U Bahn Englischer Garten: Grundlagen, Geschichte und Bedeutung

Eine gestaltete Garten- und Parkanlage zum Thema U Bahn Englischer Garten
Moderne Architektur trifft auf üppiges Stadtgrün – ein Beispiel zeitgenössischer Freiraumgestaltung. (Foto: karenchew/Unsplash)

Seit Jahrzehnten gehört die U-Bahn-Verbindung durch den Englischen Garten zu den meistdiskutierten Infrastrukturvorhaben Münchens: ein Tunnel, der unter einem der bedeutendsten innerstädtischen Landschaftsparks Europas verläuft, dessen Planung, Bau und Betrieb stadtplanerische, landschaftsarchitektonische und verkehrstechnische Fragen auf engstem Raum verknüpft. Die U-Bahn Englischer Garten steht exemplarisch für den Konflikt zwischen urbaner Mobilität und dem Schutz großstädtischer Grünräume, und sie zeigt, wie tiefgreifend unterirdische Infrastruktur die Oberfläche eines Parks prägen kann, selbst wenn sie unsichtbar bleibt.

  • Was die U-Bahn-Strecke durch den Englischen Garten ist und welche Linien und Haltestellen sie umfasst
  • Wie die historische Entstehung dieser Verbindung im Kontext des Münchner U-Bahn-Baus zu verstehen ist
  • Welche stadtplanerischen und landschaftsarchitektonischen Konflikte der Tunnelbau im Parkraum ausgelöst hat
  • Wie der Englische Garten als Freiraum und seine Bedeutung für das Münchner Stadtgefüge einzuordnen ist
  • Welche technischen Besonderheiten der Tunnelbau und Betrieb unter einem sensiblen Grünraum mit sich bringen
  • Wie die Oberflächengestaltung der Zugänge und Betriebsanlagen in den Park integriert wurde
  • Welche Lektionen dieser Fall für die Planung von Infrastruktur in Schutzgebieten und Stadtparks bietet
  • Warum die Debatte um die U-Bahn im Englischen Garten bis heute stadtplanerisch relevant ist

Die U-Bahn Englischer Garten: Strecke, Haltestellen und Linienführung

Die U-Bahn Englischer Garten bezeichnet im Wesentlichen den Streckenabschnitt der Münchner U-Bahn, der unter dem nördlichen Teil des Englischen Gartens verläuft und dabei die Haltestelle Münchner Freiheit mit der Haltestelle Universität verbindet, beziehungsweise in der weiteren Linienführung die Innenstadt mit dem nördlichen Stadtbereich erschließt. Konkret handelt es sich um die Linie U3 und U6, die auf diesem Abschnitt gemeinsam im Tunnel geführt werden. Der Englische Garten ist damit nicht nur ein Naherholungsraum, sondern auch ein Korridor für eine der meistbefahrenen U-Bahn-Verbindungen der Stadt.

Die Haltestelle Münchner Freiheit liegt am nördlichen Rand des Parks und ist einer der zentralen Umsteigepunkte im Münchner Netz. Von dort aus führt die Strecke in südlicher Richtung unter dem Park hindurch zur Haltestelle Universität, die sich bereits außerhalb des eigentlichen Parkgeländes im Bereich der Ludwigstraße befindet. Dieser Abschnitt ist verhältnismäßig kurz, aber städtebaulich und landschaftsplanerisch außerordentlich sensibel, weil der Tunnel unter einem denkmalgeschützten Landschaftspark verläuft, dessen Oberfläche seit dem späten 18. Jahrhundert in ihrer grundlegenden Struktur erhalten ist.

Für Fahrgäste ist die U-Bahn Englischer Garten primär ein Mittel zur schnellen Verbindung zwischen Schwabing, der Maxvorstadt und der Innenstadt. Für Stadtplaner, Landschaftsarchitekten und Verkehrsplaner hingegen ist dieser Abschnitt ein Lehrstück darüber, wie Infrastruktur und Freiraum in Konflikt geraten und wie dieser Konflikt im Planungsprozess ausgehandelt wird.

Geschichte: Wie die U-Bahn unter den Englischen Garten kam

Der Bau des Münchner U-Bahn-Netzes wurde im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 1972 massiv vorangetrieben. Die Stadt München benötigte ein leistungsfähiges Schnellverkehrsmittel, das die neu entstandenen Sportstätten im Olympiapark mit der Innenstadt verband und gleichzeitig das wachsende Stadtgebiet erschloss. In diesem Kontext entstand auch die Notwendigkeit, eine Nord-Süd-Verbindung durch das Stadtgebiet zu schaffen, die zwangsläufig den Englischen Garten als topografische und städtebauliche Barriere berücksichtigen musste.

Die Entscheidung, die Strecke unterirdisch durch den Park zu führen, war keine selbstverständliche. Alternativen, die eine Umgehung des Parks über östliche oder westliche Korridore vorsahen, wurden diskutiert, hätten aber erheblich längere Fahrzeiten und eine geringere Erschließungswirkung für die dicht besiedelten Stadtteile Schwabing und Maxvorstadt bedeutet. Die unterirdische Führung erschien als der planerisch eleganteste Kompromiss: Die Oberfläche des Parks blieb im Wesentlichen unberührt, während die Infrastruktur darunter ihren Betrieb aufnahm. Dieser Ansatz war für die damalige Zeit fortschrittlich und spiegelt ein Planungsverständnis wider, das Freiraum als schützenswert anerkannte, ohne auf die Infrastruktur zu verzichten.

Der Tunnelbau selbst stellte erhebliche technische Anforderungen. Der Englische Garten liegt auf einem Grundwasserkörper, der für die Münchner Trinkwasserversorgung von Bedeutung ist. Tunnelbauwerke in solchen Lagen erfordern besondere Abdichtungsmaßnahmen und eine sorgfältige Überwachung des Grundwasserspiegels, um Setzungen an der Oberfläche zu vermeiden, die den Baumbestand und die Geländetopografie des Parks gefährden könnten. Die Baugeschichte der U-Bahn Englischer Garten ist deshalb auch eine Geschichte des Ringens um bautechnische Lösungen unter schwierigen hydrogeologischen Bedingungen.

Der Englische Garten als historischer Kontext

Der Englische Garten wurde Ende des 18. Jahrhunderts auf Initiative von Benjamin Thompson, bekannt als Graf Rumford, und unter maßgeblicher gestalterischer Mitwirkung von Friedrich Ludwig von Sckell angelegt. Er gilt als einer der ersten öffentlich zugänglichen Landschaftsparks in Europa und war von Anfang an als Volkspark konzipiert, also als Freiraum für alle Bevölkerungsschichten, nicht als exklusiver Hofgarten. Diese demokratische Grundidee ist bis heute ein wesentlicher Teil seiner Identität und erklärt, warum Eingriffe in den Park stets besonders kritisch beäugt werden.

Mit einer Fläche von rund 375 Hektar ist der Englische Garten größer als der Central Park in New York und erstreckt sich als grünes Band durch den Osten der Münchner Innenstadt. Er ist nicht nur Erholungsraum, sondern auch ein ökologisch bedeutsames Biotop mit altem Baumbestand, Fließgewässern wie der Isar und dem Eisbach sowie vielfältigen Wiesenflächen. Der Park steht unter Denkmalschutz, was jeden baulichen Eingriff an der Oberfläche einer strengen Prüfung unterwirft. Dass ausgerechnet unter diesem Park eine der meistgenutzten U-Bahn-Strecken Münchens verläuft, ist eine stadtplanerische Besonderheit, die in dieser Form in Deutschland kaum ein zweites Mal vorkommt.

Stadtplanerische und landschaftsarchitektonische Konflikte

Der Bau der U-Bahn unter dem Englischen Garten war und ist kein konfliktfreier Vorgang. Schon während der Planungsphase gab es Auseinandersetzungen über die Trassenführung, die Lage der Zugänge und die Auswirkungen auf den Grundwasserhaushalt. Diese Konflikte sind exemplarisch für eine grundsätzliche Spannung in der Stadtplanung: Unterirdische Infrastruktur ist zwar an der Oberfläche unsichtbar, aber keineswegs wirkungslos. Tunnelbauwerke beeinflussen den Wasserhaushalt, können Baumwurzeln schädigen und erfordern Zugangsbauwerke, die als Fremdkörper in der Parklandschaft wahrgenommen werden können.

Die Zugänge zu den Haltestellen und die notwendigen Lüftungsschächte sind die sichtbaren Spuren der U-Bahn im Park. Ihre gestalterische Integration war eine der zentralen Aufgaben der begleitenden Freiraumplanung. Gelungene Lösungen zeichnen sich dadurch aus, dass die Einbauten die Topografie des Parks respektieren, in ihrer Materialität und Formensprache zurückhaltend sind und die Wegeführung im Park nicht unterbrechen. Weniger gelungene Beispiele, die es durchaus gibt, wirken als technische Objekte, die der Parklandschaft aufgezwungen wurden, ohne ausreichende Rücksicht auf den Genius Loci, den prägenden Charakter des Ortes.

Ein weiterer Konfliktpunkt betrifft den Baumbestand. Alte Bäume in einem Landschaftspark sind nicht ersetzbar, zumindest nicht auf der Zeitskala einer Menschengeneration. Tunnelbauwerke, die in der Nähe von Baumwurzeln verlaufen, können durch Veränderungen im Grundwasserstand oder durch mechanische Einwirkungen während des Baus zu Schäden führen, die erst Jahre später sichtbar werden. Die Überwachung des Baumbestands im Bereich der Tunneltrasse ist deshalb eine dauerhafte Aufgabe der Parkverwaltung, die über den Abschluss der Bauarbeiten hinausgeht.

Technische Besonderheiten des Tunnelbaus unter einem Stadtpark

Der Tunnelabschnitt unter dem Englischen Garten ist in offener Bauweise oder bergmännisch hergestellt worden, je nach den örtlichen Gegebenheiten. Die offene Bauweise, bei der von der Oberfläche aus eine Baugrube ausgehoben und nach Fertigstellung des Tunnels wieder verfüllt wird, ist zwar technisch einfacher, bedeutet aber erhebliche Eingriffe in die Oberfläche während der Bauphase. Bergmännische Methoden, die den Tunnel von unterirdischen Startschächten aus vortreiben, sind schonender für die Oberfläche, aber aufwendiger und teurer. Die Wahl der Methode ist immer ein Abwägen zwischen Kosten, Bauzeit und Oberflächenverträglichkeit.

Der Grundwasserstand im Münchner Lockergestein ist hoch und schwankt saisonal. Tunnelbauwerke müssen dauerhaft gegen Grundwassereintritt abgedichtet sein, was besondere Anforderungen an die Betonqualität, die Fugenabdichtung und die Entwässerungssysteme stellt. Gleichzeitig darf der Tunnel den natürlichen Grundwasserstrom nicht dauerhaft stauen oder umlenken, weil dies Auswirkungen auf die Vegetation an der Oberfläche hätte. Sogenannte Grundwasserdrainagen und Umströmungsmaßnahmen sorgen dafür, dass das Grundwasser den Tunnel umfließen kann, ohne dass es zu unerwünschten Aufstauungen kommt.

Im laufenden Betrieb erzeugt die U-Bahn Erschütterungen und Schallimmissionen, die über das Erdreich an die Oberfläche übertragen werden können. In einem Park, der als ruhiger Erholungsraum wahrgenommen wird, sind solche Einträge besonders störend. Schallschutzmaßnahmen im Tunnel, darunter elastische Gleislagerungen und schwingungsdämpfende Unterlagen, reduzieren diese Übertragung. Dennoch ist die Frage, ob und in welchem Maß Erschütterungen aus dem Tunnelbetrieb langfristig den Baumbestand beeinflussen, ein Thema, das in der Fachliteratur zur Baumpflege und Baumstatik diskutiert wird.

Lüftung und Betriebsanlagen im Parkraum

Tunnelstrecken der U-Bahn benötigen Lüftungsanlagen, die Frischluft einbringen und verbrauchte Luft sowie Wärme abführen. Die Lüftungsschächte und Betriebsgebäude, die für diese Funktion erforderlich sind, müssen irgendwo an der Oberfläche platziert werden. Im Englischen Garten bedeutet das, dass technische Bauwerke in einem denkmalgeschützten Landschaftspark integriert werden müssen. Die Gestaltung dieser Anlagen ist eine genuine Aufgabe für Landschaftsarchitekten und Architekten, die hier zwischen technischer Notwendigkeit und gestalterischer Zurückhaltung vermitteln müssen. Gut gelöste Lüftungsschächte fügen sich als begrünte Hügel oder als unauffällige Einbauten in die Topografie ein; schlecht gelöste wirken als Fremdkörper, die die Parklandschaft stören.

Integration der Zugänge und Oberflächengestaltung

Die Zugänge zu den Haltestellen sind die wichtigsten Schnittstellen zwischen der unterirdischen Infrastruktur und dem Parkraum. Sie müssen funktional sein, also ausreichend Kapazität für die Fahrgastströme bieten, barrierefrei zugänglich sein und die Orientierung im Park nicht beeinträchtigen. Gleichzeitig sollen sie die Qualität des Parkraums nicht mindern. Diese Anforderungen stehen in einem produktiven Spannungsverhältnis, das gute Planung auszeichnet.

Im Umfeld der Haltestelle Münchner Freiheit, die am Rand des Parks liegt, ist die Integration der Zugänge in das städtische Gefüge einfacher als im Inneren des Parks, wo der Landschaftscharakter dominiert. Hier zeigt sich ein grundsätzliches Prinzip der Freiraumplanung: Je tiefer eine Infrastrukturanlage in einen naturnahen oder historischen Grünraum eindringt, desto höher sind die Anforderungen an die gestalterische Sorgfalt. Materialien, Formen, Bepflanzung und Wegeführung müssen aufeinander abgestimmt sein und den Charakter des Parks respektieren, ohne die Nutzbarkeit der Anlage zu kompromittieren.

Barrierefreiheit ist eine weitere Dimension, die in der Nachbetrachtung älterer Anlagen oft als Defizit sichtbar wird. Aufzüge und Rampen, die nachträglich eingebaut werden müssen, um gesetzlichen Anforderungen zu genügen, sind selten so gut in den Parkraum integriert wie Anlagen, die von Anfang an barrierefrei geplant wurden. Die U-Bahn Englischer Garten ist in dieser Hinsicht ein Beispiel für die Herausforderungen der Nachrüstung älterer Infrastruktur, die in einer Zeit geplant wurde, als Barrierefreiheit noch kein verbindlicher Planungsstandard war.

Lektionen für die Planung von Infrastruktur in Schutzgebieten und Stadtparks

Der Fall der U-Bahn Englischer Garten liefert mehrere Lektionen, die über München hinaus Gültigkeit haben. Die erste betrifft die Abwägung zwischen Erschließungswirkung und Schutzanspruch: Unterirdische Infrastruktur ist kein Allheilmittel, aber sie ist in vielen Fällen die einzige Möglichkeit, eine hochwertige Erschließung zu erreichen, ohne die Oberfläche dauerhaft zu beeinträchtigen. Die Entscheidung für oder gegen eine unterirdische Führung muss auf einer sorgfältigen Analyse der Schutzgüter, der technischen Machbarkeit und der Kosten beruhen.

Die zweite Lektion betrifft die Bedeutung frühzeitiger interdisziplinärer Zusammenarbeit. Tunnelbau unter einem Stadtpark ist keine rein ingenieurtechnische Aufgabe. Landschaftsarchitekten, Ökologinnen, Denkmalpfleger, Hydrologen und Verkehrsplaner müssen von Beginn an in den Planungsprozess eingebunden sein, damit die Wechselwirkungen zwischen Infrastruktur und Freiraum frühzeitig erkannt und in der Planung berücksichtigt werden. Nachträgliche Korrekturen sind teuer und oft nur unvollständig möglich.

Die dritte Lektion betrifft den Zeithorizont. Ein Stadtpark wie der Englische Garten hat eine Geschichte von mehr als zwei Jahrhunderten und soll noch viele Generationen bestehen. Eine U-Bahn-Strecke, die unter ihm verläuft, ist ebenfalls auf Dauerhaftigkeit ausgelegt. Die Planung solcher Anlagen muss deshalb nicht nur die unmittelbaren Baufolgen berücksichtigen, sondern auch die langfristigen Auswirkungen auf Baumbestand, Grundwasserhaushalt und Parkcharakter. Monitoring, also die systematische Beobachtung und Dokumentation dieser Auswirkungen über lange Zeiträume, ist eine Aufgabe, die in der Praxis oft vernachlässigt wird, aber für die Qualitätssicherung unverzichtbar ist.

Die bleibende Bedeutung der U-Bahn Englischer Garten für Stadtplanung und Freiraumplanung

Die U-Bahn Englischer Garten ist mehr als eine Verkehrsinfrastruktur. Sie ist ein Zeugnis der stadtplanerischen Überzeugungen und Kompromisse ihrer Entstehungszeit, ein Beispiel für die Möglichkeiten und Grenzen unterirdischer Infrastruktur in sensiblen Grünräumen und ein Maßstab für künftige Planungen in ähnlichen Situationen. Dass München heute eine leistungsfähige U-Bahn-Verbindung durch das Herz seiner Grünstruktur hat, ohne dass der Englische Garten als Freiraum grundlegend beeinträchtigt wurde, ist eine planerische Leistung, die nicht selbstverständlich ist.

Für die Landschaftsarchitektur und die Freiraumplanung ist dieser Fall ein Argument dafür, dass Schutz und Erschließung keine unvereinbaren Ziele sind, wenn die Planung mit ausreichender Sorgfalt, interdisziplinärer Kompetenz und einem langen Zeithorizont betrieben wird. Die Qualität des Englischen Gartens als Stadtpark hängt nicht allein von der Abwesenheit von Infrastruktur ab, sondern von der Art und Weise, wie diese Infrastruktur in den Freiraum integriert wird. Eine U-Bahn, die unsichtbar bleibt und die Oberfläche respektiert, ist kein Widerspruch zu einem hochwertigen Stadtpark, sondern kann dessen Erreichbarkeit und damit seine demokratische Zugänglichkeit sogar stärken.

Städte, die heute vor ähnlichen Entscheidungen stehen, ob Tunnel unter Parkanlagen, Querungen von Naturschutzgebieten oder Erschließung historischer Grünräume, können aus dem Münchner Beispiel lernen: Die Qualität des Ergebnisses hängt weniger von der grundsätzlichen Frage ab, ob Infrastruktur in Schutzräume gehört, als von der Qualität des Planungsprozesses, der Sorgfalt der Ausführung und der Konsequenz der Nachsorge. Die U-Bahn Englischer Garten ist in diesem Sinne kein abgeschlossenes Kapitel der Stadtgeschichte, sondern ein fortlaufendes Experiment im Zusammenleben von Infrastruktur und Landschaft.

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Hauptrolle für den Hamburger Hafen

An prominenter Stelle hat Hamburg ein neues Stadtmöbelstück mit spektakulärer Beleuchtung bekommen: eine Hafenpromenade als Hochwasserschutzanlage von den Landungsbrücken bis zur Speicherstadt. Das Lichtkonzept zu der prägnanten Architektur von Zaha Hadid Architekten stammt vom Planungsbüro Schlotfeldt Licht. 

Es sieht heute leer aus im Hamburger Hafen. Noch vor wenigen Jahrzehnten tummelten sich auf der Norderelbe Boote, Schlepper, Frachter und Passagierschiffe – jetzt parken hier vor allem  Museums- und Ausflugsschiffe. Das Leben am Nordufer des Flusses hat sich verändert. In den frühen 1930er-Jahren diente das Elbufer an den Vorsetzen in Hamburg dem Güterumschlag. Zwischen Hochbahnviadukt und Kaimauer standen Schuppen und Kräne, wirkten See- und Schauerleute. Hier gab es dunkle Räume und dunkle Gestalten, aber auch lichte Momente und jeden Tag Lohn für Handarbeit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und zwei verheerenden Sturmfluten 1961 und 1978 schloss lange Zeit eine Hochwasserschutzanlage die Stadt vom Hafen und vom Wasser ab. Im Hafen war die Arbeit schmutzig und ölig – in der Stadt wich die produzierende immer mehr der administrativen Arbeit. Seit Container außerhalb des Stadtzentrums umgeschlagen werden und der Stückgutverkehr fast keine Rolle mehr spielt, die Freihafengrenze verlegt ist und die HafenCity mit großen Schritten wächst, gehören auch die alten Hafengebiete am Nordufer der Elbe zur Stadt. Sie wandelten sich vom Hinterhof zum Salon. Die Einfahrt der großen Kreuzfahrt- und Frachtschiffe ist eine Attraktion geworden und längst kein Tagesgeschäft mehr.

Stadt und Hafen

Die Flutschutzanlage hat den Charakter der Grenzlinie eingebüßt. Die Sportboote, Restaurants, Museumsschiffe und Musical-Theater am Südufer der Norderelbe gehören mehr zur Stadt als zum Hafenbetrieb. Dieser ist südlich der Norderelbe förmlich in den Hintergrund getreten. Spätestens 2006, als die Flutschutzanlage im Rahmen einer „Architektur Olympiade“ unter vielen Projekten in der Stadt zum Gegenstand einer architektonischen Neuinterpretation werden sollte, war klar, dass es hier zu einem signifikanten Wandel kommen musste. Zaha Hadid Architekten stellten sich der Aufgabe. Mit den für ihr Büro obligatorisch gerundeten Formen entwarf Hadid eine neue Promenade, die nicht nur flussauf- und -abwärts beschritten, sondern auch gequert werden kann. Der erste Bauabschnitt der Hafenpromenade – in unmittelbarer Nähe der Elbphilharmonie – ist jetzt fertig gestellt worden. Auf der Stadt- wie auf der Hafenseite sind Treppen wie Theaterforen ausgebildet.

Die Stadt hat in ihrem Wohnzimmer ein neues Möbelstück bekommen, dessen Stufen sich zum Sitzen eignen. Stadtflaneure können hier wie auf einem überdimensionierten Sofa verweilen und entweder das Stadtleben oder das Hafengeschehen wie auf einer Bühne verfolgen. Mit dem Unterschied, dass dieses Schauspiel nicht inszeniert wird – jedenfalls nicht im Regelfall. Spätestens bei einer Sturmflut dürften sich die Plätze in der ersten Reihe als ungemütlich erweisen. Die Assoziation vom Wasser ausgespülter Buchten, die dem Entwurfsgedanken der Treppenanlagen zugrunde liegt, fordert das Sicherheitsbedürfnis und die Angst vor der Flut heraus, die hinter dem Bau der Anlage stehen.

In jedem Fall ist hier ein vielfältig kommunikativer Raum entstanden, der Stadt- und Wasserseite miteinander verbindet und als Promenade gut funktioniert. Fast nebenbei dient das Bauwerk dem Hochwasserschutz. […]

Wie die Lichtplanung den Entwurf maßgeblich beeinflusste lesen Sie in Garten+Landschaft 03/2016 – Licht im Freiraum.

Promenade Niederhafen Hamburg
Bauherr: Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer, Hamburg
Architektur: Zaha Hadid Architects, London
Lichtplanung: Schlotfeldt Licht, Hamburg
Zeitraum: 2006 – 2015
Fläche: 625 Quadratmeter

Wettbewerbsübersicht März 2019 (2/2)

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Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen monatlich über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse.

