Thermisch gerechtes Stadtmobiliar – Benchmarks für die Ausstattung

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Ein markanter Baumstumpf auf einer Wiese vor der Skyline einer Stadt, fotografiert von avechenri in Köln, Deutschland.

Hitzewellen, Kälteeinbrüche, plötzliche Regenschauer – der urbane Raum wird zum Schauplatz eines immer komplexeren Klimageschehens. Während Fassaden begrünt und Straßen umgestaltet werden, steht ein Element selten im Rampenlicht, obwohl es täglich Tausende berührt: das Stadtmobiliar. Thermisch gerechtes Stadtmobiliar ist kein Luxus mehr, sondern Benchmark für eine klimaresiliente Stadtausstattung. Wer jetzt nicht klug plant, riskiert nicht nur überhitzte Plätze, sondern auch soziale Kälte und kostspielige Nachbesserungen.

  • Definition und Bedeutung von thermisch gerechtem Stadtmobiliar für klimaangepasste Städte
  • Wissenschaftliche Grundlagen: Mikroklima, Materialwahl und Nutzerkomfort
  • Benchmarking: Internationale und deutschsprachige Referenzprojekte
  • Planungsleitlinien und Kriterien für die Auswahl und Platzierung von Stadtmöbeln
  • Innovative Materialien und Gestaltungslösungen für Hitze- und Kälteschutz
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Planern, Herstellern und Kommunen
  • Rechtliche, normative und politische Rahmenbedingungen
  • Praktische Herausforderungen und Lösungsansätze aus der Planungspraxis
  • Perspektiven: Smarte und adaptive Stadtmöbel der Zukunft

Thermisch gerechtes Stadtmobiliar – das unterschätzte Fundament klimaresilienter Städte

Wer an die Zukunft unserer Städte denkt, hat schnell spektakuläre Bilder im Kopf: Fassaden, die von Efeu und Wildem Wein erobert werden, kühle Wasserflächen, die das Stadtbild prägen, oder futuristische Überdachungen, die Passanten vor Hagelschlag und Sonnenstich schützen. Doch abseits dieser ikonischen Projekte entscheidet sich das Wohlbefinden im Alltag an einem ganz anderen Punkt – auf der Bank im Park, an der Bushaltestelle, auf dem Spielplatz oder am Fahrradständer. Genau hier, wo Menschen verweilen, warten, kommunizieren oder entspannen, wirken sich Temperaturen, Strahlung und Wind unmittelbar aus. Thermisch gerechtes Stadtmobiliar ist daher weit mehr als nur eine Designfrage; es ist der stille Protagonist der urbanen Klimaanpassung.

Die Grundlagen sind schnell umrissen, aber in der Praxis alles andere als trivial. Stadtmobiliar, das thermisch „gerecht“ ist, sorgt zu jeder Jahreszeit für Komfort – es verhindert Überhitzung im Sommer, schützt vor Auskühlung im Winter, bietet Schatten, reflektiert keine aggressive Sonnenstrahlung und bleibt dennoch wartungsarm. Das klingt nach einer Quadratur des Kreises, ist aber mit kluger Planung, innovativen Materialien und technischer Raffinesse erreichbar. Städte wie Wien, Zürich und Barcelona machen es vor, doch auch in Deutschland entstehen immer mehr Pilotprojekte, die zeigen, wie Stadtbänke, Pergolen, Wartehäuschen und andere Stadtmöbel zu echten Wohlfühlinseln werden.

Doch warum spielt das Mobiliar plötzlich so eine große Rolle? Die Antwort liegt im Klimawandel – und in der Tatsache, dass sich städtische Temperaturen, insbesondere in dicht bebauten Quartieren, um mehrere Grad Celsius über das Umlandniveau erheben können. Das sogenannte urbane Wärmeinseleffekt sorgt dafür, dass Plätze ohne Schatten und Sitzgelegenheiten aus Metall im Sommer zur Zumutung werden, während zugige Bänke im Winter gemieden werden. Wer hier nicht vorausschauend plant, riskiert nicht nur leere Plätze, sondern auch gesundheitliche Belastungen und eine Abwertung des öffentlichen Raums.

