Hitze als Entwurfsparameter – wie Architektursoftware thermisch denkt

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Fotografie von Daniele Mason: Grünflächen und Stadt verschmelzen vor der Kulisse schneebedeckter Berge in einer beeindruckenden urbanen und natürlichen Landschaft.

Hitze ist kein bloßer Nebeneffekt städtischer Verdichtung mehr – sie ist längst ein zentraler Entwurfsparameter für Städtebauer und Landschaftsarchitekten. Dank moderner Architektursoftware, die thermisches Verhalten simuliert, lassen sich urbane Räume heute gezielt klimaresilient gestalten. Doch wie „denkt“ die Software eigentlich thermisch? Was kann sie wirklich leisten, wo sind die Grenzen – und wie verändern diese Werkzeuge das Selbstverständnis von Planungsteams? Willkommen im Zeitalter der digitalen Hitzekarten, virtuellen Schattenwürfe und datenbasierter Ventilationsstrategien!

  • Hitze als Entwurfsparameter: Warum Temperaturfragen heute grundlegender Bestandteil jeder Planung sind.
  • Architektursoftware im Hitzetest: Von einfachen Klimasimulationen bis zu High-End-Tools mit KI-Unterstützung.
  • Thermische Simulationen im Planungsprozess: Wie digitale Werkzeuge Klimaresilienz im Entwurf ermöglichen.
  • Grenzen und Potenziale: Was Software kann, was sie nicht kann – und warum der Mensch entscheidend bleibt.
  • Best-Practice-Beispiele: Projekte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die Hitze digital meistern.
  • Neues Denken in der Planung: Warum thermische Intelligenz mehr ist als ein weiteres Add-on im Entwurfsprozess.
  • Interdisziplinarität als Schlüssel: Wie Städtebauer, Landschaftsarchitekten und Softwareentwickler zusammenarbeiten.
  • Zukunftsausblick: KI, Big Data und urbane Hitze – wohin steuert die digitale Planung?

Hitze in der Stadt: Vom Nebenschauplatz zum zentralen Entwurfsparameter

Städtische Hitze ist kein abstraktes Phänomen aus den Fußnoten der Klimaforschung mehr. Sie ist spürbar, messbar und, wie jeder Sommer aufs Neue beweist, ein echter Stressfaktor für Stadtbewohner, Infrastruktur und nicht zuletzt die Biodiversität urbaner Räume. Hitzewellen, die früher als Ausnahme galten, sind inzwischen zur Normalität geworden. Städte wie Berlin, Wien oder Zürich registrieren im Sommer Temperaturspitzen, die das städtische Mikroklima massiv beeinflussen. Die Folgen sind nicht nur ein erhöhter Energiebedarf für Kühlung, sondern auch gesundheitliche Risiken für die Bevölkerung, Schäden an Bauwerken und eine dramatische Zunahme von Hitzestress in dicht bebauten Quartieren. Angesichts dieser Entwicklungen ist es geradezu fahrlässig, Temperaturfragen als reine Nebenbedingung im Planungsprozess zu behandeln – sie sind längst ein zentrales Bewertungskriterium für erfolgreiche, zukunftstaugliche Entwürfe.

Doch wie macht man Hitze eigentlich zum Entwurfsparameter? Die klassische Stadtplanung hat sich jahrzehntelang mit Flächennutzungen, Verkehrsströmen und Bebauungsdichte beschäftigt. Temperaturverläufe, Wärmeinseln oder Verschattungseffekte waren selten mehr als qualitative Randnotizen, bestenfalls ergänzt durch vereinzelte Messpunkte oder allgemeine Klimakarten. Mit zunehmender Digitalisierung und dem Siegeszug von Simulationstools hat sich diese Praxis jedoch grundlegend verändert. Heute sind thermische Analysen auf Grundstücksebene, ja sogar auf Quartiersebene, in Echtzeit möglich. Sie bieten präzise Hinweise darauf, welche Oberflächen sich wie stark erwärmen, wo Frischluftschneisen verlaufen, wie sich Nachtauskühlung verhält und welche Baumaterialien besonders zur Hitzeminderung beitragen.

