Unwettergefahr durch extreme Hitze: Klimawandel verstärkt Stürme, Überschwemmungen und Wetterextreme weltweit. Image by Gundula Vogel from Pixabay
Unwettergefahr durch extreme Hitze: Klimawandel verstärkt Stürme, Überschwemmungen und Wetterextreme weltweit. Image by Gundula Vogel from Pixabay

In den letzten Jahren haben extreme Hitzewellen in vielen Teilen der Welt nicht nur neue Temperaturrekorde aufgestellt, sondern auch eine Reihe von Kettenreaktionen ausgelöst, die zu verheerenden Unwettern führen. Die wissenschaftliche Forschung zeigt immer klarer, dass der Klimawandel eine zentrale Rolle bei der Intensivierung von Hitzewellen spielt und diese wiederum das Risiko für eine Vielzahl von Naturkatastrophen – von Sturzfluten über Waldbrände bis hin zu schweren Stürmen – erhöhen. 

Wie Hitze Unwetter antreibt

Der Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe hat zu einem dramatischen Anstieg der CO₂-Konzentration in der Atmosphäre geführt, die seit Beginn der Industrialisierung um rund 50 % gestiegen ist. Diese erhöhte CO₂-Konzentration wirkt wie ein „Wärmemantel“, der die Erde aufheizt und Wettermuster destabilisiert. Die folgenden physikalischen Prozesse erklären, wie extreme Hitze Unwetter begünstigt:

  • Erhöhte Verdunstung und Feuchtigkeitsaufnahme
    Pro 1°C Temperaturerhöhung kann die Luft 7 % mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Diese erhöhte Feuchtigkeit in der Atmosphäre ist ein wesentlicher Faktor für extreme Niederschläge, insbesondere wenn feuchte Luftmassen auf kühlere Regionen treffen und kondensieren. Diese Prozesse führen zu intensiven Regenfällen, die in vielen Fällen in Überschwemmungen und Sturzfluten enden.
  • Lang anhaltende Hochdruckgebiete und Trockenheit
    Hitzewellen entstehen häufig unter stationären Hochdruckzonen, die auch als „Blocking-Lagen“ bezeichnet werden. Diese stabilen Wetterlagen begünstigen eine längere Phase von Trockenheit und intensiver Sonneneinstrahlung. Der Boden trocknet aus und verliert die Fähigkeit, den fallenden Regen zu absorbieren, was Überschwemmungen noch verschärfen kann, wenn heftige Niederschläge folgen.
  • Energiereichere Atmosphäre und stärkere Stürme
    Höhere Temperaturen führen zu einer stärkeren thermischen Energie in der Atmosphäre. Diese überschüssige Energie ist ein Katalysator für die Entstehung von Gewittern und Stürmen. Die größere Energiezufuhr in die Atmosphäre sorgt für eine verstärkte Konvektion, was die Intensität von Stürmen und Gewittern deutlich steigern kann.

Laut dem „Intergovernmental Panel on Climate Change“ (IPCC) haben sich Hitzewellen seit 1950 weltweit verdoppelt, und ihre Dauer hat um 45 % zugenommen. Eine besonders dramatische Zunahme der Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen wurde auch im Jahr 2024 festgestellt, als die Juni-Hitzewelle in Nordamerika durch den Klimawandel um den Faktor 35 wahrscheinlicher wurde.

Von extremer Hitze zu katastrophalen Unwettern

Auslöser Folgeereignis Beispiel
Lang anhaltende Trockenheit Waldbrände Kanada 2023: 7,8 Millionen Hektar verbrannt
Bodenverdichtung Sturzfluten Pakistan 2022: 1.700 Tote nach Monsunregen
Warme Meeresoberflächen Tropenstürme Hurrikan „Ida“ 2024: Rekordregenfälle und katastrophale Überschwemmungen

Ein besonders gefährlicher Feedback-Mechanismus besteht darin, dass Waldbrände gigantische Mengen CO₂ freisetzen, das die Atmosphäre weiter aufheizt und zukünftige Hitzewellen noch intensiver werden lässt. Im Jahr 2023 wurden allein in Kanada durch Waldbrände etwa 3 Milliarden Tonnen CO₂ freigesetzt.

Drei Säulen der Resilienz gegen Unwetter

Um den Auswirkungen von extremen Unwettern entgegenzuwirken, müssen langfristige Strategien entwickelt werden. Diese können auf technologische Innovationen, urbane Anpassungen und individuelle Vorsorge abzielen. Die folgenden Lösungsansätze bieten konkrete Maßnahmen zur Schadensminimierung:

  1. Technologische Innovationen
  • Präzise Wettervorhersagen: Fortschritte in der Wettervorhersage-Technologie, insbesondere durch den Einsatz von Machine Learning und Echtzeitdaten aus Satelliten wie dem NASA Earth System Observatory, ermöglichen genauere Prognosen von Unwettern. Diese Technologien können die Vorhersagegenauigkeit um bis zu 48 Stunden verbessern, was den lokalen Behörden hilft, frühzeitig Evakuierungen und andere Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
  • Smart Grids: Dezentrale Energienetze, die durch Speicherbatterien ergänzt werden, helfen, Stromausfälle während der Hitzespitzen zu vermeiden. Diese sogenannten „Smart Grids“ ermöglichen eine stabilere Energieversorgung in Krisenzeiten und verringern die Wahrscheinlichkeit von Blackouts.
  1. Stadtplanung der Zukunft
  • Schwammstädte: Städte wie Shanghai investieren große Summen in Schwammstädte, die durch innovative Straßenbeläge und Dachgärten überschüssiges Regenwasser absorbieren können. Diese Technologien sind in der Lage, bis zu 30 Liter Wasser pro Quadratmeter zu speichern und so die Überschwemmungsgefahr zu verringern.
  • Bekämpfung von Hitzeinseln: In Städten wie Melbourne wurde der „Grüne Städte“-Ansatz verfolgt, indem über 3.000 Bäume entlang von Straßen gepflanzt wurden. Diese Maßnahmen senkten die Oberflächentemperaturen um bis zu 4°C und reduzierten so das Risiko von Hitzewellen und urbanen Hitzeinseln.
  1. Individuelle Vorsorge
  • Notfall-Kits: Um die eigene Resilienz zu stärken, sollten private Haushalte Notfall-Kits bereithalten, die auf die 72-Stunden-Regel zugeschnitten sind. Diese Kits enthalten Wasser, Medikamente, Solarladegeräte und andere lebenswichtige Güter, die in Krisenzeiten von großer Bedeutung sind.
  • Gebäudesanierung: Der Einsatz von speziellen Putzen mit Phase-Change-Materialien (PCM), die Wärme speichern und bei Bedarf abgeben, kann helfen, die Innentemperaturen in Gebäuden zu regulieren und den Kühlbedarf um bis zu 40 % zu senken.

Hebel für einen Systemwandel

Neben den technologischen und städtischen Maßnahmen spielen auch politische und wirtschaftliche Ansätze eine entscheidende Rolle im Kampf gegen die Auswirkungen extremer Unwetter. Verschiedene Maßnahmen, die weltweit umgesetzt werden, zeigen bereits Wirkung:

  • CO₂-Bepreisung: Länder wie die Schweiz haben mit einer progressiven CO₂-Steuer Erfolge erzielt. Aktuell liegt der Preis bei 120 CHF pro Tonne CO₂, was zu einer Reduktion der CO₂-Emissionen um etwa 11 % geführt hat.
  • Versicherungsmodelle: Unternehmen wie die Allianz entwickeln Versicherungsmodelle, die für den Bau hitzeresistenter Gebäude Prämiensenkungen anbieten. Diese Modelle fördern nachhaltige Bauweisen und tragen zur Minimierung von Schäden durch extreme Wetterereignisse bei.
  • Internationale Zusammenarbeit: Das EU-Frühwarnsystem EUMETNET hat sich seit seiner Einführung im Jahr 2024 als äußerst effektiv erwiesen. Durch die Zusammenarbeit von 34 Wetterdiensten konnte die Zeit für Evakuierungen in Krisengebieten um die Hälfte verkürzt werden.

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Die Physik ist eindeutig: Jede Tonne CO₂, die heute emittiert wird, wird jahrhundertelang zur Intensivierung von Extremwetterereignissen beitragen. Doch es gibt Hoffnung – die Lösungen existieren bereits. Der Schlüssel liegt in der radikalen Innovation und einer globalen Solidarität, um die notwendigen Veränderungen zu beschleunigen. Städte wie Kopenhagen zeigen, dass eine klimaneutrale Infrastruktur bis 2035 realisierbar ist. Die Herausforderung besteht darin, Technologie, politisches Handeln und individuelles Engagement zu kombinieren, um Unwetter und deren katastrophale Folgen in den Griff zu bekommen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit – aber der Weg zu einer resilienteren Zukunft ist möglich.

 

Mehr zum Thema und unserer Kampagne BEAT THE HEAT  hier

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Eine crossmediale Ausstellung im Besucherzentrum der IGA Berlin ergänzt den Gartenschau-Tag mit kurzweiligen Informationen.

“Please think!” Diese sehr deutliche Botschaft des Landschaftsarchitekten Tom Stuart-Smith (Großbritannien) macht sich auch die Ausstellung im Besucherzentrum der IGA zu eigen, in der die Dokumentation über dessen „Landscape out of nothing“ zu sehen ist. Im Video spricht der Gestalter eines der Gartenkabinette der IGA über seine Ansprüche und die Rolle der Besucher.

Eine crossmediale Ausstellungsskulptur ermöglicht es jedem IGA-Besucher, einen individuellen Parcours zu den historischen und kreativen Entstehungsprozessen der Gärten – von der 1987 eröffneten Berliner Gartenschau bis zur IGA 2017 – zu gestalten. Organisiert auf drei Ebenen, ergänzt diese Skulptur für Groß und Klein das, was man beim IGA-Besuch gesehen hat.

Videos, Fotos, Memotafeln und Originalobjekte dokumentieren den gestalterischen Ansatz, die Entwicklung der gesamten Anlage und auch die Kunst auf der IGA. Gelungen ist die Mischung unterschiedlicher Ausstellungsformen wie zum Beispiel das Video zum chinesischen Mondfest (wieder am 23. September 2017 auf der IGA), die japanischen Bauarbeiterschuhe, das Modell zum „Los Angeles Garden“ des deutschen Künstlers Martin Kaltwasser oder die Künstler- und Planerprofile. Erläuterungen zu religiös und kulturell bedingten Symbolen, die in den Gärten zu finden sind, ergänzen alles gekonnt.

Aus dieser Interaktion ist eine Ausstellung entstanden, die es schafft, Landschaftsarchitektur auf einfache, verständliche Weise und zugleich feinsinnig zu vermitteln. Sie wurde sehr kurzweilig sowohl graphisch als auch inhaltlich von der Berliner Agentur Moniteurs in Zusammenarbeit mit der Berliner Landschaftsarchitektin und Filmemacherin Susanne Isabel Yacoub aufbereitet. Diese Form der Präsentation ist nachahmenswert, bedenkt man die langjährigen Anstrengungen, eine breite Öffentlichkeit für die Profession zu erreichen.

Bedauerlich ist, dass diese kleine, sehr gelungene Ausstellung im Besucherzentrum in unmittelbarer Nachbarschaft zu den kommerziellen Angeboten der IGA ihre Wirkung nicht angemessen entfalten kann, trotz Frontverglasung, die zeitgleich den Ausblick in den Park ermöglicht.

Dr. Isabel Zintl und Dr. Katharina Voigt sind die Gründerinnen und Leiterinnen der Akademie für Raum und Wandel. © Frédéric Henry, 2024

Dr. Isabel Zintl und Dr. Katharina Voigt streben einen Wandel in der Planungspraxis an. Um diesen voranzutreiben, haben die beiden Frauen Anfang des Jahres die Akademie für Raum und Wandel gegründet. Mehr zu den Hintergründen und ihren Visionen für die Zukunft, lesen Sie hier. 

„Aktuell stehen wir vor großen globalen Herausforderungen: Themen der Bauwende sowie gesellschaftliche Veränderungen stellen drängende Fragen für unsere Zukunft und fordern ein verändertes Welt- und Selbstverständnis“, sind sich Dr. Isabel Zintl und Dr. Katharina Voigt einig. Zintl ist studierte Landschaftsarchitektin und Architektin, promovierte zu ‚Vertikalen Freiräumen‘ und arbeitet heute als Nachhaltigkeitsexpertin für strategische Stadt- und Freiraumentwicklung und als Mentorin. Voigt ist Architektin, Choreografin für zeitgenössischen Tanz und beschäftigte sich in ihrer Promotion mit dem Thema ‚Impulse und Dialoge zwischen Architektur und Körper’. Aus dem Bedürfnis, Wandel in der Planungsbranche aktiv zu gestalten, gründeten sie Anfang 2024 die Akademie für Raum und Wandel, die mit dem Herbstprogramm ab September in ihre erste Saison startet. Dabei kollaborieren sie mit einer Vielzahl an Dozent*innen, die in diesem neuen Kontext des Lernens und der Veränderung ihre Expertise teilen.

Zeit für einen Paradigmenwechsel

Trotz ihres starken akademischen Hintergrunds siedeln Zintl und Voigt ihre Plattform jenseits des klassischen Hochschulkontextes an. Dies resultiert laut Voigt aus der Erkenntnis, dass lebenslanges Lernen auch in späteren Lebensphasen essenziell, die Angebote zur Weiterbildung jedoch oft begrenzt und stark getrennt zwischen persönlicher, gesellschaftlicher und beruflicher Entwicklung seien. Im Bewusstsein dieses Defizits machen sich Voigt und Zintl für neue Lehr- und Lernformen, Möglichkeiten der Vernetzung, Austausch auf Augenhöhe und das Eröffnen neuer Themenfelder für die Planungsdisziplinen stark. Die Vision der Akademie für Raum und Wandel ist dabei klar: „Es geht uns um nicht weniger, als um einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Planungspraxis, der Auffassung von Raum und Wandel und dem Gestalten einer wirklich nachhaltigen gebauten Lebenswelt.“

Bei den Summerschools in der Fonte della Luna in Ligurien wird im Garten mit angepackt. © Carolin Kemkes-Günner
Bei den Summerschools in der Fonte della Luna in Ligurien wird im Garten mit angepackt. © Carolin Kemkes-Günner

Nachhaltigkeit in allen Bereichen

Für Zintl resultiert dieser ganzheitliche Ansatz auch aus ihrer jahrelangen Erfahrung als Mutter und Frau in der Baubranche: „Aus meiner Sicht, kann die notwenige »Bauwende« nicht heißen weniger abzureißen und zu betonieren, es geht auch darum zu erkennen, wie wir als Planer:innen arbeiten und leben. Denn wirkliche Nachhaltigkeit betrachtet alle Bereiche, denn auch die eigene Arbeitskraft sollte nachhaltig eingesetzt werden.“ Es sei zu beobachten, dass viele Menschen – vor allem Frauen und Mütter – wegen der Unvereinbarkeit von Privatleben und Beruf die Planungspraxis verließen. Zu viel Stress, Burnout, schlechte Bezahlung oder veraltete Machtstrukturen in den Büros seien einerseits Gründe, aus dem Beruf auszuscheiden. Doch auch moralische Fragen nach der Nachhaltigkeit der eigenen Arbeit beschäftigten heute vermehrt Arbeitnehmer*innen.

Die Akademie fördert den Austausch im digitalen und physischen Raum und will Personen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenbringen.  © Dr. Isabel Zintl
Die Akademie fördert den Austausch im digitalen und physischen Raum und will Personen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenbringen. © Dr. Isabel Zintl

Akademie für Raum und Wandel im digitalen und physischen Raum

In der Aushandlung dieser Herausforderungen und Widersprüche setzt das Angebot der Akademie an. Dabei stehen drei Felder im Mittelpunkt, in denen Zintl und Voigt einen Paradigmenwechsel anstreben: Systeme ganzheitlich statt als Einzellösungen zu betrachten, das Verständnis von Raum und Wandel zu erneuern und das Selbstverständnis von Planer*innen zu hinterfragen. Denn Person und berufliches Wirken sind für Zintl und Voigt eng verzahnt: „Wie kann man menschliche, lebenswerte und nachhaltige Räume planen, wenn diese Absicht und Regel für einen selbst nicht gilt?“

Die Akademie für Raum und Wandel will deshalb vieles anders machen und neu denken. Derzeit passierten der Austausch und die Vermittlung vor allem in Form von Workshops, Seminaren und Ausbildungen als niederschwellige Online-Angebote. Eingeladen sind alle Altersgruppen und Berufssparten der Planungspraxis, entscheidend seien Interesse, nicht eine bestimmte Vorbildung. Auch die Hintergründe der Dozent:innen sind divers. Neben dem digitalen Programm, liegt ein weiterer Fokus auf Summerschools an der Fonte della Luna in der Nähe von Genua.

Die Resonanz auf das Projekt sei schon jetzt groß. Für die Zukunft wünschen sich die Gründerinnen „dass immer mehr Teilnehmer:innen die Einladung annehmen, die Akademie für Raum und Wandel als einen neuartigen Ort  des Lernens und der Veränderung für sich nutzen und nachhaltig Neues schaffen – in der Welt und im eigenen Leben.“

Alle Informationen zur Akademie für Raum und Wandel, zum aktuellen Programm und zur Mitwirkung finden Sie hier.

Weiterlesen: Latz + Partner gestaltete die Freianlagen des Dombergs in Freising neu. Was das Projekt auszeichnet, erklären Iris Dupper und Tilman Latz im Interview.