Kinderfreundliche Stadt als strategisches Ziel – jenseits von Spielplätzen

Glückliches Kind schaukelt lachend auf einem Spielplatz – Symbol für Kinderfreundlichkeit und urbane Lebensqualität.
Mehr als Spielplätze: Strategien für lebenswerte Städte. Foto von Myles Tan auf Unsplash.

Was macht eine Stadt wirklich kinderfreundlich? Wer jetzt reflexhaft an bunte Spielplätze, Holzpferde und Klettertürme denkt, sollte besser weiterlesen. Denn eine kinderfreundliche Stadt ist weit mehr als ein Paradies für Sandburgenbauer – sie ist ein strategisches Fundament für urbane Lebensqualität, Zukunftsfähigkeit und soziale Gerechtigkeit. Zeit, das Thema ganz neu und radikal zu denken: jenseits von Spielplätzen, hinein in die DNA der Stadtentwicklung!

  • Definition: Was bedeutet eine „kinderfreundliche Stadt“ im zeitgemäßen, strategischen Verständnis?
  • Historische Entwicklung und gesellschaftlicher Kontext der Kinderfreundlichkeit in der Stadtplanung.
  • Warum Spielplätze als Symbol nicht mehr ausreichen – und welche strukturellen Ansätze wirklich wirken.
  • Kinderfreundlichkeit als Querschnittsaufgabe: Von Mobilität über Wohnen bis Partizipation.
  • Rechtliche Rahmenbedingungen und politische Zielsetzungen im D-A-CH-Raum.
  • Innovative Strategien und Best-Practice-Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
  • Die Rolle von Partizipation, Governance und interdisziplinärer Zusammenarbeit.
  • Potenziale für Klimaresilienz, soziale Integration und nachhaltige Stadtentwicklung.
  • Risiken, Zielkonflikte und typische Fallstricke bei der Umsetzung kinderfreundlicher Stadtstrukturen.
  • Schlussfolgerungen: Was müssen Planer, Kommunen und Politik jetzt tun, um Städte wirklich kinderfreundlich zu gestalten?

Stadt für Kinder? Vom Spielplatz-Klischee zur strategischen Urbanität

Wer in deutschen Städten das Stichwort „kinderfreundlich“ fallen lässt, bekommt oft reflexhaft dieselben Assoziationen zu hören: Spielplätze, Bolzplätze, vielleicht noch Fußgängerzonen mit bunten Markierungen. Der Fokus liegt allzu oft auf einzelnen Orten, die mit kindgerechtem Mobiliar bespielt werden. Doch diese Sichtweise greift zu kurz – und verkennt, dass Kinderfreundlichkeit eine umfassende, strategische Qualität der gesamten Stadtstruktur meint. Kinderfreundliche Städte sind nicht „nett“ zu Kindern, sie machen sie zum Maßstab für urbane Lebensqualität. Es geht um Teilhabe, Sicherheit, Mobilität, Gesundheit und soziale Integration – und das in allen Lebensbereichen.

Historisch betrachtet sind Städte für Kinder immer ambivalente Orte gewesen. Während die Nachkriegsmoderne mit großzügigen Grünanlagen, nachbarschaftlichen Höfen und autofreien Siedlungen punktete, wurde die Stadt der 1970er und 1980er Jahre zunehmend autogerecht und institutionell geprägt. Kinder wurden aus dem öffentlichen Raum verdrängt, in schulische und betreute Räume ausgelagert, der Spielplatz wurde zum reservierten „Ghetto“ für kindliche Aktivitäten. Die Stadtplanung reagierte darauf oft defensiv, mit normierten Spielflächen und Sicherheitsstandards, anstatt die Stadt als Ganzes an den Bedürfnissen junger Menschen auszurichten.

Heute ist klar: Die Herausforderungen der urbanen Gesellschaft erfordern ein Umdenken. Stadtentwicklung steht vor der Aufgabe, nicht nur demografische Schrumpfungsängste oder Wohnungsnot zu adressieren, sondern die Stadt als Lebensraum für alle Generationen zu sichern. Kinderfreundliche Städte sind dabei kein Luxus, sondern ein Gradmesser für soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Zukunftsfähigkeit. Denn wer für Kinder plant, plant für alle: Eine Stadt, die Kindern Sicherheit, Teilhabe und Entwicklungsräume ermöglicht, schafft auch für Senioren, Menschen mit Behinderung oder sozial Benachteiligte bessere Bedingungen.

Doch wie wird Kinderfreundlichkeit zum strategischen Ziel? Hier braucht es mehr als schöne Broschüren oder Leuchtturmprojekte. Es braucht eine Stadtentwicklung, die sich systematisch an den Bedürfnissen und Perspektiven der Jüngsten orientiert – und das auf allen Ebenen: von der Verkehrsplanung über die Wohnungsbaupolitik bis zur Gestaltung von Freiräumen und Quartieren. Die Kinderfreundlichkeit muss zur Querschnittsaufgabe in der Verwaltung werden, fest verankert in Leitbildern, Förderprogrammen und urbanen Policies.

Der Paradigmenwechsel ist dabei durchaus unbequem: Er fordert bestehende Routinen heraus, zwingt zu neuen Allianzen zwischen Politik, Planung, Zivilgesellschaft und Familien – und verlangt, dass Kinder als eigenständige Akteure ernst genommen werden. Die kinderfreundliche Stadt ist kein Marketingprodukt, sondern ein Prüfstein für die Innovationskraft und Lernbereitschaft urbaner Gesellschaften.

