Urban Mining – Die neue G+L im Juli 2026!

Foto: waiheng_tobi via Unsplash

Besonders beim Ausmisten merkt man, wie absurd unser Verhältnis zu Dingen geworden ist. Da steht ein Tisch, der noch Jahrzehnte halten könnte, aber weder will man ihn selbst noch nutzen noch will ihn jemand abholen. Nicht mal kostenfrei. Eine Lampe funktioniert, ein Kinderwagen rollt. Trotzdem werden sie zur Last. Zu schade für den Sperrmüll. Zu wertlos, um sie weiterzuverkaufen. Die einfache Lösung: Ab in die Verschenken-Box vor die Haustür. Problem gelöst, Gewissen beruhigt. Dieses Vorgehen war in den letzten Jahrzehnten so beliebt, dass Berlin im Sommer 2025 neue Bußgelder für das „illegale Entsorgen von Müll“ festsetze.  

Stadt als Vorrat

Feststeht: Wert kippt nicht, weil ein Gegenstand kaputt ist. Wert kippt, weil unser System keine Geduld mit Dingen hat. Diese Logik prägt auch den Umgang mit Häusern und Baustoffen. Deutschland produzierte laut Umweltbundesamt 2023 rund 198,8 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle. Während Europa über Rohstoffsicherheit und Klimaziele redet. Man muss diese Gleichzeitigkeit aushalten: Wir suchen Material am anderen Ende der Welt und übersehen, was längst vor unseren Füßen liegt. 

Urban Mining setzt an diesem Widerspruch an. Der Begriff klingt nach Werkzeugkasten und Staub. Doch er verlangt mehr als bessere Sortieranlagen. Er zwingt uns, die Stadt als Vorrat zu lesen, bevor der Bagger Fakten schafft. Wir halten diesen Blick für richtig. Wer Bestand als Rohstofflager ernst nimmt, kann Abriss nicht mehr als beiläufigen Startpunkt behandeln. 

Diese Ausgabe der G+L zeigt, wie konkret das in Stadtplanung und Landschaftsarchitektur wird. In Heidelberg rückt das Patrick-Henry Village die Frage in den Maßstab eines ganzen Stadtteils. Die Grellgasse 3 in Wien zeigt, dass Wiederverwendung Entwurf verlangt, und nicht allein gute Absicht ist. Und im Gespräch mit Dirk Hebel vom KIT sprechen wir mit ihm über die Grenzen von Urban Mining, aber auch darüber, was Deutschland von Äthiopien lernen kann.   

Grüner Trostpreis

Und das ist auch dringend nötig. Der Circularity Gap Report 2025 beziffert den Anteil sekundärer Materialien an der globalen Wirtschaft auf 6,9 Prozent. Von Kreislaufwirtschaft sind wir weit entfernt. Die Linie dominiert, nur das Vokabular klingt besser. UNEP warnt im Global Resources Outlook 2024 vor weiter steigendem Rohstoffverbrauch. Wir können also weiter so tun, als lösten Technik und Moral das schon irgendwie. Oder wir fragen endlich, warum neu so oft einfacher, billiger und rechtlich sicherer ist als weiterverwenden. Urban Mining wird erst dann ernst, wenn es nicht als grüner Trostpreis für Abriss dient. Der beste Rohstoff bleibt der, den wir gar nicht erst ausbauen müssen. 

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In unserer Juniausgabe drehte sich alles um das Thema Quartiersentwicklung. Lesen Sie hier mehr davon.

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Co-Produktion in der Planung – wie echte Beteiligung gelingen kann

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Stadtstraße mit viel Verkehr und modernen Hochhäusern, aufgenommen von Bin White

Co-Produktion in der Planung? Klingt nach hehrem Anspruch und anstrengenden Sitzungen – doch richtig gemacht, ist sie der Schlüssel zu resilienten, lebendigen Städten, in denen Planen und Mitgestalten keine Gegensätze sind. Wer glaubt, Beteiligung sei nur Pflichtübung oder zeitraubendes Zusatzprogramm, verpasst die eigentliche Revolution: Echte Co-Produktion macht aus Bürgern, Experten und Verwaltungspartnern Akteure einer gemeinsamen Stadterzählung – und schafft Mehrwert, den kein Masterplan je allein liefern kann.