Diese Entwicklung markiert einen Paradigmenwechsel: Hitze wird nicht länger als Problem im Nachgang betrachtet, sondern bereits in der frühen Entwurfsphase antizipiert. Architekturbüros und Städteplaner greifen zunehmend auf spezialisierte Software zurück, um etwa den Effekt von Verschattung durch Bäume zu kalkulieren, die Wirksamkeit von Wasserflächen zu simulieren oder die Vorteile begrünter Dächer und Fassaden zu visualisieren. Damit wird der Umgang mit Hitze zur gestalterischen Aufgabe – und zur Chance für innovative, nachhaltige Konzepte.

Die Motivation dahinter ist ebenso pragmatisch wie ambitioniert. Städte, die in der Lage sind, Hitzephänomene gezielt zu steuern, erhöhen nicht nur den Wohnwert und den Gesundheitsschutz, sondern steigern auch ihre Attraktivität im Standortwettbewerb. Klimaanpassung wird so zur Königsdisziplin der Stadtentwicklung – und zur Visitenkarte moderner Planungspraxis. Wer Hitze im Griff hat, gewinnt. Wer sie ignoriert, verliert.

Dass die Bedeutung von Hitze als Entwurfsparameter in Fachkreisen inzwischen unumstritten ist, zeigen nicht zuletzt die zahlreichen Forschungsprojekte, Modellversuche und Förderschienen, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz entstanden sind. Von kommunalen Hitzeaktionsplänen über städtebauliche Wettbewerbe mit Klimaschutzschwerpunkt bis hin zu interdisziplinären Planungsworkshops: Hitze ist der Prüfstein für die Qualität urbaner Zukunftslösungen. Und Software spielt dabei eine Schlüsselrolle.

Wie Architektursoftware thermisch denkt: Von der Simulation zur Entscheidungsgrundlage

Der technologische Wandel in der Planungspraxis ist atemberaubend – und doch bleibt vieles unsichtbar, was im Hintergrund moderner Architektursoftware passiert. Wer heute an „thermische Simulation“ denkt, stellt sich vielleicht bunte Hitzekarten oder spektakuläre Verschattungsanalysen vor. Doch tatsächlich steckt dahinter eine komplexe Abfolge von Algorithmen, Datenmodellen und physikalischen Annahmen, die weit mehr leisten als hübsche Visualisierungen.

Moderne Planungssoftware wie Rhino/Grasshopper mit Plugins wie Ladybug und Honeybee, Autodesk Revit mit Insight, oder spezialisierte Tools wie ENVI-met und Urban Weather Generator ermöglichen es, Entwürfe auf verschiedensten Maßstabsebenen thermisch zu analysieren. Sie verarbeiten Wetterdaten, Geometrieinformationen, Materialeigenschaften und Vegetationsdaten – und berechnen daraus etwa Oberflächentemperaturen, Luftzirkulationen, Verschattung und Strahlungsflüsse. Anders gesagt: Die Software bildet die physikalische Realität mit erstaunlicher Präzision ab. Und das Beste daran: Diese Simulationen können bereits in der frühen Entwurfsphase und iterativ während des gesamten Planungsprozesses eingesetzt werden.

Wie aber „denkt“ die Software thermisch? Der Schlüssel liegt in den hinterlegten Rechenmodellen. Strömungsmechanik (Computational Fluid Dynamics, CFD), Energieflussmodelle, Strahlungsberechnungen und Materialdatenbanken werden miteinander verknüpft, um ein möglichst realistisches Bild des thermischen Verhaltens urbaner Räume zu liefern. Dabei werden nicht nur Einzelaspekte isoliert betrachtet, sondern komplexe Wechselwirkungen simuliert: Wie beeinflusst ein neu geplanter Hochbau die Windströmungen auf Quartiersebene? Wie verändert sich die Nachtauskühlung, wenn ein Straßenraum entsiegelt und begrünt wird? Welche Auswirkungen hat eine bestimmte Fassadenfarbe auf die sommerliche Überhitzung?

