Thermische Wirkung von Parkanlagen quantifizieren – Tools im Vergleich

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Luftansicht einer schweizerischen Stadt mit Fluss und nachhaltigen Parks, fotografiert von Carrie Borden

Wie heiß ist eigentlich grün? Wer Parkanlagen wirklich als urbane Klimaanlagen versteht, muss ihre thermische Wirkung quantifizieren können – und zwar präzise, vergleichbar und belastbar. Zwischen Hightech-Tools und klassischen Methoden, zwischen Simulation und Feldmessung balanciert die Landschaftsarchitektur heute auf dem schmalen Grat zwischen Wissenschaft und Praxis. Welche Tools taugen wirklich etwas? Welche liefern nur schöne Bilder? Und woran sollte sich eine professionelle Bewertung orientieren? Willkommen im Dschungel der thermischen Stadtmessung – mit kritischem Blick und klaren Empfehlungen.

  • Warum die Quantifizierung der thermischen Wirkung von Parkanlagen für Städteplaner, Landschaftsarchitekten und Kommunen unverzichtbar ist
  • Welche physikalischen Grundlagen und mikroklimatischen Prozesse hinter der Kühlleistung von Parks stehen
  • Vergleich der wichtigsten Tools: von mobilen Messungen über Fernerkundung bis zu digitalen Simulationsmodellen
  • Stärken, Schwächen und typische Fallstricke der gängigen Methoden
  • Praktische Einblicke aus deutschen, österreichischen und Schweizer Projekten
  • Wie sich Datenqualität, Aufwand, Kosten und Aussagekraft unterscheiden
  • Empfehlungen für eine kluge, zielorientierte Tool-Auswahl in der Planungspraxis
  • Ein Ausblick auf neue Trends wie Echtzeit-Sensorik, Urban Digital Twins und partizipative Messungen

Wieviel kühlen Parks wirklich? Die Herausforderung der Quantifizierung

Die thermische Wirkung von Parkanlagen ist seit Jahren ein heißes Thema – und das nicht nur im metaphorischen Sinn. Städte stehen zunehmend unter Hitzestress, und die Frage, wie viel ein Park tatsächlich zur Abkühlung beiträgt, ist längst keine akademische Spielerei mehr. Kommunen wollen wissen: Wie viel Grad weniger misst man am Parkrand? Wie weit reicht die kühlende Wirkung ins Quartier? Und wie lässt sich dieser Nutzen objektiv belegen, um ihn gegenüber Entscheidungsträgern, Investoren oder Bürgern zu verteidigen? Die Antwort ist komplexer als es zunächst scheint, denn Parks sind keine homogenen grünen Inseln, sondern hochdynamische, strukturierte Ökosysteme im städtischen Kontext.

Im Zentrum der Betrachtung stehen verschiedene mikroklimatische Prozesse: Verschattung, Verdunstung, Luftaustausch und Wärmeabstrahlung. Diese Prozesse hängen wiederum von Vegetationsstruktur, Bodenbeschaffenheit, Flächengröße, Lage und angrenzender Bebauung ab. Eine große, offene Wiese kühlt anders als ein dichter, alter Baumbestand. Ein Park im Blockinnenbereich wirkt anders als ein linearer Grünzug entlang einer Verkehrsachse. Wer die thermische Wirkung quantifizieren will, muss all diese Faktoren im Blick behalten – und braucht Methoden, die diese Komplexität angemessen abbilden.

Doch hier beginnt das Dilemma: Es gibt nicht das eine perfekte Tool, das alle Facetten präzise erfasst. Stattdessen steht eine breite Palette von Methoden zur Verfügung – von klassischen Messungen mit Thermometern und Feuchtefühlern über moderne Sensorik bis hin zu hochauflösenden Simulationsmodellen. Jede Methode hat ihre Stärken, Grenzen und Anwendungsbereiche. Die Wahl hängt davon ab, was genau gemessen oder simuliert werden soll, welches Budget zur Verfügung steht und wie tief die Analyse gehen muss.

Die größte Herausforderung besteht darin, die Ergebnisse verschiedener Methoden miteinander vergleichbar zu machen. Denn während eine punktuelle Messung nur einen Ausschnitt des Geschehens liefert, können Simulationsmodelle ganze Szenarien abbilden – allerdings immer nur so gut, wie ihre Eingabedaten und Annahmen sind. Wer die thermische Wirkung von Parkanlagen fundiert quantifizieren will, muss daher nicht nur die Tools beherrschen, sondern auch deren jeweilige Limitationen kritisch reflektieren.

Für Planer, Landschaftsarchitekten und Entscheidungsträger stellt sich damit die Frage: Wie gelingt der Spagat zwischen wissenschaftlicher Präzision und praxistauglicher Anwendung? Und welche Tools liefern die überzeugendsten, belastbarsten und kommunizierbarsten Ergebnisse für die Planung nachhaltiger Stadtlandschaften?