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Im Zentrum des geplanten Bildungs- und Gesundheitscampus auf dem ehemaligen Kasernengelände Linsingen soll ein Quartierspark entstehen. Das Planungsbüro hutterreimann Landschaftsarchitektur entwickelt den Park als quartiersverbindendes Element, das die Barriere der bisher abgeschlossenen Kaserne durchkreuzt. Dafür spannen die Planer ein Wegenetz auf und verknüpfen den Park über fünf „Ankerplätze“ an den Eingängen mit den angrenzenden Quartieren und dem Bildungscampus. Das Wegenetz teilt die Parkfläche in vier Grünflächen auf. In der formalen Ausgestaltung zwar ähnlich, weisen sie jeweils einen eigenständigen Charakter auf: Die „Arena“ im Nordwesten nimmt die Topographie des alten Exerzierplatzes auf und bietet sportliche Intensivflächen für Skaten, Streetball, Rollsport und Calisthenics. Extensivere Parkbereiche bilden im Süden die „feuchte Senke“, mit ihrer Retentionsmulde, die freie Wiese als offene Spielfläche, sowie das Wäldchen als Rückzugsort für Naturerlebnis und Rodelfläche im Winter.

 

Regenpromenade und –brücke Mitterdorf in Roding, 1. Preis DKFS Architects, London mit Lex Kerfers Landschaftsarchitekten und Stadtplaner, Bockhorn

impuls Landschaftsarchitektur überzeugte mit einer reduzierten, aber sehr differenzierten und zukunftsorientierten Entwurfsidee, die Ort und Historie berücksichtigt. Der Entwurf arbeitet den Platz als großes zusammenführendes Zentrum heraus. Das Rathaus rückt so in den Mittelpunkt und erhält als raumstarkes Gegenüber das Baumpaket der bestehenden Platanen. Südlich des Rathauses ergänzen zwei weitere Hochstämme die bestehende Platane zu einem Platanendach. Die beiden Baumdächer im Süden und Norden erhalten einen Formschnitt und bieten jeweils kompakte schattenspendende Aufenthaltsbereiche. Eine Reihenpflasterung aus Kleinstein fasst den Platz bis zu seinen Rändern. Der Innenbereich des Platzes hebt sich mit gesägter Oberfläche als Intarsie hervor. Sie nimmt die Fluchten des Rathauses auf und betont die zentrale Stellung des Gebäudes. Parallel der umfassenden Gebäudekanten verlaufen flache Entwässerungsrinnen aus Naturstein. Sie rahmen die Platzfläche zusätzlich, und ermöglichen, den Platz nahezu barrierefrei an die Gebäude anzubinden.

 

Die Stadt Roding will den Uferbereich des Regens im gegenüberliegenden Ortsteil Mitterdorf hochwassergerecht gestalten, sowie eine eigenständige Fuß- und Radwegeverbindung über den Regen schaffen. So wenig Gebautes und Befestigtes wie nötig, und so viel Grün wie möglich, lautet die Zielsetzung des Siegerteams aus DKFS Architects und Lex Kerfers Landschaftsarchitekten. Nicht das Design der Schutzanlagen, sondern deren Integration in die Naturlandschaft steht im Vordergrund. Die Brücke präsentiert sich skulptural anspruchsvoll, fügt sich aber zugleich unaufdringlich in die Landschaft ein. Die Hochwasserschutzmauer verläuft geschwungen, mit vorgelagerten Beetflächen und gliedernden Sitznischen. Die Uferpromenade führt relativ nah am Wasserspiegel entlang und bleibt frei von Einbauten. Die Öffnungen zum Uferraum lassen sich im Hochwasserfall schließen. Die Durchgänge bilden wie die Brücke inszenierte Ausblicke auf die Flusslandschaft und sind über Stufen oder Rampen an die Uferpromenade angebunden.