Die Qualität der Ergebnisse hängt entscheidend von der Qualität der Eingangsdaten ab. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Während einfache Tools oft mit Standardwerten und vereinfachten Annahmen arbeiten, können High-End-Lösungen auf lokale Klimadaten, detaillierte Geometrien und sogar Echtzeit-Messwerte aus Sensorik-Systemen zugreifen. So wird aus der Simulation eine echte Entscheidungsgrundlage – nicht nur für den Entwurf, sondern auch für die spätere Betriebsoptimierung von Gebäuden und Freiräumen.

Ein oft unterschätzter Aspekt ist die Benutzerfreundlichkeit moderner Software. Was vor wenigen Jahren noch den Experten für Bauphysik vorbehalten war, ist heute auch für Planer, Landschaftsarchitekten und Stadtverwaltungen zugänglich. Intuitive Oberflächen, automatisierte Workflows und cloudbasierte Berechnungen senken die Einstiegshürden und machen thermische Simulationen zum Standardwerkzeug im Alltag vieler Büros. Wer noch glaubt, dass Software nur hübsche Renderings liefert, sollte dringend einen Blick auf die neuesten Generationen werfen – sie sind längst zum ernstzunehmenden Sparringspartner für kreative Entwurfsprozesse geworden.

Natürlich bleibt die Frage: Kann Software wirklich alles? Nein – aber sie kann sehr viel. Und sie zwingt Planer dazu, sich mit thermischen Fragen strukturiert auseinanderzusetzen. Fehler im Modell werden sofort sichtbar, Annahmen lassen sich überprüfen, Alternativen direkt vergleichen. So entsteht eine neue Qualität der Planung: datenbasiert, nachvollziehbar und offen für Innovation.

Thermische Simulationen im Planungsprozess: Von der Theorie zur Praxis

Die Integration thermischer Simulationen in den Planungsprozess hat weitreichende Folgen – nicht nur für das Endprodukt, sondern auch für die Zusammenarbeit im Team. Früher war die Berücksichtigung von Hitze oft das Ergebnis nachgelagerter Gutachten, die nur begrenzten Einfluss auf den eigentlichen Entwurf hatten. Heute ist es möglich, schon in der Konzeptphase verschiedene Varianten auf ihre thermische Performance zu testen. Das fördert nicht nur bessere Entscheidungen, sondern verändert auch die Dynamik der Projektarbeit.

Ein typischer Ablauf: Bereits in der Wettbewerbsphase werden erste Volumenstudien mit Verschattungs- und Strahlungsanalysen hinterlegt. Die Software zeigt auf, wie sich unterschiedliche Gebäudehöhen, Abstände und Ausrichtungen auf das Mikroklima auswirken. Schnell wird klar, warum ein dichter Blockrand vielleicht städtebaulich sinnvoll ist, aber zu Hitzestaus führen kann. Oder warum eine offene Bebauung zwar bessere Luftzirkulation ermöglicht, aber weniger Verschattung bietet. Das Ergebnis: Planerteams diskutieren nicht mehr nur über Ästhetik und Funktion, sondern auch über thermische Effekte – auf Basis harter Daten.

Im weiteren Verlauf des Projekts werden die Modelle immer detaillierter. Materialauswahl, Fassadenbegrünung, Wasserflächen, Baumpflanzungen – all diese Faktoren lassen sich simulieren und optimieren. Besonders spannend ist die Möglichkeit, verschiedene Szenarien miteinander zu vergleichen: Was passiert, wenn statt Asphalt ein heller Belag gewählt wird? Wie verändert sich die Umgebungstemperatur, wenn zusätzliche Bäume gepflanzt werden? Die Antworten liefern nicht nur Argumente für nachhaltige Lösungen, sondern helfen auch, Kosten und Nutzen abzuwägen.

Ein weiterer Vorteil: Die Ergebnisse thermischer Simulationen sind hervorragend geeignet, um mit Auftraggebern, Behörden und der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Wo früher abstrakte Klimaargumente im Raum standen, können heute anschauliche Karten, Grafiken und Animationen präsentiert werden. Das erleichtert nicht nur die Akzeptanz innovativer Maßnahmen, sondern macht die Planung insgesamt transparenter und nachvollziehbarer.