Von Messung bis Modell: Die wichtigsten Tools zur Erfassung der Parkkühlung

Die Palette der verfügbaren Tools zur Quantifizierung der thermischen Wirkung von Parkanlagen ist beeindruckend breit – und wächst rasant. Am Anfang stehen immer noch die klassischen Feldmessungen: Mobile Wetterstationen, Handthermometer, Feuchtesensoren oder Strahlungssensoren liefern punktuelle, unmittelbare Werte von Lufttemperatur, Bodenfeuchte, Oberflächentemperatur oder Luftfeuchtigkeit. Mit mobilen Messkampagnen – beispielsweise entlang von Parkquerungen oder an verschiedenen Tageszeiten – lassen sich Temperaturgradienten und Kühlspannen erfassen. Diese Messungen sind vergleichsweise günstig, liefern aber meist nur Momentaufnahmen und sind stark witterungs- und standortabhängig.

Ein Schritt weiter geht der Einsatz von Fernerkundungsmethoden. Drohnen, Satellitenbilder oder Infrarotkameras ermöglichen es, großflächige Temperaturverteilungen zu erfassen und sogenannte Oberflächentemperaturkarten zu erstellen. Besonders Thermalaufnahmen aus der Luft zeigen eindrucksvoll, wie sich Parks als „kühle Inseln“ vom wärmeren Stadtraum abheben. Der Vorteil: Es können auch schwer zugängliche oder weitläufige Flächen abgedeckt werden. Der Nachteil: Die Messung bezieht sich auf die Oberflächentemperatur, nicht zwangsläufig auf das für den Menschen relevante Mikroklima in zwei Metern Höhe. Zudem sind diese Methoden wetterabhängig und teils kostspielig in der Auswertung.

Den größten Sprung in Sachen Komplexität, Aussagekraft – und auch Aufwand – bieten digitale Simulationsmodelle. Tools wie ENVI-met, PALM-4U oder RayMan erlauben es, die mikroklimatischen Effekte von Parks auf Basis von Vegetationsdaten, Gebäudestrukturen, Wetterparametern und Nutzerverhalten zu simulieren. Mit solchen Modellen lassen sich nicht nur Ist-Zustände abbilden, sondern auch verschiedene Entwurfsvarianten durchspielen: Was passiert, wenn ein Park vergrößert, verdichtet oder anders bepflanzt wird? Wie verändern sich Luftströmungen, Verdunstungskühlung und Schattenwurf? Die Möglichkeiten sind beeindruckend – allerdings verlangen diese Tools fundiertes Fachwissen, aufwändige Datenaufbereitung und eine sorgfältige Kalibrierung anhand realer Messdaten.

In jüngster Zeit gewinnen auch Echtzeit-Sensornetzwerke an Bedeutung. Mit fest installierten Sensoren können Klima- und Wetterdaten kontinuierlich in verschiedenen Parkbereichen erfasst werden. So entsteht ein dynamisches Bild der Temperaturverteilung, das sich auch für die Steuerung von Bewässerung, Pflege oder Nutzerlenkung nutzen lässt. Einige Städte experimentieren bereits mit offenen Datenplattformen, auf denen die Messergebnisse öffentlich verfügbar gemacht werden. Diese Transparenz stärkt die Akzeptanz und ermöglicht eine partizipative Bewertung der Parkwirkung.

Schließlich gibt es noch hybride Ansätze: Die Kombination aus Messung und Simulation, etwa indem reale Messdaten zur Kalibrierung und Validierung von Modellen genutzt werden. Das erhöht die Verlässlichkeit der Simulationen und ermöglicht es, gezielt Schwachstellen oder Optimierungspotenziale im Entwurf aufzuspüren. Der Königsweg ist also oft nicht das einzelne Tool, sondern die kluge Verknüpfung verschiedener Methoden – abgestimmt auf Fragestellung, Projektrahmen und Zielgruppe.

Stärken, Schwächen und Fallstricke der Methoden im Praxistest

Wer die verschiedenen Tools zur Quantifizierung der Parkkühlung vergleicht, erkennt schnell: Jede Methode hat ihre Stärken – und ihre Tücken. Die klassische Feldmessung punktet mit Unmittelbarkeit und einfacher Handhabung. Sie liefert schnell belastbare Werte, die sich direkt kommunizieren lassen. Doch die Aussagekraft ist begrenzt: Einzelmessungen sind stark wetter- und tageszeitabhängig, liefern keine räumliche Differenzierung und bilden keine langfristigen Trends ab. Wiederholte Messkampagnen über verschiedene Zeiträume hinweg sind nötig, um verlässliche Aussagen zu treffen – das kostet Zeit und Personal.