Rechtliche, politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen: Kinderfreundlichkeit als urbanes Leitbild

Wer von der kinderfreundlichen Stadt als strategischem Ziel spricht, kommt an den rechtlichen und politischen Grundlagen nicht vorbei. Die UN-Kinderrechtskonvention, in Deutschland seit 1992 verbindlich, verpflichtet Städte und Gemeinden ausdrücklich dazu, das Wohl von Kindern in allen Planungs- und Verwaltungsprozessen vorrangig zu berücksichtigen. Dies ist mehr als eine moralische Empfehlung – es ist ein konkretes Handlungsgebot, das in zahlreiche Gesetze und Regelwerke eingeflossen ist. So verlangt etwa das Baugesetzbuch eine angemessene Berücksichtigung der Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen bei der Aufstellung von Bebauungsplänen. Auch kommunale Satzungen, Förderprogramme und Leitbilder greifen das Thema zunehmend auf.

Die Umsetzung jedoch ist eine andere Baustelle. Viele Kommunen setzen nach wie vor vor allem auf die Ausweisung und Ausstattung von Spielflächen, während strukturelle Fragen wie Mobilität, Teilhabe oder soziale Infrastruktur zu kurz kommen. Hier zeigt sich ein klassischer Zielkonflikt: Die Interessen von Investoren, Verkehrsplanern oder Anwohnern werden häufig höher gewichtet als jene der Kinder. Politisch fehlt es oft an starken Fürsprechern, die Kinderinteressen jenseits von Familienpolitik als Querschnittsthema in die städtebauliche Entwicklung einbringen. In der Schweiz und in Österreich ist die Situation ähnlich, auch wenn einige Städte – etwa Zürich, Wien oder Basel – mit ambitionierten kinderfreundlichen Stadtstrategien vorangehen.

Gesellschaftlich hat sich das Bild des Kindes in den letzten Jahrzehnten gewandelt: Von der zu schützenden, betreuten Person hin zu einem eigenständigen, kompetenten Akteur im städtischen Raum. Dieser Perspektivwechsel spiegelt sich zunehmend in politischen Leitbildern wider. Die Kinderfreundlichkeit gilt heute als Qualitätsmerkmal attraktiver, resilienzfähiger Städte – und als entscheidender Standortfaktor im demografischen Wettbewerb um junge Familien und Fachkräfte. Studien zeigen: Familien mit Kindern achten bei der Wohnortwahl nicht nur auf das Vorhandensein von Schulen oder Kitas, sondern auf sichere Wege, grüne Freiräume, wohnortnahe Infrastruktur und echte Teilhabemöglichkeiten für die Jüngsten.

Die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen bilden damit das Fundament – sie reichen aber nicht aus. Entscheidend ist, wie die Ziele und Normen in die alltägliche Planungspraxis übersetzt werden. Hier kommen Governance-Fragen ins Spiel: Wer ist zuständig? Wer bringt die Perspektive der Kinder ein? Welche Instrumente und Beteiligungsformate gibt es? Und wie werden Zielkonflikte zwischen verschiedenen Interessengruppen gelöst? Nur wenn diese Fragen systematisch adressiert werden, kann Kinderfreundlichkeit zum strategischen Leitbild urbaner Entwicklung werden.

Die gesellschaftliche Akzeptanz für kinderfreundliche Maßnahmen ist dabei keineswegs selbstverständlich. Gerade in hochverdichteten Quartieren oder angespannten Wohnungsmärkten kommt es immer wieder zu Konflikten – etwa wenn Freiflächen für Wohnungsbau geopfert oder temporäre Spielstraßen von Anwohnern abgelehnt werden. Hier braucht es politische Führung, kommunikative Kompetenz und einen langen Atem – denn Kinderfreundlichkeit ist kein Sprint, sondern ein urbaner Langstreckenlauf.

Stadtstruktur neu gedacht: Von der Spielplatzpolitik zur kinderfreundlichen Prozessarchitektur

Die Reduktion von Kinderfreundlichkeit auf Spielplätze ist ein Relikt vergangener Planungsepochen. Zeitgemäße Stadtentwicklung betrachtet die gesamte urbane Struktur als Möglichkeitsraum für Kinder. Das beginnt bei der Verkehrsplanung: Sichere, übersichtliche Wege, geschwindigkeitsreduzierte Straßenräume, attraktive Fuß- und Radwege sind elementar, damit Kinder sich selbstständig und angstfrei im Quartier bewegen können. Die Wiederentdeckung der „Stadt der kurzen Wege“ ist hier zentral: Je näher Schule, Kita, Freunde und Freizeitangebote liegen, desto selbstbestimmter und vielfältiger können Kinder ihren Alltag gestalten.

Auch der öffentliche Raum muss neu gedacht werden. Spielflächen sind wichtig, aber sie dürfen nicht isoliert betrachtet werden. Multifunktionale Plätze, grüne Inseln, temporär nutzbare Flächen und offene Freiräume bieten Kindern Raum für Bewegung, Begegnung und Kreativität – ohne sie in reservierte „Kinderzonen“ abzuschieben. Die Aneignung des Stadtraums durch Kinder ist ein Zeichen gelebter Urbanität – und ein Indikator für soziale Sicherheit und Lebensqualität.

Wohnungsbaupolitik und Quartiersentwicklung müssen die Perspektive von Familien und Kindern frühzeitig einbeziehen. Das bedeutet: bezahlbarer, familiengeeigneter Wohnraum, durchdachte Grundrisse, flexible Gemeinschaftsflächen, wohnungsnahe Freiräume und nutzungsgemischte Quartiere. Gerade in Wachstumsstädten und Nachverdichtungsprojekten besteht die Gefahr, dass kompakte Bauweisen und Flächendruck zulasten kinderfreundlicher Strukturen gehen. Hier braucht es klare Leitbilder, verbindliche Standards und innovative Instrumente – etwa die Integration von Kinderinteressen in städtebauliche Wettbewerbe, Bebauungspläne und städtische Förderprogramme.

