Das Superradwegenetz Tübingen mit der beeindruckenden Radbrücke West: Ein Meilenstein für nachhaltige Mobilität und moderne Stadtentwicklung. Foto: Frank Pieth
Das Superradwegenetz Tübingen mit der beeindruckenden Radbrücke West: Ein Meilenstein für nachhaltige Mobilität und moderne Stadtentwicklung. Foto: Frank Pieth

Das Tübinger „Blaue Band“, ein innovatives und nachhaltiges Superradwegenetz, wurde im Oktober 2024 fertiggestellt. Mit seinen beheizbaren Radwegbrücken und einer modernen Infrastruktur setzt die Universitätsstadt neue Maßstäbe für städtische Mobilität. Dieses Vorzeigeprojekt ist nicht nur ein Meilenstein für den Radverkehr, sondern auch ein starkes Statement für nachhaltige Stadtentwicklung.

Die Fertigstellung des „Blauen Bandes“ ist das Ergebnis jahrelanger Planung und einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Ingenieuren, Stadtplanern und Spezialisten aus dem Bereich Brückenbau. Es zeigt, wie innovative Konzepte und moderne Technologien genutzt werden können, um zukunftsweisende Lösungen für die städtische Mobilität zu schaffen.

Ein innovatives Radwegenetz als Verbindungsachse

Das Superradwegenetz Tübingen umfasst insgesamt 1,5 Kilometer Radwege, die verschiedene Stadtteile sicher und bequem miteinander verbinden. Die blaue Einfärbung der Wege sorgt für klare Orientierung und mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer. Vier eigens konzipierte Radwegbrücken – darunter die beeindruckende „Radbrücke West“ – machen das Netz zu einem echten Highlight.

Die Brücke West, der letzte Abschnitt des Projekts, ist 365 Meter lang und erstreckt sich über eine Bundesstraße sowie Bahngleise. Sie verbindet den Stadtteil Derendingen mit der Europastraße und der Altstadt. Diese Verbindung schließt eine wichtige Lücke im Stadtverkehr, da Radfahrende bisher Umwege oder unsichere Strecken nutzen mussten.

Die „Radbrücke West“ komplettiert das Superradwegenetz Tübingen: Vier Radwege bilden ein 1,5 km langes „Blaues Band“ exklusiv für Radfahrende. Foto: Frank Pieth
Die „Radbrücke West“ komplettiert das Superradwegenetz Tübingen: Vier Radwege bilden ein 1,5 km langes „Blaues Band“ exklusiv für Radfahrende. Foto: Frank Pieth

Nachhaltigkeit im Fokus: Beheizbare Radwegbrücken

Ein besonderes Merkmal der Radwegbrücken ist ihre innovative Beheizung. In den Wintermonaten werden die Oberflächen auf zwei bis drei Grad Celsius erwärmt, um Eisbildung zu verhindern. Diese umweltfreundliche Alternative spart Streusalz ein und schont die Stahlkonstruktionen. Gleichzeitig sorgt eine LED-Beleuchtung an den Handläufen für optimale Sichtbarkeit bei Dunkelheit.

„Radbrücke West“: Technische Meisterleistung und nachhaltige Konstruktion

Die „Radbrücke West“ ist ein beeindruckendes Bauwerk aus 15 geschwungenen Stahlsegmenten, die millimetergenau montiert wurden. Mit einer Höhe von bis zu elf Metern und zahlreichen Kurven zeigt die Brücke, wie anspruchsvolle Geometrie mit moderner Ingenieurskunst umgesetzt werden kann.

Die Konstruktion setzt auf ein lagerloses System, bei dem die Elemente auf speziellen Stützenfederlamellen ruhen. Dieses System gleicht Temperaturveränderungen aus und minimiert dadurch Verformungen. Der Stahl wurde zudem mit einer speziellen Korrosionsschutzbeschichtung behandelt, um eine langfristige Haltbarkeit zu gewährleisten.

Ein Kreis schließt sich: Zusammenarbeit auf höchstem Niveau

Bereits bei der ersten Brücke des Projekts, der „Radbrücke Mitte“, war das Unternehmen Schmees & Lühn aus dem Emsland federführend beteiligt. Auch die „Radbrücke West“ wurde von den Spezialisten konstruiert, gefertigt und vor Ort montiert. Insgesamt flossen rund 24.000 Arbeitsstunden in die Fertigung und weitere 7.000 Stunden in die Montage.