Fernerkundung, etwa per Drohne oder Satellit, liefert eindrucksvolle Bilder und Karten, die sich hervorragend für die Kommunikation eignen. Sie zeigen auf einen Blick, wo Parks wirken – und wo nicht. Allerdings erfassen sie in der Regel die Oberflächentemperatur, nicht das für den Menschen relevante Mikroklima. Asphalt kann sich tagsüber stark aufheizen, nachts aber rasch abkühlen. Vegetationsflächen reagieren träger. Wer die Wirkung auf das Wohlbefinden der Nutzer verstehen will, muss daher ergänzende Messungen in Aufenthaltsbereichen durchführen.

Digitale Simulationsmodelle wie ENVI-met oder PALM-4U sind das Werkzeug der Wahl, wenn es um die Bewertung von Entwurfsvarianten und Szenarien geht. Sie ermöglichen es, Planungsvorschläge im virtuellen Raum zu testen, Optimierungsoptionen zu identifizieren und die Wirkung verschiedener Maßnahmen vergleichbar zu machen. Allerdings sind diese Modelle datenhungrig, verlangen detaillierte Eingaben zu Vegetation, Boden, Gebäuden, Wetter und Nutzung. Fehlerquellen lauern an vielen Stellen: Eine ungenaue Modellierung der Vegetationsstruktur, falsche Annahmen zum Bodenfeuchtehaushalt oder zu vereinfachte Randbedingungen können die Ergebnisse stark verzerren. Ohne Kalibrierung mit realen Messdaten bleibt das Simulierte oft eine schöne Fiktion.

Echtzeit-Sensornetzwerke bieten das Potenzial, die Dynamik urbaner Klimaprozesse besser zu erfassen. Sie liefern kontinuierliche Daten und eröffnen neue Möglichkeiten der Steuerung und Anpassung. Doch auch hier droht die Datenflut zum Selbstzweck zu werden. Viele Kommunen unterschätzen den Aufwand für Wartung, Datenmanagement und Qualitätssicherung. Zudem ist die räumliche Abdeckung meist begrenzt – ein Sensor pro Hektar reicht nicht aus, um mikroklimatische Unterschiede zwischen Schatten, Sonne, Wiese und Weg differenziert abzubilden.

Ein häufiger Fallstrick in der Praxis: Die Überschätzung der Genauigkeit. Kein Tool liefert absolute Wahrheiten. Messfehler, räumliche Ungenauigkeiten, falsche Annahmen oder unzureichende Kalibrierung können zu erheblichen Fehldeutungen führen. Wer die thermische Wirkung von Parkanlagen quantifizieren will, sollte daher immer kritisch prüfen, was die jeweils gewählte Methode wirklich misst – und was sie vielleicht verschweigt.

Praxisbeispiele, Empfehlungen und neue Trends in der Bewertung urbaner Kühlung

Ein Blick in die Praxis zeigt, wie unterschiedlich Kommunen und Planungsbüros bei der Bewertung der thermischen Wirkung von Parks vorgehen. In München wurde beispielsweise im Rahmen der „Klimaanalyse München“ eine Kombination aus mobilen Messungen, stationären Wetterstationen und ENVI-met-Simulationen eingesetzt, um die Kühlleistung verschiedener Parktypen zu erfassen. Ergebnis: Die höchste Kühlwirkung erzielen große, baumreiche Parks mit Wasserflächen – insbesondere in den späten Nachmittagsstunden. Lineare Grünzüge liefern dagegen vor allem in ihrer unmittelbaren Umgebung eine spürbare Abkühlung, verlieren aber rasch an Wirkung mit zunehmender Entfernung.

In Wien setzt man auf eine Mischung aus Fernerkundung und bodennaher Messung. Thermalbilder aus der Luft werden mit Daten aus fest installierten Sensoren kombiniert, um Hotspots und Kaltzonen im Stadtgefüge zu identifizieren. Die Ergebnisse fließen direkt in die Stadtentwicklungsplanung ein: Neue Parks werden gezielt an Orten mit hohem Hitzestress platziert, bestehende Anlagen gezielt nachgerüstet – etwa durch zusätzliche Bäume, Wasserelemente oder neue Wegeführungen zur Verbesserung der Durchlüftung.

In Zürich experimentiert man mit partizipativen Ansätzen: Bürger werden aktiv in die Messkampagnen einbezogen, indem sie mit einfachen Sensoren Temperatur- und Feuchtigkeitswerte erfassen. Die so gewonnenen Daten werden auf einer offenen Plattform visualisiert und ergänzen die professionellen Messreihen. Das erhöht nicht nur die Datenbasis, sondern stärkt auch das Verständnis und die Akzeptanz für die Notwendigkeit grüner Infrastruktur.