Praxisbeispiele aus Städten wie München, Basel oder Graz zeigen, wie erfolgreich thermische Simulationen eingesetzt werden. In München etwa wurden im Rahmen eines großen Wohnungsbauprojekts verschiedene Bebauungsvarianten auf ihre Hitzebelastung hin untersucht. Die Simulationen zeigten, dass eine gezielte Kombination aus Verschattung, Entsiegelung und Dachbegrünung die sommerlichen Temperaturen im Quartier um mehrere Grad senken kann. Das überzeugte nicht nur die Stadtverwaltung, sondern auch die Investoren – und machte das Projekt zum Vorbild für klimaangepasstes Bauen.

Doch die Praxis ist nicht ohne Herausforderungen. Die Qualität der Eingangsdaten, die Komplexität der Modelle und die Abstimmung zwischen den Fachdisziplinen erfordern Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Es reicht nicht, einfach ein paar Knöpfe in der Software zu drücken – gefragt sind interdisziplinäres Denken, kritische Reflexion und die Bereitschaft, eigene Annahmen immer wieder zu hinterfragen. Nur dann wird aus der Simulation ein echter Mehrwert für die Planung.

Grenzen, Potenziale und die Rolle der Planer: Warum Software nicht alles ist

So beeindruckend die Möglichkeiten moderner Architektursoftware auch sind – sie ersetzen nicht den Menschen, sondern fordern ihn heraus. Die Versuchung, sich auf die Ergebnisse der Simulation blind zu verlassen, ist groß. Doch wer verstanden hat, wie komplex städtische Mikroklimata wirklich sind, weiß: Kein Modell ist perfekt, jede Simulation ist nur so gut wie ihre Annahmen. Und die Realität ist oft widerspenstiger als jede Software.

Ein zentrales Problem ist die Datenbasis. Viele Simulationen arbeiten mit idealisierten Randbedingungen oder veralteten Klimadaten. Gerade in heterogenen Stadtquartieren können kleine Fehler große Auswirkungen haben. Deshalb gilt: Die Ergebnisse müssen immer kritisch hinterfragt und mit lokalen Messwerten, Erfahrung und gesundem Menschenverstand abgeglichen werden. Software ist ein Werkzeug – kein Orakel.

Ein weiteres Risiko liegt in der Komplexität der Modelle. Je detaillierter die Simulation, desto höher der Aufwand – und desto größer die Gefahr, sich im Dickicht der Parameter zu verlieren. Hier sind pragmatische Entscheidungen und kluge Vereinfachungen gefragt. Es ist Aufgabe der Planer, die richtigen Fragen zu stellen, Prioritäten zu setzen und die Ergebnisse in den Gesamtkontext des Projekts einzuordnen.

Gleichzeitig bieten thermische Simulationen enorme Potenziale für Innovation und Nachhaltigkeit. Sie eröffnen neue Perspektiven, fördern kreative Lösungen und ermöglichen es, klimaresiliente Quartiere von Anfang an richtig zu planen. Besonders spannend sind die Möglichkeiten, Simulationen mit weiteren digitalen Werkzeugen zu verknüpfen – etwa mit digitalen Zwillingen, die Echtzeitdaten aus Sensoren einbinden, oder mit KI-Systemen, die automatisch Optimierungsvorschläge generieren. Die Zukunft der Planung ist hybrid: Mensch und Maschine arbeiten zusammen, um die besten Lösungen zu finden.

Doch all das funktioniert nur, wenn die Beteiligten bereit sind, neue Wege zu gehen. Die Integration thermischer Simulationen in den Planungsalltag erfordert Offenheit, Lernbereitschaft und die Bereitschaft, alte Routinen zu hinterfragen. Wer sich dieser Herausforderung stellt, wird mit besseren Entwürfen, zufriedeneren Auftraggebern und einer höheren Resilienz gegenüber dem Klimawandel belohnt.

Die wichtigste Erkenntnis: Software ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Katalysator für neues Denken, ein Treiber für Qualität und Innovation – aber immer im Dienst der Menschen, die Städte gestalten und bewohnen. Nur wenn Planer, Architekten und Landschaftsexperten die Ergebnisse kritisch reflektieren und mit ihrem Fachwissen anreichern, entsteht echte thermische Intelligenz im Entwurf.

