Transmodale Mobilität – jenseits von Intermodalität gedacht

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Blau-weiße Straßenbahn im Tageslicht – Foto von Eirik Skarstein

Transmodale Mobilität ist das neue Zauberwort in der Verkehrsplanung – und das zu Recht. Wer heute noch in starren Verkehrsträgern denkt, plant an der Zukunft vorbei. Denn urbane Mobilität ist längst ein dynamisches, nahtloses System, in dem sich Fußgänger, Radfahrer, ÖPNV, Sharing-Angebote und digitale Services zu einem intelligenten Mobilitätsmix verweben. Wer wissen will, was transmodale Mobilität wirklich bedeutet und wie sie die Stadt von morgen neu erfindet, sollte weiterlesen: Hier gibt es die geballte Expertise, die Sie nur bei Garten und Landschaft finden.

  • Definition: Was unterscheidet transmodale Mobilität von intermodaler und multimodaler Mobilität?
  • Historische Entwicklung und konzeptionelle Grundlagen transmodaler Ansätze
  • Praxisbeispiele: Wie Städte im DACH-Raum transmodale Mobilität erproben
  • Technologische Voraussetzungen: Datenplattformen, Echtzeitsteuerung, KI und urbane Mobilitätsökosysteme
  • Planerische Herausforderungen und Chancen für Stadtplanung und Landschaftsarchitektur
  • Governance, rechtliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Akzeptanz
  • Rolle von Partizipation, Gamification und neuen Akteuren im transmodalen Gefüge
  • Risiken: soziale Schieflagen, Überwachung, digitale Exklusion, algorithmische Verzerrung
  • Vision: Wie transmodale Mobilität die nachhaltige Stadtentwicklung revolutioniert

Transmodale Mobilität: Begriff, Abgrenzung und konzeptionelle Sprengkraft

Wem bei Mobilitätskonzepten immer noch das klassische Bild vom Umsteigen zwischen Bus und Bahn vorschwebt, der wird vom transmodalen Ansatz regelrecht überrollt. Denn während sich die Fachwelt lange an den Begriffen „multimodal“ und „intermodal“ abarbeitete, feiert die transmodale Mobilität aktuell ihren Durchbruch. Doch was steckt hinter diesem Begriff, der selbst erfahrene Verkehrsplaner ins Grübeln bringt? Multimodalität beschreibt das Nebeneinander verschiedener Verkehrsmittel – etwa wenn ein Mensch an einem Tag mal Rad fährt, mal die U-Bahn nimmt und abends das Auto. Intermodalität geht einen Schritt weiter: Hier werden verschiedene Verkehrsträger innerhalb einer einzelnen Wegekette kombiniert, etwa wenn jemand mit der S-Bahn in die Stadt fährt und den letzten Kilometer per Leihroller zurücklegt.

Transmodale Mobilität aber denkt noch einmal radikal anders. Sie entkoppelt Mobilitätsentscheidungen vollständig vom einzelnen Verkehrsmittel und versteht Mobilität als kontinuierlichen, dynamischen Prozess. Es geht nicht mehr darum, Verkehrsträger aneinanderzureihen oder geschickt zu verknüpfen. Vielmehr verschmelzen die Modalitäten zu einem nahtlosen Mobilitätsraum, in dem der Wechsel von einem System ins nächste nicht als Bruch, sondern als integrativer Bestandteil des Mobilitätserlebnisses inszeniert wird. Die klassische Frage „Wie komme ich von A nach B?“ transformiert sich zur individuellen, situationsbezogenen Optimierung: „Wie bewege ich mich jetzt, in diesem Moment, am sinnvollsten durch den urbanen Raum?“

Diese Denkweise verlangt nicht nur neue digitale Werkzeuge, sondern auch ein Umdenken auf Seiten der Planer und Betreiber. Transmodale Mobilität ist nicht das Ergebnis von Fahrplänen und Infrastruktur allein. Sie ist ein digitales, soziales und kulturelles Konstrukt, das durch Echtzeitdaten, Algorithmen und Plattformökonomien überhaupt erst möglich wird. Die theoretische Fundierung stammt aus der Forschung zu Mobilitätsökosystemen und urbanen Datenplattformen, aber auch aus den Sozialwissenschaften: Nutzerzentrierung, situative Flexibilität und adaptive Infrastrukturen stehen im Zentrum.

Für Städte bedeutet das eine Zäsur in der Verkehrsplanung. Die gute alte Trennung von Verkehrsarten hat endgültig ausgedient. Stattdessen rückt die Konvergenz von Wegen, Zeiten, Orten und Nutzerbedürfnissen in den Fokus. Wer als Planer heute noch in klassischen „Verkehrsträgern“ denkt, verpasst die Chance, die urbane Mobilität von morgen aktiv – und vor allem integrativ – zu gestalten.

Die konzeptionelle Sprengkraft der transmodalen Mobilität liegt also darin, dass sie das Silodenken sprengt und Mobilität als fließenden, situationsgesteuerten Service versteht. Das öffnet nicht nur neue Horizonte für digitale Geschäftsmodelle, sondern stellt auch die klassische Rolle der Stadtverwaltung, der Verkehrsunternehmen und der Mobilitätsanbieter infrage. Die Frage ist nicht mehr, wer was besitzt, sondern wer nahtlose, attraktive und nachhaltige Mobilität im urbanen Alltag orchestrieren kann.

Damit ist klar: Transmodale Mobilität ist weit mehr als ein neues Buzzword. Sie ist der Schlüssel zu einer urbanen Mobilitätswende, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und die Möglichkeiten der Digitalisierung konsequent nutzt. Wer jetzt nicht einsteigt, wird von der Dynamik der Entwicklung überrollt – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Technologische Grundlagen und urbane Ökosysteme: Die unsichtbare Infrastruktur

Es ist kein Zufall, dass transmodale Mobilität erst mit dem Siegeszug digitaler Technologien in den Fokus gerückt ist. Die eigentliche Revolution findet nämlich unter der Oberfläche statt: Dort, wo Datenströme, Algorithmen und Plattformen die verschiedenen Verkehrsangebote orchestrieren. Ohne diese digitale Basis bleibt der transmodale Anspruch bloße Theorie. Aber was macht die technologische Grundlage wirklich aus?

Im Zentrum steht die urbane Mobilitätsplattform, eine Art digitales Rückgrat, das sämtliche Verkehrsträger, Sharing-Angebote, Verkehrsmanagementsysteme und Echtzeitdaten miteinander verknüpft. Diese Plattformen – oft als Mobility-as-a-Service (MaaS) bezeichnet – sind mehr als nur Apps für das Smartphone. Sie integrieren Buchung, Bezahlung, Navigation und sogar individuelle Präferenzen in einem einzigen Interface. Künstliche Intelligenz sorgt dafür, dass aus Millionen von Datenpunkten – von Fahrgastströmen über Wetterdaten bis hin zu Baustelleninformationen – sekundenschnell optimale Routenvorschläge berechnet werden.

Doch damit nicht genug. Sensorik im öffentlichen Raum, etwa an Ampeln, Haltestellen und Leihstationen, liefert kontinuierlich Informationen über Auslastung, Störungen oder Umweltbelastungen. Diese Daten fließen in Rechenzentren, werden ausgewertet und stehen dann allen Akteuren in Echtzeit zur Verfügung. Das ermöglicht nicht nur eine zielgerichtete Steuerung des Verkehrs, sondern auch die flexible Anpassung von Kapazitäten, etwa bei Großveranstaltungen oder Notfällen.

Ein weiteres technisches Herzstück sind offene Schnittstellen, sogenannte APIs, die es Drittanbietern erlauben, eigene Mobilitätsdienste zu integrieren. Dadurch wächst das Ökosystem ständig weiter: Neue Sharing-Dienste, private Anbieter oder sogar Nachbarschaftsinitiativen können sich andocken – vorausgesetzt, die Plattform bleibt offen und interoperabel. Diese Offenheit ist entscheidend, weil sie Innovation fördert und Monopole verhindert.

Schließlich darf man die Rolle der Nutzer nicht unterschätzen. Transmodale Mobilität funktioniert nur, wenn die Menschen bereit sind, ihre Mobilitätsgewohnheiten zu ändern – und wenn die Angebote einfach, zuverlässig und attraktiv sind. Hier kommen digitale Anreize, Gamification-Elemente und personalisierte Services ins Spiel. Sie machen aus der abstrakten Idee ein konkretes Erlebnis, das Lust auf mehr macht.

All das zusammengenommen ergibt eine unsichtbare Infrastruktur, die weit über Straßen, Gleise und Radwege hinausgeht. Die Stadt wird zum digitalen Mobilitätsraum, in dem Datenströme mindestens so wichtig sind wie die physischen Verkehrswege. Für Planer bedeutet das: Die Gestaltung urbaner Mobilität beginnt heute im Serverraum – und endet erst auf dem Bürgersteig.

Best Practice: Transmodale Mobilität im DACH-Raum – Realität oder Zukunftsmusik?

Die Theorie klingt bestechend, aber wie sieht es in der Praxis aus? Tatsächlich gibt es im deutschsprachigen Raum eine Reihe vielversprechender Initiativen, die zeigen, wie transmodale Mobilität umgesetzt werden kann – wenn auch oft noch im Pilotstadium. Ein Blick nach Wien etwa lohnt sich: Dort setzt die Stadt gezielt auf die Verknüpfung von Öffentlichem Verkehr, Sharing-Angeboten und aktiven Mobilitätsformen. Die App WienMobil bündelt ÖPNV, Carsharing, Bikesharing und Taxis, ermöglicht Ticketkauf, Buchung und Bezahlung in einem Schritt – und bietet intelligente Routenvorschläge, die alle Modalitäten einbeziehen.

In Zürich wiederum wird mit „Swiss Mobility Platform“ eine übergreifende MaaS-Lösung erprobt, die nicht nur städtische, sondern auch regionale und nationale Angebote integriert. Nutzer können dort nicht nur ihre Wege planen, sondern auch CO₂-Emissionen vergleichen, Mobilitätsbudgets verwalten und sich für nachhaltiges Verhalten belohnen lassen. In Deutschland sind Städte wie Hamburg und München Vorreiter, beispielsweise mit Switchh oder dem M-Login, die verschiedene Sharing- und ÖPNV-Angebote verknüpfen. Noch fehlt oft die vollständige Integration und die konsequente Nutzerzentrierung, doch der Weg ist eingeschlagen.

Ein besonderes Augenmerk verdienen die sogenannten Mobility Hubs, die als physische Knotenpunkte verschiedene Verkehrsträger bündeln – von der U-Bahn über Leihräder bis zum Lastenrad oder E-Scooter. Sie sind sichtbarer Ausdruck der transmodalen Denkweise und bieten den Bürgern einen echten Mehrwert, indem sie nahtlose Übergänge zwischen den Systemen schaffen.

Natürlich bleiben Herausforderungen. Die Forderung nach offenen Daten, standardisierten Schnittstellen und einer klaren Governance ist noch nicht überall erfüllt. Zudem sind viele Angebote noch zu sehr auf Pilotcharakter beschränkt, anstatt flächendeckend zu wirken. Auch rechtliche Fragen – etwa zur Haftung bei Pannen, zum Datenschutz oder zur Verantwortung im Falle algorithmischer Fehlsteuerung – sind oft unklar. Dennoch zeigt die Entwicklung: Transmodale Mobilität ist im DACH-Raum angekommen, auch wenn sie vielerorts noch mit angezogener Handbremse fährt.

Ein Aspekt, der in vielen Projekten auffällt, ist die Bedeutung von Partizipation. Wo Bürger und lokale Akteure frühzeitig eingebunden werden, gelingt die Umstellung auf transmodale Angebote deutlich besser. Projekte wie die „MobilitätsWerkStadt 2025“ oder das „Reallabor Radbahn“ in Berlin zeigen, wie innovative Mobilitätslösungen durch gemeinsames Experimentieren entstehen können. Transmodale Mobilität wird so zur Plattform für gemeinsames Lernen und Gestalten – und das ist vielleicht ihr größter Vorteil.

Es bleibt also spannend: Die nächsten Jahre werden zeigen, ob aus den vielen Inseln der Innovation ein echtes, flächendeckendes transmodales Mobilitätsnetzwerk entsteht. Die Weichen dafür sind gestellt – aber der Zug fährt nur ab, wenn alle aufsteigen.

Planerische und gesellschaftliche Herausforderungen: Zwischen Governance und Akzeptanz

So vielversprechend die technologischen Möglichkeiten sind, so groß sind die Herausforderungen auf planerischer und gesellschaftlicher Ebene. Zunächst einmal steht die Stadtplanung vor der Aufgabe, die baulichen, digitalen und sozialen Infrastrukturen so zu gestalten, dass sie transmodale Mobilität überhaupt ermöglichen. Das beginnt bei der Gestaltung der öffentlichen Räume: Straßen, Plätze und Stationen müssen so umgebaut werden, dass sie den nahtlosen Wechsel zwischen Verkehrsträgern erlauben – und zwar barrierefrei, sicher und attraktiv gestaltet.

Ein zweiter zentraler Aspekt ist die Governance, also die Steuerung und Regelung des neuen Mobilitätssystems. Wer entscheidet, wie die digitale Plattform aufgebaut wird? Wer bestimmt, welche Anbieter darauf zugreifen dürfen? Und wie wird sichergestellt, dass die Interessen aller Beteiligten – von der Stadtverwaltung über die Verkehrsunternehmen bis zu den Bürgern – angemessen berücksichtigt werden? Hier braucht es neue Kooperationsmodelle und eine klare Rollenverteilung, die Monopole verhindert und Innovation fördert.

Datenschutz und digitale Teilhabe sind weitere kritische Punkte. Transmodale Mobilität basiert auf der Verarbeitung großer Mengen personenbezogener Daten – von Bewegungsprofilen bis zu Zahlungsdaten. Ohne strenge Regeln zum Datenschutz und transparente Kommunikationsstrategien droht das Vertrauen der Nutzer verloren zu gehen. Gleichzeitig muss verhindert werden, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen – etwa ältere Menschen oder Menschen ohne Zugang zu digitalen Endgeräten – von den Angeboten ausgeschlossen werden.

Auch die gesellschaftliche Akzeptanz steht auf dem Prüfstand. Nicht jeder ist sofort bereit, die eigenen Mobilitätsgewohnheiten zu ändern oder sich auf neue digitale Angebote einzulassen. Hier kommt es auf gutes Kommunikationsdesign, niedrigschwellige Einstiegsangebote und aktive Einbindung der Bevölkerung an. Pilotprojekte, Partizipationsformate und Gamification-Ansätze können helfen, die Hemmschwelle zu senken und Neugier zu wecken.

Schließlich müssen auch mögliche Nebenwirkungen im Blick behalten werden. Algorithmische Steuerungen können zu systematischen Benachteiligungen führen, etwa wenn bestimmte Quartiere schlechter angebunden werden oder umweltfreundliche Angebote verdrängt werden. Auch das Risiko der Kommerzialisierung und Monopolisierung ist real – gerade wenn große Plattformanbieter versuchen, die Kontrolle über das Mobilitätsökosystem zu übernehmen. Die Stadtplanung ist gefordert, hier frühzeitig regulierend und gestaltend einzugreifen.

Mit anderen Worten: Transmodale Mobilität ist kein Selbstläufer. Sie braucht eine kluge, vorausschauende Planung, eine starke Governance und eine offene Gesellschaft, die bereit ist, sich auf neue Wege einzulassen. Nur dann wird aus der Vision nachhaltiger urbaner Mobilität Wirklichkeit.

Perspektiven: Transmodale Mobilität als Katalysator der nachhaltigen Stadtentwicklung

Transmodale Mobilität ist weit mehr als ein neues Konzept für den Verkehr der Zukunft. Sie ist ein Katalysator für die Transformation der gesamten Stadt. Denn wer Mobilität als dynamisches, situationsgesteuertes System versteht, schafft ganz neue Möglichkeiten für die nachhaltige Stadtentwicklung. Plötzlich wird es möglich, Flächen effizienter zu nutzen, den öffentlichen Raum vom Autoverkehr zurückzugewinnen und die Lebensqualität für alle Stadtbewohner spürbar zu verbessern.

Die intelligente Verknüpfung verschiedener Verkehrsträger führt dazu, dass weniger Parkplätze und Verkehrsflächen benötigt werden. Stattdessen entstehen Räume für Grün, Begegnung und urbane Landwirtschaft. Stadtplanung und Landschaftsarchitektur erhalten damit neue Werkzeuge, um die Stadt als lebendigen, wandelbaren Organismus zu gestalten – und zwar im Dialog mit den Bedürfnissen der Menschen.

Auch im Klimaschutz eröffnet die transmodale Mobilität ungeahnte Chancen. Wenn der intelligente Mix aus ÖPNV, Sharing, Rad- und Fußverkehr zur neuen Normalität wird, sinken CO₂-Emissionen, Lärm und Feinstaub. Städte können ihre Klimaziele schneller erreichen und gleichzeitig eine hohe urbane Lebensqualität sichern. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Angebote tatsächlich attraktiv, zuverlässig und für alle zugänglich sind.

Auf sozialer Ebene bietet transmodale Mobilität die Chance, neue Formen der Teilhabe und Inklusion zu schaffen. Wer Mobilität als Service denkt, kann individuelle Barrieren abbauen und auch Menschen ohne eigenes Auto oder mit eingeschränkter Mobilität neue Freiräume eröffnen. Gleichzeitig entstehen neue Gemeinschaften und Netzwerke, die das urbane Leben bereichern.

Die große Vision ist eine Stadt, in der Mobilität kein Selbstzweck mehr ist, sondern ein integraler Bestandteil urbaner Lebensqualität. Die Stadt von morgen ist vernetzt, flexibel, nachhaltig – und immer auf dem Sprung zur nächsten Innovation. Transmodale Mobilität ist dabei nicht das Ziel, sondern der Weg dorthin. Wer ihn entschlossen geht, wird erleben, wie aus abstrakten Konzepten konkrete Verbesserungen im Alltag entstehen – Tag für Tag, Fahrt für Fahrt, Stadt für Stadt.

Die Zukunft der Mobilität beginnt jetzt. Und sie ist transmodal.

Fazit: Transmodale Mobilität – der große Wurf für die Stadt von morgen

Transmodale Mobilität ist kein bloßes Schlagwort, sondern eine fundamentale Neuorientierung der urbanen Verkehrsplanung. Sie denkt Mobilität radikal neu: als situationsgesteuerten, nahtlos orchestrierten Mix unterschiedlichster Angebote, der die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt stellt und die Potenziale der Digitalisierung konsequent nutzt. Was nach ferner Zukunft klingt, ist in ersten Projekten bereits Realität – wenn auch oft noch als Experimentierfeld. Die technologische Basis ist gelegt, doch die entscheidenden Hebel liegen im gesellschaftlichen, planerischen und politischen Raum. Wer jetzt die richtigen Weichen stellt, kann nicht nur den Verkehr, sondern die ganze Stadt nachhaltiger, lebenswerter und gerechter machen. Transmodale Mobilität ist dabei kein Selbstzweck, sondern der Schlüssel zu einer Stadt, die sich permanent neu erfindet – offen, flexibel, resilient. Garten und Landschaft bleibt am Puls dieser Entwicklung – und liefert auch künftig die Expertise, die aus Visionen Wirklichkeit macht.

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Zur Quelle des Heiligen Korbinian

Ansicht von Süden

Lebendiges Zeugnis der Geschichte Altbayerns

Wo heute tausende von Studierenden die Weihenstephaner Hochschule besuchen, lebten früher Benediktinermönche. Zudem pilgerten seinerzeit zahlreiche Menschen zur Quelle des heiligen Korbinian unterhalb des damaligen Klosters am Südhang des Weihenstephaner Berges. Studierende der Landschaftsarchitektur hatten Ideen zur heutigen Gestaltung und Sichtbarmachung des historischen Ortes.

Vor 300 Jahren, am 14. Juli 1720, wurde die am Südhang des Weihenstephaner Berges unterhalb des prächtigen Benediktinerklosters Weihenstephan und über einer Quelle errichtete Korbinianskapelle geweiht. Sie wurde bereits Anfang des 19. Jahrhunderts im Zuge der Säkularisation zerstört. Die Quelle als Ort der Verehrung des heiligen Korbinian war über Jahrhunderte ein beliebtes Ziel von Pilger*innen aus nah und fern.


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Korbinianskapelle am Weihenstephaner Berg von Osten, 1801, Pinselzeichnung von Stephan von Stengel (1750-1822) (Stiftung Dr. Benker: Inv.Nr. B10002, Foto: Stadtmuseum Freising, Willberg)

Der Entwurf der heutigen Platzgestaltung am früheren Standort basiert auf einem Semesterprojekt von Studierenden der Landschaftsarchitektur der TU in Freising-Weihenstephan, betreut von Dr.-Ing. Gunter Bartholmai. Finanziert wurde diese Neuschöpfung im Jahr 2005 aus Spenden zum 60. Geburtstag des bayerischen Staatsministers Dr. Otto Wiesheu.

Der blaue Leuchtstreifen verweist auf den darunterliegenden Stollen der Korbiniansquelle. Die Rosen am stählernen Rankgitter erinnern an die Rosen im Wappen des auftraggebenden Benediktinerklosters. Auf einer Informationstafel wird erläutert, dass nach einem Bericht des Bischofs Arbeo um 770 der heilige Korbinian an diesem Ort eine heilkräftige Quelle erweckt habe, die im Auftrag des Klosters Weihenstephan von den Gebrüdern Asam im Jahr 1720 (an der Stelle einer baufälligen Vorgängerkapelle) mit einer neuen Rundkirche überbaut wurde. Diese hat man nach 1803 bis auf wenige Mauerreste abgetragen, wobei sich Stollen und Quellen erhalten haben. Die Nordmauer der Kapelle wurde beim Abbruch als Abstützung des Hanges stehengelassen.

Der Ort besitzt insgesamt eine hohe historische Bedeutung, erinnert an das Wirken des heiligen Korbinian und stellt ein lebendiges Zeugnis der bis im frühen Mittelalter zurückreichenden Geschichte Altbayerns dar.

Hochrangige Ausbildungsstätten aus verschuldetem Kloster

Oberhalb der früheren Korbinianskapelle auf dem Weihenstephaner Berg befinden sich die Bauten des 1020 gegründeten ehemaligen Benediktinerklosters, unter anderem dargestellt auf einem Kupferstich von Joseph Anton Zimmermann, 1767. Die Darstellung zeigt einen mauerumschlossenen, regelmäßig-architektonischen Garten im Osten der Klostergebäude. Im Norden des Gartengeländes befindet sich das Salettl, das heute noch erhaltene Gartenhaus des Abtes von Weihenstephan, mit seitlichen Laubengängen, dem Kernbau der heutigen Hochschule Weihenstephan.


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Am Ort der früheren Korbinianskapelle (Foto: Goecke)

Den Klostergarten gibt es heute in dieser Form nicht mehr. Da er vorwiegend aus vegetabiler Substanz bestand, konnte man ihn leicht im Sinne neuer Vorstellungen überformen. Bei der Säkularisation und Auflösung des Klosters im Jahr 1803 fand die staatliche Aufhebungskommission das Kloster zwar verschuldet vor, hielt aber die Anlagen für den Obst- und Gartenbau sowie die Landwirtschaft für so vorbildlich, dass sie diese, sowie eine Reihe von Gebäudeteilen, nicht zerstörte, sondern die Bildung von Lehranstalten (Kurfürstliche Musterlandwirtschaftsschule) veranlasste, die heute hochrangige Ausbildungsstätten – Hochschulen und „Grünes Zentrum Bayerns“ – geworden sind.

Städte für Morgen: Neue Denkansätze, Best Practices und die Planer dahinter

Drei Hefte, drei Fragen: Wie entwickeln wir wirklich nachhaltige Wohnquartiere? Welche Form von Tourismus ist die richtige? Und: Wie fördern wir öffentliche Freiräume, die tatsächlich für sämtliche Bevölkerungsgruppen frei zugänglich sind?

Diesen drei Fragen stellen wir – die Redaktion der GARTEN+LANDSCHAFT – uns in der dreiteiligen Miniserie “Städte für Morgen 2019” und diskutieren damit drei der Themen, die derzeit unsere Städte und Gemeinden, ihre Planungsabteilungen und Planungsreferate im besonderen Maße beschäftigen. In drei Heften begeben wir uns auf die Suche nach neuen Denkansätzen, analysieren diese im Kontext urbaner Strukturen und Akteurskonstellationen und stellen Best Practices sowie die Planer dahinter vor. Unser Ziel: Wir möchten Ihnen mit der 3-teiligen Miniserie „Städte für Morgen 2019“ im April, Mai und Juni Inspiration zur Stadtgestaltung von Morgen bieten. Alles zu den drei Themen finden Sie im Folgenden. Und by the way: Sie können bereits jetzt die drei Ausgaben vorbestellen, das Abo endet dann automatisch.

Nachhaltige Wohnquartiere

Nachhaltig, alles ist heute nachhaltig. Ein Prinzip hat sich zu Tode gesiegt. Seine Relevanz bleibt aber ungebrochen. In der Aprilausgabe der Garten + Landschaft – und damit der ersten Stadt-Spezial-Ausgabe 2019 – diskutieren wir die Frage, wie und wo Städte bauliche Lösungen schaffen, die sich nicht auf die Erfüllung vorgegebener Standards beschränken, sondern Ideen entwickeln, die das Konzept Nachhaltigkeit auf spannende Weise weiterdrehen.

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Öffentliche Räume sind stets politische Räume. Im besten Fall sind sie im Sinne des demokratischen Ansatzes für alle frei zugänglich und verfügbar. In der Realität unterliegen sie aber immer administrativen, ökonomischen und sozialen Zwängen, die das Ideal einer freien Zugänglichkeit unterbinden. In der Juniausgabe der G+L diskutieren wir anhand aktueller Projekte, wie Städte die Entwicklung offener, urbaner Strukturen möglich machen und welche Faktoren eine freie Zugänglichkeit behindern.

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