  • Definition und Geschichte der Co-Produktion in der Planung
  • Warum klassische Beteiligungsformate an ihre Grenzen stoßen
  • Wie echte Co-Produktion als Prozess und Haltung verstanden wird
  • Praktische Methoden und Ansätze für gelingende Co-Produktion
  • Rolle von Verwaltung, Planungsbüros, Zivilgesellschaft und Politik
  • Digitale Tools und hybride Formate: Chancen und Stolpersteine
  • Rechtliche, kulturelle und strukturelle Herausforderungen
  • Best-Practice-Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Risiken von Schein-Beteiligung, Beteiligungsmüdigkeit und Machtasymmetrien
  • Fazit: Warum Co-Produktion die Zukunft der Stadtplanung ist – und wie sie zum Erfolg wird

Co-Produktion: Von der Mitwirkung zur Mitgestaltung – eine Annäherung

Wenn in deutschen Städten das Wort „Beteiligung“ fällt, schwingt oft ein Hauch von Pflichtprogramm mit. Man lädt ein, man hört zu, man nimmt Anregungen auf – und macht am Ende doch, was der Plan vorgibt. Doch Co-Produktion in der Stadtplanung ist weit mehr als dieses klassische Verständnis von Beteiligung. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Sozialwissenschaft und beschreibt einen Prozess, bei dem Verwaltung, Experten und Bürger nicht nur gemeinsam diskutieren, sondern tatsächlich gemeinsam gestalten und Verantwortung übernehmen. Es ist ein Paradigmenwechsel, der tief ins Selbstverständnis von Planern und Verwaltungen eingreift.

Geschichtlich betrachtet ist Co-Produktion eine Reaktion auf die jahrzehntelange Praxis autoritärer Planung. Die Nachkriegsmoderne in Deutschland, das Leitbild der funktionalen Stadt, der alles steuernde Flächennutzungsplan – all das stand für eine Top-down-Logik, in der Bürger höchstens als Betroffene galten. Erst in den 1970er Jahren, mit der beginnenden Umwelt- und Stadtbewegung, wurden die Rufe nach echter Mitbestimmung lauter. Heute, im Zeitalter von Digitalisierung, Urban Governance und Partizipationsgesellschaft, ist Co-Produktion nicht nur wünschenswert, sondern auch notwendig, um komplexe Herausforderungen wie Klimawandel, Flächenkonkurrenz oder soziale Fragmentierung zu meistern.

Doch was unterscheidet Co-Produktion von Partizipation? Es ist der Unterschied zwischen „mitreden dürfen“ und „mitgestalten können“. Während klassische Beteiligung oft auf Informations- und Konsultationsformate setzt – also Workshops, Infoabende oder Bürgerfragestunden – geht Co-Produktion darüber hinaus. Sie setzt auf gemeinsame Entscheidungsfindung, auf geteilte Verantwortung und auf ein Verständnis von Stadt als kollektiver Prozess. Das ist unbequem, langsam, manchmal widersprüchlich – und gerade deshalb so wertvoll.

Die Theorie klingt bestechend, die Praxis bleibt jedoch herausfordernd. Viele Kommunen und Planungsbüros scheuen vor der vermeintlichen Unkontrollierbarkeit echter Co-Produktion zurück. Es gibt Ängste vor Kontrollverlust, vor endlosen Debatten, vor Ergebnissen, die nicht mehr in die klassische Planungsschablone passen. Doch genau hier liegt das Potenzial: Co-Produktion zwingt alle Akteure, ihre Routinen zu hinterfragen und Planung als lernendes, adaptives System zu begreifen. Sie ist kein Selbstzweck, sondern ein Instrument für bessere, tragfähigere und akzeptierte Lösungen.

