Urban Heat Lab: Innovative Forschung für die klimaresiliente Stadt

Vertikale Begrünung als Teil des Urban Heat Lab: Effektive Maßnahme zur Kühlung von Gebäudefassaden und Verbesserung des Mikroklimas in der Stadt. Foto von Nate St. George auf Unsplash
Vertikale Begrünung als Teil des Urban Heat Lab: Effektive Maßnahme zur Kühlung von Gebäudefassaden und Verbesserung des Mikroklimas in der Stadt. Foto von Nate St. George auf Unsplash

Städte stehen im Zeitalter des Klimawandels vor einer ihrer größten Herausforderungen: Immer häufigere und intensivere Hitzewellen gefährden Gesundheit, Lebensqualität und Infrastruktur. Das Urban Heat Lab ist ein ambitioniertes Forschungsfeld, das sich dieser Problematik mit innovativen Ansätzen stellt. Ziel ist es, nachhaltige, praxisnahe Lösungen für die urbane Hitzevorsorge zu entwickeln und die Ergebnisse direkt in die kommunale Klimapolitik zu integrieren.

Was ist das Urban Heat Lab?

Das Urban Heat Lab ist ein vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) initiiertes Forschungsfeld. Im Rahmen von neun kommunalen Modellvorhaben werden bis 2027 ganzheitliche Konzepte für die Hitzevorsorge in dicht bebauten und gemischt genutzten Stadtquartieren erprobt. Jedes Modellvorhaben erhält eine Förderung von 120.000 Euro, um innovative und übertragbare Lösungen zu entwickeln.

Ansätze: Ganzheitlich, innovativ und praxisnah

Das Urban Heat Lab verfolgt einen breit angelegten Ansatz, der sowohl bauliche und städtebauliche als auch naturbasierte Maßnahmen umfasst. Im Mittelpunkt stehen:

  • Gebäude und Grundstücke: Anpassung von Bausubstanz und Freiflächen, etwa durch Begrünung, Verschattung oder kühlende Fassaden.

  • Öffentliche Räume: Schaffung von Aufenthaltsorten mit Verdunstungskühlung („Cooling Points“), Nutzung von Regenwasser zur Bewässerung und Kühlung, Entwicklung von Schwammstadt-Prinzipien.

  • Digitale Werkzeuge: Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zur Identifikation von Hitze-Hotspots und Entwicklung webbasierter Tools zum Monitoring und Controlling von Klimaanpassungsmaßnahmen.

  • Soziale Innovation: Beteiligung der Stadtgesellschaft, Aktivierung privater Akteure und Stärkung des sozialen Zusammenhalts in den Quartieren.

Ein zentrales Auswahlkriterium für die Modellvorhaben war der Innovationsgehalt der Maßnahmen sowie die ämterübergreifende Zusammenarbeit und Kooperation mit der Wohnungswirtschaft und privaten Eigentümer*innen.

Die Modellprojekte im Überblick

Die neun ausgewählten Städte und Quartiere stehen exemplarisch für die Vielfalt urbaner Herausforderungen und Lösungswege:

  • Berlin-Lichtenberg: KI-gestützte Identifikation von Hitze-Hotspots und Ad-hoc-Maßnahmen der Hitzevorsorge.

  • Berlin-Neukölln: Reallabor in der High-Deck-Siedlung, Entwicklung von Verschattungs- und Kühlungsmaßnahmen gemeinsam mit den Bewohner*innen.

  • Berlin-Pankow: Aufbau von „Cooling Points“ im Mauerpark, um die Hitzebelastung durch Verdunstungskühlung zu senken.

  • Essen: Großes Sanierungsvorhaben zur Steigerung der Hitzeresilienz im Quartier, inklusive webbasiertem Geoinformationssystem zur Bündelung von Maßnahmen.

  • Hagen: Strategien zur Hitzereduktion im hoch verdichteten Bahnhofsviertel, Verknüpfung mit städtebaulicher Sanierung.

  • Halle (Saale): Entwicklung modellierbarer Maßnahmen zur Vermeidung von Hitzeinseln in der Innenstadt, Übertragbarkeit auf andere Kommunen.