Eine weitere Dimension ist die soziale Infrastruktur. Kinderfreundliche Städte brauchen wohnortnahe Kitas, Schulen, Beratungsstellen, Sport- und Kulturangebote – und das möglichst barrierefrei, vernetzt und flexibel. Gerade im Kontext sozialer Ungleichheit ist die Verfügbarkeit und Qualität öffentlicher Angebote entscheidend für Chancengerechtigkeit und Integration. Innovative Ansätze wie Familienzentren, Nachbarschaftstreffs oder generationenübergreifende Einrichtungen zeigen, wie soziale Infrastruktur zum Kitt des Quartiers werden kann.

Schließlich ist die Prozessarchitektur entscheidend: Kinderfreundlichkeit muss als Leitmotiv in alle Planungs- und Verwaltungsprozesse integriert werden – von der Stadtstrategie über Bebauungsplanung bis zur Flächennutzung und Mobilitätskonzepten. Interdisziplinäre Teams, Kinderbeauftragte, ressortübergreifende Steuerungsgruppen und systematische Wirkungsanalysen sind zentrale Bausteine moderner Governance. Nur so wird Kinderfreundlichkeit zur strukturellen Qualität der Stadt – und nicht zum zufälligen Nebenprodukt einzelner Projekte.

Partizipation, Governance und Innovation: Kinder als Akteure der Stadt von morgen

Eine kinderfreundliche Stadt ist kein Geschenk der Erwachsenen – sie ist ein Verhandlungsergebnis, das nur mit echter Partizipation gelingen kann. Kinder und Jugendliche müssen als Experten ihres eigenen Alltags anerkannt und systematisch in Planungsprozesse einbezogen werden. Dies beginnt bei niedrigschwelligen Beteiligungsformaten wie Stadtteilrundgängen, Ideenwerkstätten oder temporären Spielaktionen und reicht bis zu institutionalisierten Kinder- und Jugendparlamenten, digitalen Beteiligungsplattformen oder Kooperationsprojekten mit Schulen und Jugendeinrichtungen.

Partizipation ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein zentraler Innovationsmotor. Kinder und Jugendliche bringen Perspektiven, Alltagswissen und kreative Ideen ein, die Planer, Architekten und Verwaltung oft nicht auf dem Schirm haben. Sie erkennen Nutzungskonflikte, Barrieren und Chancen im Quartier frühzeitig – und entwickeln oft pragmatische, überraschende Lösungen. Forschung und Praxis zeigen: Beteiligungsprojekte, bei denen Kinder und Jugendliche ernst genommen werden, führen zu höherer Akzeptanz, besserer Qualität und nachhaltiger Nutzung von Stadträumen.

Governance ist der Schlüssel für erfolgreiche kinderfreundliche Stadtentwicklung. Es braucht klare Verantwortlichkeiten, ressortübergreifende Zusammenarbeit und eine verbindliche Verankerung der Kinderinteressen in allen relevanten Prozessen. Kinderbeauftragte, Ombudspersonen, interdisziplinäre Projektteams und regelmäßige Monitoring- und Evaluationsverfahren sorgen dafür, dass Kinderfreundlichkeit nicht im Verwaltungsalltag untergeht. Digitale Tools, urbane Datenplattformen und innovative Beteiligungsformate bieten neue Möglichkeiten, die Stimme der Kinder auch in komplexen Planungsprozessen hörbar zu machen.

Best-Practice-Beispiele aus dem D-A-CH-Raum zeigen, wie es funktionieren kann: In Wien sorgt das „Kinderbüro“ für die kontinuierliche Einbindung junger Menschen in alle relevanten Stadtentwicklungsprojekte. In Zürich wurden im Rahmen der „Stadt der Kinder“ systematisch kinderfreundliche Quartiersanalysen durchgeführt und die Ergebnisse in Leitbilder, Förderprogramme und konkrete Maßnahmen übersetzt. In Hamburg und Berlin entstehen zunehmend quartiersbezogene Beteiligungsformate, die Kinder und Jugendliche als aktive Co-Gestalter einbinden.

Innovationen entstehen dort, wo Verwaltung, Politik, Zivilgesellschaft und Kinder gemeinsam neue Wege gehen. Die Herausforderungen sind groß – von Partizipationsmüdigkeit über Zielkonflikte bis zu Ressourcendruck und politischen Widerständen. Doch gerade hier zeigen sich die Potenziale einer lernenden, offenen Stadtgesellschaft: Kinderfreundliche Städte sind Labore für die urbane Zukunft – resilient, sozial, inklusiv und kreativ.

Chancen, Risiken und Ausblick: Die kinderfreundliche Stadt als Schlüssel zu nachhaltiger Urbanität

Kinderfreundliche Städte sind weit mehr als ein Wohlfühlthema. Sie sind ein zentraler Schlüssel für nachhaltige, resiliente und gerechte urbane Entwicklung. Wer für Kinder plant, stärkt soziale Netze, fördert Integration und Chancengleichheit, schafft klimaresiliente Freiräume und sorgt für lebendige, vielfältige Nachbarschaften. Kinderfreundliche Stadtentwicklung bringt Gewinner auf allen Ebenen hervor: Familien profitieren von sicheren, attraktiven Lebensumfeldern, die lokale Wirtschaft von einer stabilen, jungen Bevölkerung, die Gesellschaft insgesamt von mehr Teilhabe, Gesundheit und sozialem Zusammenhalt.