Logistische Herausforderungen und finanzielle Förderung

Der Transport der großen Brückenteile stellte eine logistische Herausforderung dar. Neben Straßen wurde auch der Wasserweg genutzt, um die Bauteile sicher nach Tübingen zu bringen. Das Gesamtprojekt wurde mit etwa 16 Millionen Euro veranschlagt, wovon der Bund 7,3 Millionen Euro und das Land Baden-Württemberg 4 Millionen Euro beisteuerten. Die Stadt Tübingen investierte 3,7 Millionen Euro.

Ein Vorbild für die nachhaltige Stadtentwicklung

Mit dem Superradwegenetz Tübingen setzt Tübingen ein starkes Zeichen für nachhaltige Mobilität und moderne Stadtplanung. Oberbürgermeister Boris Palmer zeigte sich bei der Eröffnung begeistert und betonte, wie wichtig dieses Projekt für die Zukunft der Stadt sei. Es ist ein inspirierendes Beispiel dafür, wie durchdachte Infrastrukturprojekte den urbanen Raum lebenswerter machen können.

Ein nachhaltiger Schritt in die Zukunft

Das Superradwegenetz Tübingen ist weit mehr als nur ein Radweg. Es ist ein Symbol für eine moderne, umweltfreundliche und lebenswerte Stadt. Die gelungene Verbindung von Innovation, Nachhaltigkeit und Funktionalität macht dieses Projekt zu einem Vorbild für andere Städte weltweit. Wer einmal über die „Radbrücke West“ geradelt ist, spürt, dass hier Zukunft greifbar wird.

Der längste Fahrradtunnel der Welt: Mehr zum Fyllingsdal-Tunnel lesen Sie hier.

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Lärmschutzschalen für Berliner Mauerpark

„Acoustic Shells“

Die Acoustic Shells sind 5

Die sogenannten „Acoustic Shells“ sollen musikalische Einlagen verbessern und gleichzeitig den Lärmpegel im Berliner Mauerpark reduzieren. Der Verein Freunde des Mauerparks e.V. und das Bezirksamt Pankow stellten die Lärmmuscheln nun vor. Alles zum Konzept lesen Sie hier.

Erste “Acoustic Shell” im Berliner Mauerpark aufgestellt

Sie sieht aus wie eine kleine Konzertmuschel aus Birkenholz und soll den umliegenden Anwohner*innen des Berliner Mauerparks endlich akustische Linderung verschaffen. Seit Jahren nämlich klagen die über die laute Musik der Feiernden, vor allem wenn es nachts oder Sonntag ist.

Die Form der Acoustic Shells nähert sich einem Parabolspiegelausschnitt von 5,75 Metern Breite und drei Metern Höhe. Damit soll diese gleich zwei Dinge bewirken, um die Schallemissionen auf die Nachbarschaft im Mauerpark zu reduzieren. Die Konstruktion kann die nach hinten gerichteten Schallwellen folglich reflektieren und Richtung Publikum bündeln, was den Schalldruck auf die Gebäude hinter der Muschel verringert. Gleichzeitig sollen sich die Musiker durch einen Rebound-Effekt in der Acoustic Shell besser hören können, wodurch diese leiser spielen könnten.

Lärmschutzschalen sollen Akzeptanz erhöhen

 

Die Acoustic Shell entstand auf Initiative des Vereins Freunde des Mauerparks und in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Pankow. Fast 19 000 Euro der Gesamtkosten von 23 000 Euro steuerte die Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr in Form einer Förderung bei. Die Konzertmuschel ist zerlegbar und der Mauerpark testet die Schale künftig “an geeigneten Tagen” und an verschiedenen Stellen auf dem Gelände.

Gegen nächtliche Ruhestörungen werden die Shells so zwar nichts ausrichten können, es ginge laut den Verantwortlichen aber auch vielmehr darum, zunächst unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen und die Akzeptanz der Straßenmusik zu erhöhen. Wie sich die akustischen Auswirkungen der Shells bemerkbar machen, das soll nach Ende der Saison ausgewertet werden. Für das Jahr 2022 ist dann geplant, weitere der mobilen Akustikmuscheln im Mauerpark aufzustellen.