  • Mainz: Entwicklung eines webbasierten Tools für Monitoring und Kommunikation von Anpassungsmaßnahmen.

  • Potsdam: Erprobung klimaangepasster Quartiersentwicklung im sozial herausgeforderten Kietz Schlaatz.

  • Rheine: Innovative Planungsstrategie und Monitoring für ein Schwammstadtquartier auf einem ehemaligen Kasernengelände.

Forschungsergebnisse: Neue Wege für die urbane Hitzevorsorge

Die ersten Ergebnisse aus den Urban Heat Labs zeigen, dass eine Kombination aus technischen, naturbasierten und sozialen Maßnahmen besonders wirksam ist:

  • KI und Digitalisierung: Der Einsatz von KI ermöglicht eine präzise Erfassung von Hitze-Hotspots und die Entwicklung maßgeschneiderter, schnell umsetzbarer Maßnahmen.

  • Naturbasierte Lösungen: Begrünte Dächer, Fassaden und öffentliche Flächen verringern die Oberflächentemperaturen messbar und verbessern das Mikroklima in den Quartieren.

  • Partizipation: Die Einbindung der Bevölkerung führt zu höherer Akzeptanz und Wirksamkeit der Maßnahmen, wie das Reallabor in Berlin-Neukölln eindrucksvoll belegt.

  • Monitoring und Steuerung: Digitale Tools wie das Mainzer Monitoring-System ermöglichen eine kontinuierliche Erfolgskontrolle und flexible Anpassung der Maßnahmen an neue Herausforderungen.

Diese Erkenntnisse werden durch wissenschaftliche Begleitung und regelmäßige Fachgespräche, Kongresse und den Austausch zwischen den Kommunen kontinuierlich weiterentwickelt und verbreitet.

Einfluss auf die urbane Klimapolitik

Die Urban Heat Labs setzen wichtige Impulse für die Klimapolitik in deutschen Städten:

  • Politische Agenda: Die Forschungsergebnisse fließen direkt in die Entwicklung und Fortschreibung kommunaler Klimaanpassungsstrategien ein.

  • Übertragbarkeit: Die Vielfalt der Modellprojekte zeigt, dass Lösungen flexibel an lokale Gegebenheiten angepasst werden können. Erfolgreiche Maßnahmen werden als „Best Practices“ bundesweit kommuniziert und adaptiert.

  • Vernetzung: Die Urban Heat Labs fördern die ämterübergreifende Zusammenarbeit in den Kommunen und stärken die Kooperation mit externen Akteuren wie Wohnungswirtschaft, Stadtgesellschaft und Wissenschaft.

  • Förderprogramme: Die Erkenntnisse dienen als Grundlage für zukünftige Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene zur urbanen Klimaanpassung.

Urban Heat Lab als Motor für die klimaresiliente Stadt

Das Urban Heat Lab ist mehr als ein Forschungsprojekt – es ist ein Reallabor für die Stadt der Zukunft. Mit innovativen, ganzheitlichen Ansätzen und der konsequenten Einbindung von Wissenschaft, Verwaltung und Stadtgesellschaft entstehen Lösungen, die den urbanen Raum widerstandsfähig gegen die Folgen des Klimawandels machen. Die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen prägen bereits heute die Klimapolitik vieler Städte und werden künftig bundesweit Maßstäbe für eine nachhaltige, lebenswerte Stadtentwicklung setzen.

Das Urban Heat Lab steht damit sinnbildlich für eine neue Generation der Stadtforschung: praxisorientiert, kooperativ und zukunftsweisend – für Städte, die auch in heißen Zeiten lebenswert bleiben.

 

Mehr zu Beat the Heat erfahren Sie hier.

 

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Öffentlicher Raum: Symposium “RAUMaufZEIT”

In den vergangenen zehn Jahren ist in Praxis, Forschung und Lehre eine Konjunktur des Vorübergehenden zu verzeichnen. Temporäre Zwischennutzungen im Stadtraum, ephemere Stadtentwicklung, das scheinbar Ungeplante, das Experimentelle, Formen des Informellen, Provisorischen, performativer Urbanismus, selfmade city, urban gardening, Mikroplanung, hands-on- und handmade urbanism sind nur einige Stichworte, die diesen Trend beschreiben. Gelegentlich sind daher gewisse Ermüdungserscheinungen zu vernehmen, verbunden mit der Frage, ob sich das Thema nicht langsam abgearbeitet habe, da es zum allgemeinen fachlichen Wissens- und Planungskanon geworden ist. Dass dies nicht so ist, hat das Symposium RAUMaufZEIT bewiesen, das am 19. September an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter stattfand. Initiiert wurde diese Tagung von Ulrich Berding, Florian Kluge und Willem-Jan Beeren, die sich seit langem mit öffentlichen Räumen beschäftigen. Ein immer wiederkehrendes Arbeitsprinzip war dabei die temporäre Intervention. Projekte und Denkweise haben sie in dem Buch „RAUMaufZEIT. Temporäre Interventionen im öffentlichen Raum“ in den Bänden 1 und 2 dokumentiert.

Mehr Information zum Projekt “kistenweise”: www.raumaufzeit.eu/kistenweise

 

Das Symposium RAUMaufZEIT sollte nun einen Schritt weitergehen. Gemeinsam wollten sie ihre Arbeit in einem Expertenkreis reflektieren und weiterentwickeln. Mittel- und langfristig soll über mehrere Schritte ein Expertennetzwerk aufgebaut werden, das sich in losem Verbund interdisziplinär austauscht, Projekte initiiert und weitere gemeinsame Symposien veranstaltet.

Eingeladen waren Experten aus diversen Disziplinen: Architekten, Stadtplaner, Landschaftsarchitekten, Kulturtheoretiker, Kuratoren, Bildungs- und Kunstwissenschaftler waren ebenso vertreten wie eine Reihe von (Aktions-) Künstlern, Filmemachern und Aktivisten partizipativer Kunst. Der Begriff RAUMaufZEIT spielt mit dem Moment des Augenblicks nicht nur als Beschreibung einer kurzen Zeitspanne, sondern immer in ihrer Wechselbeziehung mit Räumen. Insofern ist er klar umrissen, lässt zugleich aber genügend Spielraum für unterschiedliche Anwendungen und Erklärungsmuster. Genau dies spiegelte auch die Bandbreite der Zugänge wider, theoretisch-wissenschaftlich und praktisch-künstlerisch. Um dieses heterogene Spektrum unter einen Hut zu bekommen, wählten die Initiatoren probate Kommunikationsmittel: Zunächst stellten sich die beteiligten Experten mit einem Kurzvortrag im Pecha-Kucha-Modus (5 Minuten, 10 Folien im 30-Sekunden-Rhythmus) vor. Diese Methode stellte sich als sehr fruchtbar heraus, um die Polyphonie des Themas, seiner Methoden, Praktiken, Ziele und Fachsprachen zu verdeutlichen. Am Nachmittag stand dann die gemeinsame Arbeit im Vordergrund. In drei Gesprächsrunden im World-Café-Modus mit den Schwerpunkten „Projekte“, „Formate“ und „Forschung“ wurden gemeinsame Ansätze, Themen und Fragen identifiziert, diskutiert und weiterentwickelt.

Mehr Information zum Projekt “Spacemaker”: www.raumaufzeit.eu/spacemaker

 

Das Symposium zeigte, dass das Thema nicht aus der Mode kommt, sondern einer weiteren Beschäftigung bedarf: Anstehende Aufgaben sind die Qualifizierung, Differenzierung und Auseinandersetzung mit Interventionen als methodisches Handwerkszeug in Forschung und Planung (jenseits einer Festivalisierung öffentlicher Räume) sowie eine weitere theoretische Durchdringung. Der dritte Band der RAUMaufZEIT-Reihe wird die Expertenbeiträge unter dem Titel „Reflektionen – Positionen  – Haltungen“ publizieren. Ein guter Anfang, um weitere Prozesse anzuschieben. Weitere Informationen: www.raumaufzeit.eu

Weitere Wettbewerbsergebnisse im November 2020

Stadtpark auf ehemaliger Deponie, Rostock; 1. Preis RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Köln

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen monatlich über die spannendsten Wettbewerbe. Hier die Wettbewerbsergebnisse im November 2020 – Teil 2.

Neugestaltung Brüder-Grimm-Platz, Kassel; 1. Preis club L94, Köln, mit Röver Ingenieurgesellschaft mbH, Gütersloh

Rostock wandelt eine ehemalige Deponie zum Stadtpark um und schafft damit eine multifunktionale Grün- und Veranstaltungsfläche für die BUGA 2025. Der Siegerentwurf von RMP Stephan Lenzen sieht ein zentrales Freizeitplateau vor, mit sportlichen und spielerischen Aktivangeboten. Richtung Warnowufer fällt das Gelände in Terrassen und gibt den Blick frei zur gegenüberliegenden Altstadt. Die nutzungsintensive Mitte bettet sich in einen extensiv gestalteten Landschaftspark, der sogenannten Parkschale.

Radiale Wege führen von der Mitte nach außen und schließen an mehrere Rundwege an, die sich schneiden und teils deckungsgleich verlaufen: Sport- und Panoramaloop grenzen direkt ans Freizeitplateau, nach außen folgen Deponieloop und Warnowrundweg. Letzterer weitet sich entlang des Ufers zu einem Freizeitband und erhält am Ufer ein besonderes Raumerlebnis durch eine Steganlage, die über Wasser und Schilfgürtel leitet. Der Deponieloop zeichnet die alten Raumkanten der früheren Deponie nach. Ein Hochpunkt und Merkzeichen des zentralen Freizeitplateaus bildet der Klimaleuchtturm, eine Spiel- und Aussichtsskulptur, die sich in ihrer zusätzlichen Funktion als Informationsterminal in das Umweltkonzept des Parks eingliedert.

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Lebensader LUX in Hürth; 1. Preis RSP Freiraum GmbH, mit Bonk + Herrmann, beide Dresden

Der Brüder-Grimm-Platz hatte im Laufe seiner Geschichte bereits viele Namen, bislang erinnert nur ein Denkmal an das märchenerzählende Brüderpaar, das hier mal gelebt haben soll. Mit „Grimms Wald“ knüpft der Siegerentwurf des Teams aus Landschaftsarchitekten club L94 und Verkehrsplanern Röver direkt an die Epik an, schafft aber dennoch einen zeitgenössischen Kontext. Mit einer kompakten Pflanzmitte aus Waldstauden, Farnen und Waldbäumen vermittelt der Entwurf spielerisch aber dennoch klar die starke Assoziation eines Märchenwaldes. Zusätzlich überrascht er mit der bepflanzten Kreisform – ein Rückgriff auf die frühere Platzgestalt vor über 100 Jahren, ein mit Bäumen gesäumtes Rondell. Gemeinsam mit der pentagonförmigen Platzkante entsteht so eine spannungsvolle Platzdynamik mit großzügigen Vorbereichen für die historischen Randbauten. Der Verkehrsraum zerschneidet zwar das Rund, wird in seiner Dimensionierung aber von den Planern stark reduziert.

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Im Wettbewerb zur Neugliederung der zentralen Luxemburger Straße in Hürth überzeugte der Siegerentwurf mit einer sehr eigenständigen Haltung, so die Jury. Die Straßenachse verschiebt sich nach Westen und ermöglicht dadurch entlang der Ostseite einen breiten baumbestandenen und partiell entsiegelten Boulevard. Eine Abfolge kleiner Gartenkabinette bietet abwechslungsreiche Aufenthaltsräume, die Entsiegelung und Bepflanzung stärkt die stadtklimatischen Zielsetzungen zur Hitzereduzierung. Zwei größere Platzräume und zahlreiche Querungen rhythmisieren und durchbrechen den streng linearen Straßenraum. An der Ostseite reduziert sich der eigentliche Verkehrsraum auf den erforderlichen Regelquerschnitt, mit zwei Meter schmalen Parkstreifen und zwei Fahrspuren von je 2,50 Metern Breite. Die Verfasser empfehlen die Ausweisung als Fahrradstraße, nur im Begegnungsfall von Stadtbussen wird der Querschnitt von 6,50 Meter ermöglicht. Die Leitungstrasse konzentriert sich auf den Fahrbereich des Straßenraums und den Querungen; Boulevard und Gartenkabinette bleiben dagegen trassenfrei.

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