Thermisch gerechtes Stadtmobiliar ist deshalb auch ein sozialer Auftrag. Es ermöglicht Teilhabe unabhängig von Alter, Mobilität oder Einkommen. Wer einen schattigen, angenehm temperierten Platz findet, bleibt länger – und das ist kein banaler Nebeneffekt, sondern fördert Austausch, Integration und Aufenthaltsqualität. Kurz: Es sind die Details, die den Unterschied machen. Und diese Details werden zunehmend zur Benchmark für zukunftsfähige Städte und Gemeinden im deutschsprachigen Raum.

Die Herausforderung: Was im Prospekt als „klimafreundlich“ beworben wird, hält den komplexen Anforderungen oft nicht stand. Die Auswahl der richtigen Materialien, die Orientierung zur Sonne, die Integration von Begrünung und Wasser, die Wartungsfreundlichkeit und der Vandalismusschutz – all das muss in der Planung mitgedacht werden. Und natürlich die Frage: Wer setzt die Benchmarks? Wer misst, wie thermisch gerecht ein Stadtmöbel wirklich ist? Hier beginnt die eigentliche Innovation – und der Anspruch, den G+L an professionelle Leser stellt.

Wissenschaftliche Grundlagen: Von Mikroklima bis Materialintelligenz

Um thermisch gerechtes Stadtmobiliar zu entwickeln, reicht es nicht, im Katalog nach „sonnenschirmähnlichen“ Bänken zu suchen. Entscheidend ist das Verständnis der komplexen Wechselwirkungen zwischen Stadtklima, Nutzerverhalten und Materialeigenschaften. Das Mikroklima, also die unmittelbare klimatische Umgebung, in der das Mobiliar platziert wird, unterliegt Einflüssen wie Sonneneinstrahlung, Windrichtung, Luftfeuchtigkeit und Bodenbeschaffenheit. Hier helfen keine pauschalen Lösungen, sondern nur standortspezifische Analysen. Ein Standort, der im Frühjahr angenehm von der Sonne beschienen wird, kann im Hochsommer zur Hitzefalle werden, wenn Reflektionen von Glasfassaden oder Asphaltflächen hinzukommen.

Die Materialwahl ist ein Schlüsselfaktor. Klassische Metallbänke beispielsweise speichern im Sommer Hitze und werden im Winter eiskalt. Holz hingegen reguliert die Temperatur besser, ist aber anfällig für Witterung und Vandalismus. Innovative Werkstoffe wie Hochleistungsbeton mit aufgehellter Oberfläche oder Thermoholz kombinieren Robustheit mit thermischer „Freundlichkeit“. Noch weiter gehen adaptive Materialien, die sich in ihrer Oberflächentemperatur anpassen oder sogar aktiv kühlen beziehungsweise wärmen können. Forschungsprojekte an deutschen Universitäten arbeiten beispielsweise an keramischen Beschichtungen, die Hitzespitzen abpuffern, ohne dabei die Oberfläche unangenehm heiß werden zu lassen.

Ein weiteres zentrales Thema ist die Integration von Begrünung. Pflanztröge, Rankhilfen oder direkt in das Mobiliar integrierte Vegetation übernehmen gleich mehrere Funktionen: Verdunstungskühlung, Schattenwurf und Luftfilterung. Der kühlende Effekt von Pflanzen ist wissenschaftlich belegt und kann die gefühlte Temperatur um mehrere Grad senken – vorausgesetzt, die Pflege ist gesichert und die Auswahl der Pflanzen standortgerecht. Inzwischen gibt es auch Stadtmöbel, die Wasser speichern und gezielt an die Bepflanzung abgeben. Solche „grünen Möbel“ sind jedoch bislang eher die Ausnahme als die Regel, da sie höhere Initialkosten und einen erhöhten Wartungsaufwand verursachen.

Thermisch gerechtes Stadtmobiliar bedeutet zudem, den Strahlungshaushalt zu berücksichtigen. Helle Oberflächen reflektieren mehr Sonnenlicht, dunkle nehmen es auf. Doch nicht jede helle Oberfläche ist automatisch angenehm: Manche reflektieren das Licht so stark, dass sie blenden oder sogar umliegende Flächen aufheizen. Die perfekte Balance aus Reflexion, Absorption und Emissionsvermögen zu finden, ist eine Wissenschaft für sich – und erfordert enge Abstimmung zwischen Planern, Materialherstellern und Stadtverwaltungen.