Zukunftsausblick: Die nächste Generation thermischer Planung

Die Entwicklung steht erst am Anfang. Während heute vor allem Einzelprojekte von thermischen Simulationen profitieren, zeichnet sich bereits ab, dass diese Werkzeuge künftig zum Standard in der Stadtentwicklung werden. Mit dem Siegeszug von Urban Digital Twins, Big Data und künstlicher Intelligenz wachsen die Möglichkeiten exponentiell. Städte wie Wien, Zürich und Hamburg experimentieren bereits mit digitalen Stadtmodellen, die in Echtzeit Klima- und Hitzedaten integrieren. So wird es möglich, nicht nur einzelne Gebäude, sondern ganze Quartiere und Stadtteile auf ihre thermische Performance hin zu optimieren.

Besonders spannend ist die Verknüpfung von Simulation und Steuerung: Intelligente Systeme könnten künftig automatisch Vorschläge für Verschattung, Begrünung oder die Steuerung von Wasserflächen generieren – basierend auf aktuellen Wetterdaten, Nutzungsmustern und städtebaulichen Szenarien. Die Planer werden so zu Kuratoren und Moderatoren eines hochkomplexen, datengetriebenen Prozesses. Wer jetzt lernt, mit diesen Werkzeugen umzugehen, sichert sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil für die kommenden Jahrzehnte.

Gleichzeitig stellen sich neue ethische und gesellschaftliche Fragen. Wem gehören die Daten, auf deren Grundlage geplant wird? Wie lässt sich Transparenz und Partizipation im digitalen Planungsprozess sicherstellen? Und wie vermeidet man, dass Algorithmen ungewollt soziale oder klimatische Ungleichheiten verstärken? Die Antworten darauf müssen gemeinsam von Planern, Softwareentwicklern, Verwaltung und Zivilgesellschaft gefunden werden.

Fest steht: Die nächste Generation der thermischen Planung wird noch stärker interdisziplinär, datenbasiert und partizipativ sein. Software wird nicht nur Berechnungen liefern, sondern auch Dialog ermöglichen – zwischen Fachleuten, Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit. Die Vision: Städte, die ihre eigenen Klimadaten verstehen, auswerten und kontinuierlich verbessern. So entsteht ein Kreislauf aus Planung, Messung, Simulation und Anpassung – iterativ, transparent und offen für Innovation.

Wer heute noch glaubt, dass thermische Simulationen ein Nischenthema sind, sollte einen Blick auf die Strategiepapiere großer Städte werfen. Klimaresilienz, Hitzeschutz und digitale Planung stehen dort ganz oben auf der Agenda. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis thermische Intelligenz zum neuen Standard jeder guten Planung wird. Die Werkzeuge dazu sind da – jetzt liegt es an den Planern, sie klug und verantwortungsvoll einzusetzen.

Fazit: Thermische Intelligenz – das neue Selbstverständnis der Planung

Hitze ist heute weit mehr als ein Planungsproblem – sie ist ein Prüfstein für die Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit urbaner Räume. Moderne Architektursoftware hat es möglich gemacht, thermische Fragen vom Rand ins Zentrum des Entwurfs zu holen. Sie liefert Fakten, eröffnet neue Perspektiven und ermöglicht es, Städte und Quartiere klimaresilient zu gestalten. Doch der wahre Mehrwert entsteht erst, wenn Planer, Architekten und Landschaftsexperten die digitalen Werkzeuge als Partner begreifen: kritisch, kreativ und verantwortungsbewusst. Die Zukunft der Planung ist thermisch, digital und menschlich zugleich. Wer das versteht, gestaltet nicht nur Gebäude – sondern die Stadt von morgen. G+L bleibt dabei Ihr Kompass für Wissen, Qualität und Innovation.

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Barbara Steiner wechselt zu Bauhaus-Stiftung

Barbara Steiner Portraet

Porträt von Barbara Steiner (Foto: J.J. Kucek)

Gemeinsam mit Topotek 1 gastkuratierte Barbara Steiner vergangenes Jahr die Juliausgabe der Garten + Landschaft. Nun verkündete die Stiftung Bauhaus Dessau: Ab dem 1. September übernimmt Barbara Steiner die Position als Direktorin und Vorstand der Stiftung. Was Sie über die promovierte Kunsthistorikerin wissen sollten, das lesen Sie hier.