Die Potenziale sind enorm: Studien zeigen, dass kinderfreundliche Quartiere weniger soziale Probleme, niedrigere Kriminalitätsraten und höhere Lebenszufriedenheit aufweisen. Urbane Freiräume, die von Kindern genutzt werden, sind oft auch für andere Bevölkerungsgruppen attraktiv – sie wirken als sozialer Katalysator und stärken die Bindung an das Quartier. Klimaresiliente Grünflächen, sichere Mobilitätsangebote und flexible soziale Infrastruktur machen Städte zukunftsfähig – nicht nur für Kinder, sondern für alle Generationen.

Doch die Umsetzung ist kein Selbstläufer. Es gibt Zielkonflikte, etwa zwischen Flächennutzung für Wohnen, Verkehr und Freiräume. Kommerzielle Interessen, Investitionsdruck und politische Prioritäten stehen kinderfreundlicher Stadtentwicklung oft entgegen. Hinzu kommt die Gefahr, dass Kinderfreundlichkeit als Marketinginstrument missbraucht oder auf symbolische Maßnahmen reduziert wird. Hier braucht es klare Standards, verbindliche Leitbilder und eine konsequente Partizipation der Betroffenen – also der Kinder und ihrer Familien selbst.

Ein weiteres Risiko besteht in der sozialen Spaltung: Wenn kinderfreundliche Stadtentwicklung nur in privilegierten Quartieren stattfindet, wächst die Kluft zwischen benachteiligten und wohlhabenden Stadtteilen. Kinderfreundlichkeit muss daher immer auch als Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit verstanden und aktiv gegen Segregation und Exklusion eingesetzt werden. Besondere Aufmerksamkeit verdienen dabei migrantische Familien, Kinder mit Behinderung und andere vulnerable Gruppen.

Der Ausblick ist dennoch optimistisch: Immer mehr Städte erkennen die strategische Bedeutung kinderfreundlicher Strukturen – und investieren in innovative Ansätze, interdisziplinäre Teams und neue Formen der Partizipation. Die kinderfreundliche Stadt ist kein utopisches Ideal, sondern eine realistische, machbare Vision – wenn sie zur Querschnittsaufgabe urbaner Entwicklung gemacht wird. Wer heute die Bedürfnisse der Jüngsten ins Zentrum stellt, baut die resiliente, lebenswerte Stadt von morgen.

Fazit: Kinderfreundliche Stadtentwicklung als urbanes Update – jetzt, nicht irgendwann

Die Zeit der Spielplatzsymbolik ist vorbei. Kinderfreundliche Städte sind keine netten Zugaben, sondern strategische Notwendigkeit – für soziale Gerechtigkeit, Klimaresilienz und urbane Zukunftsfähigkeit. Wer Stadtentwicklung ernst nimmt, muss die Perspektive der Kinder zum Maßstab machen – in der Mobilität, im Wohnungsbau, bei der Gestaltung des öffentlichen Raums und in der sozialen Infrastruktur. Das gelingt nur, wenn Kinder als eigenständige Akteure anerkannt und systematisch beteiligt werden, wenn Governance-Strukturen geschaffen und politische Leitbilder verbindlich verankert werden. Die Herausforderungen sind groß, die Zielkonflikte real – aber die Chancen für eine gerechtere, gesündere und lebendigere Stadtgesellschaft sind es allemal wert. Zeit, die kinderfreundliche Stadt als strategisches Update zu denken – nicht irgendwann, sondern jetzt.

Das könnte Sie auch interessieren
Ein Gebäudekomplex mit mehreren Häusern mit flachen Dächern, großen Fensterflächen und teilweise mit Holzverkleidungen. Credit: Kreiskrankenhaus Agatharied, © Nickl & Partner, Foto: Stefan Müller-Naumann
Heilende Architektur: Ausstellung „Das Kranke(n)haus“
Der Parco Portello in Mailand
luftaufnahme-einer-stadt-mit-vielen-baumen--ewv3mBg-6k
Barcelona’s Superblocks reloaded – wie man Verkehrsberuhigung sozial gerecht gestaltet
Eine lebendige städtebauliche Szene zum Thema Bebauungsplan Englisch
Bebauungsplan Englisch: Prinzip und Bedeutung einfach erklärt
Jürgen Pietsch erläuterte in Hamburg, wie städtische Böden CO2 dauerhaft speichern könnten. Kleingartenanlagen würden so einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Klimaschutz dank Kleingartenanlagen
Neue Meile in Böblingen
Todesfalle Böschungsmatte
„We are all Detroit“ porträtiert die Entwicklung der Städte Bochum und Detroit nach dem Rückzug der Autoindustrie. (Foto: Filmproduktion Loekenfranke 2021)
We are all Detroit
roter-bus-tagsuber-unterwegs-21HKIGtU9Xk
Klimarelevanz von Mobility-as-a-Service – Rebound oder Reduktion?
rote-und-gelbe-lego-bausteine-FJ9jgG2Kp1U
Thermische Funktionskarten für interdisziplinäre Planungsteams

Domberg Freising: Neugestaltung von Latz + Partner

Ein gepflasterter Hof, an den Rändern von Häusern umgeben, im Zentrum ein Brunnen; auf dem Platz stehen viele Menschen. Im bayerischen Freising gestaltete das Büro Latz + Partner die Freianlagen auf dem Domberg neu. Im Zentrum des neu gestalteten Domplatzes findet sich nun wieder ein Brunnen. Foto: Latz + Partner
Im bayerischen Freising gestaltete das Büro Latz + Partner die Freianlagen auf dem Domberg neu. Im Zentrum des neu gestalteten Domplatzes findet sich nun wieder ein Brunnen. Foto: Latz + Partner

Im bayerischen Freising gestaltet das Büro Latz + Partner die Freianlagen auf dem Domberg neu. Mit Domplatz und Domhof wurde im Frühling 2024 der erste Bauabschnitt eröffnet. Im Interview zum Projekt erläutern Iris Dupper und Tilman Latz von Latz + Partner, was ihr Projekt ausmacht, welche Ansprüche heutzutage an den Domplatz gestellt werden und wie sie die Anlagen auf dem Domberg Freising inklusiver gestalteten.