Schließlich spielen auch Ergonomie und Aufenthaltsdauer eine Rolle. Ein Sitzmöbel, das thermisch optimal funktioniert, aber unbequem ist, wird schnell gemieden. Genauso wenig hilft eine perfekt beschattete Bank, wenn sie zu nah an wärmespeichernden Fassaden steht oder durch Windschneisen unangenehm auskühlt. Die Kombination aus mikroklimatischer Analyse, materialtechnischer Innovation und nutzerzentrierter Gestaltung ist daher der Schlüssel zum Erfolg. Wer hier nur auf „optische Akzente“ setzt, hat das Thema verfehlt.

Benchmarks und Best Practices: Wie Städte und Planer Maßstäbe setzen

Die Suche nach Benchmarks für thermisch gerechtes Stadtmobiliar führt schnell zu internationalen Vorreitern – und zu einer erstaunlichen Vielfalt an Lösungsansätzen. Singapur etwa hat mit dem „Cool Bench“-Programm Sitzgelegenheiten geschaffen, die durch spezielle Materialien und Überdachungen auch bei 35 Grad Celsius nutzbar bleiben. In Barcelona werden Pergolen mit Photovoltaik-Modulen kombiniert, die nicht nur Schatten spenden, sondern auch Energie für die Beleuchtung und die Bewässerung der angrenzenden Bepflanzung liefern. Wien setzt auf modulare Holzsysteme mit integrierten Pflanzinseln, die die Aufenthaltsqualität im Sommer und Winter verbessern.

Auch in Deutschland gibt es inzwischen ambitionierte Projekte. Die Stadt Frankfurt experimentiert an neuralgischen Plätzen mit „Cool Spots“ – Bankanlagen mit aufgehellten Oberflächen, hoher Rückenlehne und seitlichen Begrünungselementen. In Freiburg werden Bushaltestellen mit Gründächern und seitlichen Windschutzwänden ausgestattet. München hat an stark frequentierten Plätzen multifunktionale Stadtmöbel aufgestellt, die Sitzflächen, Pflanztröge, Fahrradständer und sogar Trinkwasserbrunnen kombinieren. Entscheidend ist hierbei der Ansatz, die Möbel nicht als Solitäre zu verstehen, sondern als Teil eines mikroklimatischen Gesamtkonzepts.

Das Benchmarking erfolgt dabei zunehmend datenbasiert. Mithilfe mobiler Sensorik werden Temperaturen auf und um das Mobiliar gemessen, Aufenthaltsdauer und Nutzerzufriedenheit evaluiert. Die Ergebnisse fließen in Planungshandbücher und Vergabekriterien ein. Immer mehr Kommunen schreiben inzwischen thermische Anforderungen explizit in Wettbewerben oder Ausschreibungen aus. Hierzu gehören Vorgaben zur maximalen Oberflächentemperatur, zur Verschattung in den Mittagsstunden oder zur Integration von Vegetation und Wasser. Was bislang als „nice-to-have“ galt, wird so zum festen Bestandteil der Planungspraxis.

Eine besondere Rolle spielen dabei interdisziplinäre Teams. Stadtklimatologen, Landschaftsarchitekten, Designer, Materialwissenschaftler und Sozialplaner arbeiten zusammen, um Lösungen zu entwickeln, die nicht nur technisch, sondern auch sozial und wirtschaftlich überzeugen. Der Austausch mit Herstellern ist dabei ebenso wichtig wie die frühzeitige Einbindung der späteren Nutzer. Beteiligungsformate, bei denen Bürger ihre Erfahrungen mit bereits installierten Stadtmöbeln teilen, liefern wertvolle Hinweise für Verbesserungen und Innovationen.

Die eigentliche Benchmark liegt jedoch darin, aus Fehlern zu lernen. Viele Städte haben in der Vergangenheit teure Stadtmöbel installiert, die sich als Hitzefallen oder Angsträume entpuppten. Die Offenheit, solche Fehler zu analysieren und daraus neue Standards zu entwickeln, unterscheidet exzellente Planung von reiner Produktbeschaffung. G+L versteht sich hier als Plattform, die nicht nur Best Practices feiert, sondern auch kritische Reflexion ermöglicht – damit thermisch gerechtes Stadtmobiliar zum festen Bestandteil der klimaresilienten Stadt wird.