Bei der Bewerbung als neue Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau setzte sich die Österreicherin Barbara Steiner gegen 32 internationale Bewerber*innen durch. Im offiziellen Statement beschreibt der Stiftungsratsvorsitzende Rainer Robra die promovierte Kunsthistorikerin als „herausragende Persönlichkeit mit profundem Wissen über die Auseinandersetzung mit der Moderne“. Er betont ihre langjährige Leitungserfahrung in Kultureinrichtungen sowie auch ihre Praxiserfahrungen in Ostdeutschland. Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt Robra traue ihr zu, „lokal relevante Themen an globale Diskurse zu knüpfen und damit die Stiftung Bauhaus Dessau und den Kulturstandort Sachsen-Anhalt weiterzuentwickeln.“

Barbara Steiner will Stiftungsarbeit ausbauen

Barbara Steiner wird ihre neue Position zum 1. September 2021 antreten. Sie gibt damit ihre aktuelle Position als Direktorin des Kunsthauses Graz auf. Sie hat diese inzwischen seit 2016 inne. Zuvor arbeitete sie zwei Jahre als Vertretungsprofessorin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig für den Master „Kulturen des Kuratorischen“. In den 1990er- und 2000-Jahren leitete sie Kunstvereine in Ludwigsburg und Wolfsburg. Ebenso war sie für die Stiftung Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) in Leipzig aktiv. Zudem bringt sie mehrjährige Lehrerfahrung aus Lehrtätigkeiten in Linz, Kopenhagen und Wien mit. Studiert hat Barbara Steiner außerdem Kunstgeschichte und Politikwissenschaften an der Universität Wien. Sie promovierte zur „Ideologie des weißen Ausstellungsraumes“.
Sie selber freue sich auf die neue Aufgabe, so Steiner und darauf, die bislang geleistete hervorragende Arbeit der Stiftung Bauhaus Dessau weiterzuführen beziehungsweise auszubauen.

„Feine Sahne Fischfilet“-Diskussion 2018

Apropos bislang geleistete Arbeit: Barbara Steiner folgt in ihrer neuen Position im Übrigen auf Dr. Claudia Perren. Die Stelle war damit knapp ein Jahr vakant. Perren war von 2014 bis 2020 Direktorin der Stiftung Bauhaus-Dessau. Sie verließ die Stiftung zum 31. Juli 2020 auf eigenen Wunsch. Dr. Perren ist vermutlich vielen noch ein Begriff. Die deutsche Architekturtheoretikerin stand 2018 im Fokus einer Debatte zwischen Rechts- und Linksextremismus sowie der Frage, wie politisch das Bauhaus sei. Unter Perrens Leitung hatte die Stiftung Bauhaus Dessau den Auftritt der Band „Feine Sahne Fischfilet“ abgesagt. Dieser sollte in der Konzertreihe zdf@bauhaus auf der Bauhaus-Bühne stattfinden. Im Oktober 2018 interviewten die Kolleg*innen von der ZEIT Claudia Perren hierzu. Inzwischen ist Perren seit dem August 2020 Direktorin der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel.

G+L arbeitete 2020 mit Barbara Steiner und Topotek 1 zusammen

Uns, in der G+L Redaktion, freut die neue Besetzung der Bauhaus-Direktion sehr. Gemeinsam mit Topotek 1 gastkuratierte Barbara Steiner die Juliausgabe 2020 der Garten + Landschaft. Das Heftthema: die Kunst. Mit Barbara Steiner holten sich die beiden Büropartner Martin Rein-Cano und Lorenz Dexler Unterstützung hierfür. Gemeinsam mit ihr hatten sie bereits unter anderem die Monografie „Creative Infidelities“ entwickelt und geschrieben. Diese entstand anlässlich des 20-jährigen Bürojubiläums von Topotek 1 im Jahr 2016 .
Kunst spielt in der Arbeit der Berliner Landschaftsarchitekt*innen seit Beginn an auch eine bedeutende Rolle. Kunst und die regelmäßige Zusammenarbeit mit Künstler*innen inspiriert zudem Topotek 1.  So entstand auch die Idee, die Ausgabe gemeinsam mit der Direktorin des Kunsthaus Graz, Barbara Steiner, zu machen.

