Wie Medellín mit Seilbahnen soziale Integration plant

Blick auf die Stadt Medellín mit einer Seilbahn, die soziale Integration und urbane Mobilität fördert.
Innovative Verkehrslösung für mehr soziale Teilhabe. Foto von Alvaro Palacios auf Unsplash.

Medellín – einst berüchtigt für Kriminalität, heute gefeiert als Labor für soziale Integration. Die kolumbianische Metropole setzt auf ein spektakuläres, scheinbar widersinniges Werkzeug: Seilbahnen. Was für Touristen nach Freizeitpark klingt, ist für Stadtplaner ein kluges Rezept gegen Ausgrenzung, Isolation und ungleiche Stadtentwicklung. Doch wie funktioniert diese Strategie, was können deutschsprachige Städte lernen, und wo liegen die echten Herausforderungen dieses urbanen Höhenflugs?

  • Überblick: Wie Medellín Seilbahnen als Rückgrat sozialer Integration nutzt
  • Städtebauliche und soziale Ausgangslage – warum Medellín radikal umdenken musste
  • Technik trifft Teilhabe: Wie urbane Seilbahnen physische und soziale Barrieren überwinden
  • Erfolge, Nebenwirkungen und kritische Stimmen: Was die Daten und die Menschen sagen
  • Übertragbarkeit: Was Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz lernen können
  • Rolle der Landschaftsarchitektur und Stadtplanung im Transformationsprozess
  • Partizipation, Governance und das neue Selbstverständnis von Mobilität
  • Risiken, Limitationen und Innovationspotenzial von urbanen Seilbahnen
  • Fazit: Warum Seilbahnen mehr sind als Verkehrsprojekte – und was sie für die Zukunft urbaner Inklusion bedeuten

Medellíns mutiger Perspektivwechsel: Von der gespaltenen Stadt zur Seilbahnmetropole

Medellín, die zweitgrößte Stadt Kolumbiens, galt jahrzehntelang als Inbegriff urbaner Zerklüftung. In den 1980er und 1990er Jahren war die Stadt berüchtigt für Gewalt, Drogenkrieg und eine tiefe soziale Spaltung, die sich nicht zuletzt topografisch manifestierte: Während das Zentrum und wohlhabendere Viertel im Tal lagen, erstreckten sich an den steilen Hängen informelle Siedlungen, abgeschnitten von Infrastruktur, Chancen und öffentlicher Sicherheit. Klassische Stadtplanung kam hier an ihre Grenzen, denn die Hanglagen waren schwer zugänglich, straßenbaulich kaum erschließbar und galten als No-Go-Areas für Polizei, Verwaltung und Investoren.

Mit dem politischen und planerischen Umdenken der 2000er Jahre begann Medellín, seine Perspektive radikal zu drehen. Die Stadtregierung erkannte, dass Integration nicht mit Polizei und Mauern, sondern mit Zugänglichkeit, Beteiligung und Mobilität geschaffen wird. Die Frage lautete: Wie kann man die marginalisierten Stadtteile physisch und sozial an die Stadt anschließen? Die Antwort war so unkonventionell wie visionär: urbane Seilbahnen, genannt „Metrocable“. Was in den Alpen Skifahrer verbindet, sollte in Medellín Menschen vernetzen – und damit den Grundstein für eine neue, gerechtere Stadt legen.

Dieses Konzept war kein kosmetischer Eingriff, sondern ein Paradigmenwechsel: Die Seilbahnen wurden nicht nur als Verkehrsmittel, sondern als soziale Infrastruktur verstanden. Jede Station wurde bewusst als öffentlicher Raum gestaltet, als Knotenpunkt für Bildung, Kultur, Gesundheit und Nachbarschaft. Statt an den Rändern zu sparen, investierte Medellín massiv in die Aufwertung der Peripherie – ein Tabubruch für lateinamerikanische Städte, der weltweite Aufmerksamkeit erregte.

Die Planung und Umsetzung der Metrocable-Linien erfolgte in enger Abstimmung mit lokalen Communities, NGOs und internationalen Experten. Es ging nicht nur um Technik, sondern um Vertrauen, Teilhabe und das gemeinsame Aushandeln urbaner Zukunft. Die Seilbahnen wurden zum Symbol eines neuen Medellín: mutig, inklusiv und bereit, alte Denkmuster über Bord zu werfen.