Planungsleitlinien, rechtliche Rahmen und Zukunftsperspektiven

Wer thermisch gerechtes Stadtmobiliar umsetzen will, sieht sich schnell mit einem Dschungel aus Normen, Richtlinien und politischen Vorgaben konfrontiert. Die DIN 33942 etwa gibt Empfehlungen zur barrierefreien Gestaltung von Stadtmöbeln, geht aber kaum auf thermische Aspekte ein. Klimaschutzgesetze und kommunale Klimaanpassungsprogramme fordern immer häufiger Aufenthaltsqualität und Hitzeschutz im öffentlichen Raum, lassen aber die konkrete Umsetzung oft offen. Hier sind Planer gefragt, die die Lücke zwischen Norm und Nutzerkomfort schließen – mit innovativen, aber auch pragmatischen Lösungen.

Eine zentrale Leitlinie ist die Integration thermischer Kriterien in die frühzeitige Planung. Bereits bei der Standortwahl muss geprüft werden, wie sich Sonnenstand, Windrichtung, Schattenwurf und angrenzende Materialien auf das Mikroklima auswirken. Die Abstimmung mit Stadtklimatologen ist dabei unerlässlich, ebenso wie die Berücksichtigung künftiger Klimaszenarien. Flexibilität ist Trumpf: Mobile oder modulare Stadtmöbel können je nach Jahreszeit und Bedarf umplatziert oder angepasst werden. Smarte Systeme, die Temperaturen messen und Nutzerinformationen liefern, sind längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern Realität in vielen Pilotprojekten.

Auch die Wartung und Pflege verdienen Beachtung. Ein Stadtmöbel, das im ersten Sommer kühlt, aber nach drei Jahren von Moos und Kaugummis überzogen ist, verliert schnell seine Wirkung. Deshalb setzen viele Städte auf langlebige Materialien, die sich leicht reinigen lassen, sowie auf Partnerschaften mit lokalen Akteuren für die Pflege von Begrünung und Wasseranlagen. Die Einbindung der Nutzer in Pflegepatenschaften kann nicht nur Kosten senken, sondern auch die Identifikation mit dem öffentlichen Raum stärken – ein oft unterschätzter Erfolgsfaktor.

Rechtlich relevant ist zudem die Frage der Haftung. Stadtmöbel, die sich im Sommer stark aufheizen oder im Winter mit Eis überziehen, können zu Verletzungen führen. Kommunen müssen daher sicherstellen, dass die verwendeten Materialien und Konstruktionen auch unter Extrembedingungen sicher sind. Hierbei empfiehlt sich eine enge Abstimmung mit Versicherern und Sachverständigen. Neue Entwicklungen wie KI-gestützte Wartungssysteme könnten künftig helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und zu adressieren.

Der Blick in die Zukunft zeigt: Die Anforderungen an thermisch gerechtes Stadtmobiliar werden weiter steigen. Klimamodelle prognostizieren häufiger auftretende Hitzewellen, aber auch zunehmend unvorhersehbare Wetterextreme. Adaptive Systeme, die sich an veränderte Bedingungen anpassen können, werden daher an Bedeutung gewinnen. Denkbar sind Möbel mit integrierten Kühlelementen, Solarpanelen zur Eigenstromversorgung oder intelligenten Sensoren, die Temperatur und Luftqualität messen. Die Verbindung von Design, Technik und Nutzerkomfort bleibt der Schlüssel – und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen, das entscheidende Kriterium für Exzellenz.

Fazit: Stadtmobiliar als Gradmesser für die Zukunftsfähigkeit urbaner Räume

Thermisch gerechtes Stadtmobiliar ist weit mehr als ein modischer Trend oder ein weiteres Häkchen auf der To-do-Liste nachhaltiger Stadtentwicklung. Es ist ein zentraler Baustein für lebenswerte, klimaresiliente Städte – und ein Prüfstein für die Innovationskraft und Weitsicht von Planern, Kommunen und Herstellern. Wer heute noch auf Standardlösungen aus dem Katalog setzt, ignoriert nicht nur die Bedürfnisse der Nutzer, sondern auch die Herausforderungen des Klimawandels. Die Benchmarks setzen diejenigen, die interdisziplinär denken, mikroklimatische Analysen ernst nehmen, innovative Materialien wagen und den Dialog mit Nutzern, Wissenschaft und Politik suchen.