Aus Sicht der Planungspraxis empfiehlt sich ein abgestufter Ansatz: Für erste Standortanalysen reichen oft mobile Messungen oder Fernerkundungsdaten aus. Sollen konkrete Entwurfsoptionen bewertet werden, führt kein Weg an Simulationsmodellen vorbei – idealerweise kombiniert mit realen Messdaten zur Kalibrierung. Für die kontinuierliche Erfolgskontrolle und Steuerung von Parkanlagen bieten sich Echtzeit-Sensornetzwerke an. Entscheidend ist, die Tools nicht isoliert zu betrachten, sondern gezielt zu kombinieren – je nach Fragestellung, Ressourcen und dem gewünschten Detailgrad.

Ein Trend der nächsten Jahre ist die Integration von Mess- und Simulationsdaten in digitale Stadtzwillinge. Urban Digital Twins, wie sie etwa in Hamburg oder Wien entstehen, ermöglichen die Verknüpfung von Echtzeitklimadaten, Simulationsmodellen und Planungsentwürfen. So lassen sich die thermischen Effekte von Parks nicht nur analysieren, sondern auch in Echtzeit visualisieren, bewerten und steuern. Das eröffnet neue Chancen für eine adaptive, datengestützte Stadtentwicklung – erfordert aber auch neue Kompetenzen bei Planern und Verwaltungen.

Fazit: Klüger messen, besser planen – und Parkanlagen als urbane Klimaanlagen begreifen

Die Quantifizierung der thermischen Wirkung von Parkanlagen ist keine Kür, sondern Pflicht für alle, die an der nachhaltigen Gestaltung urbaner Räume mitwirken. Parks sind mehr als nur grüne Flächen – sie sind hochwirksame, aber komplexe urbane Klimaanlagen, deren Leistung messbar und belegbar gemacht werden muss. Die Auswahl des passenden Tools hängt von der Fragestellung, dem gewünschten Detailgrad und den verfügbaren Ressourcen ab. Kein Werkzeug ist perfekt, doch eine kluge Kombination aus Messung und Simulation, gepaart mit kritischer Reflexion und partizipativer Einbindung, liefert die überzeugendsten Ergebnisse.

Die Zukunft gehört hybriden Ansätzen: Messdaten aus dem Feld, Fernerkundung und digitale Stadtmodelle wachsen zunehmend zusammen. Echtzeitdaten, Urban Digital Twins und offene Datenplattformen werden den Umgang mit urbaner Kühlleistung revolutionieren – wenn sie verantwortungsvoll und transparent eingesetzt werden. Für Planer, Landschaftsarchitekten und Kommunalverwaltungen zählt dabei nicht nur die technische Brillanz, sondern vor allem die Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen, die Ergebnisse kritisch zu interpretieren und die gewonnenen Erkenntnisse in nachhaltige, lebenswerte Stadtlandschaften zu übersetzen.

Wer Parks als urbane Klimaanlagen begreifen will, muss nicht nur messen und modellieren, sondern auch kommunizieren, überzeugen und inspirieren. Die beste Methode bleibt am Ende diejenige, die Planung und Betrieb messbar besser macht – und die Stadt ein bisschen kühler, lebenswerter und zukunftsfähiger.

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Hochschule auf der Landesgartenschau 2020

Die Hochschule Weihenstephan-Trierdorf wird an der Landesgartenschau in Ingolstadt 2020 einen Themengarten unterhalten. Der Entwurf dazu stammt von Studierenden der landschaftsarchitektonischen Fakultät. 

Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf wird 2020 auf der Landesgartenschau in Ingolstadt mit einem Ausstellungsbeitrag vertreten sein. Studierende der Fakultät Landschaftsarchitektur erstellten im Rahmen des Wahlpflichtfachs Design and Construction Entwürfe für die Gestaltung des hochschuleigenen Themengartens.

Die Studierenden stellten ihre Entwürfe am 29. Mai der Jury vor. Die Jury, bestehend aus dem Präsidenten Prof. Dr. Eric Veulliet, den betreuenden Professoren Prof. Ingrid Schegk, Prof. Dr. Thomas Brunsch sowie Prof. Dr. Matthias Drösler als Vertreter der forschungsaktiven Professoren wählten den geeignetsten Entwurf für die Umsetzung aus.

Klara Faistauer und Joshua Lenze (Studiengang Landschaftsbau & -Management) überzeugten mit dem Konzept ClimateMove – Applied Sciences for Future.