Wer Co-Produktion als Prozess und Haltung versteht, erkennt: Es geht nicht darum, Macht einfach zu verteilen oder jede Entscheidung basisdemokratisch zu treffen. Vielmehr geht es um einen ehrlichen Dialog über Ziele, Mittel und Wege – und um die Bereitschaft, Verantwortung und Expertise zu teilen. Damit wird Co-Produktion zum Prüfstein einer zukunftsfähigen, resilienten Stadtentwicklung.

Warum klassische Beteiligung scheitert – und Co-Produktion gewinnt

Die Geschichte der Bürgerbeteiligung in der Planung ist reich an gut gemeinten Ansätzen – und ebenso reich an Ernüchterung. Klassische Formate wie Anhörungen, Planungswerkstätten oder Bürgerforen stoßen zu oft an strukturelle Grenzen. Sie sind meist von oben initiiert, zeitlich begrenzt und selten mit echter Entscheidungsmacht ausgestattet. Die Folge: Frust bei den Beteiligten, geringe Identifikation mit Ergebnissen, ein Gefühl von Schein-Transparenz. Planer sprechen dann von „Beteiligungsmüdigkeit“, Bürger von „Alibi-Verfahren“.

Der Grund für dieses Scheitern ist oft systemisch. Planungskultur und Verwaltungshandeln sind in Deutschland traditionell auf Rechtssicherheit und Verfahrensökonomie ausgerichtet. Beteiligung wird daher meist als zusätzlicher Verfahrensschritt gesehen – nicht als integraler Bestandteil des Planungsprozesses. Wer sich engagiert, tut dies oft in seiner Freizeit, auf eigene Kosten und ohne Aussicht auf echte Einflussnahme. Die Folge: Es engagieren sich vor allem jene, die Ressourcen, Zeit und Wissen mitbringen. Viele bleiben außen vor.

Co-Produktion dreht dieses Kräfteverhältnis um. Sie setzt auf frühzeitige Einbindung, auf kontinuierlichen Austausch und auf die Einbindung diverser Wissensträger. Statt Expertenwissen gegen Laienmeinung auszuspielen, werden verschiedene Perspektiven als gleichwertig anerkannt. Das gelingt aber nur, wenn die organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen stimmen. Die Kommune muss bereit sein, Prozesse zu öffnen, ihre Rolle als Moderator und Impulsgeber zu verstehen – und nicht als alleinige Entscheiderin.

Ein weiteres Problem klassischer Beteiligung ist die mangelnde Integration in die Umsetzung. Oft verschwinden Ergebnisse von Bürgerworkshops in der Schublade, weil sie nicht in bestehende Planungsinstrumente passen. Co-Produktion hingegen denkt vom Ergebnis her: Was muss geschehen, damit aus Ideen gebaute Realität wird? Das verlangt nach neuen Schnittstellen zwischen Verwaltung, Politik, Planung und Zivilgesellschaft – und nach klaren Prozessen, wie gemeinsame Verantwortungsübernahme tatsächlich funktionieren kann.

Besonders spannend ist der Aspekt der Legitimation. Klassische Beteiligung bleibt häufig in der Rolle des Bittstellers, der auf Gehör hofft. Co-Produktion hingegen schafft direkte Legitimation, weil Ergebnisse von Anfang an gemeinsam getragen werden. Das ist in Zeiten wachsender Politikverdrossenheit, multipler Krisen und komplexer Zielkonflikte ein unschätzbarer Vorteil. Die Stadt der Zukunft entsteht nicht im Hinterzimmer, sondern im offenen Dialog – analog wie digital.

Methoden, Werkzeuge und Erfolgsfaktoren für echte Co-Produktion

Wie aber gelingt echte Co-Produktion in der Planung? Es gibt kein Patentrezept, wohl aber eine Vielzahl an Methoden, die sich in der Praxis bewährt haben. Zentral ist der Wechsel von punktuellen Beteiligungsformaten hin zu Prozessen, die von Anfang an auf Kooperation, Verbindlichkeit und Transparenz setzen. Ein Beispiel sind sogenannte Co-Design-Workshops, in denen Experten, Verwaltung und Nutzergruppen gemeinsam an Entwürfen arbeiten – unterstützt durch Moderation, Visualisierung und digitale Tools. Hier entsteht ein gemeinsames Verständnis für Möglichkeiten und Grenzen, für Zielkonflikte und Synergien.

Auch Reallabore und stadtteilbasierte Experimentierräume haben sich als Katalysatoren für Co-Produktion etabliert. In diesen Formaten wird nicht nur geplant, sondern auch ausprobiert, angepasst, verworfen. Temporäre Nutzungen, Pop-up-Räume oder Urban Gardening-Projekte zeigen, wie aus gemeinsamer Initiative konkrete Veränderung wird. Diese Experimentierräume brauchen Mut zur Unsicherheit – und die Bereitschaft, Fehler als Lernchance zu begreifen.

Digitale Werkzeuge spielen eine immer größere Rolle. Online-Plattformen erlauben es, Meinungen und Wissen zu bündeln, Simulationen zugänglich zu machen und Entscheidungsprozesse transparent abzubilden. Dabei müssen jedoch technische Hürden und Datenschutzbedenken ernst genommen werden. Digitale Partizipation ist kein Allheilmittel – sie kann klassische Formate ergänzen, aber niemals ersetzen. Gerade in sozial heterogenen Quartieren sind hybride Ansätze, die analoge und digitale Werkzeuge klug verbinden, besonders erfolgreich.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die klare Rollenklärung. Wer übernimmt welche Aufgaben? Wie werden Konflikte gelöst? Welche Ressourcen stehen zur Verfügung? Gute Co-Produktion lebt von Verlässlichkeit: Absprachen müssen verbindlich sein, Ergebnisse nachvollziehbar dokumentiert, Entscheidungen legitimiert. Dies setzt eine Verwaltungskultur voraus, die auf Kooperation und Fehlerfreundlichkeit setzt – und die bereit ist, Macht wirklich zu teilen.

Best-Practice-Beispiele aus Städten wie Zürich, Freiburg oder Wien zeigen: Co-Produktion funktioniert am besten, wenn sie Teil einer langfristigen Stadtentwicklungsstrategie ist. Die Einbindung von Quartiersmanagement, lokalen Initiativen, Wissenschaft und Wirtschaft schafft Netzwerke, die auch über einzelne Projekte hinaus Bestand haben. Entscheidend ist der Wille, Stadt als gemeinsames Projekt zu begreifen – und nicht als Bühne für Einzelinteressen oder kurzfristige PR-Erfolge.

Herausforderungen und Stolpersteine: Warum Co-Produktion Mut braucht

So vielversprechend Co-Produktion klingt, so groß sind die Hürden in der praktischen Umsetzung. Der erste Stolperstein ist oft organisatorischer Natur: Verwaltungshierarchien, Fachdisziplinen und Zuständigkeitsfragen führen dazu, dass Verantwortung diffus bleibt. Wer entscheidet letztlich? Wer moderiert Konflikte? Wer haftet, wenn es schiefgeht? Ohne klare Strukturen und Prozesse läuft Co-Produktion Gefahr, im Klein-Klein zu versanden oder sich im Streit um Zuständigkeiten zu verlieren.

Auch rechtliche Rahmenbedingungen können bremsen. Baurecht, Haushaltsrecht und Vergaberecht setzen enge Grenzen für Flexibilität und Experimentierfreude. Viele innovative Ansätze scheitern daran, dass sie nicht in bestehende Verfahrensweisen passen oder keine rechtliche Absicherung bieten. Hier sind Gesetzgeber und Verwaltung gefordert, experimentelle Räume zu schaffen – etwa durch Sondergebiete, experimentelle Bebauungspläne oder befristete Genehmigungen.

Kulturelle Barrieren spielen eine ebenso wichtige Rolle. Viele Planer und Verwaltungsmitarbeiter sind in einer Expertenkultur sozialisiert, die Hierarchien und Fachwissen betont. Der Schritt zur geteilten Verantwortung fällt schwer – nicht aus bösem Willen, sondern aus Unsicherheit, Kontrollverlust und Angst vor Fehlern. Hier hilft nur Weiterbildung, Coaching und eine Kultur des Vertrauens, die Fehler als Teil des Lernens begreift.

Ein weiteres Problem ist die Gefahr der Scheinbeteiligung. Wenn Prozesse zwar als kooperativ deklariert werden, aber Ergebnisse schon feststehen, entsteht Frust und Vertrauensverlust. Co-Produktion darf kein Feigenblatt sein, sondern muss echte Einflussmöglichkeiten bieten. Das verlangt nach Transparenz, Offenheit – und der Bereitschaft, auch unbequeme Ergebnisse zu akzeptieren.

Zuletzt besteht die Gefahr der Überforderung. Nicht jeder will oder kann sich dauerhaft einbringen. Beteiligungsmüdigkeit, Repräsentationsprobleme und Machtasymmetrien sind reale Risiken. Gute Co-Produktion setzt deshalb auf gezielte Ansprache, klare Formate und die Einbindung von Multiplikatoren, die verschiedene Gruppen vertreten. Nur so entsteht echte Vielfalt – und kein Club der immer Gleichen.

Best-Practice und Ausblick: Co-Produktion als Zukunft der Stadtplanung

Ein Blick auf erfolgreiche Beispiele zeigt, wie vielfältig Co-Produktion in der Praxis aussehen kann. In Zürich etwa wurde das Quartier Hunziker Areal gemeinsam mit Genossenschaften, Stadtverwaltung, Planungsbüros und den zukünftigen Bewohnern entwickelt – von der ersten Skizze bis zum Einzug. Das Ergebnis: ein lebendiges, sozial durchmischtes Quartier, das als Vorbild für kooperative Stadtentwicklung gilt.

In Wien hat sich die Co-Produktion beim „Supergrätzl Favoriten“ bewährt: Verwaltung, lokale Initiativen und Wirtschaft haben gemeinsam ein autofreies Stadtviertel geschaffen, das heute als Labor für neue Mobilitätsformen, soziale Innovation und Nachbarschaftskultur dient. Auch in deutschen Städten wie Hamburg, Freiburg oder Leipzig gibt es Projekte, in denen Co-Produktion zu neuen Allianzen zwischen Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft geführt hat – etwa bei der Entwicklung von Parks, Quartiersräten oder städtischen Reallaboren.

Diese Beispiele machen Mut – zeigen aber auch: Co-Produktion braucht Ressourcen, Zeit und den langen Atem aller Beteiligten. Sie lebt vom Experiment, vom Lernen aus Fehlern und vom Willen, Prozesse immer wieder zu hinterfragen und zu verbessern. Entscheidend ist, dass Co-Produktion nicht als Ausnahme, sondern als Regel verstanden wird – als integraler Bestandteil einer nachhaltigen, resilienten und sozialen Stadtentwicklung.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist die Verknüpfung von analogen und digitalen Formaten. Digitale Plattformen ermöglichen es, Wissen zu bündeln, Prozesse transparent zu machen und neue Gruppen einzubinden. Gleichzeitig bleibt der persönliche Austausch, das gemeinsame Erleben und Verhandeln vor Ort unverzichtbar. Die Zukunft der Co-Produktion ist hybrid – und genau darin liegt ihre Stärke.

Es bleibt die Aufgabe von Politik, Verwaltung und Planungsbüros, Co-Produktion strukturell zu verankern. Das bedeutet: Ressourcen bereitstellen, Weiterbildungen ermöglichen, rechtliche Spielräume schaffen und Erfolge sichtbar machen. Nur so wird Co-Produktion vom Ausnahmefall zum Standard – und die Stadt der Zukunft zu einem Ort, an dem alle mitgestalten können.

