Thermische Funktionskarten für interdisziplinäre Planungsteams

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LEGO-Bausteine in Rot und Gelb – Foto von Muyuan Ma

Wer verstehen will, wie Städte heute wirklich funktionieren – und morgen überleben wollen –, muss ihre unsichtbaren Klimaströme sichtbar machen. Thermische Funktionskarten verwandeln Temperaturdaten in eine Planungsgrundlage, die nicht nur Fachleute elektrisiert. Sie sind Kompass und Warnsystem zugleich, Werkzeug für Visionäre und Rettungsanker für Quartiere, die unter der urbanen Hitze ächzen. Doch was steckt hinter diesen Karten? Und warum sollten interdisziplinäre Teams auf gar keinen Fall darauf verzichten?

  • Erklärung, was thermische Funktionskarten sind und weshalb sie für die Stadt- und Landschaftsplanung unverzichtbar werden.
  • Wie thermische Funktionskarten entstehen, welche Datenquellen und technischen Methoden zum Einsatz kommen.
  • Die Rolle von thermischen Funktionskarten für klimaresiliente Stadtentwicklung und Hitzeaktionspläne.
  • Warum interdisziplinäre Planungsteams auf diese Karten setzen und wie sie die Zusammenarbeit von Stadtplanern, Landschaftsarchitekten, Ingenieuren und Verwaltung revolutionieren.
  • Best-Practice-Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die den Mehrwert dieser Karten eindrucksvoll belegen.
  • Rechtliche, technische und organisatorische Herausforderungen bei der Integration in kommunale Planungsprozesse.
  • Innovative Anwendungen: Von der Bauleitplanung bis zur Bürgerbeteiligung – wie Karten zum Dialoginstrument werden.
  • Risiken und Grenzen: Datenunsicherheiten, Datenschutz und die Gefahr technokratischer Übersteuerung.
  • Strategien, wie Kommunen und Planungsbüros das volle Potenzial thermischer Funktionskarten ausschöpfen können.
  • Abschließende Bewertung und Ausblick: Warum die Zukunft der Stadtplanung ohne präzise Klimakarten undenkbar ist.

Thermische Funktionskarten: Unsichtbares Klima sichtbar machen

In der öffentlichen Wahrnehmung dominieren noch immer bunte Temperaturkarten aus den Wetter-Apps, wenn es um Hitze in der Stadt geht. Doch professionelle thermische Funktionskarten sind weit mehr als hübsche Farbfelder. Sie sind das Ergebnis jahrelanger Forschung, datengetriebener Analysen und einer neuen Sensibilität für die Herausforderungen des urbanen Klimawandels. Im Kern handelt es sich um detaillierte, georeferenzierte Darstellungen der Temperaturverteilung, Luftströmungen und Wärmebelastung in Städten und Quartieren. Solche Karten zeigen nicht nur, wo es heiß ist, sondern warum – und was dagegen getan werden kann.

Thermische Funktionskarten basieren auf einer Vielzahl von Datenquellen. Satellitenaufnahmen, Drohnenbefliegungen, stationäre und mobile Messsensoren sowie numerische Strömungsmodelle liefern die Rohdaten. Diese werden mit Geoinformationssystemen (GIS) verarbeitet und mit weiteren Faktoren wie Versiegelungsgrad, Vegetationsindex, Gebäudestrukturen und Verkehrsaufkommen verschnitten. Das Ergebnis sind hochaufgelöste Karten, die nicht nur Oberflächentemperaturen, sondern auch Mikroklimata und deren Veränderungen im Tages- und Jahresverlauf abbilden.

Im Unterschied zu klassischen Stadtklimakarten, die meist auf langfristigen Mittelwerten basieren, liefern thermische Funktionskarten dynamische, teils sogar tagesaktuelle Informationen. Sie werden zunehmend mit Echtzeitdaten gespeist: Wetterstationen auf Dächern, mobile Messungen in Straßenräumen oder neue IoT-Sensorik schaffen eine nie dagewesene Dichte an Klimainformationen. Diese Daten lassen sich mit städtebaulichen Simulationen koppeln, um beispielsweise die Auswirkung neuer Bebauung, Frischluftschneisen oder Grünflächen auf das lokale Mikroklima vorherzusagen.

Die Erstellung solcher Karten ist eine Wissenschaft für sich. Es braucht nicht nur technische Expertise, sondern auch ein tiefes Verständnis für die Wechselwirkungen von Stadtstruktur, Materialität, Vegetation und Atmosphäre. Die Kunst besteht darin, die Komplexität der Daten so aufzubereiten, dass Planungsteams daraus handfeste Maßnahmen ableiten können. Hier zeigt sich der wahre Wert der thermischen Funktionskarte: Sie macht das Unsichtbare sichtbar und verwandelt diffuse Klimarisiken in adressierbare Handlungsfelder.

Der Nutzen ist enorm: Städte erkennen auf einen Blick, wo Hitzeinseln entstehen, wie effektiv Grünflächen kühlen, welche Straßenräume besonders belastet sind und wo die Gefahr für vulnerable Gruppen am höchsten ist. Thermische Funktionskarten sind damit nicht nur Diagnoseinstrument, sondern auch Navigationshilfe für eine klimaresiliente Stadtentwicklung. Ohne sie droht die Stadtplanung, buchstäblich am heißen Kern der Probleme vorbei zu arbeiten.

Von der Datensammlung zur Planungspraxis: Wie thermische Funktionskarten entstehen

Die Herstellung einer thermischen Funktionskarte beginnt mit der systematischen Datensammlung. Zunächst werden alle verfügbaren Quellen gesichtet: Satellitenbilder liefern flächendeckende Temperaturinformationen, aber nur mit begrenzter Auflösung. Drohnenbefliegungen erlauben detaillierte Aufnahmen, etwa zur Erfassung von Dach- und Fassadentemperaturen oder zur Identifikation von Hitzespots in Hinterhöfen. Ergänzend kommen stationäre Sensoren an späteren Hotspots wie Straßen, Plätzen und Parks zum Einsatz. Diese können kontinuierlich Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und sogar Oberflächenmaterial erfassen.

Ein zunehmend wichtiges Instrument sind mobile Messungen. Fahrzeuge mit Sensorik fahren definierte Routen ab und erstellen hochaufgelöste Temperaturprofile ganzer Straßenzüge. Auf diese Weise werden lokale Besonderheiten erkannt, etwa die Hitzestauung an stark versiegelten Kreuzungen oder die kühlende Wirkung von Wasserflächen. All diese Daten fließen in leistungsfähige GIS-Systeme ein, die sie mit weiteren Informationen verknüpfen. Dazu zählen der Versiegelungsgrad, Vegetationsstrukturen, Bebauungsdichte, Höhenprofile und sogar Nutzungsmuster von Flächen.

Der nächste Schritt ist die Datenmodellierung. Hier werden die Rohdaten bereinigt, normiert und mit Hilfe numerischer Modelle interpretiert. Die große Herausforderung liegt darin, die Vielzahl der Einflussfaktoren – von der Sonneneinstrahlung über die Wärmespeicherfähigkeit von Baumaterialien bis zur Durchlüftung durch Windkanäle – korrekt zu gewichten. Moderne Stadtklimamodellierer nutzen hierzu spezialisierte Software, etwa ENVI-met, PALM oder urbane CFD-Modelle. Diese Tools simulieren, wie sich Hitze im städtischen Raum ausbreitet, wie sich Temperaturfelder unter verschiedenen Wetterlagen verändern und welche Rolle einzelne Strukturen spielen.

Erst aus dieser Modellierung entstehen die eigentlichen thermischen Funktionskarten. Sie visualisieren auf mehreren Ebenen: Oberflächentemperaturen, Lufttemperatur in verschiedenen Höhen, Hitzebelastung zu unterschiedlichen Tageszeiten, potenzielle Frischluftschneisen oder Wärmeabstrahlung von Gebäuden. Besonders wertvoll sind Differenzkarten, die etwa den Vorher-Nachher-Vergleich bei neuen Entwürfen zeigen oder die Wirkung von geplanten Maßnahmen simulieren. Die Darstellungsformen reichen von einfachen Farbverläufen bis zu interaktiven Webanwendungen, mit denen Planer Szenarien durchspielen können.

Schließlich beginnt die eigentliche Arbeit: Die Interpretation der Karten durch interdisziplinäre Teams. Stadtplaner, Landschaftsarchitekten, Ingenieure und Verwaltung diskutieren die Ergebnisse, identifizieren Risiken und Chancen, priorisieren Maßnahmen und entwickeln darauf aufbauend städtebauliche, landschaftsplanerische und technische Lösungen. Hier wird aus Daten echte Planung – und aus Planung echte Veränderung.

Thermische Funktionskarten als Gamechanger für die klimaresiliente Stadtentwicklung

Kaum ein anderes Instrument hat in den letzten Jahren die Stadt- und Landschaftsplanung so grundlegend verändert wie die thermische Funktionskarte. In Zeiten zunehmender Hitzewellen, urbaner Trockenheit und wachsender Bevölkerungsdichte werden die Schwachstellen bestehender Quartiere schonungslos offengelegt. Plötzlich werden Schulen als Hitzefallen erkannt, Parks als lebensrettende Oasen identifiziert und bislang unbeachtete Hinterhöfe zu Schlüsselzonen für Frischluftzufuhr. Die Karten liefern die Grundlage, um zielgenaue Maßnahmen zu entwickeln und ihre Wirksamkeit im Vorfeld zu simulieren.

Ein besonders beeindruckendes Beispiel liefert die Stadt Freiburg im Breisgau. Dort wurden auf Basis thermischer Funktionskarten gezielt Maßnahmen zur Begrünung von Dächern und Fassaden, zur Entsiegelung von Plätzen und zur Anlage neuer Frischluftschneisen umgesetzt. Die Resultate sind messbar: Die Oberflächentemperaturen in besonders belasteten Quartieren konnten um mehrere Grad gesenkt werden, Hitzetage werden für die Bevölkerung spürbar erträglicher. Ähnliche Ansätze verfolgen Städte wie Wien, Zürich und Basel – mit jeweils eigenen Schwerpunkten, aber stets mit der thermischen Funktionskarte als Kompass.

Auch in der Bauleitplanung sind thermische Funktionskarten nicht mehr wegzudenken. Sie helfen, Standorte für neue Wohnquartiere so zu wählen, dass natürliche Kaltluftströme nicht blockiert werden, und ermöglichen eine klimaoptimierte Anordnung von Gebäuden, Straßen und Grünflächen. Innovative Städte gehen noch weiter und integrieren die Karten in digitale Zwillinge, sodass jede geplante Maßnahme in Echtzeit auf ihre Klimawirkung geprüft werden kann. Die Folge: Planungen werden robuster, nachhaltiger und besser an die Bedürfnisse einer sich wandelnden Stadtgesellschaft angepasst.

Doch der Nutzen reicht weit über die klassische Planung hinaus. Thermische Funktionskarten sind ein zentrales Instrument für Hitzeaktionspläne, die den Schutz besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen wie Kinder, ältere Menschen oder chronisch Kranke sicherstellen. Sie helfen, Notfallmaßnahmen zu priorisieren, Abkühlzonen auszuweisen, Trinkwasserstellen zu planen oder gezielte Kommunikationskampagnen aufzusetzen. In Kombination mit sozialen Daten entsteht ein präzises Frühwarnsystem für die Stadt – und damit ein neues Verständnis von Resilienz.

Letztlich verändern thermische Funktionskarten auch die Kultur der Planung. Sie fördern den Dialog zwischen Fachdisziplinen, machen komplexe Zusammenhänge anschaulich und ermöglichen eine bislang unerreichte Transparenz gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Wo früher abstrakte Klimastudien in dicken Ordnern verschwanden, sprechen heute farbige Karten eine unmissverständliche Sprache – und treiben so den Wandel zur klimaresilienten Stadtentwicklung voran.

Interdisziplinäre Planung neu gedacht: Zusammenarbeit, Innovation und Herausforderungen

Die Einführung von thermischen Funktionskarten in die Planungspraxis ist weit mehr als ein technisches Upgrade. Sie verändert die Art und Weise, wie Teams zusammenarbeiten, wie Entscheidungen getroffen und wie Wissen geteilt wird. Plötzlich sitzen nicht mehr nur Stadtplaner und Landschaftsarchitekten am Tisch, sondern auch Klimaforscher, Datenanalysten, Sozialwissenschaftler und IT-Experten. Jeder bringt eine eigene Perspektive ein – und die thermische Funktionskarte wird zum gemeinsamen Bezugsrahmen, zur „Lingua Franca“ des interdisziplinären Dialogs.

In der Praxis bedeutet das: Planungsteams entwickeln ein neues Verständnis für die Wechselwirkungen ihrer Disziplinen. Der Landschaftsarchitekt kann die Wirkung eines neuen Parks auf das Mikroklima quantifizieren, der Verkehrsplaner erkennt die klimatische Bedeutung von Straßenraumgestaltung, der Architekt prüft, wie sich Materialwahl und Fassadengestaltung auf die Hitzeentwicklung auswirken. Die Karten eröffnen Möglichkeiten zur Co-Kreation, bei der Ideen schnell getestet, verworfen oder weiterentwickelt werden können – und das auf einer gemeinsamen, datenbasierten Grundlage.

Ein herausragendes Beispiel ist die Stadt Wien, wo im Rahmen des Projekts „coole Straßen“ interdisziplinäre Teams Quartiere gezielt auf Hitzebelastung untersuchten und in einem iterativen Prozess Maßnahmen wie mobile Schattenspender, Entsiegelung und temporäre Wasserelemente entwickelten. Die thermische Funktionskarte diente dabei als zentrales Planungs- und Kommunikationsinstrument, mit dem Effekte direkt sichtbar gemacht wurden. Bürger konnten sich an der Maßnahmendiskussion beteiligen und nachvollziehen, wie Veränderungen ihre Umgebung beeinflussen.

Doch mit der Innovationskraft kommen auch neue Herausforderungen. Die Integration thermischer Funktionskarten in bestehende Planungsprozesse erfordert erhebliche Investitionen in Technologie, Weiterbildung und Organisationsentwicklung. Viele Verwaltungen stehen vor der Frage, wie sie die nötigen Kompetenzen aufbauen, welche Datenstandards gelten sollen und wie die Zusammenarbeit mit externen Partnern strukturiert wird. Datenschutz und Datenhoheit sind ständige Begleiter, insbesondere wenn Echtzeitdaten aus dem öffentlichen Raum erhoben werden. Hier ist ein hohes Maß an Sensibilität und Transparenz gefordert, um das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen und Missbrauch zu verhindern.

Trotz aller Hürden zeigt die Praxis: Der Gewinn an Planungsqualität, Effizienz und Innovationsdynamik ist enorm. Interdisziplinäre Teams, die thermische Funktionskarten als verbindendes Element nutzen, werden schneller, präziser und kreativer. Sie sind in der Lage, komplexe Herausforderungen ganzheitlich zu adressieren und Lösungen zu entwickeln, die sowohl technisch als auch sozial und ökologisch überzeugen. Wer heute diesen Weg geht, schafft die Grundlage für eine Stadtentwicklung, die nicht nur auf den Klimawandel reagiert, sondern ihm aktiv begegnet.

Chancen, Risiken und der Weg in die Zukunft: Thermische Funktionskarten als Schlüssel zur resilienten Stadt

Wenn es um die Zukunft der Stadtplanung geht, führt an thermischen Funktionskarten kein Weg vorbei. Sie sind das Werkzeug, mit dem Städte den Klimawandel nicht nur überstehen, sondern gestalten können. Doch wie bei jeder Innovation gibt es auch hier Licht und Schatten. Ein zentrales Risiko liegt in der Datenqualität. Unvollständige, fehlerhafte oder falsch interpretierte Daten können zu Fehlentscheidungen führen. Deshalb ist eine kontinuierliche Validierung und Qualitätssicherung unerlässlich – sowohl bei der Datenerhebung als auch bei der Modellierung.

Ein weiteres Thema ist der Datenschutz. Gerade bei der Erhebung von Echtzeitdaten aus dem öffentlichen Raum – etwa durch mobile Sensorik oder Citizen Science – entstehen sensible Informationen, die nicht in falsche Hände geraten dürfen. Hier sind klare Regelungen, technische Sicherungen und eine offene Kommunikation mit der Bevölkerung unabdingbar. Nur so kann das nötige Vertrauen geschaffen werden, damit thermische Funktionskarten ihre volle Wirkung entfalten.

Auch die Gefahr technokratischer Übersteuerung ist real. Wer ausschließlich auf Daten und Simulationen setzt, riskiert, soziale und kulturelle Aspekte aus dem Blick zu verlieren. Die besten Karten nützen wenig, wenn sie nicht in einen breiten Beteiligungsprozess eingebettet sind. Deshalb müssen thermische Funktionskarten immer als Werkzeug verstanden werden – nicht als Ersatz für den Diskurs, sondern als dessen Katalysator. Sie können helfen, komplexe Zusammenhänge zu vermitteln, Optionen aufzuzeigen und Entscheidungen transparent zu machen. Die Verantwortung für die Stadt bleibt aber immer beim Menschen.

Gleichzeitig bieten thermische Funktionskarten enorme Chancen. Sie ermöglichen eine klimaorientierte Quartiersentwicklung, fördern Innovationen im Bauwesen und unterstützen die Anpassung an neue Herausforderungen wie Extremwetter oder demografischen Wandel. Sie machen Städte widerstandsfähiger, lebenswerter und zukunftsfähiger. Vor allem aber helfen sie, Ressourcen gezielt einzusetzen und die Wirkung von Maßnahmen messbar zu machen. Das ist nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll – denn jeder Euro, der in die richtige Maßnahme fließt, spart Folgekosten durch Hitzeschäden, Gesundheitsprobleme oder Infrastrukturversagen.

Der Weg in die Zukunft führt deshalb nur über die konsequente Integration thermischer Funktionskarten in alle Ebenen der Planung. Das erfordert Investitionen, Mut und einen langen Atem – aber es ist die einzige Option für Städte, die den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gewachsen sein wollen. Wer heute die Grundlagen legt, wird morgen zu den Gewinnern des urbanen Klimawandels zählen. Und womöglich wird die Frage schon bald nicht mehr lauten, ob thermische Funktionskarten eingesetzt werden – sondern wie wir je ohne sie planen konnten.

Fazit: Thermische Funktionskarten sind weit mehr als technisches Beiwerk – sie sind das Fundament einer zukunftsfähigen, klimaresilienten Stadtentwicklung. Sie machen das Unsichtbare sichtbar, fördern die Zusammenarbeit über Disziplingrenzen hinweg und ermöglichen eine Planung, die nicht nur auf den Wandel reagiert, sondern ihn gestaltet. Wer sie richtig einsetzt, schafft lebenswerte Städte auch in Zeiten extremer Hitze und wachsender Unsicherheiten. Die Zukunft gehört den Kommunen und Planungsteams, die den Mut haben, auf datenbasierte, transparente und partizipative Werkzeuge zu setzen – und damit das Klima ihrer Stadt in die eigene Hand nehmen. Bei aller Liebe zur Kreativität: Ohne solide thermische Funktionskarten sind Visionen von einer lebenswerten Stadt nur ein heißer Traum.

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6 Stolpersteine, die sie bei einer Fahrradabstellanlage vermeiden sollten

Nachdem wir uns in den letzten zwei Artikeln zum Thema „Fahrradabstellanlagen“ angesehen haben, was bei deren öffentlichen Einsatz zu beachten ist und was die Trends der Zukunft sein werden, wollen wir in diesem Artikel wiederum einen Blick auf die Stolpersteine werfen, die Ihnen bei der Planung und beim Aufstellen einer Fahrradabstellanlage in Ihrer Stadt im Weg liegen könnten. Zusammen mit den Fahrradständerexperten von Gronard, die uns auch in diesem Artikel mit jeder Menge Fach- und Spezialwissen zur Verfügung standen, sehen wir uns im Folgenden sechs vermeidbare Fehler an, damit Ihre Fahrradabstellanlage zum Erfolg wird.

Allzu oft haben wir uns aus der Redaktion der G+L auch schon über Unzulänglichkeiten bei Fahrradständern geärgert, die das Absperren des Fahrrads zur Fummelei oder gleich ganz unmöglich machen. Mangelhaft geplante Anlagen werden wenig genutzt und kosten dennoch Geld; eine gut konzipierte Anlage hingegen fördert effektiv den Umstieg auf nachhaltige Verkehrsmittel.

Fehler 1: Das Fahrrad bei der Planung vergessen

Vorbei sind die Zeiten, in denen es ausreichte, Fahrradständer mal eben im Nachhinein auf ein geplantes Projekt aufzusetzen. Heute erwarten Fahrradfahrer*innen eine durchdachte und sinnvolle Platzierung der Fahrradabstellanlage und ihrer Zubehörteile. Deshalb sollte – darauf bestehen wir in dieser Serie bekanntlich immer wieder – eine Fahrradabstellanlage von vornherein integraler Bestandteil einer Bauplanung sein. Am besten gleich in möglichst frühzeitiger Abstimmung mit dem Lieferanten. Ein nachträgliches Planen solcher Anlagen ist in der Regel unzureichend und führt dazu, dass die Anlage schlecht angenommen wird. Gerade bei Anlagen, die auch über Lademöglichkeiten verfügen, ist eine frühzeitige Planung unabdingbar. Wenn die Anlage entsprechend groß dimensioniert ist, sollte etwa die Frage geklärt werden, ob eine 400-Volt-Stromversorgung benötigt wird. Auch der Einbau eines Stromzählers will rechtzeitig geplant werden – eine Nachrüstung ist aufwändig und kostenintensiv

Wichtig: Vergessen Sie nicht, vorab zu klären, wer für die Wartung der Anlage zuständig sein wird. Insbesondere Doppelstockparker und Gründächer verlangen regelmäßige Pflege, die organisiert und finanziert werden will, um eine dauerhaft langlebige und bedienfreundliche Fahrradabstellanlage anbieten zu können.

Eine gute Planung ist bei Fahrradabstellanlagen essenziell. Foto: Gronard GmbH
Eine gute Planung ist bei Fahrradabstellanlagen essenziell. Foto: Gronard GmbH

Damit es zu keinen bösen Überraschungen kommt, sollte die Bodenbeschaffenheit des gewünschten Aufstellortes berücksichtigt werden. Gut geeignet sind Plattenbeläge und großflächige Pflastersteine. Weniger geeignet ist Asphalt, da sich in ihm die Befestigungsschrauben durch Hitzeeinwirkung lösen können. Optisch besonders aufgeräumt sind unterirdisch aufgedübelte Fahrradständer, denn ihre Befestigungsschienen sind unterirdisch fixiert und somit nicht sichtbar.

Generell sollte im Vorfeld geprüft werden, ob und welche Fundamente die Anlage eventuell braucht. Lösungen wie der Fahrradständer Kappa von Gronard bieten nicht weniger als fünf verschiedene Befestigungsmöglichkeiten für drei Befestigungsvarianten (oder- und unterirdisch, sowie einbetoniert) und können sich so den Anforderungen eines jeden Bauvorhabens anpassen.

Bei beengten Zugängen, etwa beim Überdachen einer Fahrradabstellanlage in einem Hinterhof, muss darauf geachtet werden, dass die benötigten Bauteile auch hindurchpassen. Das geht teilweise nur, wenn sich Überdachungssysteme zerlegen lassen, wie dies etwa bei der BWA-Reihe von Gronard der Fall ist.

Übrigens: Es gibt für Veranstaltungen die Möglichkeit, sich Fahrradständer für eine bestimmte Zeit zu leihen. Damit können Veranstalter*innen die umweltfreundliche Anreise mit dem Rad unterstützen und sparen sich zugleich die kostspielige Lagerung der Fahrradständer.

Optisch besonders aufgeräumt sind unterirdisch befestigte Fahrradständer; hier in der Bauphase gezeigt. Foto: Gronard GmbH
Optisch besonders aufgeräumt sind unterirdisch befestigte Fahrradständer; hier in der Bauphase gezeigt. Foto: Gronard GmbH

Fehler 2: Kein ausreichendes Licht

Die Beleuchtung kann den Unterschied zwischen einer gern genutzten und einer verwaisten Fahrradabstellanlage machen. Eine durchdachte Beleuchtung von guter Helligkeit und geringem Schattenwurf sorgt einerseits dafür, dass Fahrräder leicht eingestellt und entnommen werden können. Andererseits trägt eine gute Beleuchtung auch dazu bei, dass die Wahrscheinlichkeit nächtlicher Fahrraddiebstähle und Vandalismus sinkt. Bei allen Argumenten für eine helle Beleuchtung sollte aber auch der Aspekt der Umweltverträglichkeit der Beleuchtung eines Gebäudes beachtet werden. Stichwort: Lichtverschmutzung, also die Emission von künstlichem Licht in die Umwelt bei Nacht. Eine Folge von Lichtverschmutzung ist etwa die Desorientierung von Vögeln und Fledermäusen. Auch Insekten fliegen Lichtquellen gerne an, verwechseln diese mit dem Mondlicht, an dem sie sich nachts üblicherweise orientieren. Abhilfe schaffen hier Leuchtmittel, die eine Lichttemperatur von weniger als 3000 Kelvin aufweisen und sich damit im warmweißen Bereich befinden. Sie enthalten nur geringe Anteile des kurzwelligen blauen Lichts und wirken sich dadurch weniger desorientierend auf die nachtaktive Tierwelt aus.

Eine gute Beleuchtung steigert die Akzeptanz einer Fahrradabstellanlage. Foto: Gronard GmbH
Eine gute Beleuchtung steigert die Akzeptanz einer Fahrradabstellanlage. Foto: Gronard GmbH

Fehler 3: Zu kurzfristige Planung

Machen Sie sich Gedanken über die Befestigung und die Statik der Anlage im Allgemeinen. Eine Überdachung etwa steigert die Akzeptanz der Anlage signifikant und lässt sich in manchen Fällen auch nachrüsten. Bei vielen Überdachungslösungen von Gronard besteht außerdem die Möglichkeit, optional ein Gründach oder ein Solardach einzurichten (mehr dazu unter Punkt 6).

Machen Sie auch nicht den Fehler, die empfohlenen Mindestabstände zwischen den abgestellten Fahrrädern zu verringern, um so vermeintlich mehr Kapazität zu schaffen. Zwar passen auf diese Weise theoretisch mehr Fahrräder auf die gleiche Fläche. Es besteht jedoch die Gefahr, dass es so eng ist, dass nun doch nur jeder zweite Ständer genutzt wird und die Kapazitätserweiterung so wirkungslos verpufft. Eine große Hilfe dabei sind Berechnungstools, wie Gronard sie anbietet.

Vor dem Fahrradständer sollte nicht zu wenig Platz eingeplant werden, denn es muss nicht nur der Platz für das eingestellte Fahrrad berücksichtigt werden, sondern auch der, der für das Manövrieren desselben nötig ist. Nicht umsonst geben Hersteller daher in aller Regel vor, wie die Verkehrsräume in der unmittelbaren Umgebung eines Fahrradständers beschaffen sein sollten.

Fehler 4: Förderungsmöglichkeiten nicht nutzen

Machen Sie nicht den Fehler, nicht alle Möglichkeiten zur Förderung Ihres Projekts zu nutzen. Es gibt sowohl auf Bundes-, aber auch auf Landesebene Programme im Rahmen der Radverkehrsförderung, die auch Fahrradabstellanlagen als förderfähige Objekte beinhalten. Hier finden Sie etwa Informationen zur Förderung der kommunalen „Errichtung von Mobilitätsstationen“: Link

In der Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz können Sie weiterhin nach passenden Förderprogrammen suchen: Link

Tipp für Amateurfußballvereine: Im Rahmen der diesjährigen Europameisterschaft im Fußball in Deutschland können noch bis zum 30. Juni 2024 Anträge zur Förderung klimaschutzrelevanter Projekte bei der UEFA eingereicht werden: PDF

Fehler 5: Wartung vergessen

Nur mit dem Kauf und dem Aufstellen einer Fahrradanlage ist es nicht getan. Wie bei anderen Bauwerken auch, sollte die Instandhaltung einer Fahrradabstellanlage bereits im Vorfeld mit einkalkuliert werden. Wie bereits im ersten Punkt erwähnt, ist dies insbesondere bei Doppelstockparkern mit ihren beweglichen Teilen essenziell. Besonders wichtig ist, elektrischen Anlagen, also Dinge wie Ladeschränke oder die Beleuchtung, sorgfältig zu warten. Auf lange Sicht macht es großen Sinn, Qualitätsware von bewährten und bereits langjährig agierenden Herstellern zu verwenden. Diese ist wegen ihrer Zuverlässigkeit besonders wartungsarm. Und selbst wenn einmal etwas kaputt sein sollte, lassen sich von Qualitätsherstellern entsprechende Ersatzteile besorgen – anstatt gleich das gesamte Produkt neu anschaffen zu müssen. Dabei machen auch unscheinbare Details einen Unterschied. Gronard etwa unterzieht seine Fahrradständer nicht nur einer Feuerverzinkung sondern behandelt diese im Anschluss daran auch noch mit einer langlebigen Konservierungsschicht, während andere Hersteller möglicherweise weniger langlebige Korrosionsschutzverfahren wie das galvanische Verzinken einsetzen oder ganz darauf verzichten und ihre Produkte lediglich mit einer Pulverbeschichtung ausstatten.

Bei Doppelstockparkanlagen sollte schon in der Planungsphase an eine regelmäßige Wartung gedacht werden. Foto: Gronard GmbH
Bei Doppelstockparkanlagen sollte schon in der Planungsphase an eine regelmäßige Wartung gedacht werden. Foto: Gronard GmbH

Fehler 6: Keine Begrünung eingeplant

Die Stadt von morgen ist grün und das sollten auch die Fahrradabstellanlagen in Ihrer Stadt widerspiegeln. Ohne Dachgrün sollten moderne Gebäude nicht mehr auskommen und deshalb gibt es beispielsweise von Gronard Fahrradboxen, die über ein optionales und nachrüstbares Gründach verfügen, oder auch Flachdächer, um ganze Anlagen zu überdachen. Am einfachsten ist es natürlich, sich bereits in der Planungsphase klar darüber zu sein, ob es ein Gründach, Solardach oder etwas anderes werden soll. Sollten Sie sich im Nachhinein entscheiden, Dachgrün nachzurüsten, prüfen Sie, ob die Statik der Überdachung ausreichend ist, um das wesentlich schwerere Gründach zu tragen. Ein langfristiges Konzept, welches schrittweise durch eine Dachbegrünung oder Photovoltaik aufgewertet werden kann, setzt Voraussicht und frühzeitige Entscheidungen für das passende Produkt mit der Möglichkeit zu Upgrades voraus. Gut beraten ist, wer sich dabei an Hersteller wendet, die durch die eigene Fertigung auf individuelle Kundenwünsche eingehen können, wie es bei Gronard der Fall ist.

Gründächer sind auch bei Fahrradabstellanlagen möglich und sinnvoll. Foto: Gronard GmbH
Gründächer sind auch bei Fahrradabstellanlagen möglich und sinnvoll. Foto: Gronard GmbH

Mehr zum Thema „Fahrradständer und Fahrradabstellanlagen“ finden Sie auch in unseren vorangegangenen Artikeln:
Vier Punkte, die Sie beim öffentlichen Einsatz beachten sollten
Die vier Trends der Zukunft für die Stadt der Zukunft

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