Die Praxis zeigt: Es gibt keine Patentrezepte, aber viele inspirierende Beispiele. Der Schlüssel liegt in der Kombination aus wissenschaftlicher Präzision, gestalterischer Qualität und sozialer Verantwortung. Thermisch gerechtes Stadtmobiliar ist damit ein Paradebeispiel für die Verbindung von Technik, Design und Gemeinwohl – und ein Feld, auf dem sich die Zukunftsfähigkeit urbaner Räume konkret beweisen lässt. G+L bleibt am Puls der Zeit, präsentiert Benchmarks, analysiert Trends und fördert den Austausch – für Städte, die nicht nur gebaut, sondern erlebt werden wollen. Wer jetzt investiert, schafft nicht nur Schatten und Komfort, sondern auch bleibende Werte für kommende Generationen.

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Die Preisträger des Peter-Joseph-Lenné-Preises 2024: Visionäre Köpfe hinter wegweisenden Landschaftsarchitekturprojekten, die neue Maßstäbe für nachhaltige und zukunftsorientierte Lebensräume setzen. Foto: SenMVKU/Julia Merkel
Die Preisträger des Peter-Joseph-Lenné-Preises 2024: Visionäre Köpfe hinter wegweisenden Landschaftsarchitekturprojekten, die neue Maßstäbe für nachhaltige und zukunftsorientierte Lebensräume setzen. Foto: SenMVKU/Julia Merkel

Die Gestaltung unserer Umwelt wird immer wichtiger, da der Klimawandel und die Urbanisierung große Herausforderungen mit sich bringen. Der Peter-Joseph-Lenné-Preis 2024 setzt ein klares Zeichen für die Bedeutung der Landschaftsarchitektur. Diese Disziplin verbindet gestalterische Kreativität mit ökologischer Verantwortung und schafft lebenswerte Räume, die Menschen und Natur gleichermaßen zugutekommen.

Jedes Jahr würdigt der Peter-Joseph-Lenné-Preis visionäre Projekte, die die Gestaltung von Freiräumen auf ein neues Niveau heben. Dabei stehen nicht nur ästhetische Aspekte im Fokus, sondern auch die nachhaltige Entwicklung und die Verbesserung der Lebensqualität.

Die Aufgaben des Wettbewerbs spiegeln die Vielseitigkeit der Landschaftsarchitektur wider. 2024 wurden drei Themen bearbeitet: urbane Verkehrsräume, postindustrielle Landschaften und die Küstengestaltung in Barcelona. Alle Siegerprojekte zeigten, wie innovative Konzepte gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen lösen können.

Urbane Verkehrsräume: Die Leipziger Straße wird neu gedacht

Ein lebendiger Ort der Begegnung

Die Leipziger Straße, eine zentrale Verkehrsader in Berlin, galt lange als Beispiel für trennende Verkehrsräume. Mit der Aufgabe A sollten die Teilnehmenden Lösungen finden, um den Raum in einen lebendigen Ort der Begegnung zu verwandeln.

Das Siegerprojekt „Paketband“

Bastian ten Haaf und Leonie Butterweck aus Kassel setzten sich mit ihrem Entwurf „Paketband“ an die Spitze. Ihre Idee nutzt eine klare Struktur, um den Straßenraum in verschiedene Zonen mit unterschiedlichen Atmosphären zu unterteilen. Dadurch wird die Straße nicht nur funktionaler, sondern auch einladender für Fußgänger und Anwohner.

Anerkennung für nachhaltige Ansätze

Auch die Arbeit von Charleen und Oscar Frederik Jersch aus Oldenburg erhielt Anerkennung. Ihr Entwurf legte ebenfalls einen Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und eine bessere Aufenthaltsqualität, was die Jury besonders schätzte.

Aufgabe A Sieger: Bastian ten Haaf und Leonie Butterweck Bild: Julia Merkel
Aufgabe A Sieger: Bastian ten Haaf und Leonie Butterweck Bild: Julia Merkel
Aufgabe A - Anerkennung: Charleen Schuhmacher und Oscar Frederik Jersch. Bild: Julia Merkel
Aufgabe A – Anerkennung: Charleen Schuhmacher und Oscar Frederik Jersch. Bild: Julia Merkel

Die Lausitz: Ein Modell für postindustrielle Landschaften

Eine Region im Wandel

Die Lausitz, jahrzehntelang geprägt durch den Braunkohletagebau, steht vor einem Wandel. Mit dem Kohleausstieg bis 2038 eröffnet sich die Chance, diese Region neu zu definieren. Die Aufgabe B forderte die Teilnehmenden dazu auf, Konzepte für eine nachhaltige Transformation zu entwickeln.

