Thermisches Verhalten von Fassadenbegrünung im Bestand

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Lebendige Uferpromenade mit farbenfrohen Häusern und Alpenpanorama, fotografiert von Wolfgang Weiser.

Kühle Köpfe braucht die Stadt: Fassadenbegrünung im Altbestand ist längst mehr als ein hübsches Öko-Accessoire. Sie ist handfeste Bautechnik, Klimaschutz, Wärmedämmung und Hitzeschild zugleich – sofern man versteht, wie ihr thermisches Verhalten im komplexen urbanen Kontext wirklich funktioniert. Doch wie wirken sich Pflanzenwände auf Temperatur, Energieverbrauch und Mikroklima aus? Was bringt die Begrünung im Bestand – und wo liegen die Grenzen?

  • Warum das thermische Verhalten begrünter Fassaden für Stadtklima und Energieeffizienz entscheidend ist
  • Wie Pflanzenarchitektur und Bauphysik im Bestand zusammenspielen
  • Welche Rolle Substrat, Bewässerung und Pflanzenwahl für die Wärmeregulierung spielen
  • Erkenntnisse aus aktuellen Studien zum Energie- und Hitzeschutz durch Fassadenbegrünung
  • Typische Herausforderungen und Risiken bei der Nachrüstung bestehender Gebäude
  • Chancen für nachhaltige Stadtentwicklung und hitzeresiliente Quartiere
  • Warum es ohne Monitoring, Simulationen und smarte Pflege nicht geht
  • Wie Planer den Spagat zwischen Ästhetik, Funktion und Bauphysik meistern können
  • Welche Förderprogramme und rechtlichen Rahmenbedingungen relevant sind

Thermisches Verhalten von Fassadenbegrünung: Grundlagen, Effekte und wissenschaftliche Einordnung

Fassadenbegrünung ist in der Diskussion um hitzeresiliente Städte, Energieeffizienz und urbane Lebensqualität längst ein zentraler Baustein. Doch was genau passiert eigentlich, wenn Pflanzen an der Gebäudehülle wachsen? Die thermischen Effekte sind erstaunlich vielfältig und komplex. Zum einen wirkt die grüne Schicht direkt als Schutzschild gegen solare Einstrahlung. Pflanzendecken, egal ob bodengebunden oder als vorgehängte Systeme, absorbieren einen Großteil der Sonnenstrahlung und reduzieren so die Erwärmung der Fassade. Je nach Pflanzenart, Blätterdichte und Ausrichtung kann die Oberflächentemperatur der Wand um bis zu 10 bis 15 Grad Celsius gegenüber unbegrünten Flächen sinken – das ist kein Marketing, sondern harte Messtechnik.

Doch damit nicht genug: Die Pflanzen verdunsten Wasser und kühlen damit die Umgebungsluft. Dieser Prozess, von Experten als Evapotranspiration bezeichnet, sorgt für ein lokales Mikroklima, das nicht nur das Gebäude, sondern auch angrenzende Stadträume spürbar erfrischt. Gerade im Bestand, wo dichte Bebauung, dunkle Fassaden und wenig Freifläche häufig Hitzeinseln begünstigen, ist dieser Effekt Gold wert. Studien aus Wien und Basel zeigen, dass die Umgebungstemperatur an heißen Tagen um mehrere Grad gesenkt werden kann – ein Unterschied, der über Wohlbefinden und Gesundheit entscheiden kann.

Ein weiterer Aspekt ist die Wirkung auf den Wärmedurchgang durch die Wand. Die grüne Schicht dient als zusätzliche Dämmebene. Im Sommer verzögert sie das Aufheizen der Fassade, im Winter reduziert sie Wärmeverluste. Allerdings hängt der Dämmeffekt stark von der Systemwahl, der Substratdicke und der Bewässerung ab. Wer hier mit pauschalen „bis zu 30 Prozent Energieersparnis“-Zahlen operiert, macht es sich zu einfach. Die Realität ist nuanciert: Manche Systeme bringen deutliche Verbesserungen, andere wirken vor allem bei sommerlicher Hitzebelastung und sind im Winter weniger effektiv.

Die thermische Wirksamkeit steht und fällt mit der Ausführung. Rankpflanzen auf Spalieren funktionieren anders als modulare, intensiv begrünte Wandsysteme mit Substratschicht. Hinzu kommt die Orientierung: Süd- und Westfassaden profitieren am meisten, da sie der Sonne am stärksten ausgesetzt sind. Nordfassaden bleiben thermisch meist unauffällig, bieten aber dennoch Vorteile für das Stadtklima insgesamt.

