abstimmung zwischen Veranstaltungsorganisation, Tiefbauamt, Feuerwehr und Freiraumplanung, die idealerweise schon in der Grundlagenplanung des Platzes berücksichtigt wird.

Gestaltungsprinzipien für veranstaltungstaugliche Stadtplätze

Ein Stadtplatz, der Veranstaltungen dauerhaft und qualitätsvoll aufnehmen soll, muss von Anfang an als multifunktionaler Raum geplant werden. Das klingt selbstverständlich, ist es in der Praxis aber nicht. Viele Platzgestaltungen scheitern daran, dass sie entweder zu stark auf die Alltagsnutzung ausgerichtet sind und Veranstaltungen nur mit erheblichem Aufwand möglich machen, oder umgekehrt so stark auf Veranstaltungsbetrieb optimiert sind, dass sie im Alltag als öde Flächen wahrgenommen werden.

Der Bodenbelag ist eines der zentralen Gestaltungselemente. Für veranstaltungsintensive Stadtplätze haben sich großformatige Natursteinpflasterungen aus Granit oder Porphyr bewährt, die sowohl ästhetisch anspruchsvoll als auch mechanisch belastbar sind. Kleinsteinpflaster aus historischen Beständen ist zwar atmosphärisch reizvoll, aber für Fahrzeugverkehr bei Veranstaltungsauf- und -abbau problematisch und für mobilitätseingeschränkte Personen oft unzumutbar. Moderne Platzgestaltungen kombinieren häufig glattere Laufzonen aus Betonwerkstein oder Naturstein mit strukturierteren Randbereichen, die Orientierung bieten und gleichzeitig Entwässerung und Begrünung ermöglichen.

Versorgungsinfrastruktur, die unsichtbar in den Platz integriert ist, gehört zu den wichtigsten Planungsleistungen bei veranstaltungstauglichen Stadtplätzen. Unterflurverteiler für Strom und Wasser, Leerrohre für temporäre Kabelführungen, Abwasseranschlüsse für mobile Gastronomie und Sanitäranlagen sowie Anschlusspunkte für Bühnenbeleuchtung und Beschallungsanlagen sollten in der Grundlagenplanung vorgesehen werden. Nachträgliche Nachrüstungen sind teuer, optisch störend und führen häufig zu Kompromisslösungen, die weder funktional noch gestalterisch überzeugen.

Die Möblierung eines Stadtplatzes, also Bänke, Brunnen, Bäume, Beleuchtungsmasten und Fahrradabstellanlagen, muss flexibel genug sein, um Veranstaltungsnutzungen nicht dauerhaft zu blockieren. Fest installierte Bänke in der Platzmitte sind für Märkte und Feste ein Hindernis; Bäume in ungünstiger Position beschränken Bühnenstandorte und Sichtlinien. Eine gute Platzgestaltung positioniert dauerhafte Elemente so, dass sie die Veranstaltungsnutzung rahmen und unterstützen, anstatt sie zu behindern. Baumreihen entlang der Platzränder, Brunnen an definierten Eckpunkten und Beleuchtungsmasten in Abständen, die sowohl Alltagsbeleuchtung als auch Veranstaltungsrigging ermöglichen, sind bewährte Lösungen.

Zielkonflikte zwischen Alltagsnutzung und Veranstaltungsbetrieb

Der Stadtplatz Traunstein steht, wie viele Innenstadtplätze in Mittelstädten, vor einem strukturellen Zielkonflikt: Er soll gleichzeitig ruhiger Aufenthaltsort für den Alltag, lebendiger Marktplatz für den Wochenmarkt, Bühne für Großveranstaltungen und Durchgangsraum für Fußgänger sein. Diese Nutzungsansprüche sind nicht immer vereinbar, und eine gute Freiraumplanung muss explizit entscheiden, welche Nutzungen Vorrang haben und wie Konflikte räumlich oder zeitlich gelöst werden.