Heute gilt Medellín als Vorreiter für innovative Mobilitätskonzepte in Schwellenländern. Die Seilbahnen haben der Stadt nicht nur ein neues Image, sondern auch eine neue Verfasstheit gegeben. Sie sind zum Rückgrat eines urbanen Wandels geworden, der weit über Mobilität hinausweist – und damit zum Lehrstück für Planer weltweit.

Seilbahnen als urbane Brücken: Technik, Teilhabe und Transformation

Wer urbane Seilbahnen bislang mit Touristenattraktionen oder Freizeitverkehr assoziiert, unterschätzt ihr Potenzial als Werkzeug sozialer Stadtentwicklung. In Medellín sind die Metrocable-Linien mehr als nur Transportmittel. Sie überwinden drastische Höhenunterschiede, verbinden informelle Siedlungen mit dem öffentlichen Verkehrsnetz und erschließen Quartiere, die jahrzehntelang im Abseits lagen. Technisch handelt es sich um kuppelbare Umlaufseilbahnen, die in kurzer Taktung fahren und eine hohe Beförderungskapazität bieten – optimiert für den urbanen Alltag, nicht für den Wochenendausflug.

Die Bauweise ist dabei hochgradig anpassungsfähig: Schwebende Trassen minimieren Flächenverbrauch, Eingriffe ins Gelände und Zersiedelung. Stationen werden als multifunktionale Zentren konzipiert, die weit mehr sind als Haltepunkte. Sie beherbergen Bibliotheken, Gesundheitszentren, soziale Dienste und öffentliche Plätze. Damit verschieben sich die Funktionen von Mobilitätsknoten hin zu urbanen Treffpunkten, die soziale Infrastruktur in die bisher benachteiligten Viertel bringen.

Das Zusammenspiel von Technik und Teilhabe ist dabei kein Zufall, sondern Ergebnis bewusster Planung. Die Auswahl der Trassenführung, die Gestaltung der Stationen und die Begleitmaßnahmen wurden unter intensiver Beteiligung der Bevölkerung entwickelt. Stadtplaner, Sozialarbeiter, Architekten und lokale Akteure arbeiteten gemeinsam an Lösungen, die nicht nur funktional, sondern auch akzeptiert und identitätsstiftend sind. Partizipation war hier kein Feigenblatt, sondern der Schlüssel zum Erfolg.

Die Effekte reichen weit über die reine Mobilität hinaus. Studien und empirische Erhebungen zeigen, dass die Fahrzeiten zu Arbeitsplätzen, Schulen und Gesundheitszentren teilweise um mehr als die Hälfte reduziert wurden. Gleichzeitig stieg das Sicherheitsgefühl, weil die neuen Zugänge und öffentlichen Räume soziale Kontrolle und Präsenz stärken. Die Immobilienwerte in den angeschlossenen Vierteln legten zu, neue Investitionen und Initiativen entstanden. Die Seilbahnen erwiesen sich als Katalysatoren für eine umfassende Transformation ganzer Stadtteile.

Doch so beeindruckend die Erfolge sind, so deutlich zeigen sich auch die Herausforderungen: Der dauerhafte Betrieb, die soziale Durchmischung und die Vermeidung von Gentrifizierung erfordern kontinuierliche Aufmerksamkeit. Dennoch steht außer Frage: In Medellín haben urbane Seilbahnen bewiesen, dass technische Innovation und soziale Integration keine Gegensätze sind – sondern sich gegenseitig beflügeln können.

Erfolge, Nebenwirkungen und kritische Stimmen: Was leistet das Modell Medellín wirklich?

Die Bilanz nach über 15 Jahren Metrocable in Medellín ist beeindruckend und wird regelmäßig in internationalen Fachzeitschriften, Konferenzen und politischen Studien diskutiert. Die Fahrgastzahlen sprechen für sich: Rund 60.000 Menschen nutzen täglich die Seilbahnen, viele davon als Teil multimodaler Wegeketten. Der Zugang zu Bildung, Arbeit und öffentlichem Leben wurde für ganze Stadtviertel revolutioniert. Die Integration in das U-Bahn- und Bussystem sorgt für nahtlose Anschlüsse und fördert die Nutzung des ÖPNV insgesamt.