Forschung und Monitoring sind essenziell, um diese Effekte quantitativ zu erfassen. Moderne Sensorik, Simulationen mit Software wie ENVI-met oder WUFI und Langzeitmessungen an Referenzgebäuden bringen zunehmend Klarheit ins Dickicht der Behauptungen. Fazit: Fassadenbegrünung ist kein Wundermittel, aber ein hochwirksames Werkzeug im Klimaanpassungsbaukasten – wenn man weiß, wie es richtig eingesetzt wird.

Bestand trifft Begrünung: Bauphysik, Materialität und technische Herausforderungen

Der Altbau ist bekanntlich das Rückgrat unserer Städte – und zugleich bauphysikalisch eine echte Diva. Wer hier Fassadenbegrünung nachrüsten will, muss sich mit einer Reihe von Herausforderungen auseinandersetzen. Zunächst ist zu klären, welche Bauart vorliegt: massive Ziegelwände, Wärmedämmverbundsysteme, Sichtbeton, Sandstein oder gar Fachwerk – jedes Material reagiert anders auf zusätzliche Lasten, Feuchte und Temperaturänderungen.

Eine der größten Sorgen von Bauherren und Planern ist die Feuchtebelastung. Pflanzen bringen Wasser an die Wand – durch Bewässerung, durch Regen, durch Tau. Gleichzeitig schützen sie aber auch vor direktem Schlagregen und UV-Strahlung. Hier gilt es, Details sauber zu planen: Hinterlüftung, Drainagen, Abdichtungen und die Wahl eines passenden Begrünungssystems sind entscheidend, um Bauschäden zu vermeiden. Moderne Systeme bieten Zertifikate und Prüfberichte, doch die individuelle Anpassung an den Bestand bleibt Pflicht.

Die thermische Wirkung hängt eng mit der Substratauswahl zusammen. Mineralische Substrate speichern Wärme anders als organische. Die Dicke der Begrünungsschicht beeinflusst die Verzögerung des Wärmeeintrags, die sogenannte Phasenverschiebung. Für den Altbau bedeutet das: Je nach energetischem Zustand der Wand kann die Begrünung helfen, Temperaturspitzen abzufangen – oder sie kann bei unsachgemäßer Ausführung sogar zu Feuchteproblemen führen. Ein durchdachtes Monitoring ist daher kein Luxus, sondern Notwendigkeit.

Auch die Statik darf nicht unterschätzt werden. Begrünung bringt Gewicht – vor allem, wenn Substrat und Wasser im Spiel sind. Im Einzelfall sind Nachweise zu führen, ob die Fassade diese Lasten aufnehmen kann. Bei denkmalgeschützten Gebäuden kommen zusätzliche Auflagen ins Spiel, die eine enge Abstimmung mit den Behörden erfordern. Hier sind kreative, reversible Systeme gefragt, die das historische Erscheinungsbild bewahren und trotzdem die gewünschten Klimawirkungen entfalten.

Die Integration in die Haustechnik eröffnet zudem neue Möglichkeiten: Automatisierte Bewässerung, Sensorik für Temperatur und Feuchte, smarte Steuerungen für die Pflege – all das ist heute Stand der Technik. Wer im Bestand nachrüstet, sollte aber auch die Wartungsfreundlichkeit im Blick behalten. Schließlich ist eine vertrocknete oder überwucherte Fassade weder schön noch funktional. Kurzum: Fassadenbegrünung im Bestand ist ein anspruchsvolles, aber lohnendes Unterfangen, das Know-how und Fingerspitzengefühl verlangt.

Pflanzenauswahl, Substrat und Pflege: Die unterschätzten Stellschrauben der Thermik

Die Wahl der Pflanzen ist kein reines Gestaltungsdetail, sondern beeinflusst maßgeblich das Klima an der Fassade. Immergrüne Arten sorgen für dauerhaften Schutz, während laubabwerfende Pflanzen im Winter Licht und Wärme durchlassen. Kletterpflanzen wie Wilder Wein, Efeu oder Blauregen haben unterschiedliche Verdunstungsraten, Wuchsformen und Haftmechanismen – und damit auch unterschiedliche Auswirkungen auf Temperatur und Feuchte. Wer gezielt auf thermische Effekte abzielt, sollte Arten mit hoher Blattmasse und intensiver Evapotranspiration bevorzugen.