Ein einzigartiger Resonanzraum

Redaktion G+L: Im Mai dieses Jahres eröffneten Sie den ersten Bauabschnitt Ihres Projektes auf dem Freisinger Domberg: Domplatz und Domhof, beide jeweils neu gestaltet beziehungsweise weiterentwickelt. Was zeichnet das Projekt aus?

Iris Dupper und Tilman Latz: Das Durchschreiten der Torbögen zu den neuen Freiräumen auf dem Domberg wird durch die Umgestaltungen zu einem besonderen Moment: Mit seiner durchgehenden, hellen Oberfläche erscheint der Domplatz wie eine Augenweide zwischen den umliegenden Fassaden von Dom, Marstall, Residenz, St.-Johannes-Kapelle und den Toren zum Belvedere. Locker verteilte Bänke markieren die Platzränder und erlauben heute lockeren Aufenthalt. Ein Brunnen erhebt sich in der Mitte, Wasser fällt aus größerer Höhe aus einem Füllhorn. Sanft plätscherndes Wasser erfüllt den Raum und untermalt die alltäglichen Geräusche von Passanten, Besuchenden, Musikschule und Kirchenveranstaltungen.

Man erlebt nun den Dom neben Dombrunnen und Residenz, zwischen den hohen Domtürmen, Otto von Freising im Grünen und dem schweifenden Ausblick über die flussbegleitenden Isar- und Moosachauen bis hin zum Alpenrand. Es ist ein einzigartiger Resonanzraum entstanden, der zum Verweilen einlädt. In diesem kommt man zur Ruhe, bevor man weiter in den Dom oder den Marstall geht.

Seit 2022 bearbeitet das Büro Latz + Partner im Auftrag des Erzbischöflichen Ordinariats München am Domberg in Freising den Domplatz, Belvedere, Domhof, Kreuzgarten, Flächen in der Residenz, am Neubau des Kardinal-Döpfner-Hauses, dem Anger und am Diözesanmuseum. Plan: Latz + Partner
Seit 2022 bearbeitet das Büro Latz + Partner im Auftrag des Erzbischöflichen Ordinariats München am Domberg in Freising den Domplatz, Belvedere, Domhof, Kreuzgarten, Flächen in der Residenz, am Neubau des Kardinal-Döpfner-Hauses, dem Anger und am Diözesanmuseum. Plan: Latz + Partner

Zentraler Brunnen am Domberg Freising wiedererrichtet

Wie sind sie zu der Gestaltung der zentralen Freiräume auf dem gekommen?

Drei Entscheidungen waren wesentlich:

Zunächst lässt sich eine konsequent kontextuelle Sprache auf den Domplatz und Domhof mit angemessener Materialität und Formensprache ein. Sie unterstreicht die räumlichen Gegebenheiten, wie unterschiedliche Baustile, Dimensionen und Materialität der begrenzenden Fassaden. Beide Räume haben mit diesem Ansatz eine jeweils in sich stimmige Einheit ausgebildet. Gleichzeitig trägt diese zur neuen Vielfalt von Räumen auf dem Domberg bei. Diese Vielfalt entspricht dem historisch überlieferten Bestand an Bauten und Baustilen.

Dann wurde von einer grob gekiesten Fläche zu einem gepflasterten, fein strukturierten Domplatz gewechselt. Dadurch werden auch die Nutzungsmöglichkeiten zeitlich und qualitativ deutlich erweitert und verbessert. Ein diagonal in Passé gesetztes, helles Pflaster stellt ein zurückhaltendes und gleichzeitig robustes Gleichgewicht zu den Architekturen her. Für das Pflaster kam Wachenzeller Dolomit mit Formaten von 8 x 8 bis 12 x 12 Zentimetern mit fein gekrönter Oberfläche und gespaltenen Seiten zum Einsatz. Es wird von materialgleichen, fächerartig gesetzten Plattenstreifen durchzogen. Diese Streifen führen die asymmetrisch zueinander stehenden Fassaden von Dom und Residenz zusammen. In ihrer Größe abgestufte, halbrunde und runde Fassungen betonen die den Plätzen zugewandten Eingänge und den zentralen Brunnen. Dabei wurden die Hauptakteure – Dom, Residenz und Dombrunnen – repräsentativ in der Fläche herausgearbeitet.

Schließlich erhält der Domplatz über die Wiedererrichtung eines zentral gesetzten Brunnens eine seiner Bedeutung entsprechende, attraktive Mitte zurück.

Im Zentrum des Domplatzes auf dem Domberg in Freising stellten der Bauherr und die Planer*innen den Brunnen mit der historischen Skulptur des „Mohren“ wieder auf. Foto: Latz + Partner
Im Zentrum des Domplatzes auf dem Domberg in Freising stellten der Bauherr und die Planer*innen den Brunnen mit der historischen Skulptur des „Mohren“ wieder auf. Foto: Latz + Partner

Räumliches Gefüge neu wahrnehmbar

Was ist der historische Hintergrund des wieder errichteten Brunnens?

Der neue Brunnen interpretiert die vielen Erscheinungsformen, die diese Wasserstelle bis zu seiner Entfernung in der Säkularisation 1803 hatte: erst Pferdeschwemme, dann barocker Brunnen, aber ab 1857 nur noch ein Pflanzbeet mit einer Skulptur von Otto von Freising. Ein neues Rund aus gespaltenen Flusskieseln fasst einen horizontal eingepassten Sockel. Darauf findet sich der neue Brunnen aus Untersberger Marmor mit einer hohen Säule, an dessen Spitze die historische Figur des „Mohren“ ein Füllhorn als Wasserquelle hält. Die Skulptur ist tatsächlich das Original des Hoheitszeichens des Hochstifts Freising. Gemeinsam mit dem Bauherrn beschlossen wir, den Brunnen wieder auf den Domplatz zu stellen. Die Figur von Otto von Freising von Bildhauer Kaspar Zumbusch sollte in Folge dessen in den stilleren, erstmals grünen Domhof versetzt werden. Von dort blickt er heute auf den Durchgang zum Domplatz und die beiden Domtürme, umgeben von Insekten-umschwärmten, schönen Blumen.

Durch diese Veränderungen entstand eine neue Wahrnehmung der Raumfolgen auf dem Domberg.

Zeitgemäße Gestaltung gefragt

Inwiefern muss ein Domplatz anderen Anforderungen gerecht werden als ein profaner Stadtplatz? Wie zeigt sich das in der Gestaltung am Domberg in Freising?

Historisch standen sowohl bei einem Domplatz als auch bei einem „profanen“ Stadtplatz Repräsentationsmöglichkeiten, Funktionalität und Alltagstauglichkeit gleichermaßen im Vordergrund. Im Detail wies die Symbolik geistlicher und weltlicher Art jedoch oft Unterschiede auf. Kirchliche Auftraggeber formulierten nicht selten einen deutlich höheren Anspruch an gestalterische Setzungen. Zudem beauftragten sie mitunter große Baumeister und Künstler für die Gestaltung öffentlichen Raums.

Heute müssen sich beide in gewisser Weise „neu finden“ und gleichermaßen mit oft überbordenden Rechtsvorschriften und Normen, lokalem Denkmal- und Naturschutz, komplexen technischen Anforderungen auseinandersetzen. Man denke nur an unterirdische Leitungen oder Bauten und zunehmende Herausforderungen des Klimawandels. Eine zunehmende Rolle spielen öffentliche Interessenlagen einer diverseren Freizeitgesellschaft, Platz-Klischees und kurzlebige Moden.

Spezifisch am Domplatz Freising ist die Beauftragung durch einen kulturell hochambitionierten, gleichzeitig verantwortlich handelnden wie gesellschaftlich engagierten, privaten Auftraggeber. Das Erzbischöfliche Ordinariat München (EOM) beauftragte uns 2022 mit der Bearbeitung der öffentlichen Räume auf dem Domberg: Domplatz mit Belvedere, Domhof und Kreuzgarten, Flächen im und um die Residenz, Neubau des Kardinal-Döpfner-Hauses (KDH) und um Diözesanmuseum wie auch langer Anger. Der Domberg ist das geistliche Zentrum der Erzdiözese München und Freising. Es ging der EOM um eine zeitgemäße Gestaltung, die einerseits eine angemessene Antwort auf die komplexe räumliche Situation aus verschiedensten Jahrhunderten anzubieten vermag. Andererseits ging es auch darum, verschiedene öffentliche wie private Nutzungsanforderungen und diffizile Fragen des Denkmalschutzes zu integrieren. Auch die besondere Geschichte des Ortes und Bedeutung für Freising galt es zu berücksichtigen.

Plätze zum Im-Augenblick-Verweilen auf dem Domberg Freising

Worauf mussten Sie bei der Umgestaltung achten und was haben Sie im Zuge Ihres Projektes am Domberg im Freising umgesetzt?

Wichtig waren dem Bauherrn zum einen Sicht- und Wegebeziehungen, vor allem zwischen Residenz und Dom, die zum Beispiel bei Prozessionen wichtig sind. Zum anderen waren Nutzungen für Feste mit Musik, Veranstaltungen und Märkte relevant. Die Lage des Brunnes erklärt sich unter anderem durch die gleichzeitige Bedeutung von direkter Verbindung und Inszenierung solcher Bewegungen. Eine Betonung der Hauptbezugsfassaden aus denkmalpflegerischer Sicht war es am Ende auch, die eine Setzung von Bäumen grundsätzlich problematisch erscheinen ließ. Hinzu kamen schwierige Untergrundverhältnisse, die nachhaltige Baumpflanzungen nicht ermöglichten.

Die Akzentuierung der Haupt- und Nebenakteure in der Fläche forderte eine intensive Auseinandersetzung mit der Topografie und Ausrichtung des Platzes. So entwickelten wir ein regelmäßig-konkave Gestaltung des Platzes, die die Fassaden um den Platz betont und den Brunnen in der Mitte unterstützt. Bei einer deutlich im Gefälle liegenden, unversiegelten Platzfläche – ein wichtiges Nachhaltigkeitsziel – mussten wir daher von einer Punktentwässerung auf eine Linienentwässerung wechseln.
Der zentrale Domplatz, als unter Denkmalschutz stehendes Bodendenkmal und Hauptzugang zum Dom und Residenz, und der Domhof, als Nebeneingang in die Dombibliothek und barrierefreier Zugang zu Sakristei und Kreuzgang, sind zum Start der Bayerischen Landesausstellung am 7. Mai 2024 fertiggestellt worden. Nun gibt es auf dem Domberg Plätze zum Verweilen im Augenblick und ohne Konsumzwang.