Noch bedeutsamer sind die sozialen Effekte, die weit über Zahlen hinausgehen. In vielen Vierteln sank die Kriminalität signifikant, weil die bessere Erreichbarkeit und die neuen öffentlichen Räume soziale Kontrolle und Austausch förderten. Die Bewohner berichten von einem gestärkten Zugehörigkeitsgefühl zur Stadt, von neuen Chancen und einem Rückgang der Stigmatisierung. Die Metrocable wurde zum Symbol für eine gerechtere Stadt – und zur Vorlage für ähnliche Projekte in Städten wie La Paz, Mexiko-Stadt oder Rio de Janeiro.

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Manche Experten warnen davor, den Erfolg zu überschätzen oder zu verallgemeinern. So ist die Gefahr der Gentrifizierung real: Mit der Aufwertung der angeschlossenen Viertel steigen auch die Lebenshaltungskosten, was einkommensschwache Familien erneut an den Rand drängen könnte. Außerdem bleibt der Betrieb kostenintensiv, und die Finanzierung ist angesichts wirtschaftlicher Schwankungen keineswegs gesichert. Nicht zuletzt gibt es immer wieder technische Herausforderungen – von Wartung über Sicherheit bis hin zur Anpassungsfähigkeit an wachsende Fahrgastzahlen.

Urbanisten und Sozialwissenschaftler betonen, dass Seilbahnen kein Allheilmittel sind. Sie lösen nicht automatisch alle sozialen Probleme, sondern müssen Teil eines integrierten Stadtentwicklungskonzepts sein. Ohne begleitende Maßnahmen wie Bildungsangebote, Arbeitsmarktintegration und gezielte Sozialarbeit läuft auch das beste Mobilitätsprojekt ins Leere. Medellín hat deshalb früh erkannt, dass nachhaltige Integration nur gelingt, wenn die Infrastruktur Teil einer umfassenden Strategie ist – und kein isoliertes Vorzeigeobjekt.

Trotz aller Nebenwirkungen bleibt das Urteil der meisten Fachleute positiv: Die Metrocable hat die Stadtgesellschaft verändert, Chancen geschaffen und das Bild der Stadt im In- und Ausland neu geprägt. Sie steht als Beweis dafür, dass technische Innovation, soziale Vision und politische Entschlossenheit gemeinsam Berge versetzen können – im wahrsten Sinne des Wortes.

Lernpotenziale für deutsche, österreichische und Schweizer Städte: Was ist übertragbar?

Die Frage, ob und wie das Modell Medellín auf Städte im deutschsprachigen Raum übertragbar ist, beschäftigt seit Jahren Planer, Verkehrsingenieure und Kommunalpolitiker. Klar ist: Die topografische Ausgangslage ist in vielen mitteleuropäischen Städten weniger dramatisch als an den Hängen Medellíns. Dennoch gibt es auch hier abgeschiedene Quartiere, soziale Schieflagen und Herausforderungen bei der Anbindung von Randlagen. Gerade in Großstädten wie Stuttgart, Zürich oder Innsbruck werden Seilbahnen als Ergänzung zum ÖPNV intensiv diskutiert – und teilweise bereits erprobt.

Technisch sind urbane Seilbahnen heute so ausgereift, dass sie auch dicht bebaute Stadtgebiete mit wenig Flächenverbrauch erschließen können. Ihre geringe Bauzeit, der niedrige CO₂-Ausstoß und die optische Leichtigkeit sprechen für sich. Für Planer ist entscheidend, dass Seilbahnen nicht nur Verkehrsinfrastruktur, sondern integraler Bestandteil städtebaulicher Entwicklung sein müssen. Die Stationen als soziale Orte, die Beteiligung von Anwohnern und die Einbettung in bestehende Stadtstrukturen sind Lessons Learned aus Medellín, die sich direkt übertragen lassen.

Gleichzeitig gibt es Unterschiede, die Beachtung verlangen. Die soziale Dringlichkeit, wie sie in Medellín bestand, ist in Mitteleuropa meist weniger ausgeprägt. Daher kann die Motivation für Seilbahnprojekte schnell ins Technokratische abrutschen – etwa als reine Verkehrsoptimierung oder touristisches Gimmick. Entscheidend ist, dass jede Seilbahnstrategie ein klares sozialräumliches Ziel verfolgt: Integration, Erschließung, Teilhabe. Nur dann entfaltet sie die transformative Kraft, die in Medellín zu beobachten ist.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist Governance. Die Erfahrung aus Kolumbien zeigt, wie unverzichtbar langfristige politische Verlässlichkeit, partizipative Planung und die Einbindung zivilgesellschaftlicher Akteure sind. In deutschen, österreichischen und Schweizer Städten ist dies mitunter schwieriger, weil Zuständigkeiten oft fragmentiert sind und Planungsprozesse langwierig verlaufen. Hier können mutige Pilotprojekte, interdisziplinäre Teams und offene Beteiligungsformate helfen, neue Wege zu beschreiten.