Das Substrat ist das Rückgrat jeder vertikalen Begrünung. Es bestimmt, wie viel Wasser gespeichert werden kann, wie Nährstoffe verfügbar sind und wie stark die Pflanzen wachsen. Mineralische Substrate sind langlebig und bieten eine stabile Struktur, während organische Beimischungen die Wasserspeicherung verbessern. Die Dicke der Substratschicht beeinflusst nicht nur das Pflanzenwachstum, sondern auch die thermischen Puffereffekte: Dickere Substrate verzögern den Temperaturdurchgang und bieten mehr Puffer gegen Hitzespitzen – sie sind aber auch schwerer und benötigen mehr Pflege.

Bewässerungssysteme sind im urbanen Kontext oft unerlässlich, besonders bei extensiven oder modularen Systemen. Sie stellen sicher, dass die Pflanzen auch in langen Trockenperioden ihre Verdunstungsleistung und damit ihren Kühleffekt aufrechterhalten können. Smarte Sensorik hilft, den Wasserbedarf präzise zu steuern und unnötige Feuchtigkeit an der Fassade zu vermeiden. Für den Bestand sind Systeme gefragt, die sich unauffällig integrieren lassen und möglichst wenig Instandhaltungsaufwand verursachen.

Die Pflege ist der unterschätzte Erfolgsfaktor. Regelmäßiger Rückschnitt, Kontrolle auf Schädlinge, Überprüfung der Bewässerung – ohne Wartung verkommen selbst die schönsten Projekte zu grünen Ruinen. Dabei ist die Pflege nicht nur eine Frage der Optik, sondern auch der Funktion: Nur gesunde und dichte Vegetation sorgt für die gewünschten thermischen Effekte. Besonders im Bestand, wo Zugänglichkeit und Nachrüstmöglichkeiten begrenzt sind, ist eine durchdachte Pflegeplanung Pflicht.

Auch Biodiversität spielt eine Rolle: Gemischte Bepflanzungen bieten mehr Resilienz gegen Schädlinge, Krankheiten und Klimaextreme. Gleichzeitig tragen sie zur ökologischen Aufwertung der Stadt bei – ein Nebeneffekt, der zunehmend auch in Förderprogrammen positiv bewertet wird. Wer hier clever plant, schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe: Energieeffizienz, Klimaschutz und Stadtökologie in einem Paket.

Stadtklima, Energie und Recht: Fassadenbegrünung als Baustein nachhaltiger Quartiere

Die Bedeutung von Begrünung für das urbane Mikroklima kann kaum überschätzt werden. In Zeiten von Hitzewellen, Tropennächten und Feinstaubalarm braucht es Lösungen, die schnell Wirkung zeigen und bestehende Quartiere aufwerten. Fassadenbegrünungen erfüllen diese Anforderungen gleich mehrfach: Sie kühlen nicht nur das Gebäude, sondern auch den Straßenraum, binden Staub und verbessern die Luftqualität. Städte wie Berlin, Wien oder Zürich nutzen Begrünungen gezielt als Hitzeschutz in dicht bebauten Vierteln. Monitoringprojekte belegen: Begrünte Fassaden können die lokale Umgebungstemperatur um mehrere Grad senken, das subjektive Wohlbefinden steigern und den Energiebedarf für Kühlung deutlich reduzieren.

Auch die Rolle für die Energieeffizienz ist nicht zu unterschätzen. Besonders im Sommer verhindern Begrünungen das Überhitzen von Fassaden und senken so die Kühllasten. Im Winter ist der Effekt geringer, aber immer noch messbar, vor allem bei älteren Bestandsbauten ohne moderne Dämmung. Die Integration in Sanierungsstrategien wird daher immer häufiger gefordert – nicht zuletzt von Fördermittelgebern, die Fassadenbegrünung inzwischen in vielen Programmen als förderfähige Maßnahme akzeptieren.

Rechtlich sind allerdings einige Hürden zu nehmen. In Deutschland ist die Nachrüstung von Fassadenbegrünung oft genehmigungspflichtig, vor allem bei denkmalgeschützten Gebäuden oder wenn Eingriffe in die Fassade notwendig sind. Die Landesbauordnungen unterscheiden sich, ebenso die Anforderungen an Brandschutz, Statik und Wartung. Planer sind daher gut beraten, frühzeitig das Gespräch mit Behörden und Fachleuten zu suchen, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Förderprogramme gibt es inzwischen in vielen Städten, zum Beispiel über die KfW, Landesbanken oder kommunale Klimafonds. Diese unterstützen nicht nur die Investitionskosten, sondern oft auch die Planung, Beratung und das Monitoring. Besonders im Bestand sind solche Mittel ein wichtiger Hebel, um den Mehraufwand gegenüber Neubauprojekten zu kompensieren. Wer clever kombiniert, kann Fassadenbegrünung als Teil eines ganzheitlichen Quartiersansatzes positionieren – und damit gleich mehrere Nachhaltigkeitsziele erreichen.

Die gesellschaftliche Akzeptanz wächst. Immer mehr Eigentümer, Wohnungsunternehmen und Kommunen erkennen die Vorteile, nicht zuletzt durch positive Beispiele und überzeugende Monitoringdaten. Entscheidend ist die Kommunikation: Wer die Bevölkerung frühzeitig einbindet, Ängste adressiert und die Mehrwerte klar darstellt, erhöht die Erfolgschancen und schafft neue Allianzen für die grüne Stadt von morgen.

Simulation, Monitoring und smarte Steuerung: Zukunft der thermischen Fassadenbegrünung

Die Zukunft der Fassadenbegrünung liegt in der intelligenten Verknüpfung von Planung, Betrieb und Auswertung. Moderne Simulationstools ermöglichen es bereits heute, die thermischen Effekte am konkreten Gebäude vorab zu berechnen. Software wie ENVI-met, WUFI oder GreenPass simulieren das Zusammenspiel von Vegetation, Bauphysik und Mikroklima – und helfen Planern, die optimale Systemwahl zu treffen. Besonders im Bestand, wo jede Fassade anders ist, sind solche Werkzeuge Gold wert. Sie erlauben es, Szenarien durchzuspielen, Risiken zu identifizieren und die Wirkung gezielt zu maximieren.

Doch Simulationen sind nur so gut wie ihre Daten. Deshalb wird Monitoring zum unverzichtbaren Bestandteil jeder hochwertigen Begrünung. Temperatur- und Feuchtesensoren, Wetterstationen, Fernerkundung und Drohnentechnologie liefern wertvolle Informationen über das tatsächliche Verhalten der grünen Fassade im Betrieb. Diese Daten ermöglichen nicht nur die Optimierung der Pflege, sondern auch die kontinuierliche Verbesserung von Systemen und Planungsvorgaben. In Vorzeigeprojekten werden Monitoringdaten öffentlich zugänglich gemacht – ein wichtiger Beitrag zur Akzeptanz und zur Verbreitung von Best Practices.

Smarte Steuerungssysteme sind der nächste logische Schritt. Automatisierte Bewässerung, vernetzte Sensorik und KI-basierte Analyseplattformen sorgen dafür, dass die Begrünung stets optimal funktioniert – auch unter wechselnden Klimabedingungen. Gerade im Bestand, wo Ressourcen knapp und Wartungszyklen lang sind, bieten solche Systeme enorme Effizienzgewinne. Sie helfen, Wasser zu sparen, Pflegeaufwand zu reduzieren und die thermische Wirkung auch bei Extremwetter zu sichern.

Die Kombination aus Simulation, Monitoring und smarter Steuerung eröffnet neue Horizonte für die städtische Klimaanpassung. Fassadenbegrünung wird vom gestalterischen Add-on zur integralen Systemlösung. Sie kann gezielt dort eingesetzt werden, wo der Nutzen am größten ist: an Hitze-Hotspots, in dicht bebauten Quartieren, an sensiblen Infrastrukturen. So wird die grüne Fassade zum Baustein einer datengetriebenen, resilienten Stadtentwicklung.

Die Herausforderungen bleiben: Datenschutz, Interoperabilität und die Qualifikation der beteiligten Akteure sind zentrale Themen. Doch die Dynamik ist enorm. Städte, die heute in smarte Begrünung investieren, machen sich fit für die Herausforderungen der Zukunft – und setzen Maßstäbe für klimaaktive Quartiere, die weit über die Begrünung hinausreichen.

Fazit: Fassadenbegrünung im Bestand – Thermik trifft Technik, Stadt trifft Zukunft

Fassadenbegrünung ist weit mehr als ein grünes Feigenblatt für urbane Nachhaltigkeit. Sie ist ein präzises, multifunktionales Werkzeug für Klimaschutz, Energieeffizienz und Lebensqualität – vorausgesetzt, sie wird fachgerecht geplant, ausgeführt und betrieben. Das thermische Verhalten begrünter Fassaden ist dabei keine Black Box, sondern ein komplexes Zusammenspiel aus Bauphysik, Pflanzenbiologie, Materialwissenschaft und smarter Technik. Gerade im Bestand, wo jede Fassade ihre eigenen Geschichten und Herausforderungen mitbringt, ist Know-how gefragt wie nie. Wer Begrünung als System und nicht als Deko versteht, kann echte Mehrwerte für Stadtklima, Gebäude und Bewohner schaffen.

Die Zukunft der urbanen Begrünung ist datengetrieben, vernetzt und adaptiv. Simulationen, Monitoring und intelligente Steuerung werden zur neuen Normalität. Förderprogramme und fortschrittliche Regelwerke schaffen zusätzliche Anreize, mutige Projekte zu realisieren. Entscheidend aber bleibt das Zusammenspiel von Planung, Betrieb und Beteiligung. Nur wenn alle Akteure an einem Strang ziehen, wird die grüne Fassade zur echten Klimawaffe im Kampf gegen urbane Hitze und Energieverschwendung. Wer heute investiert, erntet morgen nicht nur Schatten, sondern auch Resilienz und Lebensqualität – für die Stadt, das Quartier und die Menschen, die darin leben.

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Die Ausstellung Nordic Urban Spaces in den Nordischen Botschaften Berlin zeigt nordische Architektur und Städtebau. Die Ausstellung ist noch bis zum 28. September zu sehen. 

Wie gutes skandinavisches Design fallen auch die Stadtgestaltungsprojekte der Ausstellung„Nordic Urban Spaces“ in Berlin durch zurückhaltende, markante Formen und pragmatische Ansätze auf. Es sind keine Zweckbauten. Ihre Planer haben die Herausforderung angenommen über den reinen Nutzwert hinaus Mehrwert zu schaffen, sei es gestalterisch, funktional, ökologisch, energetisch oder partizipativ. Ein simples Beispiel dafür ist die 2014 eröffnete „Cykelslangen”, eine 230 Meter lange und vier Meter breite Fahrradrampe. Die schlanke, stählerne Brücke schlängelt sich durch den Kopenhagener Hafen. Die Konstruktion des Kopenhagener Büros Dissing+Weitling architecture ermöglicht Radfahrern den Bereich am Fisketorvet-Einkaufszentrum zügig zu durchqueren, ohne dabei mit den Fußgängern in Konflikt zu geraten. Neben dem Erlebnis die Rampe komplett für sich zu haben, eröffnet sie Radfahrern dabei einen spektakulären Ausblick über den Hafen. Zwischen den modernen Gebäudefassaden und über der Wasserfläche liegt sie als ikonisches Gestaltungselement.

Best-Practice

Wesentlich eindrücklicher als die sparsam beschriebenen Fotos, Pläne und Schemata auf Tafeln vermitteln an eine Wand projizierte Videos die Projektinhalte. Sie erlauben, auch dank Kopfhörer, in die teils sehr atmosphärischen und gut erläuterten Imagevideos einzutauchen. Schade, mehr davon hätte der Ausstellung gutgetan, um die Essenz der Planungen schneller zu erfassen. Als aktuelle Sammlung skandinavischer Best-Practice-Beispiele ist die Projektschau aber unbedingt besuchenswert.

In Kooperation mit dem Institut für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin zeigen die Nordischen Botschaften in Berlin noch bis 28. September 41 Projekte unterschiedlichen Maßstabs: städtebauliche Planungen, Parks und Uferpromenaden, Brücken, öffentliche Gebäude, Wohnungsbau und U-Bahnstationen sind darunter. Aber auch Beispiele für Partizipation und ökologische Initiativen für Erwachsene und Kinder. Gemeinsam haben sie, dass die Konzepte in Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark oder Island großteils schon realisiert wurden oder manche noch umgesetzt werden sollen.

Wichtige Antworten

Wo: Nordische Botschaften, Rauchstraße 1, 10787 Berlin

Wann: 6. Juni bis 28. September 2018, Montag bis Freitag 10–19.00 Uhr, Samstag und Sonntag: 11-16.00 Uhr

 

Der Deutsche Städtebaupreis 2025 sucht nach innovativen, zukunftsweisenden Projekten. Die Bewerbung ist bis zum 30.09.2024 möglich.
Der Deutsche Städtebaupreis 2025 sucht nach innovativen, zukunftsweisenden Projekten. Die Bewerbung ist bis zum 30.09.2024 möglich.