Leistungsphase 2 Hoai: Bedeutung und Anwendung einfach erklärt

Eine professionelle Planungsszene im Freiraum zum Thema Leistungsphase 2 Hoai
Detailarbeit am Reißbrett: Planung eines Landschaftsprojekts auf Papier. Foto: d_mccullough / Unsplash

Wer ein Gebäude plant, saniert oder betreut, kommt an der Leistungsphase 2 der HOAI nicht vorbei. Sie ist die Phase, in der aus einer Bauaufgabe ein erstes konkretes Konzept wird: Hier entwickeln Landschaftsarchitekten, Architekten und Ingenieure die grundlegenden Lösungsansätze, wägen Varianten ab und legen den inhaltlichen Kurs für das gesamte Projekt fest. Was in der Vorplanung entschieden wird, prägt alle nachfolgenden Phasen bis zur Ausführung.

  • Was die Leistungsphase 2 HOAI inhaltlich umfasst und wie sie sich von benachbarten Phasen abgrenzt
  • Welche Leistungen zur Vorplanung gehören und was als besondere Leistung gilt
  • Welche Rolle die Leistungsphase 2 in der Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung spielt
  • Wie das Honorar für die Vorplanung berechnet wird und welche Bewertungsgrundlagen gelten
  • Welche typischen Fehler und Missverständnisse in der Praxis auftreten
  • Wie die Vorplanung mit anderen Fachplanern und Behörden koordiniert wird
  • Welche Dokumente und Ergebnisse am Ende der Leistungsphase 2 vorliegen müssen
  • Wie die Leistungsphase 2 in den größeren Kontext von Planungsrecht und Projektsteuerung eingebettet ist

Was ist die Leistungsphase 2 HOAI? Definition und Einordnung

Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure, kurz HOAI, gliedert die Planungsleistungen für Gebäude, Freianlagen, Ingenieurbauwerke und weitere Objekttypen in neun Leistungsphasen. Die Leistungsphase 2 trägt die Bezeichnung „Vorplanung“ und bildet den Übergang von der konzeptionellen Grundlagenermittlung zur ersten ausgearbeiteten Planungsaussage. Während die Leistungsphase 1, die Grundlagenermittlung, noch der Klärung der Aufgabe und der Zusammenstellung aller relevanten Informationen dient, geht es in der Leistungsphase 2 HOAI darum, auf dieser Basis konkrete Lösungsansätze zu entwickeln, zu vergleichen und zu einem Vorplanungskonzept zu verdichten.

Die HOAI ist in Deutschland eine staatliche Preisrechtsverordnung, die für die dort geregelten Leistungen verbindliche Honorarrahmen vorgibt. Sie gilt für Architekten, Landschaftsarchitekten, Innenarchitekten und verschiedene Ingenieurdisziplinen. Die aktuelle Fassung der HOAI stammt aus dem Jahr 2021 und setzt eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs um, der die zuvor geltenden verbindlichen Mindest- und Höchstsätze als europarechtswidrig eingestuft hatte. Seitdem haben die Honorartafeln der HOAI den Charakter von Orientierungswerten, die als Grundlage für die Honorarvereinbarung dienen, ohne zwingend bindend zu sein. Dennoch bleibt die Struktur der Leistungsphasen und die inhaltliche Beschreibung der Grundleistungen in der HOAI maßgeblich für die Praxis.

Die Leistungsphase 2 HOAI ist für alle Planungsbeteiligten von besonderer strategischer Bedeutung, weil hier die wesentlichen Weichen gestellt werden. Entscheidungen über Erschließung, Materialität, Programmverteilung, Freiraumstruktur oder technische Systeme, die in der Vorplanung getroffen werden, sind in späteren Phasen nur noch mit erheblichem Aufwand zu revidieren. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang vom „Einfrieren“ von Planungsentscheidungen: Je weiter ein Projekt voranschreitet, desto teurer und aufwendiger wird jede grundlegende Änderung.

Grundleistungen der Vorplanung: Was die HOAI konkret fordert

Die HOAI beschreibt für jede Leistungsphase sogenannte Grundleistungen, also den Leistungsumfang, der im Regelfall zum Erreichen des Planungsziels erforderlich ist und dessen Honorar in den Honorartafeln abgebildet wird. Für die Leistungsphase 2 umfassen diese Grundleistungen bei Freianlagen, also dem für Landschaftsarchitekten zentralen Leistungsbild, unter anderem die Analyse der Grundlagen, das Aufstellen eines Planungskonzepts mit zeichnerischer Darstellung, die Klärung der wesentlichen Zusammenhänge, Zumessungen und Abmessungen des Planungsobjekts sowie die Kostenschätzung nach DIN 276.

Die Kostenschätzung nach DIN 276 ist ein zentrales Ergebnis der Leistungsphase 2. Sie liefert eine erste belastbare Aussage über die voraussichtlichen Gesamtkosten des Projekts auf Basis der Vorplanungsunterlagen. Die DIN 276 gliedert Baukosten in Kostengruppen; für Freianlagen sind insbesondere die Kostengruppen 500 (Außenanlagen) und 700 (Baunebenkosten) relevant. Die Kostenschätzung in der Vorplanung hat noch eine vergleichsweise große Bandbreite, weil viele Details noch nicht festgelegt sind. Dennoch ist sie verbindlich genug, um dem Auftraggeber eine Entscheidungsgrundlage zu liefern, ob das Projekt in der geplanten Form wirtschaftlich realisierbar ist.

Zur Vorplanung gehört außerdem die Untersuchung alternativer Lösungsmöglichkeiten. Das ist keine Formalie, sondern ein inhaltlicher Kernauftrag: Der Planer soll dem Auftraggeber zeigen, dass er die Aufgabe von mehreren Seiten durchdacht hat und die gewählte Lösung nicht die einzig denkbare, sondern die fachlich begründet beste ist. In der Landschaftsarchitektur kann das die Gegenüberstellung verschiedener Freiraumtypologien bedeuten, etwa einen naturnahen Wiesencharakter versus eine gestalterisch stärker formalisierte Anlage, oder unterschiedliche Erschließungskonzepte für einen Stadtplatz. Diese Variantenuntersuchung dokumentiert die planerische Sorgfalt und schützt beide Seiten bei späteren Auseinandersetzungen über die Planungsqualität.

Ergänzend sind in der Vorplanung die Ergebnisse mit dem Auftraggeber abzustimmen und dessen Zustimmung einzuholen. Dieser Abstimmungsschritt ist mehr als ein formaler Akt: Er markiert den Übergang von der Konzeptentwicklung zur Planungsvertiefung und schafft die Grundlage für die Beauftragung der Leistungsphase 3, der Entwurfsplanung. Ohne eine dokumentierte Freigabe der Vorplanung durch den Auftraggeber fehlt die vertragliche Basis für die Weiterarbeit.

Leistungsphase 2 in der Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung

Für Landschaftsarchitekten hat die Leistungsphase 2 HOAI eine besondere inhaltliche Qualität, weil Freianlagen in dieser Phase noch am stärksten von konzeptionellen Grundsatzentscheidungen geprägt werden. Ob ein Stadtplatz als durchgrünter Aufenthaltsraum oder als hartes, multifunktionales Stadtparkett entwickelt wird, ob ein Schulhof Bewegungsangebote in der Fläche verteilt oder in Zonen gliedert, ob ein Wohnquartier mit linearen Wegeachsen oder mit einem organischen Wegenetz erschlossen wird: All diese Entscheidungen fallen in der Vorplanung und bestimmen Charakter, Nutzbarkeit und Pflegeaufwand einer Anlage für Jahrzehnte.

In der Freiraumplanung kommt hinzu, dass die Leistungsphase 2 häufig eng mit planungsrechtlichen Verfahren verknüpft ist. Bebauungsplanverfahren, städtebauliche Rahmenpläne oder Wettbewerbsergebnisse liefern oft den Ausgangspunkt für die Vorplanung von Freianlagen. Der Landschaftsarchitekt muss in der Leistungsphase 2 prüfen, welche Vorgaben aus diesen übergeordneten Planungen verbindlich sind und welchen Spielraum sie für die freiraumplanerische Ausgestaltung lassen. Das erfordert eine sichere Kenntnis des Bauplanungsrechts, insbesondere des Baugesetzbuchs und der Baunutzungsverordnung, sowie der einschlägigen Regelwerke der Freiraumplanung.

Vegetationstechnische und ökologische Grundsatzentscheidungen werden ebenfalls in der Vorplanung vorbereitet. Ob eine Baumreihe mit großkronigen Stadtbäumen oder mit kleinkronigen Ziergehölzen geplant wird, ob Staudenpflanzungen als pflegeextensive Gesellschaftspflanzungen oder als aufwendigere Schaubepflanzungen konzipiert werden, ob Regenwasser versickert, gespeichert oder abgeleitet wird: Diese Fragen berühren nicht nur die Gestalt, sondern die Funktionalität, die Klimawirksamkeit und die Folgekosten einer Freianlage. Eine sorgfältige Leistungsphase 2 legt hier die Weichen, ohne bereits in die Detailtiefe der Entwurfsplanung zu gehen.

Honorar und Bewertung: Wie die Leistungsphase 2 vergütet wird

Das Honorar für die Leistungsphase 2 HOAI ergibt sich aus dem Anteil, den die Vorplanung am Gesamthonorar hat, multipliziert mit dem Honorar, das sich aus den anrechenbaren Kosten und der Honorarzone ergibt. Für das Leistungsbild Freianlagen weist die HOAI der Leistungsphase 2 einen Prozentsatz am Gesamthonorar zu. Dieser Prozentsatz variiert je nach Leistungsbild; für Freianlagen beträgt er nach der aktuellen HOAI 2021 in der Regel sieben Prozent des Gesamthonorars für Grundleistungen.

Die anrechenbaren Kosten sind die Grundlage der Honorarberechnung und entsprechen im Wesentlichen den Herstellungskosten des Planungsobjekts, also den Baukosten der Freianlagen nach DIN 276. Die Honorarzone gibt an, wie anspruchsvoll eine Planungsaufgabe ist: Sie reicht von Zone I (geringe Anforderungen) bis Zone V (sehr hohe Anforderungen) und beeinflusst das Honorar erheblich. Für Freianlagen in städtischen Kontexten mit hohen gestalterischen, ökologischen und nutzungsbezogenen Anforderungen ist häufig eine Einordnung in die Honorarzonen III oder IV angemessen. Die Einordnung in die richtige Honorarzone ist eine fachliche Entscheidung, die gut begründet und mit dem Auftraggeber abgestimmt sein muss.

Besondere Leistungen, also Leistungen, die über die Grundleistungen der HOAI hinausgehen, werden gesondert vereinbart und vergütet. Für die Leistungsphase 2 können das beispielsweise umfangreiche Variantenuntersuchungen über das übliche Maß hinaus, die Erarbeitung von Machbarkeitsstudien, Beteiligungsverfahren mit Nutzern oder Anwohnern, oder die Entwicklung von Pflegekonzepten als eigenständige Leistung sein. Fachleute empfehlen, besondere Leistungen bereits bei Vertragsschluss klar zu benennen und zu vereinbaren, um spätere Honorarstreitigkeiten zu vermeiden.

Koordination, Abstimmung und typische Fehler in der Praxis

Die Leistungsphase 2 HOAI ist keine isolierte Planungsleistung, sondern ein koordinierter Prozess, der die Beiträge verschiedener Fachplaner zusammenführt. In komplexen Projekten arbeiten Landschaftsarchitekten in der Vorplanung mit Architekten, Tragwerksplanern, Ingenieuren für technische Gebäudeausrüstung, Verkehrsplanern, Bodengutachtern und weiteren Spezialisten zusammen. Die Koordination dieser Beiträge ist eine eigenständige Leistung, die in der HOAI dem Objektplaner zugewiesen wird. Für Freianlagen bedeutet das, dass der Landschaftsarchitekt die Schnittstellen zu Tiefbau, Entwässerung, Beleuchtung und Möblierung frühzeitig klären muss.

Ein häufiger Fehler in der Praxis besteht darin, die Leistungsphase 2 zu früh zu verlassen, also in die Entwurfsplanung überzugehen, bevor die Vorplanung wirklich abgeschlossen und freigegeben ist. Das geschieht oft unter Zeitdruck oder weil Auftraggeber schnelle Ergebnisse sehen wollen. Die Folge ist, dass konzeptionelle Grundsatzfragen, die in der Vorplanung hätten geklärt werden sollen, in die Entwurfsplanung verschleppt werden und dort zu erheblichem Mehraufwand führen. Planungsänderungen in der Leistungsphase 3 oder 4, die auf ungeklärten Vorplanungsfragen beruhen, sind nach HOAI grundsätzlich als Änderungsleistungen zu vergüten, was zu Honorarnachforderungen und Konflikten führen kann.

Ein weiteres Missverständnis betrifft den Detaillierungsgrad der Vorplanung. Die Leistungsphase 2 HOAI verlangt keine Ausführungsdetails, keine Bepflanzungspläne und keine Leistungsverzeichnisse. Sie verlangt ein konzeptionell überzeugendes, maßstäblich dargestelltes Planungskonzept, das die wesentlichen Entscheidungen dokumentiert und eine belastbare Kostenschätzung ermöglicht. Wer in der Vorplanung bereits in die Detailtiefe der Ausführungsplanung geht, verschwendet Ressourcen und riskiert, dass diese Detailarbeit durch spätere Planungsänderungen hinfällig wird.

Behördliche Abstimmungen spielen in der Leistungsphase 2 ebenfalls eine wichtige Rolle. Für viele Freiflächenprojekte sind frühzeitige Gespräche mit der Unteren Naturschutzbehörde, dem Stadtplanungsamt, der Denkmalschutzbehörde oder dem Tiefbauamt notwendig, um zu klären, welche Anforderungen und Restriktionen für das Projekt gelten. Diese Abstimmungen sind zwar nicht explizit als Grundleistung der Leistungsphase 2 aufgeführt, gehören aber zur professionellen Praxis und können als besondere Leistung vereinbart werden, wenn sie einen erheblichen Aufwand darstellen.

Ergebnisse und Dokumentation am Ende der Vorplanung

Am Ende der Leistungsphase 2 HOAI sollte ein klar strukturiertes Vorplanungspaket vorliegen, das dem Auftraggeber eine fundierte Entscheidungsgrundlage bietet. Zu den typischen Ergebnisdokumenten gehören ein zeichnerisch ausgearbeiteter Vorplanungsplan im geeigneten Maßstab, in der Freiraumplanung häufig im Maßstab 1:500 oder 1:200, eine erläuternde Planungsbeschreibung, die Konzept, Lösungsansätze und Begründungen der wesentlichen Entscheidungen darlegt, sowie die Kostenschätzung nach DIN 276 mit einer Gliederung nach Kostengruppen.

Die Planungsbeschreibung ist dabei mehr als ein begleitender Text: Sie ist das argumentative Rückgrat der Vorplanung und dokumentiert, warum bestimmte Lösungen gewählt und andere verworfen wurden. Eine gut geschriebene Planungsbeschreibung schützt den Planer bei späteren Auseinandersetzungen, weil sie zeigt, dass die Entscheidungen auf einer durchdachten fachlichen Grundlage beruhen. Für Landschaftsarchitekten bietet sie außerdem die Möglichkeit, die ökologischen, klimatischen und sozialen Qualitäten eines Entwurfs zu vermitteln, die sich in einer zeichnerischen Darstellung allein nicht vollständig erschließen.

Die Freigabe der Vorplanung durch den Auftraggeber sollte schriftlich dokumentiert werden. Das kann in Form eines Besprechungsprotokolls, einer E-Mail-Bestätigung oder einer formellen Freigabeerklärung geschehen. Diese Dokumentation ist die Voraussetzung für die Beauftragung der nächsten Leistungsphase und schützt beide Seiten vor Missverständnissen darüber, was vereinbart wurde. In der Praxis wird dieser Schritt häufig vernachlässigt, was später zu Streit darüber führen kann, ob bestimmte Planungsänderungen als Umplanung oder als Weiterentwicklung des freigegebenen Konzepts zu werten sind.

Die Leistungsphase 2 im Kontext des gesamten Planungsprozesses

Die Leistungsphase 2 HOAI ist keine isolierte Planungsstation, sondern ein integraler Bestandteil eines kontinuierlichen Prozesses, der von der ersten Idee bis zur fertiggestellten Anlage reicht. Ihre Bedeutung erschließt sich vollständig erst im Zusammenhang mit den anderen Leistungsphasen: Sie baut auf der Grundlagenermittlung der Leistungsphase 1 auf und schafft die Basis für die Entwurfsplanung der Leistungsphase 3. Was in der Vorplanung nicht geklärt wird, kehrt in späteren Phasen als Problem zurück, häufig in einer Form, die teurer und aufwendiger zu lösen ist.

Für Auftraggeber, insbesondere für öffentliche Bauherren und Projektentwickler, ist die Leistungsphase 2 der Moment, in dem sie zum ersten Mal eine belastbare Vorstellung davon bekommen, was ihr Projekt kosten wird und wie es aussehen soll. Die Kostenschätzung der Vorplanung ist oft die erste Zahl, die in Gremien, Ausschüssen oder Investorenrunden präsentiert wird. Sie hat deshalb eine politische und wirtschaftliche Dimension, die über die rein fachliche Planungsarbeit hinausgeht. Planer, die diese Dimension kennen, bereiten ihre Vorplanungsunterlagen entsprechend kommunikativ auf.

Die wachsende Bedeutung von Klimaanpassung, Biodiversität und blaugrüner Infrastruktur in der Stadtentwicklung hat die inhaltlichen Anforderungen an die Leistungsphase 2 in der Freiraumplanung in den letzten Jahren erheblich erweitert. Konzepte für Schwammstadtprinzipien, also die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung im Freiraum, Hitzeschutzmaßnahmen durch Begrünung und Beschattung sowie Habitatvernetzung für Stadtbiodiversität: All das muss bereits in der Vorplanung konzeptionell verankert werden, wenn es in der Ausführung wirksam sein soll. Die Leistungsphase 2 HOAI ist damit nicht nur ein planungsrechtliches Instrument, sondern ein zentrales Werkzeug für die Qualitätssicherung im Freiraum der wachsenden und sich wandelnden Stadt.

Wer die Vorplanung ernst nimmt, spart in allen nachfolgenden Phasen Zeit, Geld und Nerven. Wer sie als Pflichtübung behandelt, zahlt den Preis später. Das ist keine Übertreibung, sondern die nüchterne Erfahrung jedes erfahrenen Planers, der weiß, wie viel Arbeit in einer schlecht vorbereiteten Entwurfsplanung steckt und wie selten diese Arbeit angemessen vergütet wird.