Das Strichmännchen der Urban Art

Urbane Kunst für eine bessere Welt? Wie das geht, macht der britische Street Art-Star STIK vor: Seine reduzierten Strichmännchen mit dünnen Armen und Beinen besitzen eine eingängige Körpersprache und Mimik und sind seit mehr als zehn Jahren ein fester Bestandteil des Londoner Stadtbilds. Alte Mauern, Ruinen, eingestürzte Häuser, verlassene Bauten – genau dort im urbanen Raum, wo niemand hinschauen will, setzt STIK mit seiner Kunst ein Zeichen und rückt die Orte ins Blickfeld. Von 7. April bis 7. September 2017 zeigt die Münchner Galerie Kronsbein die erste Ausstellung des Künstlers in Deutschland.

Die unglückliche Single-Mum aus South Acton

Wer in Heathrow landet, kann schon vom Flugzeug aus seine „Single Mum“ entdecken. Haushoch ziert hier seit Herbst 2015 STIKs It-Piece eine Wand im Stadtteil South Acton. Weil das marode Gebäude ausschließlich Sozialwohnungen beherbergt, setzte der Künstler dort ein Zeichen: Denn Mama und Kind blicken nicht gerade glücklich auf ein Bauprojekt mit Luxusapartments. „Bezahlbares Wohnen ist in Großbritannien bedroht“, kommentiert STIK seine Arbeit und erinnert daran, „dass alle Menschen ein Dach über dem Kopf brauchen“.

STIKs Markenzeichen sind mehr als ein It-Piece

Für den Künstler ist das nicht irgendein Statement. STIK weiß sehr genau, wovon er spricht. Noch um das Jahr 2000 lebte der heute mittlerweile Mitte 40-Jährige selbst auf der Straße. Erst das Sprayen konnte ihn aus diesem Albtraum befreien. „Ich fühlte mich immer unsichtbar, aber die Street Art wurde meine Möglichkeit zu zeigen, dass ich hier bin“, verrät er. Eine Galerie entdeckte STIKs Strichmännchen im Londoner Stadtbild. Mittlerweile tummeln sich seine emotionalen, meist androgynen Figuren auch in New York, Oslo und Berlin. Hausbesitzer müssen aber keine Angst haben: Der neue Star der Londoner Kunst-Szene bittet stets vorher um Sprüh-Erlaubnis. Erst dann landen seine Statements auf Hauswänden, Türen und Mauerresten. Übrigens: Bono und Elton John zählen zu seinen Sammlern.