Der mit 25.000 Euro dotierte Deutsche Städtebaupreis dient schon seit 40 Jahren der Förderung einer zukunftsweisenden Planungs- und Stadtbaukultur. Bis zum 30. September können sich Interessierte für den Deutschen Städtebaupreis 2025 bewerben. Das Thema des Sonderpreises 2025: „Umbaukultur in der zirkulären Stadt“.

Der Deutsche Städtebaupreis, ausgelobt von der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) und gefördert von der Wüstenrot Stiftung, prämiert städtebauliche Projekte, die sich durch nachhaltige, innovative Beiträge zur Stadtbaukultur auszeichnen. Die Projekte sollen den aktuellen Anforderungen an zeitgemäße Lebensformen Rechnung tragen. Zudem sollen sie Herausforderungen an die Gestaltung des öffentlichen Raums, dem sparsamen Ressourcenverbrauch sowie Verpflichtungen gegenüber der Orts- und Stadtbildpflege gerecht werden.

Als Ideengenerator gilt der begehrte Sonderpreis, der besonders dringliche Handlungsfelder im Städtebau und der Stadtplanung betont. Beim Deutschen Städtebaupreis 2025 lautet das Thema dieses Preises „Umbaukultur in der zirkulären Stadt“. Die Bewerbung ist vom 1. April bis 30. September 2024 möglich.

Das Gesamtkonzept zählt

Der Deutsche Städtebaupreis ist mit insgesamt 25.000 Euro dotiert. Er wird schon seit über 40 Jahren verliehen und soll so eine innovative Planungs- und Stadtbaukultur in Deutschland fördern. Bewerbungen sind ab jetzt bis Ende September unter www.staedtebaupreis.de möglich.

Die Auslobung des Städtebaupreises bietet eine gute Gelegenheit, Projekte einem breiten Publikum zu präsentieren und sich mit Expert*innen und Fachleuten auszutauschen. Die Bekanntgabe der prämierten Projekte erfolgt im Rahmen einer Oscar-inspirierten Preisverleihung im Mai 2025 in der Berliner Akademie der Künste.

Teilnehmende Projekte müssen nach dem 1. Januar 2019 an Orten in der Bundesrepublik Deutschland realisiert worden sein. Dabei dürfen Konzeption und Entwurf weiter zurückliegen. Auch teilrealisierte Projekte können am Deutschen Städtebaupreis 2025 teilnehmen, wobei es möglich sein muss, von den realisierten Abschnitten auf das Gesamtkonzept zu schließen.

Die Bewerbung muss bis zum 30. September 2024 (Datum des Poststempels) eingehen. Teilnehmen können freischaffende und angestellte Stadtplaner*innen, Architekt*innen, Landschaftsarchitekt*innen sowie öffentliche und private Planungsträger*innen. Bewerber*innen müssen ihr Projekt online registrieren und die erforderlichen Unterlagen für die jeweilige Preiskategorie einreichen.

Verkündung des Deutschen Städtebaupreises 2025 im Mai

Die Jury des Deutschen Städtebaupreises 2025 wird die eingereichten Projekte nach ihrer stadtfunktionalen, stadträumlichen, sozialen und architektonischen Qualität bewerten. Zudem blickt sie darauf, inwieweit Projekte ein Gebiet für die dort wohnenden und arbeitenden Menschen verbessern. Siegerprojekte basieren auf integrierten Konzepten und einer beispielhaften Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Akteuren. Auch der Prozess einer gelungenen Kooperation fließt in die Bewertung mit ein.

Die folgenden Preiskategorien gibt es beim Deutschen Städtebaupreis 2025:

  • Deutscher Städtebaupreis: 15.000 Euro
  • Sonderpreis„Umbaukultur in der zirkulären Stadt“: 5.000 Euro
  • Bis zu fünf Auszeichnungen à 1.000 Euro
  • Belobigungen

Die Preisträger*innen, Ausgezeichneten und Belobigten erhalten als Zeichen der besonderen Anerkennung eine Urkunde im Rahmen der Festveranstaltung im Mai 2025. Sowohl die Siegerarbeiten als auch die anderen eingereichten Arbeiten werden im Rahmen einer bundesweiten Wanderausstellung und einer Dokumentation der Öffentlichkeit präsentiert. Die Preise werden in der Regel ungeteilt vergeben.