Topotek 1 im Gespräch mit Barbara Steiner

Bereits bei den ersten Redaktionsterminen in Graz Anfang 2020 konnte die G+L Redaktion miterleben, mit welcher Intensität Barbara Steiner und Martin Rein-Cano über das Verhältnis, die Gemeinsamkeiten, aber auch die Missverständnisse zwischen Landschaftsarchitektur und Kunst diskutierten. Die Idee lag nahe, ein ganzes Heft mit einem Gespräch zwischen den beiden zu füllen. Sie diskutieren im Heft darüber, was Martin Rein-Cano stellvertretend für Topotek 1 an der Kunst fasziniert und in der Landschaftsarchitektur fehlt.

Das Ergebnis ist ein Gespräch zwischen Martin Rein-Cano und Barbara Steiner, das sich durch das komplette Heft zieht. Die beiden diskutieren hier, wie gefakte und tatsächliche Realität zueinanderstehen. Sie sprechen darüber, wo die Landschaftsarchitektur ins Spiel kommt und wie unehrlich der Englische Landschaftsgarten ist.

Ein Plädoyer in Pink

Martin Rein-Cano und Barbara Steiner besprechen auch Gleichungen wie Barock=Bauhaus. Sie diskutieren Rein-Canos Bedürfnis nach einer „Grundnervosität“. Sie philosophieren das Projekt „Bahn­deckel Theresienhöhe“, das Topotek 1 gemeinsam mit der Künstlerin Rosemarie Trockel umsetzten.

Das Endprodukt des ersten gastkuratierten Ausgabe der Garten+Landschaft? Ein Plädoyer für mehr Freiheit und weniger Utilitarismus in der Planung. Ein Plädoyer für den Mut, Widersprüche zu erzeugen und auch einmal zu scheitern. In Pink. Hier können Sie das Heft im Shop erwerben.

bauchplan ).( folgt auf Topotek 1

Die nächste gastkuratierte Garten + Landschaft erscheint im Übrigen mit der Juli-Ausgabe 2021 unter Federführung des Planungs-Kollektivs bauchplan).(. Mehr zu der G+L kuratiert von bauchplan).( lesen Sie hier.

Das Kollektiv machte mit Projekten wie dem Wohnbauprojekt „wagnisART“ in München oder seinem Entwurf für den Londoner Highline-Park auf sich aufmerksam. Es kann national und international, den kleinen wie auch großen Maßstab, Landschaftsarchitektur wie auch Stadtplanung.

bauchplan).( lässt sich in keine Schublade packen. Vielmehr stehen das Büro und sein vielseitiges Projektportfolio für intelligente Ansätze. Das Kollektiv findet stets raumplanerische und lokalspezifische Lösungen auf aktuelle Herausforderungen wie Klimawende, Inklusion oder Flächenkonkurrenz.

Und wir, wir sind gespannt, was dann die neue Bauhaus-Direktorin Barbara Steiner zur bauchplan-G+L sagen wird. Sie auch?

Mit einem Bundesverdienstkreuz am Bande wurde die Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard in München ausgezeichnet.

Seit vielen Jahren setzt sich die Landschaftsarchitektin als Mitglied und Vorsitzende in verschiedenen Gremien für Stadtentwicklung, Landschaftsarchitektur und Landschaftsökologie ein. Sie leitete im Planungsreferat der Stadt München die Abteilung Grünplanung und arbeitete als Geschäftsführerin der BUGA 2005 GmbH das Konzept der Bundesgartenschau für die Messestadt Riem erfolgreich mit aus. Dabei waren die Aspekte Ökologie, Ökonomie und Soziales für Sie stets ein zentrales Thema.
Darüber hinaus fördert sie Städtebau und Landesplanung in Wissenschaft und Praxis. Beispielsweise im Stiftungsrat der Bundesstiftung Baukultur, im Bundeskongress zur Nationalen Stadtentwicklungspolitik des Bundesbauministeriums oder als Vorsitzende der Landesgruppe Bayern der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL).