Trockenmauersteine Granit: Material, Detail und Praxis

Ein Detail von Belag und Freiraummaterial zum Thema Trockenmauersteine Granit
Natursteinmauer aus braunen und grauen Steinen – ein klassisches Element in der Gartengestaltung. Foto: adamnem/Unsplash

Granit gehört zu den ältesten Baumaterialien der Menschheit, und wer Trockenmauersteine aus Granit in der Freiflächenplanung einsetzt, greift auf ein Material zurück, das geologische Beständigkeit mit handwerklicher Präzision verbindet. Trockenmauersteine Granit stehen für eine Bauweise ohne Mörtel, die allein durch Gewicht, Geometrie und handwerkliches Können zusammenhält, und die in der Landschaftsarchitektur heute so aktuell ist wie je zuvor: als ökologisch wertvoller Lebensraum, als robuste Stützkonstruktion und als gestalterisches Element mit unverwechselbarer Materialität.

  • Was Trockenmauersteine aus Granit materialkundlich auszeichnet und wie sie sich von anderen Natursteinen unterscheiden
  • Welche Granittypen und Steinformate für Trockenmauern geeignet sind und worauf bei der Auswahl zu achten ist
  • Wie eine Trockenmauer aus Granit statisch und konstruktiv funktioniert und welche Normen und Regelwerke gelten
  • Welche Schichtungs- und Verlegetechniken die Standsicherheit sichern und wie Fehler in der Praxis aussehen
  • Welche ökologischen Funktionen Granitsteinmauern im Freiraumgefüge übernehmen
  • Wie Gründung, Entwässerung und Hinterfüllung korrekt ausgeführt werden
  • Welche Unterhaltspflichten und Schadensbilder typisch sind und wie man ihnen begegnet
  • Wie Trockenmauern aus Granit in zeitgenössische Freiraumplanung und Klimaanpassungsstrategien eingebettet werden

Granit als Baustoff: Geologie, Eigenschaften und Materialcharakter

Granit ist ein magmatisches Tiefengestein, das durch langsame Abkühlung von Magma in der Erdkruste entsteht. Dieses Entstehungsprinzip erklärt seinen charakteristischen Aufbau: ein grobkristallines Gefüge aus Quarz, Feldspat und Glimmer, das dem Stein seine typische Körnung, seine Härte und seine außerordentliche Druckfestigkeit verleiht. Druckfestigkeiten von 150 bis weit über 200 Megapascal sind für Granit keine Ausnahme, was ihn zu einem der belastbarsten Natursteine überhaupt macht. Für den Einsatz als Trockenmauerstein ist diese Eigenschaft grundlegend, weil die Steine im Mauerwerk erhebliche Druckkräfte aufnehmen müssen, ohne zu splittern oder zu brechen.

Die Frostbeständigkeit von Granit ist ebenfalls bemerkenswert. Die geringe Porosität des Gesteins, die je nach Herkunft zwischen 0,5 und 1,5 Prozent liegt, verhindert, dass Wasser tief in das Gefüge eindringt und bei Frost zu Absprengungen führt. Genau diese Eigenschaft macht Trockenmauersteine Granit für das mitteleuropäische Klima besonders geeignet, wo Frost-Tau-Wechsel über Jahrzehnte hinweg an Baumaterialien zehren. Kalkstein oder Sandstein zeigen hier deutlich höhere Verwitterungsraten, während Granit seine Oberfläche und sein Gefüge über Generationen hinweg weitgehend stabil hält.

Die Farbpalette von Granit reicht von hellgrau und silbrig über rötlich-beige bis zu dunkelgrau und fast schwarz, abhängig vom Feldspat- und Glimmeranteil sowie der Herkunftsregion. Bayerischer Granit aus dem Bayerischen Wald oder dem Fichtelgebirge zeigt andere Farbtöne als portugiesischer oder skandinavischer Granit. Diese regionale Varianz ist für die Freiraumplanung gestalterisch relevant: Die Wahl eines ortstypischen Granits verankert eine Mauer im landschaftlichen Kontext, während ein importierter Stein eine bewusste gestalterische Setzung darstellt. Fachleute sprechen hier vom Prinzip der Materialherkunft als Identitätsträger im Landschaftsbild.

Vom Trockenmauerstein zu unterscheiden ist der Natursteinpflasterstein oder der Mauerstein für Mörtelmauerwerk. Trockenmauersteine Granit sind in der Regel unregelmäßig gebrochen oder gespalten, mit zwei möglichst planparallelen Lagerflächen (Bett und Kopf), aber unbearbeiteten Sichtflächen. Sie unterscheiden sich damit von Granitwerksteinen, die allseitig gesägt oder gestockt werden, und von Pflastersteinen, die auf Druckbelastung von oben optimiert sind. Die Unregelmäßigkeit der Trockenmauerstein-Geometrie ist kein Mangel, sondern konstruktive Voraussetzung: Sie ermöglicht das Verzahnen der Steine und erzeugt die Reibungskräfte, die das Mauerwerk ohne Bindemittel zusammenhalten.

Steinformate, Sortierungen und Qualitätsmerkmale für Trockenmauersteine Granit

Der Markt für Trockenmauersteine Granit unterscheidet verschiedene Sortierungen, die sich nach Schichthöhe, Tiefe (Steinlänge senkrecht zur Mauerflucht) und Länge (parallel zur Mauerflucht) richten. Übliche Schichthöhen liegen zwischen 8 und 25 Zentimetern, wobei eine gemischte Sortierung mit variierenden Höhen handwerklich vorteilhafter ist als eine streng genormte Einheitsgröße. Die Tiefe der Steine sollte mindestens der eineinhalbfachen Schichthöhe entsprechen, besser dem Doppelten, um ausreichend Verzahnung in die Mauermasse zu gewährleisten. Steine mit zu geringer Tiefe kippen leicht aus der Mauerflucht heraus, was eine der häufigsten Schadensursachen bei schlecht ausgeführten Trockenmauern ist.

Bindersteine, auch Durchbinder genannt, sind Steine, die die gesamte Mauerbreite durchqueren oder zumindest zwei Drittel davon erreichen. Sie sind das statische Rückgrat einer Trockenmauer: Sie verbinden Vorderschale und Hinterschale miteinander und verhindern das Auseinanderdriften der Mauerhälften. Bei Trockenmauern aus Granit sollte mindestens jeder fünfte bis siebte Stein ein Binder sein, bei höheren Mauern häufiger. Die Auswahl geeigneter Bindersteine beim Verlegen ist eine der anspruchsvollsten handwerklichen Aufgaben, weil die Steine nicht nur die richtige Länge, sondern auch planparallele Lagerflächen und eine ausreichende Masse mitbringen müssen.

Qualitätskriterien beim Einkauf von Trockenmauersteinen Granit umfassen mehrere Punkte:

  • Keine oder nur minimale Risse im Steininneren (Schlaghammer-Test: klingender Klang zeigt intaktes Gefüge, dumpfer Klang deutet auf Risse hin)
  • Planparallele Lagerflächen ohne starke Wölbungen oder Schüsselungen
  • Ausreichende Tiefe der Steine (mindestens das 1,5-fache der Schichthöhe)
  • Keine Verwitterungsschichten oder mürben Bereiche an den Lagerflächen
  • Sortenreine Herkunft ohne Beimischung von Gneis oder anderen Gesteinen mit abweichenden Eigenschaften

Recycelte Granitsteine aus Abbruchmauern oder alten Feldsteinwegen sind eine ökologisch sinnvolle Alternative zu Neuware. Sie sind bereits verwittert, was ihre Oberfläche oft lebendiger und landschaftlich verträglicher macht. Allerdings muss bei Recyclingmaterial sorgfältig geprüft werden, ob Mörtelreste anhaften, ob die Steine durch frühere Belastungen gerissen sind und ob die Geometrie noch für Trockenmauerwerk taugt. Mörtelreste auf den Lagerflächen verhindern den flächigen Kontakt zwischen den Steinen und reduzieren die Reibungskraft erheblich.

Konstruktionsprinzipien: Wie eine Granitsteinmauer statisch funktioniert

Eine Trockenmauer aus Granit ist kein beliebig aufgeschichteter Steinhaufen, sondern eine kraftschlüssige Konstruktion, deren Standsicherheit auf drei Prinzipien beruht: Eigengewicht, Reibung und Verzahnung. Das Eigengewicht der Steine erzeugt Normalkräfte in den Lagerfugen, die wiederum die Reibungskräfte zwischen den Steinen bestimmen. Je höher der Reibungskoeffizient zwischen den Granitsteinoberflächen und je größer die Auflagefläche, desto mehr Schubkraft kann die Mauer aufnehmen, ohne zu gleiten. Verzahnung durch unregelmäßige Steingeometrie und durch das Versetzen der Stoßfugen zwischen den Schichten verhindert das Durchreißen vertikaler Risse durch das Mauerwerk.

Das Anzugsmaß, also die Neigung der Mauerflucht nach hinten, ist bei Stützmauern aus Trockenmauersteinen Granit ein entscheidender konstruktiver Parameter. Üblich sind Neigungen von 5 bis 15 Prozent (also 5 bis 15 Zentimeter Rücksprung pro Meter Höhe), bei höheren Mauern und stärkerem Erddruck auch mehr. Diese Neigung verlagert den Schwerpunkt der Mauer in Richtung des anstehenden Erdreichs und nutzt den Erddruck als stabilisierendes Moment. Eine senkrecht gebaute Trockenmauer ist statisch deutlich ungünstiger und erfordert erheblich mehr Steinmasse, um dieselbe Standsicherheit zu erreichen.

Die Gründung ist der kritischste Punkt jeder Trockenmauer. Trockenmauersteine Granit werden auf einem frostfreien, tragfähigen Fundament verlegt, das in Mitteleuropa in der Regel mindestens 80 Zentimeter unter der Geländeoberkante liegen muss. Als Gründungsmaterial eignet sich ein verdichtetes Schotterbett aus gebrochenem Material, das Wasser durchlässt und Setzungen minimiert. Eine Betonplatte als Fundament ist für Trockenmauern ungeeignet, weil sie die Entwässerung behindert und die natürliche Beweglichkeit der Mauer einschränkt, die bei Frost-Tau-Wechseln wichtig ist. Trockenmauern dürfen sich minimal bewegen, ohne zu versagen; ein starres Fundament überträgt Zwangskräfte, die zum Auseinanderdrücken des Mauerwerks führen können.

Für die Bemessung von Stützmauern aus Trockenmauersteinen Granit gibt es in Deutschland keine eigene DIN-Norm, die ausschließlich für Trockenmauern gilt. Einschlägig sind die allgemeinen Regeln des Mauerwerksbaus sowie die Empfehlungen der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL), die in ihren Richtlinien für Natursteinarbeiten im Landschaftsbau Hinweise zur Ausführung von Trockenmauern enthält. Für Mauern über einer bestimmten Höhe, in der Regel ab etwa 1,20 bis 1,50 Meter, ist eine statische Berechnung durch einen Tragwerksplaner erforderlich, da dann erhebliche Kräfte aus dem Erddruck auf die Konstruktion wirken.

Ausführung in der Praxis: Schichtung, Hinterfüllung und Entwässerung

Die Ausführung einer Trockenmauer aus Granit beginnt mit der Auswahl und Sortierung der Steine vor Ort. Erfahrene Trockenmauerbauer legen die Steine zunächst grob aus, bevor sie sie setzen, um geeignete Kombinationen für jede Schicht zu finden. Das Prinzip „ein Stein über zwei, zwei Steine unter einem“ beschreibt das grundlegende Verlegemuster: Stoßfugen der darüber liegenden Schicht sollen immer über dem Mittelbereich der darunter liegenden Steine liegen, nie über deren Stoßfugen. Dieses Kreuzverband-Prinzip, das aus dem Mörtelmauerwerk bekannt ist, gilt für Trockenmauersteine Granit ebenso, auch wenn die unregelmäßige Geometrie der Natursteine eine strenge Einhaltung nicht immer erlaubt.

Zwischenfüllungen aus kleinen Granitsplittern oder Kies in den Hohlräumen zwischen den Steinen dienen nicht nur der Stabilisierung, sondern auch der Entwässerung. Wasser, das von hinten durch die Hinterfüllung dringt, muss durch die Mauer abfließen können. Eine Trockenmauer, die wasserdicht gebaut wird, ist keine Trockenmauer mehr, sondern eine hydraulisch überlastete Konstruktion, die früher oder später durch Wasserdruck von hinten auseinandergedrückt wird. Die Durchlässigkeit ist also kein Mangel, sondern Konstruktionsprinzip.

Die Hinterfüllung hinter einer Granitsteinmauer besteht idealerweise aus einem drainierenden Material, also grobem Kies oder gebrochenem Schotter, der den Wasserdruck abbaut und das Wasser nach unten ableitet. Bindiges Material wie Lehm oder Ton ist als direkte Hinterfüllung ungeeignet, weil es Wasser staut und bei Frost quillt. Zwischen dem Erdreich und der drainierenden Hinterfüllung empfiehlt sich ein Filtervlies, das Feinmaterial zurückhält und die Drainage langfristig funktionsfähig hält. Diese Schichtung aus Filtervlies, Drainschicht und Erdreich entspricht dem Stand der Technik für Stützmauern im Landschaftsbau.

Die Neigung der Steinoberflächen innerhalb der Mauer spielt ebenfalls eine Rolle: Steine sollten leicht nach hinten geneigt eingebaut werden, sodass Wasser, das auf die Mauerkrone trifft, nach hinten in die Hinterfüllung abläuft und nicht nach vorne über die Sichtfläche. Dieses Detail ist handwerklich einfach umzusetzen, wird aber in der Praxis häufig vernachlässigt, was zu Auswaschungen an der Vorderfläche und zu Kalkausblühungen bei kalkhaltigen Begleitmaterialien führt.

Ökologische Funktion: Trockenmauern als Lebensraum im Freiraum

Trockenmauersteine Granit sind nicht nur Baumaterial, sondern Lebensraum. Die Fugen, Hohlräume und Zwischenschichten einer Granitsteinmauer bieten ein Mikroklimamosaik, das in der freien Landschaft kaum noch anzutreffen ist: sonnige, trockene Bereiche an der Südseite, schattige, feuchte Nischen an der Nordseite, Übergangszonen mit wechselnden Bedingungen. Diese Vielfalt auf engstem Raum macht Trockenmauern zu einem der artenreichsten Strukturelemente im Freiraum überhaupt.

Reptilien wie Eidechsen und Blindschleichen nutzen Granitsteinmauern als Sonnplätze und Überwinterungsquartiere. Die hohe Wärmekapazität des Granits, der sich tagsüber stark aufheizt und die Wärme nachts langsam abgibt, ist für wechselwarme Tiere ein entscheidender Vorteil. Insekten, darunter viele Wildbienen- und Wespenarten, besiedeln die Fugen als Nistplätze. Spinnen, Asseln, Tausendfüßer und Käfer finden in den Hohlräumen Schutz und Nahrung. Diese Fauna ist wiederum Nahrungsgrundlage für Vögel wie Rotschwanz, Steinschmätzer und Zaunkönig, die Trockenmauern bevorzugt besiedeln.

Die Vegetation einer Granitsteinmauer entwickelt sich über Jahre hinweg zu einer charakteristischen Gesellschaft aus Mauerpflanzen, Flechten und Moosen. Auf Granit, der von Natur aus sauer und nährstoffarm ist, siedeln sich bevorzugt säuretolerante Arten an: Mauerpfeffer-Arten (Sedum-Arten), Zimbelkraut (Cymbalaria muralis), Mauerraute (Asplenium ruta-muraria) und verschiedene Flechtengemeinschaften, die den Stein über Jahrzehnte hinweg mit grauen, gelblichen und orangefarbenen Krusten überziehen. Diese Patina ist kein Schaden, sondern Ausdruck einer lebendigen Oberfläche und ein gestalterischer Wert, der mit keinem Kunstmaterial zu imitieren ist.

In der Freiraumplanung werden Trockenmauern aus Granit zunehmend bewusst als Biodiversitätsmaßnahme eingesetzt, etwa im Rahmen von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen nach Eingriffsregelung, in der Gestaltung von Schulhöfen und öffentlichen Grünflächen sowie in der Renaturierung von Weinbergslagen und Streuobstwiesen. Die ökologische Wertigkeit einer Granitsteinmauer lässt sich dabei steigern, indem gezielt Fugen offen gelassen, bestimmte Pflanzenarten eingebracht und der Mauerfuß mit blütenreichen Säumen kombiniert wird.

Schäden, Unterhalt und typische Fehler in der Praxis

Trockenmauern aus Granit sind wartungsarm, aber nicht wartungsfrei. Das häufigste Schadensbild ist das Ausbrechen einzelner Steine aus der Mauerflucht, verursacht durch unzureichende Steintiefe, fehlende Bindersteine oder Wurzeldruck von Gehölzen, die in den Fugen wurzeln. Bäume und großwüchsige Sträucher unmittelbar hinter oder vor einer Trockenmauer sind langfristig problematisch, weil ihre Wurzeln die Mauer auseinandertreiben. Niedrige Stauden und Gräser dagegen stabilisieren die Mauer eher, weil ihre Wurzeln die Fugen durchziehen und die Steine zusätzlich verankern.

Setzungen im Fundamentbereich führen zu Verformungen des Mauerverbands, die sich als Wellen oder Ausbauchungen in der Mauerflucht zeigen. Ursache ist meist eine unzureichende Gründungstiefe oder eine Hinterfüllung mit bindigem Material, das bei Feuchtigkeitswechseln quillt und schwindet. Die Reparatur erfordert in der Regel das partielle Abtragen und Neuaufbauen des betroffenen Abschnitts, was bei sorgfältig gelagerten Steinen gut möglich ist. Trockenmauern haben den Vorteil, dass sie sich reparieren lassen, ohne das gesamte Bauwerk zu gefährden, sofern die Schäden frühzeitig erkannt werden.

Ein häufiger Planungsfehler ist die Unterschätzung der erforderlichen Steinmasse. Trockenmauersteine Granit haben ein Raumgewicht von etwa 2,6 bis 2,7 Tonnen pro Kubikmeter. Eine Mauer von einem Meter Höhe, einem Meter Länge und 60 Zentimetern Breite wiegt damit rund 1,5 Tonnen. Diese Masse muss angeliefert, bewegt und versetzt werden, was erhebliche Anforderungen an Logistik, Maschineneinsatz und handwerkliche Kapazität stellt. Wer Trockenmauersteine Granit in der Planung wie Leichtbaumaterial behandelt und die Baustellenlogistik unterschätzt, erlebt regelmäßig Überraschungen bei der Ausführung.

Zur Unterhaltspflege gehört das regelmäßige Kontrollieren der Mauerkrone und der Fugen auf Steinversatz, das Entfernen unerwünschter Gehölzsämlinge (vor allem Brombeere, Holunder und Eschen-Sämlinge, die schnell Schaden anrichten) sowie das gelegentliche Nachsetzen herausgefallener Steine. Diese Arbeiten sind einfach, müssen aber konsequent durchgeführt werden, weil ein herausgefallener Stein, der nicht zeitnah ersetzt wird, die benachbarten Steine destabilisiert und eine Kettenreaktion auslösen kann.

Trockenmauersteine Granit in der zeitgenössischen Freiraumplanung

Trockenmauersteine Granit erleben in der zeitgenössischen Landschaftsarchitektur eine Renaissance, die über den nostalgischen Rückgriff auf historische Bauweisen weit hinausgeht. Sie sind Teil einer breiteren Bewegung hin zu robusten, wartungsarmen, ökologisch wertvollen und gestalterisch authentischen Materialien im Freiraum. In einer Zeit, in der Klimaanpassung, Biodiversitätsförderung und Ressourceneffizienz zu zentralen Planungszielen geworden sind, bietet das Material Granit in Verbindung mit der Bauweise Trockenmauer eine Antwort, die auf mehreren Ebenen gleichzeitig funktioniert.

Gestalterisch lassen sich Trockenmauersteine Granit sowohl in naturnahe als auch in formal-geometrische Freiraumkonzepte integrieren. Die Bandbreite reicht von der wild wirkenden Böschungssicherung im ländlichen Raum über terrassierte Weinbergslandschaften bis zu präzise gefugten Stützmauern in urbanen Platzräumen. Entscheidend für die gestalterische Qualität ist weniger die Regelmäßigkeit der Steinformate als die Sorgfalt der Ausführung: Eine handwerklich präzise verlegte Granitsteinmauer mit lebhafter Oberfläche und gut gesetzten Fugen hat eine Präsenz, die kein Betonfertigelement erreicht.

Im Kontext der Klimaanpassung städtischer Freiräume sind Trockenmauern aus Granit als thermische Speichermassen interessant. Sie nehmen tagsüber Wärme auf und geben sie nachts ab, was in Kombination mit Bepflanzung und Wasserführung zur Regulierung des Mikroklimas beitragen kann. Gleichzeitig sind sie vollständig wasserdurchlässig und belasten den Abfluss bei Starkregen nicht. Diese Eigenschaften machen Trockenmauersteine Granit zu einem Material, das in der Planung von klimaresilienten Freiräumen, Schwammstadtkonzepten und Biodiversitätskorridoren einen festen Platz verdient, nicht als Nostalgieelement, sondern als technisch und ökologisch begründete Wahl.

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Die Vollversammlung des Münchner Stadtrats hat vergangene Woche den Einstieg in eine konkrete Planung für einen Tunnel durch den Englischen Garten beschlossen. Geplant wird ein 390 Meter langer Tunnel unter dem Isarring, der den bislang getrennten Stadtpark wiedervereinen soll.

Seit Jahrzehnten trennt eine Verkehrsader, über die sich täglich tausende Autos schieben, den Englischen Garten in Nord- und Südteil. Die Idee für eine Untertunnelung des Rings existiert bereits seit vielen Jahren, jetzt hat das Projekt einen weiteren großen Schritt Richtung Realisierung genommen. Nach der Bestätigung durch die Stadtrats-Vollversammlung wird das Baureferat nun in die Vor-, Entwurfs- und Genehmigungsplanung für einen Tunnel im Englischen Garten einsteigen.

Geprüft wurden drei unterschiedlich lange Tunnel-Varianten: Das Planungsreferat bevorzugt dabei die mittellange Version, die nun auch geplant wird.

Das Bauwerk soll 390 Meter lang sein und etwa 125 Millionen Euro kosten. Die mittellange Variante bietet, so das Prüfungsergebnis, die größten Vorteile bei der Reparatur des Gartenkunstwerks Englischer Garten und erlaubt die Wiederherstellung des durchgängigen historischen Wegenetzes, der einstigen Bachläufe sowie der Wiesen und Gehölzstrukturen auf der Tunneldecke.

Aber die optische Verschönerung durch den Wegfall der Autoschneise ist nicht der einzige Vorteil des Tunnels: Die Lärmbelästigung für direkte Anwohner reduziert sich und der bislang weniger frequentierte Nordteil des Englischen Gartens ist wieder direkt zugänglich.

Wir unterhielten uns für unsere Januar 2017-Ausgabe mit dem Architektenpaar Grub-Lejeune, Gründer der Initiative „(M)Ein Englischer Garten“, über Widerstände, Erfolgserlebnisse und den Mut, beständig gegen den Strom zu schwimmen.

Hier geht’s zum Video „Wiedervereinigung Englischer Garten“

Eine bunte Collage. Im Mittelpunkt eine breite Promenade mit Menschen. Gesäumt von Grünflächen und Bäumen.
Ortsplatz am Sibichen. Abbildung @ Octagon Architekturkollektiv, team red Deutschland GmbH, impuls Landschaftsarchitektur Facius. Facius PartGmbB

Im Südosten Erfurts läuft derzeit das größte Stadtentwicklungsprojekt der Landeshauptstadt. Hier sollen bis 2060 soziale Einrichtungen, Sport- und Freizeitflächen, Grünflächen, Straßen und Wege neu- oder umgestaltet werden, um den Lebensraum für rund 24 000 Erfurter*innen zu verbessern. In dem städtebaulichen Wettbewerb „Neue Mitte Erfurt Südost“ sollten Planungsbüros dafür die Ortsteile Melchendorf, Wiesenhügel und Herrenberg verbinden. Nun ist der Wettbewerb entschieden. Wer das Siegerbüro ist und was der Entwurf vorsieht, lesen Sie hier.

Nächster Schritt im Projekt „Neue Mitte Erfurt Südost“

Erfurt hat sich bis zum Jahre 2060 viel vorgenommen. Denn dann soll der Südosten der Stadt – ein Viertel, das heute von Plattenbauten geprägt ist – zu einem deutlich lebenswerteren Raum aufgewertet worden sein. Es ist ein besonderes Projekt, das Teilhabe fördern soll. Expert*innen und Bürger*innen sind dabei gleichermaßen gefragt, Potentiale vor Ort herauszufiltern. Und daraus eine positive Entwicklung für das Quartier herzuleiten. Bereits seit 2019 läuft der Prozess. Zum heutigen Tage konnte das Projekt einige Meilensteine verzeichnen. So wurden gleich zu Beginn beispielsweise Fördermittelanträge ausgearbeitet. Weiterhin fanden 2022 erste Beteiligungsverfahren und sogenannte Zukunftswerkstätten statt, in denen sich die Bevölkerung zu Umgestaltungsfragen einbringen konnte. Ende letzten Jahres wurde dann der Planungswettbewerb „Neue Mitte Südost“ ausgerufen. Und schließlich Mitte März entschieden. Dabei konnte sich das Octagon Architekturkollektiv aus Leipzig, gemeinsam dem Büro impuls Landschaftsarchitektur aus Jena und dem team red aus Berlin durchsetzen.

Neue Mitte Südost Lageplan. credits: Octagon Architekturkollektiv, team red Deutschland GmbH, impuls Landschaftsarchitektur Facius. Facius PartGmbB
Neue Mitte Südost Lageplan. credits: Octagon Architekturkollektiv, team red Deutschland GmbH, impuls Landschaftsarchitektur Facius. Facius PartGmbB

Dreiergespann überzeugt 

Die Grundaufgabe des Wettbewerbs forderte nichts minder als die Entwicklung einer Vision für das Kernstück des Gesamtvorhabens Erfurt Südost. Mitten im Projektgebiet galt es, die Ortsteile Herrenberg, Wiesenhügel und Melchendorf miteinander zu verbinden. Weiterhin sollten im Bereich Wiesenhügel attraktivere Aufenthaltsbereiche und Aktivitätsmöglichkeiten geschaffen werden. Keine leichte Aufgabe. Insgesamt stellten sich sechs Teams der gestalterischen Herausforderung. Diese wurden in einer ganztägigen Veranstaltung in einem 50 Personen großen Plenum eingehend studiert und ihre Vor- und Nachteile abgewogen. Die Jury aus 15 stimmberechtigten Mitglieder*innen – darunter Fachplaner*innen aus den Bereichen Stadtplanung, Verkehrsplanung und Freiraumplanung aber auch Vertreter*innen der Stadt, des Landes und des Bundes – gab schließlich grünes Licht für den Entwurf des Dreierteams Octagon, impuls und team red. „Aus Sicht des Preisgerichts setzt es die Wettbewerbsziele am besten um“, erklärte dazu Andrea Ziegenrücker, Landschaftsarchitektin aus Erfurt. 

Stadtplatz am Grünzug. credits: Octagon Architekturkollektiv, team red Deutschland GmbH, impuls Landschaftsarchitektur Facius. Facius PartGmbB
Stadtplatz am Grünzug. credits: Octagon Architekturkollektiv, team red Deutschland GmbH, impuls Landschaftsarchitektur Facius. Facius PartGmbB

Mehr Freiraum für Erfurts Neue Mitte Südost 

Es sind zwei wesentliche Aspekte, die dem Beitrag mit dem Titel „Ab durch die Mitte/Neue Räume zwischen den Hügeln“ zum Sieg verholfen hatten. Da ist zum Einen die einnehmende Grundidee, die mehr Platz zum Spazierengehen und Erholen im Viertel vorsieht. Statt Verkehrsflächen entstehen Wohnraum und Gebäude für Produktives Gewerbe. Auch sieht der Umbau der bestehenden Verkehrsanlagen zukünftig barrierefreie Querungsmöglichkeiten vor. Dabei frei werdende Flächen werden dem Fuß- und Radverkehr zugeschlagen. Oder bieten Raum für neue Baumpflanzungen im Quartier. So wird die Mitte aus allen Richtungen durch Grünräume erschlossen. Eine übergeordnete Landschaftsachse entsteht, die bestehende Strukturen integriert. Wo heute der Friedhof liegt, sieht die Vision dazu beispielsweise eine Umwidmung des ebenjenen zum Friedhofspark vor. 

Insgesamt legt der Entwurf einen starken Fokus auf die Etablierung qualitätsvoller Freiraumstrukturen. Urbane Stadtplätze, attraktive Parks, Grünräume und nutzbare Dächer lassen so insgesamt ein lebendiges Zentrum entstehen. Dabei werden vorhandenen Nutzungen aufgegriffen und fortgeschrieben. Der Bestand wird dabei durch weitere öffentliche Einrichtungen sinnhaft ergänzt. Weiterhin werden die einzelnen Elemente durch ein sogenanntes „Aktivband“ und eine Brücke verknüpft. Dem Entwurf gelingt es mit der Geste die ehemals trennend wirkende Tallage zu überwinden. So entsteht eine zusammenhängende Verbindungszone, die zwischen Schul-, Sport- und Freizeitflächen vermittelt. 

Prozess läuft bis 2060

Neben der gestalterischen Feinheit des Entwurfs, konnte zum Anderen schließlich auch der konzeptionelle Ansatz überzeugen. Sie zeichnen eine Zukunftsvision, die wichtige Grundsätze fixiert, jedoch nicht als finales Planwerk verstanden werden will. Für das Projekt Erfurt Südost, dessen Umsetzung über Jahrzehnte angesetzt ist, ein wichtiger Aspekt. „Die Schaffung der Neue Mitte erfordert aufgrund bestehender Gegebenheiten einen langen Atem. Die Ziele, die wir im Südosten verfolgen, können nur stufenweise umgesetzt werden und sind insoweit kurz-, mittel- und langfristig angelegt“, erklärt Dirk Heide, kommissarischer Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Stadtplanung, die komplexe Situation. Durch den Wettbewerbssieg steht nun jedoch das Planungsteam fest, mit dem die Stadt Erfurt die weiteren Schritte gehen wird. Nun gilt es, die Ideen, zu vertiefen und im weiteren Planungsprozess auf den Prüfstand zu stellen. Dabei verspricht die Stadt – wie in der Vergangenheit – eine intensive Beteiligung der Bürger*innen.

Neue Mitte Südost Perspektive. credits: Octagon Architekturkollektiv, team red Deutschland GmbH, impuls Landschaftsarchitektur Facius. Facius PartGmbB
Neue Mitte Südost Perspektive. credits: Octagon Architekturkollektiv, team red Deutschland GmbH, impuls Landschaftsarchitektur Facius. Facius PartGmbB

Stete Beteiligung vorgesehen 

Seit dem 28. März konnten sich diese bereits selbst ein Bild vom Planungsstand machen. Denn alle eingereichten Wettbewerbsarbeiten sind für Interessierte im Melchendorfer Markt ausgestellt. Zukünftig sind nun wöchentliche Sprechstunden vorgesehen, in denen die Stadtverwaltung die Bevölkerung Schritt für Schritt mitnimmt und über aktuelle Entwicklungen informiert. Dirk Heide hält die Beteiligung gerade bei einem Projekt dessen Zeitrahmen über eine so lange Spanne gesteckt sei, für besonders notwendig: „Die Bürgerinnen und Bürger erwarten zu Recht, dass wir bereits im hier und jetzt substantielle Fortschritte für den Erfurter Südosten erzielen.“ Deshalb werden – wo möglich – bereits einige Abschnitte in naher Zukunft realisiert. Bis 2026 ist die Umgestaltung der Verkehrsanlage rund um den um den Abzweig Wiesenhügel und die Neugestaltung bestehender Grünflächen geplant. Damit könnte der Erfurter Südosten bereits in den nächsten Jahren grundlegend sein Gesicht wandeln. Und den Anwohner*innen bald qualitätsvolle Aufenthaltsräume und wichtige Grünstrukturen im eigenen Quartier bieten. 

Was sich in der Vergangenheit in der Stadt getan hat, lesen Sie hier: BUGA Erfurt.