Zeitliche Zonierung ist dabei oft wirksamer als räumliche Trennung. Ein Stadtplatz, der am Samstagvormittag Wochenmarkt, am Samstagabend Konzert und am Sonntag ruhigen Aufenthalt ermöglicht, ohne dass diese Nutzungen sich dauerhaft behindern, ist das Ergebnis einer durchdachten Veranstaltungsplanung in Kombination mit einer flexiblen Platzgestaltung. Dafür braucht es klare Absprachen zwischen Stadtverwaltung, Veranstaltungsorganisatoren und den Nutzern des Platzes im Alltag, also Anwohnern, Gastronomen und Einzelhändlern.

Ein häufig unterschätzter Konflikt ist der zwischen Veranstaltungsverkehr und der Aufenthaltsqualität des Platzes. Schwere Fahrzeuge für Bühnenaufbau und Marktstandanlieferung belasten Belag und Unterbau erheblich. Wenn der Platz nicht für diese Belastungen ausgelegt ist, entstehen Schäden am Pflaster, die nicht nur optisch stören, sondern auch Stolperfallen für Fußgänger erzeugen. Die Dimensionierung des Unterbaus nach den Anforderungen des gelegentlichen Schwerlastverkehrs, nicht nur nach denen des Fußgängerbetriebs, ist eine der wichtigsten und am häufigsten vernachlässigten Planungsleistungen bei Stadtplätzen mit Veranstaltungsnutzung.

Barrierefreiheit als Daueraufgabe

Veranstaltungen auf dem Stadtplatz Traunstein müssen für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich sein. Barrierefreiheit ist dabei keine optionale Zusatzleistung, sondern eine rechtliche und ethische Grundanforderung. Für die Platzgestaltung bedeutet das: ebene, rutschfeste Laufzonen, taktile Leitelemente für sehbehinderte Personen, ausreichend breite Durchgänge auch bei Marktbetrieb und barrierefrei erreichbare Bühnen- und Veranstaltungsbereiche. Temporäre Veranstaltungsaufbauten dürfen bestehende Barrierefreiheitsinfrastruktur nicht blockieren; das ist eine Anforderung, die in der Veranstaltungsgenehmigung explizit geregelt werden sollte.

Begrünung, Klimaanpassung und Veranstaltungsnutzung im Widerspruch?

Die Klimaanpassung von Innenstadtplätzen durch Begrünung, Verschattung und Verdunstungskühlung ist eine der zentralen Aufgaben der Freiraumplanung. Für Veranstaltungsplätze entsteht dabei ein scheinbarer Widerspruch: Bäume, die Schatten spenden und das Mikroklima verbessern, belegen Fläche, die für Marktbetrieb und Veranstaltungsaufbauten benötigt wird. Wurzelräume unter Pflasterflächen vertragen keine schwere Überfahrt; Baumkronen begrenzen die Höhe von Bühnenaufbauten und Zeltkonstruktionen.

Dieser Widerspruch ist lösbar, aber er erfordert eine frühzeitige und integrierte Planung. Baumstandorte müssen so gewählt werden, dass sie Veranstaltungsflächen rahmen, ohne sie zu blockieren. Hochstämmige Bäume mit schlanker Krone, wie bestimmte Sorten von Zierkirsche, Gleditschie oder Stadtlinde, bieten Beschattung und Klimaeffekt, ohne die Nutzfläche des Platzes übermäßig einzuschränken. Wurzelschutzmaßnahmen wie Baumroste, Tiefbeete mit Struktursubstrat oder unterirdische Wurzelführungssysteme ermöglichen es, Bäume auch in stark belasteten Pflasterflächen dauerhaft vital zu halten.

Trinkwasserbrunnen und Nebelsprühanlagen sind weitere Elemente der Klimaanpassung, die mit der Veranstaltungsnutzung vereinbar sind, wenn sie richtig positioniert werden. Sie verbessern das Mikroklima an heißen Sommertagen, erhöhen die Aufenthaltsqualität und können gleichzeitig als gestalterische Akzente dienen. Für den Stadtplatz Traunstein, der in einer Region mit zunehmend heißen Sommern liegt, ist die Integration solcher Elemente keine Luxusoption, sondern eine mittelfristig notwendige Investition in die Nutzbarkeit des Platzes.