Fazit: Co-Produktion ist kein Trend – sie ist der Maßstab für gute Planung

Co-Produktion in der Planung ist weit mehr als ein weiteres Beteiligungsformat. Sie ist Ausdruck eines neuen Stadtverständnisses, das auf Kooperation, geteilte Verantwortung und kollektive Intelligenz setzt. Wo sie gelingt, entstehen Städte, die widerstandsfähig, lebendig und akzeptiert sind – nicht trotz, sondern wegen der Vielfalt ihrer Akteure. Wer Co-Produktion als Prozess, Haltung und Werkzeug versteht, eröffnet Räume für Innovation, Experiment und soziale Gerechtigkeit. Die Herausforderungen sind groß, der Weg ist steinig – doch die Gewinne für Stadt, Gesellschaft und Umwelt sind immens. Städte, die sich auf echte Co-Produktion einlassen, sichern sich nicht nur Akzeptanz und Legitimation. Sie werden zum Labor für die urbanen Lösungen von morgen. Und das ist, mal ehrlich, die beste Investition in die Zukunft, die man sich vorstellen kann.

Irgendwie musikaffin

Wir, die G+L Redaktion, haben ab sofort einen Spotify-Account, mit dem wir unseren Musikgeschmack mit den G+L Lesern teilen möchten. Stellen Sie sich auf Ohrwürmer ein, die gute Laune machen und die die perfekte Hintergrundmusik beim Lesen der neuen G+L-Lektüre sind. Warum ein jedes Heft eine eigene Playlist verdient und welche Gesangstalente sich hinter der G+L Redaktion verstecken, das erklärt uns hier G+L Redakteurin Theresa Ramisch.

 

Es ist 21 Uhr in der G+L Redaktion. Wir sind mitten in der Abgabe, es fehlen noch Layouts, einzelne Bilder sitzen nicht und wir müssen nochmal final über sämtliche Überschriften drüber gehen. Das machen wir immer als allerletztes. Dafür muss man in der richtigen Stimmung sein. Oder ordentlich Zeitdruck haben, je nachdem. Und auch wenn meine Kolleginnen und ich Freude an diesen gemeinschaftlichen, kreativen Abendschichten finden – müde werden wir trotzdem irgendwann. Was dann hilft, ist Musik und ein Glas Prosecco.

Musik und die G+L Redaktion, das ist eh so eine Sache. Irgendwie sind wir musikaffin. Und mit „irgendwie“ meine ich nicht, dass wir wirklich informiert sind, Musik „verstehen“, den Bass raushören oder einen Akkordwechsel bemerken. Das überlassen wir lieber den Kollegen vom Rolling Stone. Aber wir assoziieren mit den Heften, die wir machen, und mit den Themen, die wir bearbeiten, auffällig häufig Lieder.

Das sieht so aus: Wir sitzen an unseren Schreibtischen in der Redaktion und einer fängt an, mehr oder weniger schräg (keiner von uns kann gut singen…) den Refrain eines Liedes vor sich her zu summen. Die anderen steigen ein. Beim Straßenheft, der Oktober 2018 Ausgabe, hatten wir ein Cover, das die Champs-Elysee zeigte. Der neue Redaktions-Ohrwurm war „Aux-Champs-Élysées“ von Joe Dassin, neben „Where the streets have no name“ von U2 oder „Looking for freedom“ von David Hasselhoff. Und so zieht sich das durch unsere Arbeit mit Artikeln, Bilderstrecken, Themen.

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Wir haben beschlossen, künftig zu jedem unserer Hefte eine Spotify-Playliste mit den Liedern anzulegen, die uns in der Redaktion beim Heftprozess begleitet haben, die man gut bei der Lektüre hören kann oder die einfach gute Laune machen (bei Nachtschichten beispielsweise). Diese möchten wir natürlich mit unseren Lesern teilen. Wir starten mit einer Playlist zum aktuellen Titelthema „Tourismus“ (Garten + Landschaft 05/19). Und sorry vorab für die diversen Ohrwürmer.

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