Mutige Akteur*innen gesucht

Der Sonderpreis des Deutschen Städtebaupreises ist besonders beliebt und hat oft eine impulsgebende Wirkung. Er dient als Ideengenerator und akzentuiert dringliche Handlungsfelder im deutschen Städtebau. Unter dem Titel „Umbaukultur in der zirkulären Stadt“ zeichnet er im Jahr 2025 Stadtbausteine aus, die städtebauliche Wandlungsfähigkeit zeigen und neue Impulse für das Quartier setzen.

Zu oft werden Nutzungen und Infrastrukturen aufgegeben. Sie hinterlassen Stadtbausteine, die auf den ersten Blick „sperrig“ erscheinen. Zugleich beinhalten sie aber auch vielfältige, meist unentdeckte Potenziale für die Umbaukultur in der zirkulären Stadt. Das können zum Beispiel leerstehende Kaufhäuser und Bürokomplexe, ehemalige Parkhäuser, aufgelassene Stadtautobahnen oder Gasthäuser im Dorf sein.

Der Preis fragt, wie durch eine Umbaukultur städtebauliche Impulse entstehen und welchen Beitrag Konzepte leisten können, um Monofunktionalität zu durchbrechen und die Gestaltungsqualität von Quartieren zu verbessern. Besonders wichtig ist, dass das Siegerprojekt das Konzept der zirkulären Stadt konkret umsetzt.

Der Deutsche Städtebaupreis 2025 formuliert den Aufruf für Bewerbungen auf den Sonderpreis wie folgt: „Wir suchen neue Blicke auf die Begabungen von Gebäuden und der gebauten Umwelt, mutige Akteur:innen in den Prozessen des Städtebaus sowie innovative Planungs-, Finanzierungs- und Umsetzungsmodelle. Willkommen sind Projekte, die bereits fertiggestellt oder soweit fortgeschritten sind, dass die zu erwartenden Impulse für das Quartier erkennbar sind.“

Der Sonderpreis sucht nach Vorzeigebeispielen für die Umbaukultur in der zirkulären Stadt. Credit: Josh Power
Der Sonderpreis sucht nach Vorzeigebeispielen für die Umbaukultur in der zirkulären Stadt. Credit: Josh Power

Münchner Werksviertel gewann 2023

Die erste Jurysitzung für den Deutschen Städtebaupreis 2025 wird im November 2024 stattfinden, gefolgt von der Bereisung der Projekte durch die Jury im November und Dezember. Im Januar 2025 folgt eine zweite Jurysitzung und die Entscheidung wird Mitte Februar beim Berlin-Symposium getroffen.

Die Jury des Deutschen Städtebaupreises 2025 setzt sich wie folgt zusammen:

  • Juryvorsitzender: Dipl.-Ing. Tim von Winning, Bürgermeister für Stadtentwicklung, Bau und Umwelt, Ulm
  • Dr. Thomas Drachenberg, Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum
  • Sabine Müller, SMAQ Architektur und Stadt, Berlin
  • Marie-Theres Okresek, bauchplan ).( landschaftsarchitekten und stadtplaner
  • -Ing. Jórunn Ragnarsdóttir, LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei, Stuttgart
  • PD Dr. Anja Reichert-Schick, Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg
  • -Ing. Monika Thomas, Präsidentin DASL, Hamburg und Ständiger Gast für den Wissenschaftlichen Beirat
  • Dr. Christina Simon-Philipp, Hochschule für Technik Stuttgart

Der Deutsche Städtebaupreis wird seit 1980 alle zwei Jahre vergeben. Er hat einen ganzheitlichen Anspruch und fordert die Teilnehmenden so heraus, wegweisende, interdisziplinäre und weitsichtige Projekte zu entwickeln, die den Ansprüchen der Gesellschaft entsprechen und diese zugleich formen.

Der letzte Deutsche Städtebaupreis ging im Jahr 2023 nach München und ehrte das Werksviertel, ein Projekt, das auf Grundlage des Bestands ein buntes Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungen generiert. Der Ort soll zu allen Tages- und Nachtzeiten belebt werden und hat dabei einen experimentellen Charakter.

Mehr zum Münchner Werksviertel lesen Sie hier.