Bei der Erstellung des letzten Bauabschnittes wird uns noch die Problematik der zur Parkhauszufahrt führenden Straße beschäftigen, die quer über den oberen Platzbereich verläuft. Deren Integration und die gleichzeitige Sicherung der Platzfläche gegen unkontrolliertes Parken wird aber erst mit Abschluss der Bauarbeiten an der Residenz erfolgen.

Die Skulptur Otto von Freisings, die bislang im Domhof stand, verstzten die Planer*innen im Zuge der Neugestaltung in den Domhof. Foto: Latz + Partner
Die Skulptur Otto von Freisings, die bislang im Domhof stand, verstzten die Planer*innen im Zuge der Neugestaltung in den Domhof. Foto: Latz + Partner

Kleine, aber bedeutsame Schritte

Wer schon einmal auf dem Domberg in Freising war, weiß, dass es dort steil hinauf geht. Ein wichtiger Aspekt Ihres Projektes ist Barrierefreiheit. Wie konnten Sie diese bei der Neugestaltung von Domplatz und Domhof verbessern? Und wo stießen Sie dann doch an Grenzen und warum?

Ein topografisch exponiertes und denkmalgeschütztes Gelände wie der Domberg ermöglicht nur kleine, aber bedeutsame Schritte hin zu einer inklusiv begehbaren Anlage.

Neben der Befestigung von Domhof und Domplatz und weg von einer Rieselfläche sind es vor allem kleine Maßnahmen. Das sind zum Beispiel das Anbringen von Handläufen an allen Treppen, rampenartige Zugänge und ebene Durchwegungen mit maximal 5 Prozent Neigungen in den Einzelflächen. Zur Barrierefreiheit gehören für uns ebenfalls die Bereitstellung öffentlicher Toiletten im Durchgang zum Domhof sowie die Positionierung von ausreichend Bänken zum Ausruhen.

Dennoch wird es auch weiterhin Bereiche geben, die nur über Stufen oder deutlich steilere Rampen erreichbar sein werden, wie zum Beispiel das Erreichen der Domberggasse. Dazu gehört zum einen das Belvedere, dessen Einfriedung nicht verändert werden kann. Auch werden wir keine Rampen in den Anger einfügen, um gegebenenfalls die Erschließung zwischen Domberggasse und den verschiedenen Plätzen zu verbessern. Des Weiteren wirkt der Baumbestand auf das Mikroklima.

Freilich war hierzu die wichtigste Entscheidung der EOM, einen Schrägaufzug auf der Südseite des Domberges anzubringen. Dieser verbindet, gut zwischen Bahnhof und Fußgängerzone gelegen, das allgemeine Stadtniveau direkt mit dem Diözesanmuseum. Tatsächlich kann der Schrägaufzug bereits als weitere Attraktion des Dombergs verstanden werden.

Projektdaten

Auftraggeber: Erzdiözese München und Freising

Konzeption: Latz + Partner Prof. Tilman Latz und Iris Dupper

Projektleitung: Dennis Pytlik, Dörte Dannemann

Mitarbeit: Roland Jakob, Junyue Deng, Vera Margasova

Planung seit 2022, Realisierung BA1 Mai 2024

LPH 6–8: NU Stefan Huber Landschaftsarchitektur

Fläche: circa 1 Hektar

Interviewees

Iris Dupper, Landschaftsarchitektin, ist Partnerin und Geschäftsführerin von Latz + Partner. Zuvor hatte sie Studios Îlot für Landschaftsarchitektur, München, gegründet. 2006 war sie die erste Rompreis-Stipendiatin der Villa Massimo für Landschaftsarchitektur.

Tilman Latz, Landschaftsarchitekt, Architekt und Stadtplaner, ist seit 2011 Inhaber und Chefdesigner von Latz + Partner. Seit 2022 hat er die Professur für Planen und Entwerfen in der Landschaftsarchitektur an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf inne.

 

Anmerkung der Redaktion: Der Begriff des „Mohr“ bzw. des „Freisinger Mohr“, der sich auch im Wappen des Landkreises findet, ist in der Bezeichnung des Brunnens sowie der Berichterstattung zu diesem gängig. Zum Hintergrund des Wappens sowie zur Verwendung des Begriffs findet sich eine Erklärung auf der Webseite des Landkreises Freising.

Andere Quellen schätzen den Begriff kritischer ein, so beispielsweise die Ausführungen des Instituts für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität Berlin zur Umbenennung der „Mohrenstraße“.

Im Zusammenhang mit dem Begriff gibt es immer wieder Debatten um Umbenennungen, wie etwa auch in dem bereits erwähnten Fall der Berliner Straße und gleich benannten U-Bahn-Station „Mohrenstraße“.

 

Weiterlesen: In der Oktoberausgabe 2024 der G+L widmen wir uns Orten des Glaubens. Das Heft ist in unserem Shop erhältlich. Einen ersten Einblick in die Ausgabe gibt Theresa Ramisch in ihrem Editorial.

Hamburger Preis für Grüne Bauten 2025- Jetzt bewerben!

Grüne Architektur für eine lebenswerte Zukunft: Dach- und Fassadenbegrünungen im Fokus des Hamburger Preises für Grüne Bauten 2025. Foto: BUKEA IsadoraTast
Grüne Architektur für eine lebenswerte Zukunft: Dach- und Fassadenbegrünungen im Fokus des Hamburger Preises für Grüne Bauten 2025. Foto: BUKEA IsadoraTast

Hamburg sucht seine schönsten und innovativsten grünen Oasen – auf Dächern, an Fassaden und in Innenräumen. Der „Hamburger Preis für Grüne Bauten“ würdigt erneut Projekte, die Architektur mit Natur vereinen und die urbane Lebensqualität revolutionieren.

In Zeiten wachsender Städte und zunehmender Klimabelastungen gewinnt eine alte Idee neue Kraft: die Begrünung von Gebäuden. Ob Dachgärten, vertikale Gärten oder grüne Innenräume – überall, wo Pflanzen auf und an Bauwerken gedeihen, entsteht mehr als bloß ein ästhetischer Mehrwert. Sie schaffen ökologische Rückzugsräume, senken Temperaturen, binden Feinstaub, fördern die Biodiversität – und leisten einen essenziellen Beitrag zur Klimaanpassung urbaner Räume.

Mit dem „Hamburger Preis für Grüne Bauten“ unterstreicht die Freie und Hansestadt Hamburg, wie ernst sie es mit der ökologischen Stadtentwicklung meint. Ausgelobt von der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA), würdigt der Wettbewerb visionäre Projekte, die Nachhaltigkeit, Design und Funktionalität harmonisch vereinen.

Nachhaltige Architektur mit Vorbildcharakter

Der Wettbewerb ist nicht nur eine Bühne für Gestalter*innen, Planer*innen und Eigentümer*innen, sondern auch ein politisches Statement. Die Initiative ist Teil der Hamburger Gründachstrategie, die sich zum Ziel gesetzt hat, mindestens 70 Prozent der Neubauten mit flach geneigten Dächern sowie geeignete Flachdachsanierungen zu begrünen. Die Botschaft ist eindeutig: Begrünung ist kein freiwilliges Extra mehr – sie ist Notwendigkeit, Verpflichtung und Chance zugleich.

Grüne Bauten stehen exemplarisch für ein neues Verständnis von Stadt. Sie machen urbane Räume lebenswert, wandelbar und resilient. So verwandeln sich ansonsten ungenutzte Dachflächen in grüne Rückzugsorte, während begrünte Fassaden für bessere Luft, angenehmeres Mikroklima und reduzierte Hitzeinseln sorgen. Auch innenarchitektonisch setzt sich der Trend fort: Innenraumbegrünungen steigern nachweislich das Wohlbefinden, senken den Stresspegel und fördern die Konzentration – besonders relevant für Büro- und Bildungseinrichtungen.

Teilnahmebedingungen und Bewertungskriterien

Der „Hamburger Preis für Grüne Bauten“ richtet sich an alle Eigentümer*innen, Mieter*innen sowie Planer*innen aus Hamburg und den angrenzenden Landkreisen, die an einem Begrünungsprojekt beteiligt sind. Ob private Dachterrasse, Bürogebäude mit Fassadengrün oder ein Atrium voller Pflanzen – zugelassen ist jede Fläche, die sich durch eine durchdachte grüne Gestaltung auszeichnet.

Die Teilnahme ist einfach und kostenfrei. Einzureichen sind:

  • ein ausgefüllter Teilnahmebogen,

  • sowie zwei aussagekräftige Fotos der begrünten Fläche.

Einreichungsfrist ist der 24. August 2025, der Startschuss fällt am 23. Mai. Anschließend bewertet eine interdisziplinäre Expert*innenjury die eingegangenen Projekte. Im Mittelpunkt der Beurteilung stehen:

  • der ökologische Nutzen,

  • die Funktionalität für Nutzer:innen,

  • die wirtschaftliche Tragfähigkeit,

  • sowie die gestalterische Qualität des Projekts.

Die Gewinner:innen dürfen sich auf attraktive Geld- und Sachpreise freuen. Darüber hinaus erhalten sie öffentliche Anerkennung: Die prämierten Projekte werden in einer Ausstellung vorgestellt und über Pressekanäle verbreitet – ein wertvoller Multiplikatoreffekt für alle Beteiligten

Warum Grüne Bauten die Stadt der Zukunft prägen

Die Klimakrise zwingt Städte weltweit zum Umdenken – Hamburg nimmt hierbei eine Vorreiterrolle ein. Grüne Architektur ist nicht nur Ausdruck von Umweltbewusstsein, sondern strategischer Teil der Stadtentwicklung. Denn die Folgen des Klimawandels – Hitze, Starkregen, Luftverschmutzung – lassen sich durch intelligente Begrünungskonzepte abmildern.

Besonders in hochverdichteten Vierteln, wo Freiflächen rar sind, liefern begrünte Dächer und Fassaden dringend benötigte Kompensationsflächen. Sie dienen als Wasserspeicher bei Starkregen, reduzieren die Aufheizung im Sommer, und schaffen Lebensraum für Insekten und Vögel – ein Beitrag zur urbanen Biodiversität, der kaum hoch genug bewertet werden kann.

Darüber hinaus eröffnet die Verbindung von Natur und Architektur neue gestalterische Horizonte. Begrünte Gebäude setzen visuelle Akzente, erzeugen emotionale Anziehungskraft und sind ein starkes Symbol für eine nachhaltige Zukunft.

Ein Appell an Stadtgestalter*innen, Eigentümer*innen und Bürger*innen

Der „Hamburger Preis für Grüne Bauten“ ist weit mehr als ein Architekturwettbewerb. Er ist ein Appell an alle, die unsere Städte lebenswerter, gesünder und zukunftsfähiger machen wollen. Die Förderung von Dach- und Fassadenbegrünung ist kein isoliertes Projekt, sondern ein zentraler Baustein auf dem Weg zu einer klimaangepassten Metropole.

Hamburg zeigt mit diesem Wettbewerb, wie ökologische Verantwortung, bürgerliches Engagement und architektonische Kreativität Hand in Hand gehen können. Jeder Quadratmeter zählt – nicht nur fürs Stadtbild, sondern für unser aller Zukunft.

Weitere Informationen, Teilnahmebedingungen und Ausschreibungsunterlagen sind abrufbar unter: www.hamburg.de/go/gruendach