Das visionäre Konzept von Till Pulst

Till Pulst aus Weimar beeindruckte die Jury mit seinem Entwurf „Welzow Süd – Die produktive Landschaft“. Sein Konzept kombiniert Energieinfrastruktur und natürliche Elemente, um eine dynamische, zukunftsorientierte Landschaft zu schaffen. Besonders hervorzuheben ist die Gestaltung der Übergangszone zwischen der Stadt Welzow und der neuen Landschaft, die sowohl Naherholungsräume als auch Platz für Wohn- und Gewerbeflächen bietet.

Pulst zeigt eindrucksvoll, wie die Geschichte der Region mit einer visionären Zukunft verknüpft werden kann. Seine Arbeit lädt die Bewohner ein, den Wandel aktiv mitzugestalten.

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Aufgabe B – Sieger: Till Pulst. Bild: Julia Merkel

Küstengestaltung in Barcelona: Eine grüne Verbindung schaffen

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Barcelona stellte die internationale Aufgabe C, bei der eine Lücke in der Uferpromenade geschlossen werden sollte. Die Herausforderung bestand darin, einen Park zu gestalten, der Stadt und Meer auf nachhaltige Weise miteinander verbindet.

Plattform Reviva: Ein preisgekröntes Konzept

Moritz Wette (Berlin) und Felix Ridder (Mühltal) gewannen mit ihrem Entwurf „Plataforma Reviva“ nicht nur den Peter-Joseph-Lenné-Preis, sondern auch die Karl-Foerster-Anerkennung für herausragende Pflanzenverwendung. Ihr Konzept überzeugt mit innovativen Ideen wie der Wiederverwendung vorhandener Bauteile, der Nutzung von Klärwasser und der Schaffung von grünblauen Lebensräumen.

Weitere Anerkennung für Annemarie Henßler

Zusätzlich ordnet der Entwurf die Verkehrsströme effektiv und schafft durch eine präzise Gestaltung der Küstengeometrie ein harmonisches Gesamtbild. Auch Annemarie Henßler aus Dresden erhielt in dieser Kategorie eine Anerkennung für ihren durchdachten und nachhaltigen Entwurf.

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Aufgabe C- Sieger: Felix Ridder und Moritz Wette. Bild: Julia Merkel
Aufgabe C - Anerkennung: Annemarie Henzler. Bild: Julia Merkel
Aufgabe C – Anerkennung: Annemarie Henzler. Bild: Julia Merkel

Pflanzen als Schlüssel zur nachhaltigen Gestaltung

Die Bedeutung der Pflanzenverwendung

Die Karl-Foerster-Anerkennung, die außergewöhnliche Leistungen im Bereich Pflanzenverwendung auszeichnet, ging an Antonia Blumrich (Rüdesheim am Rhein) und Annika Jeschek (Mainz). Beide betonten in ihren Arbeiten die Bedeutung von Pflanzen als integralen Bestandteil nachhaltiger Landschaftsarchitektur.

Mehr als Dekoration

Pflanzen schaffen nicht nur Lebensräume für Tiere, sondern verbessern auch das Mikroklima und tragen zur Aufenthaltsqualität bei. Damit spielen sie eine entscheidende Rolle in der Gestaltung von Freiräumen, die sowohl funktional als auch ästhetisch überzeugen.

Eine Jury mit internationaler Expertise

Ein Team aus renommierten Fachleuten

Die Preisträger des Peter-Joseph-Lenné-Preises wurden von einer erfahrenen Jury unter Vorsitz von Martin Schmitz(Atelier Loidl, Berlin) ausgewählt. Zu den weiteren Mitgliedern zählten Bernadette Brandl (TU München), Ina Bimberg (Bimberg Landschaftsarchitekten, Iserlohn) und Karoline Liedtke-Sørensen (Cobe, Kopenhagen). Vertreter der Städte Berlin, Welzow und Barcelona ergänzten die Jury mit ihrer lokalen Perspektive.

Der Peter-Joseph-Lenné-Preis als Impulsgeber

Inspiration für die Zukunft

Der Peter-Joseph-Lenné-Preis 2024 zeigt, wie vielfältig und zukunftsorientiert Landschaftsarchitektur sein kann. Die Preisträger bieten Antworten auf zentrale Fragen unserer Zeit: Wie können wir Städte lebenswerter gestalten, postindustrielle Landschaften wiederbeleben und nachhaltige Küstenräume schaffen?

Plattform für junge Talente

Die Projekte der Gewinner unterstreichen, wie kreative Ideen, interdisziplinäre Ansätze und mutige Visionen eine bessere Zukunft formen können. Der Wettbewerb bleibt eine unverzichtbare Plattform für junge Talente, die mit ihren Arbeiten die Welt nachhaltig verändern möchten.

 

 

 

Lesen Sie hier mehr zum PETER-JOSEPH-LENNÉ-PREIS 2022.

 

Bezahlbar Wohnen in Deutschland

Advertorial Artikel Parallax Article

Mit fast zehn Sozialwohnungen pro 1 000 Einwohner*innen steht Hamburg im bundesweiten Vergleich von 26 Städten laut einer Studie von Bulwiengesa ganz vorn da. Doch Sozialwohnungen werden in Deutschland trotzdem in erstaunlicher Geschwindigkeit knapper und immer weniger Menschen können sich Wohnraum in Ballungsgebieten leisten. So hat sich sozialer Wohnungsbau in Deutschland verändert.

Sozialer Wohnungsbau: frühes Vorbild Deutschland

 

2002 lag die Zahl der Sozialwohnungen in Deutschland ungefähr bei 2,6 Millionen. 2018 waren es nur noch etwa 1,2 Millionen, also weniger als die Hälfte. Das hat der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen in einer Auswertung 2019 festgestellt.

Mit anderen Worten: Zwischen 2002 und 2018 verloren jeden Tag durchschnittlich rund 230 Wohnungen ihren Status als Sozialwohnung. Netto, trotz Neubauten. Ihre Vermieter*innen unterliegen dann nicht mehr der Bindung an staatlich vorgeschriebene Mietpreise und lassen sich mit Mieterhöhungen – verständlicherweise – nicht lange bitten. Unterm Strich geht es mit Deutschlands Sozialwohnungen also abwärts. Nicht gerade rühmlich, wenn man bedenkt, das Deutschland früher als internationaler Spitzenreiter sozialen Wohnungsbaus galt.

Vor etwa 100 Jahren befand sich Deutschland in der Zeit der Novemberrevolution. Der erste Weltkrieg neigte sich dem Ende, die Deutschen stürzten ihre Monarchie und riefen die Republik aus. Auf ihre schlechte Wohnsituation versuchten sie schon in der Kaiserzeit, mitunter in Krawallen auswachsend, aufmerksam zu machen. Doch erstmals in der Zeit der Weimarer Republik fanden die Stimmen der Arbeiterbewegung das Gehör und die Bereitschaft vor, jenen mit kleinen Einkommen bezahlbaren und lebenswürdigen Wohnraum zu schaffen.

Die Berliner Hufeisensiedlung ging als vielleicht bekanntestes Beispiel aus dieser Epoche hervor. Sie ist heute UNESCO-Welterbe und architektonische Ikone. Allein im damaligen Groß-Berlin entstanden in den 20er-Jahren insgesamt 17 solcher verdichteter Sozialwohnsiedlungen, die optisch nicht alle so herausragen mögen wie die Hufeisensiedlung, aber ein gemeinsames Ziel verfolgten: leistbaren Wohnraum guter Qualität zu schaffen.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs sorgten in Schutt liegende Städte und die zurückkehrenden Heimatvertriebenen für eine grassierende Wohnungsnot, auf den in sowohl in Ost als auch in West mit dem Bau staatlich finanzierter Wohnungen begegnet wurde. Der Trend zum öffentlichen Wohnungsbau fand schließlich ab den 80er-Jahren seine Wende, als der Staat sich aus dessen Finanzierung zurückzog und immer mehr Kommunen aus Geldmangel damit begannen, ihre geförderten Wohnflächen zu privatisieren.

Sozialer Wohnungsbau seit den 80ern privatisiert

Die neuen Eigentümer*innen wurden in Verträgen von üblicherweise 30 Jahren Dauer dazu verpflichtet, die Wohnungen als Sozialwohnungen für berechtigte Interessent*innen bereitzustellen und dafür vom Staat finanziell entschädigt. Nach diesen 30 Jahren entfällt dann die sogenannte Sozialbindung und die Eigentümer*innen dürfen die Wohnungen wieder am freien Markt anbieten. Die Renditen, die dort mittlerweile zu erzielen sind, lässt sich kaum jemand entgehen, der Wohnraum anzubieten hat. Wer sich heute eine Wohnung in Ballungsgebieten leisten will, muss häufig entweder weit über dem Durchschnitt verdienen, sich mit sehr wenig Platz zufriedengeben oder aber einen ungesunden Anteil des Haushaltseinkommens für die Wohnkosten einplanen.

Dennoch, das zeigt wie groß die Wohnungsnot anscheinend wieder geworden ist, finden sich heute in deutschen Großstädten schon mal 50 Bewerber*innen zur Massenbesichtigung des sanierungsbedürftigen Wohnklos ein und eine*r von ihnen darf sich anschließend der Ehren einer gepickten Rosine erfreuen.

Der jahrelang vernachlässigte soziale Wohnungsbau wird sich nicht schnell beheben lassen. Das liegt schon an der Gestaltung von Baugenehmigungsverfahren, die regelmäßig ein Vielfaches der reinen Bauzeit eines Objekts in Anspruch nehmen. Was heute angestoßen wird, kann, auch aufgrund des Mangels an Personal, das Bauverfahren in den Kommunen zu bearbeiten in der Lage ist, erst in Jahren zum ersten Spatenstich gelangen. Dazu kommt, dass erst einmal Baugrund vorhanden sein muss, und der wurde an vielen Orten während der Privatisierung verkauft.

Dass Hamburg jetzt statistisch gut dasteht im Bereich sozialer Wohnungsbau ist eine schöne Nachricht, aber die Tatsache, dass sich insgesamt viel zu wenig beim Thema tut, transportiert sie nicht. Immer noch, selbst einschließlich der geplanten Neubauten in den Bundesländern, werden Sozialwohnungen in den nächsten Jahren effektiv weniger werden und solange es sich für Investor*innen nicht lohnt, sie zu bauen, wird sich daran von selbst auch nichts ändern.

Mehr Initiative gefordert

Deutschland ist spät dran ist mit der Thematik, da hilft auch Meckern nichts mehr. Staat und Länder müssen jetzt aber weitaus unternehmen, als bisher. Das Hannoveraner pestel-Institut kam in einer Kurzstudie 2019 zum Fazit, dass der Bestand an Sozialwohnungen als „Minimalziel“ zur Entspannung deutscher Wohnungsmärkte bis 2030 wieder auf zwei Millionen angehoben werden sollte. Um das zu erreichen, schätzt das Institut einen Finanzbedarf von jährlich über sechs Milliarden Euro über mehr als zehn Jahre.

Das sind weit mehr, als die 2,4 Milliarden, die laut der Studie 2018 für den sozialen Wohnungsbau in den Haushalten des Bundes und der Länder bereitgestellt wurden. Auch die Finanzhilfen des Bundes für den sozialen Wohnungsbau, die 2020 mit einem Volumen von einer Milliarde Euro bis 2024 beschlossen wurden, sehen da eher aus wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Vorschläge zur Bekämpfung der Wohnungskrise gibt es. Bundeseigene Liegenschaften wie Parkplätze an Bahnhöfen beispielsweise könnten den Baugrund für neuen Wohnraum darstellen. Auf Stelzen gebaut, wie nach einer Idee eines Bad Aiblinger Architekten, würden sie mit den parkenden Autos nicht einmal um den begehrten Platz konkurrieren. Um schneller auf den Bedarf reagieren zu können, wäre es aber auch nötig, das Baurecht zu verschlanken, und sozialen Wohnungsbauer*innen nicht noch zusätzliche Verwaltungsarbeit aufzubürden.

Über sozialen Wohnungsbau und über den Flächendruck in Berlin ganz allgemein sprachen wir mit Berlins Bausenator Sebastian Scheel im Interview.

Und alles zum Mietendeckel Berlin lesen Sie hier.