Wenn sich das Konzept bewährt, sei nicht ausgeschlossen, dass auch eine feste Installation im Mauerpark zum Einsatz komme. Und die Idee soll Schule machen. Alexander Puell, der Vorsitzende des Vereins Freunde des Mauerparks e.V. dazu: „Wir zeigen mit den Acoustic Shells wie innovativer Lärmschutz und Kulturförderung in Pankow zusammengeht und hoffen, dass das Konzept nicht nur im Mauerpark erfolgreich ist, sondern dass dieser innovative Ansatz auch in anderen Parks und Städten Schule macht”

Mehr Informationen zu der Acoustic Shell im Berliner Mauerpark finden Sie auf der Webseite des Freunde des Mauerparks e.V.

Noch mehr Neuigkeiten rund um die Hauptstadt und ihre Parks? Der Spreepark in Berlin wird nicht nur gebaut sondern zusammen mit Bürger*innen und Interessent*innen entwickelt. Mehr zu den Beteiligungsprozessen erfahren Sie bei uns.

Sie sind bauliche Meisterwerke, verbinden, wo anderes trennt, machen wahrhaft mobil – und dennoch schenken wir ihnen viel zu wenig Aufmerksamkeit: Stadtbrücken. Mit der Maiausgabe der G+L erhalten sie nun die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Wir werfen einen Blick auf die bedeutendsten Stadtbrücken der Welt und diskutieren die aktuell spannendsten Brückenprojekte im deutschsprachigen Raum, darunter natürlich auch die viel diskutierte „Green Bridge“ von RKLW Architektur + und JLL in Düsseldorf.

„Die Brücke der Wut“ titelte SZ Online im April zum Verkehrsversuch auf der Dresden-Brücke „Blaues Wunder“. Bis in den Juni hinein wollte die Stadt probeweise testen, ob auf der ikonischen Brücke ein eigener Fahrradweg funktioniert. Bislang hatten Fahrradfahrende auf den Gehweg ausweichen müssen. Um Platz für die Radelnden zu schaffen, fiel eine Autofahrspur weg. Die Auswirkungen auf den motorisierten Verkehr an den ersten Tagen waren enorm. Es kam zu größeren Verspätungen des Busverkehrs, die Dresdner Handwerkskammer schaltete sich ein. Kammerchef Jörg Dittrich erklärte den Versuch nach einer Woche als gescheitert. Das Dresdner Rathaus stimmte dem wenig später, nach nicht einmal zwei Wochen Testphase, zu und gab das Ende des Pilotprojekts bis Ende April bekannt.

Die Kritik an dem Projekt war von Anfang an sehr laut. Dresdens Verkehrsbürgermeister Stephan Kühn (Grüne) wurde als „ADFC- Lobbyist“ bezeichnet und vorgeworfen, eine gegen das Auto gerichtete Politik zu betreiben. Es kam wohl auch zu einer Morddrohung gegen Kühn im Zusammenhang mit dem Projekt. Der Staatsschutz nahm die Ermittlungen auf.

Der Fall in Dresden zeigt: Brücken sind eine wesentliche Komponente der städtischen Infrastruktur und spielen eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung von Mobilitätsbedürfnissen. Brücken sind mehr als bloße strukturelle Verbindungen zwischen zwei Punkten. Sie sind architektonische Symbole, die verbinden, überwinden, aber auch ermöglichen. Ihre Planung, Gestaltung, Umnutzung oder auch Sanierung erfordert ein tiefes Verständnis für die örtlichen Gegebenheiten sowie für die Bedürfnisse der lokalen Stadtgesellschaft. All das bemerkt die Öffentlichkeit aber erst dann, wenn etwas nicht funktioniert – oder anders läuft als bisher. Und deswegen beschäftigen wir uns in der vorliegenden G+L sehr gerne mit einem Thema, das uns irgendwie eben doch alle verbindet: Brücken.

Mit dabei sind deutsche Projekte in unterschiedlichen Planungsstadien, darunter auch die Green Bridge in Düsseldorf. Wir sprechen aber auch mit Experten aus Wirtschaft und Planung zu den heutigen Herausforderungen im Brückenbau und werfen zudem einen Blick auf jüngere internationale Projekte verschiedener Architekturbüros.

Dabei haben wir gelernt: Man muss wirklich kein Nerd sein, um Brücken großartig zu finden.

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In unserem ersten Teil des Stadt-Spezials haben wir jegliche Tunnel genauer unter die Lupe genommen.