Abschließend gilt: Urbane Seilbahnen sind kein Patentrezept, aber ein wertvolles Werkzeug im Instrumentenkasten moderner Stadtentwicklung. Wer sie klug einsetzt, kann nicht nur Mobilität verbessern, sondern auch soziale Integration fördern – vorausgesetzt, Technik, Teilhabe und Städtebau greifen nahtlos ineinander.

Fazit: Was urbane Seilbahnen für die Zukunft der inklusiven Stadt bedeuten

Medellíns Seilbahnen sind weit mehr als ein spektakuläres Verkehrsprojekt – sie sind ein Symbol für eine neue, mutige Art von Stadtplanung, bei der Technik, soziale Vision und partizipative Prozesse Hand in Hand gehen. Sie zeigen, dass Integration nicht am Reißbrett, sondern im engen Austausch mit den Menschen gelingt. Gleichwohl ist klar: Der Erfolg verdankt sich einer Mischung aus politischem Willen, planerischer Innovationskraft und gesellschaftlicher Mobilisierung, die sich nicht eins zu eins kopieren lässt.

Für Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz liegt die Herausforderung darin, die richtigen Lehren aus Medellín zu ziehen. Es geht nicht darum, Seilbahnen als Allzwecklösung zu feiern, sondern sie als Teil ganzheitlicher Transformationsstrategien zu verstehen. Die Fokussierung auf Zugangsgerechtigkeit, soziale Infrastruktur und nachhaltige Governance bleibt der Schlüssel. Wer Seilbahnen nur als technisches Gadget betrachtet, verpasst ihre eigentliche Wirkung – nämlich Brücken zwischen Räumen, Menschen und Möglichkeiten zu schlagen.

Planer, Landschaftsarchitekten und Stadtentwickler können von Medellín lernen, wie wichtig der Mut zum Perspektivwechsel ist. Urbane Innovation beginnt dort, wo man alte Grenzen infrage stellt – seien sie topografisch, sozial oder mental. Die Seilbahnen sind in diesem Sinne ein Sinnbild für die Überwindung von Barrieren jedweder Art. Sie zeigen, dass Stadtentwicklung immer auch eine Frage der Haltung ist: offen, lernbereit und bereit, Neues zu wagen.

Natürlich bleiben Risiken. Gentrifizierung, Betriebskosten und technologische Abhängigkeiten erfordern eine nüchterne Analyse und langfristige Strategien. Doch wenn Städte den Willen und die Weitsicht aufbringen, soziale Integration zur Leitlinie ihrer Mobilitäts- und Infrastrukturpolitik zu machen, können urbane Seilbahnen einen entscheidenden Beitrag zur inklusiven Stadt der Zukunft leisten.

Am Ende steht Medellín für das, was Stadtplanung im besten Sinne sein kann: ein Labor für soziale Innovation, das nicht nur neue Wege baut, sondern auch neue Verbindungen schafft. Wer in Europa an die Zukunft urbaner Mobilität denkt, sollte einen Blick nach Kolumbien werfen – und vielleicht den Mut zum Höhenflug entwickeln.

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Die Gestaltung unserer Umwelt wird immer wichtiger, da der Klimawandel und die Urbanisierung große Herausforderungen mit sich bringen. Der Peter-Joseph-Lenné-Preis 2024 setzt ein klares Zeichen für die Bedeutung der Landschaftsarchitektur. Diese Disziplin verbindet gestalterische Kreativität mit ökologischer Verantwortung und schafft lebenswerte Räume, die Menschen und Natur gleichermaßen zugutekommen.

Jedes Jahr würdigt der Peter-Joseph-Lenné-Preis visionäre Projekte, die die Gestaltung von Freiräumen auf ein neues Niveau heben. Dabei stehen nicht nur ästhetische Aspekte im Fokus, sondern auch die nachhaltige Entwicklung und die Verbesserung der Lebensqualität.