Was der Stadtplatz Traunstein als Planungsbeispiel lehrt

Der Stadtplatz Traunstein ist kein Sonderfall, sondern ein repräsentatives Beispiel für die Herausforderungen und Qualitäten mittelstädtischer Innenstadtplätze in Bayern und darüber hinaus. Seine historische Raumstruktur, seine Veranstaltungsvielfalt und die damit verbundenen Planungsaufgaben sind in ähnlicher Form in Hunderten von Städten anzutreffen. Was ihn lehrreich macht, ist die Sichtbarkeit dieser Zusammenhänge: Wer den Platz besucht und beobachtet, wie er sich zwischen Wochenmarkt, Stadtfest und ruhigem Alltag verwandelt, versteht unmittelbar, was gute Platzgestaltung leisten kann und wo ihre Grenzen liegen.

Für die Freiraumplanung lassen sich aus diesem Beispiel konkrete Schlussfolgerungen ziehen. Erstens: Veranstaltungsnutzung muss von Anfang an als gleichwertige Nutzungsanforderung in die Platzplanung einfließen, nicht als nachträgliche Ergänzung. Zweitens: Die Qualität eines Stadtplatzes bemisst sich nicht allein an seiner Gestaltung im Ruhezustand, sondern an seiner Fähigkeit, unterschiedliche Nutzungen über die Zeit aufzunehmen, ohne dabei an Qualität zu verlieren. Drittens: Historische Raumstrukturen sind keine Einschränkung, sondern eine Ressource. Die räumliche Fassung, die Proportionen und die atmosphärische Dichte eines historischen Stadtplatzes sind Qualitäten, die kein Neubau ohne weiteres erzeugen kann.

Die Stadtplatz Traunstein Veranstaltungen zeigen schließlich, dass ein gut gestalteter und gut bespielter Platz eine wirtschaftliche und soziale Funktion erfüllt, die weit über den Freiraum selbst hinausgeht. Er stärkt den Einzelhandel in der Umgebung, er zieht Besucher aus dem Umland an, er schafft Identifikation für die Stadtbevölkerung und er macht die Stadt als Ganzes attraktiver. Diese Wirkungen sind nicht zufällig, sondern das Ergebnis bewusster Planungsentscheidungen, die Gestaltung, Nutzung und Pflege als untrennbare Einheit begreifen. Stadtplätze, die das beherzigen, werden zu dem, was sie sein sollen: zum Herzstück ihrer Stadt.

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Bundesgartenschau Welterbe Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal

BUGA 2029: Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal

Schon jetzt wird über die BUGA 2029 am Mittelrhein nachgedacht. Zur Vorbereitung der Schau haben die Hochschulen der Region nun einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Denn der Entwicklungsprozess auf dem Weg zur BUGA stellt auch für die Hochschulen eine besondere Chance dar.

Es sind noch sieben Jahre Zeit. Erst 2029 lädt das Welterbe Oberes Mittelrheintal zu einer Bundesgartenschau ein. Dennoch startet schon heute die Vorbereitung. Denn mit der BUGA 2029 stehen Entwicklungen im Mittelrheintal an, die auch für die Hochschulen vor Ort relevant sind. Vor dem Hintergrund haben die Technische Hochschule Bingen, die Hochschule Koblenz, die Universität Koblenz-Landau und die Hochschule Geisenheim einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. In diesem vereinbaren die vier Institutionen den Weg bis zur BUGA gemeinsam zu gestalten.

Die Bundesgartenschau 2029 wird in die Kulturlandschaft des Oberen Mittelrheintals eingebettet sein. Da sie auf einer Strecke von 67 Kilometern den Rhein begleitet, lebt die Schau von dezentralen Schwerpunkten. Diese liegen zwischen Koblenz im Norden und Bingen sowie Rüdesheim im Süden. Bereits die Machbarkeitsstudie für die BUGA 2029 sah in der Erneuerung der touristisch nutzbaren Infrastruktur eine große Chance. Neben Erneuerungen und Sanierungen zum Beispiel am Loreley-Plateau sollen auch Burggärten zu attraktiven Touristenzielen werden. Aber auch technische Infrastrukturen, wie Breitband-Anschlüsse und mobiles Internet müssen in der Region gestärkt werden. Und da Digitales und BUGA im Jahr 2029 garantiert zusammen hängen werden, soll die Bundesgartenschau auch die erste komplett digital erlebbare Schau werden.

Gemeinsam vorbereiten

Der Vertrag der vier Hochschulen sieht vor, dass sich die Bildungseinrichtungen gemeinsam an der Vorbereitung der BUGA 2029 beteiligen. Darüber hinaus haben sie entschieden, auf der BUGA selber zusammen aufzutreten. Ein gemeinsamer Auftritt ist dabei mehr als nur ein Stand. Eine gemeinsame Präsenz zeigt sich auch in vielfältigen Kooperationen in Lehre und Forschung. Die wird schon seit Jahren in verschiedenen, kooperativen Studiengängen gelebt. Darüber hinaus denken die Hochschulen der Region über gemeinsame Veranstaltungen wie Tagungen, Vortragsreihen und Workshops nach. Aber auch Ausstellungsbeiträge und Beteiligungsprojekte stehen an. Für den Vizepräsidenten der Hochschule Koblenz und der Universität Koblenz-Landau ist auch eine gemeinsame Dachmarke mit Logo, Internetauftritt und breit aufgestellter Öffentlichkeitsarbeit auf der BUGA 2029 von Belang. Aus seiner Sicht ist es nicht nur die fachlich-inhaltliche Ebene, die Synergien bietet. In allen Bereichen ist Kooperation von Vorteil und hilft Ressourcen zu bündeln und Wirksamkeiten zu erhöhen.

BUGA 2029 als Chance für die Hochschulen

Da eine Bundesgartenschau immer erhöhte Sichtbarkeit mit sich bringt, beschert sie auch den Hochschulen vor Ort besondere Chancen. Vor diesem Hintergrund sehen auch die vier Institutionen im Mittelrheintal die BUGA 2029 als gute Gelegenheit auf sich und ihre Arbeit, ihre Forschung und Lehre aufmerksam zu machen. Dabei haben die vier Einrichtungen mit einer Vielfalt an inhaltlichen Ausrichtungen und Studiengängen vieles Interessantes zu bieten, wovon die Öffentlichkeit nicht immer weiß. Und dabei richtet sich der Blick nicht nur in die Region. Die BUGA 2029 wird auch ein internationales Publikum ansprechen, wovon auch die Technische Hochschule Bingen, die Hochschule Koblenz, die Universität Koblenz-Landau und die Hochschule Geisenheim profitieren werden. Wenn sie gemeinsam auftreten und die Potenziale der BUGA 2029 wirkungsvoll ausschöpfen, helfen sie das Profil der Hochschullandschaft im Oberen Mittelrheintal zu stärken. Sie helfen auch, sie über die Grenzen der Region hinaus bekannt zu machen.

Zusammenarbeit hat Tradition

Ganz neu ist die Zusammenarbeit der Technische Hochschule Bingen, die Hochschule Koblenz, die Universität Koblenz-Landau und die Hochschule Geisenheim nicht. Bereits in den vergangenen drei Jahren haben die Bildungseinrichtungen einen regelmäßigen Austausch miteinander gepflegt. Darüber hinaus haben sie mit der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz schon zusammen gearbeitet. Aus dieser Agentur ist mittlerweile die BUGA Koblenz 2029 GmbH hervorgegangen. Und als solche wird sie die Entwicklungen rund um die BUGA 2029 auch weiterhin intensiv begleiten. Bisher lag die Basis in gemeinsamen Lehr- und Forschungsprojekten im Oberen Mittelrheintal. So wurde beispielsweise die Studie „Kommunale Klimaanpassung im Welterbe Oberes Mittelrheintal“ zusammen erarbeitet. Sie wurde bereits 2020 von der Hochschule Koblenz, der Technischen Hochschule Bingen und der Hochschule Geisenheim veröffentlicht.

Sieben kurze Jahre

Obwohl eine Vorbereitungszeit von sieben Jahren bis zur BUGA 2029 derzeit sehr lang klingt, stehen bereits jetzt Weichenstellungen an. Schon jetzt sind die Wettbewerbe in Vorbereitung, die im Jahr 2023 ausgeschrieben werden. Parallel dazu arbeiten die kooperierenden Hochschulen an einer eigenen Vision für die Region Mittelrheintal. Nur wenn alle Konzept zeitgleich entwickelt werden, haben sie die Chance in den zügig ablaufenden Prozess einzufließen. Vor dem Hintergrund ist es den Hochschulen wichtig, die Chancen auf Mitgestaltung schon in dieser frühen Phase zu nutzen. Nur wenn sie handlungsfähig sind, können sie sich als Kooperationspartner etablieren. Nur dann kann der Austausch untereinander noch intensivier werden und ein gemeinsames Leitbild wachsen. Für diesen nächsten Schritt, steht im Frühjahr ein Workshop an der Hochschule Koblenz an. Dieser wird die fachlich-inhaltliche Ausrichtung der wissenschaftlichen Beiträge und den Beitrag der Hochschulen zur BUGA 2029 weiter konkretisieren.

Ebenfalls interessant: 2023 steht die nächste BUGA an. Und zwar in Mannheim. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, so nachhaltig wie möglich zu werden. Mehr über die BUGA 2023 in Mannheim erfahren Sie hier.

Landesgartenschau Bad Windsheim – Wettbewerb entschieden

„Gesund, urban, traditionell“ – so lautet das Motto der Landesgartenschau Bad Windsheim
„Gesund, urban, traditionell“ – so lautet das Motto der Landesgartenschau Bad Windsheim, Abbildung: Büro RMP Stephan Lenzen, Köln

Wettbewerb zur Landesgartenschau in Bad Windsheim: 2027 wird die bayerische Landesgartenschau in Bad Windsheim stattfinden. Im Juli konnte RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten die Jury überzeugen. Diese lobte die Verbindung zwischen historischer Altstadt und freier Landschaft.

RMP Stephan Lenzen gewinnt

Bad Windsheim ist eine kleine Stadt im Westen Nürnbergs. Unter anderem wegen seiner Mineralquellen wird der fränkische Kurort gerne besucht. Und er hat große Pläne. Denn im Jahre 2027 wird die Landesgartenschau Bad Windsheim ausgetragen. Die Planungen dazu laufen bereits seit vielen Monaten. Um allen Ansprüchen gerecht zu werden, lobte Bad Windsheim einen freiraumplanerischen Wettbewerb aus. Das Münchner Büro mahl.gebhardt begleitete diesen über den gesamten Prozess hinweg. Landschaftsarchitekt*innen aus ganz Deutschland reichten ihre Vision der Landesgartenschau Bad Windsheim ein. Zuletzt tagte die Jury aus Fach- und Sachpreisrichter*innen. Nun stehen die erstplatzierten Projekte fest. Auf Platz eins überzeugte das Büro RMP Stephan Lenzen aus Köln. Ihm nach folgten die Planer*innen von lohrer.hochrhein auf Platz zwei und Greenbox auf Platz drei. Die 17 stimmberechtigten Mitglieder des Preisgerichts hatten sich letztlich jedoch einstimmig für den Entwurf von RMP Stephan Lenzen entschieden. 

(v.l.) LGS-Geschäftsführer Robert Sitzmann, Jiachen Li und Sabelo Jeebe von RMP Stephan Lenzen, Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Heckel, Prokurist Jürgen Boier, LGS-Geschäftsführerin Jennifer Münch und Prokuristin Melanie Greifenstein.
(v.l.) LGS-Geschäftsführer Robert Sitzmann, Jiachen Li und Sabelo Jeebe von RMP Stephan Lenzen, Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Heckel, Prokurist Jürgen Boier, LGS-Geschäftsführerin Jennifer Münch und Prokuristin Melanie Greifenstein.

Herausforderungen vor Ort

Der Bürgermeister der Stadt, Jürgen Heckel, zeigte sich nach der Entscheidung sehr zufrieden: „Die Wettbewerbsarbeit hat einfach eine hohe Qualität und die Planer haben erkannt, dass Bad Windsheim etwas Besonderes ist.“ Die Aufgabe war keine einfache. Gesund, urban, traditionell. So lautete das Motto für die Landesgartenschau Bad Windsheim. Bad Windsheim will die Tradition als Ort der Gesundheit wahren. Gleichzeitig möchte die Stadt Flächen im Einklang mit dem Naturschutz neu inszenieren. Bisher erscheint der Norden der Stadt als zusammenhangloses Gewerbegebiet. Eine mehrreihige Kurpark-Allee verläuft zwar von Norden nach Süden. Doch ein durchgehender Grünraum ist nicht erkennbar. Durch die Landesgartenschau 2027 erhoffen sich alle Beteiligten vor Ort eine Verbesserung.

Im Wettbewerb galt es zum einen die Daueranlagen um den Kurpark, das Kurviertel und die östliche Fläche bis Külsheim zu beplanen. Zum anderen sollten die städtebauliche Entwicklung um den Bahnhof, die Erkenbrechtallee und den Neubau eines Parkhauses bedacht werden.

Ein Kulturboulevard als Zentrum der Landesgartenschau Bad Windsheim

Das Büro RMP Stephan Lenzen fand in seinem Entwurf Antworten auf die Bestandssituation. Als bestimmendes Element plant RMP zunächst auf der West-Ost-Achse einen dauerhaften Kulturboulevard. Er knüpft an bestehende Sportflächen im Westen an und zieht sich zukünftig bis nach Külsheim. Entlang des Boulevards werden anschließend unterschiedliche Raumcharaktere ausgebildet. So dominiert im Westen beispielsweise der ruhige, historische Kurpark. Während demgegenüber im Westen der neu gestaltete Aktiv-Landschaftspark entsteht. Dazwischen wird der Boulevard zum Zentrum der Landesgartenschau Bad Windsheim. Hier etablieren sich Aufenthalts- und Nutzungsangebote. So wird zum Beispiel der See um das Gradierwerk vergrößert. Er bietet das Potential zum identitätsstiftenden Element im Kurviertel zu werden. Den auf der Hand liegenden Vorteilen dieses Planungsschritts  stehen einige Herausforderungen in der Realisierung gegenüber. So kritisierte die Jury, dass natürliche Frischwasserzuläufe fehlten und das Gewässer im Heilwasserschutzbereich liege. Nichtsdestotrotz überzeugte die Vision einer großzügigen Seeterrasse zum Verweilen und Flanieren.

Zukunftsaussichten für die Landesgartenschau Bad Windsheim

Dem Team von RMP Stephan Lenzen gelingt es, eine klare Grundstruktur aufzubauen. Innerhalb dieser finden sich detailliert ausgearbeitet Teilbereiche mit unterschiedlichen Qualitäten. Bürgermeister Jürgen Heckel ist sich in der Wahl des ersten Platzes deshalb ganz sicher: „Ich bin happy, dass wir so ein gutes Landschaftsarchitekturbüro an der Seite haben.“
Bis zum Herbst soll nun das Ausschreibungsverfahren des Realisierungswettbewerbes abgeschlossen sein. Anschließend stehen die nächsten Planungsschritte an. Es wird voraussichtlich noch mindestens zwei Jahre dauern, bis erste Baumaßnahmen begonnen werden. Der lange Zeitraum bis zur Realisierung trübt die Vorfreude jedoch kaum. Denn die Landesgartenschau Bad Windsheim ist nicht nur ein publikumswirksames Event. Vielmehr bietet sie der Region und damit auch den Anwohner*innen langfristige Entwicklungsperspektiven ökologischer und sozialer Art.

Die weiteren Austragungsorte für Landesgartenschauen in Bayern finden Sie hier.