Die Aufgaben des Wettbewerbs spiegeln die Vielseitigkeit der Landschaftsarchitektur wider. 2024 wurden drei Themen bearbeitet: urbane Verkehrsräume, postindustrielle Landschaften und die Küstengestaltung in Barcelona. Alle Siegerprojekte zeigten, wie innovative Konzepte gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen lösen können.

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Die Leipziger Straße, eine zentrale Verkehrsader in Berlin, galt lange als Beispiel für trennende Verkehrsräume. Mit der Aufgabe A sollten die Teilnehmenden Lösungen finden, um den Raum in einen lebendigen Ort der Begegnung zu verwandeln.

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Bastian ten Haaf und Leonie Butterweck aus Kassel setzten sich mit ihrem Entwurf „Paketband“ an die Spitze. Ihre Idee nutzt eine klare Struktur, um den Straßenraum in verschiedene Zonen mit unterschiedlichen Atmosphären zu unterteilen. Dadurch wird die Straße nicht nur funktionaler, sondern auch einladender für Fußgänger und Anwohner.

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Aufgabe A Sieger: Bastian ten Haaf und Leonie Butterweck Bild: Julia Merkel
Aufgabe A Sieger: Bastian ten Haaf und Leonie Butterweck Bild: Julia Merkel
Aufgabe A - Anerkennung: Charleen Schuhmacher und Oscar Frederik Jersch. Bild: Julia Merkel
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Die Lausitz, jahrzehntelang geprägt durch den Braunkohletagebau, steht vor einem Wandel. Mit dem Kohleausstieg bis 2038 eröffnet sich die Chance, diese Region neu zu definieren. Die Aufgabe B forderte die Teilnehmenden dazu auf, Konzepte für eine nachhaltige Transformation zu entwickeln.

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Till Pulst aus Weimar beeindruckte die Jury mit seinem Entwurf „Welzow Süd – Die produktive Landschaft“. Sein Konzept kombiniert Energieinfrastruktur und natürliche Elemente, um eine dynamische, zukunftsorientierte Landschaft zu schaffen. Besonders hervorzuheben ist die Gestaltung der Übergangszone zwischen der Stadt Welzow und der neuen Landschaft, die sowohl Naherholungsräume als auch Platz für Wohn- und Gewerbeflächen bietet.

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Barcelona stellte die internationale Aufgabe C, bei der eine Lücke in der Uferpromenade geschlossen werden sollte. Die Herausforderung bestand darin, einen Park zu gestalten, der Stadt und Meer auf nachhaltige Weise miteinander verbindet.

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Moritz Wette (Berlin) und Felix Ridder (Mühltal) gewannen mit ihrem Entwurf „Plataforma Reviva“ nicht nur den Peter-Joseph-Lenné-Preis, sondern auch die Karl-Foerster-Anerkennung für herausragende Pflanzenverwendung. Ihr Konzept überzeugt mit innovativen Ideen wie der Wiederverwendung vorhandener Bauteile, der Nutzung von Klärwasser und der Schaffung von grünblauen Lebensräumen.

Weitere Anerkennung für Annemarie Henßler

Zusätzlich ordnet der Entwurf die Verkehrsströme effektiv und schafft durch eine präzise Gestaltung der Küstengeometrie ein harmonisches Gesamtbild. Auch Annemarie Henßler aus Dresden erhielt in dieser Kategorie eine Anerkennung für ihren durchdachten und nachhaltigen Entwurf.

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Aufgabe C - Anerkennung: Annemarie Henzler. Bild: Julia Merkel
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Pflanzen als Schlüssel zur nachhaltigen Gestaltung

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Mehr als Dekoration

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Eine Jury mit internationaler Expertise

Ein Team aus renommierten Fachleuten

Die Preisträger des Peter-Joseph-Lenné-Preises wurden von einer erfahrenen Jury unter Vorsitz von Martin Schmitz(Atelier Loidl, Berlin) ausgewählt. Zu den weiteren Mitgliedern zählten Bernadette Brandl (TU München), Ina Bimberg (Bimberg Landschaftsarchitekten, Iserlohn) und Karoline Liedtke-Sørensen (Cobe, Kopenhagen). Vertreter der Städte Berlin, Welzow und Barcelona ergänzten die Jury mit ihrer lokalen Perspektive.

Der Peter-Joseph-Lenné-Preis als Impulsgeber

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Der Peter-Joseph-Lenné-Preis 2024 zeigt, wie vielfältig und zukunftsorientiert Landschaftsarchitektur sein kann. Die Preisträger bieten Antworten auf zentrale Fragen unserer Zeit: Wie können wir Städte lebenswerter gestalten, postindustrielle Landschaften wiederbeleben und nachhaltige Küstenräume schaffen?

Plattform für junge Talente

Die Projekte der Gewinner unterstreichen, wie kreative Ideen, interdisziplinäre Ansätze und mutige Visionen eine bessere Zukunft formen können. Der Wettbewerb bleibt eine unverzichtbare Plattform für junge Talente, die mit ihren Arbeiten die Welt nachhaltig verändern möchten.

 

 

 

Lesen Sie hier mehr zum PETER-JOSEPH-LENNÉ-PREIS 2022.

 

Bezahlbar Wohnen in Deutschland

Advertorial Artikel Parallax Article

Mit fast zehn Sozialwohnungen pro 1 000 Einwohner*innen steht Hamburg im bundesweiten Vergleich von 26 Städten laut einer Studie von Bulwiengesa ganz vorn da. Doch Sozialwohnungen werden in Deutschland trotzdem in erstaunlicher Geschwindigkeit knapper und immer weniger Menschen können sich Wohnraum in Ballungsgebieten leisten. So hat sich sozialer Wohnungsbau in Deutschland verändert.

Sozialer Wohnungsbau: frühes Vorbild Deutschland

 

2002 lag die Zahl der Sozialwohnungen in Deutschland ungefähr bei 2,6 Millionen. 2018 waren es nur noch etwa 1,2 Millionen, also weniger als die Hälfte. Das hat der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen in einer Auswertung 2019 festgestellt.

Mit anderen Worten: Zwischen 2002 und 2018 verloren jeden Tag durchschnittlich rund 230 Wohnungen ihren Status als Sozialwohnung. Netto, trotz Neubauten. Ihre Vermieter*innen unterliegen dann nicht mehr der Bindung an staatlich vorgeschriebene Mietpreise und lassen sich mit Mieterhöhungen – verständlicherweise – nicht lange bitten. Unterm Strich geht es mit Deutschlands Sozialwohnungen also abwärts. Nicht gerade rühmlich, wenn man bedenkt, das Deutschland früher als internationaler Spitzenreiter sozialen Wohnungsbaus galt.

Vor etwa 100 Jahren befand sich Deutschland in der Zeit der Novemberrevolution. Der erste Weltkrieg neigte sich dem Ende, die Deutschen stürzten ihre Monarchie und riefen die Republik aus. Auf ihre schlechte Wohnsituation versuchten sie schon in der Kaiserzeit, mitunter in Krawallen auswachsend, aufmerksam zu machen. Doch erstmals in der Zeit der Weimarer Republik fanden die Stimmen der Arbeiterbewegung das Gehör und die Bereitschaft vor, jenen mit kleinen Einkommen bezahlbaren und lebenswürdigen Wohnraum zu schaffen.

Die Berliner Hufeisensiedlung ging als vielleicht bekanntestes Beispiel aus dieser Epoche hervor. Sie ist heute UNESCO-Welterbe und architektonische Ikone. Allein im damaligen Groß-Berlin entstanden in den 20er-Jahren insgesamt 17 solcher verdichteter Sozialwohnsiedlungen, die optisch nicht alle so herausragen mögen wie die Hufeisensiedlung, aber ein gemeinsames Ziel verfolgten: leistbaren Wohnraum guter Qualität zu schaffen.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs sorgten in Schutt liegende Städte und die zurückkehrenden Heimatvertriebenen für eine grassierende Wohnungsnot, auf den in sowohl in Ost als auch in West mit dem Bau staatlich finanzierter Wohnungen begegnet wurde. Der Trend zum öffentlichen Wohnungsbau fand schließlich ab den 80er-Jahren seine Wende, als der Staat sich aus dessen Finanzierung zurückzog und immer mehr Kommunen aus Geldmangel damit begannen, ihre geförderten Wohnflächen zu privatisieren.

Sozialer Wohnungsbau seit den 80ern privatisiert

Die neuen Eigentümer*innen wurden in Verträgen von üblicherweise 30 Jahren Dauer dazu verpflichtet, die Wohnungen als Sozialwohnungen für berechtigte Interessent*innen bereitzustellen und dafür vom Staat finanziell entschädigt. Nach diesen 30 Jahren entfällt dann die sogenannte Sozialbindung und die Eigentümer*innen dürfen die Wohnungen wieder am freien Markt anbieten. Die Renditen, die dort mittlerweile zu erzielen sind, lässt sich kaum jemand entgehen, der Wohnraum anzubieten hat. Wer sich heute eine Wohnung in Ballungsgebieten leisten will, muss häufig entweder weit über dem Durchschnitt verdienen, sich mit sehr wenig Platz zufriedengeben oder aber einen ungesunden Anteil des Haushaltseinkommens für die Wohnkosten einplanen.

Dennoch, das zeigt wie groß die Wohnungsnot anscheinend wieder geworden ist, finden sich heute in deutschen Großstädten schon mal 50 Bewerber*innen zur Massenbesichtigung des sanierungsbedürftigen Wohnklos ein und eine*r von ihnen darf sich anschließend der Ehren einer gepickten Rosine erfreuen.

Der jahrelang vernachlässigte soziale Wohnungsbau wird sich nicht schnell beheben lassen. Das liegt schon an der Gestaltung von Baugenehmigungsverfahren, die regelmäßig ein Vielfaches der reinen Bauzeit eines Objekts in Anspruch nehmen. Was heute angestoßen wird, kann, auch aufgrund des Mangels an Personal, das Bauverfahren in den Kommunen zu bearbeiten in der Lage ist, erst in Jahren zum ersten Spatenstich gelangen. Dazu kommt, dass erst einmal Baugrund vorhanden sein muss, und der wurde an vielen Orten während der Privatisierung verkauft.

Dass Hamburg jetzt statistisch gut dasteht im Bereich sozialer Wohnungsbau ist eine schöne Nachricht, aber die Tatsache, dass sich insgesamt viel zu wenig beim Thema tut, transportiert sie nicht. Immer noch, selbst einschließlich der geplanten Neubauten in den Bundesländern, werden Sozialwohnungen in den nächsten Jahren effektiv weniger werden und solange es sich für Investor*innen nicht lohnt, sie zu bauen, wird sich daran von selbst auch nichts ändern.

Mehr Initiative gefordert

Deutschland ist spät dran ist mit der Thematik, da hilft auch Meckern nichts mehr. Staat und Länder müssen jetzt aber weitaus unternehmen, als bisher. Das Hannoveraner pestel-Institut kam in einer Kurzstudie 2019 zum Fazit, dass der Bestand an Sozialwohnungen als „Minimalziel“ zur Entspannung deutscher Wohnungsmärkte bis 2030 wieder auf zwei Millionen angehoben werden sollte. Um das zu erreichen, schätzt das Institut einen Finanzbedarf von jährlich über sechs Milliarden Euro über mehr als zehn Jahre.

Das sind weit mehr, als die 2,4 Milliarden, die laut der Studie 2018 für den sozialen Wohnungsbau in den Haushalten des Bundes und der Länder bereitgestellt wurden. Auch die Finanzhilfen des Bundes für den sozialen Wohnungsbau, die 2020 mit einem Volumen von einer Milliarde Euro bis 2024 beschlossen wurden, sehen da eher aus wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Vorschläge zur Bekämpfung der Wohnungskrise gibt es. Bundeseigene Liegenschaften wie Parkplätze an Bahnhöfen beispielsweise könnten den Baugrund für neuen Wohnraum darstellen. Auf Stelzen gebaut, wie nach einer Idee eines Bad Aiblinger Architekten, würden sie mit den parkenden Autos nicht einmal um den begehrten Platz konkurrieren. Um schneller auf den Bedarf reagieren zu können, wäre es aber auch nötig, das Baurecht zu verschlanken, und sozialen Wohnungsbauer*innen nicht noch zusätzliche Verwaltungsarbeit aufzubürden.

Über sozialen Wohnungsbau und über den Flächendruck in Berlin ganz allgemein sprachen wir mit Berlins Bausenator Sebastian Scheel im Interview.

Und alles zum Mietendeckel Berlin lesen Sie hier.